Wie werden wir und wie sollten wir künftig leben?

In diesem Thread werden sicher noch viele Leserbriefe veröffentlicht werden, denn es geht um eine wichtige Frage: Welche Konsequenzen ziehen wir aus der „Coronakrise“? Wie werden wir, wie sollten wir künftig leben? Dazu gab es hier im FR-Blog bereits eine Diskussion: Die Welt von morgen soll anders aussehen als die von heute. Wir nehmen den Faden wieder auf. Manche Leserinnen und Leser haben mir zwar geschrieben, sie könnten keinen Sinn darin erkennen, jetzt schon über die Welt von morgen nachzudenken, wo man noch nicht einmal sicher weiß, mit welchen Bedingungen und auf welcher Basis wir in diese Welt starten. Doch Gedanken kann man sich trotzdem schon mal machen, zumal einige von uns momentan Zeit dafür haben.

Wir werden harte Verteilungskämpfe kriegen“, sagt der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel, denn der ökonomische Shutdown hat viele Opfer hervorgebracht, und weitere werden folgen. FR-Leser Ralf-Michael Lübbers weist in diesem Zusammenhang auf einen „Systemfehler“ hin, wie er es nennt – siehe sein Leserbrief, der unten folgt -: „In Zeiten des Marktfundamentalismus geht es nicht mehr um das gute Leben von möglichst vielen, sondern ausschließlich um den Profit von ganz wenigen.“ Was folgt daraus nach der „Coronakrise“?

Für FR-Leser Dietrich Weinbrenner hingegen steht ein anderer Aspekt im Vordergrund: Die Pandemie lenkt unseren Blick auf längst bestehende Missstände – im konkreten Fall auf die im Schlachtbetrieb, wo die Arbeitsbedingungen für osteuropäische Niedriglöhner schon seit Jahren deutschen Arbeitsschutzregeln spotten. Gerade diese Schlachtbetriebe sind derzeit Hotspots der Sars-CoV-2 Ausbreitung. Grünen-Chef Robert Habeck kritisiert diese miserablen Zustände scharf, Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hätte gern schon längst was gegen diese Zustände unternommen. Was folgt daraus für das Billigfleischland Deutschland?

Update 21. Mai
Leserforum 2 20190916Freitags veröffentlicht das FR-Leserforum aus Solidarität mit der Klimaschutz-Bewegung „Fridays von Future“ Leserbriefe, die sich mit Fragen um die Klimaproblematik beschäftigen. So auch heute. Hier geht es zum pdf der Zeitungsseite.

FR-Leser Manfred Schönfeld sieht den Sündenfall in der Verkehrspolitik und findet: Manchmal ist der Rückwärtsgang nötig. Zum Leserbrief ein bisschen nach unten scrollen! Das gilt auch für die folgenden Zuschriften: Leo Paulheim meint, dass die Corona-Krise nicht dazu dienen darf, fundamentale Sinn- und Zukunftsfragen zu ignorieren. Peter Weidhaas mahnt: Krankheiten sind immer ein Zeichen für ein falsches Verhalten. Manfred Wetzel hat zwei Leserbriefe geschickt, einen über die – wie er es aus den Reaktionen auf die Corona-Krise liest – „Lehrstunde über Heuchelei“ und einen, in dem er umweltfeindliche Gewerkschafter kritisiert. Die erste dieser beiden Zuschriften wurde nicht im Print-Leserforum veröffentlicht. Rainer Wild schreibt über das Abschmelzen des Grönlandeises und den Konsequenzen: „Wir wissen es längst!“ Und Detlef Breitenband kritisiert, dass die FR auch „Fridays for Future“ gelegentlich kritisiert: „Kleinkariert und ärgerlich“.

Alle diese Zuschriften finden sich hier in der Anmoderation (nicht, wie zuvor gehandhabt, als Kommentare in der laufenden Diskussion). Sie können als Aufhänger dienen, um die Debatte über die Zeit nach Corona zu führen.

Hier im FR-Blog werden immer die ungekürzten Versionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht.

Updates folgen!

fr-debatteDie soziale Marktwirtschaft muss wieder her!

