Ich spiele lieber Fußball als Handball, sagen viele Kinder mit Migrationshintergrund

Ein wichtiger Träger in Sachen Integration von Migranten und Flüchtlingen in die Gesellschaft ist die deutsche Vereinslandschaft, insbesondere jene Vereine mit Fußball-Abteilungen. Viele jungen Menschen spielen leidenschaftlich gern Fußball. Das hat gewiss auch damit zu tun, dass es überall öffentlichkeitswirksame Vorbilder gibt, denen insbesondere Jungen gern nacheifern. Dieses Muster ist nicht Migranten vorbehalten. Ich erinnere mich, dass auf unserem dörflichen Bolzplatz, wo ich gelegentlich im Tor stand, die Namen der „Helden“ der deutschen Nationalmannschaft, den Weltmeistern von 1974, unter den jugendlichen Spielern verteilt wurden. Handball hat nicht dieselbe mediale Verbreitung, doch ist dies der einige Grund dafür, dass die Sportart unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund deutlich unattraktiver zu sein scheint als Fußball? Oder sendet der Deutsche Handballbund die falschen Signale?

Es gibt eine Studie, die sich der Frage angenommen hat, warum der Handball in Deutschland keine ähnlich integrative Funktion erfüllt wie der Fußball. FR-Chefredakteur Thomas Kaspar zieht in seinem Artikel „Im Rückstand“ Bilanz. Es scheint auch mit den sozialen Bindungen zu tun zu haben: Menschen, junge wie alte, gehen in die Vereine, in denen auch schon andere Familienmitglieder und Freunde engagiert sind. „Die Freundeskreise der Kinder sind häufig herkunftsspezifisch getrennt, wodurch Kinder mit Migrationshintergrund nur selten über Freunde den Weg in die Handballvereine finden“, konstatiert die Studie. Und die Kinder spielten heute vor allem dann Handball, wenn in der Familie schon jemand aktiv gewesen sei.

„Der DHB hat auf die Misere aber genau falsch reagiert“, schreibt Thomas Kaspar. „Die Imagekampagne ‚Es lebe der Sport‘ zielt darauf ab, ein Gefühl zu erzeugen, dass Handball besser als Fußball sei. ‚Bodychecks statt Millionenschecks‘ oder ‚Wenn Fußball König ist, sind wir Demokratie‘ lauten einige der Slogans der Kampagne. Damit werde die symbolische Grenzziehung vertieft. Wer Fußball liebe – und das ist der Ausgangspunkt nahezu aller Jugendlichen – nicht nur jener mit Migrationshintergrund –, sei beim Handball nicht willkommen, so die unterschwellige Botschaft. Und: Es wird ein Wir-Gefühl vertieft, das ausschließend wirke, rütteln die Wissenschaftler am Marketing.“

Können wir das nicht besser?

Balken 4Was soll an diesem Anteil alarmierend sein?

