Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 216: Wenn einer eine Maske trägt

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Es ist nicht besonders schön, gleich nach dem Urlaub als erstes krank zu werden. So ist es mir aber leider passiert. Daher gab es hier im FR-Blog ein paar Verzögerungen. Nein, kein Covid-19, kein Sars-CoV-2, obwohl ich zugegebenermaßen manchmal denke: Hätte ich es nur schon gehabt! Vielleicht geht es Ihnen ebenso? So ähnlich, wie man auch denkt: Hätte ich nur diesen oder jenen unangenehmen Termin bereits überstanden! Aber so ist es ja nicht. Ihnen brauche ich das nicht zu erzählen; Sie sind als FR-Leserinnen und -Leser auf dem Laufenden. Für alle anderen: Kein Mensch auf dieser Welt ist ausschließlich für sich allein verantwortlich. Wir alle sind aufeinander angewiesen und voneinander abhängig, auf verschiedene Weisen. Bezogen auf Sars-CoV-2 bedeutet das: Kriege ich das Virus, habe ich mutmaßlich ruckzuck auch gleich andere Menschen angesteckt. Dieses Miststück ist wirklich hochansteckend!

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 216
Montag, 12. Oktober 2020

Erst kürzlich war ich noch in Frankreich. Dorthin kann man derzeit nicht mehr guten Gewissens reisen, aber das ist jetzt nicht das Thema. Von dort folgende aktuelle Geschichte aus meinem Bekanntenkreis, die der Realität entspricht, ohne zu dramatisieren. Zwei Freunde fuhren mit einer Nachbarin im Auto. Alle drei mit Mundschutz. Kurz darauf stellt sich heraus: Die Nachbarin ist positiv. Sie wurde getestet und hat das Virus. Zwei Tage später haben auch meine Freunde ihr Testergebnis: Ebenfalls positiv. Das ist keine Kleinigkeit, denn sie sind beide jenseits der 60 Jahre. Sie saßen lediglich zehn Minuten zusammen mit der Nachbarin im Auto. Super, oder? (Zumindest ist dies der plausibelste Infektionsweg; es ist aber natürlich nicht völlig ausgeschlossen, dass die Infektion anders zustande gekommen sein könnte.)

Eine zweite Geschichte, die ich bezeuge und die sich an einer Offenbacher Supermarktkasse abspielte. Ich habe alles aufs Laufband geladen und mache mich bereit, einzupacken und zu bezahlen. Ein junger Vater, vielleicht Mitte 30, mit zwei Töchtern, rückt mir zu nahe, deulich unter die 1,5-Meter-Schwelle, um deren Beachtung der Markt bittet. Der Mann trägt Mundschutz, seine Töchter nicht. Ich sage zu ihm: „Bitte halten Sie Abstand.“ Er guckt mich groß an über den Rand seiner Maske hinweg und gibt zurück: „Ich trage Maske, informieren Sie sich mal richtig.“ Ich bin erstmal perplex, denn eigentlich halte ich mich für recht gut informiert, während der junge Mann in dieser Hinsicht offensichtlich einige Defizite aufzuweisen hat. Normalerweise bin ich nicht auf den Mund gefallen. Trotzdem dauert es ein bisschen, bis ich den richtigen Konter (meine ich jedenfalls) parat habe. Inzwischen habe ich an der Kasse gezahlt, und ich sehe den Mann an, der noch immer nicht den Abstand einhält (ohne dass die Kassenkraft was gesagt hätte), und sage zu ihm: „Was ist so schwer daran zu verstehen, wenn Sie gebeten werden, den Abstand einzuhalten?“ Das hätte ich sicher freundlicher formulieren können, aber ehrlich gesagt: Meine erste Bitte war weder unfreundlich formuliert noch aggressiv vorgetragen, hatte aber trotzdem keinen Erfolg. Wie hätte ich davon ausgehen können, mit einer zweiten Bitte im selben Ton mehr Erfolg zu haben? Der junge Vater geriet dann unter Druck – aber nicht wegen mir, sondern weil seine zwei Töchter ihn fragend ansahen. Und weil eine Kundin in der Reihe dahinter sich einschaltete und fragte: „Können Sie dem Herrn“ – gemeint war ich – „nicht einfach die Bitte erfüllen?“

Sonderbar, nicht wahr? Wer wird sich über eine zweite Welle wundern?

