„Rasse“-Begriff: Wir Menschen sind uns alle sehr ähnlich

Die Reaktionen der FR-Leserinnen und -Leser sind recht eindeutig: Weg mit dem „Rasse“-Begriff im Grundgesetz! Dort heißt es im dritten Paragraphen, Absatz 3: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Auch die Integrations-Staatsministerin Widmann-Mauz (CDU) will „Rasse“ streichen.

KippaTatsächlich gibt es ein Problem mit diesem Paragraphen: Menschliche Rassen existieren nicht. Biologisch gesehen gibt es menschliche Phänotypen, die sich äußerlich und in ihren Gebräuchen, ihrer Kultur, zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede bestehen jedoch weniger hinsichtlich ihrer Biologie bzw. ihrer genetischen Ausstattung als vielmehr hinsichtlich ihrer kulturellen Zugehörigkeit, die Gruppen und Ethnien verbindet. Der Rasse-Begriff ist also hochproblematisch, da er biologisch gemeint ist. Rassisten machen sich darüber normalerweise keine Gedanken; ihnen genügt es, dass jemand anders ist. So kann Rassismus als umgangssprachlich angewendeter Begriff als Synonym für den Versuch von Ausgrenzung schlechthin verstanden werden – und so hat auch der Begriff „Rasse“ weiterhin Sinn im Grundgesetz. Allerdings werden diese Ausgrenzungskriterien bereits von den anderen im Gesetz genannten Punkten berücksichtigt: Abstammung, Sprache, Heimat, Herkunft, Glauben – all dies spielt in den „Rasse“-Begriff hinein. Das Problem besteht also vor allem darin, dass der „Rasse“-Begriff im Grundgesetz als Tatsachenbehauptung missverstanden wird: Weil da das Wort Rasse stehe, so diese Lesart, behaupte und zementiere das Grundgesetz die Existenz menschlicher Rassen.

Ich halte das für eine Fehldeutung und plädiere dafür, den „Rasse“-Begriff im Grundgesetz zu belassen, und zwar gegen die Bemühungen der Grünen, Linken und der SPD. „Rasse“ ist keine wissenschaftliche, aber sehr wohl eine historische Realität, die für sehr viele Menschen Gewissheit war. Der „Rasse“-Begriff war in der Nazizeit ein reales Herrschaftsinstrument. Getrieben von Ideologie und Hass auf Juden, Sinti & Roma sowie „Volksschädlinge“ generell, durchaus unterstützt von namhaften Wissenschaftlern, auch wenn sich deren „Erkenntnisse“ im Licht seriöser Wissenschaft nicht halten ließen, hat „Rasse“ also existiert. Darum hat der Begriff seine Berechtigung im Grundgesetz. Er steht da nicht, weil es Rassen gibt, sondern weil es sie als Folge ideologischer Verblendung gegeben hat. Wenn auch nur in der Einbildung. Aber mit katastrophalen Folgen und Millionen Todesopfern. Vor solchen Fehlentwicklungen will Paragraph 3 Schutz bieten. Das sollte man nicht ändern, denn es ist nicht auszuschließen, dass wir es wieder mit solchen Fehlentwicklungen zu tun bekommen. Der gegenwärtig grassierende Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit, der anschwellende Antisemitismus sind Alarmzeichen, die wir nicht ignorieren sollten. Ich greife eine Passage aus dem Leserbrief von Knut G. Emmert – siehe unten – heraus. Er schreibt: „Die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes waren nämlich weder rassistisch noch dumm.“

Wie klug und durchdacht das Grundgesetz in vielerlei Hinsicht ist, haben wir Deutschen in den Jahren nach 1968 erlebt, als dieses Gesetzeswerk nach und nach ernsthaft angewendet wurde. Das Grundgesetz ist die Basis der liberalen Realität unseres Landes. Seine Eltern haben aus der deutschen Geschichte gelernt. Dass das Wort „Rasse“ im Grundgesetz steht, ist ein Ergebnis dieses Lernprozesses.

