An den hygienischen Zuständen muss sich was ändern

Viele Menschen sind von den Einschränkungen, die uns wegen der Coronakrise abverlangt werden, schwer beeinträchtigt. Alte Menschen werden isoliert, dürfen keinen Besuch im Heim bekommen. ArbeitnehmerInnen müssen ihre Abläufe komplett umorganisieren: Homeoffice ist ebenso angesagt wie Kinderbetreuung zu Hause. Stichwort Home-Schooling. Zwar soll der Alltag nach und nach zurückkehren in die Klassenzimmer, viele Schulen öffnen wieder, doch sie bieten nur eingeschränkten Unterricht. Immerhin, werden viele Eltern erleichtert seufzen. Von Normalität ist das indes noch weit entfernt. Ähnliches gilt für die Notbetreuung in Kitas: Viele Eltern fühlen sich alleingelassen. Das Coronavirus drückt dem gesamten gesellschaftlichen Leben seinen Stempel auf. Es ist derzeit nicht zu erkennen, wann sich das ändern wird.

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Erzieherinnen haben vermehrt Angst

Ich bin Erzieherin in einer Kita mit Notbetreuung. Die Notbetreuung wird immer weiter ausgeweitet aber für uns gibt es keinen Schutz. Wir sollen auf Masken verzichten in der Arbeit um die Psyche der Kinder nicht zu gefährden. Auf meine Nachfrage beim Personalrat begründet sich dies auf Vorgaben der Unfallkasse Hessen, dabei sind die dich nicht die Gesetzgeber. Und hier bricht es das bundesweite und landesrechtliche infektionsschutzgestz nach meiner Meinung. Auch die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers sehe ich hier nicht. Im kleinen Rahmen könnte man das vielleicht noch so handhaben aber wenn die Öffnungen zunehmen bei gleichzeitiger nicht ausgedehnter Schutzmaßnahmen werden die Kitas zu Infektionsherden und Erzieherinnen vermehrt covid 19 Intensivpatienten. Jede Berufsgruppe hat Schutzmaßnahmen ergriffen nur wir sollen aus pädagogischen Gründen und weil unsere Mimik so wichtig ist nichts tragen sondern weiterhin auf häufiges Händewaschen achten und viel an der Luft sein. Fragen sie Mal nach wie sich das in der Praxis gestaltet. Fragen sie warum Erzieherinnen vermehrt Angst haben.

Anonymisiert (Autorin der Red. bekannt)

fr-debatteNotbetreuung nur für präsenzpflichtige Arbeiten

Immer mehr Kinder werden in der Notbetreuung betreut. Und das sind nicht alles Kinder von Eltern, die einer präsenzpflichtigen Arbeit nachgehen, wie das z.B. Baden Württemberg auf seiner Hompage klarstellt oder dass nachgewiesen werden muss, dass eine familiäre oder anderweitige Betreuung nicht möglich ist. Hier sind immer mehr Kinder in der Notbetreuung, bei denen ein Elternteil nicht arbeitet oder von zu Hause arbeitet und sich nun freut, dass Sie nicht, wie so viele andere, die Doppelbelastung haben. Auch wird die Notbetreuung nicht nur während der tatsächlichen Arbeitszeit genutzt. Das ist äußerst unsolidarisch gegenüber anderen Familien, die präsenzpflichtige Arbeiten haben, und dadrurch unnötig vielen Kontakten ausgeliefert sind und gegenüber den Betreuungspersonen, die sich bei der Arbeit nicht schützen können und daher auch vor jedem unnötige Sozialkontakt geschützt werden müssen. Ich würde mir vom Land Hessen wünschen, dass auch hier die Notbetreuung nur für präsenzpflichtige Arbeiten gelten und es sollte auch Voraussetzung sein, dass das Kind nicht durch eine andere im gemeinsamen Haushalt lebende volljährige Person betreut werden kann, wie das in Bayern klar formuliert ist.

Isabel Weidenbach, Frankfurt

fr-debatteSehenden Auges in die zweite Welle

Zwar sagen mehrere Studien, dass die Schließung von Schulen und Kitas den größten Effekt bei der bisherigen Eindämmung der Corona-Pandemie hatte. Aber: Die „Minister akzeptieren, dass sich das Distanzgebot in der Arbeit mit Kindern im Alter bis zur Einschulung nicht umsetzen lässt“. „Die Politik muss hier nachjustieren und zulassen, dass wir mehr Kinder betreuen können, selbst wenn das mit einem höheren Risiko verbunden ist.“
Fazit aller bisherigen Vorbereitungen zu KiTa- und Schulöffnungen: Mit sehenden Augen in die zweite Welle!

Peter Dressler, Frankfurt

fr-debatteDie hygienischen Zustände müssen andere werden

Als ehemalige Lehrerin an einem Frankfurter Gymnasium verfolge ich mit Interesse, wie in Zeiten von Corona der Unterricht organisiert werden soll. Über einen Satz in Ihrem Artikel habe ich laut gelacht. Wie kommt Frau Schindler auf die Idee, es gäbe in Klassenräumen eine Reinigung von Oberflächen? Vielleicht werden die Tischflächen einmal im Jahr, bei der sogenannten Grundreinigung, abgewischt. Es gab in meiner ehemaligen Schule in den Klassen- und Fachräumen einen Wasserhahn mit kaltem Wasser, keine Seife und keine Handtücher. Räumliche und hygienische Mängel habe ich immer wieder-auch schriflich moniert, ohne Erfolg. Von zuhause habe ich Putzmittel, Lappen und Wasserkocher mitgebracht, um die Tische von den Kindern am Ende einer Doppelstunde wischen zu lassen. Wenn Magen- und Darminfektionen grasierten, habe ich – nach langem Drängen- auf Schulkosten ein Desinfektionsspray erhalten, um wenigstens das Erbrochene abzusprühen. Es war niemand zuständig, das Ausgespuckte zu beseitigen. Beim Hausverwalter stehen solche Arbeiten nicht in der Arbeitsplatzbeschreibung und die Putzkolonne kommt erst am Nachmittag. Also sind hier Lehrer und Schüler auf sich alleine gestellt.
Zur Putzkolonne muss ich auch noch ein Wort verlieren. Nachdem die Stadt Frankfurt schon vor Jahren die Reinigungskräfte, die städtische Angestellte waren, abgebaut hat, werden immer wieder neue Verträge mit wechselnden Putzfirmen geschlossen. Die Putzkräfte werden sicher nicht gut bezahlt, sprechen meist kein Deutsch und haben für jeden Raum nur wenige Minuten Zeit. Die Stühle müssen von den Schülern am Ende des Unterrichtstages auf die Tische hochgestellt werden, damit schnell -meist nur gefegt- manchmal auch feucht gewischt werden kann. Man kann froh sein, wenn auch das Waschbecken oder gar die Fensterbank gereinigt wird. Da werden niemals Tischflächen oder gar Schränke abgewischt!
Vielleicht schauen Sie mal in die Verträge, die zwischen der Stadt Frankfurt und den Putzfirmen geschlossen werden.
Ich könnte noch viele Geschichten zu Schüler- und Lehrertoiletten erzählen, aber ich denke, das Wichtigste ist gesagt. Die hygienischen Zustände sollten nun endlich -in Zeiten von Corona- anders werden.