Naoned!

***

Worldometer  +++ SafetyDetectives

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11 Kommentare

  1. hans sagt:

    zu @ Bronski
    Zuerst einmal wünsche ich ihnen gute Besserung.
    Das was sie über Corona und dem Verhalten in einem Teil der Bevölkerung geschrieben haben ist genau das Problem. Ich denke das es gar nicht eine Verschärfung der Regeln brauchen würde wenn die Menschen sich an die derzeitigen Regel mehr halten würden. An anderer Stelle habe ich von meinem Urlaub an der Algave geschrieben. Die Regel sind da gar nicht viel anders sie werden nur eingehalten und durchgesetzt. Die letzten Tage gehen dort auch die Zahlen hoch. Es ist aber relativ klar warum. Als ich dort war wurde Lissabon zum Risikogebiet. In den folgenden Tagen sind die Menschen die das können zu tausenden in die Algave gekommen. Der derzeitige Anstieg ist dann wohl unvermeidlich. Außerdem kann man gerade an den Ländern in Asien sehen welche wirtschaftlichen Vorteile es hat das Virus einzudämmen auch zum Teil mit der dortigen App. Das Verhalten einiger oder sogar von vielen in D. ist wirklich nicht zu verstehen.

  2. Jürgen Malyssek sagt:

    Habe mir in den letzten Wochen zwei Fragen gestellt: Bin ich ein Menschenfreund? Und: Was wird Corona verändern?

    -Meine Menschenfreundlichkeit hat Risse bekommen. Bin wählerischer geworden und auf der bisherigen Strecke der Pandemiezeit, durch die Alltagserlebnisse, ist mein Verständnis für das Verhalten von Ignoranten und Gleichgültigen arg verloren gegangen.

    -Es wird sich nichts ändern. Diese Konsumenten- und Spaßgesellschaft besitzt nicht mehr die Fähigkeiten, das Leben mit Verlusten, Entbehrungen und Krisen als Herausforderung anzunehmen. Das System ist krank.

    Dass ich die Politik als Ganzes hier in Deutschland noch für die Vernünftigste (trotz aller Schwierigkeiten und Kontroversen) halte, hätte ich vor Monaten nicht gedacht. Aber so ist es geworden.

    Weiteres Glück: Die vielen klugen Wissenschaftler und große Teile der Presse.
    Und natürlich: der Teil der aufbegehrenden jungen Menschen (Klimawandel, Naturzerstörung,
    Ausbeutung, Armut usw.)

    Aber die Menschen in der Masse und im Alltagsverhalten heute? Wo bleibt der Blick auf die wirklich verheerenden Krisenplätze der Welt? Dieser Wahnsinn in den USA, in England, in Brasilien, in Armenien, in Jemen, im Amazonas, in den Flüchtlingslagern, in …?

    Wo bitte sind wir hier in Deutschland in unseren Freiheitsrechten wirklich eingeschränkt? Was soll das Gejammer, der Anti-Corona-Protest?
    Ich kann eine gewisse depressive Stimmung bei mir nicht mehr leugnen.

    Trotzdem …

  3. Anna Hartl sagt:

    Ich bin zur Pragmatikerin geworden. Meine Lieben, mich selbst und wenn ich draußen unterwegs bin den Rest der Welt, schütze ich so gut ich kann.
    Das, was uns dafür an die Hand gegeben wurde halte ich für ausreichend und ich setze es um.
    Für Ignoranten und Idioten bin ich nicht verantwortlich und habe auch keinen Einfluss darauf.
    Die Menschen sind weder besser noch schlechter als vor der Krise. Es fällt nur mehr auf, dass die „Spaßgesellschaft“ aus dem Ruder läuft.

