Der Strom kommt aus der Steckdose

Die EU möchte die Kernenergie gern grünwaschen. Ein schönes Beispiel dafür, wie Lobbyarbeit gemacht wird. Dahinter steckt unter anderem Frankreich, das seinen Energiebedarf zu rund 70 Prozent aus der Kernenergie deckt. Die wird, das muss man gleich hinzufügen, überwiegend aus veralteten Kraftwerken bezogen, die in den 1970er Jahren gebaut wurden. Das einzige derzeit im Bau befindliche neue Kernkraftwerk in Frankreich – Flamanville – ist ein Finanzierungsdesaster. Aber angeblich ist die Kernenergie ja CO2-neutral. Also muss sie gefördert werden, meint die EU.

AKW ChoozMuss sie? Unsinn. Das ist nichts anderes als Greenwashing. An diesem grünen Anstrich gibt es viel Kritik. Richtig ist, dass durch den Prozess der Energieerzeugung in Kernkraftwerken selbst kein CO2 freigesetzt wird. Wohl aber beim Bau des Kraftwerks, bei Abbau, Gewinnung und Anreicherung des Uran, das als Brennstoff benötigt wird, sowie natürlich auch beim Transport der Brennstäbe. Das ist aber nicht der entscheidende Punkt, um dem es in puncto Kernkraft immer wieder gehen sollte. Sondern der ist: Die Gewinnung von Energie aus der Spaltung von Atomkernen ist eine Hochrisikotechnologie. Was passieren kann, wenn diese Technologie versagt – sei es durch menschliche Fehler oder durch Naturkatastrophen -, das hat sich in Tschernobyl und Fukushima gezeigt. Hinzu kommen viele Vorfälle unterhalb der Schwelle zum größten anzunehmenden Unfall in vielen Kraftwerken, auch in Frankreich und sogar in Deutschland: 1968 in Hamm-Uentrop, 1987 in Biblis A, 2001 und 2007 im jetzt stillgelegten AKW Brunsbüttel (Quelle: Bund). Hinzu kommt natürlich auch das Problem der Endlagerung für den radioaktiven Müll. Für dieses Problem hat sich auch in 50 Jahren der Suche nach einem geeigneten Standort keine Lösung gefunden. Auch Frankreich hat kein Endlager. Zudem: Kein Versicherer will Kernkraftwerke versichern. Unter dem Strich heißt das: Die Kernkraft ist unwirtschaftlich. Das Geld, dass man da reinstecken will, sollte besser anderweitig investiert werden. Das hat auch mein Kollege Joachim Wille in seinem FR-Kommentar schön herausgearbeitet.

Frankreich befindet sich auf einem Irrweg, was Zukunftsenergien betrifft, wenn es auf die Kernkraft setzt. Auch künftige Generationen von Reaktoren wie der Thorium-Reaktor, der gerade in China getestet wurde, werden die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen, weil diese Technologie frühestens in zehn Jahren zur Serienreife gelangen kann. Klassische Kernkraftbauprojekte haben riesige Finanzprobleme. Das sieht man nicht nur im französischen Flamanville, sondern auch im finnischen Olkiluoto und im britischen Hinkley Point. Dort wurden die Baukosten für zwei neue Reaktorblöcke im Jahr 2014 auf 29,3 Milliarden Euro angegeben. Überall sind die Baukosten explodiert. Kein privatwirtschaftlicher Energieerzeuger würde den Bau eines solchen Kraftwerks von sich aus in Angriff nehmen, einfach weil das unwirtschaftlich ist. Das funktioniert nur mit Unterstützung durch den politischen Willen. Und dessen Protagonisten müssen sich die Frage durchaus gefallen lassen, wie sie auf die Idee kommen, für einen solchen Unsinn einzutreten.

fr-debatteFrankreich ist abhängig von der Atomkraft

„Wir bauen uns im Garten ein Atomkraftwerk / schu – bi – du – bi – du – a“ – so hieß ein Song der Anti-AKW-Bewegung aus den 70er Jahren. Darin sollte mit Ironie und Witz auf die Gefahren der Kernkraftnutzung aufmerksam gemacht werden, die seitens der Kraftwerksbetreiber immer wieder heruntergespielt und verschleiert wurden (mit Slogans wie z.B.: „Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose…“).
Was damals von den Atomkraftwerksgegnern noch als Satire über eine Hochrisikotechnik gesungen wurde, führt uns nun ernsthaft der französische Präsident Macron als reale Option zur Entwicklung neuer Kernkraftwerkstypen vor Augen. Er möchte sie kleiner, effizienter bauen, dass sie zeitgemäßer und unaufdringlich erscheinen. Vielleicht glaubt er wirklich an ein Atomkraftwerk im Garten ?!
…ja, oder will er uns vielleicht nur von Frankreichs verpasster Energiewende ablenken?
Ein Land, das zu 70 % abhängig ist von Atomenergie, bedarf angesichts atomarer Umweltgefährdung einer Legitimation für die Zukunft.
Die EU – Kommission gibt gerade grünes Licht für neue Kernkraftanlagen, wenn sie neuesten Technikstandards entsprechen und die konkrete Planung für eine Entsorgungsanlage von hochradioaktiven Abfällen bis 2050 vorgelegt wird.
Das Gefährdungspotenzial wird sich nicht ändern, und wenn ich mich recht erinnere, so wird in Deutschland schon seit mind. 50 Jahren vergeblich nach einem geeigneten Standort für eine Endlagerung des Atommülls gesucht. Zuletzt hat die Wendland-Gemeinde „Gorleben“ den Rechtsstreit gegen ihre Standortwahl gewonnen, in dem die Menschen sich dagegen gewehrt haben, Standort für ein, wie sie dort sagen, „Atomklo“ zu werden.
Fazit: „Kein Atomkraftwerk – auch nicht im Garten!“

Ulrich Hanbürger, Neuried

fr-debatteDas deutsche Volk wird für dumm verkauft

Bravo EU, hoffentlich wird den ideologiebesessenen, links/grünen Geisterfahrern auf der Atomenergie-Autobahn endlich bewusst, dass nicht der Rest der Welt in die falsche Richtung fährt, sondern sie allein, und das mit Unterstützung durch die damalige einsame Entscheidung unserer so hochgelobten ex-Bundeskanzlerin Mutti Merkel. Nach DDR-Manier wurde unter großem Applaus der Grünen von Frau Merkel – am Parlament vorbei – entschieden, alle Atomkraftwerke bis Ende 2022 abzuschalten.
Die Welt staunte und wunderte sich, dass die viertgrößte Industrienation der Welt so locker aus CO2-neutraler Atom-Energie aussteigt. Jetzt auch gleichzeitig aus Kohlekraftwerken – im Jahr 2021 bereits zehn Stück stillgelegt – und die Ideologen glauben allen Ernstes, damit den Energiebedarf mit sogenannter erneuerbarer Energie decken zu können. Um die Leistung der sechs AKWs auszugleichen, sollen rund 15 000 neue Windräder erforderlich sein, die natürlich Tag und Nacht 365 Tage lang Strom liefern müssten. Der Ausgleich des Fehlbedarfs an Energie wird aus Frankreich und Tschechiens AKWs kommen. So wird das deutsche Volk für dumm verkauft, und keinen stört’s.