Titelseite 20190802Was will uns diese Studie eigentlich sagen? 2000 Jugendliche haben einen Fragebogen ausgefüllt, dazu gab es 111 Interviews. Es fehlen Angaben zum Alter der Jugendlichen, zur Region, in der die Befragung stattfand, sowie zum Inhalt der Interviews. Es ist bekannt, dass Handball kein Sport der großen Städte ist (Ausnahme: Bundesliga), sondern eine Tradition in kleineren Gemeinden hat. Wie viele Migranten leben in diesen Gemeinden?
Betrachtet man man die Ergebnisse der Untersuchung, so haben 20,4 Prozent der jugendlichen Handballspieler und Handballspielerinnen einen Migrationshintergrund. Entspricht dieser Prozentsatz nicht in etwa dem Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung der BRD? Was also ist an diesem Wert alarmierend ?
Was sollen die schwarz-rot-gold getapten Finger auf der Titelseite, der Verweis auf „Kartoffel-deutsche Leistungsbereitschaft“ (was ist das?) und „deutsche Hünen“, „Inzest der Sportart“, die „tiefe kulturelle Zerrissenheit“ gibt es sicherlich nicht nur handballbezogen, und „deutsche Spielerinnen mit blondem Pferdeschwanz“ dürfen durchaus auf der Homepage eines deutschen Vereins erscheinen. Welche Idee steht hinter dem Foto mit Yoon Kyung Shin aus dem Jahr 2008? Ein südkoreanischer „Hüne“, der das Handballspiel in seiner Heimat erlernte, dort der erfolgreichste Spieler wurde und schließlich mit 23 Jahren einen Vertrag beim VfL Gummersbach unterschrieb, später nach Hamburg wechselte und danach in seine Heimat zurückkehrte. Eine sehr seltene Variante von Integration!
Von Unkenntnis geprägt ist die „Arbeitsbeschreibung“ von Sportlehrern, die „gerne zu Beginn – und manchmal anstelle – des Unterrichts die Schüler kicken“ lassen. Das didaktische Rüstzeug fehlt ihnen sicher nicht. „Die technischen Hürden“ des Fangens und Werfens sind beileibe nicht hoch. Handball ist unverzichtbarer Bestandteil des Sportcurriculums und wird in fast jeder Schulturnhalle von engagierten Sportlehrern unterrichtet. Ferner gibt es eine große Anzahl von Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen.
Warum wird, auf Grundlage dieses Zahlenmaterials, nicht darüber diskutiert, wieso der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei Kampfsportarten extrem hoch ist? Warum werden die Ergebnisse für Individual- und Mannschaftssportarten nicht gesondert untersucht? Warum fehlen Sportarten wie Rugby, Hockey oder Wasserball, um nur einige zu nennen? Warum gibt es keine Ergebnisse zum Verhältnis Jungen – Mädchen mit Migrationshintergrund in Sportvereinen? Es fehlt ebenfalls ein Hinweis zur Integration deutscher Sportler in Vereinen mit Migrationshintergrund.
Alles in allem eine „Untersuchung“, die mehr Fragen offenlässt als beantwortet und deren Platz auf der Titelseite der FR und als Thema des Tages für mich nicht gerechtfertigt ist. Ein angemessenerer Ort wäre die Rubrik Rätsel gewesen.

Bernd Sojka, Rodgau

Unsere Bemühungen stoßen auf Desinteresse

Ich habe den Artikel mit Interesse gelesen. Um wachzurütteln ist er genial. Aber leider haben meine Erfahrungen gezeigt, dass die Vereine auf Grenzen stoßen. Wir machen seit 13 Jahren einen Schulcup (5./6.Klassen), und dort sind eine Vielzahl von Schülern mit Migrationshintergrund dabei. Alle unsere Bemühungen, diese Kinder für den Handball zu gewinnen, stießen auf deren Desinteresse. Sie haben begeistert mitgemacht, aber keine Chance, sie für den Verein zu gewinnen. Wir spielen Fußball, war der einhellige Tenor. Dass wir keine Vorurteile haben, ist bekannt. Wir hatten in der Vergangenheit türkische Mädchen im Verein, gut integriert mit Freude am Handball und große Talente. Mit 14 oder 15 wurden sie von den Eltern abgemeldet, sie durften nicht mehr Handball spielen, offensichtlich wegen der Kleiderordnung. All meine Bemühungen, mit den Eltern in Kontakt zu kommen, schlugen fehl. Ähnlich ging es unserem Nachbarverein, sie hatten eine Mädchenmannschaft mit großem Anteil an türkischen Mädchen. Sie mussten mitten in der Saison die Mannschaft abmelden, weil alle auf einmal nicht mehr spielen durften.
Eine Ausnahme haben wir zu vermelden, und die heißt „Tawfique“, über den Sie ausführlich geschrieben haben! Beim Schulcup gesichtet.. Ihm gefiel und gefällt es im Handball sehr gut – aber nicht einmal ihm gelingt es, Jungs mit Migrationshintergrund für Handball zu begeistern. Wir haben dringend einen Torwart gesucht, er kannte einen – aber nein, keine Interesse, ich spiele lieber Fußball. Auch die Doppelfunktion Fußball/Handball wurde ihm angeboten – keine Mehrkosten – kein Interesse!!!
Selbst unsere Bemühungen am Grundschulaktionstag (GAT), den der DHB vor drei Jahren ins Leben gerufen hat und an dem wir seit Anbeginn Trainer in die 2. Klassen der Grundschulen schicken, um Kinder für Handball zu begeistern, laufen ins Leere. Ein Riesenaufwand für die Ehrenamtlichen in den Vereinen, und das sich dann allmählich bei diesen Frust breitmacht, ist auch verständlich. Woran das wohl liegt? Sicher nicht an blonden Haaren.
Der Artikel erwähnt Tennis, Basketball und Fußball – alles Sportarten in denen Profis viel Geld verdienen. Vielleicht ist dies mehr Motivation für diese Sportarten. Unser Verein ist ein Beispiel, aber sicher kein Einzelfall.

