Verbeamtung für alle

Wer jetzt in Rente geht oder kurz davor steht, hat es noch vergleichsweise gut. Künftige Rentner hingegen werden bedeutend schlechter dastehen, wenn es bei der bisherigen Rentenpolitik bleibt. Verdi-Chef Bsirske hatte vor einer Weile Alarm geschlagen und zusätzliche Milliarden für die Rente gefordert. „Gälte das künftige Rentenniveau schon jetzt“, schreibt FR-Kommentator Stephan Hebel, „dann gäbe es bei einem Gehalt von 2500 Euro im Monat am Ende 800 Euro Ruhegeld.“ So führen 40 Arbeitsjahre in die Altersarmut. Problem erkannt, Problem gebannt? Die Politik tut nichts.

fr-debatteGerhard Müller aus Offenbach ist empört:

„Das sieht ja richtig böse aus für die zukünftigen Rentner. Mit einem Monatsverdienst von 2500 Euro brutto nach 40 Jahren 809 Euro Rente ist sehr bescheiden. Und das sicher auch nur, wenn der Verdienst ein Arbeitsleben lang so hoch war. Wenn das Einkommen erst die letzten Jahre 2500 Euro betrug, fällt die Rente geringer aus. Was kann man da tun? Man könnte alle verbeamten. Die Pension nach dem Gehalt der letzten zwei Dienstjahre berechnet. Wenn die Pension dann 75 Prozent des letzten Gehaltes von z.B. 2500 Euro beträgt, sind das brutto 1875 Euro. Das ist ein sehr deutlicher Unterschied zur Rente. Ohne dafür einen Beitrag zur Altersvorsorge geleistet zu haben, ohne ein ganzes Berufsleben keine Angst vor Kündigung haben zu müssen. Es gibt nur den einen großen Haken: Die Verbeamtung aller ist nicht zu finanzieren.

Das Gerede über die zukünftige Höhe der Renten ist doch nur ein verbales Gebastel. Will oder kann niemand sehen, dass es so, wie es zur Zeit ist, mit den Altersversorgungssystemen nicht weitergehen kann? Die Rentner, besonders die zukünftigen, müssen sich verarscht vorkommen. Ein Leben lang einzahlen, und dann diese Rente. Die im anderen System, dem der komplett steuerfinanzierten Pensionen, sind gut versorgt. Merkt hier jemand, dass das nicht gerecht ist? Die Schere zwischen Arm und Reich ist schon zu weit geöffnet.

Zur Demokratie gehört im weitesten Sinn auch, dass die, die von Entscheidungen betroffen sind, an diesen Entscheidungen beteiligt werden. Wer entscheidet über die Höhe der Rente? Sind das die Rentner?“

fr-debatteDietmar Lehmann aus Hattersheim hat mit einem Leserbrief darauf reagiert:

„Herr Müller kritisiert in seinem Leserbrief völlig zu Recht die unverschämten Benachteiligungen der Rentner gegenüber den Pensionären. Am Ende seines Briefes beklagt er, das die von  politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen betroffenen Menschen nur minimalen Einfluss auf  die sogenannten Entscheidungsträger ausüben können. Hier muss ich Herrn Müller widersprechen. Wir haben die Wahl, auch dieses Jahr wieder der Partei unsere Stimme zu geben, die in ihrem Wahlprogramm glaubhaft für eine gerechte Verteilung des im Lande zusammen gescheffelten Reichtums antritt.

Von den mehr als 60 Millionen Wahlberechtigen sind etwa 25 Millionen Rentner. Wir könnten doch mit unserer Wahlentscheidung der Altersarmmut unserer Kinder und Enkelkinder wirksam entgegen treten.  Herr Maschmeier und Herr Riester werden am Wahlabend nicht begeistert sein und die Märkte werden nervös reagieren. Claus Kleber und Gundula Gause werden uns um 21 Uhr 45 tief in die Augen schauen um uns Wähler zu fragen, ob wir wirklich diese rückwärts gewandte Politik haben wollten, zumal  obendrein der Russe ja schon wieder vor der Türe stünde. Ja, wollten wir!

