Corona: Wer reist in diesen Zeiten in Risikogebiete?

Die Angst vor einer zweiten Corona-Welle geht um. Bei uns in Deutschland sind die Zahlen der neu Infizierten zwar glücklicherweise momentan verhältnismäßig niedrig, aber wir sind trotzdem gut beraten, extrem vorsichtig zu sein, denn sie steigen wieder. Allem Anschein nach hat sich das Virus nämlich inzwischen in der Fläche ausgebreitet. Das könnte ihm gelungen sein, weil es über die Fähigkeit verfügt, sich zu verbreiten, bevor der Mensch, der es trägt, etwas von seiner Anwesenheit bemerkt. Manche dieser Menschen bemerken es nie, denn ein großer Teil der Infektionen verläuft anscheinend unauffällig bis mild. Das war von Anfang an eines der Probleme, das wir mit Sars-CoV-2 hatten: die hohe Dunkelziffer. Manche Experten vermuteten, dass sie zehnmal höher liegen könnte als die Zahl der als infiziert Erkannten. Die Crux dabei: Die Infektion dieser Unauffälligen stellt eine Gefahr für andere Menschen dar.

CoronatestsFür viele Infizierte bringt das Virus offenbar keine Probleme mit sich. Aber andere Menschen, die von ihnen angesteckt werden, sind vielleicht empfindlicher, stecken die Infektion nicht so einfach weg oder sterben sogar daran. Willst Du, wollen Sie verantwortlich sein für den Tod eines Menschen in Ihrer Nähe? Ehrlich gesagt: Die Art, wie sich manche Menschen auf Straßen, öffentlichen Plätzen, in Supermärkten verhalten, macht mich nachdenklich, zurückhaltend ausgedrückt. Ebenso bei der Anti-Sars-Demo gestern in Berlin. Als ob es kein Sars-CoV-2 gäbe. Sie feiern, suchen Nähe. Abstand zu halten scheint für sie etwas für Spießer zu sein. Sie haben nicht begriffen, dass sie Verantwortung tragen – nicht nur für sich allein, sondern auch für andere Menschen in ihrem Umfeld.

Die Stadt, in der ich lebe, Offenbach, entwickelt sich momentan zu einem Krisenherd. Viele der aktuell 67 positiv Getesteten in Offenbach stehen offenbar in Zusammenhang mit Reisen nach Spanien, Rumänien, Serbien, Kosovo oder Bosnien. Das klingt nicht nach viel, doch jeder dieser Infizierten kann theoretisch schon viele andere Menschen angesteckt haben, bevor er auf die Idee kam, sich testen zu lassen, oder bevor dies angeordnet wurde. Offenbach – so viel zum Hintergrund für alle, die in Offenbach weiterhin nichts anderes sehen als die kleine, hässliche Schwester Frankfurts, wie es der Schriftsteller Jakob Arjouni mal formuliert hat – ist mit knapp 130.000 Einwohnern eine kleine Großstadt mit einer bunten Bevölkerung aus 155 Herkunftsländern. Lange waren die Infektionszahlen hier niedrig, was gern lakonisch damit erklärt wurde, dass die Bosnier, Griechen und Russen, von denen viele hier leben, nicht nach Bad Ischgl zum Skifahren reisen. Sie reisen aber offenbar in ihre Heimaten, wo sich das Virus derzeit schnell verbreitet. In Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien hat die Kurve der Neuinfektionen die typische exponenzielle Gestalt. Nicht viel anders sieht es in Bulgarien und Rumänien aus.

Jetzt gibt es eine Debatte darüber, ob Rückkehrer aus Risikogebieten kostenlos auf Sars-CoV-2 getestet werden sollen. Kostenlos, das gibt es natürlich nicht. Gemeint ist, dass sie nicht dafür zahlen müssen, getestet zu werden. Klar, denn sonst machen viele Menschen diese Tests wahrscheinlich nicht. Also übernimmt die Allgemeinheit, sprich: der Steuerzahler diese Kosten. Das kommt nicht bei allen gut an. Viele Menschen meinen: Wer in diesen Zeiten glaubt, in ein Risikogebiet reisen zu müssen, der sollte auch das Risiko respektive die Kosten tragen. Ist ja im Grunde auch korrekt. Trotzdem: Mir ist es lieber, wenn Infektionen gleich am Flughafen erkannt werden, bevor sie tiefer ins Land hineingetragen werden können. Daher sage ich: Testet, so viel Ihr könnt. Da hinkt Hessen leider immer noch hinterher: Im schwarz-grün regierten Bundesland wird erst getestet, wenn es dafür einen Anlass gibt, sprich: Symptome. Das ist kurzsichtig.