Heidrun Anders, Münzenberg

fr-debatteWir berufstätigen Mütter fallen hinten runter

Wenn man diesen Artikel so liest und KEINE Schulmutter ist, kommt man zu dem Schluss, dass die Schulöffnungen in merklichem Umfang läuft, es zwar im Detail zu Themen wie Abstandhalten und Maskenpflicht kommt, im Grunde die Schüler jedoch wieder regelmäßig in die Schule gehen. Und dass die Jammerei der berufstätigen Mütter/ Eltern jetzt doch langsam mal ein Ende haben sollte. Leider ist das mitnichten der Fall; vielmehr gilt das Gegenteil. Als Mutter von zwei schulfpflichtigen Frankfurter Kindern, von denen einer ins Gymnasium geht, der andere in die Grundschule (direkt am Adorno) ,erlebe ich eine komplett andere Realität. Mein Vierzehnjähriger hat gerade seinen „Plan“ für die nächsten Wochen bekommen: er geht ab dieser Woche bis zu den Sommerferien genau sechs Mal in die Schule; insgesamt, nicht in der Woche…. Und an diesen sechs Tagen hat er jeweils genau sechs Unterrichtsstunden. Ebenso häufig, also einmal die Woche á sechs Stunden, wird mein Drittklässler seine Schule noch besuchen; allerdings starten die Grundschulen ja erst in zwei Wochen, so dass er noch einmal weniger Tage hat. Was bei der Grundschule besonders irritiert: die Rahmenbedingungen sind, zumindest was die Räume und die Schüleranzahl angeht, identisch mit denen des Adorno-Gymnasiums. Trotzdem geht er nur einmal pro Woche für sechs Stunden in die Schule. Ohne respektlos werden zu wollen: hier fragt man sich schon, vor welchem Hintergrund sich die Grundschule es dem Adorno-Gymnasium (mit einer offenbar sehr engagierten Schulleitung und dem dazu passenden Lehrerkollegium) nicht gleichtut, sondern in so relevantem Maße weniger Unterricht anbietet. Und: mit Beginn der Sommerferien ist das Thema ja nicht gelöst…. Das ist die Realität, die sich einer berufstätigen Mutter derzeit bietet. Der Artikel sendet daher lange nicht die Botschaften aus, die das wahre Leben beschreiben. Die Betreuung zu Hause geht weiter, das Homeoffice auch; und unsere Kinder sowie wir Eltern, wir berufstätigen Mütter, fallen hintenrunter. Schade.

Ulrike (anonymisiert, Autorin d. Red. bekannt)

fr-debatteSchrittweiser Rückbau der Beschränkungen

In allen möglichen Bereichen wird versucht, mit aller gebotenen Vorsicht wieder zu einem „Normalbetrieb“ zurückzufinden. Schüler kehren in die Schulen zurück, Geschäfte mit nicht dringend erforderlichen Waren öffnen wieder (es lebe der Konsum), die Autoindustrie beginnt verhalten wieder zu produzieren. Ganz abgesehen von Supermärkten, Apotheken, Tankstellen etc., die keinen Tag geschlossen waren. Was mich wirklich ärgert, ist dass das Bürgeramt mit vorne dran war, als es darum ging den Service für Frankfurter einzustellen (geschlossen seit dem 17. März 2020). Sonst immer gerne vorne mit dabei, wenn es darum geht, die Bürger im „Bürgerverwarnton“ zu disziplinieren, wenn es um An- und Ummeldungen, Personalausweise, Reisepässe etc. geht. Was kann so schwer sein, die Services zur Verfügung zu stellen? Jeder Supermarkt, jedes Büdchen, jeder Bäcker und jede Buchhandlung kriegt’s hin. Nur die Verwaltung scheint unfähig zu sein. Das regt mich auf.

Wolfgang Steingaß, Frankfurt

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18 Kommentare

  1. hans sagt:

    Die Lösung für zumindest Alten, Pflegeheime oder Hochschulen muss ein kurzfristig mit akzeptabler Sicherheit funktionierender Test sein. Dieser muss durchgeführt werden bevor eine Person eine solche Einrichtung betritt und sollte in 5 Minuten zu einem Ergebnis kommen. In wie weit ein solcher Test für Kindergärten und Schulen übernommen werden kann hängt davon ab wie so etwas durchgeführt werden muss. Wenn ich die Berichterstattung richtig im Kopf habe gibt es in den USA solch einen Test den man aber in Europa wegen zu hoher Ungenauigkeit die Zulassung verweigert. Ich denke um die Einrichtungen wieder zum funktionieren zu bringen sollte eine gewisse Fehlerquote akzeptiert werden wenn es unvermeidlich ist da der dann eingetretene Zustand besser ist als der Istzustand.

  2. hans sagt:

    zu @ Bronski
    Das was ich oben geschrieben habe kann auf solche Einrichtungen natürlich auch sofort angewendet werden und löst die ganzen Probleme. Man muss dafür aber die Infrastruktur schaffen. Ich denke das wäre bis zum Schuljahresbeginn machbar.

