FR-Forum vom 9. bis 14. August

Alle Briefe von Leserinnen und Lesern dieser Woche im Überblick nach ihren Erscheinungstagen und: Offene Diskussion! Lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihre Zuschrift gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier:

  • eine Liste der Erscheinungstage einer Woche;
  • pdf-Dokumente von den Forum-Zeitungsseiten (klicken Sie dazu bitte auf das „eins“ bzw. „zwei“ von „Seite eins“);
  • alle Zuschriften des jeweiligen Erscheinungstags, die keiner hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet werden können;
  • Links zu jenen Zuschriften, die einer hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet wurden;
  • ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie mitdiskutieren können.

Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, um anzuzeigen, welches Thema Sie ansprechen. Es gelten die Blog-Regeln – mit einer Ausnahme: Für die offenen Diskussionen ist der Teil der Regel Nr. 4 ausgesetzt, der sagt: Bleiben Sie beim Thema. Hier kann bunt diskutiert werden. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Im FR-Blog werden die ungekürzten Originalversionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht.

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Forum vom 9. August

Heute ist krankheitsbedingt leider kein Forum erschienen.

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Forum vom 10. August
Leserforum 2 20190916Seite eins

Einige dieser Zuschriften folgen gleich hier, siehe unten. Die anderen wurden laufenden Diskussionen im FR-Blog zugeordnet und dort als Kommentare veröffentlicht. Bitte folgen Sie den Links, die im pdf-Dokument angegeben sind.

Die Wohlstandsretter stehen bereit

Zu: „Mit weniger besser leben“, FR-Wirtschaft vom 4. August

Das, was in dem Interview beschrieben wird, ist keine neue Erkenntnis und letztlich schon seit Jahrzehnten bekannt und wurde sowohl von Wissenschaftlern als auch Umwelt-und Menschenrechtsorganisationen eindringlich angemahnt. Hat das irgendetwas bewirkt? Die Uhr zur Umkehr ist seit 20 Jahren – wenn nicht schon früher – abgelaufen. Und trotz aller belegten Erkenntnisse werden die Parteien und Politiker gewählt, die das ewige Mantra von der einzigartigen Lösung durch ständiges Wirtschaftswachstum insbesondere durch Steuererleichterung herunterbeten und nebenbei von der öffentlichen Hand riesige Investitionen (z.B. Digitalisierung) bei ausgebluteten Staatskassen einfordern. Diese Parteien werden gewählt, weil eine Lobby mit unglaublichen Finanzmitteln gezielt dem „kleinen“ Mann/ Menschen suggeriert, nur so können Arbeitsplätze und damit Wohlstand gesichert werden. Außer der FR gibt es kaum Medien, die wirklich bereit sind, sich damit kritisch auseinderzusetzen und die Menschen aufzuklären.Es wird darum gehen ganz anders zu leben. Da wird es auch nicht helfen kleinere Autos zu nutzen oder ein bischen weniger zu fliegen/reisen.
Allein das Arbeitsplatzversprechen von CDU/FDP wird sich bei der fortschreitenden Digitalisierung unter der eklatanten Steuersenkungsfantasie für vornehmlich der zehn Prozent reichsten Höchstverdiener in Luft auflösen. Aber man möchte doch so gern deren schöne heile Wohlstandwelt genießen. Allerdings gibt man sich da einer Illusion hin. Die unglaublichen Wetterphänomene werden gepaart mit entsprechenden Katastrophen unsere ständigen Begleiter. Macht nix, Steuern runter und dafür das Komma im Finanzetat eine Stelle nach rechts und schon stehen statt 300 Mrd. € sofort 3 Bill.€ bereit, um den darbenden Konzernen aus der Patsche zu helfen. Kostet ja nichts, ist zinsfrei!!! Wir haben zum Glück die FDP, die neben ihren tollen Versprechungen dazu noch die schwarze Null reanimieren will! Hurra, die Wohlstaatsretter stehen bereit.

Gerd Wientzek, Neu-Isenburg

Hier spricht die Vergangenheit

Die FR gibt der „Zukunft eine Stimme“ mit Ideen zur Bio-Ökonomie und Abschied von fossilen Brennstoffen, Fabian Scheidler ruft zum Abschied vom Wachstumsdenken auf, „Mit weniger besser leben“, und dann, zwei Seiten weiter, geht es um die Chip-Krise der Auto-Industrie, es ist die Rede vom „Droh-Potential“, daß 157 000 Mercedes-PKW, und der „Gefahr“, daß 90 000 BMW nicht gebaut werden können. Vielleicht sind die nicht gebauten PKW, die kein Benzin verbrennen und die Städte nicht vollstauen, keine „Drohung“, sondern ein Gewinn an Lebensqualität. Solche Wirtschafts-Artikel sollten mit der Warnung „Hier spricht die Vergangenheit“ versehen werden.

Wilfried Lietzau, Bremen

fr-debatteDämonisierte Natur

Zu: „Wütende Natur“, FR-Titel vom 7. August

Mit großem Erstaunen und mit einer großen Portion „Enttäuschung“ obendrauf lese ich die heutige (07./08.08.21) Titelseite der FR.: „Die wütende Natur“. Nicht so sehr und doch auch der Boulevard-Charakter erinnert allzu stark an ein Blatt mit vier Buchstaben! Die Natur wird personifiziert und dann auch noch dämonisiert! Ich erlebe gerade unmittelbar die Naturgewalt an der Ahr: Flut und Überschwemmung in einem kaum zu erinnernden Maße, aber Hochwasser gehört zu einem funktionierenden System der Ökologie. Wenn wir uns als Menschen in und mit unserer Infrastruktur (Siedlungen und Verkehrswege) geschickt, d.h. an die Natur angepasst, verhalten (hätten), dann wären die tief bedauernswerten Schäden an Menschen und an Material weit geringer gewesen – ganz ohne Anschein von „Besserwisserei“! Nicht anders verhält es sich mit den gegenwärtigen Bränden in Südeuropa und ihren dramatischen Folgen – leider! Die Natur gefällt uns Menschen, wenn sie freundlich, schön und angenehm daherkommt, aber „Jedes Ding hat zwei Seiten“, hat OVID schon um den Beginn unserer Zeitrechnung formuliert.

Winfried Sander, Leimbach

fr-debatteVereint gegen Windkraft

Erwiderung auf „Windenergie ist Klimaschutz“, Forum vom 3.8.

Altmaier will die örtliche Akzeptanz der Windkraft und der Fernstromleitungen erhöhen. Er will nicht nur die Ziele, sondern im Dialog mit den „betroffenen“ Bürgern die notwendigen Maßnahmen besser erklären. Bei einem Erklärungsversuch vor streikenden Schülern ist er schon mal kläglich gescheitert. „Das war ’ne Scheißidee.“
Die Notwendigkeit der Windkraft erklären zu wollen, ist ein schlechter Witz, denn der zentrale Lenker der vereinigten Windkraftgegner im Netzwerk zur Verhinderung der Energiewende in Deutschland, finanziert von den Fossilkonzernen sitzt in seinem Ministerium, der Herr Nicolai Ziegler!
Für die Akzeptanz von Windkraftanlagen gelten schon immer die gesetzlichen Belange wie Lärmschutz und Artenschutz, Schutz vor Schattenwurf und optischer Bedrängung, etc. Akzeptanz ist kein gesetzlicher Belang, so wie bei allen anderen Baumaßnahmen. Kann ich Nachbars Hausbau verhindern?
Er will auch den „Konflikt“ zwischen Klimaschutz und Naturschutz lösen. Das sei das größte noch verbliebene Hindernis, um den Ausbau von Windenergie an Land wieder zu beschleunigen. Doch auch dafür werden längst die vielfältigen Möglichkeiten an Ausgleichsmaßnahmen und wirksamen Artenhilfsprogrammen genutzt. Die Zunahme von Weißstorch, Schwarzstorch, Fischadler, Uhus und Kranichen, z.T. auch Rotmilanen belegen die Artenschutzerfolge. Rotmilan, Mäusebussard, Uhu und Schwarzstorch sind nicht mehr in der Roten Liste. Für einen noch besseren Artenschutz muss der Individuenschutz durch den wirksameren Populationsschutz ersetzt werden. Regionale Maßnahmen und ein nationales Vogelrettungsprogramm sind gefordert. Die stärksten Bestandsrückgänge verzeichnen nicht windenergierelevante Vogelarten, „Offenlandarten“, wie Kiebitz, Feldlerche und Rebhuhn wegen der intensiven Landnutzung.

