Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 229: Strategie 2.0

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Ich merke zunehmend, dass man fürs Leben im Homeoffice besondere Strategien braucht. Einmal weil es immer schwerer wird, Job und Privates zu trennen, wenn beides am gleichen Schreibtisch zusammenfließt. Zweitens weil der PC zu einer Art Black Box wird: Statt einfach zu einer Kollegin oder einem Kollegen zu gehen, wenn du was abklären willst, mailst oder chattest du ihn an. Und dann wartest du. Da kommt viel vertane Zeit zusammen, in der du nebenher kaum etwas zustande bringst, denn du wartest ja und bist mit den Gedanken bei deiner Anfrage. Vor allem wenn es wichtig ist. Homeoffice ist ein Zeitfresser. Der dritte Punkt ist aber der wichtigste: Während du wartest, bewegst du dich nicht. Du wirst lahm und schleichend schwerfällig. Dagegen helfen Pausen, Spaziergänge, Hantelübungen, Sit-Ups, Yoga (was meins nicht ist) oder andere Aktivitäten wie zum Beispiel endlich mal den Keller aufzuräumen.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 229
Sonntag, 25. Oktober 2020

Das hab ich heute gemacht. Eigentlich wollte ich vor allem unseren Notvorrat sichten, aber dann ging es mit mir durch, und ich habe ausgemistet. Gut zehn Jahre leben mein Mann und ich jetzt in diesem Haus. Eine vergleichsweise kurze Zeit, sollte man meinen. Aber was sich da alles angehäuft hat …

Mein Mann und ich, wir zoffen uns ja regelmäßig, weil er an seinem alten Citroën Berlingo hängt und weil ich dafür werbe, auf was Elektrisches umzusteigen. Der Wagen hat Diesel-Norm 4. Sollte es mal Fahrverbote geben, sieht es düster aus für das Gefährt. Aber praktisch ist es schon mit seinem großen Laderaum, und selbstredend werden wir es nutzen, um das ganze alte Zeug aus dem Keller, all die Kartons, die blöden Plastikfolien, die alten Schuhe und den Elektroschrott in diesen Laderaum zu wuchten. Gleich nach dem Wertstoffhof werden wir dann zum Supermarkt fahren, und auch da wird Gaston (bei uns haben die Autos Namen) wieder gute Dienste leisten, denn ich habe eine lange Liste zur Auffüllung unseres Notvorrats gemacht. Und mehr. Angesichts der steigenden Infektionszahlen jetzt am Beginn der zweiten Corona-Welle werden wir unsere Strategie ändern.

Der Notvorrat

Bisher dachten wir uns, dass wir auf den Quarantäne-Fall vorbereitet sein wollen – also auf den Fall, dass wir zwei Wochen nicht raus dürfen. Dafür war der Notvorrat konzipiert. Wir haben uns in der Zwischenzeit, in der das Leben noch halbwegs lässig war, immer wieder daraus bedient und die Lücken gleich wieder mit Einkäufen aufgefüllt. In den kommenden Wochen wird das Leben aber voraussichtlich immer weniger lässig werden. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) rechnet damit, dass die Infektionszahlen so stark steigen werden, dass die Intensivstationen Deutschlands im Dezember an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen: „Wenn es uns in den kommenden zwei bis drei Wochen nicht gelingt, die persönlichen Kontakte zu beschränken, werden die Zahlen in wenigen Wochen so stark gestiegen sein, dass uns nur noch ein erneuter Lockdown bleibt“, sagt er. Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie der Universität des Saarlandes, hat einen Simulator entwickelt, der Voraussagen über den Fortgang der Epidemie in Deutschland ermöglichen soll (hier zu einem Interview mit ihm bei t-online.de). Er kommt zu ähnlichen Vorhersagen.

Solche Prognosen können danebenliegen. Schön wär’s, wenn sie es täten. Für den Fall, dass sie sich mit der wirklichen Entwicklung decken, stellen mein Mann und ich uns vorsorglich um. Unser Ziel ist, nicht mehr täglich einkaufen gehen zu müssen. Wir wollen unsere Gänge zum Supermarkt auf zwei bis drei pro Woche reduzieren – und damit die Zahl der Kontakte zu Menschen, die sich unserer Meinung nach unvorsichtig verhalten. Also werden wir morgen beim Frühstück einen Plan machen, was es an den folgenden Tagen bei uns abends zu essen geben soll (bei uns wird abends warm gegessen), und danach wird vorausschauend eingekauft. Auch frische Sachen. Dabei wird der Offenbacher Wochenmarkt am Dienstag einkalkuliert. Auf dem Wochenmarkt halten viele Menschen zwar ebenfalls nicht genügend Abstand, aber das Risiko, sich was zu fangen, ist an der frischen Luft geringer (wenn auch nicht gleich Null).

Das ist keine Maßnahme aus Panik oder Hysterie heraus, sondern eine kühle Abwägung. Nach allem, was bisher über Sars-CoV-2 bekannt ist, kommt es vor allem darauf an, Kontakte zu reduzieren, wenn man eine Infektion vermeiden will. Die Kanzlerin hat es gerade in ihrer Videobotschaft noch einmal eindringlich gesagt. Mich überzeugt diese Botschaft. Also frage ich mich: Was kann ich tun, um mich und andere zu schützen? Die Idee, vorausschauend einzukaufen, liegt dann irgendwie nahe. Sie ist mir übrigens alles andere als fremd, denn obwohl ich mich an das Großstadtleben gewöhnt habe, kenne ich auch die andere Seite: Auf dem ostholsteinischen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gibt es bis heute keinen Supermarkt. Meine Mutter plante ihre Einkaufsfahrten nach Eutin daher sehr genau. An diese hilfreichen Erfahrungen kann ich heute mühelos anknüpfen.

Naoned!

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Worldometer  +++ SafetyDetectives

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Ein Kommentar

  1. hans sagt:

    Die Sendung von Anne Will heute war nach meiner Meinung sehr gut. Ob es gelingt das Virus einzudämmen wird sich in der Hauptsache daran entscheiden ob die AHA Regeln von allen eingehalten werden. Maske tragen immer wenn viele Menschen sich treffen oder begegnen auch im Freien. Die Menschen überzeugen die App zu nutzen und die App weiter entwickeln wohl auch ein Stück zu Lasten des Datenschutzes. Das ist nötig damit die App die Gesundheitsämter unterstützen kann. Wenn man das macht gehen die Infektionszahlen runter und dann kann man viele Einschränkungen aufheben. Das mit den AHA Regeln habe ich im Urlaub an der Algave selbst erlebt. Diese Region ist immer noch kein Risikogebiet und wenn man dort war weiß man auch warum.