Ingrid Schuhbauer, Freising

Handball ist in den Medien dramatisch unterrepräsentiert

Die Studie, auf die sich Herr Kaspar in seinem Artikel bezieht, scheint vieles richtig zu benennen. In Frankfurt wird in meiner Erfahrung sehr wohl Integration in den Vereinen gelebt, und dies nicht nur mit Kindern aus Familien, in deren ursprünglichen Heimatländern auch Handball gespielt wird, wie Frankreich, Polen oder Kroatien. Mein Sohn spielt seit vielen Jahren selber Handball und, ja, er ist vor allem zu Handball gekommen, weil seine Mutter diesen Sport lange gespielt hat.
Sie schreiben, dass die oftmals weltoffenen Eltern am Spielfeldrand dennoch in einer „Handballblase“ verbleiben. Wirklich erklären, was das bedeuten soll, tun Sie aber nicht. Natürlich lebt Handball als Mannschaftssportart vom sportlichen Wettkampf, der, wie bei allen anderen Mannschaftssportarten auch das Wir-Gefühl verstärkt. Warum dies gleich in ausgrenzende Gruppenmechanismen übergehen soll, bleibt dem Leser verborgen.
Im letzten Absatz Ihres Artikels zitieren Sie ein paar sehr gute Ratschläge. Handball soll sichtbar werden in der Migrantenbevölkerung, und wenn die Inklusion gelingt, dann sollen die Vorbilder auch in den Medien gezeigt werden. Letzteres haben Sie mit Ihrem Artikel über Tolga Durmaz dann ja auch getan. Allerdings ist der Handball in den Medien so derart unterrepräsentiert, dass man meinen könnte, er fände gar nicht mehr statt. Eine Suche nach „Handball“ auf der FR Webseite fördert mehr Fußball Artikel zu Tage als zu Handball. Und im Fernsehen wird eher der Start der 3. Fußballliga gezeigt als ein bedeutendes Handballspiel. Wenn Sie mehr über den Handball und seine schönen sportlichen Seiten schreiben und im TV der Handball auch stärker gezeigt würde, dann würden sich mehr Kinder und auch mehr Kinder aus der Migrantenbevölkerung dafür begeistern und man würde automatische eine stärkere Durchmischung erleben.

Uwe Harmening, Frankfurt

Kein existenzbedrohendes Krisenszenario

Thomas Kaspar stellt fest, dass sich der der deutsche Handball im Rückstand befindet, weil er es kaum schafft, „junge Menschen mit Migrationshintergrund für den Sport zu begeistern“. Der Artikel bezieht sich auf eine Studie (aus 2012, online 2016) von Bahlke/Borggrefe/Cachay (Universitäten Bielefeld und Stuttgart), mit dem Titel „Weltmeister werden mit euch! – aber wie? Theoretische Überlegungen zum Problem der Unterrepräsentanz von Migrantinnen und Migranten im Handball“. Eine Grafik zeigt, dass der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei den Kampfsportarten und beim Fußball weit höher ist als beim Handball. Dieser (relative) „Rückstand“ werde dazu führen, dass der Handball irgendwann nicht mehr konkurrenzfähig sein wird. Ist das das einzige Ziel von Vereinssport? Sind die Kampfsportarten und der Fußball tatsächlich (international) konkurrenzfähiger, oder sind sie bei Jugendlichen einfach nur beliebter als Handball, Tennis und Reiten?
Der Artikel geht leider auch nicht darauf ein, warum beim Kampfsport der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund mit 60 Prozent deutlich höher ist als beim Sport insgesamt mit 46 Prozent. Interessant wäre es auch gewesen, etwas über den Anteil von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund in den verschiedenen Sportarten zu erfahren. Darin liegt wohl das eigentliche Integrationsproblem. Denn „immer noch fällt die Partizipation junger Migrantinnen am organisierten Sport vergleichsweise gering aus“, wie Bahlke/Cachay in einer anderen Studie (2016) festgestellt hatten.
Mit einem Anteil von 46 Prozent sind Jugendliche mit Migrationshintergrund beim Sport weit stärker vertreten, als es ihrem Anteil in der Bevölkerung entspricht, sie sind also überrepräsentiert. Was sind die Gründe dafür, und ist das nicht ein erfreuliches Beispiel gelungener Integration?
Doch die Studie deutet diese Erfolgsgeschichte im Sport zu einem existenzbedrohenden Krisenszenario für den deutschen Handball um und versucht, dem Handballsport mit konkreten Handlungsempfehlungen der „Integration von Spielern mit Migrationshintergrund“ auf die Sprünge zu helfen.

