Theater und Opernhäuser gehören in die Zentren der Städte

Die Stadt Frankfurt ringt um eine Lösung für ihr weltberühmtes Opernhaus, das zurzeit in baulicher Einheit mit dem Frankfurter Schauspielhaus am Willy-Brandt-Platz im Zentrum der Stadt angesiedelt ist. Die Frage, ob saniert oder neu gebaut werden sol, ist jetzt entschieden: Neubau! Aber wo? Es war ein langer, konfliktreicher Entscheidungsprozess. Es ist gut, dass er nun zu Ende ist und dass die Frankfurter endlich nach vorn sehen können. Die Sache wird teuer, von mindestens 800 Millionen Euro ist die Rede. Am Ende werden es vermutlich viel mehr werden, wie meistens bei solchen öffentlichen Projekten. Dennoch tut die Stadt Frankfurt gut daran, dieses Geld auszugeben, denn die vielfach ausgezeichnete Oper ist ein Leuchtturm für Frankfurt, der weit ausstrahlt, und braucht ein angemessenes Zuhause. Dafür tritt Kulturdezernentin Ina Hartwig entschlossen ein.

Doch der nächste Konflikt ist bereits erkennbar: die Debatte darüber, an welchem Ort in der Stadt das neue Haus gebaut werden soll. Der Opernplatz ist im Gespräch, wo gegenüber der heutigen Alten Oper wohl Platz zu schaffen wäre. Die CDU schlägt ein Grundstück am Frankfurter Osthafen vor, das allerdings derzeit noch verpachtet ist und wo es bisher keinerlei Infrastruktur wie etwa U- oder S-Bahn-Anschluss gibt. Diese Infrastruktur müsste erst geschaffen werden. Der Opernplatz punktet in dieser Hinsicht. Und auch ein Neubau an Ort und Stelle des jetzigen Baues ist denkbar, mit allen Vorteilen, die diese Lage im Herzen der Stadt mit sich bringt.

Hier kommt eine aktuelle Zusammenfassung des Stands der Dinge. Hier im FR-Blog wurde dieses Thema bereits im April 2019 und im Dezember 2018 eröffnet

Balken 4Technisch veraltet und unansehnlich

Seit einigen Tagen lese ich in der FR viel zum Thema Schauspielhaus/Theaterdoppelanlage in Frankfurt, was sehr erfreulich ist. Endlich hat man mal wieder das Gefühl, dass das wichtige Thema die verdiente Beachtung erfährt.
Die Theaterdoppelanlage ist nicht nur technisch veraltet sondern auch äußerlich unansehnlich. Die immer wieder genannten Kosten von 800 Millionen um diese zu erhalten wären wirklich rausgeworfenes Geld. Zumal es bei 800 Millionen sicher nicht bleiben würde.
Unter den vielen Vorschlägen an welchen Standorten und in welchem Gewand sich Theater und Oper künftig präsentieren wollen, finde ich bisher leider nichts wirklich mitreißendes. Im Gegenteil: Im Geschwurbel vom „Bilbao“ Effekt u.ä. sehe ich schon jetzt die Dollarzeichen in den Augen der internationalen Architetur-Nomenklatura und habe die Befürchtung es geht volle Kraft voraus auf das nächste finanzielle Abenteuer auf nach oben offenen Kostenskala.
Am Ende droht ein abgehobener Glas und Stahlkoloss den keiner wirklich mag und dem 30 Jahre später die Abrissbirne droht.
Leider erfährt man in keinem der betreffenden Artikel der FR mehr etwas vom Engagement und den Ideen der bürgerlichen Initiative www.frankfurterschauspielhaus.de , die schon vor längerer Zeit ein Modell mit der Wiederherstellung des durch die Theaterdoppelanlage umbauten alten Frankfurter Schauspielhauses vorgestellt hat. In der Tat ist das alte Schauspielhaus ja nicht abgerissen worden, es ist noch da. Selbst Teile der Jungendstilverzierungen sind noch hinter Blech und Glas erhalten.
Die Initiative hatte seinerzeit sogar eine Kostenschätzung und einen Alternativstandort für die Oper vorgelegt.
Ich könnte mir vorstellen, dass die einladende Fassade eines rekonstruiertes Schauspiehauses auch in 25 Jahren und weit darüber noch die Bürger und Theatergänger erfreuen würde.

Bertram Hock, Oberursel

fr-debatteDieser Ort gehört den Bürgern der Stadt

Theater und Opernhäuser gehören in die Mitte der Städte. Sie sind nicht nur Orte der Unterhaltung und Erbauung, sondern vor allem Orte des gesellschaftlichen Diskurses. Das wussten schon die alten Griechen und andere Kulturen. Es macht fassungslos, einen optimalen Standort, sowohl für das Publikum (das auch aus dem Umland kommt) als auch für die Mitarbeiter (von denen viele geteilten Dienst haben und spät nach Hause müssen und morgens wieder hin) an Investoren verscherbeln zu wollen. Dieser Ort gehört den Bürgern der Stadt, und so muss es auch bleiben. Und was ist mit der Klimaproblematik? Wir brauchen die Luftzufuhr vom Main, vor allem in diesen Hitzesommern. Es fragt sich allerdings, ob eine Spartentrennung und separates Werkstattgebäude langfristig kostengünstiger wäre. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als das Schauspiel in der Börse untergebracht war und täglich mit LKWs Kulissen; Requisiten und Kostüme hin und her transportiert werden mussten. Ökologisch sinnvoll? Übrigens zum Thema Kosten und technischer Aufwand: Ich habe in der Börse großartige Aufführungen gesehen, die mit den dürftigsten technischen Mitteln zustande kamen und mir immer in Erinnerung geblieben sind. Das trifft auch auf die ersten Inszenierungen im Bockenheimer Depot zu. Entscheidend sind und bleiben die Künstler. Ich hoffe sehr auf eine richtige, vernünftige Entscheidung.

Heidrun Ninja Alberti, Frankfurt

fr-debatteAn gleicher Stelle eine neue Doppelanlage bauen

Für die Theater-Oper-Anlage muss nur die Frage nach der besten Lösung gestellt werden. Die optimale Variante ist: die bestehende Anlage abreißen und an gleicher Stelle wieder eine Doppelanlage bauen. Ausweichmöglichkeiten in der Bauphase sind vorhanden. Die Oper könnte in die Jahrhunderthalle-Höchst. Hier gibt es genügend Parkplätze und von beiden Höchster Bahnhöfen könnte ein Buspendelverkehr eingerichtet werden. Auch könnte die Oper mal Gastspiele in Wiesbaden/Darmstadt abhalten. Das Schauspiel und Kammerspiele könnten im Bockenheimer-Depot spielen, Kammerspiele auch mal bei der Volksbühne oder Mozartsaal. Bei professioneller Planung/Ausführung dauert das maximal drei Jahre, in dieser Zeit kann auch ein reduziertes Angebot ausreichen.
Die Ideen der Stadtparteien sind dürftig und kleinbürgerlich. Frankfurt ist flächenmäßig keine Großstadt, da macht es keinen Sinn unnötige Freiflächen zu bebauen. Der schöne Freiplatz vor der Alten Oper muss bleiben, es ist einer der wenigen freien Plätze in der Innenstadt!

