Gemäßigt fahren ohne größere psychische Schäden

Der Benzinverbrauch geht zurück und auch der CO2-Ausstoß. Die Unfallgefahr nimmt ab, der Verkehr fließt gleichmäßiger. So die Argumente für eine generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen, wie sie schon lange zu vernehmen sind. Auch eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission kam zu dem Schluss, dass es jetzt an der Zeit sei, ein generelles Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf deutschen Autobahnen anzusetzen. Die Grünen, die seit vielen Jahren ein Limit von 120 km/h fordern, setzten sich an die Spitze der Bewegung: Ein Tempolimit habe nur Vorteile. Doch das Limit entzweit – und hat dennoch ganz klar nur Vorteile. Auch wenn da ein gewisser Andres Scheuer, der nicht nur Bundesverkehrsminister, sondern auch noch von der CSU ist, den mündigen Wähler sogleich wissen ließ, dass sich derjenige, der so etwas fordere, „gegen jeden Menschenverstand“ wende. Möglicherweise hat er das in irgendeinem oberbayrischen Bierzelt gesagt. Die, die das Thema aufgebracht haben, waren jedenfalls die Mitglieder der „Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität“, einer Kommission, die eben jener Andreas Scheuer eingesetzt hatte. Werden da also nur mal wieder Steuergelder verschwendet, oder hatte der Scheuer Andi seinen Verstand abgeschaltet, als er das sagte?

Selbst wenn die Argumente „geringerer Benzinverbrauch“ und „geringerer CO2-Ausstoß“ wegfallen sollte, wäre für mich allein das Argument „gleichmäßiger Verkehrsfluss“ ausreichend. Wer einmal nach einem längeren Urlaub in Frankreich, wo auf Autobahnen 130 km/h gilt und auf Landstraßen 80 km/h, und wer dort erlebt hat, wie dies den Verkehr zügelt, Druck rausnimmt, Staus verringert, der wird, sobald er auf deutsche Autobahnen einbiegt, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Hier gilt noch immer das Recht des Stärkeren, der Gaspedalbrutalos. Selbst mit 150 km/h ist man auf der linken Autobahnspur noch den Lichthupen im Rückspiegel ausgesetzt. Wer das erlebt, kann kaum glauben, dass die Deutschen angeblich mehrheitlich für schärfere Maßnahmen gegen den Klimawandel sind. Man versteht dann aber vielleicht den Scheuer Andi doch ein bisschen, dass er nicht dafür verantwortlich sein will, den „freien Bürgern“ dieses letzte bisschen an freier Fahrt zu nehmen. Er will wohl keine Spaßbremse sein. Nur: Mit „Menschenverstand“ hat das wahrlich zuallerletzt zu tun.

Balken 4Leserbriefe

Achim Reh aus Hanau:

„Endlich mal ein vernünftiger Vorschlag: Stressfreies Fahren auf der Autobahn. Gleichmäßigerer Verkehrsfluss und damit weniger Spontanstaus und Auffahrunfälle. Und nicht zuletzt ein geringerer Energieverbrauch und Schadstoffausstoß. Dies soll „gegen jeden Menschenverstand gerichtet“ sein, wie der Autolobbyist Scheuer, im Nebenberuf Verkehrsminister, meint?
Welcher „Verstand“ liegt dieser Aussage zugrunde? Ein „gesunder Menschenverstand“ sicherlich nicht.“

Christian Rentsch aus Erlenbach (CH):

„Denken Sie mal: Die kurlige Schweiz kennt seit vielen Jahren Tempo 120 auf allen Autobahnen. Und sie ist trotzdem nicht untergegangen, sondern lebt bestens damit. Sogar die rasanten Deutschen halten sich in der Schweiz mehrheitlich an diese Limite, und das meines Wissens ohne grössere psychische Schäden zu erleiden. Wahr ist allerdings leider auch, dass viele Schweizer noch nicht begriffen haben, dass es kein Menschenrecht auf 4×4-Antriebe und Stadt-Geländewagen gibt. Nachdem man viele Jahre vergeblich versucht hat, den Autofahrern beizubringen, dass es ein Unsinn ist, in einem Land mit Tempo 120-Limit übermotorisierte Autos zu kaufen, die es auf 250 oder 300 Stundenkilometer bringen, wird man irgendwann dazu kommen müssen, solchen Unsinn schlicht und einfach zu verbieten.“

Update: Weitere Leserbriefe, die in den Print-Ausgaben der FR ab 24.1. erscheinen werden:

Ernst Hettche aus Frankfurt:

„Definitiv bedarf das Thema keiner Kommentierung! Herr Wille hat in seinem Leitartikel vorbildlich alle technologischen und soziologischen Facetten eine der Vernunft botmäßigen Tempolimits ausgeleuchtet. Gleichwohl bewegt mich Folgendes:
Bei kaum einer anderen Fragestellung als jener nach einem angemessenen Tempolimit auf Autobahnen von 120 km/h gibt es keine, aber auch wirklich keine vernünftigen Einwendungen und doch scheint es vielen unserer (anscheinend?) vernunftbestallten Parlamentariern als Schreckgespenst.
Bewegt (besser: erregt) hat mich zudem die Frage, wie es möglich ist, dass ein von jeglichem Menschenverstand verlassener (oder: bescheuerter) Bundesverkehrsminister es wagen kann, alle Verstandesinhaber des Gegenteils zu bezichtigen… Hier gilt das Gebot des raschen Weges zum Müllhaufen der Geschichte!“

Günter Wagner aus Buchholz:

„Was kann man dazu noch sagen?  Müssen wir uns Bürger dieser Republik denn alle Männer-Nieten der CSU gefallen lassen? Und die Aussage „gegen jeden Menschenverstand“ heißt ja wohl auch umgangssprachlich „bescheuert“ zu sein.  In diesen Falle halte ich es doch mit Frau Merkel: Wir hatten in Deutschland noch nie eine Bundesverkehrsministerin. Wäre mal Zeit dafür.   Aber um Himmelswillen bitte nicht Frau Nahles! Die Partei, deren „Chefin“ sie ist, plädiert ja auch zu großen Teilen fürs „bescheuert“ sein. Wohin wir auch schauen: der Menschenverstand ist einfach weg! Aber das scheint einem großen Teil der Europäer wohl inhärent zu sein.“

Jörg Sternberg aus Hanau:

„Bravo Herr Scheuer! Endlich sagt es mal jemand, was allen Zorn macht und seelische Belastung bis zur Schlafllosigkeit. Das lehnen Sie ab und wird gottseidank dann ja auch keine Realität. Diktum, ohne Aussprache und überflüssige Diskussion in Fachkreisen. Ministererlass. Also kein Tempolimit wegen Klimaschutz, einfach nur lächerlich. Punkt. Hunderte Tempotote auf Autobahnen und ausgebauten Bundesstraßen: ärgerlich, aber alternativlos. Weniger Staus? Warum denn, mögen wir, Zeit für meditative Einkehr und Besinnlickeit, kleine Entschleunigung für zwischendurch. O.K. Unser Wohlstand steht auf dem Spiel, das Eigenheim am Waldrand, die Kreuzfahrt und der Porsche. Klar doch.Wie gesagt: Wohlstand für alle. Brettern und heizen, was will man mehr? Freie Fahrt für freie…Lemmige. Klar doch. Kurz vor dem Absturz, aber noch im Alter ein James Dean. Alle Achtung! Das kann, so Scheuer, alle „mitreißen“. Wollen wir doch hoffen.
Dobrindt war schon bescheuert, aber Scheuer ist jetzt völlig verdobrindt. Gegen jeden Menschenverstand der Widerstand gegen ein Tempolimit. Wie gesagt für ein Hirn von Lemmigen oder Psychopath, lebensmüde. Die Kinder und Enkel auch? Wollen die solch Wahnsinnsfahrt über die Klippen auch? Gute Fahrt auch, Herr Scheuer, und kommen Sie gut heim. Nur nicht wieder!“