Karl-Heinz Tödter, Eschborn

5 Kommentare

  1. Bernd Susenburger sagt:

    Sorry, aber ich verstehe da was nicht! Ich habe selbst viele Jahre Handball gespielt und Grundschulkinder in dieser Sportart trainiert und glaube, man sollte die Kirche im Dorf lassen. Worum geht es in Wirklichkeit? Wenn wir von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sprechen, so sollte man mal auch einen Blick auf deren Herkunftsländer werfen. Und da sollte sehr schnell klar sein, dass in den allermeisten Ländern Handball entweder eine unbedeutende Randsportart darstellt bzw. als Sportart schlichtweg nicht existiert. Wenn diese Kinder und Jugendliche zu uns kommen, bringen sie auch ihre Begeisterung und Leidenschaft, aber auch erste Erfahrungen für jene Sportarten mit, die sie aus ihren Herkunftsländern kennen. Sie spiegeln also in etwa das wider, was in ihrer früheren Heimat populär und verbreitet ist. Handball wurde vor gut 100 Jahren von einem deutschen Turnlehrer namens Max Heiser in der heutigen Form ‚erfunden‘ und war als Alternative zum damals bereits recht populären Fußball gedacht, in erster Linie für Mädchen und Frauen, weil – so der Erfinder – die Verletzungsgefahr aufgrund des „körperlosen“ Spiels geringer sei. Die Verbreitung von Handball blieb sehr lange auf einige europäische Länder begrenzt, neben Deutschland auch auf mehrere skandinavische Länder und wenige mehr. Die mittlerweile zunehmende weltweite Verbreitung des Sports berechtigt nun aber nicht zu der Annahme, dass Handball bald wie Fußball und andere Mannschaftssportarten für junge Menschen mit Migrationshintergrund ähnlich populär würde. Da braucht es noch viel Geduld und Überzeugungsarbeit, bis der Handballsport auch für die genannte Zielgruppe interessant wird. Für die Schlussfolgerung einer derart beschriebenen mangelnden Integrationsbereitschaft der Handballverbände und -vereine taugt das FR-Thema daher m.E. jedenfalls nicht.

  2. Jürgen Malyssek sagt:

    Ich kann den Aussagen von Bernd Susenberger durchaus was abgewinnen, nämlich: Vorsicht vor allzu pauschalen Schlussfolgerungen aus der benannte Studie und das Urteil über den Handballsport und seine Integrationsfähigkeit.

    Ich selbst bin im Milieu des Fußballspiels groß geworden und kann einiges über dessen Integrationsfähigkeit sagen. Vieles hängt auch mit den sich über Jahre veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und dem allmählichen Wechsel vom „Proletensport“ zum hoffähigen bürgerlichen Massenereignis zusammen. Aber das ist eine längere Geschichte.

    Schichtenübergreifend war der Fußball als Mannschaftssport schon immer. Das heißt und das grob gesagt: Es war eigentlich egal woher du kamst und wer du warst, hauptsache du konntest und wolltest kicken. Ich habe den Fußball im Verein und die Aufnahme immer als eine unkomplizierte Sache erlebt. Das zu einer Zeit, als sich die Migrationsfrage weniger stellte als heute.
    Aber der Fußball hat die gesellschaftlichen Entwicklungen von der Stadt- und Stadtteil-Prägung bis zu dem steigenden Zulauf von Spielern aus den anderen Herkunftsländern mehr oder weniger pragmatisch mitgetragen und sich dadurch immer wieder verändert und auch verbessert. Hat auch ein manchmal verstaubtes allzudeutsches Vereinsleben verändert.

    Es sollte aber auch in zwei Sätzen erwähnt werden, dass es bei Fußballmannschaften mit reinem Migrationshintergrund auch zu mentalen und sportlichen Problemen kommt mit denen wiederum, die in keiner Richtung ein ethnisches Übergewicht im Verein/Kader haben.
    Ich rede von der sog. Basis und dem unteren Amateurbereich. Nicht vom Profibereich.