Berthold Zehetbauer, Hattersheim

fr-debatteZu den 800 Millionen kommen Kosten hinzu

Die Diskussion über die Frankfurter Bühnen kreist um Standorte und Kosten. Und immer wieder um die Kosten.Letztere sind wohl auch ausschlaggebend für die Favorisierung eines Neubaus. Immer wenn Neubau gegen Bauen im Bestand abgewogen wird, scheint der Neubau günstiger. Nicht berücksichtigt werden dabei die Kosten, die nicht dem Bauherrn, sondern der Gesellschaft aufgebürdet werden: Ressourcenverbrauch, graue Energie, Klimaschädigung. Sozusagen nebenher, nämlich neben den tatsächlichen Baukosten, müssen die folgenden Posten mit auf die Rechnung: Energie für
– Abriss, Transport und Lagerung des Bauschutts,
– die Herstellung neuer Baumaterialien, dabei immenser Verbrauch von natürlichen Ressourcen
(Stichwort Sand im Beton statt am Strand und Meeresboden),
– Transport und Verarbeitung der neuen Baumaterialien usw.
Es gibt mittlerweile genügend Stimmen, die aufgrund der niedrigen Umbauraten (1,2 – 1,5%) auf das notwendige Umdenken hinweisen – ein Beispiel sei die „Grazer Deklaration für Klimaschutz im Baubereich“ von der Sustainable Build Environment D-A-CH Conference 2019 (SBE 19) in Graz. Sollten diese Stimmen noch nicht bis Frankfurt gedrungen sein?

Ursula Hirt, Marburg

fr-debatteNach dem Vorbild des Centre Pompidou

Der Vorschlag, einen Neubau für Theater und Oper gegenüber der Alten Oper zu errichten, überzeugt mich. Der Opernplatz ist ein wunderbares Entree und leicht erreichbar, Interimsspielstätten könnte man sich sparen. Der Altbau könnte als „Museum des 21. Jahrhunderts“ möglicherweise die Dependancen des Museums für Moderne Kunst im Hochhaus und im Alten Zollamt übernehmen und dem Museum der Weltkulturen Raum für zeitgenössische Ausstellungen von Weltkunst geben. Weitere Nutzungen nach dem Vorbild des Pariser Centre Pompidou sind vorstellbar einschließlich eines Premierenkinos und Restaurants auf einem begrünten Dach ….

Gerd Wild, Frankfurt

fr-debatteEin Dokument der Nachkriegsgeschichte

Wieder einmal haben sich in dieser Stadt kommerzielle Interessen über Kultur und Tradition hinweggesetzt, Die Theaterdoppelanlage kann und soll nicht nur nach dem Prinzip „Was ist billiger, Abriss oder Neubau?“ bewertet werden. Es geht hier auch um zwei sehr verdienstvolle Bühnen, die ein kulturelles Zentrum bilden, das durchaus erhaltenswert ist. Die Architektur ist ein Dokument der Nachkriegsgeschichte, das nicht abgerissen und damit aus der öffentlichen Erinnerung entfernt werden sollte! Dann baut man sich halt für sehr viel Geld eine Disney-Altstadt, für zahlungskräftige Asiaten?
Nach dem Brand 1987 wurde eine Drehbühne fürs Opernhaus gebaut, die spektakuläre Inszenierungen ermöglicht hat. Nicht ohne Grund wurde die Frankfurter Opert immer wieder als ‚Opernhaus des Jahres‘ prämiert.Und wohin jetzt damit?
Nun zur Frage des Standortes. Ein Neubau auf dem Gelände des Osthafens ist eine völlig indiskutable Möglichkeit:zu weit weg vom Schuß, miserable Verkehrsanbindung! Hier wird eine andere Interessenlage deutlich, denn das Grundstück Willy-Brand-Platz könnte für viel Geld an Investoren ‚vertscherbelt’werden und uns eine weitere Hochhaus-und Kommerzmeile bescheren. Dies scheint vor allem für CDU nahe Kreise eine attraktive Möglichkeit zu sein, Kultur und Tradition – nicht so wichtig, wenn hohe Summen im Spiel sind.
Ich sehe die Zukunft der Städtischen Bühnen mit großer Sorge und wachsendem Ärger über die Verantwortlichen dieser Stadt.

Veronika Lieber, Frankfurt

fr-debatteWarum nicht auf  Goethepletz und Roßmarkt?

Vielleicht sollte man die neue Theater- Doppelanlage auf dem Goetheplatz und dem Roßmarkt bauen – rund um Kolonnaden, auch als Hitzeschutz, schöner als heute würden die Plätze allemal werden. Verkehrsgünstig liegen die Plätze auch, Wallanlagen werden nicht angerührt – Herz was willst Du mehr.

Erwin Pinschmidt, Kronberg

fr-debatteSetzt gesunden Menschenverstand ein!

Die Bühnen der Städtischen Bühnen GmbH reflektieren vielseitiges kulturelles Angebot an zentraler Stelle. Es ist ohnehin politisch skandalös, dass es zu dem Verfall baulicher Substanz an dieser Stätte kommen konnte, ist es doch weithin bekannt, dass nichts auf dieser Erde für die Unendlichkeit geschaffen ist. Es ist eigentlich überall so und kommt auf eines heraus: Politisches Unvermögen (anders ist es nicht mehr zu formulieren).
Weder eine Renovierung, noch ein Neubau wird für die Städtischen Bühnen insgesamt unter einer Milliarde Euro letztlich zu haben sein, zu welchen „geschminkten“ oder ungeschminkten Kostenansätzen Prognosen auch heute führen.
Da in den Sechzigern die ehrwürdige Fassade des damaligen Schauspielhauses ohnehin „integriert“ wurde, besteht wohl kaum eine große Motivation am Festhalten in alten Mauern. Folge: Neubau. Doch wenn Neubau, dann in jedem Fall in bekannter zentraler Lage und nicht abseits irgendwo im Osthofen. Bedauerlicherweise findet das Osthafen-Projekt bei den Konservativen großen Zuspruch, obwohl dort die gesamte Infrastruktur neu geschaffen werden muss. Zugleich wird wohl auf das „gewinnbringende“ Grundstück der derzeitigen Theaterdoppelanlage gepeilt, zumindest steht es logischerweise an.
Logisch erscheint der Vorschlag der amtierenden Kulturdezernentin, gegenüber der Alten Oper die Oper neu aufzubauen, Wenn etwas vom Kernproblem ablenkt, dann der Vorschlag des Dezernenten für Bauen und Immobilien. Denn wenn noch weiter parteiideologisch herumdiskutiert anstatt gehandelt wird, können bald die aktuellen Bühnenstätten nicht mehr funktionsfähig fortbestehen.
Ich hoffe nur, dass die Verantwortlichen eine sinngemäße Erleuchtung des Erzengels Aloisius erhalten, Theater an zentraler Stelle zu belassen, die von Bürgern auch bequem zu erreichen sind und nicht an Stellen weitab innerstädtischen Lebens neuansiedeln. Mein Aufruf an die politisch Verantwortlichen: Wendet gesunden Menschenverstand an!