Herr Merkel sagt: „Es gibt zahlreiche … Kontexte, in denen gefährliche Situationen zum Alltag gehören, aber den Freiheitsrechten der Bürger überantwortet bleiben.“ Und er führt als Beispiel Alkohol-, Raucher-und Verkehrstote an.
Sicher ist es richtig, dass man nicht unnötig in die Freiheitsrechte der Menschen eingreifen darf. Das wäre sonst totalitär. Es stellt sich aber die Frage, warum so viele Gesunde etwas tun, was sie und ihre Liebsten umbringt. Allein durch Rauchen sterben jedes Jahr in Deutschland 100.000 bis 140.000 Menschen.
Sind es tatsächlich freie Bürger, die wohl informiert nach reiflicher Überlegung zur Zigarette greifen, zum Alkohol oder zum schnellen Auto? Nikotin macht so abhängig wie Heroin und Kokain. Jeder zweite Raucher stirbt an einer tabakbedingten Krankheit und verliert dabei im Schnitt 10 Lebensjahre bei schlechterer Lebensqualität im Vergleich zu Nierauchern. Trotzdem fang ich jetzt einfach mal an?!
Ist es nicht vielmehr die Industrie, die aus reiner Profitgier Menschen dazu verführt, Dinge zu tun, die ihnen und anderen objektiv mehr schaden als nutzen?! Werbung hauptsächlich für Tabak, Alkohol, Süßigkeiten und Autos. Zigarettenautomaten. Zusatzstoffe, die die Sucht nach Tabak drastisch verschlimmern. Mit viel Geld betriebene Einflußnahme auf die Politik. Folgenlos kriminelle Mißachtung von Abgasvorschriften (es sterben übrigens weit mehr Menschen an Lärm und Ruß als an Verkehrsunfällen).
Hier zeigt sich ein Systemfehler. In Zeiten des Marktfundamentalismus geht es nicht mehr um das gute Leben von möglichst vielen, sondern ausschließlich um den Profit von ganz wenigen. Darauf ist alles ausgerichtet. Demokratisch gewählte Politiker, deren Aufgabe es sein sollte, für das Gemeinwohl ihrer Wähler und Nichtwähler einzutreten, werden von immer reicher und mächtiger werdenden Marktfundamentalisten unterjocht. Anstatt den Rahmen so zu setzen, daß Menschen würdig leben können, und zwar übrigens nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, dienen sie sich den Lobbyisten der Marktfundamentalisten an.
Corona. Dieseltote. Heißzeit. Hunger. Skavenähnliche Arbeitsbedingungen. In einer Abgasschwade in langer Reihe vor einer roten Ampel zu stehen. Das ist die eine Seite des Neoliberalismus. Nicht mehr wissen, wie man als Superreicher das Geld sinnvoll anlegen kann, ist die andere, nicht weniger häßliche Seite der marktfundamentalen Medaille.
Die gute alte und bewährte (jetzt auch öko-)soziale Marktwirtschaft muß wieder her. Sie ist die zentrale Schraube, an der zu drehen die meisten Probleme unserer Zeit lösen würde.
Freie Bürger brauchen eine geregelte Marktwirtschaft, damit sie ihr Leben auskosten können.
In Corona-Ansteckungs-Zeiten gibt es ein besonders großes Risiko, daß man bei der Arbeit sein Leben für das Falsche opfert: Für eine „Wirtschaft“, die die falschen (nicht nützlichen) Dinge produziert, nur um eine verschwindend winzige Minderheit unbeschreiblich reich zu machen.

Ralf-Michael Lübbers, Marienhafe

fr-debatteMenschenwürde ist nicht für alle

Fleischwirtschaft: „Miserable Zustände“, FR-Wirtschaft vom 18. Mai

Jetzt endlich werden die oft unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen der aktuellen „Gastarbeiter“ in Schlachtbetrieben und anderswo so zum Thema, dass sich die Politik zu Wort meldet und auch handelt. Warum erst jetzt? Weil diese Lebens- und Arbeitsbedingungen nun auch Gesundheit und Leben der deutschen Bevölkerung bedrohen. Vorher war dies offensichtlich nicht nötig.
Dass die Menschenwürde unantastbar ist, gilt eben nicht für alle, sie ist reserviert für einen Teil der Menschheit. Hier zieht sich eine Linie von den Kolonialverbrechen bis zu den Globalisierungs–Wirtschafts–Sklaven, ob in asiatischen Textilfabriken oder bei Westfleisch, Tönnies & Co, wo der Mensch zur kostengünstigen Maschine geworden ist.