Martin Krauß, Fernwald

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Forum vom 11. August
Leserforum 2 20190916Seite eins

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Der Volkszorn trifft die Falsche

Moderner Fünfkampf: „Panik, Tränen, Quälerei“, FR-Sport vom 7. August

So, und jetzt trifft Annika Schleu der ganze Volkszorn. In der englischen Sprache wird so etwas „blame the victim“ genannt. Und alle sind jetzt sehr enttäuscht von ihr und von ihrer Trainerin. Doch ist es nur genau so, wie es das nett Wort „enttäuscht“ sagt. Die Täuschung weg. Viele sind jetzt endlich „ent“-täuscht. Zu vielen Leute haben über Jahre hinweg dem, ach‘ so schönen, Pferdesport zugejubelt und weggeguckt, wenn Pferde für’s Massen-Entertainment verheizt werden. Und nun ist sie da, die Täuschung. Und um vom eigenen Versgagen abzulenken, stürzt man sich jetzt auf Annika Schleu. Und so trifft, wie immer, der Volkszorn, die falsche Frau.

Thomas Klikauer, Sydney (AUS)

Pferde sind keine Sportgeräte

Der Moderne Fünfkampf der Reiter bei den Olympischen Spielen in Tokio hat verstörende und abstoßende Bilder geliefert: Angefeuert von den rabiaten Zurufen der Bundestrainerin „Hau mal richtig drauf! Hau drauf!“ versuchte die deutsche Teilnehmerin, frei von der gebotenen Sensibilität, sich das erregte und verängstigte Pferd gefügig zu machen. Wo blieb der Respekt vor der Würde des empfindsamen Tieres? Die vielfache Goldmedaillengewinnerin im Dressurreiten Isabell Werth betonte in einer Stellungnahme zu dem Vorfall, der Fünfkampf habe „nichts, aber auch gar nichts mit Reiten zu tun“; die Pferde seien „Transportmittel, zu denen die Athleten keinerlei Bezug haben“.
Niemand sollte jetzt zur Tagesordnung übergehen. Das Verhalten der Reiterin und ihrer Trainerin muss daran gemessen werden, ob es den Vorschriften des Tierschutzgesetzes genügte und ob es gegebenenfalls strafrechtlich geahndet werden muss. Beide Frauen sollten zudem für nationale und internationale Wettbewerbe zeitlich befristet und im Wiederholungsfall lebenslang gesperrt werden. Nur so kann man sie vielleicht dazu bewegen, darüber nachzudenken, dass Tiere keine wahllos frei verfügbaren Sachen sind und ihre Würde geachtet werden muss. Pferde sind keine leblosen Sportgeräte! Das IOC wäre gut beraten, die reiterlichen Wettbewerbe – nicht zuletzt angesichts der Gefahren für Pferd und Reiter beim Vielseitigkeitsreiten – im Blick auf ihre Tauglichkeit für Olympische Spiele kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Gerhard Schuler, Kelkheim

Pferde haben bei Olympia nichts zu suchen

So will ich eine deutsche Mann-Frauschaft nicht sehen: Frauen werden im Judo öffentlich geohrfeigt, Radfahrer lautstark rassistisch beleidigt, Pferde, die m.E. bei Olympia sowieso nichts zu suchen haben im Rahmen eines seltsamen Offizierssports (moderner 5-Kampf) gequält , gepeitscht und geschlagen, die Verweigerung sexistischer Bekleidung wird sanktioniert. In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

Michael Hafkemeyer, Hamburg

Der Medaillenspiegel bedeutet mir nichts

Ich liebe die Leistung der Sportler, aber muss ich per Medaillenspiegel Komplexe kriegen? Was sind das für Vergleiche? Zig Milliarden gegen zig Millionen? Mir bedeutet das nichts, die Leistung des Menschen zählt und nicht die der staatlichen Funktionäre, die hiermit Ihre Funktion krönen.

Jon Pahlow, Frankfurt

fr-debatteEs ist unerträglich, nicht helfen zu dürfen

Flüchtlingsschiffe im Mittelmeer, Seenotrettung: „Sicher an Land in Sizilien“, FR-Politik vom 9. August

Ein Pilot stürzt vor Norderney ab. Zur Rettung des Piloten waren unter anderem Christoph 26, die Hubschrauber des SAR Northern Rescue, die Polizei Niedersachsen, der Seenotkreuzer Eugen, die Seenotrettungsboote Ellie Hoffmann-Röser und Otto Diersch, ein Schiff der Wasserschutzpolizei sowie Taucher eingesetzt worden, und zwei zivile Schiffe beteiligten sich dazu. So zu lesen in den Ostfriesischen Nachrichten vom 27.7.21 (Titel mit Bild oben auf Seite 1).
2019 befand ich mich mehrere Wochen als Arzt auf der Sea-Watch 3. Wir waren eines der wenigen und zeitweise das einzige Schiff, das Schiffbrüchige im Mittelmeer vor dem Ertrinken retten wollte. Weil die Anrainerstaaten sich weigerten, diese selbstverständliche Aufgabe zu übernehmen, sahen wir uns dazu gezwungen, das für sie zu übernehmen. Uns wurde aber das Auslaufen aus fadenscheinigen Gründen untersagt. Wir mußten uns die ganze Zeit in der sizilianischen Hafenstadt Catania aufhalten.
Es ist unerträglich, Menschen beim Ertrinken zuschauen zu müssen und nicht helfen zu dürfen. Das ist wie auf heißen Kohlen sitzen. So müssen sich westdeutsche Grenzschutzbeamte gefühlt haben, wenn ein Flüchtling auf DDR-Seite der Zonengrenze von DDR-Grenzern angeschossen zum Verbluteten liegen gelassen wurde.
Beim Lesen des Artikels über die leider gescheiterte Rettungsaktion vor Norderney kam mir der Gedanke: Und die Retter durften einfach so in Not geratene Menschen retten?
Genau. Das ist das Normale und Selbstverständliche, was da vor Norderneypassierte. Menschen in Not rettet man und läßt sie nicht sterben. Was auf dem Mittelmeer mit Schiffbrüchigen geschieht ähnelt eher dem Verhalten eines Unrechtsregimes als dem Verhalten einer Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union.

Ralf-Michael Lübbers, Marienhafe

fr-debatteDer Bundesrechnungshof hat auf viele Mängel hingewiesen

Milliardenverluste der Deutschen Bahn: „Zweifach ausgebremst“, FR-Wirtschaft vom 30. Juli