fr-debatteMenschenfreundlicher Anstrich

Das Wort Rasse habe ich bisher niemals mit Menschen klassifiziert, sondern immer nur bezogen auf Tiere (Hunde, Hühner, Kaninchen, u.a.), die besondere äußere Merkmale aufweisen, die auf Menschen nicht zutreffen (z.B. Schwanzwedeln, stolzieren, Hakenschlagen – obwohl….).
Diejenigen die das Wort Rasse in den Mund nehmen und daraus eine Zusammenfassung wie Rassismus formulieren, sollten sich Gedanken machen, warum sie Rasse mit Menschen gleichsetzen. Ich würde niemals einen Zusammenhang zwischen Menschen und Rasse sehen, es sei denn, ich sehe mich selbst als Rasse und stufe körperliche Merkmale als rassistisch ein- Hautfarbe (Weiß, Schwarz, Braun, rötlich, gelblich – was ist mit Sonnenbraun/brand?), Struktur (groß, klein, dick, dünn – oder gemischt?), Empfindungen (schön, häßlich, alt, jung – tätowiert?), Geschlecht (weiblich, männlich, transgender – Bosse?). Natürlich kann man dies noch weiter ausschmücken. In der Beziehung fallen wir alle unter Rassisten und demonstrieren gegen oder für uns selbst.
Im Falle des amerikanischen Bürgers geht es nicht um Rassismus, sondern um Gewalt, die ein Mensch gegen einen anderen Menschen vollzogen hat. Diese Gewalt sehen wir in allen anderen Ländern und die Farbe der Haut oder die Herkunft spielen dabei keine Rolle.
Wenn also Demonstrationen, dann nicht einseitig zu seiner Befriedigung, sondern für all die Menschen, die durch Gewalt von Obrigkeiten Schaden, Schmerzen, Mißbrauch oder den Tod erleiden. Die USA allein ist dafür kein Vorbild, auch nicht die plötzliche Erinnerung an eine unrühmliche Kolonialzeit. Da müssten wir auch die Konfessionen hinzuziehen, den 30-jährigen Krieg, die Weltkriege und die vielen Schauplätze von heute auf allen Kontinenten.
Die Streichung des Wortes Rasse aus dem Grundgesetz ist nicht mehr als ein Alibi, sich einen einen menschenfreundlichen Anstrich zu geben. Schon allein, Rasse durch „rassistisch benachteiligt“ belässt die Anerkennung von menschlicher Rasse bestehen. Ehrlicher wäre, den Paragraphen 3 in seiner Gesamtheit zu streichen, dann käme man der Wahrheit näher. Wer glaubt heute noch, dass diese Gesetze im Wortlaut noch Gültigkeit haben.

Peter B. Sanden, Oldenburg

fr-debatteEin fragwürdiger Begriff als Herrschaftsinstrument

Endlich nimmt sich eine Partei dieses Themas an. In Frankreich hat die Nationalversammlung 2018 den Begriff “ Rasse“ aus der Verfassung gestrichen. Zahlreiche Organisationen in Deutschland fordern schon lange, diesen Begriff für Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Aussehens nicht mehr zu verwenden. Schon seit Jahrhunderten ist dieser Begriff immer wieder verwendet worden, zur Abgrenzung ( gut und schlecht) oder zur biologischen Bestimmung ( ohne politische Bewertungen). Insbesondere aber seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich der Bergriff “ Rasse“ bei Menschen immer stärker zum Instrument für Herrschende und Unterdrückte/ Minderwertige entwickelt. Ihren Höhepunkt fand die Anwendung des Begriffs in der Zeit der Nationalsozialisten ( s. Z.B. auch Veröffentlichungen vor der sog. Machtergreifung). Er gipfelte dann im Begriff der sog. “ Herrenrasse“ im Naziregime u.a. als Rechtfertigung für die Vernichtung von Juden, Sinti & Roma etc.
Zu akzeptieren sind Unterscheidungen der verschiedenen Menschen nur, wenn diese Herkunftsbezeichnungen selbst aus sich heraus ( also nicht von außen bestimmt) anwenden, wie z.B. wenn die Schwarzen sich selbst Schwarze nennen. Wer also heute selbst wohlmeinend den Begriff “ Rasse“ verwendet, also zum Beispiel in Antirassismus , der impliziert immer noch, dass es Rassen gibt. Dieser Sprachgebrauch muss sich ändern, so, wie wir gelernt haben, dass bestimmte Bezeichnungen diskriminierend sind ( Neger,Zigeuner etc ) und wir dafür heute selbstverständlich andere Herkunfts- oder Abstammungsbezeichnungen verwenden.
Ja, die Menschen sind unterschiedlich, es gibt Weiße und Schwarze, Indios,Asiaten, Inuits, etc.etc. Aber es sind keine Rassen ( wie man sie ggf. in der Welt der Tierzucht kennt) sondern eben nur unterschiedliche Menschen. Daher: Weg mit dem Begriff “ Rasse “.