    Ich sehe die Integrationsbereitschaft beim Fußballsport sehr hoch angesiedelt an. Aber immer kommt es auf die Mischung und auf das soziale Miteinander in den Vereinen an.
    Das heißt: Jeder Verein muss seine zu ihm passende Mischung finden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt spielt die Herkunft überhaupt keine Rolle mehr.
    Es geht um Spielregeln, Toleranz, Fairness, Konfliktfähigkeit, Teamgeist, Spaß am Spiel, Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Identifikation …

    Schließlich, ist es das, was uns heute gesellschaftlich in Bann hält, zu bekämpfen, den Vorurteilen zu widerstehen: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, soziale Diskriminierung – immer und immer wieder.

    Der Fußball, bei dem ich mich auskenne, kann das. Aber es hört nie auf, daran von Kindheits- und Jugendbeinen an zu arbeiten.

    Die persönlichen Kontakte und Freundschaften, die sich über den Spielfeldrand hinaus dabei entwickeln, sind unbezahlbar – für beide Seiten: den Einheimischen und den Zugewanderten!

  3. Brigitte Ernst sagt:

    Ich meine, man sollte den Kindern und Jugendlichen, mit Migrationshintergrund und ohne, selbst überlassen, welche Sportart sie wählen. Die Sorge des Artikelschreibers scheint mir eher dem Verlust von Nachwuchs für den Handball zu gelten als der möglicherweise mangelnden Integration.
    Solange die Fußallvereine, die derart regen Zulauf haben, diese anerkannt gute Integrationsarbeit leisten, sehe ich kein Problem.

  4. Manfred Schmidt sagt:

    Selbst habe ich 30 Jahre im südwestlichsten Stadtteil Frankfurts in der Handballabteilung eines der 2 Turnvereine dort Handball gespielt. Auch Wohnortswechsel haben daran nichts geändert. Seit einigen Jahren musste „mein“ Verein eine Spielgemeinschaft mit einem Verein im Nachbarbereich eingehen, um den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können. Ich bin der Meinung, für meine persönliche Prägung hat Handball zu spielen eine positive Auswirkung gehabt.

    Im Ausland lebend, bin ich noch immer Mitglied in diesem Verein und der Kontakt und ein Zusammenhalten ist ungebrochen.

    Die Erfahrungen, dass für Jugendliche mit Migrationshintergrund Handball von untergeordnetem Interesse ist, mussten wir ebenfalls schon vor vielen Jahren erleben, Fußball zu spielen war dagegen attraktiver.

    Eine Episode: Eines Tages -es war in den späten 70er Jahren- erschien ein Mann zu Beginn unseres Trainings in der Halle, sprach ein etwas merkwürdiges Deutsch und fragte, ob er mittun dürfte. Natürlich durfte er, er kam aus Dänemark, seine dänische Firma hatte ihn für ein Jahr wegen eines Projekts nach Frankfurt versetzt und er suchte als Handballer einen Verein zum Mitspielen.
    Aus dieser Verbindung ging eine langjährige Vereinspartnerschaft zwischen unseren Vereinen hervor, wir besuchten die Turniere unseres „Vendskabsclubs“ in Dänemark und sie kamen für viele Jahre zu unserem Turnier an Pfingsten. Es entwickelten sich sogar 2 deutsch-dänische Ehepartnerschaften daraus. Selbst halten meine dänischen Freunde und ich noch immer Kontakt, ich lernte auch deren Sprache.

    Abschließend noch, wer sich an die Frankfurter Rundschau vor vielen Jahren erinnert, weiß vielleicht noch, dass neben den Fußballergebnissen bis hinunter in die niedrigste Klasse -wie auch heute immer noch- auch die Ergebnisse des Handballkreises Frankfurt, manchmal eben erst in der Dienstagsausgabe -wie aber seit vielen Jahren nicht mehr- abgedruckt wurden…

    Wer die Rasanz eines Handballspiels einmal erfasst hat, kann nur schwer verstehen dass Handball im TV so unterrepräsentiert ist, aber der möglichen Langweiligkeit eines Fußballspiels auf jeden Fall mehr Sendeplatz eingeräumt wird.

  5. Brigitte Ernst sagt:

    @ Manfred Schmidt

    Tolle Geschichte!
    Gerade weil das Spiel so rasant ist, kann man vor dem TV nur schwer folgen. Für mich ähnlich wie beim Basketball und Eishockey.

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