Im Beitrag wird auf die Milliardenverluste der Deutschen Bahn hingewisen. Dabei muss statt einer zweifachen Bremsung eher auf eine vielfache Bremsung hingewiesen werden, die für die Milliardenverluste ursächlich sind. Während die im Beitrag erwähnten Bremsungen durch Corona und Hochwasser natürlich nicht von der DB zu verantworten sind, hat diese bereits vor der Corona-Pandemie hohe Verluste zu vertreten und dabei nicht einmal entsprechende Empfehlungen des Bundesrechnungshofes zum zusätzlichen Finanzierungsbedarf aufgrund der Corona-Pandemie berücksichtigt.
So hat der Bundesrechnungshof bereits mehrfach auf haushaltsrelevante Risiken des Projekts Stuttgat 21 hingewiesen und beispielsweise in einem Bericht vom 13.09.2019 dargelegt, dass das Bundesverkehrsministerium einer wiederholten Aufforderung des zuständigen Bundestagsausschusses, die Baumaßnahme und die Gesamtfinanzierung des Projektes Stuttgart 21 zuwendungsrechtlich zu überwachen, nicht nachgekommen ist. Dabei hat der Bundesrechnungshof es aufgrund erheblicher Kostensteigerungen für erforderlich gehalten, „Risiken, Termine, Kosten und Gesamtfinanzierung des Projekts Stuttgart 21 sowie die Notwendigkeit der noch ausstehenden Projektteile neu zu bewerten“.
In einem weiteren Bericht vom 17. 01.2019 hat der Bundesrechnungshof hingewiesen, dass die DB AG „aktuell 700 Tochterunternehmen besitzt, die
Güter- oder Persoenverkehr und ergänzende Logistikdienstleistungen anbieten – davon mehr als 500 im Ausland“, während das Kerngeschäft durch zahlreiche Probleme wie Unpünktlichkeit, eingeschränkte Verfügbarkeit sowohl des Personals wie auch der Zugflotte und marodes Schienennetz gekennzeichnet sei, wobei die Verschuldung zum damaligen Zeitpunkt auf rd. 20 Mrd. Euro gestiegen ist. Wieviele Kosten könnten eingespart werden, wenn die Bahn wie früher als Behörde organisiert wäre, beispielsweise ohne hochbezahlte Vorstände, in denen abgehalfterte Politiker eine Anschlussversorgung erhalten, und ohne Aufsichtsräte sowie ohne die entsprechenden Organe der Tochtergesellschaften? Dabei erfolgte die Umstrukturierung der Bahn in eine AG Im Jahre 1994 wegen der damaligen Verschuldung, die jedoch in der Folgezeit um ein Vielfaches gestiegen ist.
Deshalb empfahl der Bundesrechnungshof , u.a. auf der Grundlage des Koalitionsvertrages für die ablaufende Legislaturperiode, wonach „für den Bund als Eingentümer nicht die Maximierung des Gewinns, sondern eine sinnvolle Maximierung des Verkehrs auf der Schiene im Vordergrund steht“, und daher „der Bund auf die DB AG einwirken müsse, dass diese sich von den Unternehmensbeteiligungen trennt, die nicht ..im Bundesinteresse stehen“, so etwa die Arriva plc. und die Schenker AG.
In seinem Sonderbericht vom 25. Mai 2020 wegen des Corona-bedingten zusätzlichen Finanzierungsbedarfs hat der Bundesrechnungshof schließlich moniert, dass „die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie beherrschbarer gewesen wären, wenn die Bundesregierung den seit Jahren bekannten und vom Bundesrechnungshof aufgezeigten unternehmerischen Fehlentwicklungen des Konzerns entgegengewirkt (…) hätte, womit operative Verluste gemindert hätten werden können.“ Deshalb wies der Bundesrechnungshof erneut darauf hin, dass die nicht zum grundgesetzlich geregelten Aufgabenbereich der Bahn gehörenden Geschäftstätigkeiten nicht durch den Bund finanziert werden dürfen, und dass sichergestellt werden sollte, dass der Bund keine Fehlentwicklungen oder Verluste finanzieren sollte, „die von der DB AG schon vor Beginn der Corona-Pandemie selbst verursacht wurden.“
Die zusätzlichen Verluste infolge der Hochwasserschäden sollten doch schließlich die Alarmglocken sowohl bei der DB AG wie auch beim Verkehrsministerium läuten lassen, die in den vergangenen Jahren wiederholt ignorierten Empfehlungen des Bundesrechnungshofes endlich zu befolgen! “

Peter Boettel, Göppingen

fr-debatteIst das Gerechtigkeit?

Alexander Zverev: „Endlich im Olymp“, FR-Titel vom 2. August

Seit Monaten versucht sich die FR in gendergerechter Sprache. Und dann dies: Bisher sind alle deutschen Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio von Frauen errungen worden: Ricarda Funk, Dorothee Schneider, Isabell Werth, Jessica von Bredow-Werndl und Julia Krajewski. Und dann gewinnt ein Mann, Alexander Zverev, und die FR widmet ihm sogar die Titelseite. Ist das Gendergerechtigkeit?
Übrigens: Die weiteren Goldmedaillen sind ebenfalls von Frauen gewonnen worden – von Aline Rotter-Focken und Malaika Mihambo.

Gregor Böckermann, Neu-Isenburg

fr-debatteErfolgreiche Inszenierung

Zu: „Aiwanger gibt sich im Streit mit der CSU gelassen“, FR-Politik vom 3.8.

Vor nicht allzu langer Zeit brachte Hubert Aiwanger immer wieder seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass seine Partei, obwohl inzwischen in drei Landtagen vertreten, außerhalb Bayerns in den Medien nicht hinreichend Beachtung finde. Als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl will er das ändern und kämpft um jede Stimme für die Freien Wähler.
Man gibt jetzt dem bayerischen Vize-Ministerpräsidenten viel Raum, seit er sich mit demonstrativer Impfskepsis letztlich erfolgreich inszeniert. Respekt! Ohne seine Chuzpe mit dem Impfzweifel würde seine Partei mangels medialer Präsenz auf jeden Fall unter der Fünf-Prozent-Klausel bleiben. So aber nutzt er die einzige Chance, die er hat, und es funktioniert ja auch insofern, als dass überall über ihn und seine Freien Wähler berichtet wird.
Dass er von sich behauptet, Impfspektiker an die „bürgerliche Mitte“ zu binden, ist geschenkt. Wenn man auf moralische Aspekte verzichtet und nur in gewisser Weise zynisch sein ehrgeiziges Ziel im Sinne von Erfolgswahrscheinlichkeit bewertet, muss man ihm zugestehen, dass seine Strategie tatsächlich durchdacht ist.

Siegfried Kowallek, Neuwied

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Forum vom 12. August
Leserforum 2 20190916Seite eins
Seite zwei

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UN-Konvention wird missachtet

Brandrede: „Auf dem Rücken unserer Jüngsten“, FR-Tagesthema vom 3.8.

Eine ganz hervorragende Brandrede von Nina Luttmer, die ich voll unterstütze. Sie hat mit dieser Brandrede das getan, was der UNO-Diplomat Stéphane Hessel mit seinen Aufrufen „Empört euch“ und „Engagiert euch“, wenn auch damals zu globalen Themen, gemacht hat.
Die Rechte der Kinder, unter anderem auf gesundes Aufwachsen, nach der immer noch nicht ratifizierten Kinderkonvention der Vereinten Nationen, werden, wie man an ihrem ausführlichen Bericht sieht, missachtet. Eltern, schreibt an die Bundestagsfraktionen, auch an die Fraktionen in den Landtagen, für vieles zuständig, und vor allem an die Länder-Ministerpräsidenten.
Schreibt ganz schnell an die großen Presseorgane, wie Nina Luttmer, und gebt nicht auf! Macht Euch selbst zum Anwalt Eurer Kinder! Vor Ort können Eltern sich engagieren – zum Beispiel im Kinderschutzbund und als Elternvertreter in Schulen. Natürlich ist das mühsam und zeitfressend. Aber die Lebenszeit von uns allen verrinnt!
Der Frankfurter Rundschau danke ich für diese Veröffentlichung.

Henny Ludwig, Bad Homburg

fr-debatteWählerinnen und Wähler sind mitverantwortlich

Nina Luttmer hat in einem wichtigen Punkt meine volle Zustimmung: „Bildung und die psychische und körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben in Deutschland keine politische Priorität“. Ja – aber das ist nicht neu hier in einem der wohlhabensten Länder der Welt, das bei der Ausstattung von Bildungseinrichtungen absolut nicht Spitze ist.
Nina Luttmer macht „die Politik“ dafür verantwortlich. „Die Politik“ ist leicht zu beschimpfen, was besonders massiv in Zeiten geschieht, wenn in Krisenzeiten Interessensgegensätze schärfer ausgefochten werden. Ich meine, für die Richtung der Politik ist auch eine:r verantwortlich: der oder die Wähler:in – oder?
Jahrzehntelang wurde in der Bundesrepublik Deutschland der Vorrang der Wirtschaft und des ökonomischen Wachstums gewählt. Politische Richtungen, die es gewagt haben, andere, nicht ökonomisch orientierte Ziele zu nennen, wurden von der Mehrheit der Wähler:innen nicht honoriert. Ist das Furcht vor Veränderung? Angst davor, dass, wenn die Mittel anders verteilt werden, dann der Wohlstand schwindet?
Mich hat es schon vor der Pandemie immer gestört, dass so oft geschimpft wird auf den Öffentlichen Nahverkehr, das Gesundheits- und Rentensystem, das Bildungssystem usw.. Konsequent wäre, andere Prioritäten zu wählen, auch wenn man selbst dafür kurzfristig Einschränkungen hinnehmen muss.

Barbara Becker, Stuttgart

fr-debatteDie anderen sollen sich impfen lassen

Impfpflicht: „Zank um die Ungeimpften“, FR-Politik vom 7. August, und zu: „Von Sachsen lernen“, FR-Meinung vom 3. August

Natürlich muss man Ängste der Menschen, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen, ernst nehmen! Ich habe aber auch mit „ängstlichen Impfgegnern“ gehört , dass doch die anderen sich impfen lassen sollen, und „dann brauche ich das ja nicht mehr“! Wie nennt man denn so ein Verhalten?

