FR-Forum vom 24. bis 29. Januar

Alle Briefe von Leserinnen und Lesern dieser Woche im Überblick nach ihren Erscheinungstagen und: Offene Diskussion! Lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihre Zuschrift gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier:

  • eine Liste der Erscheinungstage einer Woche;
  • pdf-Dokumente von den Forum-Zeitungsseiten (klicken Sie dazu bitte auf das „eins“ bzw. „zwei“ von „Seite eins“);
  • alle Zuschriften des jeweiligen Erscheinungstags, die keiner hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet werden können;
  • Links zu jenen Zuschriften, die einer hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet wurden;
  • ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie mitdiskutieren können.

Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, um anzuzeigen, welches Thema Sie ansprechen. Es gelten die Blog-Regeln – mit einer Ausnahme: Für die offenen Diskussionen ist der Teil der Regel Nr. 4 ausgesetzt, der sagt: Bleiben Sie beim Thema. Hier kann bunt diskutiert werden. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Im FR-Blog werden die ungekürzten Originalversionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht.

Balken 4Forum vom 24. Januar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Einige dieser Zuschriften folgen gleich hier, siehe unten. Die anderen wurden laufenden Diskussionen im FR-Blog zugeordnet und dort als Kommentare veröffentlicht. Bitte folgen Sie den Links, die im pdf-Dokument angegeben sind.

Balken 4Forum vom 25. Januar
Leserforum 2 20190916Seite eins

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Ist das die türkische Community?

Umstrittener Handelsattaché: „Kein Platz für Yusuf Yerkel“, FR-Regional vom 17. Januar

Die Botschaften und Konsulate in Deutschland dürften voll sein mit Geheimdienstlern und Helfershelfern von Diktatoren. Die meisten bleiben unerkannt, nur Yusuf Yerkel hat das „Pech“, dass es ein Foto vom ihm gibt. Dennoch ist es richtig, gegen seine Berufung zu protestieren. Das sind wir den auch denjenigen Türken schuldig, die unter dem Regime von Erdogan leiden. Ob wir das aber auch der türkischstämmigen Community, also „den“ Türken insgesamt, schuldig sind, wie Herr Leppert meint, ist doch sehr zweifelhaft. Man sollte schon ein wenig differenzieren. Denn die türkische Community in Frankfurt hat 2018 den Präsidenten Erdogan mit 60 % der abgebenen Stimmen gewählt – und damit auch seine Helfershelfer wie z.B. Yusuf Yerkel. Wer hat denn vor dem Generalkonsulat protestiert? Nach dem Bericht der Rundschau waren das der Alevitische Kulturverein und eine Abgeordnete der Linken. Ist das die türkische Community?

Michael Hamke, Bad Soden

Eingeschränkte Immunität

Die Ernennung des Erdogan Günstlings Yusuf Yerkel zum Handelsattaché des türkischen Generalkonsulats in Frankfurt ist ein Skandal. Sein Verhalten im Mai 2014, als er auf einen wehrlosen, von zwei Polizisten festgehaltenen Demonstranten eintrat, zeugt nicht nur von erbärmlicher Feigheit sondern auch von extremer Brutalität. Als Konsularbeamter genießt Yerksel gemäß Art 41 Abs. 1 des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen vom 24.04.1963 eingeschränkte Immunität. Nur bei schwersten Straftaten hätte er sich vor der deutschen Gerichtsbarkeit zu verantworten. Das heißt, er könnte auch in Deutschland jederzeit wieder auf wehrlose Demonstranten eintreten, ohne dass ihn hierfür die deutschen Justiz zur Verantwortung ziehen könnte.
Wohin es führt, wenn Fanatiker in diplomatische Dienste berufen werden, zeigt der Fall Yvonne Fletcher. Die junge Polizistin wurde am 17.04.1984, als sie einen friedlichen Demontrationszug vor der Londoner Botschaft Lybiens begleitete, aus einem Fenster der Botschaft mit einer Maschinenpistole beschossen und starb wenig später an den erlittenen Verletzungen. Da Botschaftsdiplomaten anders als Konsularbeamte über absulute Immunität verfügen, blieb ihr Tod bis heute ungesühnt.

