Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 278: Nutzen Sie dieses Blog!

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Es ist schon irgendwie traurig. Da sitz‘ ich mitten in der Pandemie zu Hause und folge damit einem Konzept namens Homeoffice, um das Virus draußen zu halten, aber geistig rauscht der Erreger unablässig und ungebremst durch mein Arbeitszimmer und mein Leben. Das ist einer der Nachteile von Homeoffice: Arbeitsleben lässt sich kaum noch von Privatleben trennen, wenn beides am selben Ort stattfindet.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 278
Samstag, 12. Dezember 2020

Wie kann es sein, dass es offenbar immer noch Zeitgenossen gibt, die das Prinzip „Infektion“ nicht verstanden haben? Nach einem Dreivierteljahr der Pandemie! Das „Querdenken“ ist wirklich eine Seuche! Massen von Mails! Liebe Leute, es ist ganz einfach: Ihr irrt Euch, wenn Ihr glaubt, dass jeder nur für sich selbst verantwortlich ist. Denkt mal nach! Selbst wenn Ihr nur infiziert seid, aber nicht krank werdet, könnt Ihr das Virus weitergeben. Euch schadet das Virus möglicherweise nicht. Andere Menschen, die vielleicht durch Euch angesteckt werden – oder durch jemanden, an den Ihr es weitergegeben habt und der ebenfalls keine Infektion bemerkt, weil er nicht erkrankt -, können aber daran sterben. Infektion heißt: Man kann ahnungslos sein und trotzdem Verantwortung für Mitmenschen haben. Aber dagegen gibt es ein Mittel: Solidarität. Mit den Schwächsten in unserer Mitte. Gerade weil wir immer noch nicht ausreichend Bescheid wissen, sollten wir vorsichtig sein. Das ist nichts anderes als vernünftig.

So, dass war die Quintessenz aus Dutzenden von Mailwechseln der letzten Tage, die so durch mein Zimmer und meinen Kopf gerauscht sind. Das Resultat meiner Einsprüche ist deprimierend – einerseits. Es gibt offenbar einen Haufen Leute da draußen, die nicht vernünftig sein wollen. Da bleibt kaum was anderes übrig, als mit einigen der Autorinnen und Autoren zu sagen, die ich im FR-Forum so nach und nach veröffentlicht habe: Liebe Leute, die Ihr als selbsternannte „Querdenker“ demonstriert – nehmt bitte in Eure Patientenverfügung auf, dass Ihr im Fall einer Covid-19-Erkrankung keinesfalls intensivmedizinisch betreut oder gar beatmet werden wollt. Das wäre die logische (nicht die vernünftige) Konsequenz aus Eurem Verhalten. Einerseits. Dazu gehört ein Andererseits. Ich stelle nämlich fest: Diese „Querdenker“ sind laut, aber wenige. Vielleicht gebe ich ihnen zu viel Gewicht, wenn ich ihnen eine solche Philippika widme. Vielleicht sollte ich auf ihre Mails einfach eine Standardantwort schicken: „Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Ich habe sie an die Verantwortlichen in unserer Redaktion weitergeleitet.“ Wäre auf jeden Fall besser für meine Nerven.

Sie können sich vermutlich kaum vorstellen, wie angespannt die Lage hier bei mir im Homeoffice gerade ist. Ich habe gewissermaßen den Finger am Puls der Republik. Über drei berufliche Mail-Accounts, zwei private und außerdem über Nachrichten und Messengerdienste verfolge ich, was in diesem Land vorgeht. Ich rate zum Lockdown! Für uns alle. Runterkommen, entschleunigen, durchatmen, nachdenken. Das alles ist so viel! Wir müssen das verarbeiten.

Apropo Verarbeiten. An dieser Stelle möchte ich in einer anderen Sache was Grundsätzliches loswerden! (Sie merken am Ausrufezeichen: Jetzt wird’s ernst.) Ich bekomme immer wieder Nachfragen von Menschen, die mir was zur Veröffentlichung fürs FR-Forum geschickt haben. Früher nannten wir das Leserbrief, heute sagen wir geschlechtsneutral „Zuschrift“ dazu. Bisschen gewöhnungsbedürftig, aber das kriegen wir hin. Worauf ich hinaus will: Diese Menschen fragen nach, warum ihre Zuschrift zur Veröffentlichung abgelehnt wurde. Mir ist wichtig, dies mal grundsätzlich klarzustellen: Die Nicht-Veröffentlichung einer Zuschrift im Print-Forum der FR bedeutet nicht, dass diese Zuschrift abgelehnt worden wäre! Einem Leser, der dies unterstellte, habe ich vor zwei Tagen sinngemäß geantwortet:

Ich bedaure Ihre Interpretation des Nicht-Erscheinens Ihrer Zuschrift. Sie wurde sehr wohl zur Veröffentlichung ausgewählt, aber da der Platz im Print-Forum naturgemäß begrenzt ist, konnte sie letztlich nicht berücksichtigt werden, ohne dass dafür inhaltliche Gründe zu nennen wären.