Frauke Timmermann, Garbsen

Wer noch keine Impfung hat, wird stigmatisiert

Auch bei t-online werden die geplanten Einschränkungen beschrieben: So soll z.B. der Besuch gastronomischer Einrichtungen und öffentlicher Veranstaltungen vor allem bei hohen Inzidenzwerten (die Höhe der Werte wird nicht genannt) nur noch für Geimpfte und Genesene möglich sein. Es wird unterstellt, dass Bürger*Innen, die jetzt noch keine Impfung haben, zu den sog. „Impfverweiger*Innen“ zählen. Informationen hierzu finden sich hier https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_90566274/diese-corona-regeln-fordert-der-bund-druck-auf-ungeimpfte-waechst.html
Ich selbst habe nun meine beiden Impftermine mit sehr großer Mühe bei einem selbst gewählten Facharzt, von dem ich eine adäquate Beratung erwarten kann, bekommen. Wie mir jedoch durch die Arztpraxis mitgeteilt wurde, wird das Impfangebot dort nun eingestellt. Auch bei meinem Hausarzt ist nun offenbar keine Terminvergabe für die Impfungen mehr ,möglich. Dieser Umstand ist für mich vor dem Hintergrund, dass nun ausreichende Impfstoffmengen zur Verfügung stehen, nicht nachvollziehbar und auch nicht akzeptabel.
Die pauschale Unterstellung, dass Bürger*Innen, die nun „immer noch keine Impfung haben“, zu den Impfverweiger*Innen zählen, empfinde ich vor diesem Hintergrund als Stigmatisierung und als nicht hinnehmbar. Zudem ist m.E. zu prüfen, ob die geplanten Einschränkungen mit den Grundrechten und dem Grundgesetz vereinbar sind. M.E. ist dies nicht der Fall.
Ich befürworte Impfungen grundsätzlich. Dennoch möchte ich zu Bedenken geben, dass ein Impfstoff, bevor er in den Handel kommt, ein 10 – 20-jähriges Zulassungsverfahren durchlaufen muss. Die Impfstoffe gegen Covid-19 wurden dagegen bereits nach 1,5 Jahren zugelassen. Der Impfstoff von Astra Zeneca hatte vor einigen Monaten gezeigt, dass schwerwiegende Risiken offenbar erst Wochen und Monate nach der m.E. viel zu schnell erfolgten Zulassung erkannt wurden.
Vor diesem Hintergrund und vor allem weil es sich hier um neuartige Wirkprinzipien handelt, die auf gentechnischen Methoden basieren (MRNA- Wirkprinzip bei Biontec und Moderna, DNA-Wirkprinzip mittels Vektorvirus bei Astra Zeneca) ist es m.E. unverantwortlich, die Impfung auf Biegen und Brechen bei Kindern und Jugendlichen anzuwenden. Dies gilt auch hinsichtlich des Drucks, der gerade auf die STIKO ausgeübt wird, weil diese die Impfungen für diese Altersgruppe nicht empfiehlt.
Vor dem Hintergrund der ungeklärten Haftungsfrage beim Auftreten von Impfkomplikationen (siehe Hirnvenenthrombosen nach der Impfung mit dem Impfstoff von Astra Zeneca und dem entsprechendem Herumgeeiere, für welche Altersgruppe dieser Impfstoff denn nun verwendet werden kann), ist m.E. ein simpler Verweis auf Impfzentren, in denen wohl eher keine adäquate Beratung erfolgt, nicht zu verantworten.
Covid-19-Erkrankungen sind keineswegs harmlos. Ob die oben genannten Einschränkungen und vor allem der überstürzte Einsatz der gentechnisch basierten Impfstoffe angemessen sind, gilt für mich jedoch zumindest zu hinterfragen und zu reflektieren.
Von den Verantwortlichen im Bundesministerium für Gesundheit, vor allem auch von Herrn Karl Lauterbach und dem RKI (Herr Wieler) erwarte ich einen besonneneren Umgang mit der Corona-Situation. Die genannten Einschränkungen sind zurückzunehmen, zumindest solange nicht jeder wirklich ein Impfangebot seines Arztes seines Vertrauens erhalten hat und vor allem solange alternative Impfstoffe, die auf herkömmlichen Wirkprinzipien beruhen (z.B. Novavax) nicht im Handel sind.

Elke Schneider, Frankfurt

Zu viele Widersprüche, zu viel Irritierendes

Ich bin über die Diskussionen über Rechte für Ungeimpfte irritiert. Es gibt keine Impfpflicht, also kann jeder selbst für sich eine Risikoabschätzung vornehmen und sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Ich bin selbst ungeimpft und bin gesund, stelle also nur für mich und Ungeimpfte ein Risiko dar. Da wenn man geimpft ist, ja einen Schutz hat. Meine Gründe mich gegen eine Impfung zu entscheid, liegen in der Schnelligkeit und in der Eigenschaft des Impfserums. In meinen Augen sind die neuen Rnma Impfstoffe nicht ausreichend getestet. Auch die Schnelligkeit mir welcher die diese Impfstoffe erzeugt worden, regen meinen Wiederstand an. In der Regel brauch es Jahre um einen neuen Impfstoff zu finden, zu weilen wird gar keine Impfstoff gesucht. Oder hängt es damit zusammen das im Moment sehr viel Geld mit einem Impfstoff zuverdienen ist? Warum werden die Patente für die neuen Seren nicht frei gegeben? Wenn wir doch ist Größste Bedrohung der Menschheit im Moment (v. Hirschhausen) haben. Warum gibt es bei anderen Virusseuchen keine Impfung ? Auch bei Tierseuchen wird im Moment zugeschaut wie sich eine Seuche (ASP) Jahr für Jahr weiter ausbreitet und es werden keine Impfstoffe mit Hochdruck gesucht. Ich bin gesund, halt mich viel im Freien auf, halte Abstand und da wo es eng wird(ÖPNV, Einkauf) benutze ich Maske. Warum stelle ich ein Risiko dar und das insbesondere für Geimpfte. Ist mir einfach zu hoch. Wenn ich mir allerdings Artikel und Bilder in der FR anschaue stellen sich mir dann doch noch weitere Fragen. Da war der Artikel über die Veranstaltung in der Sommerwerft. Dicht an dicht saßen da die Besucher auf Bierbänken und eine Seite weiter wurde im Rahmen des Ferienprograms über einen Besuch im Klettergarten berichtet. Das zu gehörige Bild zeigt Kinder im Freien mit großen Abständen und Maske ??? Wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Wer am meisten Krach macht bekommt die meisten Freiheiten? Warum müssen die Flugreisen in Urlaubsländer wie Spanien etc. frei gegeben werden. Nur weil die Reisebranche notleidet und jeder Lobbyist den Berliner Abgeordneten in den Ohren liegt. Zeitgleich jede Jugendarbeit untersagt wird. Ferienfreizeiten es nur mit beschränkten Plätzen gibt und selbst kleinste Abweichungen nicht erlaubt werden (siehe Artikel zur Ferienfreizeit mit 50iger Obergrenze bei geplanten 65 Teilnehmern). Wo liegt hier der Sinn darin? Oder sind wir wirklich nicht mehr in der Lage Verantwortung zu übernehmen um Abweichungen zu tolerieren. Ich bin gespannt wann mir das Einkaufen untersagt wird. Ich bin keines Falls ein Impfgegner, da ich mich sehr viel im Freien aufhalte, bin ich selbst verständlich gegen Tetanus und FSME geimpft, nur um ein Beispiel zu nennen. Also für mich gibt es zu viele Wiedersprüche und Irritierendes bei dieser Diskussion und meine Impfbereitschaft nimmt da durch massiv Schaden und geht gegen Null.

