Nach neun Jahren FR-Blog: Bronskis Outing

Meine Damen und Herren,

vor bald vier Jahren führte ein Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau ein Interview mit einem anderen Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau. Letzterer ist Rundschau-Leserinnen und -Lesern als Bronski wohlbekannt; er ist bei der FR für die Leserbriefseiten verantwortlich und leitet das FR-Blog. Ersterer ist den meisten von Ihnen nicht oder kaum bekannt. Zumindest denken Sie das in diesem Moment. Aber warten Sie mal ab. Denn jetzt wird es Zeit, Ihnen mehr über den Menschen zu erzählen, der hinter Bronski steht. Ein Outing im Selbstgespräch – über stürmische Zeiten, die Schrecken der Insolvenz und ein Leben neben der FR.

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Nach neun Jahren FR-Blog: Bronskis Outing

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Bronski: Wie lange sind wir beide nun Mitarbeiter der FR?

Lutz Büge: Ich seit 2001. Was Dich betrifft, müsste es 2004 oder 2005 gewesen sein, dass ich Dich wieder rausgekramt habe.

Bronski: Rausgekramt? Als ob Du mich total eingestaubt auf dem Dachboden gefunden hättest!

Lutz Büge: Quatsch! Wir zwei haben eine lange gemeinsame Geschichte, und wir waren immer eins.

Bronski: Gerade fällt es mir wieder ein. Es war im September 2005. Mein erster Beitrag im FR-Blog. Das war mein Start als Blogger. Du hattest Dich vorher mit „Politically Incorrect“ angelegt. Ich verdanke meine Wiederbelebung also dem rechten Pöbel?

Lutz Büge: Ich mag dieses Wort „Wiederbelebung“ nicht. Du warst nie tot oder untot. Du warst immer der Bronski. Das bist Du bis heute und wirst es auch bleiben: Bronski, der Leserversteher.

Bronski: Ich mag dieses Wort „Leserversteher“ nicht. Das klingt so, als ob man einen Spezialisten braucht, um die Leser zu verstehen. Was ich gemacht habe, ist einfach nur, mit den Lesern zu reden. Das hat mal mehr und mal weniger gut geklappt. Auch ein Bronski ist schließlich nur ein Mensch.

Lutz Büge: Darin steckt aber doch das Eingeständnis, dass es mit den Leserinnen und Lesern nicht immer ganz leicht ist …

Bronski: Natürlich ist es nicht immer ganz leicht. Man muss eben versuchen, die Zeitung auch von außen zu sehen, so wie die Leserinnen und Leser sie sehen.

Lutz Büge: Siehste – Leserversteher!

Bronski: Pffft. Und so was muss ich mir nach neun Jahren FR-Blog und sieben Jahren Leserbriefredakteur immer noch anhören!

Lutz Büge: Vor eineinhalb Jahren, während der Insolvenz, dachte ich, dass es vorbei wäre …

Bronski: Für viele war es tatsächlich vorbei. Das waren Wochen des Horrors, ein tiefer Einschnitt. Wir beide hatten das Glück, dass wir weitermachen durften. Selbstverständlich war das nicht.

Lutz Büge: Ein Leben ohne FR wäre zwar schwer denkbar gewesen, aber wir haben schon so viel miteinander erlebt … Erinnerst du dich noch an deine Zeiten als Gastronomiekritiker?

Bronski: Natürlich. Dafür hast Du mich ja erfunden.

Lutz Büge: Erfunden? Du bist mein Spitzname, seit ich in den 80er Jahren als junger Mann Discjockey war. Aber 1998 hast du Eigenleben gewonnen. Wir haben damals in Freiburg gelebt, und dort wurde die „Zeitung zum Sonntag“ aus der Taufe gehoben, eine Gratiszeitung mit Niveau. Dafür wurde ein Gastronomiekritiker gebraucht. Die Redaktion rief mich an und fragte, unter welchem Namen ich meine Texte veröffentlichen wollte, und ich sagte: Bronski. Dieser Job war genau das richtige für uns, oder?