Peter Arnold, Bad Homburg

fr-debatteMit offenen Augen

Erwiderung auf „Lebensplanung ist oft nicht mehr möglich“, Forum v. 18.1.

Guten Tag! Den Leserbrief von Beate Bender :„Lebensplanung ist oft nicht mehr möglich“ sollten sich viele unserer Politiker in Sichtweite in ihrem Büro aufhängen, damit sie über denTellerrand ihres wirtschaftlichen Wohlstandes hinaus auch die vielen Armen unseres Landes wahrnehmen und ihnen beistehen. In den Straßenambulanzen in Frankfurt und am Hauptbahnhof wie in den Nebenstraßen gibt es viel Elend zu sehen.
Der FR-Redaktion danke ich für ihren Beitrag zu diesem Thema. Allerdings fand ich die Bezeichnung „Perspektivlose Hartz IV-Klagegesänge“ und „Trotzkopf-Strategie der Linkspartei“ arrogant und von dem tatsächlichen Elend wegsehend. Gehen Sie doch mal mit offenen Augen durch die Frankfurter Innenstadt, was sich da auf den Straßen auch abspielt, und fragen Sie die Helfer-innen von Bedürftigen, wie sie Anteil nehmen, um das Elend zu erleichtern.

Dietmut Thilenius, Bad Soden

fr-debatteEkelhafte Unsitte

Zu: „Schlechtes Benehmen auf dem Fußballplatz“, FR-Forum vom 13.1.

Hans Blaschke aus Bad Vilbel kann ich bei seiner Kritik des ständigen und unhygienischen bis ekelhaftem Ausspucken –  vor allem der Fussballer – nur uneingeschränkt zustimmen. Leider fällt dies zwischenzeitlich im Zeitalter von Gendern ebenso bei den Fussballerinnen auf. Ergebnis dieser ekelhaften Unsitte ist bereits das Ausspucken auf unseren Gehwegen zu sehen. Leider immer öfter. Meines Wissens wird diese Unsitte in China geahndet!

Norbert Müller, Frankfurt

Balken 4Forum vom 26. Januar
Leserforum 2 20190916Seite eins

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Wertschätzender Umgang

Telegram: „Die falsche Adresse“, FR-Meinung vom 24. Januar

Warum sind so viele Menschen mit der Überzeugung unterwegs, nicht gut genug zu sein? Warum erwarten wir erst einmal Kritik und können Lob nur schwer annehmen? Warum sind wir im inneren Dialog so hart mit uns selbst? Niemand spricht im Alltag so wertend und oft gnadenlos mit uns! Wir haben es von Generation zu Generation auf diese Weise gut gelernt!
„Mama, ich habe zwei Fehler in der Arbeit….“ Mit rot angestrichen. – Acht richtig gelöste Aufgaben bleiben unerwähnt! Wie wäre es, wenn die acht richtigen Antworten grüne Häkchen bekämen? „Papa, ich habe acht Aufgaben gut gemacht! Der Lehrer meint, es gibt noch Luft nach oben!“ Wie fühlt sich das an?
Wie wäre es, wenn wir im Umgang miteinander mehr und mehr eine wertschätzende Sprache und Haltung kultivieren? Uns entscheiden, den Fokus auf das Bemühen, das Gelingen, den Erfolg zu richten? Bei uns selbst und bei anderen. Und wir können uns auch hier ermutigen und verzeihen, wenn das lang Gewohnte einmal stärker war ….. und zuversichtlich von vorn anfangen!
Der Korb mit WERTSCHÄTZENDEN WORTEN für uns und unsere Mitmenschen ist reich gefüllt: beeindruckend, fein, geduldig, fürsorglich, fantasievoll, vorsichtig, lebendig, toll, freundlich, wunderbar, empathisch, cool, zugewandt, erstaunlich, zärtlich, kreativ, bemerkenswert, schön, originell, bereichernd, fabelhaft, einfühlsam, authentisch, gewinnend, sanft, gelassen, ruhig, besonders, liebevoll, fähig, wegweisend, ausgeglichen, herzlich, stolz……… nur eine Auswahl!
Jedem ABER können wir begegnen mit einem UND: „Aber da war ich so ungeschickt!“…… „Ja, es hat dich Mühe gekostet UND ich habe bemerkt, wie du geduldig durchgehalten hast!“
Wir sind in unserer Gesellschaft seit langer Zeit an der Leitplanke des Rotstifts groß geworden. Es ist noch Luft nach oben. Entscheiden. Bemühen. Für uns selbst. Für andere.