Emil Jacob aus Poppenhausen:

„Seit Jahren gibt es in Dänemark Tempolimit. In Frankreich ebenso. Auf Autobahnen und Landstraßen.  Nur Deutschland bleibt das Land der Raserei.  Hier richtet man sich nach den Autofirmen die die Raserautos herstelle und den Politikern vorschreiben wie sie zu entscheiden haben. Gerade die FDP war schon immer umweltzerstörend eingetreten für freie Fahrt für freie Bürger.  Bei dem jetzigen FDP Vorsitzenden,  den „Porsche Lindner“  kein Wunder. Hier kann man nur hoffen dass diese Umweltzerstörer Partei,  der Verkehrstote völlig egal sind, unter 5 Prozent bleibt.
Der Porschelindner gibt ja groß mit seiner Porschesammlung an. Die wollen ja auch gefahren werden. Aber nicht mit 130 km. Die Autoloby wird eine Geschwindigkeitvorschrift zu verhindern wissen. Wetten ?“

Rudolf Dohnal aus Frankfurt:

„Wenn ich adäquat auf die Aussage unseres Verkehrsministers antworten wollte, müsste ich in Ton- und Wortwahl die Steigerung etwa so fortsetzen: „ Scheuer … B-Scheuer-t“. Ich möchte mich aber auf der Sachebene bewegen, die von der Regierungskommision vorgegeben ist. In deren Aussagen spiegelt sich m.E. die Verantwortung für die Menschen und deren Zukunft auf unserem Planeten Erde wieder. Da hat kein Lobbyegoismus platz, der aus reiner Hybris zu der Aussage kommt, dass ein Tempolimit der Freiheit widerspreche und „gegen den gesunden Menschenverstand“ (Scheuer)gerichtet sei und dies einer „Umerziehung“ (Lindner) entspreche“.
Ich teile die Argumente von Joachim Wille, der fordert, dass schnell ein Tempolimit kommen muss, denn diese“Tempobremse hat nur Vorteile: Sie spart Sprit, schont die Umwelt und sorgt für weniger Staus.“ Dazu mein persönliches Erlebnis vom vergangenen Sonntag. Wiedermal aus der Schweiz kommend, die Grenze bei Basel überschritten und wieder mal das gleiche Erleben: Die Gaspedale durchtreten, um endlich als freier Bürger, freie Fahrt zu haben. Mein Beifahrer brachte dafür das Bild der „offenen Psychiatrie“.
Anschließend Abfahrt von der Autobahn, in Richtung Donaueschingen, durch die Stadt Freiburg i.Br. Trotz hohem Verkehrsaufkommen kein Stau, denn die gesamte Stadtdurchfahrt hatte das Tempolimit 30 kmh. Die Ampeln waren immer auf Grün!“

Dieter Hooge aus Frankfurt:

„Als ich heute, den 22.1.2019, in der FR den Artikel „Ein Thema, das entzeit“ las und an die Stelle kam an der der Automobil Cheflobbyist Scheuer mit den Worten zitiert wird, er halte den Vorschlag ein Tempolimit von 120/130 kmh auf Autobahnen einzuführen, für gegen „jeden Menschenverstand“ gerichtet war ich auf Anhieb angefressen. Gehts noch noch? Seit Monatenn zweifele ich schon am Menschenverstand dieses Minister, der sein Arbeitszimmer im Ministerium, wohl unentwegt als Lobby-Zentrale missbraucht. Hard Wear Nachrüstung der Diesel-Dregschleudern, Scheuer legt sich seit Monaten erfolgreich quer. Die Automobil – Industriebosse können ihr Glück kaum fassen.
Dazu fällt mit nun eine Begebenheit ein, die genau 43 Jahre zurückliegt und die geht so: 1976 habe zum erstem Mal die USA bereist. Bis dato war mir nicht klar was da auf den Autobahnen (Freeways) los war. Tempolimit von 60 mph (ca. 98 kmh) und zwar landesweit. Aus der Luft per Flugzeug kontrolliert (Speedcontrol by Aeroplain). Überall wurde die Autofahrer darauf hingewiesen. Wer bei Überschreitung des Limits erwischt wurde musste mit sehr empfindlichen Strafen rechnen. Bein erheblicher Überschreitung wrde mann von der Strasse direkt in den Knast für mindestens 3 Tage geschickt, im freiesten Land der Welt. O. k. bis heute hat man da schon einiges neoliberal dereguliert, aber grundsätzlich ist das Tepolimit geblieben, wie überigens überall auf der Welt. Wir sind bis heute das Paradies der Raser geblieben.
Zurück in Hessen habe ich dies einem befreudeten SPD Landtagsabgeordneten erzählt und ihm vorgeschlagen, er solle die Initiative im Hessischen Landtag ergreifen, so ein Tempolimit z. B. von 120 kmh besser 100 kmh auf den Autobahnen zumindest in Hessen, ergreifen und dann auch versuchen durchzusetzen. Darauf erwiderte dieser SPD MdL, genau das werde er nicht tun, mit dieser Foprderung sei „kein poltischer Blumentopf zu gewinnen!“ Die Finger würde er sich mit so einer Forderung jedenfalls nicht verbrennen. Mich hat das schon damals alles andere als überzeugt. Und so vergingen die Jahre.
Die Geschichte über eine Verhinderung eines Tempolimits seit den 1970ger Jahren ist schnell erzählt: ADAC: „Freie Fahrt für freie Bürger“. Und auf die FDP ist da seit Jahrzehnten „Verlass“. Zitat Lindner in der FR aktuell „das ist Umerziehung!“
Träumen wird man wohl noch dürfen. Hätten wir seit den 1970ziger Jahren ein Tempolimit: Wieviel Verkehrstote und auch Schwerverletzte wären verhindert worden, wieviel umweltschädliche Abgase wären nicht in die Luft gegangen, wieviel Krafstoff wäre nicht verbrannt worden?
Und nun Lindner und Scheuer, dies alles sei gegen den Menschenverstand und Umerziehung.
Seit Jahrzehnten beobachte ich den Niedergang der politischen Kultur in unserem Land. Die beiden „Vollblut Poltiker“ aber nicht nur die, haben am 22.1.2019 einen gewaltigen Beitrag dazu geleistet unsere politische Kultur weiter in den Keller zu beförden!“

Dieter Murmann aus Dietzenbach:

„Warum haben wir Deutschen denn so gar kein glückliches Händchen mit unseren Verkehrsministern? Nach Ramsauer dachte man, es wird bestimmt besser. Dann kam Dobrint mit seiner Maut und setzte noch einen drauf. Und nun haben wir Scheuer, und alles wird noch schlimmer. Es ist zum Verzweifeln. Scheuer (CSU, vielleicht liegt es daran?) glaubt wohl, er sei der Einzige mit „Menschenverstand“. Wer klärt ihn denn auf? Nicht nur, dass wir inzwischen fast das einzige Land weltweit sind, dass kein generelles Tempolimit hat, nein, auch die Mehrheit der Bevölkerung (alle ohne Menschenverstand?) würden ein Tempolimit auf Autobahnen begrüßen, da es objektiv eigentlich nur Vorteile hat. Was Herr Scheuer für seinen Menschenverstand hält, ist wohl eher Dummheit. Damit könnten wir ja eigentlich ganz gut leben, wenn Herr Scheuer halt nicht Verkehrsminister wäre. Erst vor kurzem, kaum im Amt, hat er bei einem Deal mit Toll Collect (Telekom und Siemens) mehrere Milliarden Euro verschenkt. Zusätzlich hat er den Beschenkten auch noch einen als Gelddruckmaschine deklarierten LKW-Maut-Folgeauftrag zugeschanzt. Sein Agieren im Dieselskandal will ich nicht kommentieren. Nun beauftragt er eine Expertenkommission Wege aufzuzeigen, wie im Verkehrssektor die deutschen Klimaziele zu erreichen wären. Das Ergebnis, nämlich u.a. ein Tempolimit einzuführen, hat dem selbsternannten „Oberexperten“ aber nicht gefallen, schließlich hat er ja Menschenverstand. Mir fällt nichts mehr ein. Es ist zum Heulen.“