Dazu ist natürlich noch viel mehr zu sagen. Fangen wir mal beim Grundsätzlichen an, also beim Platz in der gedruckten Zeitung, denn darum geht es ja bei diesem Einspruch. Stimmen von Leserinnen und Lesern bekommen in der FR täglich Platz im Rahmen einer ganzen Seite (in der Regel; es kann mehr, aber auch weniger Platz sein). Das bedeutet, dass täglich sieben bis zwölf Zeitgenoss:innen Meinungsplatz gegeben werden kann. Die Zahl der Zuschriften übersteigt diese Marge jedoch deutlich.

Ich will das mal klarstellen: Es gibt keinen Anspruch auf Veröffentlichung im Print-Forum. Ich versuche als verantwortlicher Redakteur täglich, so vielen verschiedenen Stimmen wie möglich zur Geltung zu verhelfen. Doch es liegt in der Natur der Sache, dass dies nicht für alle gelten kann. Wenn eine Zuschrift nicht im Print-Forum veröffentlicht wurde, heißt dies jedoch noch lange nicht, dass sie von der FR-Redaktion abgelehnt wurde. Es heißt zunächst nur, dass es keinen Platz dafür gegeben hat und dass die Entscheidung für andere Zuschriften ausgegangen ist. Es ist also eine Entscheidung für einen bestimmten Meinungsbeitrag, nicht gegen einen anderen.

Ich lehne Zuschriften dann ab, wenn sie sachliche, inhaltliche Fehler oder Fake News, Hetze, Hass enthalten. Das passiert oft genug, zugegeben – und da haben wir den Bogen zu meiner Einleitung in diesen Tagebuch-Eintrag, siehe oben, weil es immer Debatten nach sich zieht, wenn ich solchen Autor:innen negativ antworte – was ich wohl wirklich, wirklich nicht mehr tun sollte, auch wenn ich daran glaube, dass der Mensch generell vernunftbegabt ist. Aber es gibt immer noch genug Zuschriften, die es wert wären, veröffentlicht zu werden, und die es allein deswegen nicht schaffen, weil es nicht genug Platz dafür in der gedruckten Zeitung gibt.

Umso mehr wundere ich mich aber über solche Beschwerden, weil es seit 2005 dieses Blog gibt – also das FR-Blog, das Sie gerade lesen -, ein Blog, das seit 2007 erklärtermaßen die Erweiterung des Print-Forums in die digitale Sphäre ist und das dafür damals den European Newspaper Award erhalten hat. Jede und jeder von Ihnen, die sich im Print-Forum benachteiligt fühlt, kann dieses Blog nutzen, um ihre oder seine Meinung zu veröffentlichen. Niemand muss sich mit meiner Auswahl abfinden, die nur für das Print-Forum gilt.

Nutzen Sie also dieses Forum!

Wie das geht? Hier gibt es eine kleine Einführung.

Ihr Bronski

Naoned!

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7 Kommentare

  1. Konrad Mohrmann sagt:

    was heißt: time limit is exhausted? Sprechen wir jetzt alle englisch?

  2. Stefan Briem sagt:

    Na klar sollte man heutzutage ein bisschen Englisch können. Auf welchem Stern leben Sie?

  3. Anna Hartl sagt:

    Lieber Bronski,
    als Boris Rhein nach der Einkesselungsnummer am Theater versucht hat das Demonstrationsrecht zu beschneiden, sind Tausende auf die Straße gegangen. Die Demo die damals folgte war von einem riesigen Polizeiaufgebot begleitet und überall hingen Kameras, um ja jeden auf die Linse zu bekommen.
    Zu dieser Zeit ging es um den Versuch, die Grundrechte zu beschneiden. Heute nicht.
    Die Verbreitung des Virus lebt von unseren Zusammenkünften, also lassen wir es. Momentan gibt es keinen anderen Weg, um eine immer weiter fortschreitende Verbreitung zu verhindern.
    Es wird sich zeigen, wie weiter zu verfahren ist, wenn der Impfstoff da ist und wie viele Menschen sich impfen lassen.
    Diese Situation ist für uns alle neu und manchmal wirkt es wie ein Tasten im Dunkeln, aber Herrgott noch Mal, wie viele müssen denn noch sterben, bis der letzte begriffen hat, worum es geht.
    Es gibt Tage, da könnte ich brüllen, wenn mir die nächsten Deppen in der Bahn begegnen, die just dann essen müssen, wenn sie die Bahn betreten, oder weinen, wenn ich die steigenden Zahlen sehe, oder ängstlich bin, was das alles mit uns macht.
    Aber es ist einfach wie es ist und eine Zeitlang müssen wir alle versuchen damit zu leben.