Dietrich Weinbrenner, Witten

fr-debatteManchmal ist der Rückwärtsgang nötig

Corona-Krise: „Mit gutem Klima in Frieden leben“, FR-Magazin vom 16. Mai

Partikelfilter, Katalysatoren, E10, Blue Motion, Euro-Abgasvorschriften, ja eigentlich auch schon Airbag und Sicherheitsgurt sollten Fortschritt und Akzeptanz sichern. Als moderner Ablasshandel mit Alibifunktion kann man sie aber auch ansehen. Sie beruhigen und fördern gleichzeitig auch wieder den sorglosen Gebrauch! Immer mehr Menschen und das Gemeinwohl kommen dabei jedoch immer weiter unter die vielen Räder. Überproduktion, PS-Rausch und SUV-Luxus verletzen doch alle Gebote der Nachhaltigkeit und gehören an den Pranger. Von zunehmender Hektik, Luftverschmutzung, Lärmbelastung, Verschleiß, Unfällen und Sachschäden ganz zu schweigen. Jetzt ist mal Pause.
Man erinnere sich. Vor 30 Jahren erwog die CDU-Bundesregierung Kohl schon neben dem Kat sogar 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen, um die Emissionen zu senken! Auch der Kat wurde erst mal jahrelang blockiert .In Kalifornien gab es ihn schon und Export-Autos bekamen ihn deshalb auch. Der Sündenfall von Wolfsburg im christlichen Abendland wäre schon Anlass genug gewesen, zur Schadensbegrenzung auch Tempolimits wie z.B. vom VCD ( 30/70/100) lange gefordert aufzugreifen. Sofort realisierbare „Software von Dobrindt“ gewissermaßen . Das wäre etwas Sühne, verdiente Strafe und Wiedergutmachung zu gleich. Schließlich wurde der problematische Selbstzünder in Germany erfunden. Wenn jetzt hier weiter nichts geschieht, ist klar, dass sich die Politik bei uns bequem auf Alibis ausruht, weil der öffentliche Druck zu gering ist.
Doch jetzt könnte ja vielleicht doch die Bedeutung des Faktors Zeit dank Corona  viel mehr Beachtung finden. Zeit zum Nachdenken und Ausruhen ist ein Lebenselixier, und der Gang der Sonne sollte den Menschen ein Vorbild sein.
Eine gewisse De-Globalisierung ist angebracht , natürlich nicht bei der IWF-Chefin. Ewiges Wachstum, Ausbeutung und Zeitknappheit sind keine Naturgesetze. Das Gemeinwohl bietet viele Chancen für die Zukunft. Manchmal ist es nötig, den Rückwärtsgang einzulegen. Der FR-Artikel mahnt, die Wendezeit zu nutzen.

Manfred Schönfeld, Germering

fr-debatteFundamentale Zukunftsfragen

Corona hat uns fest im Griff – und wir laufen Gefahr, uns in Diskussionen über das Für und Wider der Maskenpflicht zu verzetteln und dabei das Menschheitsproblem Klimawandel völlig aus den Augen zu verlieren. Um uns herum vertrocknen Wälder und Böden das dritte Jahr in Folge, und wir freuen uns naiv über niedrige Treibstoffpreise. Während die Politik den Aussagen der Virologen blind vertraut, ignoriert sie genau so konsequent die Warnungen der Klimaforscher.
Bei den Milliardenhilfen zur Rettung der Wirtschaft spielen Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit offenbar keine Rolle. Welchen Sinn macht es, Fluggesellschaften mit staatlichen Krediten vor der Insolvenz zu bewahren, wenn auf mittlere Sicht ohnehin ein Überangebot an Flugkapazitäten bestehen wird? Sollen sie etwa mit staatlicher Hilfe weiter steuerbefreites Kerosin für überflüssige Zweit- und Dritturlaube verheizen? Warum finanziert die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit Milliardenbeträgen Kreuzfahrtreedereien, die Einwohnerzahlen ganzer Kleinstädte relativ sinnbefreit über die Meere transportieren und dafür hoch giftiges Schweröl durch die Schornsteine ihrer Schiffe jagen, welche im Falle eines Virenausbruchs flugs zu schwimmenden Brutkästen werden? Die Autoindustrie ruft nach einer Neuauflage der Abwrackprämie: Welche Fahrzeugtechnik wollen wir durch Kaufprämien fördern, mit welchen negativen Anreizen könnten wir den Boom der CO2-Schleudern bremsen?
Die Krise erzeugt Handlungsbedarf, das ist unbestritten. Sie ist aber keine Entschuldigung dafür, fundamentale Sinn- und Zukunftsfragen völlig zu ignorieren.

Leo Paulheim, Immenhausen

fr-debatteWarnzeichen für ein falsches Verhalten

Wenn ich die tägliche Berichterstattung in den Medien über die Folgen des Coronavirus mit seinen vorgeschlagenen Gegenmitteln zur Herstellung der Normalität über mich ergehen lasse, dann graust es mich. Denn was ist das für eine Normalität, die wieder hergestellt werden soll: Eine Normalität, die uns in diese Krise geführt hat?!
Ich habe den Eindruck, dass die Regierungsvertreter, die uns mit unsicherem Ernst diese bombastischen Hilfspakete für die Wirtschaft und die leidenden Unternehmen, seien es Gaststätten oder Großunternehmen, präsentieren, nicht an die endgültige Lösungskraft dieses Einsatzes glauben. Wobei sie Recht haben.
Warum ist das so?
Krankheiten sind immer Warnzeichen für ein falsches Lebensverhalten. Wir sollten uns deshalb, auch an unserem eigenen Körper, nicht nur mit den Symptomen der Krankheit beschäftigen, sondern immer auch nach den Ursachen fragen.
Genauso sollten wir es im Falle der Corona Epidemie halten. Dazu müssen wir allerdings die Tatsache anerkennen, dass die Welt, in der wir leben, ein einziger lebender Organismus ist, indem alles, Mensch und Tier, Pflanze und Meer, Luft und Erde durch viele Lebensflüsse miteinander verbunden, ein Ganzes sind.
In diesem Weltkörper haben wir jedoch die letzten zweihundert Jahre wie Vandalen unter dem Diktat des immer mehr, immer schneller, immer höher gehaust. Wir haben die Natur in keiner Weise geschont, die klimatischen Verhältnisse verschoben, die Erde überfordert, die Atemluft verschmutzt, alles was mit technischen Mitteln möglich war, ausgebeutet. Selbst Kriege geführt, die in ihrer technischen Tötungslust grenzenlos waren und sind. Dieses, unser menschliches Verhalten im Weltkörper müssen wir in Augenschein nehmen und verändern!
Seht Ihr nicht, wie die Natur in diesem Frühling aufatmet: Die Bäume erstrahlen in frischem kräftigen Grün, die blühenden Blumen in unseren Parks breiten sich über ganze Felder aus, die Luft ist klar, die Sonne dringt zu uns durch, kaum Lärm durch Flugzeuge und übermäßigen Autoverkehr. Dies alles hat die radikale, leider nur kurzfristige Ausbremsung unserer Lebens- und Wirtschaftformen erreicht. Hier müssen wir ansetzen, um die Ursachen unserer Pandemie zu bekämpfen!