Ralf Krug aus Pohlheim:

„Ein wichtiger Aspekt fehlt bei der Diskussion ums Tempolimit: war zahlt für das schnelle Fahren?
Die Schnellfahrer sind überwiegend Dienstwagennutzer, denen ein steuerliches Privileg zu Gute kommt.
Die Nutzung von Dienstwagen wird pauschal versteuert, nur abhängig vom Preis des Autos.
Dadurch werden in etwa die festen Kosten der Autonutzung versteuert (sog. „geldwerter Vorteil“).
Die variablen Kosten dagegen sind steuernminderne Betriebsausgabe, das Ergebnis ist subventioniertes Rasen!
Die Dienstwagenregelung muss geändert werden, damit Fahrleistungen und Fahrweise eine Rolle spielen.
Dann wäre auch die Nutzung von anderen Verkehrsmitteln attraktiv, weil das Autofahren nun Geld kostet.“

28 Kommentare

  1. deutscher Michel sagt:

    Ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen ist aus Gründen der Verkehrssicherheit und des weniger stressigen Fahrens wirklich wünschenswert.
    Gerade heute früh – vor dem Lesen dieses Blogs – habe ich mich allerdings mit meinem Bürokollegen darüber unterhalten, der beim Thema Tempolimit Pickel bekommt und nichts davon wissen will.
    Sein Argument ist, dass man sowieso nur schneller fahren kann, wenn die Straßen frei sind.

    Zu befürchten ist allerdings, dass es die Deutschen wieder übertreiben und ein Limit von 100 km/h durchsetzen.
    Dann wäre mir der Status Quo auch lieber.

  2. Napez sagt:

    Deutschland ist das einzige Land der Welt mit einem groß dimensionierten Straßennetz, dass noch freie Fahrt zulässt. Was den Amerikanern ihr Recht auf Waffen, das scheint dem Deutschen das Recht auf Toppspeed zu sein. Aber mal andersherum: Wer würde denn durch ein Tempolimit wirklich benachteiligt? Zeitgewinn durch Raserei? Dann ist die Erde eine Scheibe und Schweine können fliegen.

    Ein (hoffentlich) zu erwartender Effekt eines Tempolimits sollte neben der Verkehrsberuhigung auch ein Umdenken bei der Entwicklung von Neufahrzeugen sein. Nicht mehr die Leistung zählt in erster Linie, sondern Komfort und Sicherheit. Kein Mensch braucht Kleinwagen mit Höchstgeschwindigkeit jenseits der 200 km/h. Im Zeitalter der Elektromobile werden wir uns ohnehin an eine gemächlichere Fahrweise gewöhnen müssen, werden die meisten doch schon abgeriegelt, wo Porschefahrer gerade den dritten Gang einlegen.

    Ein Tempolimit wäre doch endlich einmal etwas für ein Referendum. Jedenfalls wesentlich eher, als eines über den Verbleib in der EU, das wohl die Sachkompetenz des Durchschnittsbürgers überstrapazieren würde. Siehe GB.

  3. J. Beudt sagt:

    Also ich wundere mich schom etwas über die vehemente Befürwortung eines Tempolimits.
    Nicht weil ich dagegen bin sondern weil ich eher wenige Strecken kenne, auf denen es kein Tempolimit gibt. Und ich fahre viel. Außerdem lässt es der Verkehr kaum zu, schneller als 130km/h zu fahren.
    Was mir aber fehlt ist die Überwachung der Limits. Ich denke, mit deren Verstärkung wäre viel gewonnen

    Aber der Kollege aus CH toppt natürlich das Ganze mit seinem Verbot von größeren Autos. Naja Schweiz halt. Als nächstes will er wahrscheinlich weißes Toilettenpapier verbieten. Sorry das musste raus an die Adresse des Menschengänglers.

  4. Napez sagt:

    Der Hinweis darauf, dass doch ohnehin schon fast überall auf unseren Autobahnen Tempolimits gelten, ist für mich das schlagkräftigste Argument für ein generelles Tempolimit. Denn dann kommt es auf den Rest auch nicht mehr an. Die Gefahr geht vor allem von Zeitgenossen aus, die sich auf den verbliebeben Teilstrecken ausleben wollen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich weiß nicht, ob ich mich „Vielfahrer“ nennen darf, aber ich bin auch ca. 30.000 km pro Jahr unterwegs.

    Was die Überwachung angeht, genau das würde einfacher. Dann wären mehr „Section-Controls“ möglich, auch wenn jetzt der Datenschutz schmerzerfüllt aufstöhnen wird. Vor allem aber geht es mir um die Beruhigung des Verkehrs. Ich bin öfter mal in den USA und dort schon viele tausend Meilen gefahren. Die Distanzen sind wesentlich größer als bei uns, trotzdem schafft man das – auch mit Tempo 75 Meilen pro Stunde Höchstgeschwindigkeit. Nur Montana hat (oder hatte?) tagsüber kein Tempolimit. Und selbst dort wird moderat gefahren.

  5. Werner Engelmann sagt:

    Die Vorteile einer Geschwindigkeitsbeschränkung in mehrfacher Hinsicht bedürfen wohl kaum noch einer tiefgründigen Erörterung. Ebenso, dass es in Deutschland Menschen gibt, die nie über die Pubertät hinauskommen, die ihre Machtgefühle als Herr über sinnlose PS unter ihrem Hintern brauchen, um zu kompensieren, was ihnen an Selbstbewusstsein fehlt.
    Solche Menschen gibt es aber auch etwa in Frankreich, wo ich lebe. Nur wagen die es nicht mehr, ihre diesbezüglichen Defizite auf der Straße auszutoben.
    Der Unterschied ist freilich der, dass in Deutschland mit einem Herrn Scheuer ein eben solcher Typ auf dem entsprechenden Ministersessel sitzt, der sich nicht als Vertreter des Volkes, sondern nur Seinesgleichen begreift und dies mit seinen ebenso maß- wie hirnlosen Sprüchen von den „freien Bürgern“ und dem „gesunden Menschenverstand“ auch zum Ausdruck bringt. Und der darüber hinaus einer Autolobby zu Diensten ist, die mit pubertären Defiziten ihre Geschäfte machen und meinen, darauf nicht verzichten zu können.
    Das ist wohl der Punkt, an dem anzusetzen wäre.
    Eine Volksbefragung etwa zu dem Thema könnte durchaus dazu beitragen, Typen wie Herrn Scheuer ihre Legitimität zu entziehen.