Dagmar Schlösser, Jarlingen

fr-debatteHauptrolle in Frankreich

Hardy Krüger: „Der gute Deutsche“, FR-Feuilleton vom 21. Januar

Hardy Krüger erweckt in einem wiedergegebenen Interviewausschnitt den Eindruck, dass er Anfang der fünfziger Jahre in Frankreich als deutscher Schauspieler nicht ankommen konnte, weil ein Regisseur ihn ablehnte. Er sei darauf hin nach England gegangen. Dieser Eindruck ist so nicht richtig. Hardy Krüger hat sehr wohl in einem spektakulären Film 1967 in Frankreich die Hauptrolle gespielt. „Der Franziskaner von Bourges“ hieß er Film und schildert das heldenhafte Wirken des Franzikaner-Paters Alois Stahnke. Der Film entstand an Originalschauplätzen im Gefängnis Bordiot von Bourges und wurde 1968 uraufgeführt. Das Medienecho in Frankreich war groß. Allerdings stimmt die Geschichte so nicht. Mein Onkel war als Offizier dort Gefängniskommandant und hat in Zusammenarbeit mit der Resistance (!) den zum Tode verurteilten Yves Toledano befreit. Diesen Sachverhalt wollte man zunächst filmisch umsetzen, stellte aber fest, dass diese Handlung der französischen Gesellschaft zu der Zeit noch nicht zu vermitteln war. So tauschte man den Gefängniskommandanten gegen einen dort tätigen Franziskanermönch aus und ließ ihn heldenhaft wirken. Später fanden sich Yves Toledano und mein Onkel, der Gefängniskommandant, wieder und schilderten gegenseitig die wahren Abläufe. Seis’drum! Hardy Krüger hat in diesem Film sein hervorragendes Können, auch in einer schwierigen Thematik gezeigt.

Ernst Metzler, Münster

Balken 4Forum vom 27. Januar

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Das gewandte „Fräulein vom Amt“ war geachtet

Zu: „Von Herrleins und Frauen“ und „Äußerst herabsetzend“, FR-Meinung und -Forum vom 20. Januar

Es mag sein, dass „Fräulein“ in manchen Zusammenhängen auch geringschätzig verwandt wurde; wie im Leserbrief von Ilse Winkler geltend gemacht. Das entspräche dem Verfall sprachlichen Aufwertens: im Jahrhundertwandel nur der Name oder eigene Stellung – angeredet in dritter Person -, die gewürdigte Jungfer, das edle Fräulein, die gehobene Frau – abgeleitet von fron, dem Herrn – , die einst höfische, nun auch schillernde Dame, in Presseberichten das Ausdehnen der Frau auf die kindhafte Maid.
Jedoch waren in der Umgangssprache das gewandte ‚Fräulein vom Amt‘ und das wendige im Gasthaus ebenso achtungsvoll wie das tüchtige in Sozialberufen. Frauenbewegt bestanden bis in die Zeit des amtlichen Federstriches ledige Lehrerinnen & andere Frauenberufler auf der Anrede Fräulein, um zu bekräftigen, dass sie in Beruf & Leben ehelos ‚ihren Mann stehen‘ – Was ein geschlechtsloses Sprachbild ist. Oder sich selbst als Junggeselle bezeichneten.
Dem abgängigen jugendlichen Fräulein ist im „Alltagshandeln sprachlich ebenbürtig“ der junge Mann. Dieser wird bis in unsere Tage auf jedes Alter angewandt; teils leutselig, teils herablassend. Ohne Geschlechterkampf.
Zu „nicht gegenderten Arbeiten an Unis…keinen Zwang“: Empfehlungen sind im Machtgefälle Aufforderungen; etwa wenn ein Fachbereich sich gegen den Gebrauch von Bezeichnungen mit dem Wortstamm ‚man/n‘ verwahrt, wiewohl dessen Bedeutung ‚mensch‘ vielfach fortlebt. Leitfäden für Studienleistungen
enthalten Vorgaben zum „Gendern“. Und es gibt die Auffassung, Lehrfreiheit sei Vollmacht, daß „schlechter bewertet“ wird.
Es „schafft Sprache gesellschaftliche Hierarchie“? Diese Annahme verleitet Autoritäre – ob Kolumnist oder Herrscher – zu Sprachregelungen. Geben selber die Sprachpolizei, auch, indem sie es bestreiten.
Die „gesellschaftliche Entwicklung und Sprache in eins zu bringen“ unterliegt freilich keinem Willensakt. Vielmehr ergibt sich der Wortgehalt aus der Sicht auf die Sache und ihrer Bewertung; daher der Bedeutungswandel von Worten – etwa bei „jene Typen“.
Die gesamte Kolumne gegen drei Mal „alten weißen Mann“ ist „Krawall“, der „sexistische Ausfälle und unterkomplexe Eskapaden in eine Sphäre“ des „Feminismus“ verortet.