  4. hans sagt:

    Ich denke inzwischen das es nichts mit Glück oder Zufall zu tun hat wenn es Regionen gibt in denen die Coronazahlen besser sind. Natürlich ist auch die Bevölkerungsdichte ein Punkt aber die Tage habe ich mich mit Bekannten unterhalten die in Griechenland Urlaub gemacht haben. Sie haben die gleichen Erfahrungen gemacht wie ich an der Algave. Dort werden die AHA Regel deutlich besser eingehalten als hier im Rhein-Main Gebiet. Es wäre vielleicht auch in der FR mal eine Reportage wert in der es darum geht warum es Regionen gibt die relativ gute Coronazahlen haben und was man daraus lernen könnte. Wobei mein Optimismus ob Menschen wohl ab einem bestimmten Alter noch lernen können inzwischen begrenzt ist.

  5. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Anna Hartl

    Pragmatismus ist gut. Aber es gibt Momente, da haut es nicht so hin. Ignoranten und Idioten lassen mich nicht kalt. Sicher auch eine Mentalitätsfrage.

  6. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Der Staat ist gefordert seine Verordnungen durchzusetzen. Nicht sie und nicht ich oder jemand anders. Ich habe hier die Menschen an der Algave gelobt weil dort die AHA Regeln so gut eingehalten werden. Zu dieser Wahrheit gehört aber auch das eine Frau hinter dem Tresen zu mir gesagt hat das sie davon ausgeht das sie in 10 Minuten 100 Euro los wäre wenn sie die Maske nicht tragen würde. Ich habe zwar eigentlich nicht so viel Polizei gesehen aber kann das letztlich nicht beurteilen. Aber der Fall ist eigentlich klar der Staat ist gefordert seinen Job zu machen in D..

  7. Jürgen H.Winter sagt:

    Es gibt ein grundsätzliches Problem mit Covid 19. Es ist für breite Teile der Bevölkerung einfach nicht gefährlich genug. Wenn alle so betroffen wären, wie die über 70 jährigen, hätten wir ein anderes Verhalten, die Menschen hätten Angst. Inzwischen gibt es genügend jüngere Leute, die Corona schon hatten und anscheinend nicht viel passiert ist. Also nehmen die Leute das Risiko in Kauf. Es bleibt uns Alten nur, auf uns selbst aufzupassen. Ein anderer Aspekt ist ja auch, wie sieht die Zukunft aus ? Für Schnupfen gibt es auch keine Impfung, noch nicht einmal eine Therapie. Was ist, wenn Covid 19 genauso verläuft ? Dann müssen wir als Volk alle da durch, bis wir uns gewöhnt haben, und wir Alten werden dann wohl früher oder später dran glauben müssen, aber das tritt ja sowieso ein, also was solls. Jedenfalls, wenn das ganze so laufen soll, dass die Krankenhäuser nicht überlastet werden sollen, wird es einige Jahre dauern, bis wir damit durch sind. Vielleicht gibt es aber dann irgendwann eine brauchbare Therapie. Ob es eine Impfung geben wird ist ja auch fraglich, denn es gibt ja anscheinend genug Leute, die Covid 19 bereits zum zweiten mal bekommen haben.

  8. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Klar. Der Staat muss handeln. Kein Widerspruch.
    Die Entscheidungen, den Bürgern zu überlassen, würde im Krisenfall ins Chaos führen.

  9. Anna Hartl sagt:

    @Juergen Malyssek
    Hallo Herr Malyssek,
    kurz vor Ferienbeginn hatte ich eine heftige Diskussion mit einem 13/14 jährigen Schüler in der U-Bahn. Sein Kumpel trug Maske und er saß mir schräg gegenüber und schrie rum. Normale Lautstärke geht in diesem Alter wohl nicht. Ich sprach ihn auf die fehlende Maske an und er wurde frech. Als ihm die Argumente ausgingen, stieg er aus. Eine ältere Frau sprach mich daraufhin an, ich könnte ein paar Sitze weiter gleich die nächste „rund“ machen. Nun, diese Rolle wollte ich nicht übernehmen.
    Die Zahlen werden weiter steigen, aber es gibt ein Leben neben dieser Pandemie und das lebe ich einfach. Bin ich konfrontiert reagiere ich in den meisten Fällen, manchmal entferne ich mich wenn es möglich ist.