  6. Brigitte Ernst sagt:

    Mein damaliger Ehemann und ich sind schon 1973 aus dem ADAC ausgetreten, nachdem dieser den unsäglichen Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ in die Welt gesetzt hatte.
    Das Auto im Straßenverkehr ist ein Fortbewegungsmittel und kein Spiel- und Spaßgerät. Zudem ist es ein potenzielles Mordwerkzeug, muss also mit größtem Verantwortungsbewusstsein gesteuert werden. Da hat Raserei keinen Platz.
    Ich habe einmal erlebt, dass sich auf der Autobahn hinter einer Kurve ein Unfall ereignet hatte, in den wir mit Sicherheit hineingerauscht wären, hätten wir nicht die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h eingehalten. Man weiß ja, dass sich der Bremsweg schon bei 150 km/h erheblich verlängert.
    Denjenigen, die über einen Verlust an Freiheit jammern, kann ich nur sagen: Freiheit ist für mich etwas anderes, als das Leben anderer zu gefährden. Wenn sie so viel Spaß am Risiko haben, sollen sie sich auf einer Rennstrecke oder einem Salzsee austoben und meinetwegen das Hirn einrennen, aber ihre Mitmenschen in Ruhe lassen.

  7. An den Verstand von Tempo-Fetischisten zu appellieren, dürfte eine vergebliche Mühe sein. Denn über einen solchen verfügt diese Spezies anscheinend nicht mehr. Sie hat ihn mutmaßlich in den Propagandabüros der Automobilindustrie und der ihr willfährig ergebenen Parteien und Ministerien abgegeben. Allein wenn man sich die letzten Bundesverkehrsminister in Erinnerung ruft (Ramsauer, Dobrindt, jetzt Scheuer), könnte man zu dem Schluss gelangen, dass es besonders die CSU darauf anlegt, gesellschaftliche Bewusstlosigkeit in einer Größenordnung zu produzieren, die eine Kulturnation an die Grenzen ihrer Toleranzfähigkeit bringt. Obergrenzen werden unumgänglich sein, nicht für Flüchtlinge, sondern für Dummköpfe.

    Mutmaßlich wird es auch nichts nützen, selbst ein positives Beispiel zu geben und darauf zu hoffen, dass es auf andere abfärbt. Vielmehr stelle ich regelmäßig fest, dass meine erkennbare Absicht, mich an Geschwindigkeitsbegrenzen zu halten, die mich Überholenden sogar zur mentalen Raserei herausfordert. Es hagelt beleidigende Handzeichen, die von heftigem Hupen untermalt werden. Auf der Basis solcher Erfahrungen plädiere ich dafür, die Raser und ihre Waffen lächerlich zu machen.

    Hierzu gehörte auch eine kritische Wahrnehmung der Berichterstattung in öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen (von denen im Privat-TV ganz zu schweigen). Die wieder in Gang gekommene Diskussion um Geschwindigkeitsbegrenzungen bietet vor allem Regionalsendern Gelegenheit, ihrem vielfach dürftigen Nachrichtenangebot durch die Hereinnahme von „Volkes Stimme“ einen halbseidenen Glanz zu verleihen:

    Ein Tempolimit auf Autobahnen sei für ihn keine Lösung, um die Belastung der Luft zu vermindern, äußert einer der Befragten. Er führe gern „sportlich“ und möchte das auch künftig tun. Eine Nachfrage der Reporterin bezüglich der Definition von Sport unterbleibt. Und er hätte eben „Benzin im Blut“. Wiederum erfolgt kein Widerspruch. Noch nicht einmal ein vorsichtiger Hinweis, dass es sich bei der Ursache für das erwähnte Verhalten möglicherweise um Wissensdefizite handeln könnte und nicht um tödlich wirkende toxische Stoffe im Blutkreislauf.

    Ein gern gebrauchtes Schlagwort, vor allem im Kontext von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge, ist „Enteignung“. Hier wird – weder von Interviewten noch von Interviewern – auf die Bestimmung des Grundgesetzes (Artikel 14, Absatz 3) näher eingegangen. Letzteres erlaubt Eingriffe in das Eigentum, soweit diese gesetzlich geregelt sind und im öffentlichen Interesse liegen. Nein, man rekurriert auf die Tatsache, dass Automobilhersteller seit dem Jahr 2010 Fahrzeuge verkauft haben, deren Stickoxyd- und Feinstaubemissionen eindeutig definierte Grenzwerte übersteigen. Diese Vergehen an Leib und Leben wurden vom zuständigen Bundesverkehrsministerium wissentlich hingenommen. Die in Kauf genommene „Enteignung“ von Gesundheit und Leben nennt man im Strafgesetzbuch Körperverletzung und Totschlag. Es ist an der Zeit, sowohl in der Politik als auch in den Medien den Sprachgebrauch zu präzisieren.

    Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bezeichnete die Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen gar als Vorschlag „gegen jeden Menschenverstand“. Und der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, verwies auf „intelligentere“ Maßnahmen, um mehr Klimaschutz zu erreichen. Betonte aber gleichzeitig: „Wir müssen natürlich die Treibhausgase im Verkehrsbereich reduzieren.“ Solche und ähnliche Stellungnahmen hören sich an wie der endgültig misslungene Versuch, jemanden, dem trotz massiver Nachhilfe nicht mehr zu helfen ist, einen Aufsatz schreiben zu lassen. Was mich zu der Frage veranlasst, ob man als Mitglied der Bundesregierung ständig in der Gefahr schwebt, zu verblöden. Oder ob lediglich Blödlinge die Zugangsvoraussetzungen für höchste Ämter erfüllen.

  8. Anna Hartl sagt:

    @Klaus Philipp Mertens
    Danke, wunderbar geschrieben.
    Vielleicht gehört zu den von Herrn Seifert beschriebenen intelligenteren Lösungen ja einfach die Tatsache, dass der Weg eines Tempolimits in Bezug auf Bleifüße keine intelligente Wahl ist, da dies wiederum beim Adressaten ähnliche Voraussetzungen erfordert.
    Aber wenn ich es richtig verstanden habe, ist nach dem Willen unserer Regierung das Thema sogleich wieder gestorben und beerdigt.
    Bei mir löst das ein Gefühl von „ihr könnt mich jetzt Mal“ aus. Schnell gangbare Wege werden ausgeschlossen, in der Hoffnung, übermorgen intelligente Lösungen, die niemanden überfordern zu kreieren.
    Ich unternehme im „Kleinen“ was ich kann, um meinen sog. ökologischen Fussabdruck so gering wie möglich zu halten, mache mir Gedanken darüber, was ich noch tun kann und frage mich am Ende des Tages dann, bin ich blöd. Die Interessen der Autoindustrie haben immer und überall Vorrang. Weshalb soll ich mir da noch weiter Gedanken machen?
    Ich empfinde das Ganze wie ein erbärmliches Schauspiel!
    Im Spiegel hat ein Kolumnist geschrieben: “ dass unsere Regierung bei einer Befürwortung eines Tempolimits gar nicht mehr zur nächsten Wahl hätte anzutreten brauchen“. Das sagt doch auch jede Menge aus.
    Es soll ja noch ein paar Inseln ohne Autoverkehr geben. Ist eine Überlegung wert.

  9. @ Anna Hartl:
    Die Politik der Desinformation bzw. der Irreführung wird auch noch an einem anderen Punkt deutlich. Um eine E-Mobilität sicherzustellen, die ausschließlich auf von Sonne, Wind und Gezeiten produzierter Energie beruht, müsste der Wirkungsgrad der elektrischen Motoren deutlich erhöht werden (= weniger Verbrauch).

    Eine Brennstoffzelle, welche mit Wasserstoff betrieben würde, wiese signifikante Vorteile auf, ganz abgesehen von den Reichweiten. Die Brennstoffzellentechnologie ist vergleichsweise alt, stammt aus den 1940er Jahren, aber sie wurde bewusst nicht im nötigen Maße erprobt. Der deutsche Physiker Eduard Justi, der an ihrer Entwicklung entscheidenden Anteil hatte, beklagte das bereits Mitte der 50er. Denn einige Patente befinden sich im Eigentum von internationalen Mineralölfirmen. Dem Vernehmen nach sind auch bedeutende Autokonzerne mit im Spiel. Und die werden erst dann grünes Licht zur Serienentwicklung geben, wenn die Förderung des letzten Öltropfens und die Restlaufzeit des Verbrennungsmotors absehbar sind und sich der Kapitaleinsatz in fossile Energieträger bzw. in eine überholte Antriebstechnik endgültig gerechnet hat.