Manfred Zottmann, Frankfurt

fr-debatteEin klimapeinliches Thema nach dem anderen

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was bei Regierungen und den von ihnen Abhängigen in Klimanotzeiten Kimaschädliches noch in deren Köpfen rumspukt. Es sind genau derzeit die klimazerstörenden Planungen und Projekte aus Energie, Verkehr und Landwirtschaft, die uns alle sehr betroffen machen sollten.
Zum ersten soll jetzt, ausgehend von Frankreich, die Atomwirtschaft die CO2-Erzeugung minimieren, obwohl man weltweit die Erfahrung von Chernobyl und Fukushima gemacht hat und die todbringenden Strahlenabfallprodukte nirgends für Jahrmillionen lagern kann und sichere Aufarbeitung des Strahlenmülls niemals im Bereich des Möglichen erscheint.  Also sollten wir bei der alternativen Energieerzeugung aus Sonne, Wind und Wasser bleiben.
Das zweite klimapeinliche Thema ist die Verkehrsmobilität: Es kulminiert im Autobahnbau der Autobahn GmbH des Bundes, die völlig gegen die Verkehrswende gepolt ist, und hier im schwarz-„grünen“ Hessen sehr deutlich wird, z.B. in den Autobahnprojekten am Dannenröder Forst und unter der Leitung eines grünen Verkehrsminister in Frankfurt am Riederwaldtunnel. Beides Projekte, die nach allgemeinem Erkenntnisstand den Autoverkehr erhöhen, auch wenn einige Planer und Interessengebundene meinen, es würde den Verkehr entlasten. Ein Riederwaldtunnel wäre gesamtgesellschaftlich besser für Championzucht geeignet.
Das dritte ist die unsägliche konventionelle Landwirtschaft mit ihrer schädlichen, massenorientierten Fleischproduktion und deren Menschen vergiftenden Spritz-Düngegepflogenheiten. Es ist eine Schande, dass Biolandbau derzeit nur etwa zehn Prozent des Nahrungsmittelanbaues insgesamt ausmacht, bei dem Glyphosat, Antibiotika und Kunstdünger verboten sind.
Bei all diesen Miss- und Fehlentwicklungen sind nicht die Verbraucher schuld, wie viele Konservative meinen, sondern die regel- , satzungs- und gesetzgebende Politik.

Oskar Voigt, Frankfurt

fr-debatte

23 Kommentare

  1. hans sagt:

    Der Kommentar von Joachim Wille ist grundsätzlich richtig nur an dem Schluss den er daraus zieht möchte ich ein ? setzten. Große Summen privates Kapital wird man mit der derzeitigen Maßnahme tatsächlich nicht für AKW bekommen können. Das sollte aber doch auch in der EU klar sein. Es gibt für mich zwei Möglichkeiten. Die erste ist das Ganze ist dem französischem Wahlkampf geschuldet und in Wirklichkeit nicht ernst gemeint oder die EU wird noch nachlegen und dafür sorgen das die Rendite für das private Kapital durch den Steuerzahler sicher gestellt wird. Das wäre bei dem Thema AKW nun wirklich nicht das erste mal.

  2. Eckart Roloff sagt:

    Andreas Schwarzkopf verwendet in seinem Leitartikel zur möglichen neuen Einstufung der Atomkraft durch die EU fünfmal den Begriff „Taxonomievorschlag“. Im Bericht dazu kommt das Wort „Taxonomie“ sechsmal vor. Auch wenn in der Ausgabe vom 3. Januar auf Seite 1 eine kurze Erläuterung zu lesen war, was die EU unter Taxonomie versteht, dürfte der Begriff nicht allgemein geläufig sein. Bisher haben vor allem Biologen damit gearbeitet, aber in einem ganz anderen Zusammenhang. Sie versuchen damit seit Jahrhunderten, Pflanzen, Tiere (und später auch Viren) systematisch und hierarchisch zuzuordnen.
    Ich vermute, dass etliche EU-Instanzen versuchen, mit „Taxonomie“ zu verstecken, was damit gemeint ist: Die Atomkraft soll als klimafreundliche Technologie gesehen werden. Wenn dazu das verharmlosende Wort „Vorschlag“ kommt, wird die Absicht vollends klar. Atomenergie ist nun einmal, wie es die Fachfrau Claudia Kemfert auch in der FR immer wieder hervorhebt, „riskant, teuer und nicht kompatibel mit der Energiewende“. Diese Meinung vertritt ja auch die FR. Sie soll aber bitte nicht hereinfallen auf solch eine Wortschöpfung und sie einfach übernehmen. Sie hat das Zeug hat für die nächste „Floskel des Jahres“ und das „Unwort des Jahres“. Davon berichtete die FR kürzlich für das Jahr 2021. Gut so!

