Digitale Konzepte gibt es nur auf dem Papier

In der Corona-Krise zeigen sich viele Mängel in der gesellschaftlichen Organisation dieses Landes. Unsere Kliniken, insbesondere die Intensivstationen, sind auf den Katastrophenfall nicht ausreichend vorbereitet und drohen, überlastet zu werden. Und unsere Schulen … Abgesehen vom Eindruck der Uneinheitlichkeit, der sich naturgemäß durch die föderale Struktur ergibt, muss man leider konstatieren, dass sie weiterhin überwiegend analog sind. An vielen Schulen gibt es nicht einmal durchgängig WLAN, geschweige denn eine digitale Geräte-Infrastruktur, die Lernen von zu Hause aus ermöglichen könnte. Weiterhin abgesehen vom dazugehörigen IT-Support, also Fachpersonal. In dieser Hinsicht ist Deutschland, ist Hessen immer noch ein Entwicklungsland. ArminSchwarz, der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im hessischen Landtag, möchte der Bildungspolitik daher „Schwung durch digitale Konzepte“ geben (pdf-Dokument von den FR-Seiten D2 und D3 vom 7. Januar).

Das zeigt sich besonders jetzt, in der zweiten Welle der Pandemie. Weil es kaum eine Infrastruktur gibt, die diesen Namen verdient, beharrte die Bildungspolitik lange auf dem Konzept des Präsenzunterrichts. Dass damit Infektionsherde entstehen, schien den Fachpolitikern nachrangig gewesen zu sein. Schulen seien keine Infektionsherde, so ließ sich auch beispielsweise der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts vernehmen. Doch selbstverständlich kann sich das Virus überall dort verbreiten, wo es von Mensch zu Mensch springen kann. Schulen machen da natürlich keine Ausnahme. Auch wenn Kinder und Jugendliche seltener schwer erkranken, können sie das Virus aus der Schule nach Hause mitbringen und beispielsweise die Großeltern anstecken.

Das soll sich jetzt ändern. Hessen geht in einen verschärften Lockdown, die Pandemie erzwingt Kontaktbeschränkungen. Ab 11.12021 wird in den hessischen Schulen wird fortan* von der Klassenstufe 7 an aufwärts nur noch Distanzunterricht angeboten. Ausgenommen von dieser Regel sind lediglich Abschlussklassen der oberen Jahrgangsstufen, die nach Ende der Winterferien wieder in den Präsenzunterricht gehen werden. Für die Klassenstufen 1 bis 6 gilt nach den Ferien wieder auf Aufhebung der Präsenzpflicht an Schulen. Eltern werden zwar gebeten, ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu lassen, können sie aber in die Schule bringen, wenn ihnen dies nicht möglich ist. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) versicherte, den zu Hause bleibenden Schülerinnen und Schülern würden keine Nachteile beim Lernfortschritt entstehen. Für das Homeschooling werde jeweils das gleiche Arbeitspensum in Wochenplänen aufgegeben wie beim Präsenzunterricht in der Schule. Eine ähnliche Regelung wie an Schulen gilt ebenfalls für die Kitas in Hessen. Wer seine Kinder zu Hause betreut, kann nach Beschluss der Landesregierung außerdem bis zu zehn zusätzliche Tage Kinderkrankengeld je Elternteil in Anspruch nehmen.

fr-debatteSo werden Schulen ganz sicher nicht fit für modernes Lernen

Mir scheint nach Lektüre des Gastbeitrages von Armin Schwarz, des schulpolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, dass er und ich auf ganz unterschiedlichen Planeten leben. Wir haben/hatten vier Kinder an Frankfurter Schulen (Grundschule und Gymnasium) – für uns stellt sich die Corona-Situation an den Schulen folgendermaßen dar: Bis zum Beginn der Pandemie gab es keine digitalen Lernkonzepte. Mit dem Versuch der Umstellung auf online-Unterricht im ersten Lockdown wurden die Schulen vom Schulamt und dem Kultusministerium allein gelassen. Die Landesinfrastruktur (Schulcloud) ist überlastet, nur ein kleiner Teil der Schulen überhaupt angeschlossen. WLAN an den Schulen gibt es nicht. Endgeräte für Kinder, die keine zur Verfügung hatten, kamen zu spät und wurden dann z.T. ohne Betriebssystem oder Office-Paket geliefert. Nur durch den tollen Einsatz einiger sehr aktiver Lehrer*innen und mit finanzieller Unterstützung der Eltern für die nötige Technik (Webcam etc.) konnten unsere Gymnasialkinder zum Lockdown im Herbst Unterricht per MS Teams nutzen. An der Grundschule weigerte sich der Schulleiter, digitale Formate auch nur anzudenken, mit dem Argument, es gäbe keinerlei technische Unterstützung von Seiten des Landes. Was einerseits eine Bankrotterklärung ist, andererseits auch stimmt, denn die Schulen bekamen kein IT-Personal zur Verfügung gestellt. Ach ja, und die vielen neu geschaffenen Stellen für Lehrer*innen: Die sind Symbolpolitik, solange sie nicht besetzt werden können, was insbesondere in Grund- und Hauptschulen der Fall ist.
Digitale Konzepte? Die gibt es für hessische Schulen leider nur auf dem Papier oder auf dem Planeten von H. Schwarz. Und wenn das nicht schon deprimierend genug wäre: Mit den gestrigen Beschlüssen, die sämtliche Verantwortung für den Lernfortschritt ihrer Kinder im Lockdown auf Eltern und Schulträger abwälzen, hat sich die hessische Landesregierung endgültig vom aktiven Gestaltungswillen von Bildung in Pandemiezeiten verabschiedet. „Schulen fit machen für ein modernes und erfolgreiches Lernen und Lehren“? Sicherlich nicht so.

Philipp Magiera, Frankfurt

fr-debatteOffenbar muss der Minister seinen Ruf retten

Obwohl „Der Schutz“ aller Beteiligten in der zynischen Pressemitteilung des HKM betont wird, gehen die Abschlussklassen zurück in die Schule, um dort den Scherbenhaufen des hess. Kultusministers Prof. Dr. Lorz zu bewältigen. Während Grundschüler*innen weiter durchs Homeoffice turnen und ihre älteren Geschwister die Löcher der Digitalisierung ausbessern, heißt es für uns: Abstand halten, Abschluss machen. Die Lösung für Chancenungleichheit in der Pandemie ist nicht, die Schüler*innen in überfüllte Klassen zu stecken und von den Lehrer*innen zu verlangen, sich um Präsenz- und Distanzunterricht zu kümmern. Es ist ganz nett, dass uns die Fähigkeit zugesprochen wird Abstand zu halten, aber es ist unmöglich, im Schulgebäude diesen dauerhaft einzuhalten. Aber wir lüften fleißig! Es wirkt, als müsse das HKM seinen Ruf retten, sodass wir nicht der „Corona-Jahrgang“ werden. Uns allen ist daran gelegen, den Abschluss zu machen, aber das Leben unserer Mitmenschen ist dann doch etwas wertvoller. Wir sind die Generation, die in der Digitalisierung aufgewachsen ist und können es besser als alle Anderen. Aber unser Abschluss kann nicht einmal warten bis bekannt ist, wie sich die Feiertage auf die Fallzahlen auswirkt.

