Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 26

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Es ist geschafft: Wir haben unsere Einkäufe so organisiert, dass wir heute, am Samstag, weder in den Supermarkt noch auf den Markt müssen. Hier wie da, das war die Warnung, könnte an diesem Tag zwischen den Feiertagen so viel los sein, dass es nicht mehr möglich ist, die Abstandsregel einzuhalten. Trotzdem gehen wir heute raus – und zwar in den Garten. Dort wartet der Steingarten, den ich vor einigen Jahren angelegt habe, um Semperviven (Hauswurz) anzusiedeln. Es ist ein schöner Tag, ideal für ein bisschen kleinteilige Gartenarbeit.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 26
Samstag, 11. April 2020

Eigentlich bin ich heute also nicht im Homeoffice, wie es in der Überschrift steht. Ich arbeite nicht. Jedenfalls nicht für die Frankfurter Rundschau. Ich habe drei Wochen geballter Arbeit hinter mir, auch an den Wochenenden, weil es so viel Leserpost gab, dass sie anders nicht zu bewältigen gewesen wäre. Doch jetzt haben wir Feiertage, und diese Freizeit nehme ich gern an, obwohl ich kein Christ bin. Sie gelten für alle Menschen im Land, Christen wie Muslime, Agnostiker und Atheisten. Erst am Montagabend werde ich wieder in meine Mails schauen. Ich weiß, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser der Frankfurter Rundschau, dafür Verständnis haben werden. Immerhin geht es um Arbeitnehmerrechte.

Hier sehen Sie eine kleine Impression aus meinem Steingarten mit Sempervivum, Sedum und Gartenzwerg. Das Bild ist nicht aktuell, das Sedum blüht zurzeit noch nicht. Ich wollte Ihnen nur gern was Blühendes zeigen. Gartenzwerg und Katzenskulptur sind ironisch gemeinte Geschenke von Kolleginnen und Kollegen von der FR.

Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Sie sehen auf den ersten Blick: Da läuft einiges aus dem Ruder. Das Gras dazwischen, das da eigentlich nichts zu suchen hat! Und die Glockenblume, die links im Bild schnell an Höhe gewinnt! Im Lauf der Jahre habe ich viele Pflanzen aus diesem Garten entfernt, die sich zu schnell und zu unkontrolliert ausgebreitet haben, etwa Zwergbambus. Die Glockenblumen lasse ich da. Die säen sich jedes Jahr selbst aus. Ende April sammle ich die Pflanzen in einem eigenen Beet, das mit seinen zarten blauen und weißen Blüten später im Jahr immer einen Blickfang darstellt. Im folgenden Jahr stehen sie dann wieder an einem ort, den sie sich selbst ausgesucht haben – bis ich sie ausgrabe und zusammenfasse.

Als Kind und Jugendlicher habe ich Gartenarbeit gehasst. Natürlich. Welcher Jugendliche mag schon Gartenarbeit? Ich bin auch heute kein Fan davon. Aber im eigenen Garten kann man was gestalten, und das geht über Gartenarbeit hinaus. Das ist nicht einfach nur Jäten, Zupfen, Ziehen und Zerren, sondern das kann Spaß machen. Zumal das Konzept dieses Gartens nicht Kontrolle ist, sondern Wildnis mit Obacht. Es gibt einen Wildblumenteil, es gibt einen Nutzteil mit Erd-, Him- und Johannisbeeren, ein Kräuterabteil sowie viele Stauden und Büsche. Aber ganz ohne Eingriffe geht es nicht. Wie Natur so ist – man sieht es an Sars-CoV-2 -, werden von Menschen gesetzte Grenzen nicht akzeptiert: Das Gewächs setzt sich drüber weg. Und die Spatzen nehmen Staubbäder im Steingarten.

Hinzu kommt, dass wir nun ein Vogelbad im Garten haben. Die Tiere nehmen das Angebot gern an, auch um zu trinken, und halten sich vermehrt in der Nähe der Wasserquelle auf. An was Trinkbares zu kommen, ist in der Offenbacher Innenstadt für sie offenbar nicht so einfach, vor allem in trockenen Zeiten, wie wir sie gerade wieder haben. Aber darüber machen wir Menschen, die wir mit unseren eigenen Problemen beschäftigt sind, nicht viele Gedanken. Die Folge des Trinkwasserangebots ist, das zwischen den diversen Büschen im Garten, von Feuerdorn bis Rhododenron, eine Menge los ist. So haben wir nicht nur ständig Konzert im Garten, sondern kommen auch in den Genuss von Sturzflügen von Spatzenschwärmen. Meisen und Gartenrotschwänze sind auch dabei, Ringeltauben lassen sich sehen, und im Feuerdorn haben Amseln schon jetzt, Anfang April, zwei Jungvögel großgezogen, die fast flügge sind. Es war viel zu warm bisher in diesem Winter und Frühjahr. Vermutlich werden die Amseln in diesem Jahr noch zwei- oder sogar dreimal brüten.

Naoned!

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