Urich J.Heinz, Marburg

Balken 4Forum vom 28. Januar
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Um den Preis von unzähligen Kinderleben

Madeleine Albright: „Manches dauert einfach viel zu lang“, FR-Feuilleton vom 22.1.

Eine Erinnerung an Madeleine Albright, die vor 25 Jahren erste US-Außenministerin wurde“ im Feuilleton, scheint mir einer Ergänzung würdig.
Der UN-Sicherheitsrat hatte von 1990 bis 2003 ein totales Wirtschaftsembargo gegen den Irak verhängt. Die Auswirkungen auf das irakische Volk waren verheerend. In einem längeren Artikel der Tageszeitung „Welt“ vom September 2010 beschreibt der CNN-Reporter Michael Holmes unter dem Titel „Der vergessene Krieg gegen Iraks Zivilbevölkerung“ die fürchterlichen Folgen: „Richard Garfield, Professor für öffentliches Gesundheitswesen an der Columbia University, gelangte in seinen Untersuchungen zu dem Schluss, dass die Zunahme der Kindersterblichkeit zwischen 1991 und 2002 zum Tod von 345.000 bis 530.000 irakischen Kindern geführt hat … Tim Dyson, Professor für Bevölkerungswissenschaften an der London School of Economics schätzt (in einer Studie von 2006), dass zwischen 1990 und 2003 etwa 660.000 bis 880 000 irakische Kinder unter fünf Jahren aufgrund des Zusammenbruchs der irakischen Ökonomie gestorben sind.“
Bevor Albright 1997 Außenministerin wurde, war sie von 1993 bis 1996 UN-Botschafterin der USA. In einer TV-Sendung von CBS News wurde sie am 12. Mai 1996 gefragt: „Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind (wegen der Sanktionen gegen den Irak) … Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und – sagen Sie, ist es den Preis wert?“ Albright: “ Ich glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis – wir glauben, es ist den Preis wert.“ In einem späteren Interview von „Euronews“ mit dieser Aussage konfrontiert, meinte sie u.a., dass dies das Dümmste war, was sie jemals gesagt habe, sie habe sich dafür entschuldigt und sie bereue, dass sie das gesagt habe. Sie bereut also, dass sie das gesagt hatte, aber offensichtlich nicht die tödlichen Auswirkungen dieser Sanktionen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, wirkt es schon etwas befremdlich, wenn es ein Fortschritt sein soll, dass „die 64. Person auf dem Posten (der Außenministerin) endlich eine Frau war.“

Manfred Heinzmann, Mörfelden-Walldorf

Kein Ruhmesblatt für Frau Albright

Arno Widmann verschleiert die Fakten. Er verweist auf Albrights „harte Haltung gegenüber dem serbischen Hegemoniestreben“. Was sich dahinter verbirgt, ist der Kosovo-Krieg, der erste, an dem Deutschland auf Albrights Drängen aktiv beteiligt war. Die OSZE war dabei, eine Verhandlungslösung auszuarbeiten, aber Frau Albright wollte ihren Krieg, der dann auch von Eingeweihten „Madleine’s war“ genannt wurde. Für die erste Außenministerin der USA kein Ruhmesblatt!