Eva Plath, Kassel

fr-debatteWenn es Probleme gibt, sind wir da

In diesen Pandemiezeiten wird wieder mal deutlich, dass der Lehrer:innenberuf keinerlei öffentliche Wertschätzung erfährt. In der Diskussion um die Schulschließungen geht es immer nur um zwei der drei betroffenen Gruppen, nämlich um die Schüler:innen und deren Eltern. Das Risiko, das wir Lehrer:innen tragen, scheint nicht mal der Erwähnung wert.
Schulschließungen sind (bildungs-) politisch nicht gewünscht. Der Gedanke dahinter ist gut nachvollziehbar: Das Recht auf Bildung als hohes und schützenswertes Gut. Unbestritten. Aber unter allen Umständen und mit hohem Risiko für alle Beteiligten, auch für die unterrichtenden Lehrer:innen?! Gibt es da nicht auch die Fürsorgepflicht des Dienstherren gegenüber seinen Bediensteten?! Davon ist nichts zu spüren.
Ewiggestrige meinen wohl immer noch, dass Lehrer:innen einem entspannten Halbtagsjob nachgehen. Die enorme Wandlung dieses Berufes in jeglicher Hinsicht wollte von ihnen nicht wahr genommen werden. Wir Lehrer:innen sind in dieser Krise für unsere Schüler:innen da, so gut es uns möglich ist. Sie brauchen uns – vielleicht mehr denn je. Gerade deshalb wünschen wir uns, dass auch unser Gesundheitsrisiko mit in die Waagschale geworfen und nicht einfach ignoriert wird. Weil unser Berufsstand es genauso wert ist wie alle anderen auch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Birgit Schwarzenberg, Oberursel

fr-debatteDas war klar!

Ich habe von unserem „verantwortlichem“ Kultusminister Herrn Lorz, nichts anderes erwartet. Bevor wir hier in Hessen eine verantwortliche und verlässliche Planungssicherheit mit einer fundierten durchdachten Konzeption unter den Bedingungen der Corona-Pandemie erhalten, werden wir Lehrkräfte/Schulleiter:innen wie so oft ins konzeptionslose Chaos geschickt. Wir können es ja richten unter dem Motto: die Schulen wissen schon was sie zu tun haben! (das kennen wir bereits seit langem).
Wie kann es sein, dass Sie, Herr Lorz, als Kultusminister eine solche hanebüchene Entscheidung treffen und die Präsenzpflicht in den Klassen 1-6 aufheben? Oder habe ich da was nicht verstanden? Die Infektionszahlen verringern sich nicht signifikant und wir alle sind angehalten die Kontakte noch mehr zu minimieren. Ich kann durch Ihre Entscheidung nicht erkennen, dass Sie diesem sozial – verantwortlichen Verhalten im Bildungssystem Schule nachkommen und das als Kultusminister!!! Die Aufhebung der Präsenzpflicht besonders in den Grundschulen spricht für ein kontraproduktives sozial- verantwortliches Handeln.
Erschwerend hinzu kommt ihre Aussage, dass es keine Lernunterschiede geben soll zwischen den Kindern, die am Unterricht teilnehmen und denen, die zu Hause bleiben. An dieser Stell brauche Ihre Hilfe, denn ich kann das nicht erfüllen! Vielleicht liegt es an meiner fehlenden Kompetenz, oder aber Ihnen fehlt nicht nur der Blick für das Wesentliche, sondern auch eine fachlich- menschliche Beurteilung/Einschätzung/Bewertung der schulischen Realität und deren Handlungsspielraum auf dem Hintergrund des Infektionsrisikos im Unterrichtsgeschehen.
Vielleicht hilft Ihnen die kurze Schilderung meiner Situation, um etwas mehr Nähe zur Basis herzustellen. Im Anfangsunterricht stehen Unterrichtsinhalte wie die Einführungen von Buchstaben, Lauten, Silben und phonologischem Bewusstsein und vieles mehr auf dem Programm, um die Grundlagen für den Schriftspracherwerb zu erfassen. Ebenso gilt das für Mathematik. Die Grundkompetenzen für mathematische Denkstrukturen beginnen mit Zifferneinführung, Mengenbegriffsbildung, Größen, Formen und vieles mehr. Wie kann ich das den Schüler:innen vermitteln, die zu Hause bleiben?
Nur zur Erinnerung: Diese kleinen Schüler:innen sind nicht in der Lage über Distanzunterricht aktiv am Lernprozess teilzunehmen. Ganz davon abgesehen, werden Eltern ihre Kinder nicht komplett bis einschließlich 29. Januar abmelden, das zeigt die Erfahrung und das Dilemma in dem alle Eltern dieser Altersgruppe stecken. Will heißen, ich weiß nicht wie viele Kinder mich täglich erwarten? Wie soll ich gewährleisten, dass durch Ihre Entscheidung kein Kind zurückbleibt. Aber vielleicht habe ich ja „Glück“ und alle Schüler:innen kommen zum Unterricht! Dann muss ich ja nur noch das Ansteckungsrisiko verantwortlich händeln, um zur Eindämmung der Pandemie beizutragen.
Also: Alle Fenster auf, Jacken, Mütze, Handschuhe, Schal und die AHA-Regeln beachten!! Nichts Leichteres als das!
Warum haben Sie sich nicht für den Wechselunterricht für die Grundschulen entschieden? Diesen haben wir bereits in den letzten Wochen vor den Sommerferien mit Erfolg praktiziert. Gerade dieses Modell hat die so wichtige Planungssicherheit mit einer erfolgreichen Konzeption „Lernen in kleinen Gruppen“ gewährleistet ohne Kinder abzuhängen. Im Gegenteil, in den kleineren Lerngruppen war eine hochkonzentrierte Lernatmosphäre möglich, dass einige „schwächere“ Schüler:innen einen echten Quantensprung gemacht haben.
Herr Lorz beziehen Sie doch endlich mal die Menschen in ihre Entscheidung mit ein, die an der Basis engagiert für die Schulbildung sorgen und die komplexen, facettenreichen Anforderungen in Verbindung mit den Zielen der Schulbildung erfassen und innovativ begegnen können und das noch unter Pandemiebedingungen. Ich bin es leid, mich täglich mit den katastrophalen Auswirkungen ihrer themenverfehlten Entscheidungen zu konfrontieren und „die Kohlen aus dem Feuer zu holen!“