  3. Gabriele Behrens-Dieterle sagt:

    Es ist mir ein Anliegen, über eine große Gruppe von Menschen zu reden, die offensichtlich in den Zeiten von Corona vergessen werden. Sicherlich ist es wichtig, über Altenheime, Kindergärten und Schulen zu berichten, das stelle ich nicht in Abrede, aber wer denkt an die vielen Menschen mit Behinderung und an psychisch kranke Menschen? Diese sind nun seit vielen Wochen von allem ausgeschlossen, was für sie wichtig ist, nämlich Förderschulen und Werkstätten.
    Als ehemalige Schulbegleiterin weiß ich, wie wichtig soziale Kontakte für diese Menschen sind, sowie auch die Beschäftigung und Förderung. Geht es nun langsam bei den Förderschulen wieder los, so bleiben die Werkstätten noch auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Werkstätten sind ein wichtiger Bestandteil im Leben der Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, bzw. die langsam wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden sollen.
    Struktur, Beschäftigung, Förderung und soziale Kontakte sind enorm wichtig. Zu Hause sein bedeutet , abgeschnitten von all dem zu sein, ein tristes Dasein. Eltern und Angehörige können nicht leisten, was in Förderschulen und Werkstätten geleistet wird.
    Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Einschränkung besonderen Schutzes bedürfen, aber es gibt auch viele, die ansonsten gesund sind und kein erhöhtes Risiko haben.
    Es wäre sicherlich möglich ,auch in den Einrichtungen Hygienemassnahmen einzuhalten und nicht pauschal alle zu schließen. Ich sehe darin eine Diskriminierung einer großen Anzahl von Menschen, die Unterstützung brauchen.

  4. Meike Beier sagt:

    Auch wenn es nicht politisch vorgegeben und – vielleicht – auch nicht gewollt ist, wird sich mit den vermehrten Lockerungen eine erzwungenermaßen-selbstgewählte Segregation der Gesellschaft manifestieren, zwischen denen, die ihr Verhalten nur an den politischen Ver- und Geboten ausrichten und denen, die unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Situation entscheiden, was sie verantworten können.
    So sind Lehrer/innen und Schüler/innen, die Risikogruppen angehören oder Angehörige aus den Risikogruppen haben, von der Präsenz an der Schule freigestellt und werden dies vermutlich auch wahrnehmen. Nach Schätzungen sind in Hessen ca. 20 % des Lehrpersonals betroffen, das möglicherweise erst zum Schuljahr 2021/22 wieder in einer Klasse unterrichten wird. Für KiTa-Erzieher/innen gilt ähnliches, und für kleine Kinder mit Risikogruppen-Kontakt steht sogar die Idee separater, besonders geschützter Kleinstgruppen im Raum. Letztlich wird überall im Berufsleben zu klären sein, wer arbeiten kann bzw. in den normalen Präsenzbetrieb im Büro zurückkehrt, und wer auch noch längerfristig daheim bzw. im Home-Office bleibt. Natürlich spielt hierbei auch die soziale Komponente eine wichtige Rolle – wer kann es sich leisten, wer bekommt das Privileg eingeräumt, sich und seine Angehörigen nicht gefährden zu müssen und wer muss sich wohl oder übel dem Risiko bei der Arbeit aussetzen, weil die einzige Alternative Hartz IV ist? Ein wiederum anderer Aspekt ist, dass Arbeitgeber Mitarbeiter mit Kindern in KiTa und Schule als zu gefährlich einstufen könnten, um sie wieder in den Betrieb zu lassen.
    Analog im Freizeitbereich: Während die einen sich begierig in die wieder geöffneten und erlaubten Möglichkeiten stürzen, Einkaufsbummel zum reinen Vergnügen machen, in Gaststätten gehen, sich mit verschiedenen Menschen und Gruppen treffen, soweit möglich verreisen, werden diejenigen, die um sich oder ihre Angehörigen besorgt sind, für sich persönlich die Einschränkungen auf nicht absehbare Zeit verlängern, Wohnung und Haus nur für das Nötigste verlassen und Kontakte zu anderen weiter minimieren. Mit zunehmender Aktivität, Unachtsamkeit und evtl. sogar Rücksichtslosigkeit der Umgebung werden sie sich sogar eher noch mehr als weniger isolieren müssen. Und selbstverständlich ist ein Besuch bei den Großeltern erst recht tabu, wenn die Enkel wieder in Schule und Kindergarten sind.
    Abgesehen von den sozialen und psychischen Folgen dieser Selbst-Segregation könnte sie auch wirtschaftliche Auswirkungen haben,
    da die zurückgezogenen Gruppen eine nicht unerhebliche, dann weiter brach liegende Konsumkraft aufweisen dürften. Bei manchen Angeboten, etwa Kulturveranstaltungen, die überwiegend ein älteres Publikum anziehen, wird sich die Frage stellen, ob sie sich angesichts der zurückhaltenden Nachfrage überhaupt lohnen, selbst wenn sie wieder erlaubt sind.

  5. Thorsten Willig sagt:

    Kommentar v. Sandra Busch in FR v. 26.5.2020, S. F1) Sehr geehrte Fr. Busch, dass „jedes Kind wenige Stunden in der Woche“ die Kita besuchen können wird, ist schlichtweg der Tatsache geschuldet, dass die Infektionsschutzkonzepte der Kitas eine räumliche Grenze zur Aufnahme von Kindern darstellen & es steht auch nicht das gesammte Personal zur Verfügung: sogenannte „Risikogruppen“ sind von der Arbeit mit Kinderkontakt ausgeschlossen. Und auch das Personal hat ein Recht auf Gesundheitsschutz! Es ist auch schwer nachzuvollziehen, dass Menschen bei der Arbeit mit Kindern (wo Infektionsschutzmaßnahmen kaum einzuhalten sind) einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt werden, während z.B. einige Ämter nachwievor jeglichen Besucherverkehr (wohlgemerkt Erwachsene, von denen man erwarten kann die Infektionsschutzmaßnahmen einzuhalten) eingestellt haben…