Ingeborg Gerlach, Braunschweig

fr-debatteGemeinsame Lösungen

Entwicklungspolitik: „Es fehlt eine Idee“, FR-Wirtschaft vom 13. Januar

In der heutigen Entwicklungspolitik fehlt eine visionäre Stimme wie die von Willy Brandt, für den Entwicklungspolitik Friedenspolitik war, da er den globalen Frieden durch Wirtschaftskrisen, Hungerkatastrophen und ökologische Zerstörungen bedroht sah. Daher versuchte Brandt, seine Politik der Entspannung aus dem Ost-West-Konflikt des Kalten Krieges auf den Konflikt zwischen globalem Norden und globalem Süden zu übertragen. Dementsprechend sagte Brandt in seiner Eröffnungsrede zur konstituierenden Sitzung der von ihm gegründeten Unabhängigen Kommission für Internationale Entwicklungsfragen am 9. Dezember 1977, dass die Ostpolitik gezeigt habe, dass es möglich sei, „den Charakter eines Konflikts zu ändern und in einem solchen Konflikt diejenigen Elemente eines gegenseitigen Interesses festzustellen, die beiderseitig vertretbare gemeinsame Lösungen hervorbringen können“.

Thomas Tews, Frankfurt

fr-debatteEigentor der Koalition

Hessen: „Unikliniken bleiben zu 95 Prozent privat“, FR-Regional v. 20.1.

Das privatisierte, dem Asklepios-Konzern zugehörige Universitätsklinikum Gießen-Marburg wird in den nächsten zehn Jahren mit rund 500 (in Worten: fünfhundert) Millionen Euro von der hessischen Landesregierung unterstützt. Ja, Eigentore kann sie, die schwarz-grüne Koalition in Hessen.

Fritz Brehm, Frankfurt

Balken 4Forum vom 29. Januar
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Die verabscheute christliche Lösung

CDU: „Ein wochenlanges öffentliches Fingerhakeln schadet der Partei“,FR-Tagesthema vom 22. Januar

Dennis Radtke scheint bei seinen Ideen für einen Aufbruch der CDU unter Merz im Sozialbereich kaum nach Christlichkeit zu fragen. Zwar schlägt er die Berücksichtigung der Inflation bei der Grundsicherung vor, aber die „Mitwirkungspflicht bei Hartz IV“, also die verfassungswidrige Sanktionierung unter das Existenzminimum mit dem von Schröder eingestandenen Ziel der Niedriglohnzwangsarbeit, soll Teil der „Attacke“ auf die Ampel sein. Was die CDU damit den Ärmsten antut, das tut sie Jesus an (Mt 25, 40+45).
Das Rentenproblem soll durch einen neoliberalen „kapitalgestützten Anteil“ gelöst werden, während die Lebensversicherer längst in der Krise stecken und die Kapitaldeckung in Chile zum Totalverlust geführt hat. Der „erhöhte Finanzbedarf“ bei Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie der Grundsicherung wird zwar genannt, nicht aber, dass bei der Schuldenbremse nicht „breitere Füße“, sondern nur größere die Deckung sichern, also wie in der Schweiz die Heranziehung der Millionärseinkommen. Das wäre die bisher verabscheute christliche Lösung (Lk 16,1-9; Lk 19, 1-11, Mk 10,21), die Umverteilung von oben nach unten.
Merz steht für das Gegenteil nach seinem Job bei Blackrock, einer Firma im Dienst am Götzen Mammon, der in der Muttersprache Jesu die zerstörerische Kraft des Geldes und des Kapitals meint und deshalb unvereinbar ist mit dem barmherzigen Gott Jesu (Mt 6,24). Merz müsste radikal umkehren und etwa eine hohe Steuer auf Mietwucher fordern, die als Wohngeld wieder ausgeschüttet wird. Er müsste die drastische Kürzung der Militärausgaben propagieren, was der Warnung Jesu entspräche, die angesichts der Atombewaffnung besonders aktuell ist (Mt 26,52), um dafür höhere Sozialausgaben zu finanzieren. Er müsste zusammen mit den Linken, mit denen eine Koalition so ausgeschlossen wurde wie mit der AfD, die Ampel links überholen. Es wäre Aufgabe christlicher Kirchen, die sich auf Jesus zurück besinnen, der CDU dabei behilflich zu sein.