Peter Weidhaas, Mainz

Lehrstunde über Heuchelei

Was ist da aus Anlaß der Coronakrise plötzlich alles möglich und, um da sogleich von Anfang an keinen Zweifel zu lassen, gewiß auch nötig, was angesichts des Klimawandels des Teufels sein soll: „Moralisierung der Politik“, „Verbotspolitik“, „Gefahrenhysterie“, „Freiheitseinschränkungen“, „Bevormundung der Bürgerinnen und Bürger“ usw.
Wir kennen, was in Sachen Klima dagegen gesetzt wird: „freier Fleischverzehr für freie Konsumenten“, egal, was die Massentierhaltung an Emissionen zur Folge hat, und erst recht egal, wie die Tiere darunter leiden, „freie Fahrt für freie SUV-Fahrer“ und „freies Fliegen für freie Urlaubsreisende“, egal, was dabei „hinten herauskommt“, was nach einem Wort des vorvormaligen Kanzlers – und in diesem Falle hat er sicher recht – „immer entscheidend ist“, „freie Fahrt für freie Fuhrunternehmer“ mit denselben Konsequenzen und nicht zuletzt „freie Kreuzfahrten für freie Urlauber“, in diesem Falle egal, was dabei oben heraus kommt und nach unten abgelassen wird.
Und die Kanzlerin? „Mehr Freiheit wagen“, sagte sie in ihrer ersten Regierungserklärung 2005 – jetzt steht sie nicht an, angesichts Corona „drastische Maßnahmen“ zu verlangen, die „zwingend geboten sind“, wohingegen es in der Reduktion der CO2-Emissionen wiederum, wenn’s hoch kommt, äußerstenfalls um’s „Machbare“ geht, „die Bürgerinnen und Bürger nicht überfordert werden dürfen“ und jedes Windkraftrad mindestens 1000 m Abstand von jedem Wohnhaus haben muß, obgleich neuerdings alles verkehrspolitische Heil und aller dazugehörige Segen von der Elektromobilität kommen soll, die zwecks Herstellung und Gebrauch gigantische Strommengen verschlingt und kein einziges Fahrzeug weniger auf die/ auf den Straßen bringt. – Und wenn was dennoch sein muß? „Nur freiwillig“, so die dafür kompetente Spezialistin Julia Klöckner.
Der Vorsitzende der wirtschaftsliberalen Freien Deregulierungs-Partei, abgekürzt „FDP“, steht plötzlich zur Abkehr von der „schwarzen Null“ bereit, freilich im Blick auf seine Mittelstands- und Kleinstunternehmer-Klientel, wohingegen Maßnahmen gegen Klimawandel allein Sache des technischen Fortschritts sein sollen, ja – für den es dann doch wieder massiver staatlicher Subventionen bedarf? Nur solange wie mit der „schwarzen Null“ verträglich oder auch darüber hinaus? Wie dem auch sei – in jedem Falle sollen die an „Fridays for future“ Demonstrierenden den Mund halten, denn sie „verstehen nichts davon“.
Ich kann nur versichern: Es ist wahrlich nicht zynisch gemeint, wenn ich sage: Die öffentlichen Diskurse und Stellungnahmen zu Corona können eine Lehrstunde über die Heuchelei sein, von der die Diskurse und Stellungnahmen in Sachen Klimawandel weithin, wiewohl „Gott lob“ nicht in toto geprägt sind.