  6. Anna Hartl sagt:

    @Meike Beier
    Wenn selbstgewählte Segregation die Wahl ist, die, wenn es immer mehr Lockerungen gibt, als Selbstschutz bleibt, dann kann es sein, dass viele Menschen aus den Risikogruppen diesen Weg gehen. Wenn es beruflich nicht möglich ist, dann im privaten.
    Ich gehöre zu einer Risikogruppe, kann es mir nicht leisten, deshalb meinen Beruf aufzugeben und merke seit den Lockerungen, dass ich sehr zögerlich bis gar nicht auf diese reagiere, bzw. sehr genau abwäge, wem oder was ich mich aussetze, wenn ich es denn in der Hand habe. In öffentlichen Verkehrsmitteln so wie heute in der U-Bahn, die auf Grund einer Störung verspätet Einfuhr und immer voller wurde, blieb mir zum Selbstschutz nur ein vorzeitiger Ausstieg. Das Wetter ist schön, also bin ich nach Hause gelaufen. Was ist, wenn der Herbst kommt, die Grippe und vielleicht wieder verstärkt der Virus auftaucht? Für diese Zeit habe ich noch keine Lösung.
    Als schwer empfinde ich auch Situationen im privaten Bereich, in dem mir Menschen ohne Schutz plötzlich wieder zu nahe kommen, als wenn nichts gewesen wäre und sich der Virus in Luft aufgelöst hätte. Als letzten Schutz auch in diesem Bereich müsste ich sämtliche Wege ändern, um nicht mehr auf diese Art von anderen gefährdet zu werden.
    Das ist dann der Weg in die Selbstisolation. Wie lange hält man das ohne Schaden zu nehmen durch?

  7. Ute Vogell sagt:

    Leserbrief zu „Eltern wollen mehr Unterricht“ (FR, 22.5.2020)
    Der Unmut in der Elternschaft wächst – zu Recht. Denn die Corona-Pandemie offenbart die schulformübergreifenden Strukturmängel im deutschen Schulsystem. Statt diese Probleme zu lösen, arbeitet das Hessische Kultusministerium an weiterem Ausbau von „Homeschooling“ und ignoriert die Bedürfnisse und die Lernsituation aller Schüler*innen in diesem Land.
    Denn Fernunterricht trifft ja nicht nur die gern zitierten „unterprivilegierten“ Schichten. Es trifft jedes Kind, jeden Jugendlichen. Abgesehen davon, dass der Ausbau sozialer Kompetenzen viel zu kurz kommt, vernachlässigt Homeschooling elementare Grundvoraussetzungen für geglückte Lernprozesse: Lernen findet im persönlichen Austausch statt, z.B. durch gegenseitige Anregungen, gemeinsames Nachdenken und Handeln, durch Diskussion und Widerspruch.
    Also müssen die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen andere Lösungen finden. Folgende Strukturprobleme müssen konsequent angegangen werden.
    1. Raummangel an vielen deutschen Schulen. Hier könnten leerstehende bzw. derzeit schlecht ausgelastete Räume angemietet werden, z. B. Tagungs- und Messeräume, Festsäle, Gruppenräume, außerschulische Lernorte etc.. Ebenso sind schnell errichtbare Leichtbau- und Containerlösungen einzusetzen. Pädagogische Konzepte, um diese Räume sinnvoll zu nutzen, gibt es genug. Denken wir beispielsweise an Projektarbeit, selbständiges Lernen, Teamarbeit, Lernbüros, Lernen im Stadtteil, Kooperationen mit außerschulischen Partnern.
    2. Klassenstärken. Wenn die Hygienekonzepte nicht mehr als 15 Personen pro Raum vorsehen, müssen ab dem kommenden Schuljahr die Klassenobergrenze auf maximal 26 Schüler*innen in der Sekundarstufe I sinken. Dies ermöglicht bei einer Klassenteilung, dass neben der Lehrkraft auch eine Unterstützungsperson anwesend sein kann. (Für Inklusionsklassen etc. sind die Zahlen entsprechend anzupassen.)
    3. Personelle Kapazitäten. Lehramtsstudenten sind (analog zum Gesundheitsbereich) regelmäßig im Unterricht einsetzbar bei attraktiven Bedingungen, die eine Verzahnung von Theorie und Praxis ermöglichen. Auch hier gibt es Konzepte, auf die man zurückgreifen kann. Ebenso kann man die Rückkehr von Pensionären, von Lehrkräften in Elternzeit usw., die Aufstockung von Teilzeitarbeit durch gut durchdachte Angebote fördern und auch (sozial-)pädagogisch und psychologisch ausgebildete Fachkräfte zur Unterstützung einsetzen.
    4. Lehrerarbeitszeit. Hier müssen endlich die unzähligen Aufgaben, die eine Lehrkraft zu erfüllen hat, in realistische Zeitbudgets umgesetzt werden, die an persönliche und schulische Bedürfnisse angepasst werden können. Dann dürfte sich auch der Eltern-Unmut in Grenzen halten über quantitativ und qualitativ äußerst unterschiedliches Arbeitsmaterial, über ebenso divergierende persönliche Begleitung durch Lehrkräfte im Online-Unterricht und über sehr verschieden ausgeprägte Digitalkompetenzen der Lehrer*innen.
    Gelingt es, obige Problemfelder zu lösen und eine notwendige Anpassung der Gehälter von Grundschullehrkräften vorzunehmen, kann auf Dauer die Attraktivität des Lehrerberufs erhöht und dem Lehrermangel entgegengewirkt werden.
    Wie immer stellt sich die Kostenfrage. Das Kompetenzgerangel und die Abwehrhaltung der Länder gegen eine finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung, weil sie eine „Einmischung“ des Bundes in ihr föderales Hoheitsgebiet „Bildung“ befürchten, ist im Interesse der Generation, die jetzt die Schule besucht, nicht nachvollziehbar und auch nicht akzeptabel. Was wäre beispielsweise an bundesweiten zentralen Abschlussprüfungen / Curricula verwerflicher als an landesweiten? Viele Doppelstrukturen könnten allein in diesem Bereich abgebaut und die eingesparten Kosten sinnvoller genutzt werden.
    Ja, Bildung kostet. Dass bisher zu wenig investiert wurde, führt die Pandemie deutlich vor Augen. Nutzen wir sie für eine Reform im Interesse unserer Schüler*innen!
    Ute Vogell

  8. hans sagt:

    zu @ Anna Hartl
    Im Grunde weiß niemand was die nächsten Monate passieren wird. Zum Glück für uns gibt es Länder die das aus freien Stücken für uns austesten. Zum Beispiel können wir ja aus dem was in den USA oder GB passiert lernen was möglich ist und was nicht. Daraus müssen dann Schlüsse gezogen werden. Das hat im Frühjahr mit Spanien und Italien ja schon mal ein Stück unabsichtlich funktioniert.