Friedrich Gehring, Backnang

fr-debatteDie internationale Presse versagt kläglich

Berufung: „Asyl für Assange“, FR-Meinung vom 25. Januar

Anfang dieser Woche hat Gregor Gysi eine bemerkenswerte Rede im Deutschen Bundestag gehalten. Gregor Gysi, der dafür bekannt ist, nicht den Mainstream zu bedienen, hat u.a. die Haltung von Außenministerin Baerbock in Sachen Assange kritisiert. Vor ihrer Berufung als Ministerin hat sie noch die Freilassung gefordert. Als das Gericht dann das Auslieferungsverbot doch aufgehoben hat, war von ihr nichts mehr zu hören.
Sicher hat sie zurzeit viele andere Aufgaben, aber man muss auch glaubwürdig bleiben, denn was hier passiert, ist m.E. einer der größten Justizskandale der letzten Jahrzehnte. Auch die internationale Presse der demokratischen Länder versagt hier kläglich. Es genügt nicht, sporadisch mal einen Leserbrief zu veröffentlichen. Vor allem die britische Presse ist hier in der Verantwortung, die sich lieber mit den Petitessen ihre Royales beschäftigt.
Wer eine Ahnung hat, was Belmarsh bedeutet, der weiß, dass dies ein Ort ist, wo niemand sich wünschen kann zu sein. Hier wird Julian Assange in Isolierhaft psychisch und physisch systematisch zerstört. Die Briten nehmen den USA ihre Schmutzarbeit ab, obwohl jeder weiß, dass Julian Assange unschuldig ist .
Julian Assange hat als Journalist nur seine Pflicht getan und die freie Presse muss doch verstehen, dass hier auch an ihrem eigenen Ast gesägt wird. Hier wird ein Journalist als Warnung für alle whistle player exemplarisch bestraft und vernichtet.
Als fest stand, dass Großbritannien die EU verlässt, war ich zunächst betroffen. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob dies nicht doch eine gute Entscheidung für Europa war. Großbritannien hat längst seinen Glanz als Vorbild eingebüßt. Ein Clown als Premierminister, der den Eindruck hinterlässt, als sei er bei Monty Python entsprungen und der seine Bürger vor der Wahl über den Austritt mit falschen Zahlen belogen und betrogen hat. Es gilt hier wie immer: „Wer die Macht hat, kann seine Gesetze nach Bedarf interpretieren.“
Warum haben die USA keinen internationalen Haftbefehl für Prinz Andrew ausstellen lassen ,der die gleichen Verbrechen wie Roman Polanski 1977 begangen hat, und dessen Haftbefehl, obwohl inzwischen 88 Jahre alt, immer noch in Kraft ist.

Christoph Kruppa, Riederich

fr-debattePure Heuchelei

Zu: „Katholisch und queer“, FR-Politik vom 25. Januar

100 Katholiken bekennen sich zu ihrer sexuellen Orientierung. Die Reaktion der Kirche besteht aus reiner Repression. Was können wir daraus lernen? Es ist nicht schlimm, wenn Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter kleinen Jungs und Mädchen sexuelle Gewalt antun. Diese Leute werden gehätschelt und geschützt, wenn aber kirchliche Mitarbeiter ihre sexuelle Orientierung bekennen, dann gibt es für diese Leute kein Verständnis, keine Gnade. Dies also versteht die Kirche Jesu Christi unter unter ihrem eigenen kathegorischen Grundsatz der Nächstenliebe. Das ist pure Heuchelei.
Es wird allerhöchste Zeit, dass der deutsche Staat sein Verhältnis zu den Kirchen prüft. Wieso zahlt die Gesamtheit der deutschen Steuerzahler die oppulenten Gehälter der Bischöfe obwohl die Mehrheit der Staatsbürger gar nicht katholisch sind? Wieso darf sich Kirche über geltendes deutsches Recht (z.B. Arbeitsrecht) hinwegsetzen. Wieso darf Kirche tun, was grundgesetzlich verboten ist (Diskriminierung).
Wenn sich diese Verhältnisse nicht ändern lassen, dann bleibt den aufrechten Gläubigen nur der Kirchenaustritt. Viele sind diesen Weg schon gegangen.