  10. Rolf W. sagt:

    @Bronski

    Das Schöne an Anekdoten ist, dass man unbelastet losplaudern kann und mitten in eine Geschichte einsteigen kann, ohne die ganze Vorgeschichte erzählen zu müssen. Der Unterschied zwischen Koinzidenz, Korrelation und Kausalität braucht da keine Rolle zu spielen, Aspekte der Wissenschaft oder journalistische Sorgfalt sind nicht gefordert.

    Und trotzdem scheint dann irgendwann, fast wieder Willen, eine verräterische Erkenntnis auf: „Zwei Tage später haben auch meine Freunde ihr Testergebnis: Ebenfalls positiv. Das ist keine Kleinigkeit, denn sie sind beide jenseits der 60 Jahre. Sie saßen lediglich zehn Minuten zusammen mit der Nachbarin im Auto.“

    Soviel zur „Schutz“wirkung es von Ihren Freunden getragenen „Mundschutzes“. Der von Ihnen hier ins Blog eingebrachte Dunning-Kruger-Effekt fällt Ihnen da spontan nicht ein? Mir allerdings sofort!

    (Auf den Unsinn, einen positiven Test gleichzusetzen mit „sie hat das Virus“, mag ich wg. des anekdotischen Charakters hier nicht eingehen.)

  11. Jürgen Malyssek sagt:

    Hallo Frau Hartl

    Auch ich halte mich mit möglichen Korrekturen gegenüber Maskenlosen zurück. Den Kontrolletti möchte ich nicht spielen. Erstens wird’s anstrengend und zweitens fühle ich mich in so einer Rolle nicht wohl. Aber es kommt schon vor.
    Die Resonanzen sind wenig freundlich.

    In Ihrem beschriebenen Fall hat die ältere Dame sich für die Delegation ihrer Beschwerde an Sie entschieden, was Sie dann richtigerweise nicht übernommen haben. Das nennt man – von seiten der Dame aus – klassische Aufgabenverteilung!

    Auch ich führe noch ein Leben neben der Pandemie und registriere sehr wohl, dass die Lage weiter kritisch ist. Ich lebe auch nicht in Angst, aber die Pandemie lehrt einen aufmerksam und rücksichtsvoll zu sein. Das Wichtigste ist es, sich an die Spielregeln zu halten, nicht rum zu lamentieren und zu akzeptieren, dass es so ist, wie es ist.
    Sie können mir glauben, dass ich von meiner Umwelt viel mitkriege und es mir manchmal schwer fällt nachvollziehen, was in manchen Köpfen so vor sich geht, hinsichtlich Ignoranz und Gleichgültigkeit. Siehe oben.

    Zur Zeit bin ich kontinuierlich in unserem Fußballverein mit dem Thema, den Hygienekonzepten und den ständigen (notwendigen) Veränderungen der Einschränkungen beschäftigt. Das ist auch nicht einfach. Aber ich sage es mal so: Die Jungs sind größtenteils sehr vernünftig. Sie sind an Spielregeln gewöhnt und lamentieren nicht rum. Der Sport bringt diesbezüglich viele Vorteile mit sich, da Entscheidungen getroffen werden, die nicht durch alle demokratischen Instanzen laufen (können) müssen.
    Es ist eine durchaus angenehme Form der Disziplin, Selbstdiziplin, auch solidarischen Verhaltens. Und niemand wird dadurch verbogen oder muss sich in einer unangenehmen Weise unterordnen.
    Ohne das gemeinschaftliche Gefühl von Verantwortung geht es eben nicht.

    Bei den Zuschauern ist das Verhalten in der Pandemie allerdings oft sehr nachlässig. Die Macht des sich Zusammenrottens ist stark ausgeprägt. Man kann viel Unvorsicht und Mißachtung der AHA-Regeln sehen.

    Jetzt habe ich bisschen geplaudert, aber so Einblicke in die gegenseitigen Alltagserfahrungen in einer Zeit der vielen Ausnahmen, macht Sinn.

    Salut!

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