Bronski: Es ging eher um Ausgehtipps. Wir haben alle mal klein angefangen.

Lutz Büge: Egal – Bronski in der „Zeitung zum Sonntag“ war Kult in Freiburg. Wenn Bronski ein neues Lokal empfohlen hatte, war in den Tagen und Wochen danach dort kein Platz mehr zu bekommen. Du hast über diese Zeit sogar einen Roman geschrieben, eine Art Krimi, oder?

Bronski: Ja, das stimmt, und den will ich demnächst auch veröffentlichen. Aber wenn es stimmt, was ich so höre, warst Du in der Zwischenzeit ebenfalls nicht faul, sondern hast mehrere Romane geschrieben.

 

Diese Magazin-Doppelseite als pdf-Dokument!

Lutz Büge: Heute ist sogar ein Auszug aus meinem neuesten Roman im Magazin der FR zu finden, als Leseprobe.

Bronski: Du schreibst Polit-Thriller, ich Gastronomie-Krimis – ach, was sind wir herrlich schizophren!

Lutz Büge: Es geht doch nichts über ein gepflegtes Doppelleben.

Bronski: Worum geht’s in Deinem Roman?

Lutz Büge: Um den „clash of civilizations“ zwischen Westen und islamischer Welt, um Biowaffen, die geheime Regierung der USA und einsame Entscheidungen, die die Menschheit an den Rand des Abgrunds führen. Das Ganze spielt in den Jahren 2022 bis 2025.

Bronski: Also ist das Science Fiction?

Lutz Büge: Nein, das Geschehen fußt auf wissenschaftlicher Realität und wäre schon heute so denkbar. Ich habe es nur deswegen in die Zukunft verlegt, weil die heutige politische Realität etwas anders ist, als ich sie für den Roman brauchte.

Bronski: Das klingt mysteriös. In meinem Roman geht es um einen Gastronomiekritiker, der keine Schnitzel mag und der seinen ärgsten Gastronomiekritiker-Konkurrenten aufspüren muss, welcher Schnitzel sehr liebt. Der, der keine Schnitzel mag, bin ich, der andere heißt Gunter Schnabel, und der Roman heißt „Schnabels Schnitzel“.

Lutz Büge: Klingt eher lustig, nicht nach hartem Krimi.

Bronski: Ich bin ja fast eifersüchtig geworden, als ich erfahren habe, dass Du neben dem FR-Blog noch ein Blog namens Ybersinn.de betreibst. Schämst Du Dich eigentlich gar nicht für diese Fremdgeherei?

Lutz Büge: Nö. Als Autor, der seine E-Books selbst veröffentlicht, weil er beschlossen hat, dass er keinem Verlag mehr hinterherrennt, ist es ganz selbstverständlich, dass er eine Webseite hat. Du wirst es nicht glauben: Da veröffentliche ich sogar Texte! Zum Beispiel über den Drohnenkrieg des Barack Obama.

Bronski: Und jetzt servierst du mich einfach so ab!

Lutz Büge: Unsinn. Wie kommst Du denn auf diese Idee? Es läuft alles so weiter wie bisher. Die Leute kennen uns unter deinem Namen besser als unter meinem.

Bronski: Und warum dann diese Outing-Aktion?

Lutz Büge: Ganz ehrlich: Weil ich möchte, dass die Leute erfahren, was wir beide sonst noch so machen. Und weil ich mittlerweile meinen Respekt vor dem rechten Mob verloren habe.

Bronski: Schisser! Deswegen also musste ich ran!

Lutz Büge: Ich wollte keine Auseinandersetzungen mehr mit diesen Leuten, die wirklich sehr, sehr unangenehm werden können. Das Wortduell auf „Politically Incorrect“ hatte ich für mich entscheiden können, aber danach schien es mir angeraten, mit meiner realen Existenz online einfach ein bisschen vorsichtiger zu sein. Online-Debatten entwickeln manchmal unschöne Nebenaspekte.