Leider wird es dazu auch dieses Mal nicht kommen und so langsam kann ich die Anhänger jener Verschwörungstheorie verstehen, die davon ausgeht, das Kondensstreifen, sogenannte Chemtrailes von Flugzeugen im Auftrag geheimer Mächte in großer Höhe ausgestoßen werden, mit dem Ziel uns flächendeckend zu verblöden. Angela Merkel wird im September wieder Kanzlerin, der kleine Martin darf mit an den Tisch und alles bleibt wie gehabt. Der Wohlstand der asozial Reichen wird weiter wachsen und an die Armut des unteren  Mittelstandes wird man sich genau so gewöhnen wie an die weitere Absenkung der Renteneinkommen bei gleichzeitiger Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse. Schauen sie mal aus dem Fenster, heute sieht man wieder besonders viele Kondensstreifen.“

22 Kommentare

  1. hans sagt:

    Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Sclächter selber. Im Oktober wird Frau Merkel immer noch Kanzlerin sein. Um das vorraus zu sagen muss man keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen. Wenn sich ein großer Teil der Wähler nicht für Politik interessiert kann diese auch machen was sie will.Hauptsache christlich. Freitag vor einer Woche gab es eine Meldung in den Heutenachrichten das in Brasilien ein Generalstreik ist, weil die Regierung das Renteneintrittsalter anheben will. Wie das derzeitige Renteneintrittsalter ist hat man als Information weg gelassen. Ich habe das dann mal gegoogelt. Dort geht man in der Regel mit 54 in Rente und bekommt 70% vom letzten Lohn.Die Regierung die das ändern will bekommt einen Generalstreik. Jetzt wären wir also beim Thema Lügenpresse. Oder warum hat das ZDF diese Information weg gelassen? Beim Thema Rente kann man dazu nur sagen das jedes Volk das bekommt was es sich verdient. Wenn wir in der Mehrheit kein Volk sind das Ansprüche stellt werden wir auch nichts bekommen. Es geht sicher noch weniger.

  2. hans sagt:

    Wenn es nach dem geht was man uns derzeit so einzureden versucht hängt die Rente unserer Kinder ja davon ab wie viele Kinder sie haben werden. Dass das so nicht stimmt ist ein eigenen Beitrag wert. Aber wenn man schon so denkt dann ist doch völlig offensichtlich das es nicht bekannt sein kann wie sicher die Rente unserer Kinder ist, weil man nicht weiß wie viele Kinder sie bekommen werden.Das Ganze ist nichts anderes als der Versuch der Versicherungswirtschaft mit Angst Geschäfte zu machen.

  3. werner.h sagt:

    Das gegenwärtige Rentensystem ist so, wie es sich derzeit darstellt, nicht zukunftsfähig. Da muss man kein Experte sein, um das zu sehen.
    Wenn in wenigen Jahrzehnten Gigaliner ohne Fahrer über unsere Autobahnen brausen, die Züge führerlos über die Schienen brausen und uns teilweise auch Roboter unterrichten und pflegen, keine Münzen mehr geprägt und keine Geldscheine mehr gedruckt werden müssen, es keine Läden und Kaufhäuser mehr gibt, da uns alle Güter bequem ins Haus geliefert werden, fallen Millionen Arbeitsplätze weg.
    Eine Grundsicherung wird den Menschen ein erträgliches Dasein ermöglichen. Mit viel Zeit, um zu Lernen und sich den Schönheiten von Literatur und Kunst zu widmen. Das Paradies auf Erden wäre endlich erreicht!

