Gerhard Schröder: Ein Altkanzler ohne Anstand

Über das Verhalten von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder kann man wohl eines mit Sicherheit behaupten: Darüber gehen die Meinungen so gut wie wie gar nicht auseinander. Derselbe Mann, der Deutschland im Schwange von Tony Blairs „New Labour“ eine sozialpolitische Rosskur von historischen Dimensionen verabreicht hat (Stichwort Hartz IV), verdient sich derzeit eine krumme Nase bei Rozneft und bald auch bei Gazprom, ist aber anscheinend nicht fähig, seinem Duzfreund Wladimir Putin die Meinung zu geigen: Du Kriegsverbrecher! Wie geht das für einen Demokraten zusammen?

Viele fragen sich dieser Tage, was in Wladimir Putins Kopf vorgeht. Auch ich frage mich das. Aber was ist mit Gerhard Schröder? Altkanzler, keineswegs unbeteiligt, prägende Figur und nicht eben als maulfaul bekannt. Seine Frau verteidigt ihn, die Angestellten in seinem Büro kündigen derweil und verschwinden (was auch ich an deren Stelle machen würde), und Schröder selbst schweigt. Na hallo! Der Bonzensozi macht auf kleinkariert? Was ist denn in den gefahren?

So weit meine Meinung, jetzt Ihre Zuschriften!fr-debatte

Was Gerhard Schröder jetzt noch tun könnte

Wie kann Schröder noch seine Ehre retten? Erstens: Dem Freund und lupenreinen Demokraten nach dessen Verwandlung zum Kriegstreiber und gewissenlosen Agressor fristlos die Freundschaft kündigen. Zweitens: Als privater Beitrag zu den bitter nötigen Sanktionen sollte er eher heute als gestern seine Position als Chef des Verwaltungsrates von Gazprom und ebenfalls sein Aufsichtsratsmandat bei Rozneft aufgeben. Drittens: .Das vom Steuerzahler mit 407 000 Eur finanzierte Büro mit Verzicht auf einen eventuellen Rechtsanspruch bedingungslos kündigen. Viertens: Als angemessene Wiedergutmachung mindestens die Hälfte der ergatterten Honorarsummen an die spendieren, die jetzt durch die Missetaten seines Freundes in existentielle Not geraten sind. Fünftens: Das Kanzlerruhegehalt von 8700 Euro sollte für einen auskömmlichen Ruhestand so gerade ausreichen.
Wenn er noch einen Funken Anstand besitzt und auf die Vorschläge eingeht, kann er vielleicht aus diesem peinlichen Dilemma gesichtswahrend herauskommen. Auch die ehemaligen Ministerpräsidenten von Italien und Finnland sowie der österreichisch Exkanzler hatten den Anstand, als Aufsichtsräte russischer Unternehmen zurückzutreten.

Ernst Friedrich Krieger, Darmstadt

Raus mit Schröder!

Krieg hat grundsätzlich in Sport und Kultur absolut nichts verloren. Dass Putins Lakaien dann ihre Jobs verlieren, ist nicht mehr als recht und billig. Auch dass der abgewählte SPD-Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder seine engsten Angestellten verloren hat, zeigt deutlich, wer in der deutschen Politik noch Charakter hat. Insofern bleibt es Aufgabe des Haushaltsausschusses und des Bundestages, das weitere finanzielle Alimentieren für den angeblichen „Putin-Versteher“ zu versagen.
In der russischen Millionen-Stadt Nischni Nowgorod wurden Bürger bei einer friedlichen Mahnwache, die zur Beendigung des Ukraine-Krieges aufrief, von Polizei und Bereitschaftspolizei geschlagen und mit Schlagstöcken und Tritten maltretiert und zur Polizeiwache gebracht und in Zellen gesteckt – wie ein Beteiligter berichtet. Es wurden Protokolle erstellt und es mussten unter Nötigung Papiere unterschrieben werden – unter Androhung von Gefängnisstrafen. Als Geldstrafe wurde jeweils ein irrealer Betrag von 100.000,00 Rubel festgelegt. So sieht also Schröders „lupenreiner Demokrat“ in der Praxis aus! Dies dürfte nur ein Fallbeispiel von vielen sein. Wann weist die SPD wegen parteischädigenden Verhaltens endlich Gerhard Schröder die Tür zum Parteiausschluss?

Klaus Jürgen Lewin, Bremen

Die SPD hat genug Schaden durch Schröder erfahren

Gerhard Schröder mag Bundeskanzler gewesen sein, er mag die Verantwortung für ein Programm sozialer Demontage übernommen haben. Aber mit seinem Verhalten hat er einen SPD-Vorsitzenden gestürzt, ich meine Rudolf Scharping, er hat die SPD gespalten und damit tausende Mitglieder aus der Partei vertrieben. Er hat einen zweiten SPD-Vorsitzenden aus der Partei vertrieben, diesmal Oskar Lafontaine. Seine Egomanie ließ er erkennen, als er – wie später Donald Trump – nicht anerkennnen wollte, dass er die Bundestagswahl verloren hatte. Er machte sich lächerlich mit seinen „ungefärbten“ Haaren. Ob er ein guter Skat-Spieler ist, vermag ich nicht zu sagen, der SPD hat er genug geschadet… und das aus persönlichem Profitstreben. Und das passt nicht mehr zur SPD!

Carsten Dietrich Brink, Gauting

Ein Kommentar

  1. Peter Boettel sagt:

    Den Kommentar von Carsten Dietrich Brink kann ich nur voll unterstützen. Schröder hatte 1998 die Wahl gewonnen und sogleich die Wähler mit seinen neoliberalen Ideen vor den Kopf gestoßen, so dass Oskar Lafontaine als Finanzminister und Parteivorsitzender diesen Kurs nicht mehr mittragen konnte.

    Bei der Wahl 1992 gewann er nur deshalb knapp, weil die Wähler Stoiber verhindern wollten; und weil schröder seinen neoliberalen Kurs fortsetzte, verlor er 2005 und wollte es nicht eingestehen.

    Wenn er ernsthaft versucht hätte, Putin zu einem Rückzug zu bewgen, hätt er dies mit Sicherheit öffentlich gemacht. Es ist lediglich folgende Botschaft von ihm bekannt: „Der Krieg und das damit verbundene Leid für die Menschen in der Ukraine muss schnellstmöglich beendet werden.“

    Dies ist doch zu allgemein, vielmehr hätte er in klaren Worten seinen Freund Putin bereits im Vorfeld von einem Angriff auf die Ukraine abhalten müssen. Vielleicht hätte er sich auch als Vermittler anbieten können, um den Krieg zu verhindern?

    Und dass er an seinen Posten bei den Gasfirmen festhält, müsste er zumindest plausibel erklären. Ich könnte mir allenfalls vorstellen, dass er einen Lieferstopp von Gas damit verhindern will, aber auch einen solchen Grund könnte er deutlich machen. Dann sollte er wenigstens seine üppigen Bezüge für die Flüchtlinge spenden.

    Gerade seine Haltung als Bundeskanzler im Irak-Krieg sollte ihn doch daran erinnern, dass er sich gegen Kriege auch positiv verhalten kann. Aber er scheint zu feige und raffgierig geworden zu sein, und damit schadet er seiner Partei.