Keine Rücksicht im Straßenverkehr, nirgends

Ist es wirklich eine Binsenweisheit, oder warum hat mir bisher niemand widersprochen? Wie wir im Straßenverkehr miteinander umgehen, das wirft ein Schaglicht auf die Verfassung dieses Landes. Viele denken nur an sich, es gibt keine Rücksicht, nirgends. Wir sind ein Volk der Egoisten geworden – das ist meine These. Sollte die wirklich konsensfähig sein? Viele denken nur an sich, dabei wären sie gemeinsam stärker: Das gilt überall, im Kleinen wie im Großen. Nehmen wir die EU. Statt Ideen für eine gemeinsame Zukunft zu entwickeln, suchen einige Staaten ihr Heil im Nationalismus und scheinen damit attraktiv zu werden für andere. Was ist mit Werten wie Solidarität? Freundlichkeit? Höflichkeit? Respekt? Wir sind eine Ellenbogengesellschaft geworden. Sind Werte wie Solidarität und Respekt also nur noch für Sonntagsreden gut?

Brechen wir diese Geschichte mal auf den Verkehr in einer Stadt wie Frankfurt herunter. Ich bin Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer, kenne also alle drei Perspektiven auf den Verkehr, beachte die Regeln und Gesetze und versuche, mich vorausschauend zu bewegen, also immer die anderen Verkehrstteilnehmer mitzudenken. Das ist insbesondere am Mainufer eine Herausforderung, die täglich zu einer besonderen Form von Slalomfahren – nämlich um FußgängerInnen herum, die sich bewegen, als seien sie allein auf der Welt. Obwohl sie wissen müssten und auch könnten, dass hier Mischbenutzung angesagt ist, und obwohl tatsächlich dauernd Radler durchkommen.

Straßenszene aus Frankfurt,
Ecke Sonnemannstraße/Obermainanlage.
Foto: Bronski

Die andere Seite sind die Autofahrer. Ich habe hier zwei Fotos von Frankfurter Straßenszenen, die ich selbst aufgenommen habe. Einerseits kann man die Fahrer dieses Lieferwagen verstehen, so wie man auch die FußgängerInnen verstehen kann, die eben einfach gedankenlos gehen, wohin die Füße sie tragen. Wenn es keine Parkplätze für solche Anlieferungen gibt, dann muss eben auf dem Radweg geparkt werden. Ein tägliches Bild in Frankfurt. Die Szene illustriert auch gut, welche Gefahren dabei für Radler entstehen. Es bleibt im Beispiel oben keine andere Möglichkeit, als auf den Fußweg auszuweichen, denn der Lieferwagen versperrt den Radweg auf eine Weise, dass kein Durchkommen möglich ist.

Die zweite Szene ist mindestens genauso gefährlich, denn sie zeigt die Mainzer Landstraße, eine vielbefahrene Hauptverkehrsader Frankfurts, problematisch außerdem durch mehrere Baustellen samt zugehörigem Verkehr und durch Straßenbahnen, die von manchen Autofahrern als Behinderung ihrer freien Fahrt gesehen werden, so dass sie versuchen, vorher schnell noch durchzukommen. Wer sich als Radfahrer auf die Mainzer Landstraße traut, der traut sich was. Trotz markierter Radwege. Keine Frage: Radfahrer brauchen mehr Schutz. Nicht nur, weil in Zeiten drohender Diesel-Fahrverbote dem Radfahren ein größerer Stellenwert in der künftigen kommunalen Verkehrsplanung zukommt.

Straßenszene aus Frankfurt,
Mainzer Landstraße.
Foto: Bronski

Wir haben keine Zeit, wir haben keine Geduld, wir haben einen Verkehrsinfarkt. Wir haben es nur noch nicht gemerkt. Die Verhältnisse haben sich schleichend verändert. Inzwischen sind sie untragbar geworden. Mitschuld trägt natürlich die Politik. Über Jahre hat sie die Polizei kaputt gespart. Eine Durchsetzung des Verbots, beim Auto- oder Radfahren mit dem Handy zu telefonieren? Nicht daran zu denken. Immer wieder sehe ich Radfahrer, die Kopfhörer auf den Ohren haben und so laut Musik hören, dass auch ich sie im Vorbeifahren noch hören kann. Das ist ebenfalls verboten. Was tut die Polizei? Radfahrer, die in Fußgängerzonen rasen. Verboten! Falsch parkende Autos, diverse Formen von Rowdytum, Ampelüberquerungen bei Rot durch Fußgänger und Radfahrer – die Polizei beschränkt sich auf Stichproben.

Muss man gleich nach der Polizei rufen? Schön wäre es, wenn nicht. Aber offenbar sind viele Menschen nicht in der Lage, sich im Straßenverkehr nach den Maßstäben von Einsicht und Vernunft zu verhalten. Und diese Menschen wirken leider stilbildend. Wozu haben wir Regeln und Gesetze, wenn sie nicht angewendet und durchgesetzt werden? Die Folge davon ist nur, dass solche Menschen glauben, mit Härte und Rücksichtslosigkeit jederzeit am besten durchzukommen. Und auch diese Binsenweisheit ist nicht allein auf den Verkehr gemünzt. Deutschland hat sich verändert.

Diese beiden Damen hatten nicht bemerkt, dass sie auf einem Radweg gingen.
Sie reagierten sehr ungehalten auf mein Klingeln.
Die Dame links fühlte sich in der Nutzung ihres Smartphones beeinträchtigt.
Foto: Bronski

fr-debatteProbleme mit derStraßenverkehrsordnung

In letzter Zeit stelle ich fest, dass immer mehr Radwege vom Bürgersteig auf die Fahrbahn verlegt werden. Was eine höhere Aufmerksamkeit für die Radfahrer bedeutet. Jeder Radfahrer sollte im eigenen Interesse einen Helm tragen. Da die wenigsten dies tun, sollte eine allgemeine Helmpflicht bestehen. Auch kennt sich ein großer Teil der Radfahrer nicht mit der Straßenverkehrsordnung aus, was immer wieder zu kritischen Situationen führt. Hier sollte ein Grundwissen wie bei den Autofahrern vermittelt werden.