Regine Siebert-Eigenherr, Hofheim

fr-debatte

17 Kommentare

  1. Johannes Kasper sagt:

    Der renommierte Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, der Seuchenexperte Prof. Dr. Dr. René Gottschalk, hat sich seine Meriten zweifellos verdient und leistet wichtige praktische Arbeit; als Sachverständiger u.a. der Landes- und Kommunalpolitik geriert er sich derzeit als Experte qua Posten, der über wissenschaftlicher Evidenz zu stehen scheint. Obwohl sein sommerliches Zahlenorakeln („Was sagen die Daten?“) längst von der Realität (und der Mathematik) überspült wurde, verbreitet er weiterhin empirisch wider- oder unbelegte Privatwahrheiten.
    Entgegen überwältigendem wissenschaftlichem Konsens stellt Prof. Gottschalk die Primärstrategie der Eindämmung in Frage und hält es für „relativ leicht“, stattdessen durch gezielte (hellseherische?) Kontaktverfolgung Risikopatienten zu schützen. Im Widerspruch zu zahlreichen Faktenchecks und Expert*innen verbreitet er die Corona-Leugner-Mär der „häufig“ falsch-positiven PCR-Tests. Trotz rasant zunehmender Erkenntnisse zu den häufigen und teils schweren Langzeitfolgen gerade bei Jüngeren – und auch bei Kindern – und einer im Vergleich zur Grippe 12-16 mal höheren Infektionssterblichkeit besteht er darauf, Covid-19 sei „zum weitaus größten Teil“ völlig harmlos und einer Grippe vergleichbar, erklärt, es würde sich eine „ganz andere“ Fallsterblichkeit zeigen, wenn man alle Verkehrstoten herausrechnet, die sich noch just vor ihrem Unfall mit Corona angesteckt haben und konstatiert irreführend, es gebe keine Übersterblichkeit (Präventionsparadox lässt grüßen).
    Hartnäckig aber ohne Begründung bestreitet Prof. Gottschalk den breiten wissenschaftlichen Konsens zur überragenden Bedeutung von Aerosol-Übertragungen, ohne die die meisten Superspreadingereignisse nicht erklärbar wären. Mit fatalen Folgen: So untersagt er den Einsatz von angeblich virenverbreitenden Luftfilter an Schulen, während er im Sommer noch von der überragenden Effektivität von Luftfiltern in Flugzeugen überzeugt war. Kontrafaktisch behauptet er im Widerspruch zum RKI, an Schulen fänden keine Ansteckungen statt, mit Masken (immerhin) und Fensterlüftung „droht keine Ansteckungsgefahr“ und für geteilte Klassen (Aerosole lassen grüßen) gebe es „keine infektiologische Notwendigkeit“. Da Kinder „erheblich weniger“, kleine Kinder „allenfalls ausnahmsweise ansteckend“ seien, könne man auf Quarantäne und Testungen an Schulen grundsätzlich verzichten.
    Von solchen primär Eminenz-basierten Einschätzungen hängt das leibliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben tausender Bürger*innen ab. Ich halte es für grob fahrlässig, dass ein hochrangiger Vertreter des öffentlichen Gesundheitswesens die Gesundheitsgefahren und die elementare Bedeutung von Aerosolübertragung und Überdispersion von Sars-CoV-2 leugnet oder nicht versteht und eine private Durchseuchungsagenda à la Hendrik Streek verfolgt.
    Die Schildbürgerpolitik der Beschwörungen und Verantwortungslosikeit muss enden. Wir brauchen jetzt eine konsequente, transparente, evidenzbasierte ZERO-COVID-Strategie!

  2. Renate Kucharczyk sagt:

    Angesichts des aktuellen und noch befürchteten Infektionsgeschehens sind die Regelungen des hessischen Kultusministeriums zum Schulstart nach den Weihnachtsferien mehr als ärgerlich. Indem man die Entscheidung, ob die Kinder in die Schule gehen oder nicht, den Eltern überlässt, hat man die schlechteste der möglichen Varianten gewählt.
    Kinder, die gerne in die Schule gehen wollen, deren Klassenkameraden in teilweise großer Zahl (bis über 50%) in dieser Woche dort versammelt sind, quengeln zu Hause, zeigen sich unzufrieden mit dem Distanzunterricht, um, trotz der Bedenken der Eltern, auch gehen zu dürfen.
    Außerdem lastet ein erheblicher Druck auf den Eltern, das Homeschooling so effektiv zu gestalten, dass ihre Kinder nicht benachteiligt werden. Obwohl nach offizieller Verlautbarung nur eine Betreuung bei der Bearbeitung der Aufgaben, die auch dem Distanzunterricht zugrunde liegen, gewährleistet werden soll, ist doch davon auszugehen, dass einige Lehrkräfte, mit „ihren“ Kindern an den Grundschulen Unterricht gestalten, jedenfalls so weit ihnen das möglich ist, bei dem Spagat zwischen einem lebedigen videogestützten Distanzunterricht und den Bedürfnissen der Kinder vor Ort.
    Für die Eltern, die wegen der gewünschten Effektivität der verordneten Kontaktbeschränkungen ihre Kinder zu Hause lassen möchten, wäre es jedenfalls deutlich einfacher, den eigenen Kindern den Verzicht auf das soziale Miteinander mit den Freunden und Freundinnen in den Klassen zu erklären, wenn bis auf Kindern „von Krankenschwestern und Ärzten“ (wie beim ersten Lockdown so kommuniziert) alle Klassenkameraden zu Hause sind.
    Der Druck, in der nächsten Woche die Kinder in die Schule zu schicken, wird weiter zunehmen.
    Das ist auch verständlich angesichts der ohnehin schon bestehenden Schwierigkeiten, die eigene Berufstätigkeit und die Betreuung und Beschulung der eigenen Kinder unter einen Hut zu bringen. Der Druck wird aber verstärkt, wenn Eltern und Kinder erleben, dass sich andere in der Schule wohlfühlen, eine Entlastung kann schließlich jedes Elternteil gebrauchen!
    In den Kitas sind aus eigene Beobachtung und nach Medienberichten teilweise bis zu 90% der Kinder anwesend. Das zieht neben den Kontakten in der jeweiligen Gruppe viele weitere Begegnungen beim Bringen und Holen nach sich. Und warum man sich dann nur noch mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen darf, wirkt kaum noch überzeugend!
    So besteht die Gefahr, dass zwar ein härterer Lockdown propagiert wird, dieser aber aus nachvollziehbaren Gründen unterlaufen wird und letztlich die von allen Opfer fordernden Maßnahmen ihre beabsichtigte Wirkung verfehlen.

  3. Klaus Kleineberg sagt:

    Die Digitalität als eine Kulturtechnik zu begreifen, die die Bildung retten soll, fällt mir schwer. Ebenso kann ich mir nicht vorstellen, dass die Automobilindustrie wesentliche Impulse für die Verkehrswende geben kann. Ebenso wenig haben die großen Stromkonzerne einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandelns geliefert.
    Nein, die Digitalisierung ist janusköpfig. Sie hat zwei gegenseitige Gesichter. Sie wird folgenreich missbraucht, wie die aktuellen Ereignisse in der USA zeigen. Sie kann Menschenleben retten, wenn sie z.B. dabei mithilft Impfstoff schnell zu entwickeln, herzustellen, erproben und anzuwenden.
    Aber sie ist für die Schule bisher eher Gerätetechnik ohne Qualität und Sicherheit, die nur dazu dient, einen ansteckungsfreien Schulunterricht zu jedem Preis aufrecht zu erhalten. Dabei ist es auch bedenklich, dass sie zurzeit am heftigsten von denen beworben wird, die daran verdienen. Es fehlen die erziehungswissenschaftliche Expertise, überzeugende Anwendungen in der Praxis und (meist vernachlässigt) datenrechtlicher Schutz der benutzten Programme. Lehren und Lernen sind sensible und vertrauensvolle Bereiche, die vor unzulässigen Datenzugriffen bewahrt werden müssen.
    Man kann auch jetzt schon digitalisierte Medien mit leichter Zugänglichkeit, Benutzbarkeit, Qualität und Datenschutz einsetzen. Das hat gerade Großbritannien, das besonders stark von der Pandemie betroffen ist, gezeigt. Ab sofort sendet BBC Fernsehen mindestens 5 Stunden Unterricht pro Tag, davon 3 Stunden Grundschulunterricht. (FR vom 7.1.2021, S.4)
    Als ehemaliger Lehrer habe ich gerne mit dem analogen Schulfunk und Schulfernsehen gearbeitet. Auch damals scheiterte dieser Einsatz schließlich an den miserablen technischen Voraussetzungen in den Schulen. Seit Rundfunk und Fernsehen digitalisiert und in jedem Haushalt zur Verfügung stehen und mit vielen zusätzlichen Möglichkeiten verbunden werden können, sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten (nicht nur) in der Pandemie geradezu prädestiniert, das Lernen und Lehren zu unterstützen. Und die angestrebte Gebührenerhöhung wäre leichter zu akzeptieren, weil sie preiswerter und effektiver sein kann als alle Milliarden, die schon als Vorschuss für noch nicht erbrachte und nur versprochene Leistungen für eine Digitalisierung, die auch im Kommentar der FR beworben wird, zur Verfügung stehen.