    Für diese „Übergangsfrist“ bedarf es kaltschnäuziger Politiker wie Scheuer, aber auch allzu kompromissbereiter wie Svenja Schulze.

    Unser ökologischer Fußabdruck zeigt indirekt auch die Ketten, an denen wir gefesselt sind. Denn wir ziehen ganze Armeen von ewig Gestrigen hinter uns her. Die einen sind ahnungslos, die anderen dumm und unbelehrbar (wie die Bleifuß-Indianer von Audi, BMW, Mercedes oder Porsche). So erweist sich der Kampf um das Überleben der Erde und der Menschheit auch als einer gegen die altbekannten Mächte und als wahre Sisyphusarbeit. Doch aufzugeben wäre keine Lösung.

  10. Werner Engelmann sagt:

    @ Klaus Philipp Mertens, Anna Hartl

    Auch ich stimme Klaus Philipp Mertens absolut zu.
    Allerdings bin ich nicht der zynischen Auffassung des von Anna Hartl zitierten Spiegel-Kolumnisten. Umfragen sprechen eine andere Sprache, nach denen sich eine Mehrheit für eine Geschwindigkeitsbeschränkung ausspricht.
    Und die an Primitivität nicht mehr zu übertreffenden höhnischen Bemerkungen eines Herrn Scheuer sind ein klares Indiz dafür, dass es eine rationale Rechtfertigung für eine hirnverbrannte Verkehrspolitik gar nicht gibt, die nicht zugleich die enge Verbandelung mit einer Autolobby aufdecken würde, die buchstäblich über Leichen zu gehen bereit ist.

    Welche Mentalität tendenziell dahinter steht, mag ein Beispiel verdeutlichen:
    Das Berliner Landgericht verurteilte letztes Jahr zwei Jugendliche, die am Ku-Damm in Berlin ein Rennen veranstalteten und bei über 200 km/h einen Menschen töteten, erstmals wegen Mordes. (Der Fall ist zur Zeit in Berufung.)
    In der Diskussion bei Maischberger äußerte ein Jugendlicher, der an ähnlichen Rennen auf Landstraßen teilgenommen hatte, dass die Betreffenden in solchen Fällen über gar nichts mehr nachdächten, sondern sich nur noch dem „Kick“ hingäben.
    Dass dies ein Zeichen von Verantwortungslosigkeit und moralischer Verwahrlosung ist, darauf wird man sich relativ schnell einigen können.

    Die Frage wird aber erlaubt sein, ob dies allein ein jugendliches Phänomen ist.
    Wie weit Menschen von solcher Verantwortungslosigkeit noch entfernt sind, die ihr „Recht“ auf „sportliches“ Fahren einklagen. Oder gar ein erbärmlicher Verkehrsminister, der Rechtfertigung von Skrupellosigkeit und „Recht“ des Stärkeren auf den Straßen mit „gesundem Menschenverstand“ gleichsetzt und Menschen verhöhnt, die noch ein Gefühl für Verantwortung haben.

  11. Matthias Aupperle sagt:

    @ all

    Je älter ich werde, desto weniger berührt mich das Thema und desto weniger habe ich das Interesse, schneller als 130 km/Std. zu fahren. Bin ich endlich mit vierundsechzig Jahren aus der Pubertät raus? Mit Sicherheit ja. Aber es hat vermutlich, wie Werner Engelmann schreibt, doch etwas damit zu tun. Mein Testosteronspiegel sinkt. Vermutlich hängt es damit zusammen – denke ich jedenfalls. Und ich bin im Ruhestand.

    Ich gestehe: Früher bin ich gerast. So schnell es ging, häufig jenseits der 200. Ich war oft in Eile. Mein Punktekonto in Flensburg war voll. Ein Fahrverbot hatte ich auch einmal. Und eine generelle Geschwindigkeitbegrenzung hätte mich damals heftig aufgeregt. Heute ist es mir egal, wie es ist und falls eine kommt.

  12. Anna Hartl sagt:

    @Klaus Philipp Mertens
    Ja, ich weiß, aufgeben ist keine Lösung.
    Es gibt nur manchmal Tage, da frage ich mich, ob ich nicht einfach nur Energie vergeude, denn der Kampf gegen Dummheit, gegen kriminelle Vorgehensweisen der Autoindustrie und die Unterstützung diverser Politiker bei diesem Vorgehen, kommt mir vor wie David gegen Goliath.
    Wenn ich den Gedanken, dass der Autoindustrie Leib und Leben auf dem Silbertablett präsentiert wird, weiter verfolge, muss ich schreiend in den Wald rennen. Geht nicht, da erschrecken die Tiere.

    Freiheit, das wohl meist gebrauchte Wort der Tempolimitgegner verstehe ich nur auf Umwegen. Ich verstehe, dass die „Gaengelei“ so Einigen zum Hals raushängt. Es wird nur nicht die richtige Frage, von wem sie denn nun gegaengelt werden gestellt.

    Die Sehnsucht nach Freiheit verstehe ich, doch was hat das mit dem Leben anderer gefährden zu tun?
    Vielleicht geht es gar nicht um Freiheit sondern um ein ungehemmtes austoben der eigenen Rücksichtslosigkeit. Jetzt komme ich, Platz da!
    Freiheit definiere ich anders.

  13. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Anna Hartl

    Es ist vor allem ein Verständnis von Freiheit, das nur auf die eigenen Privilegien und Selbstgefälligkeiten bezogen ist.
    Wenn ich schon diese Schreie: „Enteigung!“ höre!!!

  14. Anna Hartl sagt:

    @Juergen Malyssek
    Enteignung und Umerziehung sind mir in den Kommentaren auch aufgefallen.

    Was mir noch durch den Kopf ging ist die Argumentation, dass das letzte Stück „ungegaengelte“ Freiheit jetzt auch noch fallen soll. Ich frage mich, wenn der Mensch sich in vielen Bereichen so eingeengt und fremdbestimmt fühlt, warum wird das dann nicht thematisiert? Warum nicht da ansetzen wo es drückt, um etwas zu verändern. Es muss sich doch jeder selbst fragen, inwieweit er bereit ist, in diesen Zwängen zu leben und was es für Möglichkeiten gibt, das zu verändern.
    Die Antwort kann doch nicht das Rasen auf der Autobahn sein, als letzte Bastion der Freiheit!

  15. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Anna Hartl

    Ja, es drückt und beißt und zwängt. Aber die Fremdbestimmtheit und der Zwangscharakter des alltäglichen Erlebens sind schon längst als Feindbilder auf die Menschengruppen, die Fremden übergegangen, die Politik und eine grenzenlose Medienlandschaft dergestalt für ihre Zwecke instrumentalisiert haben. Damit ist die Möglichkeit, da anzusetzen, wo es drückt, ad absurdum geführt.
    Den Rest erledigen der Konsumterror, die virtuelle Welt und des Deutschen liebstes Kind …

  16. Brigitte Ernst sagt:

    @ Anna Hartl

    „Vielleicht geht es gar nicht um Freiheit sondern um ein ungehemmtes austoben der eigenen Rücksichtslosigkeit.“
    Sie haben es auf den Punkt gebracht.
    Wie viele Tote und Verletzte diese Verantwortungslosigkeit schon gekostet hat, scheint die Verfechter dieser Pseudo-Freiheit nicht zu scheren.

