Moria ist eine Schande für Europa!

Zum Vorstoß von Grünen-Chef Robert Habeck, Flüchtlingskinder aus dem Lager Moria auf Lesbos zu holen und angemessen zu versorgen und zu betreuen, muss man wirklich nicht viele Worte machen. Sich ordentlich um diese Kinder zu kümmern, wäre anständig, humanitär und christlich. Drumherum braucht es kein großes Gerede. Die Zustände in diesem Lager sind eine Schande für Europa und für uns alle!

Selbstverständlich ist eine gesamteuropäische Lösung nötig, aber solange die nicht erreichbar ist, müssen Länder wie Deutschland vorangehen. Die Europäische Union ist nicht nur eine Wirtschaftsunion, sondern auch eine Werteunion. Sie hat das weltweit einzigartige Werk vollbracht, einem ganzen Kontinent eine historisch einmalige kriegsfreie Zeit zu bescheren. Sie steht für Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. Genau die aber werden in Moria mit Füßen getreten. So etwas auf dem Boden eines Staates der Europäischen Union – es ist einfach unfassbar! Muss ein bekennender Nicht-Christ wie ich die angeblichen Christen in CDU und CSU, die dieses C groß im Namen tragen, denn wirklich daran erinnern, was Flüchtlingsschicksale bedeuten? Mensch Meier – dieses Thema steht im Zentrum Eurer Weihnachtsbotschaft! Auch Deutsche haben dieses Schicksal erlebt. Erinnert Euch! Handelt endlich!

Balken 4Deutschland hätte ein Zeichen setzen können

Wie können Politiker, die sich als Christen verstehen, mit ruhigem Gewissen in diesen Tagen die Geburt Jesus feiern? Jesus war gemäß Bibel, Matthäus 2, ein verfolgtes Flüchtlingskind, wie die vielen Flüchtlingskinder, die unter katastrophalen Bedingungen auf griechischen Inseln ihr Dasein fristen. Die elenden Zustände dort sind seit langem bekannt. Deshalb ist es aber nicht falsch, jetzt die Weihnachtsstimmung zu nutzen, um die Aufnahme von Flüchtlingskindern nach Deutschland zu fordern. Da einige Bundesländer dazu bereit sind, wäre das auch umzusetzen gewesen.
Aber die verantwortlichen Politiker auf Bundesebene lehnen einen Alleingang Deutschlands zur Aufnahme von Flüchtlingen mit dem Hinweis auf die europäische Verantwortung ab. Seit 2015 finden die Regierenden in Europa keine Lösung zur Flüchtlingsproblematik. Deutschland hätte mit der Aufnahme von Flüchtlingskindern ein Zeichen setzen können. Aber das Gerede der Regierenden von christlichen Werten ist unglaubwürdig. Die Kinder in den hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslagern werden auch an Weihnachten weiter hungern, frieren, sterben.

Rolf Wekeck, Kassel

fr-debatteOpportunistische Mit-Europäer

Wenn es keine Politiker wie Habeck gäbe, die nicht immer nur nach Wählerstimmen schielen, müsste man verzweifeln! Das Flüchtlingslager Moria ist eine Schande für ganz Europa. Da muss sofort etwas getan werden, egal, wie opportunistisch sich unsere Miteuropäer verhalten. Es geht auf den Winter zu und es geht um Kinder! Mein Frankfurt sollte ein Zeichen setzen: Stellt unser Schullandheim Wegscheide für den Winter zur Verfügung, holt die Frauen mit den kleinsten Kindern und ohne männlichen Schutz per Charterflug dorthin, einschließlich der nötigen Zahl an Erzieherinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen und Krankenschwestern aus ihren Heimatländern, so dass eine weitgehende Selbstverwaltung möglich ist. Dann könnten abgeordnete deutsche Fachkräfte in Ruhe versuchen herauszufinden, wer Verwandte in Deutschland oder dem europäischen Ausland hat, politisch verfolgt ist oder möglicherweise irgendwann in seine Heimat zurückkehren kann. Frankfurt hat eine so phantastische Bereitschaft zu privatem Engagement und finanzieller Unterstützung, dass ich sicher bin, dass sich die nötigen Mittel auftreiben ließen.