Manfred Wetzel, Agathenburg

fr-debatteUmweltfeindliche Gewerkschafter wollen den totalen Markt

Gewerkschaft fürchtet: „Höhere Strompreise?“ und „Die Energiewende ist unumkehrbar“, FR-Wirtschaft vom 2. und 4. Mai

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis beklagt, „die hohe Ökostromproduktion und der geringe Verbrauch [von was?] führten an der Strombörse zu extrem niedrigen Spotmarkt-preisen. … Der Staat garantiere den Betreibern von EEG-Stromanlagen jedoch marktunab-hängige [!] Vergütungen. … Die Corona-Krise lege ‚die problematische Systematik des EEG-Gesetzes schonungslos offen‘“.
Nicht nur wird die Erzeugung erneuerbarer Energien seit Jahren massiv zurückgefahren – siehe nur die 1000 Meter-Abstandsregel zu Wohnanlagen -, nicht nur sind dadurch über 3000 Arbeitsplätze verlorengegangen – wo bliebt der Protest der IG BCE? -, nein: die Maßnahmen zum Klimaschutz sollen offenbar dem freien Markt überlassen bleiben. – Einen Tag später können diese Gewerkschafter in der FR im Interview mit Frau Claudia Kemfert, Die Ener-giewende ist unumkehrbar, kurz und bündig alle Nötige nachlesen!
In der SPD wurde lange Zeit von den Beton-Sozis gesprochen und so möchte man ja mittlerweile von den Chemie-Sozis sprechen. Doch nicht mal das würde Sinn machen, denn die IG BCE fordert offensichtlich den totalen Markt – jedenfalls dann, wenn es gegen grüne Politik geht. Selbst ein Erz-Beton-Sozi wie der vormalige Hessische Ministerpräsident Holger Börner, der die Auseinandersetzung mit Grünen zunächst mit „Dachlatten“ erleidigen wollte, hat sich (mußte sich?) eines Besseren belehren lassen und ging die erste Rot-Grüne Regierung ein – mit dem Turnschuh-Joschka als Umweltminister. Gespannt bin ich, wie sich die IG Me-tall zu den Forderungen der Auto-Bosse nach selbstredend auf Staatkosten gehende Prämien für den Verkauf von Neuwagen stellt; ich vermute wie gehabt: Privatisierung der Gewinne – Sozialisierung der Verluste!
Und die SPD? Statt endliche eine klare Linie gegen die umweltfeindlichen Gewerkschafter zu ziehen – natürlich aus Angst, die wählen dann AfD, was sie vermutlich ohnehin schon zum Teil tun -, fordern SPD-Spitzen-Genossen einen Teilrückzug aus der NATO. Wo bleibt da auch nur die Realitäts-Kenntnisnahme? Putin ante portas!

Manfred Wetzel, Agathenburg

fr-debatteWir wissen es längst

Klimaschutz: „Keine Renaissance“, FR-Meinung vom 29. April

Das Abschmelzen von Grönlandeis bewirkte alleine 2019 einen Anstieg des Meeresspiegels um zwei Millimeter. Was bewirkt im weiteren das Abschmelzen des ansonsten viel umfangreicheren Eises um den Nordpol und des Südpoleises sowie der Gletscher weltweit und des Permafrosts? Da sind wir jedenfalls schon im guten Zentimeterbreich dabei und wir sollten die geographischen Höhenangaben bald reduzieren. Die Computersimulationen haben das Abschmelzen bisher viel zu langsam dargestellt, so die weitere Erkenntnis. Und da sollen Jugendliche keine Angst um ihre Zukunft haben? Sie werden vielfach mit bissig-dummer Ironie überzogen, genauso wie die Wissenschaftler, die seit fast 40 Jahren (IPCC) versuchen zu erklären, was in wenigen Jahren auf uns zukommt. Wir Älteren machen einfach so weiter. Klimaforschern gegenüber verstecken wir uns hinter einer Donald-Trump-Fake-News-Mentalität in der Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm wird. Eigentlich wissen wir aber schon lange ganz genau, dass fossiles CO2 in der Atmosphäre verbleibt. Zudem zerstören wir Rückbaumechanismen, z.B. den Regenwaldgürtel (BlackRock, chinesischer Rohstoffhunger, EU-Mercosur-Abkommen usw.), abgesehen vom Auftreten immer größerer Waldbrände. Wegen seiner Schädlichkeit treiben wir seit Jahren Handel mit dem CO2-Ausstoß, anstatt ihn massiv zu beschränken und zu verbieten und die längst überfällige Energieumstellung herbeizuführen.

Rainer Wild, Wunsiedel

fr-debatteKleinkariert und ärgerlich

Zu: „Hitze verbrennt Lebensraum“, FR-Wissen vom 9. Mai

Schön, dass die FR den Klimawandel trotz Corona-Krise weiterhin im Blick hat. Bemerkenswert ist aber, dass immer wieder einige der Autoren es nicht lassen können, ihre Probleme mit der jungen Protestbewegung in den unsinnigsten Zusammenhängen kundzutun. So am 14. April Christian Thomas in seinem Artikel über die Neue Heimat („All ihr Fridays-for-Future-Veteranen befragt vielleicht einfach mal eure damals 20-jährigen Ururururgroßeltern“). Und vorher schon am 27. März Markus Decker im Leitartikel (Corona-Partys ziehen „den jugendlichen Moralismus aus der Klimakrisen-Debatte in Zweifel. Der Teenager-Egoismus an der Kasse zeigt: In der Not sind manche Junge eben auch nicht besser.“ – ach ne, sehr überraschend, freitags sind ja auch immer die Jugendlichen (alle) auf der Straße…). Überflüssig, einfach nur überflüssig ist dies und so kleinkariert wie peinlich. Und ärgerlich zu lesen.