Reinhard Matthies Pinneberg

fr-debatteDie Streichung von „Rasse“ wäre ein guter Anfang

Wissentschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, daß es keine menschliche Rassen gibt. Also kann auch niemand durch das Grundgesetz , wegen seiner „Rasse“ geschützt werden. Solange es den Begriff „Rasse“ in unserem Grundgesetz und auch den Landesgestzen gibt, wird dieser Begriff auch in den Köpfen sein.
Es wäre ein guter Anfang, „Rasse“ zu streichen, vielleicht verschwindet diese Zuordnung auch mal in der Gesellschaft. Es wird ein langer Weg sein, aber wir müssen ihn gehen für eine gleichberechtigtes Miteinander. Da ist das Grundgesetz ein wichtiger Anfang.

Ute Hänsel, Neu-Isenburg

fr-debatteUnsere Verfassung könnte zur Bewusstseinsbildung beitragen

Als das Grundgesetz formuliert wurde, beschränkte sich die Vorstellung einer Aufteilung der Menschen in Rassen nicht nur auf die Nazis, die die Juden zu einer eigenen Rasse erklärt und ihnen unterstellt hatten, einen schädlichen Einfluss auf die arische Rasse zu haben, so dass sie letztlich vernichtet werden müssten. Auch Nazigegner stellten damals das Rassenkonzept an sich nicht in Frage. Niemand sollte die Menschen allerdings daran hindern, sich weiterzuentwickeln, klüger zu werden und insbesondere auch Konstrukte, die Kolonialismus und Sklavenhaltung rechtfertigten, zu erkennen und zurückzuweisen. Das Problem bei der Benennung von „Rasse“ in Artikel 3 des Grundgesetzes ist, dass dadurch weiterhin nahegelegt wird, es gebe verschiedene menschliche Rassen. Tatsächlich gehen heutzutage jedoch lediglich rassistische Theorien davon aus, es gebe diese unterschiedlichen menschlichen Rassen wirklich. Streng genommen bedeutet Rassismusbekämpfung bei Beibehalt des Rassenbegriffs somit, dass eine antirassistische Ausrichtung zugleich auch das rassistische Menschenbild unausgesprochen anerkennt. Würde der Begriff „Rasse“ jedoch aus dem Grundgesetz getilgt, leistete unsere Verfassung einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung des aktuellen Erkenntnisstandes und würde dadurch im besten Sinne vorbildlich, zur Bewusstseinsbildung beitragend. Ein historisches Dokument anzupassen, ist keine Symbolpolitik oder hilflose Scheindebatte, wie Politiker der CDU glauben machen wollen.