Gerd Wild, Frankfurt

fr-debatte„Lasset die Kindlein zu mir kommen“

Die christlichen Politiker allerlei Geschlechts, insbesondere jene die Republik regierende Pfarrerstochter seien erinnert an Matthäüs 19:14: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht.“

Wolf Göhring, Bonn

fr-debatteAlle außer CDU/CSU sind für Soforthilfe

Man kann das wieder als eine typische Reaktion der Vertreter der CDU/CSU sehen. Wenn es um Menschlichkeit gegenüber von Notleidenden in diesem Falle Flüchtlingen die unter unmenschlichen Bedingungen leben, geht (Kälte, Dreck und Unterkünften, die diesen Namen nicht verdienen) schieben wir die Verantwortung für diese Unmenschlichkeit auf andere EU-Länder.
Es ist schon äußerst seltsam, dass die Vertreter der Parteien, die in ihrem Parteien Logo den Buchstaben C wie christlich haben, was eigentlich mit Nächstenliebe verbunden sein sollte, eine eiskalte menschenverachtende Einstellung gegen ausländische Mitmenschen, die in größter Not darben, haben.Wenn man die scheinheiligen Äußerungen von Seehofer, Mayer von der CSU oder Schuster von der CDU vernimmt, so kann man sich als Leser nur so äußern:„Schämt Ihr Euch nicht .“
Wieso sind alle Vertreter der anderen Parteien, außer der AfD natürlich,für eine Soforthilfe in aller erster Linie für die Kinder, die am meisten unter diesen unmenschlichen Bedigungen leiden. Seehofer blockt ja selbst die Bereitschaft einiger deutscher Länder ab, die sofort Menschen aus den unmenschlichen Bedingungen befreien wollen.
Wann wird dieser unmenschliste Innenminister, den wir je in Deutschland hatten, endlich abgelöst und durch einen humanen Innenminister, möglichst aus einer Partei ohne das C ersetzt? Unsere Bundeskanzlerin, die aus einem christlichen Pfarrhaus stammt, scheint von den Alarmmeldungen über die katastrophalen Verhältnisse in den Flüchtlingslägernden auf griechischen Inseln unbeeindruckt!