Manfred Schmidt, Frankfurt

fr-debatteUnverständnis bei den Bürgern

Sowohl der Artikel als auch die gewonnenen Erkenntnisse treffen in vollem Umfang zu. Gerade in Obertshausen ist es für Radfahrer ein Desaster, wenn man die Hauptstraße nutzen muss. Auch bei Tempo 30 ist es für Radfahrer auf Grund der Enge mehr als gefährlich. Selbst die Mitbenutzung des Bürgersteiges ist nicht einfach, denn auf den schmalen Bürgersteigen parken zum Teil Autos, und Fußgänger gibt es auch noch.
Das Problem ist durch die Stadtplanung eigentlich nicht mehr lösbar. Die Kommune hat es versäumt, zumindest dort, wo an der Hauptstraße neu gebaut wird, dafür Sorge zu trage, dass die Baugrenze nach hinten verlegt wird, um breitere Fußwege anlegen zu können. Nein, man hält strikt die alten Frontlinien bei, was Unverständnis bei den Bürgern auslöst. Hier versäumt die Stadt zum Leidwesen der Bürger eine zukunftsträchtige Planung.

Reiner Lins, Obertshausen

fr-debatteOhne Pflichten keine Rechte

Die FR berichtet intensiv über die Forderungen der Radfahrer, nach mehr Unterstützung für ihre Belange. In der Berichterstattung vermisse ich Aussagen zu den Pflichten der Radfahrer, nämlich zur Einhaltung der Verkehrsregeln. Nach meiner Beobachtung verstoßen mindestens 80 Prozent aller Radfahrer gegen sämtliche Verkehrsregeln. Jegliche Ahndung der Verstöße unterbleibt, z.B.: Fahren auf Bürgersteigen, Nichtbeachten von Verkehrsampeln, Nichtbeachten von Vorfahrtsregeln, Abbiegeverbote oder -gebote, durchgezogene weißen Linien auf Straßen, fehlende Beleuchtung in der Nacht, Fahren auf Zebrastreifen Ich bringe es auf den einfachen Nenner: Wer seinen Pflichten nicht nachkommt, kann auch keine Rechte einfordern.

Manfred Christmann, Frankfurt

fr-debatteTolle Idee mit einem einzigen Haken

Zwischen Darmstadt und Frankfurt soll ein Radschnellweg gebaut werden. Ein Thema, was viele Bürgerinnen und Bürger interessiert, unter anderem auch mich als radbegeisterten Einwohner von Langen. Nun lädt die für das Projekt zuständige Regionalpark Südwest GmbH zur Informationsveranstaltung in die Stadthalle Langen ein, zu der der hessische Verkehrsminister höchstselbst sein Kommen angekündigt hat. Anschließend soll es sogar eine Radtour auf der künftigen Trasse geben. Tolle Idee und mit Sicherheit eine spannende Sache. Einziger Haken: Die Infoveranstaltung findet an einem Donnerstag 10 und 13:30 Uhr statt. Warum besteht eine demokratische Teilhabe ausschließlich für Rentner und Arbeitslose ? Kaum ein arbeitender Mensch wird dafür einen Urlaubstag opfern. Warum findet eine solche Veranstaltung nicht zum Feierabend oder am Wochenende statt?

Holger Kintscher, Langen

fr-debatteWer Straßen sät, wird Verkehr ernten

In einem Punkt muss ich als Alltagsradler Herrn Schleenvoigt recht geben: Auch ich kann nicht verstehen, dass der ADFC die „Schutzstreifen“ für Radfahrer als erstrebenswert ansieht. Am besten habe ich diese Streifen in Heusenstamm auf der Frankfurter Straße kennengelernt. Eine schöne lebendige Einkaufsstraße mit vielen nen Geschäften, natürlich mit viel zu viel Kfz-Verkehr, wie in allen Städten im Rhein-Main-Gebiet. In der Mitte Fahrspuren für Kraftfahrzeuge, daneben „Schutzstreifen“ für Radfahrer, zwischen diesen und den Häusern dann eine Art überbreite Gehwege, auf denen zahlreiche Parkplätze markiert sind.
Bedingt durch die vielen Geschäfte und die Parkzeitregelung gibt es dort viele Kurzzeitparker. Fährt man auf dem Radstreifen, muss man immer damit rechnen, dass jemand die Autotür aufreißt, ohne sich nach Radfahrern umzusehen. Leider schauen auch die fahrenden Autofahrer selten in den Spiegel – da wird spontan rechts herausgefahren weil gerade ein freier Parkplatz auftaucht, oder spontan nach rechts ausgeholt, um dann über die ganze Straßenbreite zu wenden. Ich konnte dort schon mehrfach Kollisionen mit Pkw nur mit viel Glück und Geschick umgehen.
Die Idee mit diesen Streifen ist nett, aber von einem sicheren Radweg weit entfernt. Kindern oder anderen eher unsicheren Radfahrern kann man die Benutzung solcher Wege nicht guten Gewissens anraten. Und da sind wir auch wieder beim Thema Kurt-Schumacher-Straße und Friedberger Landstraße in Frankfurt, die ich auch gut genug kenne: Wenn die Politiker und Kfz-Fahrer nicht bereit sind Opfer zu bringen für ein Radwegenetz, auf dem
man ohne permanente Lebensgefahr Fahrrad fahren kann, dann wird das mit der Verkehrswende schwierig.
Zumal: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten – egal wie viele Straßen noch gebaut werden mögen, der Verkehr wird mitwachsen, Rhein-Main staufrei wird es nicht mehr geben. Es sei denn, wir schaffen tatsächlich eine Wende – zu der den allermeisten Politikern der Mut fehlt.

Oliver August, Rödermark

fr-debatteKeine Rücksicht, nirgends

„Im Leserbrief „ohne Pflichten keine Rechte“ listet Leser M. Christmann eine Reihe von Vergehen auf, die Radfahrer begehen. Als Rad- und Autofahrer muss ich sagen: Ja, all diese „Taten“ kann man im Straßenverkehr erleben. Ich sage aber auch: Viele dieser Vergehen begehen Autofahrer ebenso. Auch sie fahren bei rot über Ampeln, Zebrastreifen werden nicht beachtet, durchgezogene Linien überfahren, abgebogen, wo man es nicht darf und das auch ohne zu blinken, es wird geparkt wo wie und wann man will, usw. Wie sieht es denn hier mit den Rechten und Pflichten aus? Indes es scheint mir völlig fruchtlos, dies ímmer einander gegenüberzustellen.
Vielmehr verwundert mich in der gesamten Diskussion immer wieder, dass es offenbar größtenteils Menschen gibt, die ausschließlich Fahrradfahrer oder ausschließlich Autofahrer zu sein scheinen. Meine Erfahrung ist aber die, dass Mensch sich zumeist doch mal so und mal so fortbewegt. Als Fußgänger, Rad-, Auto- und/oder Motorradfahrer ist man unterwegs. Eigentlich müsste dieses Erleben dazu beitragen, für die jeweilige Situation des anderen Verständnis zu haben und die Folge wäre, dass man sich entsprechend rücksichtsvoll und aufmerksam verhält. So käme es z.B. dazu, dass man als Radfahrer nicht an der Autoschlange rechts vorbei bis zur Ampel fährt, weil man weiß, wie unangenehm das aus Sicht des Autofahrers ist und im Umkehrschluss fährt man mit seinem Auto dann auch nicht links neben den Radfahrer, der vor einem an der Ampel steht, weil man ebenso weiß, das Radfahrer beim Anfahren immer mal etwas wackeln und das nicht angenehm ist, dann ein Auto daneben zu haben.
Und an dieser Stelle zeigt der Verfasser des o.g. Leserbriefs vermutlich ungewollt m.E. deutlich das eigentliche Problem der Fronten im Straßenverkehr. Offenbar ist ein großer Teil der Verkehrsteilnehmer nicht in der Lage, sich in die Situation anderer hinzuversetzen und entsprechend achtsam umzugehen.“