Dieser Text vom 31. Juli wurde am 2. und 3. August aktualisiert.

fr-debatteAuf dem Weg in den nächsten Lockdown

Sie schreiben: „Die meisten Deutschen halten sich an die Corona-Regeln.“ Das mag sein, ist aber nicht ausreichend. Fast alle Hotspots der Ausbreitung sind durch „Einzelkämpfer“ entstanden. Mehr Tests ändern daran noch nichts. Auch die wenigen Desperados müssen eingefangen werden; so sehen die Verhältnismäßigkeiten aus, auch wenn das gerade einige Juristen noch nicht begriffen haben (vielleicht sollte ihnen mal jemand die Sache mit dem kleinen Loch im Präservativ erklären).
Selbstmord ist eine traurige, aber zulässige Entscheidung; ihn anderen aufzuzwingen, ist ein Verbrechen. Dasselbe gilt für die pearönliche Risikobereitschaft, wenn sie gemeingefährlich werden kann. Die Einhaltung der Regeln muss – wie die anderer Gesetze auch – ohne Wenn und Aber durchgesetzt werden; verhandeln kann man unverbindlich in den Leserbriefspalten und mit Konsequenzen vor Gericht, aber nicht vor Ort. Mit Hygiene, Abstand und Maskenschutz kann eine bedeutende Ausweitung des öffentlichen Lebens innerhalb Corona-Zeiten ermöglicht werden; mit dem aktuellen Laissez faire (auch bei der Quarantäne-Überwachung) landen wir im nächsten, sehr viel schlimmeren Lockdown.

Rolf Oesterlein, Nieder-Olm

fr-debatteFür Reiserückkehrer stellt sich die soziale Frage nicht

Es ist meiner Meinung nach zynisch, vom Gesundheitsminister Jens Spahn, CDU; die verpflichtenden Corona Tests für Reiserückkehrer, – außerhalb der EU, die in Risikogebieten Ferien machen wollen -, zu einer sozialen Frage zu erklären.
Ein Corona Test würde um die 90.- euro kosten, die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen. verknüpfte Jens Spahn mit der sozialen Frage. Aber, es ist doch so, wer sich außerhalb der EU, oder in Risikogebieten,
Ferien und Urlaub leisten kann, für den jenigen stellt sich die soziale Frage doch nicht !
Denn, im Fall der sozialen Frage, könnte sich gar kein Urlaub geleistet werden und sicher nicht außerhalb der EU.
So erhalten doch wieder diejenigen Bürger kostenlose Vergünstigungen, die gar nicht bedürftig sind.
Das nenne ich einen Zynismus, aber auch ein beständiges Handeln der Großen Koalition.

Stefan Vollmershausen, Dreieich

fr-debatteTestkosten sollten in den Ticketpreis integriert sein

Offensichtlicher kann das Mißverhältnis kaum deutlich werden: Für Menschen, die meinen, auch in Krisenzeiten nicht auf den Luxus von Auslandsreisen verzichten zu können, sollen Krankenkassen und Bundesländer die Kosten der Corona-Tests in Höhe von 100 bis 180 Euro übernehmen.
Als wäre das allein nicht schon empörend genug, findet sich gleich auf der nächsten Seite das Interview mit Pharmamanager H.-G. Feldmeier, der sich über den Kostendruck durch die Krankenkassen ausläßt, der eine wesentliche Ursache für die Verlagerung der Medikamenteproduktion in asiatische Länder darstellt. Wenn man die von ihm genannten Therapiekosten von teilweise nur noch sechs Cent pro Tag und Patient zugrunde legt, könnte ein Patient für den Preis eines Corona-Tests mehr als fünf Jahre therapiert werden!
Und vor dem Hintergrund der Tatsache, daß noch immer nicht in jedem Fall, wo es sinnvoll erscheint, kostenlose Tests möglich sind, bin ich der Meinung, daß für Auslandsreisende die Corona-Testkosten in den Ticketpreis integriert werden sollten.

