Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 4

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Viele, viele Zuschriften und Leserbriefe! Natürlich geht es vor allem um die Coronavirus-Pandemie. Ich komme ins Schwitzen. Leichte Kopfschmerzen. Als häufigste Ursache für Kopfschmerz gilt: Zu wenig getrunken. Also gönne ich mir in schneller Folge drei Gläser Wasser. Hilft aber nicht richtig, es ist wohl eher ein Spannungskopfschmerz. Also doch eine halbe Tablette ASS. Es ist das erste Mal, dass ich im Homeoffice Kopfschmerzen bekomme, aber so viele Gelegenheiten gab es dafür ja noch nicht. Dahingegen ist es selten, dass ich die Redaktion nach einem Arbeitstag im Großraum ohne Kopfschmerzen verlasse.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 4
Freitag, 20. März 2020

Heute werde ich erst spät mit der Arbeit an der Leserforumseite fertig – unter anderem deswegen, weil um 12:40 Uhr noch einmal die ganze Blattplanung umgeworfen wurde. Und das heißt leider wie so oft: Leserforum gibt Platz ab. Ich durfte also umdisponieren. Nun gut, das ist Tageszeitung – immer mal was Neues. Ich persönlich habe das Tabloidformat der FR immer verteidigt und sehe weiterhin überwiegend Vorteile darin. Einer davon ist, dass die Redaktion flexibel auf die Notwendigkeiten des Tages reagieren kann. Wenn vorn im Tagesthema oder in der Politik mehr Platz benötigt wird, kann man alles andere ein bisschen nach hinten schieben. In der früheren Blattstruktur mit ihren „Büchern“ ging das nicht.

Stay home-1 ElzachEine Menge Post. Nicht nur Leserbriefe, sondern auch Mails von Menschen, die sich solidarisch zeigen wollen und die versuchen, was auf die Beine zu stellen. Auch dieses Foto aus der BDH-Klinik Elzach kam herein, zusammen mit folgendem Text:

„Auch die BDH-Klinik Elzach nimmt – wie viele Krankenhäuser in Deutschland – die große Herausforderung an, vor die die Corona-Pandemie unser Gesundheitssystem stellt. In der nächsten Zeit ist entscheidend, dass die Appelle der Politik an die Menschen, zu Hause zu bleiben, befolgt werden. Durch solidarisches, rücksichtsvolles und überlegtes Verhalten können alle dazu beitragen, dass Deutschland diese Krise so gut wie möglich meistert!“

Foto: BDH-Klinik Elzach

Die Arbeit der Menschen in unseren Kliniken verdient unsere volle Unterstützung. Sie sind die Lebensretter! Sie stehen an der Front in dieser Pandemie! Achten wir darauf, sie nicht zu überfordern. Wer Husten und Fieber hat, soll sich zunächst in aller Ruhe an den Hausarzt wenden. Fieber ist normalerweise eine gesunde Reaktion des Körpers auf eine Infektion, denn viele Erreger vertragen keine erhöhten Temperaturen; außerdem setzt Fieber das Immunsystem unter Dampf. Erst hohes Fieber – ab 39 oder 39,5 Grad – ist wirklich alarmierend. Wie schlimm ein Fall gelagert ist, hängt immer vom einzelnen Menschen ab. Für jemanden, der durchschnittlich gesund ist, muss bei erhöhter Temperatur gepaart mit Husten kein Alarm gegeben werden. Melden Sie sich in solchen Fällen bei Ihrem Arzt. Der wird Ihnen sagen, was zu tun ist. Ältere Jahrgänge hingegen, die die genannten Symptome aufweisen, sollten den Gedanken in Erwägung ziehen, eine Klinik aufzusuchen, vor allem dann, wenn es nicht gelingt, Kontakt zum Hausarzt herzustellen. Aber auch hier gilt: Gehen Sie nicht einfach hin, sondern rufen Sie erst dort an!