Michael Bork, Bochum

fr-debatteFreie Jagd auf niederes Wild wie Fußgänger und Radler

Sehr schön, Herr Schmidt, dass sie mal wieder alle über einen Kamm scheren. Umgekehrte Meinung/Stereotype gefällig?
Ich fahre so oft es nur geht von Offenbach zum Galluspark mit dem Fahrrad zur Arbeit. IMMER mit Helm, funktionaler Fahrradkleidung mit Reflektorstreifen UND funktionierender Beleuchtung, die ich einschalte wenn der normale Frankfurter Autofahrer noch nicht mal merkt, dass es dämmert. Rote Ampeln ignoriere ich nicht, an Zebrastreifen halte ich, auch wenn Fußgänger mit Kopfhörern auf den Lauschern, Kopf nach unten blind über die Straße schlurfen. Generell ganz zu schweigen davon, dass Bürgersteige ohne Radweg für mich tabu sind.
Ich weiß, dass manche meiner Mit-Radfahrer mich genauso für bekloppt halten wie „die“ Autofahrer. Aber ich finde es anmaßend, mir eine Fahrschule aufzwängen zu wollen, wenn selbst die bestandene Prüfung eines „F“ oder „OF“-Fahrers keinen Hinweis auf seine Befähigung dazu gibt!
Solange der erworbene Führerschein (=‚Grundwissen‘?) in Frankfurt und Umgebung nur als „Freifahrtschein“ angesehen wird, mit dem man Jagd auf ‚niederes Wild‘ (Fußgänger, Radfahrer) machen kann, möchte ich Ihnen doch mal den Vorschlag machen, mit mir gemeinsam zur Rush Hour durch die Stadt zu fahren. Dann werden Sie merken, dass ein Helm am Radfahrer nicht die Lösung ist
Nebenbei bemerkt: Außer den etwa 3500 Kilometern auf dem Fahrrad im Jahr bin ich noch etwa 10.000 km im Auto unterwegs. Ich habe also einen Führerschein und kenne beide Seiten aus eigener Anschauung!

Dieter Künnecke, Offenbach

 

24 Kommentare

  1. @Bronski
    «Immer wieder sehe ich Radfahrer, die Kopfhörer auf den Ohren haben. Das ist ebenfalls verboten.“
    Das stimmt so viel ich weiß nicht. Solange die Musik nicht so laut ist, dass man nichts mehr vom Verkehr mitbekommt, ist das erlaubt, genau wie Musikhören im Auto. Ich benutze manchmal mein Smartphone als Navigationssystem auf dem Rad und das ist erlaubt.
    Beim ersten Bild muss mMn der Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen und nicht auf den Fußweg.

  2. Bronski sagt:

    @ Henning Flessner

    Richtig. Musikhören oder Telefonieren per Ohrstöpsel oder Kopfhörer ist auf dem Fahrrad grundsätzlich erlaubt. Aber die Lautstärke muss so gering sein, dass Warnsignale noch wahrgenommen werden. Ansonsten kann man im Fall eines Unfalls eine Mitschuld haben oder den Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verlieren.

    „Beim ersten Bild muss mMn der Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen und nicht auf den Fußweg.´“

    Wie denn? Schauen Sie sich das Bild mal richtig an.

  3. @Bronski
    Das Ausweichen auf die Fahrbahn ist, soviel ich weiß, die Rechtslage. Für mich sah der weiße Streifen wie aufgemalt aus.
    Ich habe das Gefühl, dass es bei uns in der Kleinstadt nicht so schlimm ist.
    Ich könnte mich aber durch Beachten der Verkehrsregeln jederzeit umbringen. Ich müsste einfach nur über die Straße fahren, wenn die Radfahrerampel grün zeigt und die Autofahrer auf der Rechtsabbiegerspur ebenfalls. Diese Situation scheint bei uns die häufigste Art von Unfällen mit Radfahrern zu sein. Autofahrer gehen davon aus, dass sie fahren dürfen, wenn sie grün haben und der Rentner auf seinem Pedelec ebenfalls. Ich wundere mich, dass noch niemand auf die Idee kommen ist, die Ampelschaltungen zu ändern.

  4. W. Himmelheber sagt:

    Herr Bork schreibt vieles gutes und richtiges. Falsch finde ich jedoch, dass er die RadfahrerInnen auffordert, bei roter ampel nicht rechts an den Autos vorbei bis nach vorne zu fahren. Seit etwa 40 Jahren ist dies nun schon in der StVO erlaubt – auch wenn es nicht zu allen AutofahrerInnen durchgesickert ist. Aus diesem Recht derRadfahrerInnen folgt aber auch, dass die AutofahrerInnen rechts von sich entsprechend Platz lassen müssen, damit das Vorbeifahren für die RadlerInnen gut möglich ist (§1 StVO: niemand darf ohne Not behindert werden). Wenn rechts ein bisschen Platz bleibt, sollte es für die AutofahrerInnen auszuhalten sein, wenn RadfahrerInnen lieber nicht hinter ihren Auspüffen stehen bleiben, sondern das tun, was ihnen erlaubt ist: nach vorne durchfahren.