Bronski: Das habe ich kürzlich in unserem Beschneidungs-Blogtalk auch gemerkt.

Lutz Büge: Außerdem hattest du den Vorteil, dass ich beruhigt in Urlaub gehen konnte und dass meine Vertretung unter deinem Namen weitermachen konnte, ohne dass mein Fehlen bemerkt wurde. Das war schön kontinuierlich. Nachteil ist, dass manche Leserinnen und Leser hinter dem Namen Bronski ein mehr oder weniger anonymes Team vermuten, weil sie nicht glauben wollen, dass ein lebendiger Mensch wirklich Bronski heißen kann.

Bronski: Das hab ich dir immer gesagt.

Lutz Büge: Aber es hat trotzdem funktioniert, weil wir es, glaube ich, geschafft haben, im Leserforum der FR unsere eigene Handschrift erkennbar werden zu lassen. Und diese eigene Handschrift hat einen Namen: Bronski.

Bronski: Ich darf also weitermachen? Die FR nach außen vertreten, sie nach innen mit der LeserInnen-Meinung konfrontieren, hin und wieder auch mal was Eigenes im FR-Blog schreiben, wenn ich das mal so trocken für all die FR-Leserinnen und -Leser hinwerfen darf, die Blogs immer noch für Zeitverschwendung halten? Und du schreibst weiterhin auf Ybersinn.de?

Lutz Büge: Daran soll sich nichts ändern. Du bist und bleibst der Bronski. Aber jetzt wissen die Leute, dass der Mensch, der Bronski ist, auch noch einen – wie man so schön sagt – bürgerlichen Namen hat. Dafür wurde es nach so vielen Jahren einfach Zeit.

Bronski: Und wie sollen die Leute uns künftig anreden?

Lutz Büge: Das sei jedem freigestellt, aber wenn wir es uns aussuchen dürfen: Für die Rundschau Bronski. Ansonsten: Lutz.

Bronski: Und so sehen wir aus:

Dieses Gespräch erscheint gleichzeitig im FR-Blog, auf meiner Autoren-Webseite Ybersinn.de und in gekürzter Fassung in der Print-Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom 29. April.

An diesem Tag, dem 29. April, brachte die FR einen Ausschnitt aus meinem aktuellen Roman „Virenkrieg“ als Leseprobe im FR-Magazin, das oben eingeklinkt war. Der Text stammt vom Anfang des siebten Kapitel des Romans. Da er oben nicht gut zu lesen war, bringe ich ihn hier noch einmal in größerer Auflösung. Einfach draufklicken zum Vergrößern. Darüber hinaus ist die Leseprobe auf ybersinn.de unter DIESEM LINK nachzulesen oder in der frei zugänglichen Leseprobe von Teil 7 des Romans auf Amazon. Die Leseprobe stammt nämlich aus der Mitte des Romans, der zunächst ab Ende November 2013 in zehn Teilen allein auf Amazon erschienen ist. Man hätte sie auch Six/Eleven betiteln können in Anlehnung an Nine/Eleven.

Über meine Aktivitäten jenseits der FR und meine weitere literarische Arbeit können Sie sich hier informieren: ybersinn.de (Startseite mit Übersicht über viele Artikel) oder für Eilige: ybersinn.de/werke (Werk-Übersicht).

Und für alle anderen, die den ganz schnellen Überblick wollen, stelle ich hier noch die Infobox aus dem FR-Magazin vom 29. April ein.