  4. Miriam Farhat sagt:

    Es ist nun an der Zeit, dass sich mehr Studierende zu Wort melden. Zum Bildungssektor gehören Studierende gleichermaßen wie Schüler_Innen. Der Bereich der Universitäten fällt im Moment, der Pandemie, leider hinten runter. Es sind nicht die Grundschüler_Innen und die Abiturient_Innen, die in den nächsten Monaten auf den Arbeitsmarkt strömen – es sind Akademiker_Innen und Absolvent_Innen einer Berufsausbildung, die die Zukunft Deutschlands in der Hand haben. In der Politik wird zu wenig die Frage gestellt, wie können wir den angehenden Berufsanfängern, die Ausbildung oder das Studium erleichtern bzw. ist ein uneingeschränkter Zugang zu Bibliotheken, Literatur und Medien gewährleistet?
    In dem zweiten Lockdown, zum Start der bevorstehenden Prüfungsphasen, haben sich die Zustände für das digitale Studieren verschlechtert.
    So wurden zum Beispiel die Bibliotheken erstmals wieder geschlossen. Es findet keine Selbstausleihe mehr statt, was aufgrund der vorgeschriebenen Corona-Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen logisch ist. Im Frühjahr gab es dennoch die Möglichkeit fünf Medien pro Tag vorzubestellen und diese dann abzuholen. Während diesem Lockdown wurden nicht nur die allgemeinen Maßnahmen für die Bevölkerung verschärft, sondern unter anderem auch die Bedingungen zum Entleihen der Medien in der Bibliothek. So wurden die Möglichkeiten von fünf Büchern auf zwei reduziert und die Öffnungszeiten auf zwei Tage mit je vier Stunden gekürzt. Sieht so ein uneingeschränkter Zugang zu Medien aus? Ist das Infektionsgeschehen an einer Universität geringer bei der Entleihung von zwei Medien, anstelle von fünf Medien? In einem Öffnungszeitraum von zwei mal vier Stunden in der Woche, während dann über 14.000 Studierende die Möglichkeit bekommen die Präsenzbücher auszuleihen. Diese Situation ist notwendig, da das Angebot der E-Books weiterhin eher spärlich ausfällt. Das grenzt an eine nie dagewesene Absurdität.
    So kann auch hier die Frage gestellt werden, wie in den Schulen auch, wie konnte so viel ungenutzte Zeit vergehen, ohne das digitale Angebot oder Lernplattformen auszubauen? Ist das die Bildungszukunft von Deutschland? Wie werden zu solchen Umständen die unveränderten Studiengebühren gerechtfertigt?
    Durch solche Maßnahmen und Einschränkungen wird die soziale Ungleichheit auf mehreren Ebenen aktiv gefördert. Das genannte Beispiel ist nur die Spitze des Eisberges, wie in vielen anderen Branchen auch.

  5. Sonja Lichtnecker-Schößler sagt:

    Man nehme einen „handelsüblichen“ Abiturienten. Gerade sitzt er da und bangt um seine Zukunft. Nun, Zukunft gibt es immer: das Abitur, wird schon stattfinden, aber wie?
    Nun, ich hätte da einen Vorschlag: In diesem Jahr gäbe es nur eine einzige Aufgabe zu bewältigen: schuljahres- und fächerübergreifend, materialbezogen und natürlich maximal kompetenzorientiert – ein „Zentralabitur de luxe“, weil bundesweit einsetzbar.
    Im Aufgabenteil 1 ließe man aus der Mathematik die Grundsätze der Exponentialfunktion erläutern. Mit Blick auf die Coronakurve (gesamt) sollte der Schüler mit statistischen Informationen über die Veröffentlichung von Zahlen der verschiedenen Gesundheitsämter der vergangenen drei Wochen versorgt werden und deren Aussagekraft für die KM- und MP-Konferenzen bewerten können.
    Aufgabenteil 2 hielte eine Abbildung aus einem Biologiebuch der siebten Klasse bereit. Mögliche Übertragungswege des Coronavirus seien zu entnehmen und stichpunktartig darzustellen. Eine materialbezogene Charakterisierung des Corona-Virus schlösse sich an.
    Der Oberstufler sollte außerdem dichteabhängige Faktoren der Populationsentwicklung auf der Basis des Modells zum logistischen Wachstum bei begrenzter Ressourcenlage benennen können.
    Die Analyse des Text- und Datenmaterials zum Auftreten einer besonders infektiösen Mutation des aktuellen Virus lieferte die Ergebnisse zur entsprechenden Fragestellung in Aufgabenteil 3, daran anschließend folgte eine modellhafte Berechnung der Infektionszahlen in der Altersgruppe der 10-18jährigen zum Zeitpunkt t+7, t+14 und t+28.
    Der Aufgabeteil 4 böte die Gelegenheit, die unterschiedlichen Sichtweisen zweier altbekannter Philosophen über den „Wert des Menschen“ vergleichend zu betrachten und vor dem Hintergrund der heute ethisch und moralisch „gemeingültigen“ Sichtweise zu bewerten. (Extrapunkte, ein diesjähriges Novum, gäbe es für sozioanalytische Ergüsse zum Begriff der „Systemrelevanz“).
    Im Aufgabenteil 5 könnte der Heranreifende abschließend eine Pro-Contra-Diskussion zu den möglichen Modellen der „Maßnahmen im Umgang mit der Schule“ zum Zeitpunkt t=0 (also morgen, bzw. übermorgen) vor dem Hintergrund des insgesamt vorgelegten und bearbeiteten Materials führen. Zu berücksichtigen wäre hierbei ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 2000, in dem bereits auf die Notwendigkeit der Digitalisierung von Schule hingewiesen wurde, außerdem auf die Benachteiligung sozial schwacher Schüler (die neuerdings wieder argumentativ herangezogen werden; interessanterweise von Politikern, die sich jahrelang nicht dafür interessiert haben).
    Einen Aufgabenteil 6, in dem das noch unreife Kind sich mit den interkontinentalen bis hin zu internationalen Auswirkungen nationaler Maßnahmen vor dem Hintergrund der erworbenen Kenntnisse rund um Mobilität und regionaler Disparitäten auseinandersetzen, dürfte… Nein! Es ist ja ein besonderes Jahr, da muss man Abstriche machen! (Achtung Wortwitz!) Können würde „das Kind“ das schon.
    Und während ich diesen Brief schreibe, lese ich schon: es gibt einen dreistufigen Plan, man könne sich nur nicht auf Grenzwerte für die Übergänge der Stufen festlegen und jeder regele es wahrscheinlich auf Landesebene doch wieder selbst. Oh, ich wünschte, auch der Abiturient fühlte sich bereits reif und mutig genug, Ihr Arbeits- und Sozialverhalten sachlich zu bewerten. Meine Damen und Herren, Sie haben auch eine Vorbildfunktion, wenn ich Sie daran erinnern darf!
    Gutes Gelingen, heißt es im Abitur vor Arbeitsbeginn gerne. Gleiches gilt auch für Sie, werte Kultusminister und -ministerinnen! Lassen auch Sie Ihre Überlegungen gründlich reifen!
    Einigen Sie sich und zeigen Sie Transparenz! Verschieben Sie nicht mittendrin die Maßstäbe, indem Sie einst gesetzte Grenzwerte mittendrin beliebig verschieben. Dass sich das „nicht gehört“, lernt man bereits in der Mathematik der fünften Klasse.
    Weder unsere Kinder noch die Lehrer, noch deren Angehörige, Verwandte, Freunde und Bekannte… – sollen infektiologisch das ausbaden müssen, was seit den letzten 20 Jahren systemisch versäumt wurde oder wo aktuell das entsprechende Verantwortungsbewusstsein und/oder der dafür notwendige Mut fehlt/fehlen.
    Sonja Lichtnecker-Schößler, Kriftel