  17. Werner Engelmann sagt:

    @ AnnaHartl

    Absolute Zustimmung, dass das, was die Raser-Fraktion unter „Freiheit“ versteht, zu hinterfragen ist. Und nicht nur das.
    Schon theoretisch stellt eine „Freiheit“, die das Leben anderer als höchstes Grundrecht aufs Spiel setzt, eine Perversion dar. Dementsprechend definiert auch Hegel „Einsicht in die Notwendigkeit“ als unabdingbaren Teil der „Freiheit“.

    Noch klarer, wenn man in die Praxis geht.
    Der Vater einer Freundin von uns wurde an einer Bushaltestelle in Hannover getötet. Jemand, der laut ärztlichem Attest nur „eingeschränkt fahrtauglich“ war, hatte sich die „Freiheit“ genommen, dies zu ignorieren und in die wartende Menge zu rasen. Nach 2 Jahren Führerscheinentzug wurde der Kerl wieder auf die Menschheit losgelassen.
    Im Prinzip nicht viel anders sehe ich das Verhalten eines verantwortungslosen Verkehrsministers.

    Zustimmung auch zu Ihrer Bemerkung, es gehe im Kern darum, sich ohne jede Rücksicht „ungehemmt auszutoben“.
    Dabei gibt es dazu ungezählte Möglichkeiten, auch, sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, ohne andere zu gefährden. So kann, wer will, sich z.B. mit einem aufgeblasenen Reifen die Niagara-Fälle hinunterstürzen.
    Und ein Kollege an einer früheren Schule von mir hat, zusammen mit seiner Lebensgefährtin, die Herausforderung in Form einer Grönlandüberquerung gesucht und ist mit ihr im ewigen Eis umgekommen.
    Dafür kann man noch Verständnis haben. Bei der Form pervertierter „Freiheit“, wie die Raser-Fraktion und der Verkehrsminister sie vertritt, hört jedoch jeder Spaß auf.

  18. Anna Hartl sagt:

    @Werner Engelmann
    „Einsicht in die Notwendigkeit als unabdingbaren Teil der Freiheit“.
    Ich denke für diese Einsicht braucht es die Reife, sich selbst und seine Bedürfnisse nicht als den Nabel der Welt zu betrachten.

    Auch die Einsicht, dass die eigene Freiheit beim Anderen an ihre Grenzen stößt.

    Freiheit war und ist ein zentrales Thema in meinem Leben. Ich bin andere Wege gegangen, um mehr Selbstbestimmtheit zu erreichen. Für mich ist es eher ein innerer „Zustand“ als dass es seinen Ausdruck in „wilden Unternehmungen“ findet. Obwohl, wenn ich auf meinem Weg ins Büro auf der Straße tanze, dann kann man das vielleicht auch als eine wilde Unternehmung bezeichnen. Kommt aber auch nicht täglich vor.

    Manchmal denke ich, bis der Mensch wirklich versteht ist es ein langer Weg und die Momente der Einsicht sind rar.

  19. Anna Hartl sagt:

    @Juergen Malyssek
    Lag es an der nächtlichen Stunde „2:03“?
    Ich hege ja oft ähnliche Gedanken wie Sie. Doch es gibt noch Menschen, die sich um das Verstehen bemühen, die nicht die als schmerzlich empfundenen Zwänge auf noch Schwächere projizieren.

    Was die „heilige Kuh“, das Auto betrifft, wird mir eigentlich erst an Hand dieser Diskussion bewusst, was viele Menschen damit verbinden. Ich besitze keines, hatte nie das Bedürfnis.

  20. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Anna Hartl

    Die nächtliche Stunde? Eigentlich nicht. Vielleicht die Stille zum Nachdenken.
    Selbstverständlich „gibt es noch Menschen, die sich um das Verstehen bemühen, die …“
    Diesen Blick habe ich mir nicht versperrt.
    Ich meine, dass wir unser Gesellschaftssystem erkennen müssen, das von soviel Zwängen und Fremdsteuerungen bestimmt ist, dass wir es oft gar nicht mehr erkennen, weil es so leicht bedienbar daher kommt.
    Das Auto ist wirklich eine „heilige Kuh“. Allein die Debatten über fehlende Parkplätze könnte einen in den Wahnsinn treiben. Als ob die Autofahrer keine Alternativen hätten, als sich an diesem Dauerthema festzubeißen.
    Das sage ich nicht, weil ich selbst kein Auto habe und auch nie (am Steuer) damit gefahren bin. Es gibt so viele Möglichkeiten an Ort und Stelle zu kommen, wenn man es will.
    Und der Widerstand gegen Tempolimit ist einfach nur verrückt. Selbst in dem „freien“ Land Amerika ist Tempolimit normal!
    Es muss wohl einen Zeitpunkt gegeben haben, bei dem uns die Autoindustrie so am Wickel gepackt hat, dass wir nicht mehr loskommen können. Es kann eigentlich nur sowas wie Indoktrination gewesen sein. Es muss in der Zeit des Deutschen Wirtschaftswunders Ende 1950er/Anfang 1960er gewesen sein?
    Ganz subjektiv: Das Beste was es je auf Deutschlands Straßen gegeben hat, das war die ENTE!

  21. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen Malyssek

    Zum „Enten“-Gefühl kann ich Ihnen Auskunft geben. Ich habe ja, nach 67, einige Jahre lang eine besessen.
    Das war damals übrigens auch ein Statussymbol, freilich etwas anderer Art. Dafür nahm man schon in Kauf, sich auf der Autobahn erst mal an einen Lastwagen dran zu hängen, um dann bergab schnell aus dem Windschatten zu zischen, um vorbei zu kommen.
    Soviel ich mich erinnern kann, gab es da auch zum ersten Mal die Kritik an Statussymbolen.

    Das Gefühl der „Freiheit“ gab es für mich auch, aber nicht vergleichbar mit dem, was hier diskutiert wird. Das lag daran, dass da alles drin war, was ich besaß, wenn ich nach Paris, und später nach Köln zuckelte. Die Freiheit des heimatlosen Vaganten, der mit aller seiner Habe die Welt durchquerte. Andere Bedürfnisse brauchte es nicht.
    „Freiheit“ in doppeltem Sinn: „Freiheit von“ und „Freiheit für etwas“:
    Nicht nur „befreit“ von überflüssigem Ballast, sondern auch mit dem freien Blick nach vorn, ohne Zukunftsängste, mit offenem Blick auf Neues, Fremdes. Weshalb man es nicht nötig hatte, sich an dem fest zu klammern, was man hatte. Schon gar nicht an der Nation oder solchem Quark.
    In der Hinsicht leistete das Auto schon seínen positiven Beitrag. Man soll es also nicht verteufeln.

    Und noch ein Gedanke zu den 50er Jahren.
    Die sind meines Erachtens mit dem verklemmten Lebensgefühl heute nicht vergleichbar. Das war die Zeit der „Halbstarken“, von James Dean. In den USA ab 1952, bei uns ab 1955.
    Ein überbordendes „Freiheits“-Gefühl („Wehe, wenn sie losgelassen!“) – wie ich es jetzt auch auf den Straßen in Vietnam wieder gefunden habe. Auch unpolitische Form des Protests durch gezielte Rücksichtslosigkeit. Und insofern wenigstens noch ein Bewusstsein davon, was man eigentlich tat.

    Die Temponarren von heute dagegen, denen es ausschließlich um ihre Selbstbefriedigung geht, scheinen die Gesellschaft nicht einmal mehr wahrnehmen zu können. Noch weniger, dass deren Einschränkungen Voraussetzungen der Freiheit sind, um sich, als Kollektiv, vor Selbstzerstörung zu bewahren.
    Insofern erscheint mir dies als plumpe Wirklichkeitsflucht, die man nicht wahr haben will, kombiniert mit einer gehörigen Portion Selbstbetrug.
    Aber das sind ja auch hervorstechende Merkmale von Nationalisten. Die bilden sich in ihrem Wahn ja auch ein, die wahren „Realisten“ zu sein und (siehe Scheuer!) per se den „gesunden Menschenverstand“ zu verkörpern.