Lassen Sie mich noch ein Statement hinterherschicken. Es gab im FR-Blog vor kurzem einen kribbligen Moment, als ein User mich kritisierte. Ich musste über seinen Kommentar sehr lachen, denn er hatte über mein Amerika-Bild geurteilt, ohne es zu kennen. Als müsste ein Text, der Putin kritisiert, praktisch per defitionem eine US-freundliche Position einnehmen. Nur: Über die USA und ihre Politik habe ich in jenem Text gar nicht geschrieben. Der User hat damit – und das war für mich die Pointe – verraten, dass er selbst dem Denken des Kalten Krieges genauso verpflichtet war, wie er es mir vorwarf. Er schrieb:

„Wenn Bronski seine FR-Leser mahnt: ‚Liebe Leute, bei aller Kritik – überdenkt mal Euer Russland-Bild‘, müsste er seinem Amerika-Bild mindestens ein paar Mosaiksteine hinzufügen.  (…) Unseren amerikanischen Freunden gegenüber ist Kuschen angesagt, das journalistisch als Realpolitik verbrämt wird.“

Wer meinen Roman „Virenkrieg I“ und diverse Veröffentlichungen von mir auf meinem Ybersinn-Blog liest, wird schnell merken, wie kritisch ich die USA tatsächlich sehe. Was der User als „Realpolitik“ bezeichnete, ist schlicht imperiale Machtpolitik, der wir Deutschen uns entweder beugen können – unter einer Kanzlerin Merkel neigen wir dazu – oder zu der wir auch mal, wenn wir ganz mutig sind, Nein sagen können – wozu wir unter einem Kanzler Gerhard Schröder fähig waren, um dann allerdings ingesheim doch Zugeständnisse zu machen, zum Beispiel bei der Nutzung der RheinMain-Airbase durch die US-Streitkräfte. Und jetzt bitte keine Kritik an diesem „Wir“. Wenn unsere Regierungschefs sich so verhalten, wie sie sich verhalten, dann sind wir alle mitgemeint; und wenn wir dagegen nicht auf die Straße gehen, haben wir dieses „Wir“ auch verdient.

Dass sich meine Einstellungen nicht eins zu eins auch im FR-Blog finden, hat damit zu tun, dass ich auf strikte Trennung dieser Sphären geachtet habe. Das FR-Blog war immer das Blog der Leserinnen und Leser der FR und nur gelegentlich ein Autoren-Blog, in dem ich mal selbst zugespitzt was beigesteuert habe. Das habe ich stattdessen auf ybersinn.de getan – und ich denke, dass ich dort spätestens seit Oktober 2013 kein Blatt vor den Mund genommen habe. Ich gebe hier – und das wird die Ausnahme sein, da ich die Trennung der Sphären beibehalten werde – einen Link auf meine Rezension des Buches „Schmutzige Kriege. Amerikas geheime Kommandoaktionen“ des US-Journalisten Jeremy Scahill, die ich auf ybersinn.de veröffentlicht habe. Und daneben befindet sich so mancher Text, der gar nicht politisch ist, über den man vielleicht sogar mal lachen kann. Weil auf so einer Autoren-Seite eben mehr möglich ist als auf einem klar positionierten Blog wie dem FR-Blog. Denn hier gilt: LeserInnen-Meinung zuerst!

Viele Grüße Ihnen allen!

Ihr/Euer Lutz Bronski Büge

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15 Kommentare

  1. runeB sagt:

    Sehr geehrter Herr Lutz Büge,

    dieses fiktive Interview hat mir sehr gut gefallen. Es war auch in gewisser Weise sehr sehr mutig, das Alter-Ego zu präsentieren. Alle Achtung! Für mich war Bronski eine äußerst gelungene Kunstfigur, kaum greifbar, aber dennoch existent. So eine Art Pinocchio. Respekt, Respekt.

  2. Bronski sagt:

    Lieber runeB,

    vielen Dank. Jetzt sehen Sie, dass hinter dieser Kunstfigur ein Mensch steckt. Soooo überraschend ist diese Erkenntnisse sicher nicht. Auf jeden Fall ging es mir nicht darum, der Öffentlichkeit eine lange Nase zu drehen. 😉

  3. maiillimi sagt:

    B R A V O , lieber Lburtoznski.