Stefan Otto, Rodgau

fr-debatteDie Wallanlagen sind ein seltener Schatz

Die Frankfurter Verantwortlichen erwiesen vor rund 200 Jahren große Weitsicht, als sie nach dem Abriß der überflüssig gewordenen Stadtbefestigung das freiwerdende Gelände zur Grünanlage umbauten und mit dem Wallservitut dauerhaft vor Bebauung zu schützen versuchten.
Wenn jetzt zum wiederholten Male geplant wird, Teilflächen davon zur Bebauung zu missbrauchen, dann sollte ein Blick in die Vergangenheit erlaubt sein. Der Planungsdezernent erklärt, ein Eingriff in die Wallanlagen sei „nicht sensibel“. Falsch, mein lieber Genosse Mike Josef – jedes Wegnehmen von Grün in den Wallanlagen ist hochsensibel und unumkehrbar.
Ich erinnere an den Bau des Stadtbads Mitte 1960. Der Eingriff ins Wallservitut wurde damit begründet, daß es ja schließlich um eine öffentliche, dem Allgemeinwohl dienende Sport- und Erholungseinrichtung ginge. Schön, aber gut 30 Jahre später wurde das Bad an eine private Hotelkette verkauft und deutlich verkleinert, zugunsten der Hotelanlage. Womit sich das ursprüngliche Argument mit dem Allgemeinwohl in Luft
auflöste. Und so wird es letzlich mit weiteren Eingriffen in die Wallanlagen gehen – es ist noch nie ein Teil zurück zu Grün umgewandelt worden. Die Stadt sollte diesen seltenen Schatz an Erholungsfläche schützen statt ihn weiter zu reduzieren.

Manfred Stibaner, Dreieich

fr-debatteWie das Geld besser angelegt wäre

Ich finde das schon schlimm: 800 Millionen für Neubau oder Sanierung, wobei das ja meist viel niedriger angesetzt wird als es dann später doch viel mehr kostet, siehe Elbphilharmonie. Und noch viel schlimmer ist doch die Tatsache, dass mehr als 10 000 Menschen dringend eine Wohnung suchen und nur 156 Wohnungen die letzten Jahre fertiggestellt wurde. Da wäre das Geld besser angelegt.

Erik Schniering, Oppenheim

12 Kommentare

  1. Die Würfel sind gefallen und das Ergebnis kann jemanden wie mich, der wegen der Aufführungen ins Theater geht, nicht zufriedenstellen. Denn die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat votierten für einen Neubau von Schauspielhaus und Oper. Allerdings ist deren künftiger Standort noch umstritten. Während sich SPD und Grüne für den Verbleib mindestens einer Einheit am Willy-Brandt-Platz aussprechen, favorisiert die CDU ein Gelände im Osthafen, das allerdings noch auf viele Jahre an einen Baustoffhandel verpachtet ist. Und das über keinen Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr verfügt.
    Die Liegenschaft im Zentrum hingegen soll an Investoren verkauft werden. Wo sich solche üblicherweise ihr Geld beschaffen, lässt sich anhand vieler Mammutprojekte in Großstädten, auch in Frankfurt, nachprüfen. Es stammt nicht selten von Oligarchen aus Osteuropa sowie Scheichs aus Arabien, welche die jeweilige Bevölkerung ausbeuten und ihr Kapital im Westen gewinnbringend investieren. Auch das „gewaschene“ Geld aus Steuerbetrug, Waffenhandel, Rauschgiftgeschäften und Prostitution fließt nach Einschätzung der Strafverfolgungsbehörden regelmäßig in Luxusimmobilien.

    Basis der getroffenen Entscheidung ist das Gutachten der „Stabsstelle zur Zukunft der Bühnen“. Die „Frankfurter Rundschau“ attestierte dem Leiter der Stabsstelle, dass er „bereits das Megaprojekt der neuen Altstadt zum Erfolg geführt“ habe. Dieses Kompliment kann man auch als zynische Satire verstehen. Glänzt Frankfurts Disneyland doch seit der Eröffnung durch sichtbar gewordene peinliche Bauplanungssünden. Beispielsweise durch fehlende Toilettenanlagen, was die zahlreichen Touristen erheblich verärgert. Die Betreiber der engen Cafés und Restaurants dürfen keine Außenbestuhlung anbieten, weil dadurch Feuerwehrzufahrten versperrt würden. Das wurde ihnen erst durch die Feuerwehr mitgeteilt, nicht aber vorab vom Bauherrn, der Stadt Frankfurt. Und bei der Verlosung der subventionierten Eigentumswohnungen hatten einige Prominente doppeltes Losglück. Kurzum: Die neue Altstadt ist das gemeinsame Produkt von Inkompetenz und Vetternwirtschaft. Und den projektierten Neubauten für Schauspiel und Oper droht vermutlich Ähnliches. Denn wiederum geht es ganz offensichtlich um die Errichtung von Kulissen für den äußeren Schein und die Veräußerung öffentlichen Eigentums an Spekulanten.
    Der CDU-Sprecher Thomas Dürbeck wünschte sich bereits im Sommer 2017 die künftige Theateranlage als repräsentativen Komplex – am Stadtrand. Der ehemalige Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) bekannte offen seinen Hang zur Gigantomanie: Die Investition von 800 Millionen Euro in einen künftigen Theaterbau müsse man diesem auch von außen ansehen können.

    Doch wer in solchen Kategorien denkt, offenbart seine Kulturferne und schämt sich noch nicht einmal dafür. Zu den Angeboten auf den Bühnen hingegen – also der eigentlichen Sache – fällt nach wie vor kaum ein Wort. Von den federführenden Vertretern der rot-schwarz-grünen Stadtregierung ist in diesem Punkt erfahrungsgemäß auch nichts zu erwarten. Selbst die Linke spricht sich für einen Neubau aus, wenn auch an alter Stelle. Es scheint so, dass die Kultur parteiübergreifend einen extrem geringen Stellenwert auf der politischen Agenda besitzt.