  9. Irmtraud Weissinger sagt:

    Es zeigt sich gerade, dass die Öffnung der Kitas eine besondere Herausforderung ist. In diesem Bereich werden die Widersprüchlichkeiten, die Unsicherheiten, das Nichtplanbare im Leben, mit dem uns Corona so kompromisslos konfrontiert, besonders deutlich.
    Und wieder ist es kaum besprechbar, sondern die politischen Parteien streiten in alter Art und Weise über allgemeine oder dezentrale Regelungen um rechtzeitig oder zu spät erfolgte, über zu viel oder zu wenig Planungen…und manche Interessenvertretungen melden sich zu Wort. Das Ganze Geschehen ist in seiner Tiefe kaum zu erfassen. Es macht irgendwie sprachlos und verwirrt, wenn man sich darauf wirklich einlässt.

    Diejenigen, die direkt von diesen widersprüchlichen Interessen, die hier aufeinander stoßen, betroffen sind, spüren, wie komplex und tief die Herausforderung ist. Sie suchen konkrete Lösungen. Und die Öffentlichkeit nimmt sie wieder nicht wahr: die Erzieher*innen. Wer am wenigsten Raum in der öffentlichen Diskussion findet, und wem am meisten zugemutet wird sind die Erzieher*innnen.

    Schauen wir unter die organisatorischen Fragen und Hygienekonzepte so wird hier in letzter Konsequenz sichtbar: Leben und Sterben sind letztendlich nicht planbar, die Grenzen der„Verfügbarkeit menschlichen Lebens“ müssen akzeptiert werden. Leben und Sterben sind nicht standardisierbar. (Gott sei Dank)

    Leben braucht Berührung, Körperkontakt, Mimik um sich entwickeln zu können. Im öffentlichen Leben verzichten wir aber gerade weitgehend darauf, um besonders ältere Menschen und uns selbst zu schützen. Und dies ist notwendig und wichtig, um Leben zu schützen. Dieses Verhalten üben wir seit 2,5 Monaten ein, da es alles andere als selbstverständlich ist.
    Nun kommen wir an den Punkt, dass unterschiedliche Schutzbedürfnisse des Lebens aufeinandertreffen. Letztendlich ist die Wertung und Abwägung dieser unterschiedlichen Schutzbedürfnisse nicht entscheidbar und nicht über allgemeine Regelungen zu klären und trotzdem bedarf es eines Rahmens dafür. Schützen und fördern der sozialen Entwicklung von Kindern durch körperliche Nähe und offene Entwicklungsräume und schützen des physischen Lebens von Kindern und Erwachsenen. Das geht beides angesichts Corona nicht gleichzeitig zusammen. In der Kita und Krippe wird diese Unvereinbarkeit deutlich. Erzieher*innen werden auf jedem Fall dem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt (und wer will die Verantwortung für diese Entscheidung letztendlich auf sich nehmen? Da wird sie dann doch lieber vor Ort verlagert). Bei Kindern ist die Infektionsgefahr nach der Forschung der Virologen noch unklar. Die Forschungsergebnisse widersprechen sich. Auch für Eltern eine hohe Verantwortung bei ihrer Entscheidung. Welches Leben braucht welchen Schutz?

    Da will Ramelow die Corona Regelungen lockern und vermehrt Eigenverantwortung fördern und ein Sturm der Entrüstung entfaltet sich und gleichzeitig wird in dem großen Bereich der Kitas und Krippen genau die strenge Regelung der Maskenpflicht und der Abstandswahrung aufgehoben. Für Erzieher*innen gibt es zwei sich widersprechende Welten: die Welt in der Kitagruppe, ohne Schutzmaske und Sicherheitsabstand. Hier begegnen sich auf jeden Fall mehr als „zwei Haushalten“, und die Welt außerhalb der Kitagruppe mit genau widersprechenden Regelungen, wo das Nichteinhalten zum Teil hohe Geldstrafen nach sich ziehen kann. Ist das noch nachvollziehbar? Und warum empört sich keiner darüber?

    Hier müssen Eltern, und Erzieher*innen in hoher Eigenverantwortung entscheiden, was gerade für sie möglich ist. Wie bringen sie Förderung des menschlichen Lebens der Kinder und ihr Risiko sich zu infizieren und eventuell auch mit dem Sterben konfrontiert zu sein, in Einklang. Es gibt keine allgemeingültigen rationalen Kriterien für diese Entscheidungen. Und die Arbeit ist auch nicht mehr organisierbar mit den herkömmlichen Mitteln.

    Auch hier wird die Polarisierung in der Gesellschaft deutlich, die einen verlangen Regelungen und Schutz von den Regierungen und Verantwortlichen, die anderen schauen kreativ nach neuen Lösungen und leben mit den Unsicherheiten. Wie viele „Coronafamilien“ haben sich gefunden, wie viele Kitas haben in Formen hoher Selbstverantwortung und Selbstorganisation bereits Konzepte zur Öffnung erarbeitet und wie viele neue Formen von Kooperation mit den Eltern sind zur Lösungsfindung entstanden?

    Lasst uns darüber sprechen. Und lasst uns darüber sprechen, was auch hier den Erzieher*innen zugemutet wird. Welche Arbeit sie leisten, ohne die Schutzmaßnahmen, die für andere zwingend gelten. Und nicht zuletzt, wie sich gerade auch ihre Arbeitsinhalte verändern, und das mit den Werten kollidiert, für die sie eintreten.

    Wo bleibt hier die Wertschätzung?