Cäcilia Dickescheid-Breig, Frankfurt

fr-debatteDie „AHA“-Gebetsmühle hilft nicht weiter

Angesichts einer ansteigenden Covid-19-Infektionsrate tönt aus allen amtlichen Kanälen ‚AHA‘ und noch mehr ‚AHA‘. Nur das geht am Problem vorbei. Bei den ‚Superspreadings‘, bei denen ein bereits Infizierter bei einem großen Anteil aller Anwesenden einer Zusammenkunft Infektionen ausgelöst hat, ist offensichtlich, daß dies nur über im ganzen Raum verteilte mikroskopische Aerosole geschehen sein kann. An dokumentierten solchen Ereignissen kann man ablesen, daß ein einzelner ‚Spreader‘ in einem wenig gelüfteten 1000 Kubikmeter großen Raum innerhalb 1 – 2 Stunden die Luft derart mit infektiösem Aerosol anreichern kann, daß ein großer Teil der Anwesenden eine infektiöse Dosis erhält. Je kleiner der Raum, umso schneller geschieht dieser Vorgang. Mit etwas Mathematik kann man zeigen, daß bei einem typischen Klassenraum weniger als eine Stunde und in einem Wohnzimmer eine knappe halbe Stunde ausreichen – und in einem ungelüfteten PKW 10 Minuten.
Wenn jetzt vermehrt Menschen in Innenräumen wie Büros, Schule und auch Wohnungen zusammenkommen, und dabei nicht auf extrem guten Luftaustausch achten, wird die ‚zweite Welle‘ deshalb unaufhaltbar. Die AHA-Regeln sind da nutzlos und lenken vom eigentlich Wichtigen ab. Die Empfehlung des Hermann-Rietschel-Instituts der TU-Berlin (vgl. FAZ vom 23.7.), die Länge von Unterrichts-Stunden auf maximal 30 Minuten zu begrenzen und dann sehr gründlich zu Lüften, geht in die richtige Richtung und muß unbedingt und sofort ernst genommen werden in Form rigoroser Lüftungs-Regeln für alle Innenräume, in denen Menschen zusammenkommen. Anderenfalls läßt man die Bevölkerung ins ‚offene Messer‘ der zweiten Welle laufen. Gebetsmühlenartig ‚AHA‘ zu sagen hilft da nicht!

Detlef Hennings, Köln

fr-debatteDie Sommer-Reisezeit wird uns zurückwerfen

Wenn die Sorge wächst, dass Urlaubsreisen die Ausbreitung des Virus wieder beschleunigen, frage ich mich, ob es nicht an der Zeit ist den Tourismus und das Urlaubsverhalten in Krisenzeiten ernsthaft in Frage zu stellen? Es kann so nicht weitergehen, dass Urlaubsreisen diesen überdimensionalen gesellschaftlichen Raum einnehmen und selbst in Risikoländern noch unantastbar sind, bis dahin, dass jeder Urlauber seinen Wunsch erfüllt bekommt. Das Verhalten der Menschen am Anfang der Pandemie war nahezu vorbildlich. Aber die Nachlässigkeit nimmt immer mehr zu. Es muss doch möglich sein, die realen Gefahren einer weiteren Infektionswelle so ernst zu nehmen, dass nicht alles zum Grundrecht erklärt wird, was bisher als Gewohnheitsrecht und persönliche Selbstverständlichkeit in Anspruch genommen wurde. Hinzu kommt noch dieses ganze Gewürge, dieser Riesenaufwand für die Tests, freiwillig oder pflichtig.
Ja, wir leben in einem freien Land! Doch wir haben jetzt auch Prioritäten, die uns echt herausfordern. Unsere bisherigen Lebensgewohnheiten sind auf dem Prüfstand und das ist eben mit Verzicht und Verlust verbunden.
Wenn Gesundheit und Wirtschaft in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einander stehen – und das ist in den letzten Monaten sehr deutlich geworden, dann kann, wenn gerade Gemeinsinn auf der ganzen Linie gefragt ist (und nicht nur vom Staat), auch von der Urlaubsbevölkerung diese abverlangt werden! Schließlich gefährden alle neuen Infektionsherde die Eindämmung der Pandemie. Es ist offensichtlich, dass die jetzige Sommer-Reisezeit uns zurückwerfen wird und dann sind alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche betroffen

Jürgen Malyssek, Wiesbaden

fr-debatteDie Nase mehr als gestrichen voll

Der Mensch musste ganz unfreiwillig und bewusst falsch in diese Pandemie-Sackgasse einbiegen, und jetzt darf er dummerweise auch nicht mehr selbstständig aus dieser Einbahnstraße herausfinden. „Das Coronavirus sei noch nicht am Ende“ spricht Giuseppe Conte, Italiens Ministerpräsident. Seine Meinung sei ihm vergönnt, aber der Durchschnitts-Deutsche, der dürfte inzwischen seine Nase mehr als gestrichen voll haben.
Hoppla, die Covid-19-Testung erfolgt dennoch nicht in der Nase, sondern im Rachenraum, geradeaus in Richtung Halsgegend.
Mit diesem beliebten Infektionsschutzgesetz und der ganz brandneuen Verordnung von Jens Spahn (Bundesminister für Gesundheit), kann jetzt wild drauflos pflichtgetestet werden, bis dass die Köpfe nur so qualmen. Diese ganze Massenpflichttesterei kommt mir trotzdem, irgendwie dann doch wieder sehr „spa(h)nisch“ vor!