  6. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Klaus Kleinberg

    Für die Schule und den Nutzen der Digitalisierung kann ich mir kein abschließendes souveränes Urteil bilden. Dafür bin ich zu stark im und mit dem Analogen geprägt und werde es auch bleiben. Mein Sohn ist Lehrer und muss jetzt damit zurechtkommen. Freude strahlt er dabei nicht aus, aber jetzt ist es halt so und eine Lösung in der Pandemie und es wird wohl seinen festen Platz bekommen.

    Sie sprechen von der Janusköpfigkeit der Digitalisierung. Das möchte ich gerne unterstreichen. Es hat eben mindestens diese zwei Gesichter. Egal, wo der Einsatz stattfindet.
    An Ihrem Beispiel der Nutzung und Nicht-Nutzung in Bibliotheken und Universitäten kann man die ewige Weiterentwicklung von sozialer Ungleichheit auch gut festmachen. Das wird die nächste lange Epoche werden, wo sich weiter die Privilegierten von den weniger Privilegierten unterscheiden und schließlich sich im gesellschaftlichen System die Säulen Reich und Arm verfestigen werden. Von dem riesigen wirtschaftlichen Nutzen der entsprechenden Mega-Konzernen ganz zu schweigen.

    Insofern stimme ich Ihnen zu, wenn sie von einer Spitze des Eisberges sprechen.
    Diese Trägheit des Denkens und Handelns wird sich – auch nach einer Pandemiekrise – wohl kaum ändern. Insofern bin ich da sehr pessimistisch.

  7. Werner Dörr sagt:

    @Miriam Farhat
    Ihre Erfahrung ist schlimm und absolut kritikwürdig. Hier stehen wir vor der „Verstärkung“ des Föderalismusproblems durch Übertragung von Entscheidungen auf die jeweiligen „Endinstanzen“. Dadurch kommt es dazu, dass Hochschulbibliotheken zwischen den Ländern bzw. ggf. innerhalb eines Bundeslandes jeweils nach Entscheidungsstruktur unterschiedliche Vorgaben machen und so Studierende in völlig unterschiedlicher Weise behandeln. Daneben handeln öffentliche Bibliotheken, Landesbibliotheken und Bibliothekszentren wiederum eigenständig und anders- und zwar was Besuch und Ausleihumfang wie Ausleihdauer angeht. Dass das so ist, ist -leider- sehr deutsch, sehr bürokratielastig, wenn man damit umgehen will und, wie Sie richtig aufzeigen, nicht zielführend und nicht an akademischen Bildungszielen ausgerichtet. Seit ich vor 52 Jahren erstmals eine Universität betreten habe, kämpfe ich immer wieder gegen solche Hindernisse und versuche den Handelnden deutlich zu machen, welchem Ziel sie dienen (sollten/müssten). Hat man einen Erfolg erreicht,kann man sich schon dem nächsten Defizit zuwenden. In fünfzig Jahren habe ich da keine wirklich strukturelle Veränderung erlebt. Allerdings empfinde ich es heute immerhin als einen Fortschritt, dass man vom heimischen PC die m,eisten Kataloge einsehen, evtl. Zeitschriftenartikel herunterladen und mittlerweile bei den „richtigen“ Bibliothekszentren sogar sehr viele digitale Medien direkt von zu Hause nutzen kann. Es lohnt sich, sich da etwas umzusehen, nicht immer sind die Hochschulbibliotheken hier die fortschrittlichsten im Zugangsangebot.

  8. Peter Fröhlich sagt:

    Da wird von Ihrem Kommentator Peter Hanack und sogar fernsehwirksam von der Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz Alarm geschlagen wegen eines möglicherweise drohenden Abiturs „light“. Das soll den Betroffenen ein Leben lang nachhängen! Einen größeren Witz habe ich lange nicht mehr gehört. Kein Personaler oder Fachvorgesetzter interessiert sich bei berufserfahrenen Bewerbern für die Abiturnoten. (Nur beim Berufseinstieg spielen Abschlussnoten, besonders der idiotische NC für einen Studienplatz, eine gewisse Rolle.) Oder haben Sie schon mal eine neue Anstellung ausgeschlagen bekommen, weil Ihre Abiturnote 2,4 statt 2,1 ist, oder weil Sie im Jahr 1966 Abitur im Kurzschuljahr gemacht haben?
    Was hatten wir schon alles: Kurzschuljahre, krasse Unterschiede zwischen den Abschlussnoten von Hessen und Bayern, Bewertungen von Note 1 bis 5 bei gleichen Abituraufsatätzen, etc.
    Wir sollten mit der Bedeutung von Abschlussnoten und generell von schulischen Leistungen für das weitere Leben etwas gelassener umgehen.

  9. Siglinde Haustein sagt:

    Der Bereich Schule wird mal wieder den Kultusministern überlassen! Dann weiß ich ja, wie das in Hessen aussieht. Stichpunkt Abschlussklassen: Diese werden momentan pro Klasse in zwei Gruppen von einer (!) Lehrkraft unterrichtet. Ich bin als Lehrerin ganz klar für den Präsenzunterricht für meine Abschlussklasse, aber nicht so. Momentan stehe ich im Türrahmen zwischen zwei Räumen und unterrichte in zwei Räume. Die Idee, die das KuMi hat, dass man eine gewisse Zeit in einer Gruppe ist, denen dann Stillarbeit verordnet, dann in die zweite Gruppe wechselt, hier dann das Gleiche tut, dann wieder zurück wechselt … ist schlicht und ergreifend völlig unrealistisch, vor allem in Fächern wie Geschichte oder Politik und andere. Und dann wird das den Eltern als gute Vorbereitung auf die Prüfungen verkauft! Es ist mir ein Rätsel, wieso Herr Lorz das Wechselmodell strikt ablehnt. So ,wie es jetzt ist, haben die Schüler doch auch nur den halben Unterricht! Nochmals: Ich freue mich, meine Schüler direkt unterrichten zu können, Kontakt zu haben, sie zu begleiten und zu beraten. Das aber bitte im weitaus effektiveren Wechselmodell. Dies wünschen sich übrigens auch die Schüler, wie Umfragen zeigen, oder auch eine Petition einer Schülerin aus Niederrad. Aber wieso sollte man im KuMi auf die Betroffenen vor Ort hören?