  5. Brigitte Ernst sagt:

    Alle Jahre wieder das gleiche Lamento, und besser wird es nicht.
    Dass sich Autofahrer häufig daneben benehmen, auf Radwegen parken, zu nah an Radfahrern vorbeifahren und beim Rechtsabbiegen nicht aufpassen, was Radfahrer in höchste Gefahr bringt, ist nicht zu bestreiten. Als Autofahrerin ist mir das Risko für Radler bewusst und ich fahre vorschriftsmäßig, rücksichtsvoll und vorausschauend. Schließlich habe ich als Stärkere, mit einem schützenden Blechgehäuse um mich herum, eine besondere Verantwortung den schwächeren Verkehrsteilnehmern gegenüber.

    Leider muss ich aber auch feststellen, dass sich Radfahrer durch ihren Leichtsinn oft selbst in unnötige Gefahr bringen.
    Ende August beklagte die FR-Kolumnistin Katja Berlin für dieses Jahr bereits acht Radfahrer, die in Berlin tödlich verunglückt waren. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Unfallursachen genauer zu recherchieren. Das Ergebnis war, dass vier der acht verstorbenen Radler den tödlichen Unfall selbst verschuldet hatten. Bei aller berechtigten Klage über die Gefahren, die Radfahrern durch Autos und Laster drohen und denen durch bessere Verkehrführung begegnet werden muss, darf auch nicht übersehen werden, dass viele Radfahrer selbst die größten Feinde ihrer eigenen Sicherheit sind.

    Dass vielen Radfahrern das Bewusstsein, Rücksicht auf die Schwächeren, nämlich die Fußgänger, nehmen zu müssen, gänzlich fehlt, muss ich regelmäßig dann erdulden, wenn ich mich als Fußgängerin auf Gehwegen, auf Wegen mit Mischbenutzung, in Fußgängerzonen, über ampelgesicherte Überwege und einfache Zebrastreifen, im Wald und im Park oder auf Bahnsteigen bewege.
    Der Leserbrief von Reiner Lins drückt die Mentalität, die hinter diesem Verhalten steckt, besonders deutlich aus:
    „Selbst die Mitbenutzung der Bürgersteige ist nicht einfach, denn auf den schmalen Bürgersteigen parken zum Teil Autos, und Fußgänger gibt es auch noch.“

    Ach nee, das ist ja wirklich unerhört, dass Fußgänger es sich herausnehmen, auf Bürgersteigen unterwegs zu sein und Radfahrer durch ihre Anwesenheit vielleicht sogar in ihrer freien Fahrt behindern!
    Wie wär’s einfach mal mit Absteigen und Schieben? Das sieht die StVO nämlich für Radfahrer auf Gehwegen vor.

    Auch Ihren Worten, lieber Bronski, entnehme ich eine gewisse Unkenntnis der Verkehrsregeln.
    Sie sprechen von „einer besonderen Form von Slalomfahren“ auf den Mainuferwegen – „nämlich um FußgängerInnen herum, die sich bewegen, als seien sie allein auf der Welt. Obwohl sie wissen müssten und es auch könnten, dass hier Mischbenutzung angesagt ist, und obwohl dauernd tatsächlich Radler durchkommen.“

    Das klingt mir auch verdächtig nach der beliebten Hoppla-jetzt-komm-ich-Mentalität, die davon ausgeht, bei Mischbenutzung dürften Radfahrer jederzeit davon ausgehen, ungehindert und zügig, ohne zu verlangsamen, zu bremsen oder auch mal abzusteigen, ihrer Wege fahren zu können. Dem ist nicht so.
    In der NJW-RR 2004, 890 habe ich unter Az 8U 19/04/04 folgenden Urteilstext des OLG Oldenburg (Grundsatzurteil) gefunden:

    „Radfahrer müssen auf kombinierten Rad- und Gehwegen besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen. Insbesondere bei unklarer Verkehrslage muss der Radfahrer mit dem Fußgänger Blickkontakt zur Verständigung aufnehmen. Die Radfahrgeschwindigkeit ist so zu reduzieren, dass sofort gefahrlos angehalten werden kann. Dabei muss der Radfahrer stets mit Unaufmerksamkeiten oder Schreckreaktionen rechnen.“
    Mit dieser Bergründung hat das OLG Oldenburg einer Radfahrerin nach einem Unfall mit einem Fußgänger Schadenersatz und Schmerzensgeld verweigert.
    Meine Meinung: Radfahrer, die sich nicht auf solche möglichen Unachtsamkeiten von Fußgängern einstellen können oder wollen, müssen halt auf der Straße fahren. Die meisten Mainuferstraßen haben Radwege.

    Als Fußgängerin versuche ich mittlerweile, mich über dreiste Radfahrer nicht mehr aufzuregen. Aus Selbsterhaltungstrieb schleiche ich auf Bürgersteigen und Wegen mit Mischbenutzung hart am rechten Rand entlang, jederzeit bereit, mich an eine Hauswand zu pressen oder zur Seite in einen Graben zu hüpfen, und bevor ich meine Richtung wechsele oder den Fußgängerüberweg bei Grün überquere, blicke ich mehrfach in alle Richtungen.
    Meine Söhne hatten in den 80er Jahren einen Spielzeugroboter, der seinen Kopf auf dem Halsgelenk um 360 Grad drehen konnte. Eine solche Anatomie wünsche ich mir manchmal, aber ganz so beweglich bin ich noch nicht – aber ich arbeite dran.

  6. Bronski sagt:

    Liebe Frau Ernst,

    schade, dass mein Text bei Ihnen als Lamento angekommen ist. Er war als Plädoyer für mehr Rücksicht im Straßenverkehr gemeint. Vielleicht darf ich das hier klarstellen, da es offenbar nicht klar genug geworden ist.

    Es ist klar, dass alle Beteiligten am Straßenverkehr im Rahmen der Gesetze und Regeln gleichberechtigt sind. Die Machtmittel allerdings sind unterschiedlich verteilt. Die Radfahrer sitzen dabei zwischen allen Stühlen, denn im Kräftemessen mit einem Pkw haben sie das Nachsehen, und selbstverständlich will niemand Fußgänger verletzen, auch nicht an der Halswirbelsäule durch Verdrehen des Kopfes um 360 Grad. Es kann und muss allerdings auch von Fußgängern verlangt werden dürfen, dass sie ebenfalls Rücksicht nehmen, nämlich da, wo sie nicht allein sind. Es kann und muss von Fußgängern verlangt werden dürfen, dass sie Radfahrer mitdenken, wo Mischbenutzung erlaubt ist. Das schließt Bürgersteige aus. Hier in Offenbach ermahne ich täglich Erwachsene, die auf dem Bürgersteig Rad fahren. Da bin ich ganz bei Ihnen, liebe Frau Ernst. Aber Rücksicht und Respekt ist keine Einbahnstraße. Was Sie für sich in Anspruch nehmen, müssen Sie auch anderen Verkehrsteilnehmern zubilligen. Also müssen Sie auch die Bedürfnisse von Radfahrern respektieren. Das Verhalten von Rüpeln, das mich nicht weniger ärgert als Sie, gehört natürlich trotzdem angeprangert.