Hermann Michel, Mörfelden-Walldorf

fr-debatte… bis es zur Einigung kam, waren viele Kinder tot

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Kind geboren wurde. Vielleicht war es nicht das in diesen Tagen so viel bemühte hochgelobte, geliebte und gebobbelte Jesuskind, sondern ein anderes Kind. Und vielleicht wurde es auch nicht in Bethlehem in einem Stall geboren, sondern unter einer Plane auf einer griechischen Insel. Aber vielleicht hat es ja auch Glück gehabt, und seine Mama durfte zur Geburt für einen Tag ins Krankenhaus.
Wie auch immer, den lieben Gott hat dieses Kind gedauert, und das Schicksal der anderen Kinder auch. Er wollte helfen, und deswegen ist er in eines der reichsten Länder, nach Deutschland gegangen, zu seiner Außenstelle, der Partei mit dem „C“ vorne im Namen und hat die Leute dort gebeten, diese Kinder in Sicherheit zu bringen. Aber die Leute von der Partei mit dem „C“ vorne, haben zum lieben Gott gesagt, „Hör mal, das geht nicht. Wenn nur wir die Kinder aufnehmen und andere Staaten der EU nicht, das wäre doch ungerecht! Und wenn wir jetzt einknicken, wie sollen die anderen Länder dann unsere deutsche Leitkultur lernen, an der doch schon immer die Welt genesen sollte? So leid und das tut, wir können erst helfen, wenn alle anderen das auch tun. Das musst Du einsehen!“ – Vermutlich hat der liebe Gott überhaupt nichts eingesehen, aber so dolle stark ist er dann auch nicht, es blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten.
Aber das Warten hat zu lange gedauert. Bis sich alle Staaten der EU geeinigt hatten, waren viele der Kinder tot. Gestorben an der Kälte, der Mangelerhährung oder an Krankheiten, die man gut hätte behandeln können, wer weiß das schon. Andere haben sich dem IS zugewandt, der die Gunst der Stunde nutze und eine scheinbare Perspektive bot. Und die Kinder, die nichts anderes kennen, als Not und Unrecht, haben ihm geglaubt. Wieder andere sind irgendwie groß geworden. Aber sie haben so viel Schaden an Leib und Seele genommen, dass ein normales Leben, auch wenn sie noch einmal in eine normale Umgebung kommen sollten, nicht mehr möglich sin wird.
Als die Leute von der Partei mit dem „C“ im Namen das sahen, wurden sie sehr traurig. Und sie beriefen eilends eine Feierstunde ein, um ihr tiefstes Mitgefühl mit den Kindern zum Ausdruck zu bringen. „Aber“ sagten sie zum lieben Gott, „Du siehst, wie unangenehm uns diese Sache ist, aber wir sind nicht schuld! Schuld sind diese egoistischen Länder, die so lange keine Kinder aufnehmen wollten. Und dass sie das tun, auch wenn sie viel ärmer sind als Deutschland, das wird man ja wohl erwarten dürfen. Ja, und auch Griechenland ist schuld! Sie haben die Leute nicht gut versorgt, obwohl wir extra noch ein paar Lastwagen mit Hilfsgütern hingeschickt haben“. Da meldete sich eine leise Stimme zu Wort, von Leuten, die für sich in Anspruch nehmen, noch mehr auf dem rechten Wege zu sein, als alle anderen. „Vielleicht“ raunte diese Stimme, „waren das ja gar keine Christenkinder sondern andere“ ? Und dann wäre das mit dem Sterben ja vielleicht nicht ganz so schlimm?
Wie dem auch sei, die Feierstunde, die mit dem tiefsten Mitgefühl, wurde abgehalten.

Eva Beyer, Friedrichsdorf

6 Kommentare

  1. Eva Beyer sagt:

    Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Kind geboren wurde. Vielleicht war es nicht das in diesen Tagen so viel bemühte hochgelobte, geliebte und gebobbelte Jesuskind, sondern ein anderes Kind. Und vielleicht wurde es auch nicht in Bethlehem in einem Stall geboren, sondern unter einer Plane auf einer griechischen Insel. Aber vielleicht hat es ja auch Glück gehabt, und seine Mama durfte zur Geburt für einen Tag ins Krankenhaus.
    Wie auch immer, den lieben Gott hat dieses Kind gedauert, und das Schicksal der anderen Kinder auch. Er wollte helfen, und deswegen ist er in eines der reichsten Länder, nach Deutschland gegangen, zu seiner Außenstelle, der Partei mit dem „C“ vorne im Namen und hat die Leute dort gebeten, diese Kinder in Sicherheit zu bringen. Aber die Leute von der Partei mit dem „C“ vorne, haben zum lieben Gott gesagt: „Hör mal, das geht nicht. Wenn nur wir die Kinder aufnehmen und andere Staaten der EU nicht, das wäre doch ungerecht! Und wenn wir jetzt einknicken, wie sollen die anderen Länder dann unsere deutsche Leitkultur lernen, an der doch schon immer die Welt genesen sollte? So leid uns das tut, wir können erst helfen, wenn alle anderen das auch tun. Das musst Du einsehen!“
    Vermutlich hat der liebe Gott überhaupt nichts eingesehen, aber so dolle stark ist er dann auch nicht, es blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten.
    Aber das Warten hat zu lange gedauert. Bis sich alle Staaten der EU geeinigt hatten, waren viele der Kinder tot. Gestorben an der Kälte, der Mangelerhährung oder an Krankheiten, die man gut hätte behandeln können, wer weiß das schon. Andere haben sich dem IS zugewandt, der die Gunst der Stunde nutze und eine scheinbare Perspektive bot. Und die Kinder, die nichts anderes kennen, als Not und Unrecht, haben ihm geglaubt. Wieder andere sind irgendwie groß geworden. Aber sie haben so viel Schaden an Leib und Seele genommen, dass ein normales Leben, auch wenn sie noch einmal in eine normale Umgebung kommen sollten, nicht mehr möglich sein wird.
    Als die Leute von der Partei mit dem „C“ im Namen das sahen, wurden sie sehr traurig. Und sie beriefen eilends eine Feierstunde ein, um ihr tiefstes Mitgefühl mit den Kindern zum Ausdruck zu bringen. „Aber“ sagten sie zum lieben Gott, „Du siehst, wie unangenehm uns diese Sache ist, aber wir sind nicht schuld! Schuld sind diese egoistischen Länder, die so lange keine Kinder aufnehmen wollten. Und dass sie das tun, auch wenn sie viel ärmer sind als Deutschland, das wird man ja wohl erwarten dürfen. Ja, und auch Griechenland ist schuld! Sie haben die Leute nicht gut versorgt, obwohl wir extra noch ein paar Lastwagen mit Hilfsgütern hingeschickt haben“. Da meldete sich eine leise Stimme zu Wort, von Leuten, die für sich in Anspruch nehmen, noch mehr auf dem rechten Wege zu sein, als alle anderen. „Vielleicht“ raunte diese Stimme, „waren das ja gar keine Christenkinder, sondern andere?“ Und dann wäre das mit dem Sterben ja vielleicht nicht ganz so schlimm?
    Wie dem auch sei, die Feierstunde, die mit dem tiefsten Mitgefühl, wurde abgehalten.