Siegfried Kowallek, Neuwied

fr-debatteVerabschieden wir uns von diesem Begriff und seinem Inhalt

So viel Hochachtung und Wertschätzung ich dem Werk der Verfassungsmütter und -väter ich sonst gegenüber empfunden habe, so sehr hat mich schon immer dieser Begriff „Rasse“ gestört. Man schaue einmal in die schulischen Lehrwerke aus der Zeit zwischen 1933 und 1945, so wie ich noch eines von meinem Großvater besitze und es schaudert einen, was man jungen Menschen da an völkisch-rassisch-nationalistischem Denken vermittelt hat. Es braucht diesen Begriff nicht und er braucht auch nicht durch irgendetwas Verschwurbeltes wie „ethnische Herkunft“ ersetzt zu werden, was doch wieder nur Camouflage für das ist, was „Rasse“ meint.
Was ist so schwer daran, sich von diesem Begriff und seinem Inhalt ein für allemal zu verabschieden? Warum soll es „Symbolpolitik“ sein, wie vorgeblich christliche Politiker meinen, ihn abzuschaffen? Hätten sie ihr Christentum verstanden, wüssten sie, dass vor ihrem (und jedem anderen) Gott alle Menschen gleich sind. Und halten sich nicht gerade Politiker dieser Coleur sonst so gerne an Symbolen fest, an Fahnen, Orden, Hymnen? Bedeuten die dann auch nichts?
Der Begriff „Rasse“ ist schändlich, ihn verteidigen zu wollen, ob nun semantisch oder historisierend – über die Motive der Verfassungsschreiber spekulierend… – ist fragwürdig. Wer ihn verteidigt, muss sich fragen lassen, was seine wirklichen Motive sind. Da ist er eben doch, jener latente Rassismus in unserer Gesellschaft, den niemand wahrhaben will, am wenigsten an sich selbst.
Menschen sind Menschen, nichts anderes! Dass das auch in unserer freiheitlichen Verfassung festgehalten wird, das sollte sie uns wert sein!

Stephan Steinhoff, Bonn

fr-debatteDehumanisierung und Verächtlichmachung

Niemand darf wegen seiner Herkunft benachteiligt oder bevorzugt (wenn du z.B. weiß bist!) werden. Punkt!
Der Begriff „Rasse“ muss meines Erachtens ersatzlos aus dem Grundgesetz gestrichen werden.  Einer Rasse zugeordnet zu sein, impliziert geradezu eine Dehumanisierung und eine Verächtlichmachung des sogenannten Anderen!
Ich hatte das Glück (Jahrgang 41) in einem Elternhaus groß geworden zu sein , in dem Rassismus und Antisemitismus keinen Platz hatten.  Das hat mich zu einem Menschen werden lassen, dem jegliche Form eines menschenverachtendem Verhaltens zuwider ist. Bis heute. Und deshalb sehe ich es als meine Pflicht an, mich an Demos gegen Rechts, implizit AfD, so oft ich kann zu beteiligen.
Danke lieber Michael Herl, mit Ihrer Kolumne am 16.6. haben Sie mir aus dem Herzen gesprochen. Hervorragend!