Klaus P. Jaworek, Büchenbach

fr-debatteWarum soll ich für kostenlose Tests zahlen?

Kann mir mal jemand schlüssig erklären, warum ich als Rentner, der sich selbst keinen Urlaub leisten kann, mit meinem Steuergeld und/oder meinen KV-Beiträgen die kostenlosen Tests für asoziale Dumpfbacken auf der Jagd nach dem Virus in der Schinkenstraße auf Malle bezahlen muß? Sicher es gibt für die GKV Zuschüsse des Bundes – aber das ist dann mein Steuergeld und die Zuschüsse sind meistens in diesen Fällen nicht kostendeckend.
Und dann hält es ein Herr Lauterbach („Gesundheitsexperte“ ausgerechnet der SPD) für vertretbar, dass in „dieser Situation“ die Privatversicherten, Beamten und Politiker nicht zu den Kosten beitragen müssen. Zynischer geht’s ja wohl nicht mehr, oder bereitet er schon das Feld für seine postpolitische Karriere – dann im Bereich der PKV? Das ist für mich wieder mal ein typisches Beispiel, daß die GKV-Versicherten in diesem Lande die Deppen der Nation und beliebig manipulierbare Melkkühe sind. Wenn ich das nötige Kleingeld dazu hätte, würde ich gerichtlich – notfalls bis zum EuGH – gegen diese Politik nach Gutsherrenart vorgehen.

Alfred Bein, Neu-Isenburg

fr-debatte

18 Kommentare

  1. hans sagt:

    Am Mittwoch war doch eine Pressekonferenz des RKI. Die klare Aussage auf dieser war das die Reiserückkehrer nur ein kleiner Teil des Problems der höheren Infektionszahlen sind. Deshalb scheint mir das Problem in der Diskussion wieder einmal in die falsche Richtung zu gehen. Ein Flughafen gibt sicher schöne Fernsehbilder her, aber es muss schon erlaubt sein warum man Reisende die mit dem Auto unterwegs sind anders behandelt als Leute die mit dem Flugzeug unterwegs sind. Aber das Thema sollten doch wohl die steigenden Infektionszahlen sein und dann wie man bei solchen Zahlen die Schulen wieder öffnen kann. Wer da die Kosten für einen Coronatest am Flughafen zahlt scheint mir dabei nicht wirklich das zentrale Problem zu sein.

  2. hans sagt:

    Die meisten Rückreisenden aus Risikogebieten kommen wohl vom Balkan und der Türkei. Diese Leute besuchen sicher zum hohen Teil ihre Familien und fahren mit dem Auto. Auch da wird ein Coronatest am Flughafen eher am Problem vorbei gehen. Selbst dann wenn die Rückreisenden das Hauptproblem wären was aber ja nicht der Fall ist. Ich will damit nicht sagen man sollte dort nicht testen, aber das Problem der steigenden Infektionszahlen wird man damit nicht in den Griff bekommen.

  3. stefan vollmershausen sagt:

    Still und heimlich wird die Mitte wieder bezuschusst, wie das schon die ganzen Jahre geschehen ist.
    Wenn ausschließlich Politik für die sogenannte Mitte gemacht wird, fallen die Ränder herunter.

    In der Grundsicherung sind für 2021 vorgesehen 1,53 Euro monatlich für Bildung 1,67 Euro monatlich für die Anschaffung eines Kühlschranks, Alkohol und Tabak werden – weil gesundheitsschädlich – in der Berechnung nicht berücksichtigt.
    Tests für Urlaubsreisende in Risikogebiete, während der Corona Pandemie, werden dagegen mit Steuergeld bezuschusst.
    Das ist die politische Linie der Bundesregierung, wobei sich sowohl Union wie SPD einen Kampf um diese “ Mitte “ liefern.
    Die Ränder fallen dabei herunter und je länger die Union regiert, – mit einer SPD, die um die Mitte buhlt -, desto nachteiliger wird es für die Randgruppen.