Stefan Ziegler, Frankfurt

fr-debatteVerantwortung für die Opfer

Hassrede auf Facebook: „Das falsche Zeichen“, FR-Meinung vom 30. Juli

Thomas Kaspar kritisiert zu recht, dass der Bundesgerichtshof mit seinem jüngsten Urteil in das Gesicht all jener geschlagen hat, die gegen die Hassrede ankämpfen. Wer die Facebook-Eintragungen vieler Rechtsradikaler betrachtet, der wird schnell fündig, wenn er beweisen will, dass dort Demagogie, rechte Hetze und krudes Gedankengut ihren Platz haben. Sicherlich werden auch Gewalttätigkeiten durch die Eintragungen der Rechten angestachelt. Offensichtlich haben sich die Richterinnen und Richter des Bundesgerichtshofes nicht der Mühe unterzogen, zu bedenken, welch verheerende Wirkung dieses Facebook-Urteil auf diejenigen hat, die unter den Hasskommentaren und Gewaltaufrufen der Rechten im Internet zu leiden haben. Es gilt daher zu überlegen, ob man in dieser Angelegenheit nicht das Bundesverfassungsgericht anrufen müsste. Diese Kritik an der Justiz ist bitter notwendig, um den Verantwortlichen zu signalisieren, dass dieses im Namen des Volkes gesprochene Urteil destabilisierend für die deutsche Demokratie wirken kann. Auch der Bundesgerichtshof kann diejenigen nicht allein lassen, die für den Fortbestand von Gewaltenteilung, Freiheit, Demokratie und Solidarität stehen. Thomas Kaspar hat daher recht, wenn er in seinem Kommentar von einem falschen Zeichen spricht. Notwendig wird es auch sein, dass die Zivilgesellschaft stärker als bisher kritisch mit den Hasskommentaren, die bis zu Mordaufrufen gehen können, umzugehen weiß. Demokratie muss täglich neu erkämpft werden und auch die Richter des Bundesgerichtshofes sollten sich bewusst machen, dass sie eine Verantwortung gegenüber den Bedrohten und Opfern rechter Gewalt in dieser Republik haben.

Manfred Kirsch, Neuwied

fr-debatteBloß nichts Falsches sagen

Zu: „Bei zu vielen Themen ist es ein Eiertanz geworden, darüber zu sprechen“, FR-Feuilleton vom 7.8.

vielen Dank für das interessante Interview und die offenen Worte von Frau Krien. Sie sagt, dass sie „normalerweise beim Schreiben nicht an den Leser oder Kritiker denke.Neuerdings merke sie, dass sie überlegt, wie etwas interpretiert werden könnte“. Ich halte es für „normal“ mir zu überlegen, wie etwas bei anderen ankommt. Nur definitiv wissen kann ich es nicht, selbst bei Menschen, die man sehr gut kennt, ist es nicht möglich. Was ist die Konsequenz? Gar nichts sagen? Zu diesem „Ergebnis“ kommt Frau Krien auch. Das ist aber letztlich das Resultat der Schere im Kopf, der (Selbst-)Zensur, die ein entsprechendes gesellschaftliches Klima reflektiert. Frau Krien meint, dass „bei vielen Themen es zu einem Eiertanz geworden sei, darüber zu sprechen“ und „es müsse doch möglich sein, dass…es auch mal eine Grenzüberschreitung..gebe“ und man nicht „die ganze Zeit darauf bedacht sein kann, bloß nichts Falsches zu sagen, bloß niemanden zu verletzen…“. So ehrenvoll und zivilisiert es ist, niemanden verletzen zu wollen, so muss man doch erkennen, dass dieser Anspruch wirklichkeitsfremd ist. Warum? Es gibt Grenzüberschreitungen, deren Verletzungspotential klar erkennbar und bekannt sind, z. B. die Benutzung des F-Worts oder das N-Worts. Hier würde ich von einem zivilisatorischen, gesellschaftlichen, überindividuellen Common-Sense sprechen. Jemand der dagegen verstösst, weiß, was er tut. Viele Verletzungsmöglichkeiten sind aber hochindividuell, das Individuum kennt sie selber nicht und der Gegenüber schon gar nicht (s. o.), weshalb auch ein „Bedachtsein“ (was nichts anderes ist als Angst) nicht weiterhilft, weil ich nicht alle Verletzungsmöglichkeiten des Individuums mir gegenüber denken kann. Wenn es zur Verletzung/ Grenzüberschreitung gekommen ist, muss der Verletzte mir das mitteilen und ich kann mich „entschuldigen“. Richtig „übel“ sind m. E. nur solche Verletzungen, bei denen der Gegenüber über die Verletzlichkeit des anderen weiß und es trotzdem tut, d. h. es ist zu unterscheiden zwischen bewußt ohne Absicht zu verletzen (1. Bsp.) und bewußt mit Absicht zu kränken (2. Bsp.). Diese Differenzierung wird m. E. zu wenig vorgenommen. Bewußt wird gleichgesetzt mit Absicht, dabei kann ich, wie gezeigt, nicht alle Verletzlichkeiten des anderen kennen. Soll, im obigen Sinne, heißen, sag, was du denkst oder meinst, man kann es nicht jedem recht machen und wenn etwas „schief“ gelaufen ist, entschuldige dich. Oder wie Hegel sagte, „dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum ist…“

Rüdiger Erdmann, Pattensen

fr-debatteAbzug vom Guthaben

Zu: „Die Menschen haben früher schon Erspartes verloren“, FR-Wirtschaft vom 22. Juli

Ein überraschend lockerer Wirtschaftsprofessor. Er schreibt, wenn er in dem Interview richtig wiedergegeben wird: Ach, Leute, regt euch doch nicht auf; Inflation, das gab es immer schon.
Ja, gewiss gab es Inflation, aber nicht durch beschönigend genannte Minuszinsen, die von den Banken von meinem Guthaben weggenommen werden, sondern durch Geldentwertungsvorgänge, auf die die Banken meist keinen oder nur geringen Einfluss hatten.
Früher wurde Geldentwertung verursacht durch Ölscheichs, durch gewerkschaftliche Forderungen, durch kapitalistische Raffgier, vor allem aber durch vom Staat geführte Kriege (zweimal in Deutschland), aber nicht durch Banken.
Ich verstehe nicht, wie ein Professor die Minderung eines (positiven) Zinses de facto gleichsetzen kann mit der Minderung meines Guthabens durch die Bank. Wenn die Bank mir nur noch ein halbes Prozent Zins statt eines ganzen Prozents Zins zahlt, bleibt mein Kapital immer noch unangetastet. Aber Negativ-Zinsen sind ein Abzug von meinem Guthaben. Mir ist schleierhaft, wie ein Universitätsprofessor so salopp über den Unterschied von „weniger Zins“ und „Wegnahme meines Guthabens“ hinweggehen kann.

Veit Feger, Ehingen

Balken 4
Forum vom 13. August
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Ein „Weiter so!“ kann es nicht mehr geben

Wahlkampf, Klimapolitik: „Der Erde läuft die Zeit davon“ und „Anstrengende Wahl, FR-Politik vom 10. 8. und -Meinung vom 2. August

Der Klimawandel ist unübersehbar bei uns angekommen, vernichtet Menschleben und Existenzen, gleich-zeitig rollt die vierte Coronawelle an. Den Bundestagswahlkampf dominieren aber eher abseitige Problem-chen, ob etwa Spitzenkandidat:innen das böse N-Wort aussprechen dürfen oder ob sie in Büchern, die weder jemand vermisst hat noch irgendwann lesen wird, gelegentlich die Regeln wissenschaftlichen Arbei-tens ignoriert haben.
Mit Ausnahme der Grünen hat das Führungspersonal noch gar nicht realisiert, dass es ein „weiter so!“ nicht mehr geben kann. Von Herrn Laschet wissen wir, dass er angesichts der erschreckenden Hochwasserop-ferzahlen und Zerstörungen seine Politik nicht ändern will, nur „weil jetzt so ein Tag ist“. Da fragt man sich fassungslos, was passieren muss, damit der Christdemokrat den Weckruf hört! Die SPD behauptet, „Scholz packt das an“, doch mit welchen konkreten Konzepten er was anpacken will, bleibt (vorerst?) ihr Geheimnis. Und bei der FDP hat man schon immer gewusst, dass der Markt das Allheilmittel zur Lösung gesellschaftspolitischer Probleme aller Art bleibt, egal, wie oft dieser in der Vergangenheit dabei bereits versagt hat.
Wie wird sich unsere Zukunft unter den Bedingungen des Klimawandels gestalten? Wer sich um das wich-tigste Staatsamt bewirbt, darf sich nicht in Phrasen und Worthülsen flüchten. Ganz offensichtlich ist eine neue Definition von Wohlstand und Lebensqualität erforderlich, die sich von einem Wachstumsfetischis-mus, der auf sinnfreiem Konsum basiert, endgültig verabschiedet. Ich bin gespannt.