  10. Jürgen H.Winter sagt:

    Diese Pandemie zeigt sehr schön, wie wenig Einfluss die Politik auf das Geschehen “ in echt“ hat. Die Digitalisierung treibt die Protagonisten in den Parlamenten vor sich her. Es ist nicht so, dass die hier Tätigen irgend etwas regieren würden, nein , man versucht zu reagieren auf die Anforderungen und ist ohne Beratung von außen aufgeschmissen, wie man so schön sagt. Kommt dazu ,dass die jeweiligen Minister den Bürgern alles mögliche schmackhaft machen müssen, der Wirtschaftsminister rühmt wie toll die Bemühungen ums Klima sind, die Frau Klöckner preist das Tierwohl, Frau Schulze redet die Umwelt schön – was ist das ? Für mich ist das meiste davon Lug und Trug. Mir tun die Lehrer leid, die ihren Schülern das irgendwie vermitteln müssen. Und dann kommt ein Herr Lindner und sagt den jungen Leuten, sie sollten gefälligst die Umwelt und das Klima den Profis überlassen. Frage : Wer sind die Profis? Die RWE, Bayer, VW etc.? Das sind doch die, die die Politik vor sich her treiben. Die haben auch die Leute für die Digitalisierung. Und die Lobby fürs Grobe.
    Die Gegenwart ist finster, was soll ich meinen Enkeln sagen ?? Meine Kinder können mein Lamento schon nicht mehr hören. Schizophrenie allerorten.

  11. Cordula Band sagt:

    Wie sieht Englischunterricht unter den derzeitigen Umständen aus? (Präsenzunterricht für die Abschlussklassen mit Teilung der Klasse und Einsatz einer Lehrkraft für beide Teilgruppen): Lehrerin B. möchte im Englischunterricht ein aktuelles Ereignis einbringen, da sie unvernünftigerweise das kontinuierliche stille Abarbeiten von Prüfungsvorbereitungsmaterialien als wenig anregend empfindet (selbst dran Schuld…) und stellt Ausschnitte aus den Inaugurationsreden von Joe Biden und Donald Trump zusammen sowie dem Gedicht der jungen Autorin Amanda Gorman, die bei der Amtseinführungszeremonie so beeindruckend auftrat.
    Ziel ist es, die Unterschiede der Reden und die jeweiligen thematischen Schwerpunkte herauszuarbeiten sowie die verwendeten Stilmittel zu beschreiben. Im Falle der Dichterin Amanda Gorman ist geplant, ein Video ihres Auftritts zu sehen (wobei die privaten Smartphones der SchülerInnen eine große Rolle spielen) und das Hörverständnis zu überprüfen sowie den Inhalt des Gedichts „The Hill We Climb“ in Zusammenhang mit der Rede Bidens zu sehen.
    Lehrerin B. beginnt mit einer ca. 10-minütigen Einführung, die nötig ist, da die wenigsten SchülerInnen die Zeremonie in den Medien verfolgt haben und ein Bogen geschlagen werden muss zwischen dem Amtsverständnis Joe Bidens und Donald Trumps. Nach der Einführung untersuchen die SchülerInnen die Redeausschnitte. Währenddessen eilt Lehrerin B. In den nächsten Raum, um die gleiche Einführung (10 Minuten) und den entsprechenden Arbeitsauftrag zu geben.
    Danach eilt sie wieder (da eine gewisse Unruhe aus dem ersten Raum zu hören ist, denn die SchülerInnen empfinden das Verlassen des Raumes durch die Lehrkraft als eine „Bonus“-Pause) in das andere Klassenzimmer, um die Fortschritte in der Bearbeitung des Arbeitsauftrages zu begutachten und eventuelle Hilfestellungen zu geben. Zeit für einen sinnvollen Austausch in englischer Sprache über das Gelesene bleibt kaum, da nun Lehrerin wieder in den Nebenraum entschwindet, um dort genau das Gleiche zu tun – und auch hier sich nur minutenweise über das Gelesene auszutauschen.
    So geht das in der Doppelstunde weiter und setzt sich dann – in der anderen Klasse – in exakt der gleichen Art und Weise fort. Lehrerin B. sei es verziehen, dass sie mitunter in diesen 4 Stunden vergisst, mit welcher/m Schüler/in sie welchen Austausch hatte und wer welche Aufgabe wie bearbeitete……
    Unverständlicherweise haben die SchülerInnen den Eindruck, in einer Doppelstunde nicht so viel gelernt zu haben wie das bei einer kontinuierlichen Anwesenheit einer Lehrkraft der Fall gewesen wäre……
    Übrigens: Ein Grund der Teilung der Klassen ist, dass dadurch der Mindestabstand von 1,5 m eingehalten werden kann. Selbstverständlich halten sich alle SchülerInnen auch in einer momentanen Abwesenheit der Lehrkraft daran und müssen nicht alle 15 Minuten daran erinnert werden (genauso wenig wie an das Lüften im Klassenraum). Logisch.
    Einen Vorteil hat diese Art des Unterrichtens natürlich: Lehrerin B. kann hinterher anhand ihres Schrittzählers feststellen, dass sie 8994 Schritte gegangen ist….und mit Sicherheit die vielgerühmten 10.000 Schritte am Tag schaffen wird, da ja noch zwei weitere Unterrichtsstunden vor ihr liegen. Man kann also festhalten, dass Herr Prof.Dr.Alexander Lorz zwar sehr um die körperliche Fitness der hessischen Lehrkräfte besorgt ist, weniger allerdings an die Lernfortschritte der SchülerInnen denkt.