    Ein Pflichtenbuch zur Entwicklung des Projekts, das nicht nur bei öffentlichen Aufträgen üblich ist, wurde anscheinend weder von den Stadtverordneten noch vom Magistrat oder dem zuständigen Dezernat erstellt. Darin hätten die unaufgebbaren Rahmenbedingungen stehen müssen: Dass sich der Standort der Bühnen am Willy-Brandt-Platz allein wegen seiner zentralen Lage und der guten Verkehrsanbindung (sechs U-Bahnlinien, zwei Tramlinien) bewährt habe und deswegen daran festgehalten werden müsse. Und dass das äußere, sehr funktionale Erscheinungsbild den Neuanfang in den 1950er Jahren symbolisiere, folglich einen kulturhistorischen Wert besitze und darum zu erhalten sei. Ebenso hätte der finanzielle Rahmen klar benannt sein und in einem gesunden Verhältnis zu anderen kulturellen und sozialen Investitionen stehen müssen. Kenner der Verhältnisse setzen die absolute Obergrenze bei 500 Millionen Euro an. Stattdessen wird eine Alternative zwischen Pest und Cholera präsentiert – oder (um es in der typischen Sprache des Gegenwartstheaters drastisch auszudrücken) zwischen kalter und aufgewärmter Scheiße.

    Außerdem: Das Votum für einen Neubau der Bühnen passt nicht in eine Zeit, in welcher der vernünftige Umgang mit Ressourcen und folglich die Prinzipien der Nachhaltigkeit größte Priorität genießen müssten. Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz erfüllt ihren Zweck, sie muss jedoch umfangreich saniert werden. Der Sanierungsumfang ist deswegen besonders groß, weil man es vor 30 bis 35 Jahren – also drei Jahrzehnte nach ihrer Fertigstellung – versäumte, notwendige Reparaturen durchzuführen. Dennoch dürfen die Fehler von gestern keine Rechtfertigung sein für eine Planung, die den Ausverkauf von Kultur an Banausen und Geldwäscher bedeuten würde.

  2. Jürgen Bußmann sagt:

    Mit großem Interesse verfolge ich die Entwicklungen und die Diskussion um die Städtischen Bühnen in Frankfurt. Viele gute Ideen und Gedanken kommen in den Leserbriefen zutage. Gleichzeitig gehen meine Gedanken zurück an die Brandkatastrophe vor knapp 30 Jahren, als das Bühnenhaus der Oper ausbrannte. Mit welch grandioser Lösungsorientierung und Kreativität wurden damals in Schnelligkeit Entscheidungen getroffen. Die Oper bespielte danach das Schauspielhaus und wich in die Alte Oper aus (hervorragende Inszenierungen dort, denn neue Spiel- und Umsetzungsideen wurden geschaffen). Plötzlich wurde in kürzester Zeit das Bockenheimer Depot als Spielstätte etabliert. Selbst das damals noch existierende Ballett unter William Forsythe fand seinen Platz.
    Und heute? Eine nicht durchschaubare Gruppe von Leuten wollen einen Neubau außerhalb der Stadtmitte. Wo aber bleibt der Wille diese Kulturinstitutionen von Weltrang in der Stadt zu erhalten? Wo gibt es einen offenen, ehrlichen Ideenwettbewerb, der nach der besten Lösung im Sinne der Kunst und der Kultur sucht – ohne dass gleich jede Idee von anderen zerrissen wird? Es ist beruhigend, dass von den Bürgerinnen offenere und vielfältigere Gedanken und Ideen kommen. Warum muss denn in dieser Stadt alles dem Schein und dem Geld folgen? Wir brauchen keine „Elbphilharmonie“ am Osthafen. In Hamburg ist jener Teil des Hafens dadurch nicht belebter geworden. Die teuren Wohnungen stehen zum Teil leer. Die Büros sind auch abends leer. Und als Attraktion haben wir doch die „Altstadt“. Warum nicht an den städtebaulich misslungenen Rathenau-, Goethe- und Roßmarkt denken. Zumal in dessen Nähe die „neue“ Mitte mit dem „Four Frankfurt“ entsteht.
    Letztlich muss es doch darum gehen, die weltweit anerkannte Qualität unserer Kulturinstitutionen zu erhalten und zu gewährleisten.

  3. Ekkehard Moeser sagt:

    Herr Guntersdorf glaubt nicht, daß das „Publikum in Abendkleidung bei Wind und Wetter diese Straßenbahn (scil. auf der Hanauer Landstraße) nutzt, da diese doch in einiger Entfernung zum Theatergebäude liegen würde“ (es geht um vielleicht 300 Meter). Wenn dieses Argument gegen das Raab-Karcher-Gelände richtig sein sollte , dann gilt dies auch für den Weg von der eigenen Wohnung zur U-Bahn Station. Das muß man mitdenken. Es kämen dann nur wenig Leute per U-Bahn zur Oper. Nach dieser These nämlich nur solche, die weniger als ca 300 Meter von der eigenen Wohnungstür bis zur U-Bahn Station haben. Das Argument, der Theaterplatz habe eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr verliert damit an Bedeutung . Tatsächlich glaube ich, daß die Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs für Opern/Schauspielbesucher überschätzt wird. Viele (so auch wir) wollen halt nach dem Opernerlebnis ihre Eindrücke nicht in der Öffentlichkeit des öffentlichen Nahverkehrs austauschen, sondern lieber im geschützten Raum des Autos und wollen auch nicht nach Ende der Vorstellung um 22.30 Uhr auf U-Bahnen warten und dann auch noch irgendwo umsteigen (und dann erneut warten) müssen.
    Die Oper/das Schauspiel und die Stadt Frankfurt werden sich fragen müssen, welche Besuchergruppen sie für die Oper/Schauspiel gewinnen wollen und was diese Gruppen erwarten. Wir wohnen innerstädtisch und könnten mit einem Fußmarsch von 10 Minuten mit der U-Bahn zur Oper kommen, fahren aber mit dem Auto ( und sparen uns den 10 minütigen Fußmarsch von der Wohnung zur U-Bahn und abends zurück) . So geht es vermutlich vielen Besuchern, denn die Tiefgarage an der Oper ist schon eine Stunde vor Aufführungsbeginn voll (über 300 PKWs).
    Wenn die Oper/Schauspiel und die Stadt Frankfurt das Ziel verfolgen, nicht nur innerstädtische Opern/Schauspielfreunde zu gewinnen, sondern auch solche aus Darmstadt, Offenbach, Hanau, Bad Homburg etc. (übrigens würde dies vielleicht der Landesregierung auch einen Zuschuß leichter machen als wenn die Standortsuche für die Oper/Schauspiel in oft kritisierter Frankfurter Nabelschau nur an innerstädtischen Parametern definiert wird), dann verliert der Hinweis auf die Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs weiter an Bedeutung. Aus dieser näheren Umgebung, die für Arbeitnehmer kein Problem ist, sollten sich auch Opern/Schauspielfreunde gewinnen lassen. Das erfordert genügend Parkraum und eine günstige Verkehrslage (der Hinweis von Herrn Guntersdorf auf den Kaiserlei in dem FR- Gespräch ist eine jedenfalls nicht diskussionsgerechte Bemerkung, um gemäßigt zu formulieren).
    Akzeptiert man, daß der wirtschaftliche Erfolg der Oper/Schauspiel auch von Parkraum, den die Besucher sich wünschen, abhängig ist, dann fragt es sich, ob man diesen Verkehr zur Hauptverkehrszeit zwischen 18 und 19 Uhr in die Innenstadt holen soll. Derzeit (nach Sperrung des nördlichen Mainufers) ist der Weg ins Theater-Parkhaus von Süden oder Osten kommend übrigens verkehrspolitisch grotesk – man probiere dies einmal selbst aus. Eine Entlastung der Innenstadt von weiterem Autoverkehr sieht jedenfalls anders aus als eine Planung der Bühnen in der eh schon überlasteten Innenstadt.
    Will man gar die Bühnen für Opern/Schauspielfreunde aus ganz Deutschland interessant machen und für diese Besucher Wochenendreisen mit Opern/Schauspielbesuch attraktiv machen, dann tut es der Theaterplatz sicher nicht, denn dort ist nur der Frankfurter Hof, der das Budget vieler Wochenendbesucher übersteigen dürfte (und jetzt noch das Hotel One). Das sieht im Frankfurter Osten ganz anders aus !
    Der Theaterplatz war einmal Zentrum der Stadt. Nach der Hochhausbebauung der Taunusanlage, der Mainzer Straße und des ehemaligen Degussageländes ist er dies nicht mehr. Er liegt jetzt mitten im Bankenviertel. Wäre es nicht an der Zeit, die Oper/das Schauspiel (möglichst mit dem phantastischen Himmel des Foyers !) in ein „urbaneres“ (sic !) und vom Mainufer nicht abgerigeltes Viertel zu verlegen, die geschützten Wallanlagen uneingeschränkt zu respektieren, sich nach den Bedürfnissen vieler innerstädtischer, vor allem aber auch von Besucher aus dem Speckgürtel Frankfurts zu richten und auch die notwendige Verkehrsentlastung der Innenstadt mit zu bedenken?
    Ekkehard Moeser, Frankfurt