    Da sich aber die Bevölkerung in Afrika ohne unser Zutun in dieser Zeitspanne verdoppeln wird, kommen noch ganz andere Probleme auf uns zu. Wird wohl wieder nichts mit dem Paradies…

  4. Napez sagt:

    Wie sagt man so schön? Der Bundestag ist mal voller, mal leerer, aber immer voller Lehrer. Darum wird sich am deutschen Berufsbeamtentum nichts ändern. Vielleicht sollte sich der geneigte Wähler einmal mit der Vergütung von Angestellten und vergleichbar eingruppierten Beamten (z. B. E11 und A11 nach TVL) befassen. Dabei führt ein Vergleich der Nettobezüge zur Aufklärung. Dazu berücksichtige man die Rücklagen, die ein Angestellter bilden muss, um – trotz Zusatzrente von der VBL – auch nur in die Nähe einer Pension zu kommen. Dazu kommen weitere Privilegien der Staatsdiener, wie z. B. die weitgehend unbegrenzte Fortzahlung des Beamtensolds im Krankheitsfall. Neben einer Generalüberholung des Rentensystems muss m. E. das Berufsbeamtentum einer sehr genauen Begutachtung unterzogen werden. Aber dies wird aufgrund des Eingangs genannten „Sachverhalts“ nicht passieren.

  5. Brigitte Ernst sagt:

    @ Napez
    Man sollte nicht immer wieder alte Vorurteile breittreten.
    Von den Abgeordneten des derzeitgen Bundestages sind 113 Beamte, davon 28 Lehrer; 74 sind Angestellte im öffentlichen Dienst, 101 Angestellte in Wirtschaft und Verbänden;
    48 sind Selbständige in der Wirtschaft.
    Von den Freiberuflern sind 92 in rechts-, wirtschafts- und steuerberatenden Berufen tätig.
    So sieht das also mit dem Übergewicht der Beamten und vor allem der Lehrer aus.

  6. hans sagt:

    Man könnte ja auch mal schreiben was getan werden müsste? Ich will damit mal anfangen. Es wird jedes jahr ein Voklseinkommen festgestellt. Seit Jahrzehnten fällt der Lohnanteil an diesem Einkommen. Da die Sozialversicherungen ,übrigens genauso wie die Riesterrente, aus diesen Lohnanteil bezahlt werden, führt das dazu das immer weniger (real) Geld für diesen Zweck vorhanden ist. Um die Deutsche Vokswirtschaft nicht mehr zu Fordern als in den 70igern des letzten Jahrhunderts müsste man den damaligen Anteil der Sozialversicherungen am Volkseinkommen feststellen und für die Zukunft vorgeben. Ich denke das es mit dem chronischem Geldmangel in den Sozialsystemen dann ein Ende hätte.

  7. Napez sagt:

    @ Brigitte Ernst: Wenn wir schon dabei sind, ich komme auf 115 Beamte (wobei damit fast jeder sechste Abgeordnete Beamter wäre – schlimm genug). Das mein „Zitat“ von gestern nicht der Realität entspricht, ist mir natürlich klar. Aber warum wird dann nicht etwas am deutschen Berufsbeamtentum geändert? Allein das Land Hessen hatte im Jahresabschluss 2015 mehr als 76 Mrd. Pensionsrückstellungen ausgewie3sen, deren Zuführung irgendwo herkommen muss (Verdoppelung seit 2009). Verbeamtung muss m. E. drastisch reduziert werden. Also nur noch dort, wo unmittelbar hoheitliche Aufgaben wahrgenommen werden. Mehr als Polizei und Justiz (eventuell Finanzämter) fallen mir da spontan nicht ein, das soll aber kein abschließender Katalog sein. Ich erwarte aber, dass das Berufsbeamtentum kritischer hinterfragt wird. Mehr nicht.

  8. 4.9% der Erwerbstätigkeiten sind Beamte (mit fallender Tendenz).

  9. Brigitte Ernst sagt:

    @ Napez
    Hier eine Rechenaufgabe:
    In Deutschland gibt es ca. 1,7 Millionen Beamte, von denen 115 Abgeordnete sind. Zugleich gibt es insgesamt ca. 300 000 Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsberater, von denen 92 im Bundestag sitzen. Wer ist da überrepräsentiert?
    2. Frage: Sind im Vergleich dazu Lehrer im Bundestag überrepräsentiert angesichts der Tatsache, dass es in Deutschland ca. 800 000 Angehörige dieser Berufsgruppe gibt und 28 davon Bundestagsabgeordnete sind?
    Ich plädiere dafür, die Relationen nicht aus den Augen zu verlieren.