  3. Rainer Stockmann sagt:

    Sehr geehrter Herr Wille, danke für Ihren Artikel. 1948 Hanford, 1957 Tscheljabinsk und Windscale, 1979 Harrisburg, 1986 Tschernobyl, 1999 Tokaimura, 2003 Paks, 2011 Fukushima und Fast-Katastrophen in Deutschland (1987 Biblis A und 2001 Brunsbüttel) sowie eine Vielzahl weiterer Unfälle mit Austritt von Radioaktivität – das ist etwas mehr als von der Atomlobby versprochen: „Ein Unfall alle 100 000 Jahre“, hieß es mal.
    So feiert die Atomkraft nun fröhliche Urständ. Vielleicht wären Konzepte älterer AKWs zu bevorzugen, für die Windows95 noch ein Zukunftsversprechen war. Die bekannten Risiken bestehen weiter, hinzugekommen sind weitere wie z.B. digitale Sicherheitslücken. Angriffe durch Hacker, die die Brennstäbe freilegen, könnten ganze Landstriche unbewohnbar machen.
    Österreich kommt schon seit 33 Jahren ohne Kernkraftwerke aus, und Deutschland schaltet erfreulicherweise auch ab. Was muss in anderen Ländern eigentlich noch passieren, damit man die Kernkraft endlich mehr nach den mit ihr verbundenen Risiken als nach dem möglichen Nutzen bewertet?
    Von den bereits bekannten Folgen ganz zu schweigen. Natürlich kann man, wie geschehen, einfach die Strahlungs-Grenzwerte für Lebensmittel aus Japan erhöhen und die Werte für Wildbret und Pilze aus bestimmten Regionen in Deutschland ein paar Jahrhunderte lang weiter ignorieren. Was bleibt, ist der Müll.
    In Finnland / Onkalo bringt man den Müll in Granit, der sich seit hunderttausenden von Jahren nicht bewegt hat. Das Lager ist für solche Zeiträume geplant, nicht unwichtig bei z.B. einer Halbwertszeit von ca. 24000 Jahren für Plutonium. Und ist recht ambitioniert (die ältesten Pyramiden sind nur ca. 4600 Jahre alt).
    In Deutschland haben wir eine Vielzahl von Zwischenlagern – und die Asse. Dort verrotten 126000 Fässer mit Atommüll, darin ca. 28kg Plutonium. Seit mehr als 10 Jahren ist klar, dass sie zurückgeholt werden müssen, unklar hingegen ist, wie. Es gibt nur ein vages Konzept. Demnach soll 2033 mit der Rückholung begonnen werden. Die Kosten dafür dürften immens sein.
    Während die AKW-Betreiber nach Milliardengewinnen auch noch mit Milliarden Entschädigung für entgangene Gewinne versorgt wurden, durften sie sich mit ein paar lächerlichen Milliarden für Probleme wie dieses freikaufen. Kein schlechter deal angesichts von ca. 270000 Tonnen Atommüll weltweit, die an Orten gelagert werden, die dafür nicht ausgelegt sind.
    Insofern teile ich Ihren Optimismus (S. 9: „giftiges grün“) nicht: Die Atomlobby hat es bis jetzt immer verstanden, die Gewinne einzustreichen und die wahren, kaum auch nur schätzbaren Kosten wie z.B. für Rückbau der AKW’s und Müll den Steuerzahlern aufzubürden.

  4. hans sagt:

    zu @ Manfred Zottmann
    Es kann natürlich jeder seine Meinung sagen aber ihr Leserbrief ist eigentlich völlig falsch. Ich würde sogar sagen leider. Wenn es möglich wäre mit AKW Strom aus Frankreich für das ein oder andere Jahr Unterstützung für den Kohleausstieg 2030 zu bekommen wäre das ja eine zur Not diskutable Möglichkeit. Das uns 56 Schrotthaufen in Frankreich retten werden wird aber nicht passieren.

    https://www.top50-solar.de/newsclick.php?id=334014&link=https%3A%2F%2Fwww.iwr.de%2Fnews%2Fstromausfall-fast-30-prozent-der-franzoesischen-atomkraftwerke-sind-abgeschaltet-news37748
    Wenn es mal Eng wird müssen wir Frankreich helfen bisher nicht umgekehrt. Das der Ausstieg nur in D. erfolgt ist auch nicht wahr. D. ist nur so doof Entschädigung zu zahlen ähnlich wie bei Kohle weil man ein Ausstiegsgesetz gemacht hat. Das machen andere Länder nicht. Die lasen den Markt das regeln.

    https://www.iwr.de/news/usa-schalten-2021-rekordzahl-an-atomkraftwerken-ab-negativtrend-bei-kohlekraftwerken-haelt-an-news37196
    In Europa ist es doch so das es viele Länder gibt die nie AKW hatten aber auch einige die am Aussteigen sind. Belgien will seine 4 AKW bis 2025 abschalten, Spanien mindestens die Hälfte bis 2030, Schweden fährt den Anteil von AKW Strom seit Jahren runter.
    https://www.energiefirmen.de/energie/erzeugung/strom-schweden
    Schade das man nicht mehr sieht wie hoch der AKW Anteil in Schweden vor 3-4 Jahren war. Ich möchte daran erinnern das Prof. Sinn vor wenigen Jahren Schweden mit 40% Akw Stromanteil als Beispiel hingestellt hat. Davon ist ca die Hälfte übrig geblieben.

  5. An einem warmen Tag im Frühsommer 2004 genoss ich auf der weitläufigen Wiese eines Landhotels in der Nähe des südwestfranzösischen Angoulême die Natur dieser grünen Hügellandschaft. Auf dem benachbarten Teil des Areals saß eine Gruppe von Ingenieuren des Energieversorgers EDF beim Mittagessen. Nach dem mehrgängigen Menu hielt ein offensichtlich leitender Angestellter des Konzerns eine längere Rede, der ich trotz meiner leider nicht perfekten Kenntnis des Französischen weitgehend folgen konnte. Das Treffen vermittelte den Anschein einer PR-Veranstaltung für die Handlungsebene des mittleren Managements. Die damals wie heute in Frankreich tonangebende Kernenergie wurde darin nicht hinterfragt. Es ging lediglich um zusätzliche Versorgungsleitungen und Verteilstationen sowie um den damit verbundenen Kundendienst. In vielen Punkten entsprach der Vortrag der Tendenz des Beitrags von FR-Leser Manfred Zottmann, der in diesem Thread abgedruckt ist.

    Am Abend sprach ich den Hotelbetreiber, bei dem ich bereits seit langem regelmäßig einkehrte, auf die illustre Gesellschaft an, die zwischenzeitlich wieder abgereist war. Er hatte viele Jahre in Baden gearbeitet und war mit den Verhältnissen hierzulande gut vertraut. Seine Bewertung dieser Veranstaltung, deren Augen- und Ohrenzeuge ich unbeabsichtigt geworden war, fiel eindeutig und desillusionierend aus:
    Während in Deutschland die Kernenergie längst infrage gestellt werde, igele sich Frankreich in seine Atommeiler ein und versäume den Anschluss an die Energiequellen der Zukunft. In 30, 40 Jahren würde Deutschland Vorreiter auf diesem Gebiet sein. Und Frankreich würde darüber rätseln, warum es den Anschluss verloren hatte.

    Das war knapp acht Jahre vor Fukushima, also vor jener Katastrophe, welche die Energiewende endgültig auslöste. Mittlerweile wurde tatsächlich vieles in Gang gesetzt, sehr zum Missfallen der Beckmesser, die z.B. Windenenergie- und Solaranlagen samt der diese produzierenden Industrie sabotieren. Oder die ihre Leidenschaft für den totgerittenen Gaul namens Kernenergie neu entdecken.

    Solche Gegenbewegungen wirken sich erfahrungsgemäß auf die Meinungsbildung in den EU-Gremien aus, ganz besonders auf die EU-Kommission, die deutlicher als das Parlament von nationalstaatlichen Interessen dominiert wird. Frankreich, das wegen seiner falschen Strategie energiepolitisch mit dem Rücken zur Wand steht, und einige Staaten Osteuropas versuchen, das Rad zurückzudrehen, indem sie die Kernenergie als nachhaltig und klimaschonend definieren. Ähnlich wie in der Währungsunion droht ein Desaster. Während sich in letzterer die Interessen der Finanzspekulanten und Geldwäscher immer mehr durchsetzen, ist bei der Energie ein totaler Etikettenschwindel zu befürchten.