  4. Wolf Paschen sagt:

    Es gibt im Moment nur eine wirkliche „Risikogruppe“, die uns alle gefährdet. Diejenigen, die die Gefahren dieser Pandemie ignorieren oder die die sinnvollen Maßnahmen zur Eindämmung in Frage stellen. Dies teilweise mit abstrusen Argumenten: das es Viren gar nicht gäbe, dass Impfungen generell nicht sinnvoll seien, dass es wieder einmal eine Aktion der politischen Kaste ist, die uns in unseren Grundrechten einschränken will… Das wir alle vier Jahre diese sogenannte politische Kaste selbst wählen, wird dabei Denk-bequemerweise unterschlagen. Nutzen wir unseren Verstand um aus der Fülle der Informationen nicht nur emotionale Schnellschüsse an Einstellungen abzuleiten, sondern nutzen wir ihn, um aus dieser überschwemmenden Medienlandschaft die redlichen wissenschaftsjournalistischen Beiträge, die redlichen Expertisen der Wissenschaftlicher (Virologen) und die hier und da auch angemessen agierenden Politiker*innen zu erkennen. Das ist unsere Pflicht um unser demokratisches Miteinander vor Fehlagierenden jeder Couleur und Halbwissen-Experten (auch in unserem eigenen sozialen Umfeld) die logische Stirn zu bieten, damit wir uns nicht aus dümmlicher Ignoranz unnötigerweise anstecken lassen müssen. Die Journalistin z. B.: Mai Thi Nguygen-KimIch ist so eine seriöse Quelle mit ansprechender Vermittlungskompetenz, die auch durchaus auch die jüngere Generation anspricht. Sie hat unter anderem einen Kommentar in den Tagesthemen „Corona hat erst begonnen“ zur Thematik geliefert. Sie spricht mir mit ihrem Video (https://youtu.be/u439pm8uYSk) aus der Seele oder besser dem Verstand. Denn schon seit vielen Jahren plädiere und wünsche ich mir immer wieder, dass wir differenzierter mit vielen Themen umgehen. Ich befürchte, dass die Mehrzahl der Menschen dafür zu bequem ist. Denn das erfordert Zeit und Infragestellung der eigenen Urteile und Vorurteile. So neigen viele zur intellektuellen Bequemlichkeit und belassen es bei oberflächlichen Meinungstiraden: „nun ist es auch mal genug“, „wer weiß denn schon ob das alles wahr ist“, „wenn wir wirtschaftlich kaputt gehen, dann nützt uns die Gesundheit wenig“, „Virologen haben sich in der Vergangenheit auch schon geirrt“, „Politiker wollen uns vorschreiben, wie wir zu leben haben“ und ähnliche Verkürzungen. Denen eines gemeinsam ist: Sie ignorieren eine Gefahr, die keiner dieser Monate in allen Facetten wirklich einschätzen kann. Ich möchte diese Meinungsvertreter*innen gerne fragen, was sie im Falle eines angekündigten Tsunamis tun würden? Sich in Sicherheit bringen oder propagieren, dass die Politiker uns mal wieder von der Küste vertreiben möchten, um dann ggf. zu ertrinken? Denn persönlich überprüfen können sie diese Warninformation auch erst, wenn sie die Welle sehen. Aber dann ist es zu spät. Manchmal müssen wir etwas glauben, bis das Gegenteil bewiesen ist. Weil es gar nicht mehr möglich ist und auch noch nie möglich war, alles selbst zu überprüfen. Es gibt nur eine richtige Entscheidung in der Pandemie. Solange nicht das Gegenteil bewiesen ist, sollten wir zum Schutze aller – nicht nur der so genannten Risikogruppen – vielleicht auch einmal nicht notwendig erscheinende Maßnahmen und Einschränkungen zeitbefristet akzeptieren. Das kann Leben retten. Genau darum geht es zurzeit, denn die größtmögliche Einschränkung meiner persönlichen Rechte ist der Tod. Bleiben wir doch weiterhin einfach konsequent, geduldig, solidarisch und gelassen. Weder unsere Demokratie noch unser zukünftiges soziales Miteinander wird durch diese so oder so kurze Phase – gemessen an evolutionären Veränderungszeiträumen unserer Spezies – durch diese Einschränkungen langfristig Schaden nehmen. Das ist alles medienwirksames und politisches Kopfkino und hat mit einer wissenschaftlich fundierten Belegung solcher Behauptungen nichts zu tun.

  5. Peter Boettel sagt:

    @ stefan vollmershausen

    Volle Zustimmung zu Ihrem Kommentar, und im Konjunkturpaket sind 10 Milliarden Euro für Kriegszwecke enthalten. Was hat dies mit Corona zu tun?