    Was das Slalomfahren betrifft: Ja, wie wollen Sie es denn sonst nennen? Ein Fußgänger geht rechts, eine Gruppe von Müttern mit Kinderwagen geht nebeneinander links, Kinder schießen dazwischen durch, auch Hunde sind auf dem Weg, die gern mal flott die Wegseite wechseln, weil auf der anderen Seite irgendetwas interessant riecht – der Mainuferweg ist ein herrliches Chaos. Mir macht es Spaß, da hindurch zu kurven. Das nenne ich Slalomfahren. FußgängerInnen, die dort unterwegs sind, müssen mit RadfahrerInnen rechnen.

    Ich werde in den kommenden Tagen mal meinen kleinen Fotoapparat auf meinen Radtouren durch Frankfurt mitnehmen. Es wäre doch gelacht, wenn es mir nicht gelänge, binnen kürzester Zeit etliche Beispiele für fußgängerisches Fehlverhalten zu dokumentieren. Dasselbe mache ich dann vielleicht, wenn ich Zeit finde, mal an einer Ampelkreuzung mit Radfahrern.

    Einfach mehr Rücksicht auf allen Seiten, das wäre schön.

  7. Die Richter vom OLG wollen also, dass ich als Radfahrer mit der Frau, die vor mir auf dem Radweg in meine Richtung läuft und auf ihr Smartphone starrt, Blickkontakt aufnehme. Wie denn bitte? Indem ich mein Gesicht zwischen ihr Gesicht und das Smartphone schiebe?
    Ich befürchte, dass das als sexuelle Belästigung ausgelegt werden könnte.
    Ich bin mein ganzes Leben als Radfahrer unterwegs gewesen. Zurzeit bin ich zum zu Fussgehen verdammt. Ich fühle mich als Fussgänger auf dem Radweg (Bei Mischbenutzung erkennt man bei uns den Radweg am Pflaster.) genauso unsicher, als wenn ich auf der Straße laufen würde. Ich habe aber mehrfach festgestellt, dass reine Fussgänger sich auf dem Radweg nicht unsicher fühlen.
    Hunde sind ein eigenes Thema. Der Hund hält den Fuß für eine leicht erlegbare Beute und in der Ferne hört man eine Stimme: «Keine Angst. Der will nur spielen.» Da hilft nur volle Konzentration. Nein, nein, ich will nicht Leinenzwang sagen.

  8. Jürgen Malyssek sagt:

    Rücksichtnahme auf allen Seiten, das ist die richtige Botschaft. Soziales Verhalten im Straßenverkehr scheint unterentwickelt. So nehme ich den Alltag wahr.

  9. Brigitte Ernst sagt:

    @ Bronski

    Was ist gegen Slalomfahren einzuwenden? Wenn ich auf der Zeil schneller vorwärtskommen will als die gemächlichen Shopper, muss ich doch auch slalomgehen. Und wenn ich hinter einem Radfahrer herfahre, muss ich meine Geschwindigkeit doch auch drosseln, wenn ich nicht gefahrlos überholen kann. Oder wenn ich durch eine Einbahnstraße fahre und ein Radfahrer kommt mir entgegen, dann muss ich doch auch im Notfall anhalten, um ihn sicher passieren zu lassen. Nur Radfahrer meinen offenbar, ihnen müsse zu allen Zeiten und bei jeder Gelegenheit freie Fahrt gewährt werden.

    Das Mainufer ist eine Zone der Erholung, des beschaulichen Flanierens und der Entschleunigung. Da müssen Familien auch mal im Pulk spazieren und Kinder aus der Reihe tanzen fürfen, und selbst Hunde müssten sich dort einigermaßen frei bewegen dürfen.
    Der gemächliche, entspannte Radfahrer passt sich da an und fließt mit dem Strom mit. Wer eilig von A nach B will, muss auf die Uferstraüen ausweichen. Zumindest die am Sachsenhäuser Ufer haben Radwege.

  10. @Brigitte Ernst
    Fahrräder sind erst ab einer Geschwindigkeit von etwa 10 km/h stabil. Das kann man selbst ausprobieren, indem man ein Rad anschiebt und dann allein laufen lässt. Fährt man langsamer, ist es instabil und es bedarf großer Anstrengung des Fahrers, um nicht umzufallen. Wer also fordert, dass Radfahrer sich an die Schrittgeschwindigkeit von Fussgängern (4-5 km/h) anpassen sollen, erhöht die Un(m)fallgefahr.
    Sind Sie eigentlich schon mal Rad gefahren?

  11. Manfred Hempfling sagt:

    @ Herrn Himmelheber
    Unglücklicherweise ist der Verordnungsgeber inkonsequent: Einerseits erlaubt er Radfahrern an Ampeln, dass Sie an den Autos rechts vorbeifahren – und Sie fordern, dass hierfür Platz frei gehalten werden soll -, andererseits verlangt derselbe Verordnungsgeber – und die Rechtsprechung unterstreicht dies mit Nachdruck -, dass die Verkehrsteilnehmer möglichst weit rechts zu fahren haben, was im Umkehrschluss eben dazu führt, dass eben kein Platz mehr dafür ist, dass Räder rechts vorbei können; es ist übrigens ausdrücklich nicht in der StVO geregelt, dass hierfür Platz gelassen werden muss. Merke: Ein Autofahrer, der möglichst weit am rechten Rand steht, verhält sich nicht nur ordnungsgemäß, sondern eigentlich sogar vorbildlich, Ihre Forderung ist daher deplatziert.

    Nebenbei sollte man sich auf dem Rad sehr gut überlegen, ob es klug ist, hier die zugelassene Option zu nutzen, insbesondere, wenn die Autoschlange wieder anfährt – wie schnell ist man da im toten Winkel … da stehe ich doch lieber mit in der Schlange und werde mit meinem Rad auch sicher gesehen. Es soll übrigens Kommunen geben, die „Radschleusen“ markieren, so dass regulär eine „Fahrradbox“ vor der Haltelinie für Autos besteht und dorthin auch ein extra markierter Radweg auf der Fahrbahn führt.