  4. G.Krause sagt:

    Wie sagten die Bremer Stadtmusikanten als es ihnen schlecht ging,“ etwas besseres als den Tod finden wir überall“ Also auf nach Asien dort weis man wie man das Virus besiegen kann. Als Risikopatient kann man dort überleben. Es liegt wohl daran, dass dort die Staatschefs das Sagen haben. Bei und in Europa wird nicht agiert sondern nur reagiert. Wer hat bei uns das Sagen? Der Bürgermeister oder der Landrat oder die Landesregierung, vielleicht auch die Kanzlerin? Jedenfalls muss sie erst fragen ob sie das darf, vor allem die Wirtschaft. Wenn ich mir die Situation in den Alten- und Pflegeheimen anschaue kann einem schlecht werden, so kann man auch gleich das Rentenproblem lösen. Schauen wir mal zurück, wie war es im März, der Gesundheitsminister sagte wir sollen Masken tragen. Aber nach einer Woche hieß es Masken bringen nichts, und warum? Wir hatten keine Masken. Dann hieß es
    Testen, Testen, Testen, aber leider hatten wir da auch Probleme im Altenheim gab kaum Masken und getestet wird ein mal in der Woche und heute wundert man sich über die vielen Kranken.
    Armes Deutschland.

  5. hans sagt:

    zu @ G. Krause
    Ich bin jetzt schon gespannt was die Ministerpräsidentenrunde sich am 05.01. ausdenkt wie es weiter gehen soll. Im Januar sollen nur 2 Millionen Menschen geimpft werden. Das bedeutet, selbst wenn die Impfung gut ist kommen wir nächstes Jahr nicht aus der Nummer raus. Asien sich als Vorbild zu nehmen scheint nicht das Ziel zu sein. Machen wir halt im Januar für 6 Wochen wieder auf und Ende Februar den nächsten lockdown. Mal sehen ob wir die Wirtschaft nicht kaputt bekommen. Die Leute die sterben stören ja offensichtlich eh niemand.

  6. hans sagt:

    zu @ G. Krause
    Ich glaube das eigentlich nicht das es automatisch besser wäre wenn nur ein Staatschef das sagen hätte. Nach meiner Meinung ist es letztlich die Frage ob man vorgegebene Regel durchsetzt. Damit meine ich nicht ob an Weihnachten 5 oder 6 Leute da sind. Ich z.B war 3 Wochen in Quarantäne. Das Gesundheitsamt ist über mich der Meinung das ich wahrscheinlich positiv war in der Quarantänezeit. Ob ich mich auch so wie vorgegeben verhalte wurde in der Zeit mit 17-18 Anrufen auf meinem Handy kontrolliert. Diese Anrufe waren auch noch in etwa zur gleichen Zeit am Morgen. Ich hätte also machen können was ich wollte. Das kann bei Leuten die wahrscheinlich oder sicher positiv sind nicht sein. Diese Leute sind ansteckend sie müssen viel besser überwacht werden und nicht zu Hause sein ganz klar bestraft. Ich denke dass das schon der Hauptunterschied zu Asien ist.

  7. hans sagt:

    Die täglichen Veränderungen der Infektionszahlen sind schon interessant. In Offenbach kann die Ausgangsbeschränkung vielleicht wieder abgeschafft werden bevor sie angefangen hat zu wirken. Der Kreis ist heute deutlich unter 200 und die Stadt auf fast genau 200 von über 300 vor 2 Wochen. Die Wirkung der Ausgangsbeschränkungen wird man erst nächste Woche sehen. Die Frage ist Warum ist das so? Es muss Einflussgrößen geben die derzeit nicht thematisiert werden. Ich bin hier ja schon länger der Meinung das eine dieser Einflussgrößen ist wie sich die Bevölkerung an dem Eindämmen beteiligt.