  4. E.Jacob sagt:

    Lieber aktueller Bronski, leider kann ich die neuen Romane von Ihrem Ex-Bronski Lutz Büge nicht lesen. Gerne hätte ich den Roman “ 20 Seemeilen vor der Chesapeake Bay “ gelesen. Ich besitze aber kein E-Buch und werde auch keines aus Umweltschutzgründen besitzen. Kann man diesen Roman und auch seine Anderen, als normales Buch aus Papier kaufen ?

  5. Max sagt:

    Lieber E.Jacob,
    ich bevorzuge eigentlich auch Papierbücher (old school). Man kann sich im Netz aber eine Kindle-App auf Computer oder Laptop laden und so an die Bücher kommen. Ich habe das gemacht – und es hat sich allemal gelohnt

  6. Bronski sagt:

    Lieber Herr Jacob,

    vielen Dank für Ihr Interesse. Leider kann man den Roman bisher nicht als normales Buch kaufen, denn dazu müsste ein Verlag eine Druckversion davon herausbringen. Ich habe es aber schon vor Jahren aufgegeben zu versuchen, Verlage für meine Romane zu interessieren. Vielleicht wird durch den Probe-Abdruck ja ein Verlag darauf aufmerksam. Ich möchte das Erscheinen einer Print-Ausgabe daher keineswegs ausschließen, aber es gibt keine konkreten Pläne.

    Über diesen Link bleiben Sie auf dem Laufenden hinsichtlich Neuigkeiten über meine Romane:

    http://www.ybersinn.de/news/

    Dort werde ich meine Leserinnen und Leser informieren, wenn eine Print-Version geplant ist.

  7. Christian F. sagt:

    @Max #5

    Naja, wer sich gerne von Amazon abhängig machen möchte, kann natürlich auf den Kindle setzen. Für den Firefox-Browser gibt es z.B. ein Add-On zum Lesen von EBooks im (offenen) EPUB-Format. Abgesehen davon, dass manche EBooks auch im PDF-Format ausgeliefert werden. Ansonsten kann man durch entsprechende Programme (z.B. das kostenlose Calibre) EBooks auch in andere Formate umwandeln.

    @Bronski #6

    Schomma was von Books On Demand gehört? Da bringen Sie Ihr Buch (als EBook und/oder gedrucktes Buch) im Selbstverlag raus, inkl. ISBN und allem Pipapo. Entweder Sie machen es direkt online selbst oder lassen sich von einem BoD-Projektpartner helfen. Das ist sowas von einfach. Unter http://www.bod.de/autoren/buch-veroeffentlichen.html nachschauen hilft da weiter.

  8. Bronski sagt:

    @ Christian F.

    Vielen Dank für Ihre Hinweise. Als ePub haben sowohl „Der Osiris-Punkt“ als auch „Virenkrieg I“ selbstverständlich ISBN-Nummern, da sie sonst nicht in den E-Book-Shops zu erhalten wären. Ohne ISBN-Nummer ginge nur bei entweder Amazon oder Epubli oder Neobooks oder … aber nie alles zusammen.

    Ich habe mich selbstverständlich über BoD informiert. „Virenkrieg I“ ist ein Schmöker von rund 520 Seiten Umfang. Ich habe keinen Anbieter gefunden, der mir „book on demand“ oder „print on demand“ zu vertretbaren Konditionen schmackhaft machen konnte. Man landet bei einem Endpreis von im günstigen Fall 25 Euro. Einzige Möglichkeit, auf niedrigere Zahlen zu kommen, wäre das Drucken einer bestimmten Auflage, die dann auf Lager gehalten werden müsste. Das wäre eventuell eine Option, bedeutet aber eine vier- bis fünfstellige Investition. Außerdem will ich keinen Verlag gründen. Ich habe wirklich genug um die Ohren.