    Gegen eine kritische Hinterfragung des Berufsbeamtentums habe ich gar nichts. Ich möchte nur daran erinnern, wie froh die Öffentlichkeit war, dass es während der nicht endenden Streiks der Lokführer in den letzten Jahren noch ein paar Beamte unter ihnen gab, die den Laden am Laufen hielten. Das ist in Zukunft ja sowieso vorbei.

  10. Wolfgang Fladung sagt:

    Irgendwie geht die Debatte am Eigentlichen vorbei, nämlich dem, angeblich auch Herrn Schulz wichtigen, Thema „Gerechtigkeit“. Aber das G-Thema ist ja sehr subjektiv, oder anders ausgedrückt, G. liegt im Auge des Betrachters.

    Eigentlich müßte ein Land wie Österreich schon längst pleite sein, fordert es doch auch von den Beamten SV-Beiträge, und vor allem vom Staat höhere Zuschüsse in die Rentenkasse als bei uns.

    Aber, es kann nicht sein, was nicht sein darf. Wo kämen wir denn hin, wenn wir hier eine Gleichheit anstreben würden? Staat und Länder benötigen schließlich eine treue und daher alimentierte Anhängerschaft – koste es, was es wolle. Und Gleichheit ist sowieso nur ein Wort. Die einen kassieren bis zum doppelten, ohne einen Eigenbeitrag zu leisten, und dürfen sich dafür noch früher in den Ruhestand verabschieden, die Anderen kriegen mit Hängen und Würgen, vielleicht, die Kurve, und stocken mit dem, was sie sich von dem fantastischen Mindeslohn zurück gelegt haben, noch ihre Altersbezüge auf, indem sie riestern, oder so in der Richtung. Natürlich dürfen wir die wahren Leistungsträger in den Firmen nicht überstrapazieren, indem wir ihnen noch höhere Rentenbeiträge anteilig aufdrücken – da könnten die Betriebe ja reihenweise pleite gehen. Ist halt so, wie es schon im alten Preußen war, die einen werden gehätschelt und gepflegt, und die anderen der Altersarmut preis gegeben. Ein Beamter macht pünklich um 17.00 Uhr Feierabend, und der Angestellte, um seinen Arbeitsplatz fürchtend, macht noch ein paar unbezahlte Überstunden. Ist ja alles im tollen Mindestlohn inbegriffen. Und abends überlegt er dann, bei wem er, Bank berät ihn bestens, seine übrigen Millionen investiert, bzw. riestert. Eine Überlegung, die wohl kein Beamter anstellt – warum auch???

    Daher werde ich auch bei der nächsten Wahl wieder mein Kreuz bei den Sozen machen. Ich liebe es schließlich, als bekennender Masochist, verarscht zu werden.

    Wir werden es erleben, das aufgrund der neoliberalen Wende der SPD auch hier bei uns die sozialdemokratische Richtung keinen Fuß auf die Erde bekommt, die Rechten a la AfD und LePen Mehrheiten erhalten. Nur begreifen das die Sozen nicht. Aber begreifen ist halt nicht einfach, bei all den vielen Lobbyisten.

    Übrigens gilt für mich ein einfaches Gerechtigskeits-Prinzip: gleicher Lohn und gleiche soziale Absicherung für gleiche Arbeit. Dann würde auch nicht, Frau Ernst, für gleiche Bedingungen gestreikt werden.

