Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 308: Zeitgemäße Kommunikation

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

 

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 308
Samstag, 9. Januar 2021

Zeitgemäße Kommunikation

Reden wir heute mal über Kommunikation. Und zwar nicht aneinander vorbei. Ich habe in meiner Print-Kolumne „Bronskis Woche“ oft davon berichtet, wie das so ist im Homeoffice. Also wenn man pandemiebedingt von zu Hause aus arbeitet, so wie ich seit nun bald zehn Monaten. Nun höre ich aus der Redaktion: Bronski, Dein Post-Eingangsfach quillt über.

Was soll ich machen? Mein Post-Eingangsfach ist zwölf Kilometer von mir entfernt. Ich komme da nicht ran. Bis zum Beginn der zweiten Corona-Welle bin ich noch ungefähr alle zwei Wochen in die Redaktion geradelt, aber seitdem heißt es: Leute, bleibt möglichst im Homeoffice. Ich höre außerdem aus der Redaktion, dass die Kantine jetzt nur noch „to go“ anbietet, dass die Hygieneregeln nochmals verschärft worden sind. Wirklich: Ich will da gar nicht hin. Die FR-Redaktion arbeitet dort in einem Großraumbüro. Das galt bis zum Beginn der Pandemie als Optimum in Sachen Arbeitsorganisation: kurze Wege, schnelle Ansprechmöglichkeiten. Ich habe das immer skeptisch gesehen, weil es mir im Großraum schwerer fällt, mich zu konzentrieren. Meine Texte fürs FR-Blog habe ich daher immer in Ruhe zu Hause geschrieben. Pfeif auf Arbeitszeiten! Nun kommt aber etwas hinzu, was schwer wiegt im Negativ-Saldo von Großräumen: Das Virus kann sich dort leicht verbreiten. Jedenfalls wenn der Großraum normal besetzt wäre. Deswegen bin ich ganz klar fürs Homeoffice, auch wenn das ebenfalls Schattenseiten hat.

Aber jetzt die Sache mit der Post. Die einzige Möglichkeit wäre, die Sekretärin der Chefredaktion zu bitten, die postalischen Briefe einzuscannen und mir dann zu mailen. Aber die gute Karen hat bereits genug zu tun. Denn Sie müssen wissen: Die Forum-Redaktion der FR besteht aus einer einzigen Person: mir, Lutz „Bronski“ Büge. Ich mache die Forum-Seiten, ich besorge sämtliche Kommunikation, die dafür im Hintergrund nötig ist, beantworte digitale Leserpost, recherchiere selbst Themen, etwa wenn mal wieder ein „Sorry“ im Print-Forum nötig wird, aber auch, um Ihnen im FR-Blog Texte anbieten zu können, beschicke das FR-Blog mit Ihren Zuschriften  – denn das Blog ist, wie Sie wissen, die Erweiterung des Print-Forums ins Internet –, moderiere die Kommentare, die im Blog anfallen, und wenn dann noch Zeit sein sollte, dann tippe ich auch mal ein Fax oder – in normalen Zeiten – einen postalischen Brief ab. Alles ganz allein. Ich habe kein Sekretariat, das mir z.B. das Abtippen abnehmen könnte.

Das sind meine Arbeitsbedingungen. Damit will ich mich nicht beschweren, denn ich mag diese Arbeit. Sie ist kreativ und intellektuell fordernd, aber sie führt mich auch an meine Grenzen. Die postalischen Briefe sind derzeit eine dieser Grenzen. Liebe Leserinnen und Leser, ich kann wirklich nichts machen: Wer mir jetzt einen Brief mit der Post schickt, wird warten müssen. Das ist ärgerlich, nicht nur für Sie. Ärgerlich auch deswegen, weil ich ja durchaus ein Posteingangsfach habe. Nein, sogar drei. Sie heißen auf gut Neudeutsch „Mail-Accounts“. Die beiden, die täglich im Print-Forum kommuniziert werden, also Forum und Bronski, und dann noch mein FR-Account auf meinen bürgerlichen Namen. Auf allen drei zusammen kommen täglich bis zu 300 Mails bei mir an. Auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle waren es sogar mehr als 500. Das will bewältigt werden.

Die gute alte analoge Post war früher mal der direkte Weg in die Redaktion. Heute ist sie das nicht mehr. Daher mein Vorschlag: Mailen Sie mir, statt mir mit der Post einen Brief zu schreiben. Ist viel einfacher, geht viel schneller, und das Beste ist: Ich kann solche Mails sogar zur Kenntnis in der Redaktion herumreichen, trotz Homeoffice. Alles auf digitalen Wegen. Mit postalisch geschickten Briefen funktioniert das heutzutage leider nicht mehr gut, insbesondere jetzt nicht, in der Pandemie und im Homeoffice.