Diethelm Henkelmann, Mörfelden

fr-debatteDie Grünen sollten umdenken

Zu: „Zunehmend intransparent“, FR-Meinung vom 21. Januar

Das ernüchternde Fazit von Markus Decker zu den Grünen verdient leider seine Berechtigung. Schließlich hat schon die fatale Entscheidung von Annalena Baerbock, sich trotz einer mageren beruflichen Biographie nahezu im Alleingang zur Kanzlerkandidatin zu krönen, obwohl schon vor der durch einen maßlos übertriebenen Personenkult gescheiterten Kampagne viel dafür sprach, dass Robert Habeck eine wesentlich bessere Chance gehabt hätte, das Kanzleramt zu erobern. Innerhalb der Parteiführung steht vornehmlich der persönliche Karrierismus im Mittelpunkt. Wobei der noch der nicht im Kommentar thematisierte, aber wichtige Punkt aufschlussreich für den stark zurückgegangenen Idealismus bleibt, welche Jobs zum Teil frühere Grünen-Politiker nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik in der freien Wirtschaft bekleiden, bei denen es sich nicht selten wie bei einer Wende um 180 Grad handelt.
Deshalb hilft nur ein radikales Umdenken aus der Misere, bei dem ein erster guter Schritt das Ziel von mehr Diversität in Führungspositionen wäre, wo ohnehin sowohl auf Bundesebene als auch in vielen Landesverbänden ein großes Problem darin besteht, dass man zum Beispiel häufig Personen mit Migrationshintergrund mit der Lupe suchen muss, was den eigenen Anspruch als Anwalt einer funktionierenden multikulturellen Gesellschaft recht unglaubwürdig macht und sich zumindest in Städten wie Hamburg konkret darin widerspiegelt, dass man sich kaum für das Zusammenleben in solchen Quartieren interessiert!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Balken 4

4 Kommentare

  1. C. Horstmann sagt:

    Mit immer mehr Wut im Bauch lese ich ihre Berichte zum Thema des Tages. Wo bleibt die Mehrheit unserer Gesellschaft die endlich diesem rechten Mob Einhalt bietet. Dieses Ausnutzen unseres Demokratieverständnisses mit allen negativen Auswirkungen muss konsequent unterbunden werden und Fehlverhalten geahndet. Übrigens die Angst das Pflegepersonal das sich gegen Impfung ausspricht den Beruf verlässt ist meiner Ansicht unbegründet. Jede verantwortungsvolle Pflegekraft hat den Schutz ihrer anvertrauten Patienten zu gewährleisten. Für diese Impfunwilligen Pflegekräfte bietet sich doch eine Alternative. Ein eigener Pflegedienst für Coviderkrankte Impfgegner. Gleich und gleich gesellt sich doch gern. Übrigens ich frage jetzt immer nach ob medizinisches Personal geimpft ist, nur dann lass ich mich behandeln.