  4. Ingrid Reuter sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr.Moeser,
    zu Ihrer Meinung, dass die Anbindung eines Opernneubaus der Oper an den öffentlichen Nahverkehr nur zweitrangig sei, möchte ich folgendes anmerken.
    Es ist sehr wohl ein Unterschied, ob man sich nach dem Warten an einer zugigen Haltestelle in eine Tram quetschen muss, um dann an der Konstablerwache zumeist umzusteigen bzw. zum Erreichen der U-Bahn mindestens 500 m gehen und dabei noch Gleisanlagen überqueren muss o d e r ob man nach wenigen (überdachten)Metern die U-Bahnhaltestelle Willy-Brandt-Platz erreicht, von der aus 6(!) verschiedene Linien die Grundstrecken der Frankfurter U-Bahn bedienen. Zudem ist der Fahrpreis für das gesamte RMV-Gebiet im Ticketpreis bereits inkludiert.
    Wenn Sie stets mit dem Auto fahren, ahnen Sie vielleicht nicht, wieviele Leute/Pendler aus dem Umland bis in die Marburger Gegend regelmäßig die Oper Frankfurt mit öffentlichen Verkehrsmitteln besuchen und froh darüber sind, dass die Anbindung zum Hauptbahnhof so kurz ist und sie noch vor Mitternacht heimkommen. Es sind auch diese Besucher, die oft 3mal pro Woche die Oper besuchen und nicht nur mal am Wochenende.
    Es ist schade, dass Sie sich über den Opernbesuch offenbar nur mir Ihrer Gattin austauschen wollen. Wenn Sie es als Zumutung empfinden, 3-4 Stationen mit der U-Bahn zu fahren, obwohl Sie innerstädtisch wohnen und auch in der Lage wären, einen kleinen Fußmarsch zu bewältigen, ist das vielleicht auch eine Generationenfrage und Sie fühlen sich generell unwohl, (abends) den ÖPNV zu nutzen. Ich bin bald selbst im Seniorenalter und fahre ca.20 Minuten ohne Umsteigen mit der U-Bahn regelmäßig zu den Städtischen Bühnen und bin sehr dankbar über die sehr gute Anbindung.
    Es stimmt zwar, dass das Hotelangebot im Ostend umfangreicher ist, aber ich wäre sehr vorsichtig, bei den Besuchern zu stark auf Touristen zu setzen (von wegen Bilbaoeffekt!).
    Die Frankfurter Oper lebt von den regelmäßigen Besuchern, von denen viele eine Aufführung mehrfach hintereinander besuchen (auch donnerstags)oder die dienstags die Liederabende besuchen.
    Viele der derzeitigen Besucher sind immer noch mindestens 15-20 Jahre älter als ich und sind vielleicht bald nicht mehr in der Lage, einen Opernbesuch zu unternehmen.
    Die Oper blickt aber in die Zukunft und hat bereits jetzt schon viele Sonderveranstaltungen für Kinder und jüngere Erwachsene im Programm. Wenn man dauerhaft auch jüngere Besucher an die Oper binden will, die oftmals vorzugsweise in Bornheim oder im Nordend wohnen, ist ein zentraler Standort mit U-Bahnanbindung von Vorteil,viele von ihnen verzichten nämlich inzwischen auf ein eigenes Auto. Auch sollte man endlich mal die Mitarbeiter der Städtischen Bühnen erwähnen, die sicher froh sind, zwischen den Proben mal schnell für 3 Stunden heimzufahren.
    Aber seien Sie unbesorgt, sollte man sich für einen Standort auf dem Raab-Karcher-Gelände durchringen, wird man auch ein großes Parkhaus
    bauen und das sicherlich schneller als z.B. eine neue Buslinie ab Oper bis ins Zentrum einzuführen.