  12. Bronski sagt:

    @ Brigitte Ernst

    „Das Mainufer ist eine Zone der Erholung, des beschaulichen Flanierens und der Entschleunigung.“

    Nicht nur. Es ist auch Teil eines Netzes europäischer Rad-Fernwanderwege.

    „Da müssen Familien auch mal im Pulk spazieren und Kinder aus der Reihe tanzen fürfen, und selbst Hunde müssten sich dort einigermaßen frei bewegen dürfen.“

    Dürfen sie, und sie tun es auch. Also fahre ich Slalom. Das war keine Beschwerde, sondern einfach eine Feststellung.

    „Der gemächliche, entspannte Radfahrer passt sich da an und fließt mit dem Strom mit. Wer eilig von A nach B will, muss auf die Uferstraßen ausweichen. Zumindest die am Sachsenhäuser Ufer haben Radwege.“

    Sie haben auch Ampeln. Außerdem sind sie nicht direkt am Fluss. Am Fluss zu fahren ist schön. Es sollte eigentlich möglich sein, dass Fußgänger und Radfahrer dort miteinander auskommen. Meinetwegen kann die Stadt dort ein Tempolimit für Radler einführen. Dann muss sie Schilder aufstellen.

  13. Brigitte Ernstete sagt:

    @ Henning Flessner

    Ich erinnere mich nicht, von Schrittgeschwindigkeit geschrieben zu haben. Es geht mir um ein Tempo, das es dem Radfahrer ermöglicht, jederzeit auszuweichen oder wenn nötig anzuhalten. Und es geht um die Einstellung, dazu auch bereit zu sein, ohne sich zu ärgern. So wie Autofahrer bereit sein mussen, auch mal anzuhalten, um einen entgegenkommenden Radfahrer in einer engen Einbahnstraße mit geparkten Autos vorbeizulassen.

    Und ja, Herr Flessner, ich habe mir im Alter von vier Jahren auf einem großen Damenrad allein das Radfahren im Stehen beigebracht, und wenn kein Damenrad zur Verfügung stand, bin ich auch, schräg unter die Stange gequetscht, mit Herrenrädern herumgefahren. Mir müssen Sie nichts von Balance auf dem Fahrrad erzählen.

    @ Manfred Hempfling

    In Frankfurt gibt es an einigen Ampeln solche für Fahrräder freigehaltenen Streifen. Das ist eine gute Sache.

    @ Bronski

    Genau diese Broschüre, mit der die Stadt Frankfurt großartig für die „Radwanderwege“ im Frankfurter Grüngürtel wirbt, finde ich höchst ärgerlich. Damit wird den Radfahrern nämlich suggeriert, das seien Wege, die ihnen allein gehören. Und entsprechend fahren sie dann auch.
    Mit keinem Wort wird darauf hingewiesen, dass es sich in Wahrheit um Wege mit Mischbenutzung handelt, auf denen die Radfahrer auf Fußgänger zu achten haben. Das nenne ich einen gefährlichen Etikettenschwindel.
    Ich habe mich sogar einmal brieflich beim Verkehrsdezernenten darüber beschwert, aber der hat gar nicht kapiert, worum es mir ging.

  14. Anna Hartl sagt:

    @Brigitte Ernst
    „Radfahrer müssen auf kombinierten Rad- und Gehwegen besondere Rücksicht auf Fussgänger nehmen.“ Radfahrer die sich nicht auf mögliche Unachtsamkeiten von Fussgängern einstellen können oder wollen, müssen halt auf der Straße fahren“.

    So ein Grundsatzurteil bezogen auf Autofahrer und ihr Verhalten gegenüber Radfahrern hätte ich auch gerne Mal gelesen und Autofahrer die sich noch nicht Mal darauf einstellen können, dass da überhaupt Fahrräder auf der Straße unterwegs sind, um Ihrer Meinung hier zu folgen, fahren dann wo, wenn sie weder können noch wollen?

    Ich bin mir nicht sicher, ob Bronski Recht hat mit seiner These. Es gibt die Werte noch, auch im Strassenverkehr. Mir begegnet beides.

    Eine für die Stadt nicht mehr fassbare Menge an Verkehrsteilnehmern, Autos die immer breiter werden und auch nicht von jedem Fahrzeugführer beherrscht werden, tragen für mich zu vielen brenzligen Situationen auf der Straße bei.

    Da das nicht erst seit gestern so ist, liegen die Nerven hin und wieder schnell blank. Wenn es nicht um Laib und Leben ginge, wäre manche Situation in ihrer Absurdität zum Lachen.

    Was mich zu dem Gedanken bringt, dass die Überforderung in vielen Lebensbereichen wohl auch ihren Teil dazu beiträgt, dass heute offener und direkter der Unmut kundgetan wird.

  15. Brigitte Ernstete sagt:

    @ Anna Hartl

    Dass Autofahrer auf Radfahrer Rücksicht zu nehmen haben, ist selbstverständlich und kommt in allen Gerichtsurteilen zu Unfällen, an denen Rad- und Autofahrer beteiligt sind, zum Ausdruck. Als „stärkere“ Verkehrsteilnehmer tragen sie automatisch eine Gefährdungshaftung und bekommen damit fast immer eine Teilschuld zugesprochen, auch wenn der beteiligte Radfahrer den Unfall verursacht hat. Es gibt nur wenige Urteile, in denen dem Radfahrer eine alleinige Schuld angelastet wird, z.B. wenn er mit hoher Geschwindigkeit auf einem Bürgersteig fährt und mit einem Auto kollidiert, das sich vorsichtig aus einer Einfahrt vortastet.

    Dass sich viele Autofahrer trotz ihrer besonderen Verantwortung falsch verhalten, ist nicht zu bestreiten.
    Sie bekommen die Quittung erst, wenn sie erwischt werden oder tatsächlich ein Unfall passiert. Das gilt aber auch für Radfahrer.
    Sie, liebe Frau Hartl, brauchen also nicht zu fürchten, dass Richter mit Autofahrern zu gnädig umgehen. Ganz im Gegenteil.
    Woher ich das alles weiß? Weil mein Mann Fahrlehrer ist und das seinen Schülern ständig predigt.

  16. Bronski sagt:

    @ Brigitte Ernst

    Damit müssen Sie leben, liebe Frau Ernst. Das Mainufer gehört eben nicht den Fußgängern allein. Warum sollte es auch?