Ludmilla Vasata, Münster

fr-debatteEs wird keinen einzigen Rassisten weniger geben

Das Problem ist der Rassismus, nicht die Rasse. Streicht man den Begriff Rasse aus dem Grundgesetz, dann können rassistische Akte nur noch individuell auf dem Weg der privaten Zivilklage verfolgt werden. Rassisten aller Art werden jubilieren, bleiben sie doch dann meist noch ungestrafter als ohnehin schon.
Zudem ist die Behauptung, es gäbe keine Menschenrassen, ideologisches Blendwerk. Rassen im Sinne rassistischer Wahnvorstellungen gibt es tatsächlich nicht; dazu sind wir Menschen uns alle viel zu ähnlich. Aber natürlich lassen sich Chinesen, Aborigines, Nordeuropäer und Zentralafrikaner nicht nur mühelos unterscheiden; diese Unterschiede sind auch genetisch verankert, sonst sähen nicht Kinder wie ihre Eltern aus. Allerdings betrifft das nur eine Handvoll unserer 23000 Gene. „Colour is only skin-deep“ schrieb ein amerikanischer Evolutionsforscher – unter der Haut sind wir alle sehr viel ähnlicher als äußerlich.
Auch die selbsternannten Antirassisten haben nicht verstanden, daß eine Wort wie „Rasse“ unserer Alltagssprache entstammt, und daher kein wissenschaftlicher Begriff ist, sondern einen breiten Hof verwandter Bedeutungen hat – womit es für einen allgemeinen Text wie das Grundgesetz bestens geeignet ist. Die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes waren nämlich weder rassistisch noch dumm. Wissenschaftlich ist es tatsächlich schwierig bis unmöglich, eine halbwegs brauchbare Definition für „Rasse“ zu finden – und das gilt sogar für unsere Haustiere.
Die Idee, durch das Verbieten eines Wortes die Probleme, die sein Mißbrauch durch bestimmte Bevölkerungsgruppen mit sich bringt, zu beseitigen, mißt dem Wort Zauberkräfte zu. Das ist Voodoo-Wahn. Worte haben keine esoterischen Wirkmächtigkeiten, Worte sind Worte, sonst nichts. Durch die Streichung des Wortes „Rasse“ wird es keinen einzigen Rassisten weniger geben. Das gilt ebenso wie für ein Wort wie „Neger“ – wenn der Rassist keinen Neger mehr hassen darf, dann haßt er eben Schwarze, wenn er die auch nicht mehr hassen darf, haßt er eben „people of colour“. Wenn der Gebrauch des Wortes „Neger“ ein Beweis für Rassismus wäre, dann wäre Martin Luther King der größte Rassist gewesen, hat er doch in seiner berühmten „I have a dream“-Rede ständig von „Negroes“ gesprochen.
Rassismus kann man nicht durch Sprachdiktatur in der Gefolgschaft des „Großen Bruders“ aus George Orwells „1984“ abschaffen. Man muß vielmehr schon bei kleinsten Kindern beginnen, sie erfahren zu lassen, daß Menschen, die anders aussehen als sie, genauso gute Spielkameraden sind; man muß in der Schule das Thema aktiv aufgreifen; man muß von Anfang an rassistische Stereotype, die aus den Elternhäusern kommen, aktiv angehen. Und wie wäre es, auf Klassenfahrt statt nach Amsterdam mal nach Arusha zu fahren ? Wie wäre es, schwarze Deutsche (von denen es viel mehr gibt, als Ahnungslose glauben) in die Klassenzimmer einzuladen, damit sie den Schülern von ihren täglichen Erfahrungen berichten ?
Und wann endlich bringt unsere Schule den Kindern und die Medien ihren Lesern bei, daß die Vorfahren aller Menschen schwarze Afrikaner waren ? Wir Weißen sind im Licht der Evolution nur eine genetisch verarmte Randgruppe …

Knut G. Emmert, Frankfurt

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5 Kommentare

  1. Stefan Briem sagt:

    Eine originelle These, Herr Bronski. Rasse als historische Realität. Ich frage mich, ob Sie damit sagen wollen, dass die, die jetzt die Streichung fordern, geschichtsvergessen sind.
    Ich bin jedenfalls Ihrer Meinung, dass die Streichung nicht dafür sorgen wird, dass es weniger Rassisten gibt. Aber sie wäre doch wohl ein Signal gegen Rassismus. Dann müsste man abwägen, was wichtiger wäre: dass sich ein historischer Lernprozess in der Verfassung niedergeschlagen hat, der Konsequenzen aus der Geschichte zieht, oder dass wir ein Zeichen gegen den zurzeit grassierenden Rassismus setzen. Das ist keine unwichtige Debatte.

  2. Juliane Schätze sagt:

    Menschliche Rassen gibt es nicht. Somit enthält das Grundgesetz einen Begriff, der nachweislich falsch ist. Er sollte gestrichen werden. Rassismus gibt es dennoch. Er hat seine Wurzeln in den irrigen Rassetheorien, die zur Rechtfertigung von Herrschaftsverhältnissen, Diskriminierung und Völkermord führten und führen. Der falsche Begriff „Rasse“ solte deshalb durch eine Formulierung ersetzt werden, die die rassistische Diskriminierung und ihre Folgen ächtet.