    Als E-Reader kann man auch die ePub-Software Calibre nehmen, mit der ich meine Texte ins ePub-Format konvertiere. Die Software ist frei erhältlich und läuft problemlos und stabil auf jedem Rechner. Hier geht es zum Download.

    Ich muss die Freundinnen und Freunde gedruckter Bücher daher leider vorerst enttäuschen: Den Roman wird es zunächst nur als E-Book geben.

  9. maiillimi sagt:

    An alle Papiertreuen und EBook-Zauderer: Vor einem halben Jahr hätte ich alle Eide geschworen, nie einen EBook-Reader zu erwerben, geschweige denn Amazon (Kindle) zu unterstützen. A b e r ich konnte meine Neugier auf die Werke von Lutz nicht besiegen…Also meinte ich mit dem Kauf eines Tolino – der (irreführenderweise!) alle gängigen Formate versprach – zumindest Amazon ausgewichen zu sein. Weder „Genetics“ , „Virenkrieg“ noch „Osiris-Punkt“ konnte ich runterladen. Notgedrungen habe ich dann eine (kostenlose) Kindle-App auf den PC geladen und konnte nun mühelos die wahrlich spannenden und obendrein lehrreichen Werke lesen. Schön, dass der komplette „Virenkrieg“ nicht mehr von Kindle abhängig ist… Also, liebe Lese-und-Bronski-Freunde, springen Sie über den Graben und geben Sie sich die Chance, nicht auf Lutz Büges Werke verzichten zu müssen.

  10. Werner Engelmann sagt:

    Hallo, Bronski,
    erstmal Glückwunsch zu Deinem originellen Outing, das durchaus Sinn ergibt und zu weiteren Überlegungen anregt.
    Es erinnert mich an japanisches Theater, wo auch auf der Bühne Menschen in zwei Gestalten erscheinen, was der Tatsache Rechnung trägt, dass auch das einzelne Individuum im Grunde ein Plural ist, und so seinen eigentlichen Reichtum besser zum Ausdruck bringt.
    Goethe wusste das natürlich auch und hat dem mit den „zwei Seelen, ach in meiner Brust“ im „Faust“ auch entsprechend philosophisch Ausdruck verliehen.
    Ich mag auch sein Gedicht „Gingo biloba“ (korrekt eigentlich: Ginkgo“)

    „Dieses Baums Blatt, der von Osten
    Meinem Garten anvertraut,
    Giebt geheimen Sinn zu kosten,
    Wie’s den Wissenden erbaut,

    Ist es Ein lebendig Wesen,
    Das sich in sich selbst getrennt?
    Sind es zwei, die sich erlesen,
    Daß man sie als Eines kennt?

    Solche Frage zu erwidern,
    Fand ich wohl den rechten Sinn,
    Fühlst du nicht an meinen Liedern,
    Daß ich Eins und doppelt bin?“

    Geschichtsphilosophisch gesehen, ist die Verleugnung der eigenen Dualität, vor allem in patriarchalen Gesellschaften nach außen projiziert, etwa in Form von idealtypisch-klischeehaftem Verständnis von „weiblich“ und „männlich“, ja auch eine leider nie versiegende Quelle von Vorurteilen und Homophobie.

    Ohne indiskret sein zu wollen – eine Frage hätte mich doch noch interessiert (die Du natürlich nicht zu beantworten brauchst): War (bzw. inwiefern war) die Gestalt des Grafen Bronski aus „Anna Karenina“ für Dein Alter-Ego konstitutiv?