  10. Antje Sander sagt:

    Dieser Vorfall in Frankfurt in der Baptistengemeinde macht mich wütend, wütend auf unsere Landesregierung die es versäumt hat, konkrete wichtige Vorgaben bei den Lockerungen vorzugeben. Kein Wort davon bei der Pressekonferenz am 7. Mai, dass bei Veranstaltungen nicht gesungen werden darf. Ebenso fahrlässig ist die Landesregierung bei der Öffnung der Sportvereine und Fitnesscenter vorgegangen, wo nur ein Mindestabstand von 1,5 Metern beim Sporttreiben einzuhalten ist. (Hier muss wenigstens eine Anwesenheitsliste geführt werden). Viele Sportgruppen sind jedoch vorsichtiger und richten sich lieber nach der Vorgabe des Turnerbundes von mindestens 20 Quadratmeter pro Person. Auch die Stadt Darmstadt sah die Sache anders und hat den Sportvereinen eine Vorgabe eines Abstand von zwei Metern gemacht. In Fitnesscentern trainieren jedoch schon wieder 60 Personen zeitgleich in einem Raum. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern wo nur 50 Leute erlaubt sind, liegt die Maximalzahl selbst in Innenräumen in Hessen bei 100 Personen
    Familien hingegen warten vergeblich darauf, dass in Kita und Schule wieder der normale Alltag einkehrt. Die Kinderbetreuung an der frischen Luft hätte schon längst wieder beginnen können. An den Schulen hätten schon frühzeitig die Förderkurse wieder stattfinden können. So hätten wenigstens die Kinder eine Hilfestellung bekommen, welche in dem einen oder anderen Fach besondere Probleme haben. Da die Eltern diesen Kursen zustimmen müssen, hätte auch niemand dagegen geklagt.
    Diese Lockerungspolitik, mit der die Bedürfnisse der Wirtschaft und die bestimmter Wählergruppen Vorrang vor denen der Kinder und Familien haben, ist ähnlich wie die Ignoranz mit der Herr Bouffier und die CDU die Klimakrise und damit auch die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen ignoriert. Da muss ein drittes Terminal am Flughafen unbedingt noch gebaut werden – egal, was der weitere Ausbau des Flugverkehrs an zusätzlichem C02 bedeutet. Da wird gehandelt, als gäbe es gar keinen Klimawandel.

  11. Alfred Bein sagt:

    Diese Hardcore-Christen und religiösen Fanatiker jeglicher Coleur können sich meinetwegen so oft und so lange und wo sie wollen treffen, um ihre Götter anzubeten und ihre Choräle zu schmettern – in normalen Zeiten! Aber bitteschön, wo ist der Unterschied zwischen diesem Geschehen und den choreographierten Schlachtengesängen der Fans im Eintrachtstadion? Wenn die (wer auch immer) in diesen Tempel z.B. hundert „Gläubige“ reinlassen, müssten – weil geschätzt mindestens hundertmal größer – ebenso viel mehr Zuschauer bei einem Heimspiel zugelassen werden (macht zehntausend). Und das Allerschönste ist ja noch, dass sich die Kirchen ihre Sicherheits- und Hygieneregeln selber basteln dürfen. Und keiner kontrolliert’s! Für mich ein wunderschönes Beispiel für die völlig unangemessene Machtfülle, gemessen am Anteil der Gesamtanteil der Bevölkerung. Wir dürfen jetzt für die Folgekosten dieses Verhaltens aufkommen. Das ärgert mich maßlos.

  12. Armin Leib sagt:

    Wissenschaftlich gibt es bisher nur Tierversuche und Versuche unter Laborbedingungen, der wissenschaftliche Beweis auch für nur eine einzige Infektion von Mensch zu Mensch unter Normalbedingungen steht noch aus.
    In Bezug auf die Infektionen bei dem Gottesdienst in Frankfurt und bei der Lokaleröffnung in Leer werden bereits jetzt „deutliche Hinweise auf Verstöße“ gegen die geltenden Verordnungen bekannt oder es wird mindestens zugegeben, dass keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen wurde.
    Der Vergleich der neuen Infektionen (Frankfurt, Leer) mit den Ereignissen vor dem Lockdown (Ischgl, Bergamo, Heinsberg), bei denen es ja noch nicht einmal Abstandsregeln gegeben hat, legt ganz genauso die Vermutung nahe, dass bei den neuen Gruppeninfektionen die geltenden Regeln missachtet wurden.
    In meinem Denken steigt die Wahrscheinlichkeit von Infektionen infolge von Begrüßungs-und Verabschiedungsritualen exponentiell, während die Annahme von Infektionen über Aerosole unter Normalbedingungen ohne wissenschaftlichen Beweis deren Wahrscheinlichkeit doch eher linear verlaufen lässt Im Gegenteil denke ich, dass bei einer tatsächlichen Übertragung von Sars-Cov-2 durch Aerosole die Abstandsregel wirkungslos wäre und wir heute eine extrem viel höhere Zahl von Infizierten und auch eine extrem hohe Dunkelziffer haben müssten.
    Bei aller Zustimmung zur Notwendigkeit der wiederholten Erinnerung an die Wichtigkeit der Abstands- und Hygieneregeln : Verschonen Sie uns künftig bitte bei offensichtlicher Verletzung dieser Regeln mit Schlussfolgerungen, die die Missachtung der Regeln verschleiern.