  2. I. Werner sagt:

    Ja, es ist beschämend was da in den Flüchtlingslagern passiert. Es sind nicht nur die völlig überfüllten Lager in Moria auf Lesbos, es gibt davon noch viele andere grauenvolle Camps mehr. Die Kinder ohne Eltern sind besonders betroffen, aber alle anderen auch. Sicher würde ich es auch begrüßen, zunächst die Kinder aus dieser Schlammwüste herauszuholen. Es haben sich Städte und Bundesländer dazu bereit erklärt, Kinder und Jugendliche aufzunehmen. Mal sehen, was daraus wird. Es ist doch nicht damit allein getan, Hilfslieferungen in die Lager zu schicken. Wir müssen diese gestrandeten Menschen dort herausholen und ihnen wieder eine Lebensperspektive geben. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit.
    Dublin 1,2,3 gehört abgeschafft.

  3. Werner Engelmann sagt:

    @ Eva Beyer

    Hallo, Frau Beyer!
    Danke für Ihr Märchen.
    Da würde auch prima der Pharisäer aus dem Gleichnis vom „barmherzigen Samariter“ reinpassen: „Oh, Gott, ich danke Dir, dass ich nicht so bin wie die anderen…“

    Einen ähnlichen Ansatz habe ich im FR-Forum bez. „Fridays for Future“ angesprochen.
    Schreibt mir da ein Forist, der sich als „Pragmatiker“ ausgibt, zugleich für extrem rechte Positionen bekannt ist, zurück: „Ein Märchen ist eben nur Phantasie, keine Realität. Das werden Sie und dieses 16-jährige Mädchen einsehen müssen, früher oder später.“
    Da kann man sehen, welche panische Angst professionelle Wirklichkeitsverdränger vor Fantasie empfinden, die Wirklichkeit aus neuer Sicht beleuchtet und Verdrängungsmechanismen offenlegt.
    Soweit zur Ermutigung, Ihren Ansatz weiter zu verfolgen.