Viele Menschen in Deutschland sitzen zu Hause im Homeoffice, so wie ich, und trotzdem ist dieses Land massiv in Bewegung. Das ist zumindest mein Eindruck, wenn ich mir ansehe, was da an Mails hereinkommt. Normalerweise bekomme ich bis zu hundert Mails täglich, Spam bereits aussortiert. Heute sind es mehr als doppelt so viele. Das sind keineswegs alles Leserbriefe, sondern darunter sind viele Pressemitteilungen, zum Beispiel vom DGB, der in der „Corona-Krise“ zum solidarischen Handeln gegenüber den Beschäftigten aufruft, oder vom „World University Service“ zum Weltwassertag in Corona-Zeiten. Studenten machen auf ihre finanziellen Probleme aufmerksam, weil sie nicht mehr jobben können. Ich lese auch einen Appell des Universitätspräsidenten an die Gießener Bevölkerung, vor allem an junge Menschen gerichtet. Der systemische Coach David Neumann aus Stuttgart gibt „10 Empfehlungen, wie Sie diese turbulenten Zeiten gelassener meistern können“. Der Diplom-Ökonom Thorsten Brockmann aus Bremen hat an zwanzig Bürgermeister geschrieben und warnt vor der exponentiellen Ausbreitung des Virus. Das Portal Anzeiger24.de bietet „Corona-Hilfe – Total Lokal“. Aber es gibt auch Leute, die anderes umtreibt und die zum Beispiel gegen die Absetzung der „Lindenstraße“ protestieren. Normalerweise sind mir solche Zuschriften lästig, denn sie sind keine Leserbriefe und werden ungefragt von den Betreibern einfach an die Leserbriefredaktion der FR geschickt. Mein Spam-Ordner ist immer dicke voll – und heute noch voller. Mal sehen, welche Auswüchs das noch annimmt.

Offenbacher WochenmarktAber es gibt auch gute Nachrichten. Während die Leserbriefe, die ich morgen veröffentliche, zum Teil von rüpelhaftem Verhalten der Menschen erzählen, scheint sich in Offenbach zumindest teilweise herumgesprochen zu haben, wie man sich in Zeiten der Pandemie zu verhalten hat. Während ich gearbeitet habe, ist mein Mann auf den Wochenmarkt gegangen, um einzukaufen, ausgerüstet unter anderem mit einem Fotoapparat und meinem Auftrag, mir ein Foto für dieses Tagebuch mitzubringen. Das hat er getan.

Foto: Thomas Vögele

Das Bild zeigt, wie die Menschen in der Schlange vor dem Fischstand Abstand zueinander halten. Genau so ist es richtig. Unter solchen Bedingungen kann man Wochenmärkte weiterhin zum Einkaufen aufsuchen, wenn alle ein bisschen aufpassen und Rücksicht aufeinander nehmen. Wir haben in Offenbach dreimal wöchentlich Markt auf dem Wilhelmsplatz. Da wird gute Qualität geboten. Ich hoffe, dass ich morgen zum gewohnten Samstagsgang auch wieder hingehen kann.

Und nun werde ich diesen Tagebucheintrag online stellen und mich an die nächste Arbeit machen: Morgen geht hier im FR-Blog eine Diskussion online zur Frage, ob wir eine Ausgangssperre brauchen, und die will ich wie gewohnt anmoderieren. Dazu muss ich noch ein paar Dinge nachlesen.

Wir lesen uns morgen wieder, wenn Sie wollen. Bis dahin!

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Ein Kommentar

  1. Hallo Bronski,
    ich weiß nicht , ob das hier hingehört, aber ich muss mal meine Frust über die diversen TV Gesprächsrunden loswerden. Am schlimmsten : die Moderatoren. Als nächstes : die Politiker, dann noch alle möglichen Sendungsbewussten. Die häufig auch anwesenden Fachleute, Ärzte etc. lässt man meist gar nicht ausreden. Die Moderatoren scheinen gar nicht zu bemerken, dass die Thematik eine andere ist, wo Leute wie z.B. Prof.Drosten eben schon einmal 5 Minuten am Stück reden müssen, um einen Sachverhalt für Laien begreifbar zu machen. Es ist nervtötend.
    Zu empfehlen die täglichen Berichte mit eben diesem Prof.Drosten auf NDR. Ich habe selten jemanden erlebt, der komplizierte Sachverhalte so klar und verständlich machen kann. Der auch klar macht, was alles noch nicht verstanden ist. Der auch klar macht, dass ein Spaziergang draußen besser ist als in der Wohnung zu hocken, aber eben ohne Kontakt zu anderen Menschen.
    Übrigens bekommen wir Menschen jetzt vorgeführt, wie der Unterschied zwischen direkter Katastrophe / Seuche aussieht im Gegensatz zu latenter Katastrophe. Covid 19 betrifft uns direkt, im Kopf, und erzeugt Gefühle von Angst und Schrecken. Die Klimakatastrophe wird mit Sicherheit mehr Tote und Schrecken kosten, nur wird das nicht so empfunden, das ist noch weit weg (glaubt Mensch jedenfalls), nur wenn er etwas dagegen tun will muss er es jetzt machen. So sind wir Menschen gestrickt, es hat den Anschein, wir können nicht anders. Es gibt ja selbst jetzt noch Menschen, die Convid 19 nicht als Katastrophe empfinden.

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