Ich höre die Beschwerden und kann sie nachvollziehen, denn natürlich schaffen Sie sich keinen Computer an, nur um an Bronski mailen zu können. Nein, aber vielleicht schaffen Sie ihn sich ja an, um gesellschaftliche Teilhabe zu üben? Die schlägt nämlich auch immer häufiger digitale Wege ein. Die Pandemie macht uns auch in dieser Hinsicht auf Defizite aufmerksam. Vielleicht haben Sie schon gelesen, was ich nebenan über die Rückständigkeit der deutschen Bildungspolitik geschrieben habe? An vielen Schulen gibt es nicht einmal WLAN. Wie will man unter solchen Bedingungen in der Pandemie plötzlich flächendeckend „Home-Schooling“ hinbekommen? Dabei wäre das ein hervorragender Beitrag zur (vorübergehenden) Kontaktvermeidung, also auch zur Unterbrechung von Infektionsketten. Deutschland hinkt in dieser Hinsicht anderen Ländern weit hinterher.

Moderne Zeiten! Charlie Chaplin hat sie schon vor 85 Jahren aufs Korn genommen, aber es geht anscheinend nicht anders: Man muss schon ein bisschen mitgehen. Das gilt auch für die Fans des Faxes. Noch so eine Dino-Technologie, ähnlich wie der Postbrief. Muss ich ebenfalls abtippen. Was für ein Aufwand! Wieso soll es einfacher sein, einen Leserbrief auf ein Blatt Papier zu schreiben, von dem dann eine digitale Kopie verschickt wird, die anschließend abgetippt werden muss, als den Button „Neue Mail“ in einem Mailprogramm anzuklicken, den Leserbrief zu schreiben und anschließend auf „Versenden“ zu klicken? Klar, man muss sich ein paar Dinge aneignen, die zunächst noch neu und fremd erscheinen mögen. Und es gibt auch ein paar Vorsichtsmaßnahmen, die man beherzigen sollte, wenn man sich in der digitalen Welt bewegt. Aber auch in der analogen Welt ergreift man ja ebenfalls nicht jede Hand, die einem hingereckt wird, oder? Vorsicht, Virus!

Ich bin wirklich gespannt, wie lange das mit dem Homeoffice noch weitergehen soll. Eigentlich habe ich erwartet, dass die Infektionszahlen ungefähr jetzt, Anfang Januar, runtergehen müssten, aber offenbar wurde – zumindest in der zweiten Dezemberhälfte – nicht mehr genug getestet. Mein Eindruck ist, dass die offiziellen Zahlen nicht den realen Umfang der Verbreitung des Virus widerspiegeln. Dass die Zahl jener Bedauerlichen, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, derzeit weiter steigt, ebenso wie die Zahl der Todesopfer, das war allerdings leider vorhersehbar: Die Infektionswelle zieht mit Verspätung weitere Wellen hinter sich hier: eine Welle von Erkrankten, bei denen es Komplikationen gibt und die daher ins Krankenhaus müssen, daraus entsteht eine Welle von schweren Fällen, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, und letztendlich haben wir eine Welle von Todesfällen. Diese Zahl wird in den kommenden Tagen wohl weiter steigen. Aber warum die Zahl der Neuinfizierten jetzt wieder ansteigt, mitten im harten Lockdown, das muss wohl mal diskutiert werden.

Ist dieser Lockdown noch nicht hart genug? Ich bin auf jeden Fall absolut einverstanden mit der Linie der Führung der FR-Redaktion: Wir bleiben im Homeoffice! Tut mir leid für Ihre postalische Post.

Naoned!

Ihr Bronski

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Ein Kommentar

  1. Anna Hartl sagt:

    Ja, warum die Zahlen jetzt wieder ansteigen, frage ich mich auch.
    Ich denke, wenn sich die Menschen an die Vorgaben halten würden, wäre der Lockdown das richtige Mittel. Tun sie aber nicht.
    Diese Woche hat mich mein Weg immer am selben Cafe vorbeigeführt. Um die Ecke, selbstverständlich ohne Maske standen 5 Männer in einem Abstand von ca. 20 Centimetern im Gespräch.
    Ich weiß nicht, ob es immer die gleichen waren, doch an 3 Tagen die Woche, das gleiche Bild.

    Jogger auf den Fußgängerwegen, im Wald und auf Feldwegen halten keinen Abstand und keuchen ihren Mitbürgern ins Gesicht.

    Das sind nur zwei Beispiele aus dem Aussenbereich. Ich möchte gar nicht wissen, was die Leute so zu Hause veranstalten.

    Man könnte meinen, der Lockdown macht Spaß und ist ein Zustand, den wir möglichst lange aufrecht erhalten wollen!