  11. Wolfgang Fladung sagt:

    Ein Nachtrag noch: Beamte sind ein, wohlbedachtes und wohlbewußtes Bollwerk gegen alle sozialistischen Umtriebe, und werden daher auch entsprechend alimentiert. Alles muß so bleiben, wie es ist, weil es ja so prima ist, für die meisten. Abgehängte spielen keine Rolle, weil man auf diese Schicht verzichten kann. Und da es immer wieder, umd immer noch, siehe Venezuela und Chavez/Maduro, vermeintlich „Linke“ gibt, die sich kaufen lassen, oder feststellen, daß Champagner doch besser schmeckt als ordinärer Landwein, haben auch die Neoliberalen stimmende und stimmige Argumente dafür, es auch die Linken keine Lösungen parat haben. Woher und warum auch, wenn die Welt eben von Oligarchen dominiert wird, welche sich gerne ein pseudo-demokratisches Mäntelchen umhängen. Dies es eben auch das Verständnis von Beamten: wir sind „Diener“ des Staates, und keine Aufrührer, oder Revoluzzer.

    Wir werden es erleben, das auch die französiche (…) letztendlich nur ein Wegbereiter von ganz Rechts sein wird. Aber auch da gibt und gab es noch nie Probleme. Auch der mit dem Hitler-Bärtchen hat sich ja prächtig mit dem Groß-Kapital arrangiert. Und dieses hat die Profite dann dort gebunkert, wo sie sicher aufgehoben waren – z.B. in der Schweiz. Eben, Geld stinkt nicht, wußten schon die alten Römer.

    Und da Menschen sind, wie sie sind, wird sich daran nichts ändern. Koste es, was es wolle.

    (…) Passage gelöscht, Anm. Bronski. Keine Witze auf Kosten von Namen! Niemand kann etwas für seinen Namen.

  12. Brigitte Ernst sagt:

    Lieber Herr Fladung,
    Sie wissen, dass ich Ihnen in vielen Punkten zustimme. Ich gehöre auch, obwohl selbst Beamtin, nicht zu denen, die diesen Status auf Teufel komm raus verteidigen. Dass hier Gerechtigkeitslücken bestehen, bestreite ich nicht.
    Worum ich trotzdem bitten möchte, ist eine wahrheitsgemäße Darstellung. Dass Beamte ohne Abzüge früher in Rente gehen können als andere Arbeitnehmer, ist schlicht falsch. Und dass alle nach Ablauf ihrer Arbeitszeit pünktlich den Hammer fallen lassen, stimmt auch nicht. Wenn ich an die vielen Nächte und Wochendenden denke, die ich mir während meines Berufslebens mit Korrekturen, auf Klassenfahrten oder bei Aufsichten von Schulfesten um die Ohren gehauen habe (und da spreche ich auch für eine große Zahl meiner Kolleginnen und Kollegen), empfinde ich Behauptungen, wie Sie sie hier in den Raum stellen, als unfair und – ja, tatsächlich – als ungerecht. Auch wenn Sie’s nicht glauben, es soll Leute geben, denen es ein Anliegen ist, die Arbeit, für die sie bezahlt werden, gut zu machen, zumal, wenn sie Verantwortung tragen für die Entwicklung junger Menschen. Und da reicht bei der hohen Stundenbelastung deutscher Lehrerkräfte die Arbeitszeit von 40 Stunden in der Woche eben nicht aus und man muss, vor allem in den Stoßzeiten, seine Freizeit erheblich einschränken.

    Es wäre einen Versuch wert, das österreichische Rentenmodell auszuprobieren. Ob es auf Dauer wirklich funktioniert, kann sich erst zeigen, wenn alle Beamten aus der Rentenkasse, in die sie eingezahlt haben, auch ihre Rente beziehen. Bisher bekommen sie meisten ihre Altersbezüge ja noch aus der Staatskasse, die neuen Beamten zahlen aber bereits in die Rentenkasse ein. Das führt derzeit natürlich zu einem Überschuss. Ich bin skeptisch, ob die Rechnung auf Dauer so aufgehen wird, dass das derzeitige Rentenniveau in Österreich gehalten werden kann.