    Insofern hinkt wohl der Vergleich mit den 50er Jahren. Und ich meine auch, dass man damit dieser Zeit und den Menschen von damals Unrecht tut.
    Ein „Zurück“ ist das nur in äußerer Hinsicht, als Wiederaufgreifen von Bildern, die ehemals anderen Stellenwert hatten.
    Von Funktion und Inhalt her ist diese Selbstbezogenheit von heute wohl eher Beleg für blindes, bewusstloses Taumeln, dem die Wirklichkeit völlig entgleitet – wie Christopher Clark es als typisch für die Situation vor dem 1. Weltkrieg beschrieben hat. –

    Und warum fällt mir da der „Brexit“ ein?

  22. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Das „Enten“-Gefühl kann ich gut nachvollziehen, auch wenn ich selbst nie am Steuer saß. Die Vielseitigkeit dieses Autos war beeindruckend.
    Ein richtiges Alltags-Fahrzeug.
    Sicher war es auch ein Statussymbol, aber ohne Protz. Doch mit Parka und Clarks.

    Die Freiheit, die heute im Umlauf ist, ist – derb ausgedrückt – „für die Füß“! Die der bornierten Streiter gegen „Enteignung“ ist quasi ein Geschenk für ewige Treue und Liebe zum Auto: „Bis dass der … uns scheidet.“

    Ich kann den positiven Beitrag, den das Auto in Zeiten der starken Gefühle der Freiheit nicht abstreiten („Die Freiheit des heimatlosen Vaganten, der mit all seiner Habe die Welt durchquerte …“). Schönes Bild.

    Nur oder großteils aus dem Motiv der Besitzstandswahrung von FREIHEIT zu reden, ist billig und kleinbürgerlich („Alles, was ich hier besitze, ist harrrrttt erarbeitet! Und das lasse ich mir von niemandem streitig machen, auch nicht vom Vater Staat!“)

    Ich beschwöre nicht die „guten Geister“ der 1950er und 60er Jahre. Aber es war, grob gesagt, trotz teils armer Verhältnisse, sehr viel Freiraum da. Eigentlich paradox, weil zeitgleich noch die strengen Zuchtmeister, etwa in unseren Familien und Schulen den Takt per Stock und Schlüsselbund bestimmten. Eigentlich begannen die Freiheitsgefühle schon lange vor 1968!
    Über die „Temponarren“ heute, die Freiheit mit Selbstsucht verwechseln, muss ich nichts weiter sagen. Das ist hier schon passiert.
    Aber dieser Zustand reiht sich meines Erachtens ein in diese massenhafte Bewußtlosigkeit, Gedankenlosigkeit und Grenzenlosigkeit unseres verwöhnten westlichen Lebensstils.

  23. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Ach so, „Und warum fällt mir da der „Brexit“ ein?“

    Der ist doch auch sowas von irrational und von manipulierten Gefühlen der „Brexitler“ geleitet. Von was wollten sie sich eigentlich befreien? Welche Wirklichkeit wurde den Briten da eingeimpft?

  24. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen Malyssek

    „Eigentlich begannen die Freiheitsgefühle schon lange vor 1968!“ –

    Das kann man wohl sagen!
    Anlässlich des sehr begrüßenswerten Beschlusses des Berliner Senats, den Internationalen Frauentag als Feiertag einzuführen – ein sehr wichtiges und hoffentlich dauerhaftes Zeichen: Man schaue mal nach, wie viele freiheitsliebende, engagierte und unglaublich mutige Frauen unter den patriarchalen Bedingungen vor dem 1. Weltkrieg aufgewachsen sind und z.B. das Frauenwahlrecht erkämpft haben!
    In unserer Gegend wird Louise Michel sehr verehrt, 1830 nahe bei Langres geboren. Hier existiert auch eine sehr engagierte „Association Louise Michel“, die u.a. Diskussionen und Theateraufführungen mit Ausschnitten aus ihrem Leben organisiert. Es lohnt sich, bei Wikipedia nachzuschlagen.

    Was die häufig zu hörende Einschätzung der AfD als „Rückkehr in die 50er Jahre“ betrifft: Das ist eine völlig falsche Selbsteinschätzung, die man den Höckes und Gaulands keinesfalls zubilligen und unseren Eltern nicht antun sollte. Noch weniger, sich mit rechtsradikalen Perversionen gar auf de Gaulles „Europa der Vaterländer“ zu berufen!
    Das Bild der 50er Jahre ist – zu einem gewissen Grad verständlich – durch die Auseinandersetzung der 68er mit der Elterngeneration recht einseitig negativ geprägt und bedarf einer Differenzierung.

    Ich habe mich vor allem im 1. Band meines Romans intensiv mit der Generation der „Trümmerfrauen“ auseinander gesetzt. Auch hier gilt es gerecht zu sein, auch wenn ich z.B. als Kind sehr unter der Überstrenge meiner Mutter gelitten habe.
    Nur als Beispiel:
    Man stelle sich eine Frau vor, die selbst als Mädchen nur Unterordnung gelehrt wurde. Der mit rabiaten Mitteln auch jeder Stolz auf ihre Weiblichkeit ausgetrieben wurde. Die dann mit 7 Kindern alleine und völlig mittellos dasteht, diese stolz „durchbringt“. Die das „Angebot“ meines Onkels (jüngster Bruder meines Vaters, selbst Nazi) nach dessen Tod ausschlägt, einige der Kinder zu „übernehmen“, was ihr dieser bis zu seinem Tod nicht verzieh.
    3 Jahre vor meinem Abitur (ich hatte gerade die „Mittlere Reife“) dann der zweite Versuch, wenigstens mich rüberzuziehen, als künftigem Erben seines Steuerberaterbüros – was ich gleichermaßen ablehnte (der tiefere Grund war wohl, mich vom Abitur abzuhalten).
    Eine „Freiheit“, die ihren Preis hatte, und den es zu akzeptieren galt: mit dem Attribut des „starrköpfigen eitlen Pinkels“ in der eigenen Familie zu leben, der „was Besseres sein möchte“.

    Der Vorteil:
    Wer die Kraft wirklicher „Freiheit“ gespürt und ihren Preis für sich selbst akzeptiert hat, der ist gegen pubertäre Selbstbezogenheit im Stile eines Andreas Scheuer, in pervertierter Weise als „Freiheit“ deklariert, ziemlich immun (womit wir wieder beim Thema sind).
    Das Schlimmste an diesen pubertären Exzessen: die Erwartung, dass andere deren Folgen auszubaden hätten und dies als sein „Recht“ zu deklarieren – von der Hybris, dies auch noch mit „gesundem Menschenverstand“ gleichzusetzen, gar nicht zu reden.

    Womit dann auch der Bogen zu Ihren Bemerkungen zum „Brexit“ geschlagen ist:
    Nach meiner Überzeugung wollen sich „Brexiteers“ von gar nichts „befreien“. Ganz im Gegenteil: Sie wollen dubiosen, längst überkommenen imperialen Träumen nachhängen – auf Kosten anderer, versteht sich. Und das sind in diesem Fall (und nicht zum ersten Mal) vor allem die Iren.
    Die Quadratur des Kreises haben solche Traumtänzer aber ganz sicher nicht erfunden, und deshalb werden sie auch krachend scheitern.