  5. Klaus Philipp Mertens sagt:

    Die Auseinandersetzungen um die Zukunft der Frankfurter Bühnen sind mittlerweile bühnenreif. Zumindest dann, wenn sie von den Vertretern jener Gruppen und Parteien geführt werden, denen die jahrzehntelange Vernachlässigung der Gebäude anzulasten ist. Man kann es nur als Vandalismus bezeichnen, dass eine Anlage, die 1951 (Oper) und 1962 (Schauspiel) auf den erhaltenen Fundamenten des im Krieg zerstörten Schauspielhauses errichtet wurde, dem Verfall preisgegeben war. Jetzt, wo die Spuren der Verwahrlosung unübersehbar sind, legt man die Lösung der aufgelaufenen Probleme in die Hände von Parteikarrieristen, Architekten und Bauunternehmern. Damit ist garantiert, dass das Frankfurter Theater zwischen Eitelkeit und Immobilienspekulation zerrieben wird. Über Nachhaltigkeitserwägungen ist nichts bekannt geworden; die Kulturdezernentin hält eine Sanierung für unwirtschaftlich, nennt aber keine signifikanten Details. Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hat sich die Unterschiede zwischen bewahrender Reparatur und Neubau nicht im Detail erläutern lassen; mutmaßlich, weil es sie im Grunde nicht interessiert – so wenig wie in den 60 Jahren zuvor. Sie fühlt sich aber offenbar dazu in der Lage, in Kürze auf der Basis von Nichtwissen die Ausgabe von 900 Millionen Euro zu genehmigen.
    Typisch für diese Scheindebatte ist, dass es nirgendwo tatsächlich um Kultur geht. Also von dem, was auf der Bühne zur Sprache kommen sollte und wie man es endlich schaffen könnte, diese Angebote in der breiten Bevölkerung zu verankern. Die Auswertung der Geschäftszahlen legt in diesen entscheidenden Punkten nämlich Handlungsbedarf nahe. Aber wer von denen, die im Wolkenkuckucksheim von Palästen und Renditen träumen, liest schon das „Statistische Jahrbuch 2018“ der Stadt Frankfurt? Allenfalls verdrängt man dessen Wahrheiten.
    Der Vergleich der Spielzeiten 2016/17 und 2017/18 weist bei der Oper ein Minus von 18.953 bei den ausgegebenen Karten aus; nämlich 215.953 zu 197.000. Auch beim Schauspiel stehen den 182.974 Karten des erfassten Vorjahreszeitraums 163.019 im letzten gegenüber. Für 2018/19 liegen noch keine Zahlen vor. Das deutet auf ein Akzeptanzproblem hin, das mutmaßlich nicht auf den baulichen Zustand der Spielstätten zurückzuführen ist. Doch selbst dann, falls diese Zahlen lediglich durchaus übliche Schwankungen belegen sollten, lassen sich aus ihnen Rückschlüsse auf die tatsächlichen Besucher ziehen.
    So stellen die von Oper und Schauspiel im letzten Berichtszeitraum ausgegebenen 360.019 Karten keine einzelnen Personen dar. Die Analyse des immer größerer gewordenen Kundenkreises aus Abonnenten und Schauspiel-Card-/Opern-Card-Inhabern berechtigt zu folgender Modellrechnung: Mindestens zwei Drittel der Eintrittskarten entfallen auf diese Besucher. Es ist darüber hinaus davon auszugehen, dass sie mindestens fünfzehnmal pro Spielzeit ins Theater gehen. Und beim verbleibenden Drittel ist eine durchschnittliche Untergrenze von 5 Besuchen anzusetzen. Diese, auch auf persönlichen Stichproben basierende, Durchschnittsrechnung ergibt ca. 40.000 Personen pro Spielzeit. Das sind ca. 5 Prozent der Frankfurter Bevölkerung. An dieser Zahl hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre wenig geändert. Daraus ist zu schließen, dass es den politisch und fachlich Verantwortlichen nicht gelungen ist, Oper und Schauspiel für weite Teile der Bevölkerung attraktiv zu machen.
    Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Nominell werden die veranschlagten 900 Millionen Euro Baukosten einer Minderheit zu Gute kommen, die aber streng genommen gar nichts davon hat. Vorausgesetzt, sie besucht die Spielstätten nicht ausschließlich in der Absicht, sich im Foyer sehen zu lassen. Dem Spielbetrieb hingegen könnten wegen der gigantischen Investitionen in Äußerlichkeiten auf mehrere Jahre Finanzmittel entzogen werden.
    Theaterkunst entfaltet sich allein auf der Bühne, das Drumherum ist eigentlich Nebensache, muss aber, auf das Notwendige reduziert, vorhanden sein und gepflegt werden. An solcher Einsicht mangelt es Frankfurt seit den 1950er Jahren. Deswegen ist es ein Schmierentheater, was gegenwärtig in Sachen „Städtische Bühnen“ geboten wird.

  6. Rolfrüdiger Traub sagt:

    Standort Nähe Ostbahnhof/Mayfahrt/Lindleystr.: Großes Gelände; Wohnbebauung auf gegenüberliegender Straßenseite; anschließend nach Raab-Karcher diverse Industriebauten. Neue Stadtmitte? Erreichbarkeit. Vom Ostbahnhof zu Fuß in ca. 10 Min., abhängig von der Ausstiegsstelle auf dem Bahnsteig, der Ampelsteuerung auf der Hanauer Landstr. und der persönlichen Fitness. (Wege sind offen.Gelegentlich wetterfeste Kleidung oder Sportdress erforderlich.) Takt der Regionalbahn:2x pro Std. in jede Richtung. U6 Takt meist 10 Min;Fußweg ähnlich wie vorher. Bus 32 ; Fußweg ähnlich. Strb. Linie 11; nur ein Wagenzug (mehr geht nicht) und meist schon rel. gut besetzt. Fußweg 3-4 Min. Einsatz von Wasserbussen ???(Wie in Kopenhagen).
    Willy-Brandtplatz: 7 U-Bahnlinien in verschiedene Richtungen; 2 Straßenbahnlinien; Hauptbahnhof nicht weit entfernt.
    Opernplatz ( ev. neuer Standort Oper): 2 U-Bahnlinien, 1 Buslinie ,8 S-Bahnlinien.
    Standorte in anderen Städten: Durchweg Stadtmitte (wie Mainz und Gießen) oder noch zur Stadtmitte gehörend. (Hier z.B.: Wiesbaden; Darmstadt, Kassel, Karlsruhe, Stuttgart, Würzburg, Nürnberg, Leipzig). Hamburg: die Elphi ist ein tolles Bauwerk; die Oper steht in der Nähe des Gänsemarkts .(Dort gab es um 1700 schon einmal eine Oper mit Keiser, Händel, Matheson, Telemann.) Kopenhagen: Die Oper ist eine Stiftung eines Großreeders. Oslo: Die Sentralstatjon ist ca. 160 m. entfernt.
    Was geschieht mit dem Grundstück (nach Abriss der alten Anlage? Zu befürchten ist eine weitere „Amerikanisierung“ (die Städte after Car) der Innenstadt; Turmbebauung mit Büros und teuren Eigentumswohnungen (Nichts für Frankfurter Bürger); -im Sockelgeschoss dann eine kulturelle Alibiveranstaltung.