    Eigentlich schlüge jetzt die Stunde der Grünen. Jetzt könnten sie beweisen, dass ihnen außer dem Rotlackieren von Radwegen noch Substanzielles einfällt und sie dies auch kompromisslos durchsetzen werden. Wenn Robert Habeck beispielsweise vor der Bundespressekonferenz in einem Nebensatz äußerte, dass das weitere Engagement der Bundesrepublik in EU und Währungsunion von einem Riesenschritt in Richtung nachhaltiger Energie, Klimaneutralität und gemeinwirtschaftlichen Prinzipien abhinge. Es könnte der lang vermisste Paukenschlag sein, der allen, die uns verdorbenen Wein in neu designten Flaschen verkaufen wollen, zum Einlenken zwänge.

  6. hans sagt:

    Wie sehr Frankreich mit dem Rücken zur Wand beim Thema Strom steht kann man dem unten stehendem Link entnehmen. Was mich immer wundert ist das die Planung von einer Handvoll neuer AKW die Schlagzeilen füllt aber ein ganzer Winter in dem Frankreich am Rande massiver Versorgungsprobleme steht in der Öffentlichkeit keine Beachtung findet.
    Außerdem frage ich mich ob man in der Situation dem Thema Sicherheit den nötigen Stellenwert einräumt.

    https://www.top50-solar.de/newsclick.php?id=334098&link=https%3A%2F%2Fwww.iwr.de%2Fnews%2Fsorge-vor-winter-blackout-ausfall-franzoesischer-atomkraftwerke-belastet-stromversorgung-news37751

  7. Die allgemeine Situation wird zusehends unübersichtlicher und diffuser. Bis vor kurzem schien die fossile Industrie hinsichtlich Energieerzeugung auf der gleichen Welle zu laufen, das scheint sich geändert zu haben. Öl und Gas haben sich von der Kohle getrennt, wieder dazu gekommen ist die Atomenergie. Öl und Gas haben ihre Preise radikal erhöht, sie haben damit verhindert, dass ein vernünftiger CO2 Zuschlag erhoben werden konnte, denn wie es jetzt ist lässt sich da nichts mehr machen, die Bürger werden dann laut, kommt hinzu dass dann der Staat die Schuld hat, die Preiserhöhung bis jetzt hat man knurrend mitgetragen. Weitere Erhöhungen schrauben dann auch an der Inflation, die mit 5% ja schon ernst genommen werden muss und mit Sicherheit nicht so schnell vorbei sein wird.
    Herr Lindner hat nun mit seiner Steuerermässigung von 30 Mrd, die dringend erforderlichen Mittel zum Ausbau von Windkraft und Sonnenenergie, die gerade noch vorhandene Manövriermasse aus dem Spiel genommen, so dass Herr Habek mit leeren Händen da steht, so dass die Kohleindustrie eine sonnige Zukunft hat.
    Macrons Atompläne werden, wenn überhaupt, erst in vielen Jahren realisiert sein, wenn es jedoch gelingt, EU Mittel zu generieren so wird dieses Geld beim Ausbau von Sonne und Wind fehlen.
    Da weiterhin der Faktor Wachstum zum Fetisch erhoben wird ist die letzte Chance, das Klima zu retten wohl verloren, denn es wird immer mehr Energie gebraucht für das Wachstum, die aber nur über fossile Quellen gedeckt werden kann.
    Bleibt abzuwarten, was die Ampelmannschaft tun wird, aber es sieht nicht gut aus. Herr Lindner wird sofort die schwarze Null aus dem Hut ziehen, niemand wird die durch CO2 Anstieg entstehenden Kosten an Klima und Umwelt in Betracht ziehen, sie werden wie immer bis jetzt auf das Naturkonto gehen, wo schon Billionen geparkt sind. Merkt denn eigentlich keiner was hier läuft ? Das dämliche Kapital hat alles für sich aufgeteilt, da ist für den Rest der Menschheit leider kein Platz mehr.
    Herr Mertens, der von ihnen gewünschte Paukenschlag wird wohl kaum kommen, die Grünen müssten endlich einmal „grün“ handeln, nicht nur reden und sie müssten in kauf nehmen, dass die Ampel zerbricht, unter dem wird es nicht zu haben sein. Nicht vergessen: SPD und FDP sind Wachstumsorientiert und haben mit Klima und Umwelt nicht viel am Hut.Es mangelt an echten Katastrophen, das Zukunftsgeschehen nur so als Geschichte was passieren wird, irgend wann, das reicht nicht um die Menschen aus ihrer Lethargie zu reissen, da müssen schon ein paar Paukenschläge her, so schlimm sich das auch anhört. Wie heißt es heute: Es müssen die richtigen Narrativen her ! Und kampflos gibt das Kapital nicht auf.
    Das ganze zu Zeiten der Pandemie und einem Zirkus von Kleinstaaterei mit entsprechenden Länderfürsten.

  8. hans sagt:

    zu @ Jürgen H. Winter
    Das die 20 Milliarden die Lindner verteilen will in der Klimawandelbekämpfung irgendwo fehlen wird schon so sein, aber nicht bei Solar und Wind. Es wird mir zwar nicht gelingen sie zu überzeugen aber ich stelle mal ein Positionspapier das 5000 Mitglieder des PV Forums in das Wirtschaftsministerium gesendet haben. Da wird beschrieben was passieren sollte um die kleinen PV Anlagen deutlich nach vorne zu bringen. Es ist darin von Fachleuten klar benannt. Da geht es nicht um direkte Steuermittel sondern um Entbürokratisierung und für Kleinanlagen auskömmliche Preise. Mal sehen was daraus wird.

    https://www.photovoltaikforum.com/core/attachment/202335-pv-forum-2022-impuls-f%C3%BCr-reform-von-pv-kleinanlagen-pdf/

  9. hans sagt:

    https://www.zeit.de/wissen/umw…n-nachhaltige-energieform
    Man will uns schon sehr tief in die Tasche greifen um den AKW Anteil von 28% auf 15% in der EU zu reduzieren. Es mag auch stimmen das es ohne die Taxonomie nicht möglich wäre die im Link genannten Summen an Kapital zu bekommen aber ob es mit geht. Man wird da irgendetwas tun müssen um 10-15% Risikokapitalrendite bei zu bekommen . Das wird die Taxonomie nicht erledigen. Außerdem sind die Kosten bei AKW Projekten oft um mehrere 100% zu niedrig geschätzt. Von unserer Regierung erwarte ich das sicher stellt das da keine deutschen Steuergelder vernichtet werden. Mal sehen wie es weiter geht.