  3. Susanne Alpers sagt:

    Derzeit wird viel diskutiert, ob der belastete Begriff der Rasse aus dem Artikel 3 des GG gestrichen werden soll. Im akademischen Kontext wird viel debattiert, ob Ethnie, POC (people of color) oder was auch immer besser passen würde.
    Fest steht: es gibt Menschen unterschiedlicher Hautfarben, die sehr unterschiedliche Erfahrungen in einer von Rassismus bestimmten Gesellschaft machen. Je dunkler die Hautfarbe eines Menschen desto abweisender, verachtender oder aggressiver kann die Resonanz durch andere Menschen ausfallen, die leichter Sonnenbrand bekommen. Das erlebe ich laufend in meinem wechselvollen Alltag mit Menschen vieler Herkünfte.
    Für diejenigen Menschen mit viel Melanin und ohne Uniabschluss bringt die aufgeregte Suche nach dem politisch korrektesten Begriff wenig. Sie treten auf die Strasse und sind den Blicken und Worten der Anderen ausgesetzt. Je dunkler ihre Hautfarbe desto blöder die Kommentare. Ein Kopftuch kann eine Frau ablegen, wenn sie sich den Anfeindungen nicht mehr gewachsen sieht (was übrigens heiß diskuttiert wird in den muslimischen Communities). Die Hautfarbe kann keine/r ablegen, die bleibt.
    Was mich an der ganzen abgehobenen Debatte irritiert, ist der Umstand, dass der Begriff der Hautfarbe keine Erwähnung findet. Es macht in der Tat Sinn, das Wort Rasse als eine von vielen menschlichen Verirrungen zu beerdigen. Aber Hautfarbe ist Fakt, da kommt keine/r raus. Da ist Schutz gefragt und keine umständlichen Schwurbeleien wie „von Rassismus Betroffene*innen“ oder ähnliches.
    Deshalb: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Hautfarbe, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
    Wir sind Menschen unter Menschen. Basta!

  4. Otfried Schrot sagt:

    Kurt Tucholsky hat gesagt: „Satire darf alles!“ Damals gab es in unseren Landen noch nicht den Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ Die Zeit ist offensichtlich reif für die Erörterung der Frage, wo in unserer Gesellschaft sowohl die Menschenwürde als auch die Satire ihre Grenze hat. Eines steht schon fest: Wer immer den Mund aufmacht, um etwas zu sagen, und wer immer den Stift ansetzt,um etwas zu schreiben, und wer immer die Hand hebt, um etwas zu tun, trägt die persönliche Verantwortung für die Folgen. Er sollte zu dieser Verantwortung stehen, nicht versuchen, sich ihr zu entziehen und auch nicht klagen, wenn die Folgen schmerzlich werden.

  5. Manfred Kirsch sagt:

    Stephan Hebels Kommentar zur Initiative der Grünen, den Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu tilgen, findet voll und ganz meine Unterstützung. Es ist in der Tat unredlich, wie die Strukturkonservativen von der CDU und CSU diese lobenswerte Initiative, die auch die Unterstützung von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht von der SPD findet, madig zu machen versuchen. Längst überholt müsste die Tatsache sein, dass in der besten Verfassung, die wir jemals in Deutschland hatten, immer noch dieser rassistische Begriff enthalten ist. Es ist wirklich die Macht der Begriffe, auf die geachtet werden muss. Das Grundgesetz schützt Minderheiten, egal welcher Herkunft. Und anknüpfend an die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der davon sprach, dass Antirassismus gelebt werden muss, wäre es ein deutliches und positives Signal, wenn der zutiefst diskriminierende Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz entfernt wird. Gerade was den Rassismus nicht zuletzt auch hierzulande betrifft, zeigt sich zwischen Verfassungsanspruch und Verfassungswirklichkeit, wenn es um die Würde des Menschen geht, eine tief klaffende Lücke. Der Begriff „Rasse“ jedenfalls gehört nicht ins Grundgesetz.

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