    Was die Heuchelei (etwa eines Seehofer) betrifft, lässt sich das nicht nur auf den Fall der auf Lesbos verbannten Kinder anwenden, auch auf Asylpraxis selbst.
    Wir haben im Rahmen unserer Flüchtlingshilfeorganisation u.a. mit drei albanischen Familien (mit3 bzw. 4 Kindern) zu tun. Alle waren entweder schon zum Teil abgeschoben (unter skandalöser Trennung der Familie) bzw. von Abschiebung bedroht.
    Die von uns fast ein Jahr lang beherbergte Familie (bzw. eine Zeitlang der nicht abgeschobene Teil) konnte nicht über Asylgesetzgebung, sondern über Arbeitsrecht hier in Frankreich wieder zusammengeführt werden, indem sie (unter Beteiligung mehrerer Seiten) per Arbeitsvisum ein (beschränktes) Aufenthaltsrecht zugesprochen bekamen. Ähnlich bei der zweiten Familie.
    Die dritte Familie, bei der bereits eine schriftliche Erklärung zur Einstellung vorliegt, „muss“ (so der letzte Stand) erst einmal abgeschoben werden, um dann evt., bei Einstellungserklärungen für beide Eltern, wieder zurückkommen zu können.
    (Ähnlich wurden von einer Baufirma fehlende Arbeitskräfte aus Rumänien geholt, in Berufen, die mit bereits vorhandenen Kräften hätten abgedeckt werden können. Abschiebung geht da immer vor Vernunft und Bedarf.)
    Den drei albanischen Familien gemeinsam ist, dass sie (bzw. Familienmitglieder) mit dem Tode bedroht wurden – nur dummerweise von den Falschen: Die eine von der Mafia, die andere von einer anderen Familie nach den „Gesetzen“ der Vandetta, die dritte, weil der Mann zufällig Zeuge eines Mordes wurde und die Familie danach von zwei Seiten mit dem Tode bedroht wurde: von einer Seite, wenn er aussagt, von der anderen, wenn er nicht aussagt.
    Als „Asylgrund“ zählt eben nicht, dass Menschen mit dem Tode bedroht werden, sondern dass es die „richtigen“ Täter sein müssen, die auch in das „politische“ Schema passen. Anders ausgedrückt: Nicht die Perspektive der Opfer zählt, sondern die der Täter.

    Alles also eine Frage der Perspektive – und natürlich, wie I.Werner richtig betont, eine Frage der Menschlichkeit.

    Für Sie und alle Mitblogger noch meine besten Wünsche zum Neuen Jahr!

  4. Joachim Reinhardt sagt:

    Bei Robert Habecks Aufforderung an die Regierung, Flüchtlingskinder aus den griechischen Lagern nach Deutschland zu holen, geht es nicht um die diesen Menschen zustehende Menschenwürde, sondern um einen symbolischen Akt der Barmherzigkeit. Es ändert nichts an der generell brutalen, ausschließenden Haltung der EU gegenüber Flüchtlingen. Die Menschenwürde bleibt weiterhin sicher im Grundgesetz verschlossen, damit sie nicht durch die Realität beschädigt wird.
    Was wird nun selbst gegen symbolische Barmherzigkeit für die Unschuldigsten eingewendet? Es ist der nationale Standpunkt, der selbst diese symbolische Geste der Menschlichkeit im Keim erstickt – in Deutschland wie in den anderen EU Ländern: Es brauche stattdessen eine europäische Lösung, die werde in Zukunft (!) gesucht: Wer sich bei der Suche zuerst rührt, hat verloren. Menschlichkeit fördere einen Sog: Hilft man Wenigen, drohen noch mehr, „bei uns“ einzudringen. Hilfe vor Ort sei doch viel sinnvoller: Sollen es doch die Griechen etc. machen, Deutschland steuert ein paar Lastwagen voll Hilfsgüter bei.
    Nationale Identifikation ist immer parteilich und trübt die Wahrnehmung maßgeblich: Nach innen verschleiert das Nationalgefühl, dass Wenige Macht und Reichtum des (Wirtschafts-)Systems auf Kosten der Mehrheit horten. Von wegen homogen! Die irrige Intuition, die je eigene Nation sei so etwas wie ein homogener Körper, bewirkt dann nach außen die Abwehr von flüchtenden Menschen.
    Wie bei der Klimakatastrophe pokern die Nationen um die je vorteilhafteste Position beim Umgang mit dem (zum erheblichen Teil selbstverursachten) Problem. Und hier wie dort führt diese Realitätsleugnung aus nationaler Perspektive immer tiefer in die Katastrophe. Die flüchtenden Menschen bleiben Spielball und Verhandlungsmasse.
    Von den jeweils beim Pokern unterlegenen Nationen werden Niederlagen nicht vergessen und sorgen zuverlässig dafür, dass Misstrauen, Hass, Unfrieden und Revanchegedanken immerfort in die Zukunft verlängert und für die nächsten Aufstände und Kriege in Zukunft sorgen werden. Gemeinwohl lässt sich heutzutage nur global denken, alles andere ist Realitätsverlust, der schreckliche Folgen hat.