  2. Matthias Wooge sagt:

    Als ich Ihren Leserbrief gelesen habe, Frau Carmen Horstmann, hat mich der heilige Zorn gepackt! Ich glaube nicht, dass Sie unser Grundgesetz so richtig verstanden haben? Sie schreiben von diesem „Ausnutzen unseres Demokratieverständnisses mit allen negativen Auswirkungen“ und beziehen sich dabei auf die Versammlungsfreiheit nach Art.8 GG, eines der höchsten Güter unserer Demokratie.
    Vielleicht haben Sie noch gar nicht gemerkt, dass Bundes- und Landesregierungen aus Gründen des Gesundheitsschutzes mit exekutiven Verordnungen elementare Grund- und Freiheitsrechte der gesamten Bevölkerung so massiv eingeschränkt haben wie noch nie seit der Gründung der Bundesrepublik. Betroffen sind: allgemeines Persönlichkeitsrecht, Recht auf Freizügigkeit, auf Bewegungs- und Handlungsfreiheit, auf Bildung, auf Versammlungs-, Meinungs-, Kunst- und Religionsfreiheit, der Schutz von Ehe, Familie und Kindern, Freiheit der Berufsausübung, Gewerbe- und Reisefreiheit usw. Und jetzt soll auch noch das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Impfpflicht) verwirkt sein?
    Der ehemalige Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier kritisierte massive rechtsstaatliche Defizite bei der Pandemiebekämpfung. Er sagte in einem Interview mit der „Welt“: „Die Menschen dieses Landes sind freie Bürger. Sie sind keine Untertanen.“
    Heribert Prantl, ehemaliger Staatsanwalt, Richter und Mitglied der Chefredaktion der SZ, schrieb darüber, dass man auch in Zeiten großer Gefahren und Angst nicht nur entschlossen gegen das Virus kämpfen müsse, sondern auch gegen die verhängnisvolle Stimmung, die in Krisenzeiten den demokratischen Rechtsstaat sowie Grund- und Bürgerrechte als Gefahr, Ballast, Bürde oder Luxus betrachte und bedenkenlos zur Disposition stelle.
    Die Menschen, die Sie in frecher Weise als „rechten Mob“ bezeichnen, es waren immerhin nach offizieller Zählung in dieser Woche rund 370 000, die die Grundrechte gefährdet sehen, eine Impfpflicht ablehnen und Frieden, Freiheit, Demokratie rufen, ähneln für mich eher Vorbildern wie Hans-Jürgen Papier und Heribert Prantl als Coronaleugnern, Antisemiten und Neonazis.

  3. Hallo Herr Matthias Wooge,
    es ist schön, dass sie sich so für die Versammlungsfreiheit usw. einsetzen, aber ein wenig Nachdenken hätte möglicherweise doch andere Schlussfolgerungen möglich gemacht. Die Regierung hat dafür zu sorgen, dass Schaden vom Volk abzuwehren gilt. Die Pandemie war eine solche Gefahr. Es gibt Fachleute. für solche Fälle, in diesem Fall Virologen. Die haben die entsprechenden Verhaltensweisen vorgeschlagen, die Executive hat sie umgesetzt, nachdem die Legislative so beschlossen hatte. Das ist unsere Demokratiesituation heute, hat sich einigermaßen bewährt.
    Ihre Ausführungen sind in sich nicht schlüssig Die Regierung tut nichts anderes als die Pandemie zu bekämpfen. Dazu bedarf es einschneidender Maßnahmen. Angenommen, Sars Cov.2 hätte sich als weitaus tödlicher erwiesen, über 100000 Tote allein in D. ist immerhin schon eine Hausnummer, wenn also jeder 2. an der Seuche gestorben wäre, wie wäre die Reaktion denn dann gewesen.
    Im übrigen, es ist so oft auf die Richtigkeit, sich impfen zu lassen hingewiesen worden, das muss ich nicht alles wiederholen.
    Fazit: Frau Horstmann hat recht.

  4. C. Horstmann sagt:

    Vielen Dank Herr Winter für Iihren Kommentar. Wer in den vergangenen Monaten mal über die eigenen Grenzen geschaut hat wäre vielleicht mal etwas nachdenklicher geworden. In der Geschichte von Seuchen traf es überwiegend die Schwächeren. Und ich hätte in keinem Land leben wollen wo ein Trump oder Bolsonaro die Pandemie erst leugneten und die Bekämpfung erschwerten. Die Zahlen der Verstorbenen sind eindeutig. Das andere Extrem ist die Pandemiebekämpfung in China. Wer fragt da Freiheit und Rechte? Und ganz abscheulich finde ich das Tragen des Judenstern bei Demonstrationen. Sollte man nicht darauf hinweisen das in den Konzentrationslagern die jüdischen Gefangenen unter den medizinischen Versuchen der Nazis bei Impfstoffen leiden mussten. Für die arische Volksgesundheit.