    Im 2. Nachtragshaushalt ist mit einem Trick eine Amnestie für die Cum/Ex-Steuerhinterzieher untergebracht, den natürlich die Abgeordneten nicht bemerkt hatten. Bereits vorher hatte der Bundesrechnungshof diesen Nachtragshaushalt kritisiert.

  6. hans sagt:

    Zu @ Bronski
    Bis sie in ihrem Einleitungstext am Thema Flughafen angekommen sind konnte ich ihm 100% zustimmen. Die leider hohen Infektionszahlen in Offenbach sind doch wohl relativ klar nicht erfolgreich mit einem Test am Flughafen zu beeinflussen. Die Balkanrückreisenden werden nicht in der Mehrzahl geflogen sein. Zumal ich diese Schuldzuweisungen an Rückreisende die man aus Offenbach hört eh bezweifele. Warum sollen es ausgerechnet in Offenbach zur Hauptsache Rückreisende sein die die hohen Zahlen auslösen.
    Was aber die letzten Tage schon interessant ist, ist die Tatsache das Länder wie China, Korea und Japan so viel besser wirtschaftlich und auch Corona mäßig durch die Krise kommen. Das der Unterschied so groß ist hätte ich nicht gedacht. Man kann schon sagen je härter die Maßnahmen um so besser in jeder Beziehung. Das wollen viele sicher nicht hören scheint aber trotzdem so zu sein und sollte deshalb in den weiteren Überlegungen eine Rolle spielen.

  7. @ Wolf Paschen

    Genau um das von Ihnen Skizzierte geht es. Allerdings befürchte ich, dass Ihr Appell, dem ich mich uneingeschränkt anschließe, von denen, die er in erster Linie angeht, nicht verstanden, ja, gar nicht erst zur Kenntnis genommen wird. Denn die Menschheit beschwört permanent einen Tsunami besonderer Art herauf: nämlich die Dummheit. Diese ist keine Naturgewalt, auch nicht die Folge der von uns grob fahrlässig herbeigeführten Klimakatastrophe. Vielmehr ist sie sowohl Wurzel als auch zwangsläufiges Resultat unserer Ignoranz gegenüber den komplexen und komplizierten Vorgängen des (auch gesellschaftlichen) Lebens.

    Sie schreiben: „Bleiben wir doch weiterhin einfach konsequent, geduldig, solidarisch und gelassen.“ Dabei mache ich mit. Außer, dass ich nicht länger geduldig und gelassen sein kann. Denn dafür steht zu viel auf dem Spiel. Mein Leben, unser aller Leben. Wer in meiner Gegenwart dumme Sprüche verbreitet, den Sicherheitsabstand nicht einhält und dort, wo es vorgeschrieben ist, keine Maske trägt, macht Bekanntschaft mit der lauten Verneinung als erster Stufe einer gewaltfreien Aktion. Zu der inspirierte mich vor über 50 Jahren, mitten im Protest der 68er, der Politologe Theodor Ebert.

  8. Peter Boettel sagt:

    @ Klaus Philipp Mertens

    Wie auch bei den meisten Ihrer Leserbriefe und Kommentare stimme ich hier vollkommen mit Ihnen überein.

    Tagtäglich muss man erleben, wie manche die Appelle vor allem zum nötigen Abstand völlig ignorieren. Dabei kostet es doch nichts, vom Händeschütteln, Umarmen, auf engen Wegen hintereinander zu laufen etc. Abstand zu nehmen. Deshalb nimmt es nicht Wunder, dass die Infektionen wieder zunehmen, wobei es sich weniger um eine zweite, sondern angesichts des Verhaltens dieser Ignoranten schon eher um eine Dauerwelle handelt.

    Aber ich erfahre schon in unmittelbarer Umgebung, wie wenig die Leute sich überhaupt informieren, weil sie keine Zeitungen mehr lesen, allenfalls blöde Schlagzeilen aus der Bildzeitung, die aber, weil gleich, schon fünf Jahre alt sein können, zwar ständig auf ihren Smartphone stieren, aber dort keine Nachrichten lesen.

    Ich muss leider auf einen meiner früheren Kommentar zurückkommen, in dem ich auf das Lumpenproletariat hingewiesen habe. Diesem gegenüber ist die von Ihnen empfohlene laute Verneinung gerechtfertigt.