  10. Manfred Schönfeld sagt:

    Die 2 Seiten der FR zum Thema Atomkraft von Joachim Wille zeigen deutlich: die fast unerschöpfliche Quelle von Energie contra Milliardenkosten und Strahlenrisiko ! Russland und Japan haben ihr Lehrgeld bezahlt. Frankreich kann froh sein, wenn sein Atomkurs ihm und uns nicht zum Verhängnis wird. Warum täglich mit Risiko a la Tschernobyl und Fukushima leben wenn die Erneuerbaren überall wachsen und Atomstrom weltweit stagniert? Dazu die Verknüpfung mit Atomwaffenproduktion!
    Man kann weitere Einzelheiten weltweit unter http://www.worldnuclearreport.org lesen.
    Unser Ausstieg in D zeugt von Weitsicht, Achtung und Rücksicht gegenüber unseren Nachfahren. Die Atomkraft ist keine Option für die Zukunft der Menschheit, da sie im Störfall völlig unbeherrschbar ist und schon jetzt zu viel Leid und Kosten verursacht hat.

  11. hans sagt:

    zu @ Manfred Schönfeld
    Danke für den Link da kann man stundenlang mit lesen zubringen. Wenn man allerdings in den Nachrichten so hört was unsere Politiker dazu sagen sollte man das vielleicht besser nicht machen. Das was Politiker der SPD da von sich geben halte ich für ein gefährliches Spiel mit ihren Wählern. Sie wurden von einem Teil davon mit Sicherheit nicht deshalb gewählt weil zu erwarten war das sie so einer Taxonomieverordnung zustimmen oder sich enthalten. D. muss sich da klar positionieren. Gestern konnte man in den Nachrichten einen jungen FDP Abgeordneten hören der Zustimmung gefordert hat wenn sicher gestellt ist das die Müllentsorgung geklärt ist und die AKW alle versichert sind. Das hat mich zum Lachen gebracht. Dieser Mann hat sich wohl noch keine Minute mit AKW beschäftigt bevor er sich ins Fernsehen gestellt hat.
    Das Thema Taxonomie wird auch im PV Forum diskutiert mit ähnlichen Überlegungen wie ich sie hier auch beschrieben habe. Sie wird für sich alleine nichts bringen weil AKW einfach zu teuer sind und Privatkapital da nicht in der Größenordnung von mehreren 100 Milliarden da rein gehen wird. Ein User meinte da das er erwartet das Frankreich z.B. eine Taxonomieanleihe auflegt und die EZB diese kauft. So würde das nötige Geld einfach gedruckt, D. zahlt im Rahmen der EZB Haftung und ich werde zum Querdenker.

  12. Hallo Hans,
    vielen Dank für den Link, sehr informativ. Es ist wohl noch zu früh , um beurteilen zu können, was Habek nun tun wird, wichtig ist, dass in absehbarer Zeit so etwas wie ein Plan sichtbar wird, um den Bürgern eine Vorstellung zu geben, in welcher Richtung und wie schnell es zur Sache gehen soll. Die gegenwärtige Diskussion ums Atom erscheint mir völlig nutzlos. Was jetzt fehlt, ist die Zukunftsversion auf allen Gebieten , damit die Bürger merken , es passiert etwas. Der bleierne Zustand zur Merkel Zeit muss endlich ein Ende haben.
    Es ist mir schon klar, dass es wichtig ist Optimist zu bleiben, nur angesichts der Probleme und des Hickhacks auf allen Gebieten fällt es immer schwerer. Wie soll die Menschheit das schaffen ?

  13. Die Antwort liegt für mich auf der Hand. Sie kann es nicht schaffen. Wie heute in der FR zu lesen, viele Rohstoffe gehen jetzt schon zur Neige, werden aber zunehmend benötigt. Schon vor Jahren habe ich geschrieben , dass allein der Kupferbedarf für die Umstellung der KFZ auf Strombetrieb an Grenzen stösst und entsprechend teurer werden wird. Wenn man dann wenigstens kleine leichte Kfz bauen würde, die mit dem bestehenden Kabelnetz einigermassen betrieben werden könnte, nein, man baut Autos, die weit über 2 to wiegen, von denen in einer Straße vielleicht 2 geladen werden können. Werden es mehr fliegen die Sicherungen raus.
    Das ist aber nur eines von vielen Problemen. In der Landwirtschaft bedarf es einer Umstellung auf Ökologie, wegen der CO2 wie auch der Bodengesundheit. Eine fortgesetzte Vergiftung und Monokulturplantagen geht auf Dauer nicht.
    Der Versauerung der Meere und der Überfischung muss unbedingt Einhalt geboten werden.Eine weitere Vermüllung mit Plastik muss unterbleiben.
    Dem Artensterben muss sofort Einhalt geboten werden. Artensterben in dem jetzigen Mass hat in der Vergangenheit zum Zusammenbruch der Fauna weltweit geführt. Es ist nicht damit getan, die eine oder andere Art mit viel Aufwand in wenigen Exemplaren zu schützen. Wenn es nicht gelingt, einen Großteil der Insekten und anderer Kleintiere zu stabilisieren wird die Fauna als Ganzes zusammenbrechen.
    Dann ist da noch das Klima, die Meeresströmungen, Wasserverbrauch, Waldbrände, Überschwemmungen, Anstieg des Meeresspiegels usw.
    Wenn es der Menschheit nicht gelingt, den Verbrauch aller Güter etwa auf 1950 zurückzufahren, den wirtschaftlichen Wachstumswahn zu unterlassen, die Überbevölkerung einzudämmen, dann, ja dann geht die Sache den Bach runter. Die Folgen werden erschreckend sein aber es wäre reine Spekulation sich über Details Gedanken zu machen. Im Vorfeld wird die Kriegsgefahr immanent, es wird eine Völkerwanderung geben, hunderte Millionen werden ihren Lebensraum verlieren.
    Soll ich weitermachen ?…..und Lindner verteilt 30 Mrd. an die Industrie und sagt allen andren Ressorts, es muss gespart werden, wegen der schwarzen Null. Das ist nicht Schizophrenie, dass ist einfach nur bescheuert.