  5. Werner Engelmann sagt:

    @ Joachim Reinhardt

    „Es brauche stattdessen eine europäische Lösung, die werde in Zukunft (!) gesucht.“

    Da nun dieser Spruch von einem Innenminister von einer Partei stammt, die sich „christlich“ nennt, stelle man sich einmal seine Anwendung auf das „Gleichnis vom barmherzigen Ritter“ vor: als „Hilfsangebot“ an den am Straßenrand liegenden, von Räubern ausgeraubten Mann. Da wird dann doch gleich wahre „christliche Moral“ erkennbar.

    Nicht anders beim Widerstand gegen einen möglichen muslimischen Bürgermeisterkandidaten in der CSU:
    https://www.fr.de/meinung/rassismus-csu-kein-muslimischer-buergermeisterkandidat-erwuenscht-13419751.html
    Heuchelei gehört erkennbar zu den hervorstechenden Merkmalen einer „christlichen“ Partei.

    „Menschlichkeit fördere einen Sog: Hilft man Wenigen, drohen noch mehr, „bei uns“ einzudringen.“ –

    Da ist die Panik gut auf den Punkt gebracht. Da zieht man denn doch einen „Sog der Unmenschlichkeit“ vor.

  6. Manfred Kirsch sagt:

    Marina Kormbaki hat vollkommen recht, wenn sie die unmenschliche Lage Tausender Flüchtlinge auf den griechischen Inseln als ein Sinnbild für Europas Schande bezeichnet. Die Willigen unter den europäischen Staaten sollten sich endlich einmal bewusst werden, dass sie Teil einer Wertegemeinschaft sein wollen und dementsprechend humanitäre Solidarität zeigen müssen. Das, was wir derzeit im Umgang mit Geflüchteten erleben, zeugt in der Tat von Kälte, Brutalität und Unmenschlichkeit. Das Versagen der EU in der Asylpolitik schreit zum Himmel und es ist der mangelnde Wille zu helfen und der Druck von rechts, der eine menschliche Asylpolitik verunmöglicht. Vor unser aller Augen spielt sich eine gewollte humanitäre Katastrophe ab, die schändlich ist und in der die Chefin der EU-Kommission Ursula von der Leyen ihr christliches Gewissen bemühen sollte, um konsequente Entlastung für die leidenden Menschen zu erreichen. Wer es in Europa und in anderen Kontinenten wissen will, kann erfahren, welch große Schuld Europa auf sich nimmt, wenn es im Endergebnis die Flüchtlinge allein und ihrem Schicksal überlässt. Diejenigen, die sich in dieser Tragödie einer humanen Flüchtlingspolitik verschrieben haben, werden an den Pranger gestellt, obwohl eigentlich die Menschenschinder, die die Geflüchteten sich alleine überlassen, an den moralisch-politischen Pranger gehörten. Die Menschen, die ihre Länder verlassen, weil das, was man Leben nennt, in Afghanistan, Pakistan oder Syrien nicht mehr möglich ist, und in den griechischen Lagern schon gar nicht, werden nicht aufhören, nach einem lebenswerten Leben mit Perspektiven zu suchen. Deshalb ist es wirklich so, dass die Lebensbedingungen in diesen Ländern verbessert werden müssen. Angesichts der Herzenskälte vieler Politiker, vor allem rechter, bin ich jedoch nicht sehr hoffnungsfroh gestimmt, was die Überwindung der europäischen Unwilligkeit zur Verbesserung der Lage der Geflüchteten betrifft. Europa steht in dieser noch immer andauernden Krise synonym für die perfekte Unmenschlichkeit. Europas verantwortungsvolle Politiker müssen sich endlich zu einem gemeinsamen Handeln verständigen. Deklaratorische Bekundungen und Apelle helfen da nicht mehr.

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