  9. Bronski sagt:

    @ hans

    “ Die leider hohen Infektionszahlen in Offenbach sind doch wohl relativ klar nicht erfolgreich mit einem Test am Flughafen zu beeinflussen.“

    Das habe ich auch nicht behauptet. Ich habe darüber hinaus auch keine Idee, wie man die Rückkehrer erfassen könnte, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind – und das wird sicher die überwiegende Zahl derer sein, die jetzt als Neuinfizierte erkannt wurden. Ich habe die Flughäfen deswegen angesprochen, weil sich dort die Rückkehrer relativ leicht erkennen lassen. Zudem müssen sie alle durch ein Nadelöhr, um den Flughafen zu verlassen. Wir wollen nicht vergessen, dass das Virus sich maßgeblich dank des weltweiten Flugverkehrs global verbreiten konnte. Wenn schon die Gefahr besteht, dass es in Deutschland aufgrund der hier bereits verbreiteten Viren zu einer zweiten Welle kommt, brauchen wir nicht auch noch aus Risikogebieten eingeschleppte Fälle.

    Die Aussage, dass es sich bei rund der Hälfte der neu entdeckten Infektionsfälle um Rückkehrer handle, stammt aus der FR-Berichterstattung, siehe Link im Text. Trotzdem ist es aber richtig, dass die Rückkehrer nur ein Teil des Problems sind.

  10. Peter Boettel sagt:

    @ Bronski

    „Rückkehrer nur ein teil des Problems“, genau so ist es, bestes Beispiel die Demo am 01.08.2020 in Berlin, aber auch sonst das Verhalten vieler, s. die Kommentare von Klaus Philipp Mertens und von mir.

  11. hans sagt:

    zu @ Bronski
    Wenn man nur die von ihnen eingestellten Leserbriefe sich ansieht wird sofort klar dass das Thema Flughafen nicht den Stellenwert hat das ihm zusteht. Das Tests dort richtig sind steht ja außer Frage. Das ist aber eine Randnotiz die wenn man sie überbewertet von den wichtigen Themen eher ablenkt.
    D. muss Dachen wie jetzt in Berlin am Opernplatz oder Stuttgart in den Griff bekommen. das Tema Rückkehre als ganzes ist sicher auch ein Problem. Mich interessiert wie Länder wie Süd Korea oder Japan es schaffen so gut durch die Krise zu kommen. Das sind die Themen die wir nach meiner Meinung brauchen.

  12. Bronski sagt:

    @ hans

    Das zentrale Thema dieses Threads ist die Frage, von wem Corona-Tests für Reiserückkehrer bezahlt werden sollen. Das können Sie an den Leserbriefen oben erkennen. Diese Frage der Leserinnen und Leser habe ich in meiner Einleitung aufgegriffen. Sie wissen doch, wie das hier im FR-Blog funktioniert: Wenn Sie ein Thema anstoßen wollen, schreiben Sie einen Leserbrief. Oder Sie nutzen die offenen Diskussionen in den Leserforum-Threads.

  13. Peter Dressler sagt:

    Berlin, Frankfurt, Nürnberg – überall dasselbe Bild: Mehr als holpriger Start der Tests für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten an Flughäfen. „Muss ich mich testen lassen – Wo überhaupt – Bezahlen – Rechtsgrundlage?“
    Teure Corona-App fehlerhaft. Alters- und Pflegeheime, Flüchtlingsunterkünfte, Fleischfabriken, Gemüsehöfe: Testen erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Wie ist das alles möglich in einem so hochorganisierten Land?

  14. Bertram Münzer sagt:

    Die Ferien in NRW, wo ich lebe, sind bald vorbei Alles ist (fast) erlaubt und die „Laisser-faire“-Attitüde ist alltäglich. Ist ja auch so gewollt von den Regierenden – alles andere gefährdet Geschäfte. Und da riskiert man halt mal was. Zuviel? Kann sein – denn die Infektionen nehmen zu. Und jetzt – hoppla – fällt es auf! War da nicht was – Ferien, Urlaub, Reisen, Heimkehr? Wurden bis dato nicht thematisiert. Nicht nur in NRW nicht. Es wurde nicht bedacht oder ignoriert – was eher der Fall sein dürfte -, dass Reisen bedeutet, noch höhere Risiken einzugehen, als man sie in gewohnter und überschaubarer Umgebung eh schon hat. Und dass Reisen auch bedeutet, dieses Risiko bei der Heimkehr zu importieren. Im Gepäck: vielleicht das Virus! Deshalb ist es richtig, ja notwendig, den Test verpflichtend zu machen. Eigentlich für alle und nicht nur für Reisende aus Risikogebieten. Hätte von Anfang an in die Pandemie-Strategie gehört. An dieser Stelle hätte man auch sagen können, dass in Pandemiezeiten solche Testkosten Teil der Reisekosten sind. Zu spät daran gedacht. Und um Böses abzuwenden, ist der Test jetzt kostenfrei für den Einzelnen. Das ist wohl vernünftig – da gebe ich Ihnen recht, Bronski. Doch ein Magengrimmen bleibt …