Detlef Breitenband, Frankfurt

fr-debatteMehr ehrliche Kritik an der eigenen Politik

Die Welt nach Corona: „Aus der Krise in die Freiheit“, FR-Magazin vom 20. Mai

Die FR bietet eine anregende Serie „Die Welt nach Corona“. Auch der Beitrag von Gert Weisskirchen (20.5.) gehört dazu. So fordert er mehr „internationale Anstrengung“ und „transnationalem Austausch“ zur Bekämpfung der Corona-Krise – aber es fehlt jede Kritik an der US-Politik bezüglich der WHO. Und eine starke, unabhängige WHO wäre ja wohl wesentlich für eine effektive Bekämpfung der Pandemie.
Zudem regt Weisskirchen – unter dem Stichwort „Utopie“ – wie vor ihm etliche andere ExpertInnen eine „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit“ für den Nahen Osten an. Aber warum soll diese von der EU initiiert werden, und nicht von der UNO? Und haben die dafür von ihm vorgesehenen Länder (USA, Kanada, Großbritannien und Russland) u.a. mit den Kriegen in Irak, Libyen und Syrien nicht wesentlich zur Destabilisierung der Region beigetragen? Es klingt zwar ein Hauch von Kritik an, aber nicht mehr: Nach 2001 „startete eine Serie von vorwiegend militärischen Interventionen“, deren Bilanz „ernüchternd gemischt“ sei. Das scheint mir eine arg geschönte Bilanz und die Aussage ist zudem sprachlich interessant: Einen Akteur gibt es scheinbar nicht, sondern es startete …
Die Hunderttausenden Flüchtlinge erklärt Weisskirchen damit, dass „Europäer sich scheu(t)en, die Kriegsursachen einzudämmen…“. Da sind dem langjährigen außenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion wohl wesentliche Informationen zu den o.g. Kriegen abhanden gekommen; denn europäische Staaten waren wesentlich an deren Entstehung und Eskalation beteiligt.
Dazu passt, dass ein Hinweis auf die weltweite Verschwendung von Ressourcen in Rüstung und Kriegen völlig fehlt, mit den USA und der Nato als wesentlichen Akteuren. Dies ist erstaunlich, da Weisskirchen einige Jahre die SPD-Bundestagsfraktion zur AG Rüstungskonversion leitete und auch Sprecher der AG Vereinte Nationen war – an Expertise sollte es also nicht fehlen.
Eine letzte Anmerkung: „Allein der demokratische und soziale Rechtsstaat vermag es, existenziellen Krisen angemessen zu begegnen“. Schön und wünschenswert wäre dies. Aber glaubt Weisskirchen wirklich, dass die Coronapandemie derzeit von den USA besser bewältigt wird als von China?
Zusammengefasst: Für eine bessere Welt nach Corona ist auch mehr ehrliche Kritik an der Politik der eigenen Seite erforderlich.

Gert Sommer, Marburg

fr-debatteWeitere Leserbriefe folgen!

9 Kommentare

  1. Marion Detzler sagt:

    Es ist schon sehr lange mein Anliegen, – dass wir endlich über den Status der Billiglohnarbeiter in Deutschland reden müssen, die u.a. auch mit Billigung der Politik in der Fleischindustrie arbeiten müssen. Es dürfte sich überwiegend um Menschen handeln, die dringend darauf angewiesen sind,- und durch die Infektionsgefahr von Covid 19 – wird das noch einmal wie unter einem Brennglas sichtbarer. Abgesehen von der miserablen Tierhaltung, scheint mir diese Debatte, – R.Habeck – wollte den Bürgern das „Fleischessen“ verbieten- reichlich überzogen, und sie wird leider auch nicht sachlich geführt! Worauf die GRÜNEN schon seit langer Zeit zu Recht hinweisen, – dass es unter den gegenwärtigen Bedingungen für Mensch und Tier nicht so weitergehen kann. Die hohe Zahl der verschiedenen Antibiotika, die die Tiere erhalten, sind für Menschen keineswegs ohne erhebliche Risiken! Daher scheint es mir sinnvoll, – endlich sachlich und ausgewogen über dieses Problem zu berichten. Auch, – um Vertrauen zu schaffen, dass so dringend benötigt wird. Es müssen Lösungen her, die das rechtfertigen.

  2. hans sagt:

    Die Wahlumfragen und die Demonstrationen gegen die Corona Einschränkungen machen eigentlich wenig Hoffnung das sich irgendwas zum Besseren wenden könnte. Die Leute die massive Verteilungskämpfe erwarten werden am Ende wohl recht haben. Wenn man die derzeitigen Wahlumfragen als Grundlage nimmt ist auch klar wer die Verlierer sein werden. Beim Thema Klima und Energiewende bin ich ein bisschen optimistischer. Das hat als Grund, wie Claudia Kemfert die Tage in der FR geschrieben hat, das sie sich inzwischen ökonomisch rechnet. Das aktuelle Thema Fleischfabrik wird nur dazu führen das diese ins Ausland verlegt werden. Ob das dann besser ist möchte ich bezweifeln. Allerdings hat mich das eh gewundert. Ich war der Meinung da hätte man deutlich mehr schon automatisiert. Das könnte auch die Lösung sein.