  25. Zum Thema mal etwas anderes. Keine Frage, dass Tempo 120/130 eine gute Sache wäre. Natürlich nicht annähernd ausreichend CO2 mäßig gesehen, aber immerhin ein Anfang. Das sollte die SPD auf ihre Fahnen schreiben, die ja zur Zeit bei 15% dümpeln, so richtig mit Schmackes, wir sind die Vernünftigen, da kann man dann feststellen, wie viele Vernünftige in diesem Land leben. Es sollten doch wenigstens deutlich mehr als 15% sein !!Ich habe sowieso den leisen Verdacht, dass es nur ein Ding der Autoindustrie ist , dass der deutsche Autofahrer unbedingt rasen will, gibt es dazu eigentlich belastbare Zahlen ?? Vielleicht ist Herr Scheuer ja in einer Minderheit? Mit ihm in einem Boot sitzen will ja wohl eh keiner.

  26. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    „Das Bild der 50er Jahre ist – […] – durch die Auseinandersetzung der 68er mit der Elterngeneration recht einseitig negativ geprägt und bedarf einer Differenzierung.“

    Das habe ich in etwa auch so gemeint, wenn ich von meiner/unserer Generation und den „Freiheiten“ gesprochen habe.

    Das Thema der Elterngeneration ist insofern ein anderes, als dass sie aus einer ganz anderen exististenziellen Erfahrung kamen.
    „Trümmerfrauen“: Auch für uns Kinder erfahrbar, trotzdem wuchsen wir zwar unter den Kriegsfolgen auf, aber waren wir aus der „Gefahrenzone“. Es war abenteuerlich.
    Meine Eltern waren anfangs bitterarm nach Emigration aus Norwegen. Ohne Hilfen der Verwandschaft aus Oslo wäre es kläglich geworden.
    Meine Eltern waren zeit ihres unterschiedlich währenden Lebens hoch traumatisiert. Es war das blanke familiäre Destaster.
    Ich lernte mich als Kind und Jugendlicher in allen Orten des Aufwachsens auseinanderzusetzen und die Straße war unser aller Lernfeld. Dort waren wir frei!
    Sie schildern ähnlich schwierige Umstände des Aufwachsens. Aber Sie sind „frei“ geworden.
    Ich weiß nicht, ob das eine Wohlstandsgeneration (wofür die Jungs und Mädels erstmal nichts können) nachvollziehen können. „Uns konnte das draußen keiner ans Bein pinkeln!“
    Auch wir haben einen Preis zu zahlen gehabt, aber der lag – meiner Erkenntnis nach – an den Nachbelastungen des Unverarbeiteten der Elterngeneration und des eigenen Wegsteckens trauriger Schicksalsschläge usw.

    Das was Sie unter dem Absatz ‚Der Vorteil‘ sagen („… ziemlich immun gegen pubertäre Selbstbezogenheit im Stile eines Andreas Scheuer, pervertierter Weise als ‚Freiheit deklariert …“).

    Mir kommt es regelrecht hoch, wenn dieser Politikertyp auch noch mit dem „gesunden Menschenverstand“ hausieren geht!

    Das sind so Momente, da könnte man in Gedanken geradewegs seinen Minister-Schreibtisch leerfegen.

    Brexit: Sie liegen, Herr Engelmann, wahrscheinlich damit richtig, dass die Brexit-Briten „Längst überkommenen imperialen Träumen nachhängen …“!
    Auf Kosten vor allem der Iren. Ich kenne Irland ganz gut und ich weiß, was dieses Brexit-Desaster mit den Menschen dort macht, die seit Jahren dabei sind sich frei zu machen von alten Abhängigkeiten (und das gerade als ehemals treue Katholiken) – eine unglaublich europäische Mentalität zeigen, ohne ihre Wurzeln zu aufzugeben!
    Wenn jemand was von Freiheit und Unfreiheit versteht, dann das irische Volk.
    Dagegen ist das Freiheitsgebaren eines Andreas Scheuer und seiner empörten Gefolgschaft auf der Straße reinster Kindergarten, peinlich!

  27. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen H.Winter
    Ich habe Ihre Anregung, die Forderung nach Tempolimit „sollte die SPD auf ihre Fahnen schreiben“ zum Anlass genommen, die Fakten zu recherchieren:

    (1) Umfragen:
    Nach übereinstimmenden Ergebnissen von zwei Umfragen sind 52% (51%) der Bevölkerung für ein Tempolimit, 47 % dagegen.
    Eine genaue Aufschlüsselung nach Geschlecht und Alter findet sich unter: https://www.tz.de/auto/tempolimit-autobahn-knappe-mehrheit-dafuer-zr-9557423.html
    Ganz anders nach „Auto-Bild“: Da sind 15 % für, 80 % gegen Tempolimit. – Was sagt das wohl über die Leser aus?
    (https://www.autobild.de/artikel/tempo-130-auf-autobahnen-argumente-442547.html)

    (2) Haltung der Parteien:
    Die Umfrageergebnisse stehen im deutlichen Widerspruch zur Haltung der Parteien:
    Lediglich Grüne und Linke treten für Tempolimit ein, FDP und AfD sind klar dagegen. Als besonders aggressiver Tempolimit-Gegner tut sich die CSU hervor. In etwas gemäßigterer Weise auch die CDU (so AKK). Die SPD ist gespalten. Und nicht einmal die Umweltministerin wagt ein klares Wort. Obwohl der Parteitagsbeschluss von 2007 in Richtung Tempolimit unverändert gilt.

    (3) Inhaltliche Debatte:
    Gute Zusammenfassungen der Argumente, die für ein Tempolimit sprechen, findet man beim Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) und beim „Ökologischen Verkehrsclub VCD“
    https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2018/personal/was-waere-wenn-auf-deutschen-autobahnen-ein-generelles-tempolimit-von-120-km-h-gaelte
    https://www.vcd.org/themen/verkehrssicherheit/tempolimit-auf-autobahnen/
    Hintergründe und Interessen zeigt zudem die SZ auf:
    https://www.sueddeutsche.de/auto/tempolimit-autobahn-deutschland-1.4259731

    Nachvollziehbare sachliche Argumente gegen Tempolimit sucht man dagegen vergeblich. Selbst dem ADAC als Führer der „Anti-Fronde“ fällt nichts anderes als bloßes Leugnen ein, bestenfalls noch ein. Hinweis auf allgemeinste „Fakten“, aus denen sich keinerlei Schlüsse ziehen lassen:
    https://www.adac.de/verkehr/positionen/tempolimit-autobahn-deutschland/
    Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt dagegen lässt die Katze aus dem Sack:
    „Die Autobahn hat sich als das letzte Freiheitsfeld erwiesen, wo wir mehr Freiheit genießen, als andere auf der Welt.“ Wer die Erfüllung seiner „Freiheit“ nicht im wilden Rasen sieht, der „will Dir einfach Deinen Spaß verderben“. Neidhammel können eben nicht begreifen, „dass Tempolimit nicht sexy ist“.
    Das macht immerhin verständlich, was Verteidiger der „Freiheit“ vom Schlage eines Andreas Scheuer unter „gesundem Menschenverstand“ verstehen. Nach CSU-Manier sollten dann verantwortliche Politiker wohl besser im Rotlichtmilieu gesucht werden.

    Fazit:
    Ich hätte nicht gedacht, Herr Winter, dass sich die in Ihren Ausführungen implizit enthaltene These, dass es um gesellschaftliche Verantwortung versus pubertäre Unvernunft geht, so schnell verifizieren lässt.
    Von daher ist Ihre Forderung, dass sich die SPD das Tempolimit „auf ihre Fahnen schreiben“ sollte, nicht nur logisch, sondern in Hinblick auf die seit 12 Jahren anhaltende Debatte auch längst überfällig.