  15. Jürgen H.Winter sagt:

    Wir leben mit der Grippe, wir leben mit Erkältungen, wir haben wohl vergessen, dass Missionare ganze Völker dezimiert haben, indem sie ihre normalen Erkältungen weitergegeben haben. Danach kam die Lungenentzündung und der Tod. So wie es aussieht, wird sich auch diese Corona Pandemie auf dieser Linie einpendeln, es werden jedes Jahr Menschen daran sterben, die Alten (ich gehöre dazu) müssen aufpassen, denn auf Dauer kann die Gesellschaft mit Lockdown usw. nicht funktionieren. Ob es je eine funktionierende Impfung geben wird ist die große Frage. Gegen die normale Erkältung (auch eine Corona Infektion) gibt es nichts, die dauert ein paar Tage und das wars, wir sind daran gewöhnt. Wenn man alt genug ist, reicht auch das zum Sterben. Wie wenig unser Staat mit dem Problem Corona umgehen kann sieht man jeden Abend im TV. Bin gespannt wie es weitergeht, ich jedenfalls bleibe zu Hause.

  16. hans sagt:

    Offenbach hat mit einem knallharten Grillverbot und der Anweisung an Reiserückkehrer aus Risikogebieten sich testen zu lassen auf die hohen Infektionszahlen reagiert. Das ganze wird auch noch in 10 Sprachen in der Stadt verteilt und der Coronatest wird bei Reisen in Risikogebieten demnächst wohl auch noch vom Staat bezahlt. Man kann nur sagen die Weichen sind gestellt.

  17. Klaus Rödler sagt:

    Diese aktuelle Corona-Lage, die politischen Maßnahmen dazu und die gesellschaftliche Diskussion darüber sind insgesamt eigentlich nur frustrierend. Einerseits sind da diejenigen, die meinen, man müsse sich um nichts kümmern und in diesem Sinne verantwortungslos handeln. Andererseits gelingt es der Politik nicht, eine wirklich schützende Infrastruktur aufzubauen, allen Ankündigungen und öffentlichen Erklärungen zum Trotz.
    Schon im Mai, also noch vor den deutlichen Lockerungen, erklärte das RKI, dass behinderte Menschen, die in einer Einrichtung leben, einen kostenlosen Test machen dürfen, wenn sie z.B. nach einem Elternbesuch wieder in die Einrichtung zurück wollen. Faktisch waren diese aber gar nicht zu bekommen, so dass man entweder die Einrichtung gefährden oder auf die Sozialkontakte verzichten musste.
    Ganz ähnliches lese ich jetzt, fast drei Monate später (!), dass nämlich einerseits von Gratistests für Reisekückkehrer die Rede ist, diese aber faktisch nicht zu erhalten sind. (FR vom 4.8., Seite F3) Genauso wie wir im Mai wird man an Hotlines verwiesen und Internetquellen, die sich durchweg als schwarze Löcher entpuppen.
    Ebenfalls lese ich in den Corona-Nachrichten der FR vom 4.8., S. 3, dass 2,5% der in NRW getesteten Reiserückkehrer positiv getestet wurden. Das entspricht einer Inzidenz von 2.500 !!! Und für diese erwartbare Situation wurde im Vorfeld kein Instrumentarium entwickelt.
    Herr Lauterbach und andere weisen zu Recht auf das Risiko von ‚Superspreadern‘ und auf die Verantwortung von Veranstaltern von Partys hin, aber gleichzeitig verweigert sich die Politik einer ernsthaften Begrenzung des Risikos, durch verbindliche Regeln bei Einreise aus dem Ausland und der Organisation einer nachprüfbaren Umsetzung.
    Das Traurige ist, dass es am Ende wieder die Schwächste sein werden, in deren Leben Mann im Namen deren Sicherheit tief eingreifen wird: Menschen, die als Alte, Kranke oder Behinderte auf institutionelle Unterbringung angewiesen sind.

  18. hans sagt:

    zu @ Klaus Rödler
    Heute Morgen habe ich im Morgenmagazin einen Bericht gesehen in dem es darum ging das Viren ja auch nicht wollen das ihre Träger sterben und es deshalb wahrscheinlich ist das Viren von selbst ungefährlicher werden. Also es gibt keinen Grund zum Pessimismus.