  3. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Die Billiglöhner in den deutschen Fleischfabriken sind sind nur ein winziges Beispiel für die enorme Umverteilung materieller Güter. Seit 4 Jahrzehnten ist fast jede Person auf diesem Planeten gezwungen, unter ihren Möglichkeiten zu leben. Also auch wahrscheinlich fast jeder Leser der Frankfurter Rundschau. Denn so viele der von diesen Menschen in der Vergangenheit, jetzt oder in der Zukunft produzierten Güter kommt nur den ganz wenigen Reichen und Superreichen zugute. Und diese Umverteilung in die falsche Richtung verschärft sich mit jedem Jahr. Mit der Folge wachsenden Elends und einer Zerstörung der für ein gutes Leben für die Vielen notwendigen Infrastruktur. Es droht sogar der Biozid, also das Auslöschen fast jeglichen Lebens.

     

    „Der Markt“ ist das Heiligtum dieser Sekte, die so viel Leben zerstört. „Der Markt“ kann alles. „Der Markt“ kann alles besser. Je unkontrollierter der Markt, desto besser für alle. Je mehr Markt. Markt Markt Markt…Freie Marktwirtschaft. Freiheit. Neue Freiheit. Neue Soziale Marktwirtschaft. Neo. Liberalismus. „Neu“  ist besser als alt. „Frei“ ist besser als unfrei. Konkurrenz belebt das Geschäft. Wettbewerb Wettbewerb Wettbewerb. Der Stärkere möge gewinnen. Der Stärkere ist der Bessere. 

    Der Stärkere ist der Bessere.  Das ist der Grundfehler dieser Polit-Sekte. Der Stärkere ist nicht der mit den besseren Argumenten,  sondern der mit dem mehr Geld. In einer unregulierten Marktwirtschaft bekommen diejenigen, die bereits viel haben, noch mehr. Aber nicht, weil sie die besseren Produkte und Dienstleistungen erfinden und verkaufen. Sondern weil sie mit ihrem vielen Geld ihre Wettbewerber ausstechen können (Stichwort Monopol-und Oligopolbildung) und gleichzeitig über Lobbyismus und Korruption Politiker für ihre Interessen einspannen können. Damit zementieren sie ihre Macht und ihren Reichtum. Mit ihrem Geld bewegen sie Politiker,  Gesetze in ihrem Sinne zu verfassen, wodurch sie noch reicher werden und noch mehr Einfluss auf die Politik nehmen können. 

    Wie das im einzelnen abläuft, können nur investigative Journalisten herausfinden, und auch das nur mit viel Glück.  Denn Lobbyismus darf hierzulande hinter verschlossenen Türen stattfinden. Entscheident für meine persönliche Beurteilung eines politischen Vorgangs ist,  „was hinten rauskommt „, also das Ergebnis. Wem nützt das Ergebnis?

    Das Ergebnis ist,  daß -abgesehen von Raketen- ausgerechnet das klimaschädlichste Verkehrsmittel Flugzeug Milliarden Euro bekommt. Photovoltaik und Windenergie dagegen gehen Pleite. Das Ergebnis ist,  daß für Tabak, Alkohol, Süßigkeiten und Autos mit viel Geld geworben wird. Und die Bahn spricht kaum noch nicht über das Wetter. Das Ergebnis ist,  daß Menschen den Regenwald ausrauben. Und jetzt ein vom Regenwald-Tier auf den Menschen übertragenes Virus Millionen Menschenleben kosten wird. Das Ergebnis ist,  daß Menschen in Bangladesch für einen Sklavenlohn unsere Kleider nähen müssen. Und andererseits osteuropäische Bürger in meinem Nachbarlandkreis Emsland Tiere schlachten. Übrigens,  daß kann ich mir als Vegetarier nicht verkneifen: Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben (Dostojewski glaube ich). Und miserable Arbeitsbedingungen (Lübbers;-).

    Das Problem sind Milton Friedman und die Chicago Boys. Schockdoktrin. Pinochet. Otto Graf Lambsdorff. Das Problem sind Reagan und Thatcher. Sie haben den Neoliberalismus gezeugt und auf die Welt gebracht. Und dann haben sie genialen Streich auf die Linke verübt. Sie behaupteten, wenn die Reichen reicher würden, täten es auch die Armen. Weil sie dann mehr Brotkrümelchen von ihrem Festmahl auf den Boden fallen ließen für den Plebs. Und so wurde aus Willy Brandt Gerhard Schröder und Toni Blair, aus Petra Kelly wurde Joschka Fischer.  Aus ökosozialer Marktwirtschaft wurden wurden 8 Milliarden Dollar pro Monat pro Jeff Bezos.  Und den gibt es nur einmal. 