  12. Rainer Auffarth sagt:

    Was hat die viel gepriesene Digitalisierung in den letzten Jahren und Jahrzehnten eigentlich für die Menschen gebracht? Mehr Zeit etwa für sich und andere, einfachere Abläufe bei der Büroarbeit, einfachere Anträge bei Behörden, usw? Ich denke, eher nicht, siehe aktuell das Chaos bei der Anmeldung zu den Corona-Impfungen.
    Zwar ist die Vernetzung, die Möglichkeiten z.B. durch Videokonferenzen zu Corona-Zeiten einfacher zu kommunizieren, durchaus hilfreich, aber der Zeitaufwand, den man für Einrichten und Pflege der Software, Wartezeiten, Übertragungs- und Netzprobleme, etc. aufwenden muss, ist auch oft beträchtlich. Teilweise wird von den Betreibern der verschiedenen Plattformen ja einfach nicht die erforderliche Serverkapazität bereitgestellt, um z.B. die derzeit stärkere Nachfrage etwa bei Anwendungen des homeschooling oder auch nur bei der Anmeldung für einen Impftermin bereitzustellen, sodass lange Wartezeiten an der Tagesordnung sind oder Anwendungen gleich ganz zusammenbrechen.
    Grundsätzlich nerven auch die meistens unfertigen und oft stark fehlerbehafteten Windows-Updates, die bei windows 10 aber nicht mehr dauerhaft geblockt werden können, sowie updates von Anwendungssoftware, die oft unausgereift sind, aber am Kunden schon mal ausgetestet werden. Zudem mussten schon viele Kunden Auseinandersetzungen mit ihrem Netzanbieter wegen nicht annähernd erreichter Datenübertragungsraten führen, bei denen man als einzelner Privatkunde meist den Kürzeren zieht.
    Nicht zu vergessen sind vor allem die grundsätzlich negativen Seiten der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung wie z.B.: Anfälligkeit selbst wichtiger Systeme und kritischer Infrastruktur gegenüber Hackerangriffen und/oder Datenklau, Cybercrime, Cybermobbing und soziale bzw. politische Hetze in diversen „Sozialen“ Netzwerken.
    Ich fürchte, folgenreiche Angriffe auf die kritische Infrastruktur unserer Gesellschaft, wie z.B. unsere Stromnetze, sind nur noch eine Frage der Zeit.
    Abgesehen von diesen Gefahren nervt mich auch die teilweise unterirdisch schlechte Übertragungsqualität von Bild und Ton bei manchen Interviews, Videochat- und Videokonferenzen und anderen Übertragungen, die eigentlich zum Weglaufen sind! Bild- und Tonqualität bei Übertragungen waren vor 50 Jahren schon einmal wesentlich besser als bei so manchem heutigen smartphone- oder webcam-video , bei dem Bild und Ton oft abgehackt, mehr oder weniger stark verzerrt und zeitweise nicht einmal synchron sind.
    Schöne neue digitale Welt?! Ich finde, wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Digitalisierung, damit wir uns nach überstandener Corona-Pandemie auch wieder mehr von Angesicht zu Angesicht begegnen und nicht nur über elektronische Medien.

  13. Heinrich Dieckmann sagt:

    Die ausufernde Diskussion zum Fernlernen in den Schulen wird langsam wirklich zum Ärgernis, zumal die reichlich vorhandene Fernunterrichtsexpertise und -erfahrung offensichtlich überhaupt nicht zur Kenntnis genommen wird. Fernunterricht gibt es in Deutschland seit Ende des 19. Jahrhunderts, die ersten Lehrbriefe mit Schulwissen gab es 1903, Ab den zwanziger Jahren gab es dann staatlich anerkannte Lehrgänge zum Abitur und zu anderen Schulabschlüssen.
    Man muss nun nicht auf die 100 Jahre alte Erfahrung zurückgreifen sondern sollte einfach den aktuellen Fernunterricht zur Kenntnis nehmen.1971 wurde die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) gegründet, eine länderübergreifende Behörde, bei der alle Fernunterrichtsangebote zugelassen und immer wieder auf ihre Aktualität und Qualität überprüft werden müssen. Im Verwaltungsrat dieser Behörde sind alle Bundesländer vertreten, der hessische Vertreter kommt z.B. aus dem Kultusministerium. Bis heute wurden die Fernunterrichtsexperten dieser stattlichen Behörde meines Wissens in keiner Weise in die Diskussion um den Fernunterricht an Schulen einbezogen obwohl hier der Überblick über alle einschlägigen Angebote vorliegt.
    Beim Bundesverband der Fernstudienanbieter sind alle Experten zu erreichen, die Fernunterricht für sämtliche Schulstufen anbieten. Auch hier wurde bis jetzt diese Expertise nicht von den Verantwortlichen in den Ministerien oder Regierungspräsidien angefragt. Sicher ist Fernunterricht gerade für die Grundschüler nicht die optimale Wahl, aber auch für diese Schulstufe gibt es, staatlich unterstützt, seit vielen Jahren Fernunterricht für deutsche Schüler im Ausland ; auch auf diese Expertise kann man zurückgreifen. Es ist mir unverständlich, dass all diese Experten des Fernlehrens und -lernens weder in der Politik in die Entscheidungen und Überlegungen einbezogen werden noch in den unterschiedlichen Medien, auch nicht in der FR, zu Wort kommen. Eine sträfliche Unterlassung auf Kosten unserer SchülerInnen und LehrerInnen.

  14. Eugen Rautenberg sagt:

    In Artikeln und Leserbriefen wird viel über die Situation der Schulen geschrieben und die größten Sorgen machen die Mängel an Quantität und Qualität der vermittelten Lehrinhalte. Den Schülerinnen und Schülern wird so ein dem Lehrplan entsprechendes Wissen nicht vermittelt. Man ist besorgt um die Qualität der Abschlüsse.
    Warum wurde noch nie darüber nachgedacht, das gesamte Schuljahr komplett ausfallen und zum Beginn des Schuljahres 2021/2022 neu entstehen zu lassen? Man könnte vereinbaren, dass die Schülerinnen und Schüler zu Beginn des laufenden Schuljahres nicht von der – sagen wir mal – fünften in die sechst Klasse sondern in die Klasse 5a versetzt wurden. Zu Beginn des neuen Schuljahres werden sie dann –mit den Zensuren der fünften Klasse – in die jetzt reguläre sechste Klasse versetzt und nicht als „sitzengeblieben“ klassifiziert. Natürlich ergeben sich dadurch Probleme mit der weiterführenden Ausbildung – es entsteht ein Jahr ohne Lehrlingsausbildung und Studienbeginn, aber intelligente Erziehungswissenschaftler sollten auch hierfür eine Lösung finden.
    Das laufende Schuljahr könnte so vollkommen frei gestaltet werden mit Bezug auf Erfordernisse der Pandemie, der Laehrinhalte und der Betreuungsmöglichkeiten.
    Auf die Kommentare bin ich sehr gespannt.