    Betr. Probleme einer Druckfassung für „Virenkrieg“:
    Ich sehe da noch eine andere Möglichkeit, die ich bei meinem „Maria“-Roman angewandt habe. Die ursprüngliche Fassung war sogar noch umfangreicher. Das ist, wie auch der Preis, bei einem unbekannten Autor natürlich abschreckend. Dadurch kam ich auf die Idee, daraus eine Trilogie zu machen, wodurch sich auch inhaltlich interessante neue Aspekte ergaben. Die Gesamtkosten waren so zwar höher, doch der Preis für den einzelnen Band hat sich dadurch halbiert.
    Allerdings muss ich bekennen, dass meine Lektüre des „Virenkriegs“ (aufgrund vieler anderer Dinge) noch nicht so weit fortgeschritten ist, um mir ein Urteil darüber zu erlauben, ob ein ähnliches Verfahren möglich und sinnvoll ist.

    Dir und allen Blogteilnehmern wünsche ich – trotz Ukraine-Krise – noch eine hoffentlich nicht zu erschreckende „Walpurgisnacht“ und einen guten Start in den Mai!

  11. Bronski sagt:

    Hallo Werner,

    vielen Dank!

    Du fragst: „War (bzw. inwiefern war) die Gestalt des Grafen Bronski aus „Anna Karenina“ für Dein Alter-Ego konstitutiv?“

    Nein. In der Rückschau würde ich sagen, es war der Onkel Bronski aus der „Blechtrommel“ in einem sonderbaren Gemisch mit Bronski Beat und einem Gerücht, das mir irgendwann zu Ohren gekommen war: dass Bronski der Deckname Lenins gewesen sein soll. Ich habe das aber nie überprüft.

    Zum „Virenkrieg“: Ich wüsste nicht, wie der Roman sinnvoll portioniert werden könnte. Dazu müsste ich wohl noch mal an die Struktur gehen. Er ist ja so konzipiert, dass er in einer Serie von zehn Teilen erscheinen konnte, die zwischen 54 und 80 Seiten lang sind. Das ist die ursprüngliche Veröffentlichungsform, die ich für die Publikation als E-Book auf Amazon gewählt habe. Die Teile 1 bis 3 erzählen Jan Metzners Geschichte bis zur Ankunft in al-Isra, Teil 4 und 5 erzählen die Vorgeschichte, Teil 6 ist dann wieder bei Jan, und die Teile 7 bis 10 bilden wiederum einen erzählerischen Block, der mit der oben wiedergegebenen Leseprobe beginnt. Das macht eine sinnvolle Drei- oder Vierteilung sehr sehr schwierig, aber grundsätzlich gefällt mir Dein Vorschlag.

  12. Werner Engelmann sagt:

    Hallo, Bronski
    Der Blechtrommel-Bronski ist ja auch ein interessanter Typ und sympathischer als der bei Tolstoi. Leider hat das sein trauriges Schicksal nicht verhindert. Aber Demokraten orientieren ihr Verhalten ja nicht an gegebenen Machtverhältnissen. Und „Polnische Post“ gibt’s auch anderswo.

  13. stefan Vollmershausen sagt:

    für mich war Bronski der Sound der aus dem Ghetto kommt, ich habe den Namen mit irgendwelchen Problemvierteln verbunden, wohnte in der Großstadt F. und sah die offensive Art der FR mit Leserbriefen umzugehen als investigativ, und so beteiligte ich mich. 2001 der Beginn von Bronski markiert auch das Jahr mit der Al Kaida, Bronski hat weiter veröffentlicht und weitergelesen, auch wenn es Problemzuschriften aus einfacheren Vierteln gab, die Auflage immer weiter zurückging. Vielen dank Bronski!

  14. werner.h sagt:

    Ganz egoistisch gedacht : Ich finde es schade ! Nun ist „mein Bronski“ wohl gestorben, den ich mir so schön ausgedacht hatte…
    Wie soll ich jetzt mit diesem „Januskopf“ in mir umgehen ? Ich weiß es (noch) nicht.

  15. Katja Wolf sagt:

    Tja, Bronski,

    Sie enttäuschen mich anderweit – wenn ich schon nicht mehr mitbloggen darf, wüsste ich wenigstens, warum!