Leo Paulheim, Immenhausen

Die wirklichen Probleme anpacken

Andreas Niesmann rühmt „pragmatische Politik“ und lobt die Deutschen dafür, dass sie, wie er meint, eine solche Politik mehrheitlich ebenso wertschätzen. Zweifellos ist eine Politik schlecht beraten, die sich auf das Verkünden hehrer Ziele beschränkt und glaubt, einen konkreten Nutzen ihres Handelns für große Gruppen von Menschen nicht benennen zu müssen.
Leider bleibt sein eigenes Verständnis „pragmatischer Politik“ ebenso blass und unkonkret. Und er geizt mit Beispielen, welche und wessen Politik inwiefern als gelungen pragmatisch anzusehen sind – und welche nicht. Sein Vertrauen in den politischen Pragmatismus der meisten Deutschen kann wenig überzeugen, wenn es über Jahre und Jahrzehnte möglich ist, mit billigen Leerformeln große Teile der Wählerschaft bei der Stange zu halten, während die tatsächliche Politik zumindest der bisher erfolgreichsten Parteienformation weitgehend ganz anderen Interessen als denen ihrer meisten Wählerinnen und Wähler dienlich war und ist.
Dass „weite Teile“ der SPD „keine Lust auf das Regieren haben“, hat wenig mit Abneigung gegen pragmatische Politik zu tun, aber sehr viel mit den Erfahrungen, die diese Partei mit so genannten „Großen Koalitionen“ hat machen müssen. Die Verdienste der von Niesmann gelobten „guten Minister:innen“ der SPD sind von der Wählermehrheit nicht der SPD gutgeschrieben worden. Und mit Norbert Walter-Borjans ist kein Feind pragmatischer Politik zum SPD-Kovorsitzenden gewählt worden, sondern ein als NRW-Finanzminister erfahrener Kämpfer gegen Steuerhinterziehung durch reiche Privatleute. Olaf Scholz‘ Misserfolg bei den Vorstandswahlen ist auf seine lange anhaltende Unterstützung des Schröder-Kurses zurückzuführen, der seinerzeit oft als „pragmatisch“ gepriesen wurde, dem Ruf der SPD bei großen Teilen ihrer Wählerschaft aber nachhaltig geschadet hat.
Ganz abwegig ist es, wenn „die Deutschen“ nach wie vor nur auf die jeweiligen Spitzenkandidat:innen blicken und über die Köpfe der jeweiligen lokalen und regionalen Kandidat:innen hinwegschauen. Die persönliche Vertrauenswürdigkeit Angela Merkels z. B. hat bei jeder der letzten vier Bundestagswahlen vielen Lobbyist:innen geholfen, als Abgeordnete ausschließlich die Interessen reicher Minderheiten durchzusetzen.
Von der FR wünsche ich mir – besonders jetzt im Vorfeld der Bundestagswahlen, aber auch durch kontinuierliche Berichterstattung – mehr differenzierte Auskünfte etwa über die Folgen, die eine Realisierung bestimmter programmatischer Aussagen der Parteien für wichtige soziale Gruppen hätte, z. B. im Hinblick auf die Steuerpolitik, ebenso über das Wirken der außer- und innerparlamentarischen Lobbys, vor allem über ihren Einfluss auf die Gesetzgebung.

Jürgen Kasiske, Hamburg

Der Erde sind die Menschen egal

Über die Überschrift von Herrn Mihatschs Artikel musste ich lachen! Wieso läuft der Erde die Zeit davon??? Dieser Planet besteht seit vielen vielen Jahren und wird auch in vielen vielen Jahren noch bestehen! Der Erdbevölkerung läuft die Zeit davon, lange genug ist nichts passiert, um die Bedrohung durch die Elemente zu vermeiden.
Der Erde, dem Wetter und dem Klima sind die Menschen vollkommen egal Und der weltweit vorherrschende Egoismus wird trotz aller wenn auch nur halbherzigen Bemühungen dazu führen, dass wir ab Zeitpunkt X täglich irgendwelche Katastrophen erleben. Die Flut im Ahrtal war nur ein Beispiel. Und wenn jetzt an gleicher Stelle wieder aufgebaut wird frage ich mich: was passiert, wenn der nächste Regen in, sagen wir, 4 Jahren kommt? Haben wir bis dahin etwas gelernt? Wohl kaum!

Albert Henkel, Wehrheim

fr-debatteMehr Empathie für die einfachen Menschen

Olaf Scholz: „Der nette Macher“ und „Endspurt mit Fehlstarts“, FR-Politik vom 30. Juli und 7. August

Die Selbstinszenierung von Olaf Scholz kann nicht überzeugen. Denn auch wenn Deutschland nach mehr als 16 Jahren unter der Stillstandskanzlerin Angela Merkel sogar sehr gut einen neuen Regierungschef mit Macherqualitäten sowie vor allem mehr Empathie für die einfachen Menschen gebrauchen könnte, bleiben einige Zweifel, ob dieses Bild wirklich auf den (Noch-) Vizekanzler passt. Zumindest in seiner Zeit als Hamburger Bürgermeister hat er wie zum Beispiel bei der gescheiterten Olympiabewerbung lieber einsame technokratische Entscheidungen getroffen und sich trotz des Risikos stark steigender Mieten kein einziges Mal bei einer öffentlichen Veranstaltung im direkt betroffenen ärmeren Stadtteil Veddel mit der Bevölkerung ausgetauscht. Deshalb besteht hier leider eine riesige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die höchstens durch eine mutige Aufbruchsagenda wie 1972 unter Willy Brandt geschlossen werden könnte, an der es aber im erheblichen Maße mangelt, da ausgerechnet ein Megathema wie Bildung trotz einer coronabedingten nochmaligen Verschärfung der ohnehin in Deutschland schon schlechten Chancengerechtigkeit und der Zugehörigkeit zum historischen Markenkern der SPD in der gesamten viel zu müden Wahlkampagne der Partei so gut wie keinerlei Rolle spielt!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Das Kalkül des Wahlkampfmanagers

Lars Klingbeil, Generalsekretär und Wahlkampfmanager der SPD, setzt in der vorgestellten Plakatkampagne (von Raphael Brinkert) ganz auf den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Das ist verständlich, denn in den Umfragen, (wem man denn das Amt des Kanzlers/der Kanzlerin am ehesten zutraue), rangiert Scholz mit 35 Prozentpunkten unangefochten vor Annalena Baerbock und Armin Laschet auf Platz eins, während sich die Partei mit nur 16 Prozent Zustimmung bei den Befragten immer noch nicht wirklich von ihrem Tief erholt hat.
Mit den beiden amtierenden Vorsitzenden Saskia Esken, Norbert Walter Borjans und dem ehemaligen Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert glaubt Klingbeil wohl keinen Stich machen zu können. Die CDU-Gemeinde twittert währenddessen fleißig, dass der, der Scholz und der SPD die Stimme gebe, eben auch Esken, Borjans und Kühnert wähle.
Aber auch deshalb setzt Klingbeil auf Scholz: Die wichtigsten Qualitäten eines Politikers sind nach Max Weber Sachlichkeit, Leidenschaft, Verantwortungsgefühl, Augenmaß und Uneitelkeit. Wer verkörpert diese Eigenschaften besser als der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz?

Klaus Störch, Flörsheim

fr-debattePersönliche Beschädigung

Plagiatsvorwürfe: „Laschet stolpert erneut“, FR-Politik vom 31. Juli

Plagiatsjäger haben derzeit im Vorfeld der Bundestagswahl Hochkonjunktur. Wer suchet,der wird auch etwas finden. Das gilt für alle Kanzlerkandidaten, doch wie werden die Wählerinnen dieses Verhalten bei der Stimmabgabe bewerten?
Dass Politiker mit vielseitigen Begabungen sich als Schriftsteller ausprobieren, nebenbei ein Extra-Verdienst, scheint irgendwie reizvoll zu sein, angefangen von Gregor Gysi bis Robert Habeck – alle Parteien sind vertreten. Doch Plagiatsaffären erhöhen nicht die Wahlchancen, um Kanzlerin zu werden. Es geht dabei auch nicht mehr um politische Inhalte, sondern um persönliche Beschädigungen, die Eignung als künftige Bundeskanzlerin öffentlich zu deskreditieren bzw.die Kandidatur absolut in Frage zu stellen.
Die mediale Berichterstattung und Bewertungen beeinflussen in subjektiver Weise damit auch das Wahlverhalten und den Ausgang der Wahl.