  14. Hans-Karl Ortmann sagt:

    Wir sollen in Atomstrom investieren, unser Geld in neuen Reaktoren anlegen. Dafür wollen die Atom-Verdiener das grüne EU-Label. Das sei doch gar nicht mehr so gefährlich, und für die Asche, so sagen sie, soll in 30 Jahren auch begonnen werden, Lagerplätze zu finden und zu planen. Bisher liegt die Atom-Asche irgendwo, zwei Fußballfelder voll mehr als 40 Meter hoch, oder die Größe von 800 Einfamilienhäusern, ohne den verseuchten Bauschutt aus dem Abbruch.
    Doch die Atom-Verdiener wollen neue Atom-Asche machen! Aber wohin damit? Ja, wie besoffen sind die denn, halten sie uns, wollen uns mit französischem Wein aus Algerien machen? Warum wollen sie das? Seit einiger Zeit wird viel über die Wasserstofftechnik positiv berichtet und u.a. auch im Netz erklärt, in diese Zukunftstechnik zu investieren, also unser Geld in dieser klimagünstigen Technologie anzulegen. Das darf nicht sein, in den Augen der Atomer. Sie müssen dagegen halten mit dem EU-Grünen-Label: Atom-Strom aufhübschen für’s Klima! Doch das ist zwei Jahrhunderte alte Dampftechnik, wie Holz, Kohle und Gas.
    Die bisherige, die weitere Atom Asche und den Bauschutt dürfen wir nicht unseren Enkeln und deren Ur, Ur, Ur vererben, für mehr als eine Million Jahre, länger als homo sapiens auf dem Erdball ist. Das muss vorab, jetzt, von den Atom-Asche-Produzenten gemacht sein.
    Nicht meckern, sondern besser machen: Es gibt Wasser- und Windkraft, Solarenergie, und Wasserstoff – doch woher und womit? Der fällt z.B. in Hoechst als Abfall an. Aber den zu machen, braucht’s viel Strom, u.a. den von Windrädern, dann, wenn sie wegen Netz-Überkapazität stillstehen müssen. Oder dort, wo viel Wind ist und die Sonne scheint. A propos Algerien. Dort sollten mal Solarparks entstehen, aber der Neo-Kolonialismus des Firmen-Konsortiums hat den Wüstenstaaten nicht gefallen, und die E-Leitungen zur EU seien zu teuer, zu kompliziert. Die Idee, direkt an der Küste mit Sonne und Wind Strom und damit Wasserstoff zu machen, hatten die Firmen nicht oder hat ihnen nicht gefallen,
    Nicht nur französischen Wein aus Algerien, sondern auch Strom und Wasserstoff aus der Wüste zu holen, das empfiehlt
    Hans-Karl Ortmann

  15. hans sagt:

    https://www.top50-solar.de/newsclick.php?id=334102&link=https%3A%2F%2Fwww.iwr.de%2Fticker%2Fkein-strom-zwei-atomkraftwerke-in-deutschland-und-schweden-wegen-stoerungen-abgeschaltet-artikel3980

    Ich hatte ja weiter oben nur zum Teil belegt das Schweden dabei ist langsam aus AKW auszusteigen. In dem Link kann man dazu einiges lesen. Außerdem scheinen die sehr alten AKW diesen Winter eigentlich wenig überraschend den Beweis antreten zu wollen das sie Versorgungssicherheit nicht herstellen können. Zusätzlich zu den Problemen in Frankreich mit der dortigen uralt AKW Flotte machen auch noch weitere AKW die 30 und mehr Jahre auf dem Buckel haben Probleme. Auch in D. ist Isar2 mit 1,4 GW Leistung am Wochenende bis auf weiteres ungeplant vom Netz gegangen.

  16. Nachdem nun Habeks Plan fürs Klima auf dem Tisch liegt, bleibt abzuwarten, was effektiv passiert. Es wird Länder geben, die hinhaltenden Widerstand leisten, Herr Brinkhaus wird wieder furchtbar auf den Tisch hauen obgleich es sein Laden war, der die Dinge so weit hat verkommen lassen. Hätte Habek durchaus einmal sagen können, obgleich das natürlich jedem klar sein muss. Es ist der Merkel Clan, der alles verhindert hat. Nun ist Geduld gefragt, das hilft nichts, es wird auch Widerstände geben, aus den Ländern zum Beispiel.Wenigstens gibt es jetzt einen Startschuss !

  17. Wolfgang Seelig sagt:

    Es gibt kein sicheres Endlager für Atommüll weltweit
    Es ist unmöglich, radioaktive Materialien so lange sicher zu bewachen. Vor 100.000 Jahren gab es schon Menschen. Welche Sprache sie hatten, wissen wir heute nicht. Welche Symbole sie mit „Gefahr“ oder mit „schön“ oder „essbar“ oder „giftig“ in Verbindung brachten, ist heute un-bekannt. Genauso unbekannt, wird es Menschen sein, die in 100.000 Jah-ren vielleicht noch leben.

    Man muss den Atommüll aus mehreren Gründen bewachen, weil er hoch-giftig ist und jedes Leben verstrahlt. Er darf nicht wieder für kriegerische und/oder verbrecherische Zwecke benutzt werden. Dazu muss man gut ausgebildete Menschen, die extrem zuverlässig sind über mindestens 100.000 Jahren verwenden. Wer überwacht diese Menschen? Wer sucht sie aus? Gibt es da vielleicht Jemanden, der böse Absichten hat? Wer ga-rantiert das über 100.000 Jahre?

    Häftlinge sind aus bestens gesicherten Gefängnissen auf nimmer wieder-sehen geflohen. In fast allen Gefängnissen der Welt, die gut bewacht werden, kann man von außen eingeschmuggelten Drogen konsumieren. Aus von der SS bewachten Vernichtungslagern und KZs konnten Häftlinge mit Waffengewalt ausbrechen und verschwinden.

    Das ist „ein“ Grund, dass es kein „sicheres“ Endlager gibt, weil die Bewa-chung durch Menschen selbst in den schrecklichsten Diktaturen grandios scheitert.

    Kein Gebirge aus Granit, keine Höhle in Felsen, kein Salzstock weltweit ist vor tektonischen Verschiebungen über 100.000 Jahren geschützt. Es gibt Atommüll der über 1 Million Jahre sicher gelagert werden muss. Aus die-sen einfachen geologischen Gründen kann es weltweit kein sicheres Lager geben.

    Atomenergie ist der teuerste Strom, der aus der Steckdose kommt.
    Diese Tatsache wird jedoch verschleiert, denn die Betreiber der Kraft-werke müssen nicht, wie jeder private Haushalt oder jedes andere Un-ternehmen für deren Rückstände, die Kosten für das Beseitigen und La-gern von bis zu 1 Million Jahren des Atommülls bezahlen. Laut Atomge-setz sind sie verpflichtet, sich an der Erkundung, der Errichtung und der Unterhalt von Anlage zur geordneten Beseitigung des radioaktiven Abfalls zu beteiligen. Dafür müssen sie in ihren Bilanzen jährlich Rücklagen bilden. Das waren bis Ende 2013 knapp 34 Mrd. Euro. Wenn die Atomkraftwerke durch den Staat per Gesetz still gelegt werden, gilt das nur noch einge-schränkt.

    Wenn die Firmen, wegen der durch den Staat verfügten Stilllegung und den dadurch verursachten enormen Kosten, in Konkurs gehen, ist zwar das Geld in den Rücklagen noch vorhanden, es würde aber bei weitem nicht ausreichen, die Kosten für eine sichere Endlagerung zu decken. Da-für müssten dann der Steuerzahler, also die Bürgerinnen und Bürger der BRD, aufkommen. Es gibt aber auf der ganzen Welt kein sicheres Endla-ger. Allein das Abfallprodukt Plutonium müsste knapp 50.000 Jahre gela-gert werden.

