Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 9

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Der siebte Arbeitstag im Homeoffice und der neunte in halbwegs selbstgewählter Isolation zu Hause. Ich gehe nur zum Einkaufen und Spazierengehen aus dem Haus. Wir haben es noch lange nicht hinter uns. 20.000 Tote weltweit gehen inzwischen auf das Konto dieses winzigen Virus, das wird heute gemeldet. Die Zahl der Infizierten ist längst sechsstellig, das Virus ist außer Kontrolle.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 9
Mittwoch, 25. März 2020

Das klingt dramatisch, aber letztlich ist das der Verlauf einer Pandemie aus dem Bilderbuch. Darauf hätten wir vorbereitet sein können. Erst verläuft der Anstieg der Infektionen exponentiell. Ich habe je gestern vorzurechnen versucht, wie man sich das vorzustellen hat. Zurzeit verdoppelt sich die Zahl etwa alle vier Tage. Das bedeutet, dass wir Mitte kommender Woche vermutlich erstmals mehr als eine Million Infizierte weltweit haben könnten. Inzwischen gibt es aber Reaktionen. Insbesondere das „social distancing“ – zu Deutsch: Abstand wahren – wird sich als Maßnahme bewähren. Es wird dazu führen, dass sich die Kurve des Anstiegs abflacht. Dann besteht eine Chance für uns, den weiteren Verlauf in den Griff zu bekommen.

Anfänglich hatte ich Zweifel, ob das gelingen kann, aber mittlerweile glaube ich daran. Ein Blick auf die Straße zeigt: Die Menschen haben sich besonnen. Sie halten Abstand voneinander und scheinen eher zu Hause zu bleiben. Die Senefelderstraße in Offenbach, an der ich wohne, war heute sehr ruhig. Verkehr wie an einem Sonntag, allerhöchstens, nur wenige Fußgänger. Der „Asiapalast“ ein paar Schritte die Straße hoch hat geschlossen. Dieses Restaurant bietet normalerweise ein vielfältiges Büffet mit Standard-Asia-Essen – nichts Besonderes, aber auch nicht schlecht. Im Supermarkt hundert Meter weiter wird jetzt die Zwei-Meter-Abstand-Regel mit Klebestreifen am Boden durchgesetzt, und die Leute halten sich dran. Schutzscheiben für die KassiererInnen wie in der Löwen-Apotheke oder im Tegut hat der Rewe aber immer noch nicht.

Das Einkaufszentrum „Komm“ in Offenbach
ist so gut wie leer.
Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Ich bin guter Dinge. Die Arbeit ging mir heute flüssig von der Hand, ich konnte viele Mails beantworten. Bisher gelingt es meinen Mann und mir, uns abends angenehm zu zerstreuen. Wir verfolgen die Tagesschau und die folgende Sondersendung, aber dann gibt es Kino statt weiterer News. Allerdings nicht „Titanic“. Das wäre vielleicht doch ein bisschen zu abgeschmackt. Obwohl dieser Film, wie ich zugeben muss, lange zu meinen Lieblingsfilmen gehört hat. Warum tut man sich so was an? Tja, gut Frage. Vielleicht ist es ähnlich wie mit den Filmen von Roland Emmerich: Die schaut man sich an, nicht obwohl sie Katastrophales erzählen, sondern weil man sich drauf verlassen kann, dass sie das tun. Es ist praktisch eine kontrollierte Überwältigung.

Aber wie gesagt: keine „Titanic“. Stattdessen ein Klassiker: „Raumpatrouille“. Kennen Sie, oder? Commander McLane  alias Dietmar Schönherr und seine Mannschaft, darunter Eva Pflug, die sich nie von ihrer ikonischen Rolle  als Tamara Jagelovsk erholt hat, patrouillieren mit der „Orion VII“ bzw. VIII am Rande der Unendichkeit und kommen dabei den Frogs in die Quere. Die Fernsehserie hat Mitte der 1960er Jahre Maßstäbe gesetzt. Natürlich sieht man so was heute mit anderen Augen, aber genau dafür haben wir in Zeiten der Pandemie, die alles durcheinander bringt, vielleicht die Zeit und die Muße.

Naoned!

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3 Kommentare

  1. Anna Hartl sagt:

    Die neuesten Regelungen bei dm und Rewe sind absolut schwachsinnig. Jeder wird gezwungen einen Einkaufswagen zu benutzen, damit anhand der Wägen die Anzahl der augenblicklich im Laden befindlichen Kunden gezählt werden können. Ich halte1 1/2 Meter Abstand von jedem, fasse aber den Einkaufswagen, den schon hunderte vor mir benutzt haben an?
    Wo gibt es Einmalhandschuhe und wenn ich die nach jedem Einkauf wegwerfe, wie viele benötige ich dann die nächsten Wochen?
    Mein Adrenalinpegel steigt!

  2. Jürgen Malyssek sagt:

    Bei meinen sporadischen Ausgängen erlebe ich auch weitestgehend das Einhalten der Regeln. Eine gewisse Routine hat sich entwickelt.

    Inzwischen weiß ich etwa aus der Wohnungslosenhilfe, dass auch in diesem schweren Arbeitsfeld Lösungen gefunden worden sind, in puncto Kontakt halten und Abstand, Beratungsettings oder Versorgung. Die KollegInnen sind arbeitsfähig.
    Die Sozialarbeit war schon immer innovativ. Aber es ist gut, dass in den Zeitungen über diese Felder berichtet wird.

    Zum TV: Bis auf den ständig dazwischen quasselnden Markus Lanz, sind die Talkrunden ganz gut anzusehen, weil die Mischung der Gäste den üblichen Politsnakk aufweicht. Zum Mindesten um einiges mehr als in Vor-Krisen-Zeit.
    Die Besserwisserei ist zurückgegangen. Und da fällt erfrischenderweise auch mal der Satz: ‚Ich weiß es nicht‘ oder ‚Keine Ahnung!‘

    Das Klopapier bleibt schwer zu kriegen. Zu Zeiten von Plumps-Klos, war Zeitungspapier Normalität. Allerdings ist inzwischen das Papier der FR zu glatt (satiniert).
    Es gibt immer Lösungen für diesen letzten Verdaungsakt des Menschen.
    Alles Gute!

  3. Peter Boettel sagt:

    @ Anna Hartl:

    In einem Edeka-Laden gibt es bereits lange vor der Corona-Krise die Möglichkeit, die Handgriffe der Einkaufswagen zu desinfizieren. Wenn diese Möglichkeit, die eigentlich überall angeboten werden sollte, nicht besteht, benutzeich Einmalhandschuhe, die natürlich nicht immer zu erhalten sind. Im Notfall nehme ich dann Tempo oder Kleenex, um die Griffe anzufassen.

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