  15. Peter Hartwig sagt:

    Nichts wird im Zusammenhang mit der Corona Pandemie gerade so lebhaft kontrovers, widersprüchlich und uneinheitlich diskutiert wie die erforderlichen Maßnahmen im Schulbereich. Diese lebhaften Diskussionen, unseren föderalen Strukturen im Bildungsbereich geschuldet, sind dabei durchaus als gutes Zeichen für ein Ringen um die besten konstruktivsten Lösungen zu werten. Viele Meinungen, mit irgendwie geartetem Expertenstatus legitimiert, melden sich aber in dieser Diskussion mit Vorschlägen zu Wort, die mir mehr als weltfremd scheinen. Weltfremd weil ihnen die Innensicht fehlt und das tatsächliche aktuelle Befinden der Schülerinnen und Schüler und deren Eltern, die Arbeitssituation der Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte außer Acht lassen. Als weltfremd schätze ich die Vorschläge ein, für die Kompensation der durch Corona versäumten Unterrichtsinhalte die Erholungszeiten am Wochenende und in den gesetzlichen Ferien anzutasten. Hybridunterricht, der Wechsel von Präsenzunterricht und Homeschooling haben alles andere als den geträumten Charakter schulfreier Tage. Wer die Kinder in dieser Zeit wirklich individuell und genau betrachtet, wird sie als hoch belastet erleben. Ungelöste Fragen zum Wert ihrer Lernanstrengungen, zu zukünftigen Folgen des umfangreichen Unterrichtsausfalls und den Folgen von versäumten Lerninhalten führen zu einer hohen Verunsicherung, die Auswirkung auf Motivation, Selbstvertrauen und Lernerfolg hat. Was alle im Bildungsbereich von den Folgen dieser Pandemie betroffenen Menschen brauchen ist Zeit. Zeit um Ausfälle zu kompensieren, Erlebnisse aufzuarbeiten und die Verunsicherungen zu lösen.
    Bevor ich 38 Jahre im Grundschulbereich als Lehrer und Schulleiter tätig war, hatte ich als Volksschüler noch heute erinnerbar sehr schlechte Erfahrungen mit Kurzschuljahren gemacht. Mir wurde wertvolle Zeit zum Lernen und Entwicklung von Basiskompetenzen genommen, was in der Folge über die gesamte Schulzeit noch wirksam blieb. Aus dieser zusammengenommenen Lebens- und Berufserfahrung heraus mache ich den Vorschlag, die nächsten beiden Schuljahre zu Langschuljahren zu erklären, mit einem Schuljahreswechsel Ende Januar 2023. Alle Menschen könnten mit dieser geschenkten Zeit in Ruhe durchatmen, aus den Ereignissen lernen und fundierte Maßnahmen zur Kompensation der gravierenden Folgen der Schulschließungen unternehmen. Und auch die Bildungsverwaltung hätte Zeit gewonnen, um lang anstehende grundlegende Reformen einzuleiten.

  16. Gerd-Ulrich Franz sagt:

    Ein Bildungsökonom wird gefragt, was in Schule angesichts coronabedingter „Bildungslücken“ getan werden sollte. Ein Ökonom – als Experte für die grundlegenden Mängel des Bildungswesens, die Corona nur noch unabweisbarer aufgedeckt hat? Keinesfalls – aber als Ökonom betont er völlig selbstverständlich die Funktion der Schule als Zulieferbetrieb der Wirtschaft. Wie anders ist zu verstehen, dass er einer überaus schlichten und entlarvenden Vorstellung von Lernen anhängt: „wenn die Schüler:innen wissen, dass der Stoff abgefragt wird – in Klassenarbeiten, Klausuren und regelmäßigen mündlichen Prüfungen – dann lohnt es sich zu lernen“ Lohnend, weil sich schulische Erfolge in % -Lebenseinkommen auszahlen? Ganz nebenbei werden die nachwachsenden Generationen so daran gewöhnt, dass es in Schule zuvorderst um die klaglose erfolgreiche Erfüllung von fremdbestimmten(schulischen) Anforderungen geht. Das ist eine pervertierte Vorstellung von Bildung, der Viele anhängen und die viele bereits in der Schule abhängt! Unsere öffentlichen Schulen sollten Kindern und Jugendlichen helfen, ihre Potentiale bestmöglich zu entfalten, sich zu selbstständigen und -bewussten Bürgern unserer Gesellschaft zu entwickeln. Bereits in der Schule müssen sie dazu auch ein wertschätzendes demokratisches Miteinander erlernen und erleben, das die unterschiedlichen Lebensverhältnisse thematisiert und berücksichtigt. Ein schnellstmögliches Auffüllen des Kurzzeitspeichers trägt dazu sicher wenig bei. Das dient – wie der unbeirrte Präsenzunterricht der Abschlussklassen – allenfalls dazu, formale Berechtigungen scheinbar rechtssicher zu legitimieren. Der (Abschluss-)“Schein“ als Bildungsnachweis – wie arm ist das denn?

  17. Alfred Harnischfeger sagt:

    Kinder bis 12 Jahre sind nach neuesten Erkenntnissen von der Infektion mit Sars-CoV-2 körperlich weniger bedroht, was nicht heißt, dass sie die Infektion dennoch weitergeben können, wenn sie sich angesteckt haben. Auf der anderen Seite mache ich mir als Pädagoge und Großvater von schulpflichtigen Enkelkindern große Sorgen, was der dauerhafte Verlust von Schule, Unterricht und Begegnung mit Gleichaltrigen bedeutet. In der Abwägung, die Kinder weiter zu ‚isolieren‘ oder zumindest Kitas und Grundschulen wieder zu öffnen, ist mein Plädoyer eindeutig für die Öffnung beider Einrichtungen.
    Das Robert-Koch-Institut, alle Lehrerverbände, alle übergeordneten Elternbeiräte, alle Schülervertretungen plädieren seit Wochen für ein Wechselmodell. Nur der Hess. Kultusminister Lorz hält die Öffnung der Schulen für ein Risiko. Unser Ministerpräsident bei der Verkündung des neuerlichen Lockdowns gesagt: „Es sind doch nur 15 Tage“. Nein, Herr Bouffier, es sind jetzt schon 9 Monate in denen Kindern der Besuch der Schule verwehrt wird.
    Kinder haben seit Monaten kaum noch Kontakt zu anderen Kindern. Sozialer Rückzug und Isolation aber haben verehrende Folgen auf die gesunde Entwicklung unserer Kinder. Judenämter berichten von innerfamiliären Auseinandersetzungen. Homeoffice, Hausaufgabenkontrolle, Rast- und Ruhelosigkeit auf vielfach engstem Raum sind eine gefährliche Mischung für Aggression und Gewalt und gefährden das Kindeswohl.
    Kinderärzte sagen, Kitas und Schulen sind ‚systemrelevant‘. Alle systemrelevanten Einrichtungen sind offen. Warum die Schulen nicht? Schulen sind nicht nur ein Ort des Lernens. Gute Pädagogen betrachten das gesamte Lernumfeld der Kinder und besonders auch deren psychosoziale Entwicklung.
    Wir riskieren die Schulentwicklung einer ganzen Schüler*innen-Generation, wenn bei der Politik nicht sofort ein Umdenken eintritt. Nach einer Studie des Klinikums Münster sitzen 45 % der Kinder und Jugendlichen inzwischen bis zu acht Stunden täglich vor Bildschirmen. Sie verlernen dabei nicht nur das eigene Lesen und Lernen, sie fühlen sich in dieser Isolation alleingelassen und werden antriebslos, unausgeglichen und teilweise aggressiv.
    Wenn Herr Lorz sagt. „Ich appelliere an alle Eltern, ihre Kinder – wann immer möglich – im Sinne der Kontaktreduzierung zu Hause zu behalten.“ Dann möchte ich sagen: Der Staat hat einen Bildungsauftrag, so steht es in unserem Grundgesetz, keinen Wegsperrauftrag. Das passt nicht zusammen.
    Inzwischen können sehr viele Lehrkräfte mit Distanzunterricht umgehen und haben tragfähige Konzepte entwickelt, die weit mehr sind als Hausaufgabenübermittlung per E-Mail. Laut statistischem Landesamt sind in den gut 1100 hessischen Grundschulen durchschnittlich 19,4 Kinder in einer Klasse. Im Wechselunterricht wird die Klasse geteilt und mit dann 10 bis höchstens 12 Kindern pro Klasse kann man alle Hygienevorschriften und Abstände einhalten.
    Also bitte, macht wenigstens die Kitas und Grundschulen wieder auf.