    Haftung der Betreiber eines Atomkraftwerkes
    Sie sind in Deutschland gesetzlich verpflichtet eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Laut Atomgesetz müssen sie jedoch nach dem Pariser Ab-kommen nicht dafür haften, wenn der Schaden durch einen Unfall mit Kernspaltung herbeigeführt wurde. Sie sind dazu nicht verpflichtet. Die Betreiber der AKWs von Tschernobyl und Fukushima sind nach dem Pari-ser Abkommen nicht verpflichtet, solche Risiken zu versichern. Es gäbe allerdings auf der ganzen Welt auch keine einzige Versicherung, die diese Risiken bei Atomkraftwerken abdecken würde.

    Die Atomkraftwerke sicherer zu bauen, wäre auch extrem teuer.
    Technik ist immer von Menschen gemacht. Menschliches Versagen wurde für alle bisherigen Störfälle als Ursache angegeben: Sellafield in Großbri-tannien, Three Mile Island in den USA, alle Störfälle in Deutschland, Tschernobyl in der UDSSR und Fukushima in Japan. Warum ist das so? Kein Mensch kann sich über mehrere Stunden so konzentrieren, dass er fehlerfrei bleibt. Das ist nicht möglich. Das kann jeder von uns selbst ausprobieren. Beim Bau, beim Betrieb und bei Wartungsarbeiten entste-hen Fehler.

    Atomkraftwerke sind auch durch Terroristen gefährdet. Durch die Ereig-nisse des 11.09.2001 wissen wir, dass man mit Kidnapping von Passagier-flugzeugen riesige Schäden an Gebäuden anrichten kann. Man hielt das bis dahin nicht für möglich. Atomkraftwerke müssten so sicher gebaut werden, dass Flugzeugabstürze und/oder Raketentreffer ihnen nichts an-haben könnten. Wir wissen alle, dass sämtliche jetzt auf der Welt stehen-de AKWs dafür überhaupt nicht ausgerüstet sind. Die jetzigen Atommüll-zwischenlager bei den Kraftwerken erst recht nicht.

    Mindestens diese Arten von Kosten („sicher“ tausende bis zu 1 Million Jahre lagern, müllbeseitigen, Haftpflicht und sicherer bau-en) müssten in die Kalkulation voll einfließen, dadurch würde der Atomstrom unverkäuflich teuer. Allein aus Kostengründen müsste jede Initiative zum Bau und Betrieb von Atomkraftwerken von je-dem Menschen abgelehnt werden.

  18. hans sagt:

    So richtig die Argumente mit den fehlenden Lagermöglichkeiten für Atommüll und der Nichtversicherbarkeit von AKW auch sind sie sind alle nicht neu. Das Hauptargument der AKW Befürworter ist derzeit das D. als einziges Land in Europa aussteigt. Dem kann man mit den alten Argumenten nicht wirklich begegnen wenn es stimmen würde. Dem ist aber klar nicht so . Auch GB ist dabei seine alte AKW Flotte zügig stillzulegen. Da haben wir wieder das Thema das jeder weiß das in England ein neues AKW im Bau ist aber kaum einer wieviel da abgeschaltet wird und was der Strom aus dem neuen AKW kostet.

    https://www.top50-solar.de/newsclick.php?id=334138&link=https%3A%2F%2Fwww.iwr.de%2Fnews%2Fleiser-ausstieg-grossbritannien-hat-atomkraftwerke-mit-7-900-mw-leistung-abgeschaltet-news37754

  19. Dieter Offermann sagt:

    Ich bin Herrn Manfred Schönfeld für seinen Blogbeitrag in der heuten FR (13.01.2022, S. 32) sehr dankbar – gerade vor dem Hintergrund der neuesten Meldung, dass Frau Ursula von der Leyen an der Energiegewinnung durch Atomkraft unbedingt festhalten zu wollen scheint, um die fokussierte Begrenzung der Klimaerwärmung (1,5 °C bis 2030? Klimaneutralität „netto null“ bis 2050?) zu erreichen.
    Ungeachtet der der in den Protokollen und Abkommen von Kyoto bzw. Paris enthaltenen Rechen-, Zahlen- und Statistikakrobatik (vgl. IPCC u.a.m.) empfehle ich dringend allen, die Atomkraft als unersetzlich betrachten, um diese Ziele zu erreichen, insbesondere Frau von der Leyen, die Lektüre des Buches von MARCEL HÄNGGI: „NULL ÖL. NULL GAS. NULL KOHLE.“ – Rotpunktverlag Zürich, 3. Auflage 2019 (eine neure Auflage liegt mir zurzeit nicht vor), in dem der Autor minutiös analysiert, nicht nur WIE diese Ziele erreichbar sein können, sondern dass Atomenergie kein Mittel ist, fossile Energieträger zu ersetzen oder erneuerbare zu ergänzen.
    Aber auch den Mitgliedern der Fraktionen der Ampelkoalition der Deutschen Bundesregierung (und nicht nur denen!) empfehle ich diese Lektüre – falls noch nicht geschehen – von Herzen.
    Ich appelliere hiermit aus tiefer Überzeugung an die Bundesregierung:
    Bleiben Sie bitte standhaft! Lassen Sie sich bitte nicht von den vereinbarten Klimazielen abbringen, auch nicht von der Präsidentin der Europäischen Kommission! Insbesondere an die Fraktion der GRÜNEN und an den Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Herrn Robert Habeck appelliere ich, am Ausstieg aus der atomaren Energiegewinnung festzuhalten.
    Möge dieses o. genannte Buch dazu beitragen, Sie darin zu bestärken und Ihnen Ideen zur Machbarkeit liefern, das wünschte ich mir.
    Eine Zurücknahme dieser Position würde dagegen aus meiner Sicht einem Gesichtsverlust für eine ökologisch ausgerichtete Partei gleichkommen und diese Partei für mich zukünftig weder mit der Erst- noch mit der Zweitstimme wählbar erscheinen lassen.
    Dann wäre ein Ausstieg aus der Koalition mit der Konsequenz von Neuwahlen eigentlich nurmehr konsequent.