  13. Frank Sittel sagt:

    „Singt dem Herrn ein neues Lied, niemand soll’s euch wehren, dass das Trauern ferne flieht, singet Gott zu Ehren“, so ist in den Gesangbüchern der christlichen Kirchen zu lesen. Singen und Musizieren übersteigen sprachliche Äußerungen so, dass gregorianische Choräle, alte und neue geistliche Lieder, lateinische und deutsche Hymnen, oft ein besonderes, vielleicht einziges Ausdrucksmittel während der Feier der Liturgie sind, wenn Worte nicht ausreichen oder gar versagen.
    Und nun sei das Singen einer Schola, eines Chores oder das Gemeinde wegen der allgemeinen epidemiologischen Lage während einer Probe oder in den Gottesdiensten gefährlich. Husten, niesen, reden, lachen – und singen: So würde nach bisherigem Wissensstand das schlimme Virus von Mensch zu Mensch übertragen. Es stecke in den Schleim- oder Speicheltröpfchen, die dann über die Nase, den Mund oder die Augen in den Körper einer anderen Person gelangen können. Wissenschaftler vermuten, dass nicht nur infektiöse Tröpfchen, sondern auch die feineren Aerosole das Virus weitergeben und somit auch eine Infektion über die Atemluft möglich ist. Aerosole sind winzigste Speicheltröpfchen, die beim Ausatmen in die Luft gelangen und dort für eine gewisse Zeit schweben.
    Was augenblicklich für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste bleibt, ist liturgisches und künstlerisches Orgelspiel zur „Erhaltung unseres geistigen Lebens im Dienst der Ehre Gottes und der Recreation unsers Gemüts.“

  14. Marc Schneider sagt:

    Der verständliche Wunsch, möglichst bald zur Normalität zurückzukehren, scheint bei vielen den Blick für die Realität zu verstellen. Nach den aktuellen Zahlen wurden weniger als 0,3% der Bevölkerung infiziert. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, daß nochmal soviele die Krankheit unbemerkt überstanden haben, sind damit noch über 99% der Bevölkerung gefährdet. Zum Start der Pandemie haben ein paar Infizierte ausgereicht; momentan haben wir aber etliche Hundert, die noch nichts von ihrer Ansteckung wissen und in der Öffentlichkeit herumlaufen.

    Wenn jetzt die Schutzmaßnahmen weitgehend beendet werden, stehen wir in spätestens drei Wochen wieder an der Anfangsposition und haben dann die Wahl, entweder zehntausende von Todesfällen zu akzeptieren oder die allgemeine Wirtschaft ins totale Chaos zu stürzen. Das zu provozieren, indem man „ausprobiert“, wieviele Infektionen ein (pädagogisch sinnloser) zweiwöchiger Regelbetrieb der Schulen vor den Ferien hervorruft, ist menschenverachtend.

    Ohne Impfstoff oder Medikament können wir nur die Anzahl der Neuinfektionen soweit reduzieren, daß auch bei weitgehend „normalem“ öffentlichen Leben jeder einzelne Fall sofort nachverfolgt und die Verbreitung eingedämmt werden kann. Das hätten wir schon längst erreichen können, wenn die strenge Disziplin zwei, drei Wochen länger befolgt worden wäre. Stattdessen lockern wir munter weiter und halten die Infektionsraten damit dauerhaft auf einem Stand, der selbst eine eingeschränkte Normalität für die nächsten Jahre ausschließt.

    Alle, die jetzt meinen, die Maßnahmen seien übertrieben gewesen und müßten schleunigst komplett zurückgenommen werden, möchte ich fragen: Was ist dann der Grund für katastrophale Zustände und Zahlen durch Corona in den Gebieten der Erde, in denen anders gehandelt wurde?

  15. Tillmann Elliesen sagt:

    Danke für den Kommentar von Peter Hanack, der sich dafür ausspricht, Versuche eines geregelten Schulunterrichts im Klassenverband zu unternehmen. Ich finde es schlimm, dass über Kinder und Jugendliche seit Wochen vor allem als Gefahr für die öffentliche Gesundheit gesprochen wird. Und ich finde es peinlich für alle Lehrerinnen und Lehrer, dass viele von ihnen trotz extrem niedriger Infektionszahlen immer noch so tun, als wäre es akut lebensgefährlich für sie, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. Stattdessen sollten sie im Interesse ihrer Schülerinnen und Schüler mithelfen, den regulären Schulbetrieb schrittweise wieder in Gang zu bringen. Wie lange wollen die ängstlichen Lehrkräfte, ihre Verbände und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft denn noch warten? Bis ein Impfstoff da ist oder bis die Virologen in aller Welt weitere Studien erstellt haben und sich vielleicht irgendwann mal einigen, ob und wie stark Kinder und Jugendliche das Virus verbreiten?

  16. Wilfried Kerntke sagt:

    1960 eingeschult, gehöre ich zu den paar hundertausend Menschen in Westdeutschland, die 1966, bei der Umstellung des Schuljahreswechsels von Ostern auf den Sommer, ein halbes Jahr kürzer beschult wurden. Ich habe dadurch kein Trauma erlitten, musste keine uneinholbare Einkommenseinbuße hinnehmen, und mein Bildungsanspruch ist wohl ganz gut gerettet worden. Eine Bildungskatastrophe war das wohl nicht.
    Das deutsche Schulsystem hätte seither mehrmals eine grundlegende Überholung gebraucht. Manches kam auf den Weg, jedoch der größte Anlauf, die Inklusion, wurde krachend gegen die Wand gefahren: Zu wenig Ressourcen, zu wenig Nutzung von Entwicklungsdynamik, zu wenig Haltungsänderung. Schade.

    Jetzt, 2020, wird Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen eine Umwälzung zugemutet, die so grundlegend bei uns noch nie geschafft wurde. Der Lockdown auch im Bildungswesen schafft eine Zäsur, nach der eine „Rückkehr zur Normalität“ nur als restaurative, rückwärtsgewandte Maßnahme durchgesetzt werden kann. Zu viel werden diese paar Monate verändert haben. Sie haben, wie jede Krise, schlimme Zumutungen gebracht, und zugleich haben sie die notwendige Weiterentwicklung von Schule vorangetrieben wie nichts anderes in den letzten Jahrzehnten.
    Durch den Lockdown wurde angestoßen:
    Ein neues Lehrer-Schüler-Verhältnis. Beide Seiten freuen sich neu und gut auf die – zeitlich begrenzteren – Begegnungen. Vielfach werden diese Begegnungen nicht mehr als Last wahrgenommen, sondern als Chance der Wissensvermittlung. Das ist freudvoller und reifer als vieles das wir vorher hatten.
    Ein neues Lernen der Lehrer. Es war gruselig, in den letzten Jahrzehnten oft erleben zu müssen, wie hartnäckig viele Lehrer*innen sich weigern, etwas Neues zu lernen. Jetzt geht es plötzlich – nicht bei allen, aber bei der großen Mehrzahl. Das ist ein Grund zum Aufatmen. Die Lernimpulse werden nur zum Teil durch „die Verhältnisse“ oder durch „die Software-Firmen“ gesetzt. In Ausnahmesituationen wie Flucht und Vertreibung (und jetzt Lockdown) lernen Kinder und Jugendliche, vor allem aber Kinder, schneller als Erwachsene, und passen sich auf gute Art der neuen Situation an. Das weiß jede Familie, die ein paar Monate in einer Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen leben musste. Nun erleben es auch Lehrer*innen: Wenn sie es zulassen, können sie gute neue Impulse von ihren Schüler*innen aufnehmen. Natürlich ist es schwierig, dass dadurch die alte Asymmetrie in Frage gestellt wird, die nur sehen möchte dass die Kinder ihre Lernimpulse von den Erwachsenen bekommen – darauf schien ja Schule zu beruhen. Aber nun sehen wir, dass Schule im guten Fall ein gemeinsames Lernen ermöglicht, zu dem auch die Kinder beitragen.