    Ich verstehe außerdem nicht, warum Sie glauben, den Radfahrern würde suggeriert, der Mainuferweg sei ein Weg, der ihnen allein gehört. Jedem Radfahrer erschließt sich auf den ersten Blick, dass dem nicht so ist. Nicht alle verhalten sich auch so, das stimmt. Dabei handelt es sich um individuelles Fehlverhalten, dass Sie nicht Radfahrern insgesamt anlasten sollten. Auch versteht es sich praktisch von selbst, dass der Mainuferweg ein Aushängeschild Frankfurts ist, mit dem die Stadt sich in einen europäischen Kontext für Radwanderer stellen kann, denn Frankfurt hat ansonsten ja kaum schöne Seiten. Der Mainuferweg ist Teil eines europäischen Radwanderwegs, der von Roscoff in der Bretagne nach Kiew in der Ukraine führt.

  17. Brigitte Ernst sagt:

    @ Bronski

    Unter einem Radwanderweg versteht jeder, der der deutschen Sprache mächtig ist, einen Weg nur für Radfahrer, so wie ein Radweg neben einem Gehweg Radfahrern vorbehalten ist und sonst niemand darauf etwas verloren hat. Das bekommt ein Fußgänger immer dann deutlich von den Radlern zu hören, wenn er sich auf einen Radweg verirrt.
    Ein Wanderweg für Radler und Fußgänger muss Rad- und Fußgängerwanderweg heißen. Warum ist man nicht so ehrlich, ihn so zu nennen? Warum verschweigt man die Fußgänger? Ich empfinde das als Missachtung.

    Und ich habe nie behauptet, dass der Mainuferweg den Fußgängern allein gehören soll. Ich will nur diejenigen von dort vertreiben, die sich nicht an die Straßenverkehrsordnung halten. Wo ist das Problem?

  18. Bronski sagt:

    Liebe Frau Ernst,

    es mag ja sein, dass der Mainuferweg in jener Broschüre (die ich nicht kenne) als Radwanderweg bezeichnet wird, in einem Kontext, in dem es um Radwanderwege geht, aber wenn er im Sinne der Straßenverkehrsordnung ein Radweg sein soll, müssten dort für alle sichtbar entsprechende Schilder aufgestellt sein, die ihn klar als Radweg kennzeichnen. Das ist jedoch nicht der Fall. Also ist er kein Weg nur für Radfahrer. Und ich kenne auch keinen Radfahrer, der fordern würde, ihn dazu zu machen.

    Mit der Beachtung der Straßenverkehrsordnung haben so manche Menschen ihre Probleme, nicht nur Radfahrer. Ich habe ein Beispiel dafür oben an meinen Einleitungstext angefügt (hier der Direktlink zu dem Bild). Ich musste mir Beschimpfungen gefallen lassen. Ich wünsche Ihnen daher viel Erfolg bei Ihrem Projekt der Vertreibung der Stvo-Missachter. Sie haben sich eine große Aufgabe vorgenommen. Aber wenn es dazu beiträgt, dass die Menschen mehr Rücksicht aufeinander nehmen, dann haben Sie meine Unterstützung. Ziel eines solchen Unterfangens sollte wohl sein, die Verkehrswende zu fördern. Die fordert zwingend, dass der Stadtverkehr attraktiver für Radfahrer werden muss, damit mehr Menschen aufs Fahrrad steigen. Damit gibt es in Frankfurt eine ganze Menge Probleme, gegen die sich das Geschehen auf dem Mainuferweg ehrlich gesagt harmlos ausnimmt. Fahrradfahren muss aufgewertet werden. Unter anderem müssen Situationen wie jene mit den Lieferwagen, die ich oben dokumentiert habe, künftig möglichst ausgeschlossen werden.

  19. Anna Hartl sagt:

    @Brigitte Ernst
    Ich fahre täglich in der Stadt mit dem Rad. Es gibt Tage, da fluche ich „wie ein Bierkutscher“. Vorzugsweise dann, wenn der Abstand mit dem ich überholt werde, keine 30 cm beträgt. Selbstverständlich ohne Vorwarnung und mit überhöhter Geschwindigkeit.
    Zur Zeit übe ich den bösen Blick um unbeschadet das erste Stück auf der Offenbacher Landstraße ohne Schaden zu befahren. Bisher funktioniert es. Jetzt hätte ich gerne noch zwei Augen im Hinterkopf, damit ich mich nicht immer umdrehen muss, um dem mir folgenden Autofahrer zu signalisieren, ich hab dich im Blick, lass es.
    Die Linksabbieger zur Siemensstraße stauen sich und Gott bewahre, dass man ein Stück hinter einem Radler ohne Überholmoeglichkeit fährt, wenn man gerade aus fahren möchte. Da tritt man aufs Gas und das alles vor dem 8. Polizeirevier und ohne Konsequenzen. Im besten Falle bemerkt derjenige noch, dass da wieder Mal ein Fahrradfahrer gestikuliert und schreit.
    In engen Einbahnstraßen gibt es auch die, die direkt auf Radler zufahren und mit nichts signalisieren, ein bisschen Platz zu lassen, damit wir aneinander vorbei kommen.
    Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie problematisch das Radfahren auf der Straße ist.
    Die „schönen“ Momente des Respekts und des Bewusstseins um dir Gefahren sind selten, aber es gibt sie.
    Bin dazu übergegangen mich per Handzeichen bei jedem Autofahrer zu bedanken, der brenzlige Situationen vorausschauend entschärft. Der mir nicht auf den letzten Drücker als Rechtsabbieger den Weg abschneidet, sondern wartet, so wie ich an den Rand oder in eine Parklücke fahre, wenn ich sehe, dass diese Einbahnstraße uns nicht unbeschadet aneinander vorbei lässt.
    Möglich ist vieles mit etwas gutem Willen auf allen Seiten.

  20. Brigitte Ernst sagt:

    Ich sehe, dass wir alle, die wir uns hier zum Thema äußern, vorbildliche Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger sind. Und um die bösen Anderen zu erziehen, wären mehr stadtplanerische Ideen und mehr polizeiliche Kontrolle nötig. Aber die Polizisten werden offenbar an anderen Stellen dringender gebraucht.

  21. Anna Hartl sagt:

    Ich versuche mich an einer Antwort auf die These von Bronski “ viele denken nur an sich, es gibt keine Rücksicht, nirgends“.

    Menschen in dieser Zeit machen die Erfahrung, dass sie austauschbar, sowohl in der Berufswelt, als auch im Bereich Beziehungen sind. Der „Wert“ des Einzelnen ist im Überangebot rapide gesunken. Das Gefühl, nicht mehr gehört oder gesehen zu werden, scheint weit verbreitet.