Thomas Bartsch-Hauschild, Hamburg

fr-debatteDie wollen nur spielen

Zu: „Aiwanger gibt sich im Streit mit CSU gelassen“ , FR-Politik vom 3. August

Stellen wir uns einmal vor, Herr Aiwanger, der stellvertretende Ministerpräsident des Freistaats Bayern und damit Vertreter von Markus Söder, wäre als Impfgegner, der er ist, Vertreter einer anderen Landesregierung: Wie würde Söder wohl reagieren? Und was würde er dazu sagen, wenn ein anderer Verkehrsminister einer anderen Partei statt Andreas Scheuer 300 Millionen Euro für seine „Ausländermaut“ aus dem Fenster geworfen hätte? Und schließlich: Wie würde er seine eigene Wendehalspolitik und die seiner Partei der CSU, was Klima, Umwelt und Bahn betrifft, bewerten, wenn sie der politische Gegner praktiziert hätte? Ein ungeschickt geführter Wahlkampf, eine unsachgemässe Formulierung, ein nicht nachgewiesenes Zitat scheinen größere Wirkung bei Medien und Wählerinnen und Wählern zu erzielen als konkrete Inhalte.
Und noch weiter sind wir davon entfernt, diese Inhalte in Taten umzusetzen. Zudem erweist sich, dass Kapitalismus im Verbund mit einem neoliberalen Wirtschaftssystem durch deren enormen Ressourcenverbrauch und nur auf Gewinne ausgerichtet eine nachhaltige Klimapolitik unmöglich machen. Welche Partei ist bereit, dies zu benennen und eine grundsätzlich andere Wirtschafts- und Kapitalpolitik zumindest zu fordern? Herr Söder und seine CSU handeln im strategischen Sinne, also ausgerichtet auf den Machterhalt, schlau. Man könnte auch zu dem Schluß
kommen: Die wollen ja nur spielen, nämlich Macht- und Geldspielchen.
Auch Laschet und die CDU sind von einer Klimapolitik Welten entfernt.
Aber diese Politik erscheint mir ganz und gar nicht klug in Anbetracht von verheerenden Dürren, Stürmen und Überflutungen.

Robert Maxeiner, Frankfurt

Balken 4
Forum vom 14. August
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Schnelle Entscheidungen sind nicht immer kluge Entscheidungen

Impfen von Kindern: „Von Sachsen lernen“ und „Um aller Willen“, FR-Meinung vom 3. August und 30. Juli

Ja, ich bin erbost über die leidige Diskussion ob der Impfempfehlung der ab 12j-ährigen Kinder.
Und wieso muss sich die Frankfurter Rundschau noch mit ‚Leit’artikeln an dem allgemeinen Irrsinn beteiligen, der Mediziner und Naturwissenschaftler sprachlos stehen lässt. Es ist mittlerweile ein unerträglicher Populismus um dieses Thema entstanden mit einer widersinnigen Dynamik, die keinem Faktensammeln mehr Raum geben will. Für mich ist die Stiko DAS NATIONALE Gremium, um Impfempfehlungen auszusprechen und ich finde es nur folgerichtig, dass Prof. Merten mit bedachten Worten um Geduld mahnt. Als ob jetzt zwei oder drei Wochen nach den schönen Urlaubsreisen die Dringlichkeit verschärfen würden. Es sind nicht immer die vorschnellen Entscheidungen, die sich in der Folge als die klugen erweisen. Warum beteiligt sich Herr Szent-Ivanyl daran, die Autorität dieser honorigen Gruppe zu untergraben und damit den vielen ach so lauten wahlkampfgesteuerten Rufen aus der Politik zu Munde zu reden? Solche Artikel bieten weiteren Nährstoff für Unsichere, wo sich gerade heute die Experten schon überbieten in guten Ratschlägen, die Impfmüdigkeit zu überwinden. Ob Plaket-oder Animationsfilmchen, es würde nützen, wenn nicht kleine Splitterexpertenrunden wie die benannte SIKO hofiert würden sondern endlich BESONNENHEIT einkehrte. Anmaßend und despektierlich finde ich es, von alten verstockten Mitgliedern der Stiko angesichts des sog. Stiko-Bashing, welch dämlicher Ausdruck, zu sprechen. Die erwähnten Kollateralschäden bei den Kindern-und Jugendlichen kommen nicht dadurch, dass ihnen jetzt eine Impfung (noch) nicht empfohlen wird, sondern weil sie über 1 Jahr ohne Muss von ihrem Kind-und Jugendleben ferngehalten wurden. Das ist der eigentliche Skandal, den man heute erkennen kann und ehrlich auch benennen soll. Wenn Erwachsene, Politiker, Lehrer unsere Jugendlichen schützen wollen und ihnen ihr freies Leben zurückgeben wollen, dann müssen wir Erwachsenen uns impfen lassen. Und nicht heute schon unsäglich großzügige Aussagen von Herrn Spahn publizieren, der über 1 Mio Astra Zeneca Impfstoffdosen an ärmere Länder abgegeben will und eine 3.Impfung, die auch schon laut beworben wird, möglicherweise hinten anzustellen, da es global gar keinen Sinn macht, wenn nicht wenigstens 10% der Bevölkerung einer JEDEN Nation geimpft sind. Und, da ist der deutsche Wahlkampf und eine Menge Impfstoffdosen, die erst heiß begehrt, teuer erworben, jetzt dem Verderben preisgegeben sind. Jämmerlich.
Die Berichterstattungen zu diesem Thema sind so kontrovers wie aufheizend, bitte beteiligen Sie sich nicht daran, sondern versuchen, Ruhe und Sachlichkeit einziehen zu lassen.

Marion Krug, Kelkheim

Über welches bessere Wissen verfügt die Politik?

Die Kolumne von Richard Meng am Freitag, den 30.7.21 bringt allmählich mein Fass zum Überlaufen. Der Kuratoriumsvorsitzende einer Stiftung, die einen „engagierten, der Demokratie und sozialen Gerechtigkeit verpflichteten Journalismus“ fördern will, maßt sich an, die ständige Impfkommission zu rügen, weil sie den Wünschen der Politik nach wissenschaftlicher Absegnung von Kinderimpfungen nicht nachkommen will. Über welch besseres Wissen bezüglich Nutzen-Schaden-Relation, Pharmakinetik, Pharmakodynamik, Toxizität, Meldefrequenz von schweren Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und Krankheiten, Autoimmunität, Kanzerogenität usw. verfügen denn Druck machende Politiker und Herr Meng? Sollen die Eltern von 14 Millionen gesunden Kindern und Jugendlichen die laut PEI bei 14 Mio. Erwachsenen statistisch zu erwartenden 5600 schweren Nebenwirkungen einschließlich Todesfälle ohne nennenswerte Selbstgefährdung für einer illusionäre „Herdenimmunität“ in Kauf nehmen? Haben die Kinder in den Lockdowns nicht schon genug gelitten bis die Alten und Gefährdeten geimpft wurden? Wenn ideologisch aufgeheiztes Agitieren einen wissenschaftlich sorgfältigen Diskurs ersetzen soll, bewegen wir uns moralisch dahin, wo wir mit der Verschwisterung des Sozialdarwinismus und der Politik und dem Primat einer „Volksgesundheit“ zulasten der Schwächsten schon einmal waren. Als zweiundsiebzig Jahre alter Hausarzt, der während der gesamten Corona-Zeit seine Patienten versorgte und der seine medizinhistorische Dissertation einst über die Rassenhygiene und die Rassenideologie in der Weimarer Zeit verfasste, bin ich über den Verlust eines vorurteilsfreien und breiten wissenschaftlichen Diskurses in allergrößter Sorge.