    Die ganze Lufthansa wurde mit 9 Milliarden Euro „gerettet „. Jeff Bezos braucht etwas mehr als einen Monat, dann ist er um diesen Betrag reicher. Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie. Arbeitsbedingungen bei Amazon. Für Kik und Co.

    Ich bin froh, unter Willy Brandt und Helmut Schmidt groß geworden zu sein und nicht unter Erich Honecker.  Ich rede also nicht der Planwirtschaft das Wort. Worauf es ankommt ist das richtige Maß.  Das richtige Maß Markt und das richtige Maß ökosoziale Kontrolle. Hat schon mal funktioniert…

    Sorry, daß ich meinen eigenen Leserbrief kommentiere. Allerdings halte ich das Thema für maximal wichtig. Mit Marktfundamentalismus kann es kein gutes Leben geben. Keinen Klimaschutz. Kein Gesundheitswesen. Keinen Frieden. Kein gutes Leben. Für fast alle Lebewesen.

  4. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Jetzt habe ich den Appell vergessen: It,s neoliberalsm, stupid! Es ist der Neoliberalismus, der uns kaputt macht. Jetzt müssen wir kaputt machen, was uns kaputt macht! Ich hoffe ja immer noch, daß die Sozialdemokraten und Grünen endlich tun, was ihre Aufgabe ist. Ökosoziale Politik machen. Nun, an der Regierung sind sie ja schon mal, im Bund und in verschiedenen Länderregierungen. Da die aber dort nix tun, muß man wohl außerparlamentarisch was machen!

  5. hans sagt:

    zu @ Ralf-Michael Lübbers
    Wir leben in einer Demokratie und in der gibt es keine Mehrheit um das zu ändern was sie gerade durchaus mit recht angesprochen haben. Haben sie mal Wahlumfragen gelesen? Ich denke wenn Frau Merkel noch einmal antritt könnte es für Schwarz/gelb reichen. Damit wäre das bisschen was die SPD erreicht hat dann auch wieder weg.

  6. hans sagt:

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/eu-landwirtschaftspolitik-gruenen-agrarminister-wollen-nur-noch-gruene-subventionen-a-2d12ef66-7bf9-4371-a8b0-13dad62fe32e
    Nur mal als Beispiel. Dagegen wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Massendemonstrationen geben.

  7. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @hans: Ich bestreite, daß wir in einer Demokratie leben. Demokratie bedeutet, daß jede Stimme gleich viel zählt und jeder die für eine Wahlentscheidung nötigen Informationen besitzt und daß Parteien die Ziele mit angemessenen Kompromissen durchzusetzen versuchen, die man billigerweise von ihnen erwarten kann.

    Natürlich zählt bei einer Bundes-oder Landtagswahl die Stimme von Lieschen Müller genauso viel wie die von Bundeskanzlerin Merkel. Nämlich als jeweils eine Stimme. Vor der Wahl und nach der Wahl haben von Reichen und Superreichen finanzierte Lobbyisten hinter verschlossenen Türen heftigen Einfluss auf die jeweiligen Regierungen genommen, um ihre spezifischen Ziele durchzusetzen. Seit gerd schröder formulieren sie manchmal sogar die Gesetze vor.

    Von konservativen und wirtschaftsliberalen Parteien erwarte ich konservative beziehungsweise wirtschaftsliberale Politik. Deshalb wähle ich sie nicht. Jetzt raten Sie mal, was ich von sozialdemokratischen und grünen Parteien erwarte. Daßsie die S-Klasse von Mercedes loben? Kein Grüner vor Ort in meiner Heimatstadt Aurich an einer Anti-Atom-Demo teilnimmt? Die Vermögens-und Erbschaftssteuer klein gehalten wird? Für eine Bürgerversicherung mit(!) Beitragsbemessumgsgrenze eingetreten wird? Keine Finanztransaktionssteuer eingeführt wird? Wie heißen nochmal die Parteivorsitzenden der SPD? Borjans und Eskens? Ich kenne nur Olaf Scholz („Scholzomat“).

    Vor einigen Tagen lief im Fernsehen eine sehr eindrucksvolle Dokumentation über die Zustände im Flüchtlingslager Moria und ein noch eindrucksvoller Ausschnitt aus dem Film „For Sami“(hoffentlich richtiger Titel), warum die Menschen aus Syrien fliehen. Leider nicht zur besten Sendezeit. Sondern um 23 Uhr. Mein Wecker klingelt morgens um 6.45 Uhr an Arbeitstagen. Wir werden nicht belogen. Wir kommen nur unterschiedlich leicht an wichtige und unwichtige Informationen…

  8. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @hans: In Wahlumfragen wollen die meisten Menschen mehr Klimaschutz verwirklicht sehen.

  9. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Ohne Beitragsbemessumgsgrenze hätte es heißen sollen. Sorry!

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