    Woran ich mich immer gestossen habe, ist die These, dass es nicht um den Einzelnen geht, sondern um das Ganze. Das Ganze setzt sich aber aus all den einzelnen zusammen, würde also ohne ihn nicht existieren. Fusst also auf der Befindlichkeit derer, die das Ganze bilden.
    Wenn es keinen Versuch mehr gibt darauf einzugehen, Menschen in ihrem momentanen „Ist-Zustand“ ins Boot zu holen, eine Wahrnehmung ihrer Lebenswirklichkeit zu bekommen, sondern es immer wieder nur darum geht, Menschen in eine Form zu pressen, dann wage ich zu behaupten, dass das Ergebnis der jetzige Zustand unserer Gesellschaft ist.
    In vielerlei Beziehung werden die Räume enger und
    die Entfalltung der eigenen Fähigkeiten und Talente werden den Bedürfnissen des Marktes untergeordnet. Auf Dauer kann das nicht gutgehen. Fühlt sich an wie Missachtung die selbst „Kauf dich glücklich“ auf lange Sicht nicht verbergen kann.

    Die Wertigkeit des Menschen ist in Frage gestellt, wird weniger gefühlt und beachtet.

    Das Verhalten unserer Politiker zeigt gerade sehr deutlich auf, wie lange sie gepennt haben.
    Wie wenig sie eigentlich vom Leben der Menschen,für die sie doch tätig sein sollen, wissen. Wie wenig der Bürger mit ins Boot genommen wird, wie wenig die Realität des Einzelnen zählt. Die Folgen sind Zerissenheit und Abkehr vom gemeinsamen.
    Für mich steht Individualität nicht im Gegensatz zur Gemeinschaft. Schätzten und bewundern wir nicht auch die Vielfalt der Natur? Und wirkt diese nicht auch auf unnachahmliche Art in ihrer Vielfalt zusammen? Wir sind ein Teil davon.

  22. Anna Hartl sagt:

    Richtig schwierig scheint die Benutzung des Mainradweges wenn Autofahrer hinzukommen. Die Zufahrt zum Schleusengebaude Nähe Gerbermühle ist so ein Ort. Gestern stand ein Lkw in der Einfahrt und ein Pkw hatte das gleiche Ziel. Hält aber so dämlich auf dem Weg, dass er die entgegenkommenden Fahrradfahrer vorbeilassen muss, bevor er aussteigen kann. Was tut er? Beschimpft eine alte Frau mit den Worten “ mach hinne Oma, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit“ und im Nachgang “ scheiss Fahrradfahrer“.
    Für die eigene Daemlichkeit die Anderen verantwortlich zu machen und hochaggressiv auf eine alte Frau zu reagieren, die ihm wohl nicht schnell genug war, ist für mich bezeichnend dafür, wie wenig Verantwortung im Strassenverkehr für das eigene Verhalten übernommen wird. Fahrradfahrer sind Autofahrern selbst dann lästig und ein Objekt, das man nach Lust und Laune beschimpfen kann, wenn sie sich an die Regeln halten!

  23. Brigitte Ernst sagt:

    @ Anna Hartl

    Was meinen Sie, wie oft ich von einem meist männlichen Radfahrer den Stinkefinger gezeigt bekomme, wenn ich ihn, nachdem er mich fast umgenietet hat, darauf aufmerksam mache, dass er, meist mit hoher Geschwindigkeit, widerrechtlich auf dem Gehweg fährt?
    Rowdys gibt es unter allen Verkehrsteilnehmern, leider.

  24. Ulrich Altmann sagt:

    Mein Vorschlag sind Fahrradschnellwege als Hochbahnen auf Stützen/Stelzen über ausgewählte große Straßen, die die Infrastruktur für Radfahrer in und um Frankfurt verbessern würden. Auch Autofahrer und Fußgänger würden davon profitieren. Weniger Auseinandersetzungen und Unfälle!
    In den 60er Jahren gab es Überlegungen, Hochbahnen in Frankfurt zu bauen, ähnlich der S- und U-Bahnen in Berlin und Hamburg. Dies wurde verworfen zugunsten der U-Bahnen, was wohl damals für Frankfurt die richtige Entscheidung war. Angesichts der Verkehrsprobleme die uns heute beschäftigen (Staus, Abgase, Parkplätze, Unfälle) sollte man die Idee vielleicht wieder aufgreifen, doch diesmal, um den Fahrradverkehr zu fördern, was auch den Straßenverkehr entlasten würde.
    Radwege „im Obergeschoss“ bedeuten keine Geräuschbelästigung sowie keine Abgas- / Umweltbelastung, sondern jeweils eine Entlastung. Fahrverbote sind kein Thema. Es geht doch darum, Menschen zügig und möglichst umweltfreundlich von A nach B zu bringen. Wir müssen begreifen, dass ein Mensch auf dem Fahrrad genauso viel „wert“ ist, wie ein Mensch im Auto. Warum werden Autofahrer immer noch als „heilig“ angesehen? Autolobby? IHK? Natürlich hat der öffentliche Personennahverkehr erste Priorität. Doch an zweiter Stelle sollte nicht das Auto, sondern das Fahrrad kommen. Der Bau mit weitgehend vorgefertigten Teilen z.B. Fertigstützen oder Platten sollte relativ preiswert und zügig durchzuführen sein. Man müsste nur die Fundamente vor Ort herstellen.
    Ästhetisch leichte, elegante Architektur wird sicher auch gerne akzeptiert (so auch z. B. in Kopenhagen). Wenn die Infrastruktur geschaffen ist, werden sehr viele Pendler das Auto stehen lassen und bevorzugt mit dem Fahrrad fahren. Kreuzungs- und ampelfrei (evtl. mit Kreisverkehren) in wenigen Minuten aus den Vororten in die Innenstadt. Auf- und Abfahrten jeweils an geeigneten Stellen, ähnlich dem System der Bundesautobahnen. Der Fahrrad-Boom (Elektrofahrräder) der letzten Jahre muss durch bessere Infrastruktur unterstützt werden.
    Zitat Tarek Al-Wazir: „Wir haben den Anspruch, dass Hessen Vorreiter der Verkehrswende ist“! Natürlich kostet das viel Geld. Doch das Geld ist da, es muss nur nach anderen Prioritäten verteilt werden! Wenn man daran denkt, wie viele Milliarden für BER, Stuttgart 21 und ähnliche Prestigeobjekte verbraten werden… Geschickt vermarktet kann das doch nur ein Erfolg werden. „Bike-Highways“ in Frankfurt – mustergültig!