Dr. Erich Freisleben, Berlin

fr-debatteMilliarden an Fördermitteln

Zu: “ Mit weniger besser leben“ , FR-Wirtschaft vom 4. August

Wenn wir es schaffen, aus der Pandemie rauszukommen, werden wir begreifen müssen, dass wir es bereits mit einer wesentlich größeren Herausforderung zu tun haben: der Klimveränderung und den gigantischen Auswirkungen. Die wichtigsten Bereiche, die wesentlichen Einfluss darauf haben, sind die Energiegewinnung/-speicherung, Verkehr sowie die Landwirtschaft. Der Landwirtschaft kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, hat sie doch den größten Einfluss auf hochwertige Lebensmittel und gesundes Trinkwasser, Bio-Diversität, Tierwohl und das Klima, weil sie z.B. weltweit für Treibhausgase verantwortlich ist, zumindest für einen bestimmten Teil. Es gibt diverse Bemühungen, hie und da Verbesserungen zu erreichen. Angesichts der Gesamtproblematik sind die nicht ausreichend. Insbesondere helfen solche Wahlkampfauftritte nicht weiter.
Unsere Landwirte sind nicht das Problem, die wissen, wie nachhaltig geht und dass sie entsprechend wirtschaften müssen. Das Problem ist die Politik und voran die CDU/CSU. Wenn man so lange die Gestaltung der Richtlinien bestimmt hat, dann hat man es so gewollt, wie es jetzt ist.
Was ist denn sinnvoll dran, aus Brasilien solche Mengen an Soja zu importieren, damit den Anreiz zur Abholzung der Regenwälder zu schaffen und hier bei uns Unmengen von billigem Fleisch und Milch zu produzieren und die Produkte dann in aller Welt zu vermarkten? Durch Magermilchpulver mit Dumpingpreisen verhindern wir die Milchproduktion in Afrika. Mit den Überschuessen lassen sich die Preise drücken.
Verarbeitende Industrie und Handel reiben sich die Hände und treiben die Bauern so vor sich her. Die Politik ist gefragt, die Milliarden Fördermittel, verbunden mit sinnvollen Bewirtschaftungskriterien, zu vergeben. 50 Prozent der 50 Milliarden erhalten ein Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU. Darunter sind leider immer mehr Konzerne, die Millionen abgreifen, nur weil sie das Land besitzen. Um die vier Millionen Betriebe erhalten die zweite Hälfte .
Feintuning reicht heute nicht mehr aus, grundsätzliche Entscheidungen sind gefragt.

Rainer Prosik, Hattenhofen

fr-debatteIch ertrage den Hass nicht

Erwiderung auf „Pferde sind keine Sportgeräte!“, FR-Forum vom 11.8.

Vorab, ich sah den Anfang dieses Dramas und habe abgeschaltet, da ich den Anblick nicht ertragen habe. Pferd und Reiterin in völliger Panik.
Was ich genauso wenig ertragen kann, ist der Hass, den sich offenbar viele nicht scheuen, über Annika Schleu auszugießen. Das war eine Extremsituation für Ross und Reiterin. Eine Sportlerin/ ein Sportler arbeitet hart für das Ziel Olympia. Das Ziel der ersehnten Medaille so nah vor Augen ist eine Ausnahmesituation und sagt nichts über das Verhältnis der Reiterin zum Pferd aus.
Was wird daraus gemacht? Die, die vorgeblich für das Tierwohl eintreten, haben gleichzeitig keine Hemmungen über einen Menschen verbal her zu fallen. Merken diese Menschen nicht, dass sie das, was sie der Reiterin unterstellen und verurteilen selbst tun? Ist es normal sein Missfallen mit Hass an einen Menschen heranzutragen? Wo ist die Achtung anderen gegenüber geblieben und wäre es nicht angebracht, die Situation und die eigene Reaktion darauf zu reflektieren?
Noch eines, ich liebe Pferde. Ich hänge an jedem Zaun der mir begegnet und bewundere die Kraft und Schönheit dieser Tiere und es hat weh getan diesen Moment zu sehen, aber Hass für die Reiterin kann ich in mir nicht finden.

Anna Hartl, Frankfurt

fr-debatteSo eine Frechheit!

Zu: „Die Tränen des Lionel Messi“, FR-Sport vom 9. August

Da bietet Lionel Messi großzügig an, auf die Hälfte seines Gehalts zu verzichten, und der FC Barcelona lehnt das ab. So eine Frechheit! Bei aller Liebe zum FC Barcelona kann ihm doch nicht zugemutet werden, für noch weniger als 70 Millionen Euro die Fußballschuhe zu schnüren. Das kann er sich nicht leisten.

Fritz Brehm, Frankfurt

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2 Kommentare

  1. Leute, tickt ihr denn noch richtig?
    Kolumne von Michael Herl am 10.08.21

    Nach meinem Eindruck ticken tatsächlich zu viele völlig falsch. Und es kommt mir so vor, als ginge neben Covid-19 eine zweite Seuche durchs Land. Nämlich die infektiöse Dummheit. Übergesprungen aus den Giftlaboren der Verschwörungsideologen und massiv unterstützt von BILD, Facebook & Co. Auch einige Politiker stimmen parteiübergreifend in die Gesänge vom Untergang ein, selbst solche, von denen man anderes erwartet hätte. Darunter die Co-Vorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, die sich gegen „Privilegien“ für Geimpfte aussprach. Und sie begründete das mit der Pflicht zum solidarischen Zusammenstehen in der Gesellschaft und mit der Notwendigkeit, aufeinander Rücksicht nehmen zu müssen.

    Möglicherweise artikuliert sie damit eine Stimmung, die in Ostdeutschland, dem Kernland der Linken, besonders häufig anzutreffen ist und die bislang vor allem von der AfD aufgegriffen und weiterentfacht wird. Also von jenen, die für Entsolidarisierung, Rücksichtslosigkeit, Verbreitung plattester Dummheit, das Infragestellen von Grundrechten und generell für Inhumanität stehen.

    Impfgegner informieren sich nachweislich schlecht und dies vor allem auf obskuren Internetseiten, wo Brandstifter ihre Ideologien propagieren und Verblendete den angelesenen Schwachsinn ohne Murren schlucken.

    Angesichts der weltweit wütenden Corona-Pandemie kann es nur ein angemessenes Verhalten geben. Menschen müssen sich impfen lassen. Und es sollten so viele sein, dass die sogenannte Herdenimmunität erreicht wird. Dadurch halten sie das Risiko für Ansteckungen und lebensgefährliche Verläufe extrem niedrig. Verkürzt gesagt: Doppelt Geimpfte schützen sich gegenseitig.

    Wer sich solidarisch verhalten und eine gefährliche Krankheit erfolgreich bekämpft hat, darf mit einem Dank der Gesellschaft rechnen. Konkret mit der Lockerung, gar Aufhebung von Beschränkungen, sodass z.B. Restaurant-, Kino- oder Theaterbesuche wieder in einem früher gewohnten Rahmen möglich sind. Das hat nichts mit der Zuerkennung von Sonderrechten zu tun, wie Frau Hennig-Wellsow meint. Vielmehr handelt es sich sowohl um Anerkennung und Motivation zum Weitermachen als auch um einen Erfolgsbeweis. Denn Geimpfte erkranken kaum noch, und falls doch, selten schwer. Zudem sind sie nicht länger Virus-Wirte und tragen deswegen nicht zum Entstehen weiterer Mutanten bei.

    Bleibt die Frage, was mit den anderen, den Unsolidarischen, geschehen soll. Sie haben sich aus fadenscheinigen Gründen gegen ein Miteinander entschieden. Sollen sie trotzdem in den Genuss des Fortfalls von Restriktionen kommen, obwohl sie Träger und Verbreiter eines Virus sein können und sie Leben und Gesundheit der anderen offenbar nicht interessiert?

    Ich bin der Überzeugung, dass dieses Verhalten nicht belohnt werden darf. Denn das wäre eine Umkehrung aller Werte, wäre eine Hinwendung zur Wertlosigkeit. Aber jedem sollte auch die Chance zur Umkehr eingeräumt werden. Wer sich jetzt doppelt impfen lässt, kann nach der Wartezeit wieder Mitmensch sein.

    Das „Ohne mich“ von AfD, Querdenkern und ähnlichen Hasardeuren darf keine gesellschaftlich akzeptierte Verhaltensweise werden. Die an sich begrüßenswerte Toleranz gegenüber Andersdenkenden (wenn es denn tatsächlich Denkende mit moralischen Grundsätzen sind, also keine „Querdenker“) darf nicht in Beliebigkeit umschlagen. Denn diese ist wahllos und willkürlich; sie bedeutet, ein Leben zu führen zu Lasten anderer.

  2. hans sagt:

    zu @ Klaus Philipp Mertens
    Der Delta Mutant ist wohl sehr ansteckend. Deshalb wird es wohl auf der Zeitachse auf eine Durchseuchung hinaus laufen. Ob wir das wollen oder nicht. Man kann jetzt versuchen die Impfgegner zu ihrem Glück ich sage mal hin zu führen, wenn das aber nicht erfolgreich ist ist es auch perspektivlos. Wie lange will man das machen wenn sich 15 oder 20 Millionen nicht impfen lassen? Ich denke nächstes Frühjahr wird man sich ansehen müssen was in GB passiert ist und wahrscheinlich ähnlich vorgehen.