  7. Gerd Wild sagt:

    Der Vorschlag, einen Neubau für Theater und Oper gegenüber der Alten Oper zu errichten, überzeugt mich. Der Opernplatz ist ein wunderbares Entree und leicht erreichbar, Interimsspielstätten könnte man sich sparen. Der Altbau könnte als „Museum des 21. Jahrhunderts“ möglicherweise die Dependancen des Museums für Moderne Kunst im Hochhaus und im Alten Zollamt übernehmen und dem Museum der Weltkulturen Raum für zeitgenössische Ausstellungen von Weltkunst geben. Weitere Nutzungen nach dem Vorbild des Pariser Centre Pompidou sind vorstellbar einschließlich eines Premierenkinos und Restaurants auf einem begrünten Dach ….

  8. S.W. sagt:

    Seit Langem verfolge ich die Berichterstattung der FR zur Zukunft der Städtischen Bühnen. In Anbetracht der neueren politischen Überlegungen zu alternativen Standorten der beiden Häuser habe ich am Stadtgespräch am 20.Februar teilgenommen, leider jedoch keine Gelegenheit erhalten, meine Gedanken dort vor Ort zu kommunizieren. Ich möchte ein klares Plädoyer für Erhalt und Aufwertung der Wallanlagen formulieren, und ein Veto gegen den Neubau einer der beiden Spielstätten gegenüber der Alten Oper und gegenüber den jetzigen Bühnen an der Stelle der Euro-Skulptur eben zu massiven Lasten dieser historischen Wallanlagen. Es scheint mir symptomatisch, dass Baudezernent Jan Schneider gemeinsam mit Kulturdezernentin Ina Hartwig lieber zur Premiere in der Oper am Osthafen radeln möchte, raus aus der ‚Steinwüste‘ des als einzigartig gepriesenen Bankenviertels, am Mainufer entlang mit Licht und Grün. Eventuell hat auch er schon die Unwirtlichkeit der Neuen Mainzer Straße am eigenen Leib gespürt, schattig, windig bis stürmisch, grau, staubig, laut, beängstigend, jegliche Aufenthaltsqualität vermissen lassend. Daran wird sich auch eher wenig ändern, wenn es gelingen sollte, in Zukunft den Autoverkehr zu reduzieren. Lebendigkeit sucht man als Bürger und Tourist in dieser Gegend vergeblich. Aber gerade der Verbesserung dieser exemplarischen stadträumlichen Situation sollten sich die politischen Vertreter Frankfurts widmen statt die Städtischen Bühnen ins Ostend zu verlagern, weit weg vom Hauptbahnhof als wichtigem Einfallstor zur Stadt, weit weg vom Stadtbild prägenden Zentrum der Stadt. Und gerade weil sich das Zentrum durch immer stärkere Verdichtung und Höchstpreisvermarktung jedes Quadratmeters für Fußgänger (und Radfahrer), denen die Stadt in Zukunft wieder mehr gehören sollte, zur no go- Gegend entwickelt, ist es umso wichtiger, vorhandene unversiegelte, durchgrünte, zudem historisch bedeutsame Grün-Anlagen zu erhalten und zu stärken, als gebotener Flanier- und Aufenthaltsraum (nicht als Eventraum) einer sich immer weiter erhitzenden Stadt. Statt die Wallanlage mit einem Neubau an der Stelle der Euro-Skulptur wie mit einem Pfropfen abrupt und komplett zu blockieren, wäre es eher dringend angesagt, diese Grünanlage hürdenfrei bis zum Main zu führen. Es geht in Zukunft also nicht nur darum, Neubauten der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz und einem weiteren Standort in der Innenstadt zu errichten, sondern die große Chance zur Reparatur von Verkehrssünden zu nutzen. Hierzu gehören unbedingt die Behebung der ‚zerschneidenden‘ Verkehrsführung über die Hofstraße, der unsäglichen Lage von Zu- und Ausfahrt der Theater-Garage sowie der fehlenden Qualität des so wichtigen Stadtraums zwischen Untermainbrücke und Schlucht der Neuen Mainzer Straße. Es ist geradezu eine Schande, dass die Stadt Frankfurt nicht vermag, ihre ‚Asse‘ (Wallanlagen, Mainuferlage) angemessen zu würdigen und mit Stolz aufzuwerten. Abschließend möchte ich meine Enttäuschung über bisher versäumte Chancen für die Erneuerung der Städtischen Bühnen zum Ausdruck bringen, die bereits durch die nicht wahrgenommene Sicherung der für Kulturbauten so wertvollen zentralen Grundstücke u.a. der ehemaligen Degussa sowie der Deutschen Bank (Junghofstraße), und die Kulturdezernentin unterstützen in ihrem vehementen Einsatz für Neubauten in der Innenstadt.

  9. Gerhard Schwartz sagt:

    Hier geht es um die Zukunft der Bühnen im 21. Jahrhundert, aber leider geht man an dieses Thema immer noch mit überkommenen Denkmustern aus dem 19. und 20. Jahrhundert heran. Das ist schade, denn dadurch wird die Zukunft verschlafen und auch sehr viel Geld verschwendet.

    Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass eine Stadt wie Frankfurt natürlich ein respektables kulturelles Angebot haben und möglichst zukunftsgerichtet weiterentwickeln sollte. Trotzdem sind Schauspiel und Oper derzeit leider nur ein „Minderheitenprogramm“ – auch wenn es sich hier natürlich um eine recht einflußreiche Minderheit handelt, haben etwa 90% der Bevölkerung mit solch „hehrer Kultur“ eher weniger am Hut und interessieren sich mehr für andere Themen wie etwa die Eintracht oder die neuesten Serien der Streamingdienste. Hier stellt sich dann natürlich auch die Frage der Kosten/Nutzen-Relation, wenn nach heutiger Schätzung ein knappe Milliarde für die Erneuerung der Bühnen ausgegeben werden soll. Deshalb sollte es hier auch den Anspruch geben zukünftig noch mehr Menschen für Schauspiel und Oper zu begeistern.

    Wenn Frankfurt hier zukunftsweisend vorangehen will, dann muss auch die bisherige Form des Bühnenbetriebs in Frage gestellt werden. Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung – heute braucht man für Bühnenbilder keine riesigen tonnenschweren Holzkulissen mehr, und auch nicht mehr so viel gewaltige Maschinerie wie sie heute in den Bühnen verbaut ist. Moderne Projektionstechnik ist nicht nur platzsparend und billiger sondern kann auch den Zuschauern eine neue und bessere „experience“ bieten.

    Die Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2017 sieht immer noch einen 96 Meter hohen Neubau für Zwecke der konventionellen Bühnentechnik vor, unter konsequenter Nutzung der neuen technischen Möglichkeiten kann hier sicher ein dreistelliger Millionenbetrag eingespart werden.

    Aber kann die Digitalisierung traditionelle Bühnentechnik ablösen und dabei sogar noch verbessern? Das kann man bei der Interimslösung gut erproben – etwa in einer Messehalle, die natürlich wegen der Akustik ein spezielles Innengebäude in Leichtbauweise bekommen muss, um einen tauglichen Bühnen- und Zuschauerraum darzustellen. Für gute Architekten sollte dies eine lösbare Aufgabe sein.

