Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 23

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Fällt Ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf? Mir bisher noch nicht, aber ich darf nicht daran denken, dass wir eigentlich heute Abend mit dem Wohnmobil in den Osterurlaub aufbrechen wollten. Nach Riquewihr im Elsass. Das ist natürlich gestrichen, die Reservierung des Stellplatzes haben wir schon vor Wochen annulliert. Schade ist es trotzdem. Wann wird man wieder reisen können? Ab Mitte Mai hatte ich einen Monat Urlaub eingeplant. Alles war bereits organisiert inklusive meiner Vertretung für das Leserforum. Kollege Karsten Essen war im Bilde. Doch auch in dieser Hinsicht bringt Sars-CoV-2 alles durcheinander, ohne dass ich eine Exit-Strategie hätte. Wie schön wäre es, jetzt mit dem Camper unterwegs zu sein!

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 23
Mittwoch, 8. April 2020

Cover EvanEs liegt eine gewisse Ironie darin: Mehr als zwanzig Jahre habe ich zu eben diesem Thema recherchiert: Pandemie. Meine „Virenkrieg“-Romane, von denen soeben der vierte erschienen ist, handeln von diesem Thema (unter anderem, siehe rechts). Trotzdem muss ich feststellen: Ich war nicht vorbereitet. Man könnte nun natürlich sagen: Auf eine Naturkatastrophe kann man sich nicht vorbereiten. Doch das stimmt nur bedingt. Man kann durchaus Vorkehrungen treffen. Wichtig ist zum Beispiel, dass man sich informiert, aus möglichst unabhängiger Quelle. Unsere Regierung war darüber informiert, was passieren kann, wenn wir von einer Pandemie getroffen werden. Sie war nicht vorbereitet. Es mangelt überall an Grundausstattung wie Atemschutzmasken. Wie kann das sein?

Das darf nicht sein. Doch es ist so. Ich habe in diesem Blog oft sehr kritisch über Angela Merkel geschrieben. Ich fasse zusammen: Diese Art von „Politik auf Sicht“ hat uns viele Probleme eingebrockt. Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, soll Helmut Schmidt einst geknurrt haben. Angela Merkel möchte ich Visionen wünschen. Sie ist keine gute Krisenmanagerin. Europa könnte längst viel weiter sein, wenn Merkel nicht immer auf der Bremse stehen würde. Stichwort Corona-Bonds. Ich kann nachvollziehen, was die Kanzlerin gegen die Vergemeinschaftung von Schulden hat, aber sollte nicht gerade Deutschland, das 2015/16 im Zusammenhang mit den Geflüchteten Nicht-Solidarität der EU-Partner erlebt hat, ein starkes Signal der Solidarität aussenden? Um den anderen, die das nicht kennen oder wollen, zu zeigen, wie das geht? Meine Güte, natürlich wollen wir Italien und Spanien helfen! Warum gibt es jetzt solche Probleme mit Corona-Bonds? Aus Prinzip? Um welche Summen geht’s denn da vergleichsweise, und wie viele Milliarden schmeißt unsere Regierung derzeit der Wirtschaft in den Rachen?

Vielleicht merken Sie: Ich bin heute ein bisschen mürrisch. War kein leichter Tag. Viel Arbeit, viele Zuschriften, die Blattplanung wurde mal wieder umgeschmissen. Letzteres ist nicht ungewöhnlich, aber in der gegenwärtigen Situation bringt so was dann doch einiges ins Wanken. Deswegen erscheint dieser Tagebucheintrag auch so spät. Trotzdem behaupte ich weiterhin, dass ich mit dem Homeoffice gut klarkomme.

Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Hier rechts sehen Sie den Inhalt eines Päckchens, das meinen Mann und mich heute überraschend erreichte. Die Botschaft ist überdeutlich und freut uns sehr. Danke, Albert! Dieses „Care-Paket“ wird uns sicher über die Ostertage helfen.

Es sind diese Zeichen von Solidarität, die mich daran glauben lassen, dass es möglich ist, aus der gegenwärtigen Situation zu lernen. Diese Situation ist alles andere als einfach. Wir sind Vereinzelte, die aber alle deutlich spüren, dass sie Teil von etwas Größerem sind. Nennen wir es „Bevölkerung“. Wir schränken uns ein und handeln in Verantwortung für andere. Ich finde es großartig, dass wir dazu fähig sind, obwohl die Umstände unseres Wirtschaftens uns eher eine Ellenbogenmentalität anerziehen wollten. Darüber müssen wir dann auch mal nachdenken. Es stimmt wohl: Jeder ist sich selbst der Nächste. Aber wenn eine (möglicherweise) tödliche Krankheit umgeht, begreifen hoffentlich auch die Marktradikalen, dass Ellenbogen gegen ein Virus nicht helfen.

Um zum Schluss zu kommen: Es war im Jahr 2004, dass mir verboten wurde, die Detektivin Gisèle Cochevelou sterben zu lassen. Die Freunde Marc und Steffen drohten mir mit der Todesstrafe, falls ich sie umbrächte (ich dramatisiere ein bisschen.) Die Bretonin, die in meinem Roman „Der hölzerne Pharao“ (E-Book, erschienen 2015) ihren ersten Auftritt hatte, lebt also noch. Über Ostern werde ich wieder mit ihr arbeiten. Herrliche Aussichten! Gisèle stammt aus Nantes. Der bretonische Name von Nantes ist Naoned. Das ist zugleich Gisèles obligatorischer Gruß, den ich hier aufnehme und Ihnen allen zurufe:

Naoned!

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