  13. Brigitte Ernst sagt:

    Nachtrag an Wolfgang Fladung

    Die relativ günstige Rentensituation in Österreich hat es leider nicht verhindern können, dass ein erheblich höherer Prozentsatz der Wähler bei den letzten Wahlen für eine rechtspopulistische Partei gestimmt hat. Bei den letzten Nationalratswahlen waren es 20,5% und bei den Präsidentschaftswahlen fast die Hälfte der Wähler. So zufrieden scheinen die Österreicher mit ihrer Lage wohl auch nicht zu sein.

  14. Wolfgang Fladung sagt:

    Liebe Frau Ernst,

    wenn ich mir diese Seite aufrufe: „http://www.beamtenbesoldung.org/beamtenpension.html“, dann lese ich, das Pensionen nur gekürzt werden, wenn der Empfänger vor Erreichen des 65. Lebensjahres ab Beginn der Pension in den Ruhestand geht. Bei Angestellten ist es das 67. Lebensjahr. Inwiefern ist dies falsch? Nach Adam Riese sind dies lockere zwei Jährchen Unterschied. Und ja, natürlich gibt es, wohl nicht nur bei Lehrern, sondern auch Polizei und Anderen, Unterschiede bezüglich Arbeitszeit. Die gibt es aber auch, wie von mir angeführt, bei vielen Angestellten, wobei hier der Druck von oben sich von der eigenen Zielsetzung und dem ehrenwerten Engagement vieler Beamter wohl unterscheidet – was die Freiwilligkeit anbetrifft.

    Sie haben es sicherlich mitbekommen, daß über eine Kürzung der Altersrenten und weitere Hochsetzung des Eintrittsalters debattiert wird – und dies wird so sicher wie das Amen in der Kirche kommen. Von einer Debatte bei einem Eintrittsalter für Beamte Richtung 69 oder 70 Jahre habe ich nichts mitbekommen.

    Und ob der Beruf einer schlecht bezahlten und überforderten Alten-, Krankenpflegerin oder die Akkord-Tätigkeit eines Briefträgers vergleichbar mit der vieler Beamter ist, mag vielleicht stimmen – aber nicht die Bezahlung.

  15. @Wolfgang Fladung
    Ihre Aussagen sind bezüglich abschlagfreier Pension sind falsch und Sie hätten es auch gemerkt, wenn Sie die zitierte Seite zu Ende gelesen hätten.

  16. Brigitte Ernst sagt:

    Lieber Herr Fladung,

    wo auch immer Sie ihre Information über die Pensionierung von Beamten ab Vollendung des 65. Lebensjahres her haben, sie ist falsch. Beamte unterliegen genau wie alle anderen Arbeitnehmer der Regelung, dass sie ab dem Geburtsjahr 1947 mit abnehmendem Alter jedes Jahr einen Monat länger arbeiten müssen, bis die Pensionierung im Alter von 67 Jahren erreicht ist.
    Für Lehrer gilt, wie ich bereits in einem früheren Thread ausgeführt habe, dass sie nach Erreichen des Pensionsalters immer noch bis zum Ende des laufenden Schulhalbjahres weiterarbeiten müssen, d.h. sie sind diesbezüglich gegenüber anderen Arbeitnehmern im Nachteil. Für mich bedeutete das, dass ich, geboren im November 1946, im Gegensatz zu anderen Arbeitnehmern mit demselben Geburtsdatum, noch bis zum 31. Januar weiterarbeiten musste. Wer am 2. August geboren ist, hat noch mehr Pech, denn der muss (das Schuljahr beginnt am 1. August) noch fast fünf Monate länger arbeiten als alle anderen Arbeitnehmer. Bitte informieren Sie sich richtig und hören Sie auf, alternative Fakten zu verbreiten!
    Bezüglich der Höhe der Altersbezüge haben Sie recht, da sind die Beamten privilegiert und das ist ungerecht.