    Geben wir den Schulen Zeit, geben wir den Lehrer*innen, den Schüler*innen und den Eltern, und schließlich noch der schwerfälligen Kultusbürokratie Zeit, Zeit bis zu den Sommerferien, sich in diesen neuen Verhältnissen einigermaßen zurechzufinden. In den Ferien kann sich das noch ein wenig besser setzen. Und dann kann das neue Schuljahr mit frischem Elan beginnen.
    Wer so ängstlich wie Peter Hanack mit seinem Beitrag „Mehr Schule wagen“ nach schneller Wiederherstellung des status quo ante ruft, der entblößt zwar sehr ehrenwert sein ängstliches Herz, aber auch seinen geringen Sachverstand für Entwicklungsdynamik.

  17. Kersten Brandt sagt:

    „Bei allem Respekt“,
    lieber Herr Hanack, wir haben eine Pandemie. Es gibt keinen Impfstoff, wenig Erfahrung in der Behandlung der Krankheit und wir wissen insgesamt noch wenig über SARS-CoV 2.
    Wir wissen bisher auch nicht, wie infektiös Kinder sind.
    Wir wissen aber, dass die Krankheit über die Luft und die Atemwege übertragen wird. Deshalb gibt es Hygienevorschriften, die auch am Arbeitsplatz gelten. Kurz gesagt: Abstand, Händewaschen, Atemmaske. Für mich vollkommen nachvollziehbar.
    Deshalb ist die Öffnung der Schulen für alle unter Aussetzung dieser Hygieneregeln ein Menschenversuch, und das sagt ja auch Herr Lorz und sie selber sprechen auch von einem „Versuch“. „Bei allem Respekt“, Herr Hanack, in der Statistik sind wir Zahlen, real sind wir Menschen, die ganz real erkranken können.
    Die Schulen sind seit einiger Zeit geöffnet und niemand spricht davon, dass sie geschlossen bleiben sollen, bis die Pandemie vorüber ist. Aber es geht um intelligentere Konzepte, als „einfach mal ausprobieren!“
    „Bei allem Respekt“, Herr Hanack, wir Lehrer wissen genau, welche Arbeit wir vor der Pandemie geleistet haben, und deshalb wissen wir auch, was es bedeutet, dass Schule derzeit nur im Notbetrieb stattfinden kann. Deshalb arbeiten wir seit Beginn der Pandemie an Konzepten, die es ermöglichen, die Kinder dennoch zu erreichen, die Beziehung aufrechtzuerhalten und alle Kinder zu fördern. Das unterliegt Einschränkungen, die uns bewusst sind und die uns große Sorgen bereiten.
    Wir wissen aber aber auch, dass unser Bildungssystem auch schon vor Corona zutiefst ungerecht war. Hinweise auf diese Ungerechtigkeit brauchen wir deshalb nicht. Im Gegenteil: Wir setzen uns tagtäglich in unserer Arbeit für Bildungsgerechtigkeit ein. Dass jetzt von Politikern, Kinderärzten und Journalisten die Öffnung der Schulen gefordert wird und dabei vor allem die „Bildungsgerechtigkeit“ als Argument angeführt wird, ist für mich vollkommen unglaubwürdig.
    Regelmäßig belegen wissenschaftliche Studien empirisch belegen, dass in kaum einem anderen europäischen Land der Bildungserfolg von Schüler*innen so sehr von der Herkunft abhängt wie in Deutschland. (Auch wenn ich Ihre Formulierung „Bildungskatastrophe“ als scharfmacherisch und wenig hilfreich bezeichnen würde, halte ich diese systeminhärente Ungerechtigkeit für die eigentliche „Katastrophe“.) Wo bleibt da der Aufschrei der Empörung? Wer traut sich, an einem Bildungssystem zu rütteln, das Kinder im Alter von 10 Jahren sortiert und damit Bildungswege vorzeichnet?
    Und das fällt uns jetzt auf die Füße: Die Pandemie verschärft diese Ungerechtigkeit.
    Corona trifft uns alle, und alle Kinder leiden darunter. Aber sie leiden in unterschiedlicher Weise und in unterschiedlichem Ausmaß. Akademikerkinder, die über ein Tablet verfügen und ein eigenes Zimmer haben, haben derzeit bessere Lernbedingungen als Kinder als Kinder aus Einwandererfamilien, die sich mit mehreren Geschwistern ein Zimmer teilen müssen. Wenn es um Bildungsgerechtigkeit auch unter Corona-Bedingungen ginge, müsste man die Kinder in den Fokus nehmen, und differenzierte Angebote machen, anstatt die Gesundheit aller aufs Spiel zu setzen. Das gebietet der „Respekt“ vor den Kindern, ihren Familien und den Lehrer*innen.
    Wir Lehrer*innen und die Schulleitungen sind in den letzten Monaten sehr flexibel mit der Situation umgegangen. „Bei allem Respekt“, Herr Hanack, uns würden intelligentere Lösungen einfallen als die Öffnung der Schulen unter Missachtung aller sonst geltenden Schutzmaßnahmen.