Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 32

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Hören Sie mich durchschnaufen? Wieder eine Woche geschafft. Soeben – es ist 18:18 Uhr – habe ich das Leserforum für den Montag abgegeben. Jetzt flammt die Diskussion über bürgerliche Grundrechte so richtig auf. Das ist gut so, denn wir dürfen uns nicht an den Ausnahmezustand gewöhnen. Ich benutzt bewusst diesen Begriff, den wir ansonsten vor allem aus Diktaturen kennen. Die Bundesrepublik ist natürlich keine Dikttur, auch nicht in ihrem jetzigen Zustand. Alle politischen Akteure sind glaubwürdige Demokraten und keine Orbans. Was sie tun, das tun sie auf Expertenrat hin, um die Infektionsketten der Pandemie in Deutschland zu unterbrechen. Und das scheint ja auch zu funktionieren. Trotzdem: Die Zivilgesellschaft darf nicht alles hinnehmen.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 32
Freitag, 17. April 2020

Es wird ohnehin eine zweite Welle von Infektionen mit Sars-CoV-2 geben. Die müssen wir sogar in Kauf nehmen, um als deutsche Bevölkerung die „Herdenimmunität“ zu erlangen, ehe es dann irgendwann einen Impfstoff gibt. Der Politik musste es in dieser ersten Phase der Pandemie vor allem darauf ankommen, den Zusammenbruch unseres Gesundheitssystem abzuwenden, der zwangsweise die Folge gewesen wäre, wenn wir dem Virus erlaubt hätten, sich exponenziell zu vermehren. Dass wir ihm dies nicht erlaubt haben, ist nichts weiter als vernünftig, auch um den Preis der vorübergehenden Einschränkung von Freiheitsrechten. Aber das darf kein Dauerzustand werden.

Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Terrasse ist ja schön und gut, vor allem mit einem üppig blühenden Kirschlorbeer davor, in dem es vor Insekten nur so summt. Aber jetzt steht die Reisezeit bevor! Das ist wohl auch so eine Gewohnheit, die wir in diesem Jahr nicht pflegen können. Wobei ich da hier und da noch Klärungsbedarf sehe. Dass man jetzt keine Hundertschaften von Menschen in enge Flugzeuge stecken und in andere Weltgegenden bringen kann, dürfte sich von selbst verstehen. Mit Zugreisen ist es etwas besser, aber immer noch schwierig. Doch warum soll man nicht mit dem Auto verreisen dürfen? Oder mit dem Wohnmobil?

In meinem Fall wäre die Wohnsituation dieselbe wie zu Hause: Es ist immer derselbe Typ in der Nähe, wir bewohnen zusammen ein Auto, so wie zu Hause ein Haus, und wären nicht mal an Hotels oder Campingplätze gebunden, denn mit so einem Wohnmobil kann man sich sehr gut abgelegene Parkplätze suchen, um dort über Nacht zu parken. Der Camper hat eine Gas-Standheizung, es wird mit Gas gekocht, und die Innenraum-Batterie ist stark genug für die elektrischen Pumpen (Wasser) so wie für Beleuchtung. Wir kämen in denselben Fällen in Kontakt mit anderen Menschen wie zu Hause auch: bei den üblichen Verrichtungen wie beispielsweise Einkaufen.

Das alles sollte eigentlich möglich sein, auch in Zeiten der Pandemie. Allerdings vermutlich nur in Deutschland. Frankreich ist so bald vermutlich kein reelles Reiseziel. Von unserer Freundin Edith aus Limoges, die u.a. meine Texte der Bilderserien „365 Blicke / vues“ und „52 Blicke / vues“ ins Französische übersetzt hat, kamen heute niedergeschlagene Töne, als wir telefonierten. In Frankreich sind die Grundrechte noch sehr viel restriktiver eingeschränkt. Edith und ihr Mann dürfen das Haus verlassen, um einzukaufen, müssen sich aber ansonsten immer im Umkreis von einem Kilometer um das Haus herum aufhalten. Radtouren, wie wir sie hier machen können, sind in Frankreich untersagt. Doch trotz dieser strikten Maßnahmen scheint Deutschland das Infektionsgeschehen deutlich besser im Griff zu haben als Frankreich. Das zeigt sich nicht nur anhand der Opferzahl, die dort 3,5-mal so hoch ist wie in Deutschland, sondern auch daran, dass es dort jetzt wieder deutliche Zuwächse bei den Neuinfektionen gab, die wieder an ein´exponenzielles Wachstum erinnern.

Allein an den Einschränkungen unserer Rechte kann es also wohl nicht liegen.

Naoned!

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