  17. JaM sagt:

    „Der Bund und die meisten Länder haben mittlerweile die Lebensarbeitszeit ihrer Beamten auf das vollendete 67. Lebensjahr hinaufgesetzt. Für Beamte, die vor dem 1. Januar 1964 geboren sind, gelten in diesem Fall nach Geburtsjahr gestaffelte Sonderregelungen.“ Quelle: https://www.academics.de/wissenschaft/beamte-altersgrenzen-eintritt-ruhestand_57201.html

    Auch das Renteneintrittsalter wird stufenweise auf 67 heraufgesetzt.

  18. Brigitte Ernst sagt:

    @ JaM
    Danke für den Link. Was dort allerdings fehlt, ist die Sonderregelung für Lehrerinnen und Lehrer, die, vergleichbar mit den Professoren, erst am Ende des Halbjahres, das auf ihren Eintritt ins Pensionsalter folgt, in den Ruhestand gehen können. Das ist ja auch sinnvoll, weil keine vernünftige Unterrichtsplanung mehr möglich wäre, wenn dauernd mitten im Schuljahr Lehrkräfte (in meiner alten Schule sind es im laufenden Schuljahr acht an der Zahl) verschwänden.

  19. Wolfgang Fladung sagt:

    Ich verabschiede mich aus der Debatte und wünsche allen BeamtInnen weiterhin viel Freude mit ihrer Pension. Ich mußte leider, weil Arbeiten in der Klimaanlage meines Arbeitsgebers mir gesundheitlich nicht mehr möglich war und dieser außerdem nach Stuttgart umgezogen ist, mit 60 im Jahr 2005 in Rente gehen. Hinzu kam Pflegebedürftigkeit meiner damals 86jährigen Mutter aufgrund von Demenz, die einem Umzug entgegen sprach. Resultat: Altersrente stolze 1.138,16 jetzt seit 1.7.16. Also habe ich dann meine persönliche Aktion Kängeruh gestartet: große Sprünge mit leerem Beutel.

  20. Brigitte Ernst sagt:

    @ Lieber Herr Fladung,
    ihr persönliches Schicksal, das sicher zu bedauern ist, in Ehren. Aber ist das ein Grund, hier Unwahrheiten über Beamte zu verbreiten?
    Und glauben Sie nicht, dass Krankheit und/oder Arbeitsunfähigkeit in frühen Jahren auch bei Beamten dazu führen kann, dass sie bei sehr niedrigen Altersbezügen landen? Gerade im Lehrerberuf, und mehr noch bei Polizisten, ist die psychische Belastung extrem hoch, und manch eine(r) ist diesem Druck auf Dauer nicht gewachsen.

  21. @Wolfgang Fladung
    Es wäre mal interessant zu wissen, wie viel Sie in die Rentenkasse einbezahlt haben und wie alt Sie werden müssen, um das Geld wieder herauszubekommen.

  22. Rudi sagt:

    Wenn man Pension und Rente vergleicht, müsste man auch das Einkommen heranziehen, das während der aktiven Berufslaufbahn erzielbar ist. Deutlich wird dies an den Berufsschulen, die insbesondere in den technischen Fächern Probleme haben, Lehrer zu rekrutieren. Die Sache liegt auf der Hand: Weshalb soll jemand nach einem Maschinenbau-, Physik- oder Chemiestudium sich für den Job des Berufsschullehrers entscheiden, auch wenn er Beamter werden könnte? Es mag den einen oder anderen Altruisten geben, der diesen Beruf anstrebt, aber die große Mehrheit wird sich wegen des erzielbaren Staatseinkommens lieber der Wirtschaft zuwenden. Denn dort kann er deutlich mehr verdienen. Weshalb sind Informatiker im öffentlichen Dienst Mangelware? Die Antwort darauf ist nicht schwer. Jeder, der will, kann im Internet nachlesen, wieviel beim öffentlichen Dienst bezahlt wird. Im privatwirtschaftlichen Bereich ist es bedeutend schwerer, belastbare Zahlen zu finden. Deshalb sollten die Bejammerer des öffentlichen Dienstes ihr Gehalt offen legen. Danach können sie immer noch die eine oder andere Träne ob ihrer geringen Rente kullern lassen.

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