    Mit einer solchen Interimslösung für Schauspiel und Oper kann man die Technik perfektionieren, um danach im Neubau (vorzugsweise am Willy-Brandt-Platz) die erste digitale Doppelbühnenanlage der Welt zu realisieren. Eine Herausforderung, der sich gute Regiseure sicher gern stellen werden.

  10. Peter Scheuermann sagt:

    Der Neubau der Städtischen Bühnen soll ca. 900 Millionen Euro kosten und aus städtischen Mitteln aufgebracht werden. Der Leserbrief von Herrn Mertens zeigt – für mich nachvollziehbar, dass nur etwa ein Fünftel der Frankfurter Bevölkerung Besucher der Kulturangebote der Städtischen Bühnen sind. Er stellt zu Recht die Frage nach der Verhältnismäßigkeit des finanziellen Aufwandes zu der realen Nutzung durch die Frankfurter Bevölkerung. Die von den städtischen Verantwortlichen erwähnte „Hochkultur“ der städtischen Bühnen bedarf nach ihrer Meinung einer entsprechenden baulichen und technischen Ausstattung. Ich bin der Meinung, es geht dabei nicht um „Hochkultur“, sondern um eine „Repräsentationskultur“. Sie aber sollte auch von denen überwiegend finanziert werden, die diese Kulturstätten nutzen. Damit sollte nicht der städtische Etat belastet werden, der für die Anliegen aller da ist.
    Ist etwa die „Kultur“ in der Naxoshalle (Intendant Praml) oder eine in den Räumen des alten Mousonturmes keine „Hochkultur“? Oder die Inszenierungen im Bockenheimer Depot ? Das gleiche gilt auch für die vielen anderen Theaterkompanien, die in Frankfurt tätig sind. Sie belasten den Etat nur in geringem Maße.
    Hier mein Vorschlag: Die Städtischen Bühnen und ihre Bauten finanzieren sich in Zukunft überwiegend über eine Stiftung. In dieser Stiftung sollten all die Bürger und gesellschaftlichen Gruppierungen vertreten sein und einzahlen, die in den neuen Theaterbauten repräsentieren wollen und denen es wichtig ist, dass „Hochkultur“ in dieser Form in Frankfurt präsent sein soll.
    Frankfurt als Bürgerstadt hat eine reiche Geschichte an Stiftungen. Alle Einrichtungen der Wissenschaften (Senckenberg, Universität, Städel…), aber auch Krankenhäuser wie Bürgerhospital, Hl. Geist Krankenhaus, Clementinenkinderkrankenhaus,… und soziale Einrichtungen wie Altenheime, Blindenfürsorge (Polytechnische Gesellschaft),… . Sie alle haben ihre Gründung einer Stiftung vermögender Frankfurter Bürger zu verdanken.
    Heutzutage könnten es z.B. Banken und Versicherungskonzerne sein, die hier ihren Sitz haben, aber auch vermögende Geschäftsleute, die stiften oder Kapital bereitstellen. Sie alle brauchen anscheinend diese „Repräsentationskultur“, und sei es als Alibi für ihre „nichtkulturellen“ Geschäfte.
    Der „Normalbürger“ braucht diese Repräsentationskultur nicht, ihm genügt Kultur. Oder er interessiert sich überhaupt nicht für diese Art von Kultur, was sein gutes Recht ist, dann braucht er auch dafür nicht zu zahlen.

  11. Rolfrüdiger Traub sagt:

    @ Ekkehard Moeser

    Keine Frage, Stellplätze für Fahrräder und Autos müssen vorhanden sein, sowie die Zufahrten dazu.
    Natürlich geht es auch anders. Seit mehr als 30 Jahren haben meine Frau und ich ein Opernabo (12). Noch nie sind wir mit dem Auto zum Willy-Brandt-Platz gefahren. Übrigens auch nie zur Alten Oper. Nur mit U-Bahn und Umstieg auf Bus. Bequemer geht es nicht. An den Haltestellen finden sich übrigens viele Nichtautomobilisten ein.
    Selbstverständlich würden wir auch zur Neuen Oper am Ostbahnhof den ÖPNV wie Regiobahn, U6, Straßenbahn 11(eine Zumutung) o. Bus 32 nutzen, trotz aller Umstände. Aber hoffentlich bleibt uns das erspart…
    Genauso selbstverständlich besuchen wir die Opernhäuser in der Umgebung wie Mainz, Wiesbaden,Darmstadt und Gießen stets mit Bahnen und Bussen; gelegentlich auch Kassel,Göttingen, Mannheim, Karlsruhe, Würzburg und Nürnberg; auch hier ohne Auto.
    Mit der Bahn schafft man es durchweg ohne Zwischenübernachtungen! Und oft mit weiteren Musikinteressenten. Und interessanten Diskussionen. Das Auto vegetiert derweil in der Garage vor sich hin, es ist übrigens schon lange abgeschrieben.

  12. Günter Diehr sagt:

    @ Ekkehard Moeser

    Ich besuche mit meiner Frau regelmäßig Aufführungen von Oper und Schauspiel. Ich wohne zwar nicht innerstädtisch wie Herr M., sondern bin gezwungen, den weiten Weg von Niederrad zum Willy-Brand-Platz mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Das dauert 30 Minuten, darin sind 10 Minuten Fußweg enthalten – eine kaum zumutbare Reise. Wir sind allerdings nicht die einzigen, die von solchen Problemen betroffen sind. Nach Ende der jeweiligen Vorstellung, z.B. um 22.30 Uhr, sind die Bahnsteige der Straßenbahhaltesstelle und der U-Bahn voll mit Menschen, die, vermutlich aus finanziellen Gründen, mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Hause fahren müssen (die Fahrt mit dem RMV ist im Ticket includiert). Hier sieht man auch, wie zutreffend Herrn Ms. Argument ist, man könne das Erlebnis einer Aufführung nicht in der Öffentlichkeit besprechen. Die Menschen auf den Bahnsteigen stehen dort mit versteinerten Gesichtern und vor allem: Völlig sprachlos. Es spricht also einiges dafür, mehr Parkraum zu schaffen und auf den RMV zu verzichten.
    Einen wichtigen Aspekt hat Herr M. allerdings nicht erwähnt, nämlich den der Finanzierung. Deshalb hier einige Vorschläge: Zunächst sollte der RMV Anteil am Ticket gestrichen und mit dem Betrag die Parkgebühren reduziert werden. Das würde die Benachteiligung der Autofahrer abmildern. Mittelfristig wäre zu überlegen, ob nicht die Haltestelle Willy-Brandt Platz und vor allem die U-Bahn Station völlig geschlossen werden können. Sie werden dann ja nicht mehr benötigt. Dies würde sicher Mittel für den Parkhausbau frei machen und auch den dafür nötigen Platz schafffen.