Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 20

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Bevor ich begonnen habe, meinen heutigen Tagebucheintrag zu schreiben, habe ich gezögert, einen kurzen Blick in meine Mailaccounts zu werfen. Für die Arbeit habe ich drei davon: einen auf meinen Passnamen, einen auf meinen Spitznamen Bronski, unter dem ich als Ombudsmann für die FR-Leserinnen und -Leser arbeite – und dann natürlich noch den für die Leserbriefe. Eigentlich ist heute Sonntag. Das heißt: arbeitsfrei. Eigentlich. Das gilt für mich aber schon lange nicht mehr, weil ich aus Erfahrung klug geworden bin: In diesem Job sollte man mit dem Sichten und Sortieren all der Leserbriefe, die übers Wochenende hereinkommen, nicht am Montagmorgen beginnen. Das führt nur zu Stress bei der Produktion der Dienstagsausgabe.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 20
Sonntag, 5. April 2020

Nun, letztlich siegte die Neugier und der Wunsch, mich rechtzeitig darauf einzustellen, was mir der Start in die neue Woche – die vierte im Homeoffice – bescheren wird. Stand jetzt (17:30 Uhr) werden knapp 200 ungelesene Mails angezeigt. Das ist also die Post, die seit Freitagabend, als ich die Accounts geschlossen habe, aufgelaufen ist. Geht ja noch! Ein Teil davon ist Spam, dann sind sicher auch wieder viele Pressemitteilungen dabei, viele Fragen an die Redaktion – und etwa ein Viertel der Maileingänge werden Leserbriefe sein. Das muss alles angeschaut und vieles auch beantwortet werden. Ich fange also besser schon heute Abend mit der Arbeit an. Nach den Tagesthemen. Das ist nicht ungewöhnlich, das mache ich oft so, um den Produktionstag Montag im Griff zu behalten.

Obwohl ich an diesem Wochenende gearbeitet habe, komme ich mir jetzt gerade recht entspannt vor. Lange geschlafen, dann ein wenig an meinem Roman „Drovettis Tagebuch“ gearbeitet, gegen 13 Uhr zu einer Radtour nach Seligenstadt aufgebrochen. Wir wollten mal nachschauen, wie sich die Coronakrise in dieser Stadt am Main auswirkt, wo sonntags, vor allem bei Bilderbuchwetter wie heute, normalerweise die Hölle los ist. Das malerische Seligenstadt ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Der Platz vor der „Einhards-Basilika“ in Seligenstadt
an einem Sonntag in Corona-Zeiten.

Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Nun, es waren durchaus Schaulustige unterwegs; wir waren nicht die Einzigen. Radler, ein paar Motorräder, kaum Autos. Kein Wunder: Die Mainfähre hinüber nach Kahl am Main ist „bis auf Weiteres“, wie es auf der Webseite der Stadt Seligenstadt heißt, außer Betrieb. Überhaupt Autos: Der Verkehr auf der Autobahn A3, die wir im Zuge der Radtour mehrmals überquerten, kann nur als marginal bezeichnet werden im Vergleich zu normalen Zeiten. Immerhin haben wir ein Wohnmobil gesichtet! Und die Spritpreise an den Tankstellen sind im Keller. Kürzlich sah ich den unfassbaren Preis von 1,039 Euro für den Liter Diesel. Wie lange ist es her, dass wir zuletzt solche Kraftstoffpreise hatten? Aber klar, wenn niemand fährt …

An der Mainfähre in Seligenstadt passte die Polizei auf – auch um das Kontaktverbot durchzusetzen, nehme ich an. Aber wie es scheint, haben die Beamten nicht viel zu tun.

Mainfähre Seligenstadt, außer Betrieb.
Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Die meisten Menschen dürften inzwischen begriffen haben, worauf es in diesen Zeiten ankommt. Das ist (bis auf wenige Ausnahmen) auch auf den Rad- und Waldwegen zu spüren, auf denen wir unterwegs waren.

Fußgänger verhalten sich zuweilen etwas merkwürdig. Zum Beispiel gehen sie gern nebeneinander. Klar, so kann man sich am besten unterhalten. Wenn man aber als Radler klingelt, damit man durchgelassen wird, drehen sich normalerweise viele erst einmal um, um sich mit Blicken zu überzeugen, dass da wirklich ein Radler kommt. Statt einfach auf die Seite zu gehen. Heute war der Normalfall, dass die Menschen sofort die Durchfahrt freigegeben haben und sogar ganz weit auf die Seite gegangen sind. Stichwort Mindestabstand. Wie gesagt: Die meisten haben es jetzt begriffen.

Der Kilometerzähler zeigt nach der Radtour gut 50 gefahrene Kilometer. Der Schnitt war unter 20 Kilometern pro Stunde. Das lag einerseits am scharfen Gegenwind insbesondere in Richtung Seligenstadt. Aber auch daran, dass wir eine Spazierfahrt gemacht haben, also nicht sportiv, sondern knieschonend unterwegs waren. Trotzdem fragen wir uns nach so einer Runde immer, ob die gefahrenen Kilometer unsere gegenwärtige Leistungsgrenze darstellen oder ob mehr drin gewesen wäre? Ja, wäre es wohl. Aber die Lust hielt sich in Grenzen. Wegen des Windes. Ansonsten war es ein schöner Tag, ich bin entspannt, sehe weiterem Homeoffice gelassen entgegen und werde jetzt das Abendessen vorbereiten. Der Kartoffelsalat ist schon fertig; dazu gibt es Hähnchenkeulen vom „Gockel Constantin“ vom Offenbacher Markt.

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