  20. hans sagt:

    Die derzeit europaweit hohen Börsenstrompreise werden von den alten AKW verursacht die in größerer Menge ungeplant nicht zur Verfügung stehen.
    https://www.top50-solar.de/newsclick.php?id=334179&link=https%3A%2F%2Foekonews.at%2F%3Fmdoc_id%3D1168661
    Das hat Folgen. Eine der Folgen ist das man eigentlich die EEG Umlage auch kurzfristig abschaffen könnte. Die hohen Börsenstrompreise lassen das EEG Ausgleichskonto auf Rekordwerte anwachsen. Dieses Geld sollte den Verbrauchern die es ja völlig unnötig derzeit bezahlen zurück gegeben werden. Damit könnte man die hohen Preise deutlich absenken.
    https://www.top50-solar.de/newsclick.php?id=334191&link=https%3A%2F%2Fwww.iwr.de%2Fnews%2Fhoher-strompreis-laesst-eeg-ueberschuesse-auf-ueber-10-milliarden-euro-anschwellen-news37759

  21. hans sagt:

    Gestern bei Markus Lanz war die Umweltministerin Steffi Lemke. Speziell im letzten drittel der Sendung hat sie Klartext gesprochen und einen sehr starken Eindruck hinterlassen. Die Sendung ist sehr empfehlenswert.

  22. Wolfgang Seelig sagt:

    Es gibt kein sicheres Endlager für Atommüll weltweit. Es ist unmöglich, radioaktive Materialien so lange sicher zu bewachen. Vor 100 000 Jahren gab es schon Menschen. Welche Sprache sie hatten, wissen wir heute nicht. Welche Symbole sie mit „Gefahr“ oder mit „schön“ oder „essbar“ oder „giftig“ in Verbindung brachten, ist heute unbekannt. Genauso unbekannt, wird es Menschen sein, die in 100.000 Jahren vielleicht noch leben.
    Man muss den Atommüll aus mehreren Gründen bewachen, weil er hochgiftig ist und jedes Leben verstrahlt. Er darf nicht wieder für kriegerische und/oder verbrecherische Zwecke benutzt werden. Dazu muss man gut ausgebildete Menschen, die extrem zuverlässig sind über mindestens 100 000 Jahren verwenden. Wer überwacht diese Menschen? Wer sucht sie aus? Gibt es da vielleicht Jemanden, der böse Absichten hat? Wer ga-rantiert das über 100 000 Jahre?
    Häftlinge sind aus bestens gesicherten Gefängnissen auf nimmer wieder-sehen geflohen. In fast allen Gefängnissen der Welt, die gut bewacht werden, kann man von außen eingeschmuggelten Drogen konsumieren. Aus von der SS bewachten Vernichtungslagern und KZs konnten Häftlinge mit Waffengewalt ausbrechen und verschwinden.
    Das ist „ein“ Grund, dass es kein „sicheres“ Endlager gibt, weil die Bewachung durch Menschen selbst in den schrecklichsten Diktaturen grandios scheitert.
    Kein Gebirge aus Granit, keine Höhle in Felsen, kein Salzstock weltweit ist vor tektonischen Verschiebungen über 100 000 Jahren geschützt. Es gibt Atommüll, der über eine Million Jahre sicher gelagert werden muss. Aus diesen einfachen geologischen Gründen kann es weltweit kein sicheres Lager geben.
    Atomenergie ist der teuerste Strom, der aus der Steckdose kommt. Diese Tatsache wird jedoch verschleiert, denn die Betreiber der Kraft-werke müssen nicht, wie jeder private Haushalt oder jedes andere Un-ternehmen für deren Rückstände, die Kosten für das Beseitigen und La-gern von bis zu 1 Million Jahren des Atommülls bezahlen. Laut Atomge-setz sind sie verpflichtet, sich an der Erkundung, der Errichtung und der Unterhalt von Anlage zur geordneten Beseitigung des radioaktiven Abfalls zu beteiligen. Dafür müssen sie in ihren Bilanzen jährlich Rücklagen bilden. Das waren bis Ende 2013 knapp 34 Mrd. Euro. Wenn die Atomkraftwerke durch den Staat per Gesetz still gelegt werden, gilt das nur noch einge-schränkt.
    Wenn die Firmen, wegen der durch den Staat verfügten Stilllegung und den dadurch verursachten enormen Kosten, in Konkurs gehen, ist zwar das Geld in den Rücklagen noch vorhanden, es würde aber bei weitem nicht ausreichen, die Kosten für eine sichere Endlagerung zu decken. Da-für müssten dann der Steuerzahler, also die Bürgerinnen und Bürger der BRD, aufkommen. Es gibt aber auf der ganzen Welt kein sicheres Endla-ger. Allein das Abfallprodukt Plutonium müsste knapp 50.000 Jahre gela-gert werden.
    Haftung der Betreiber eines Atomkraftwerkes Sie sind in Deutschland gesetzlich verpflichtet eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Laut Atomgesetz müssen sie jedoch nach dem Pariser Ab-kommen nicht dafür haften, wenn der Schaden durch einen Unfall mit Kernspaltung herbeigeführt wurde. Sie sind dazu nicht verpflichtet. Die Betreiber der AKWs von Tschernobyl und Fukushima sind nach dem Pari-ser Abkommen nicht verpflichtet, solche Risiken zu versichern. Es gäbe allerdings auf der ganzen Welt auch keine einzige Versicherung, die diese Risiken bei Atomkraftwerken abdecken würde.
    Die Atomkraftwerke sicherer zu bauen, wäre auch extrem teuer. Technik ist immer von Menschen gemacht. Menschliches Versagen wurde für alle bisherigen Störfälle als Ursache angegeben: Sellafield in Großbri-tannien, Three Mile Island in den USA, alle Störfälle in Deutschland, Tschernobyl in der UDSSR und Fukushima in Japan. Warum ist das so? Kein Mensch kann sich über mehrere Stunden so konzentrieren, dass er fehlerfrei bleibt. Das ist nicht möglich. Das kann jeder von uns selbst ausprobieren. Beim Bau, beim Betrieb und bei Wartungsarbeiten entste-hen Fehler.
    Atomkraftwerke sind auch durch Terroristen gefährdet. Durch die Ereig-nisse des 11.09.2001 wissen wir, dass man mit Kidnapping von Passagier-flugzeugen riesige Schäden an Gebäuden anrichten kann. Man hielt das bis dahin nicht für möglich. Atomkraftwerke müssten so sicher gebaut werden, dass Flugzeugabstürze und/oder Raketentreffer ihnen nichts an-haben könnten. Wir wissen alle, dass sämtliche jetzt auf der Welt stehen-de AKWs dafür überhaupt nicht ausgerüstet sind. Die jetzigen Atommüll-zwischenlager bei den Kraftwerken erst recht nicht.
    Mindestens diese Arten von Kosten („sicher“ tausende bis zu 1 Million Jahre lagern, müllbeseitigen, Haftpflicht und sicherer bauen) müssten in die Kalkulation voll einfließen, dadurch würde der Atomstrom unverkäuflich teuer. Allein aus Kostengründen müsste jede Initiative zum Bau und Betrieb von Atomkraftwerken von jedem Menschen abgelehnt werden.

  23. Susanne Helalat sagt:

    Danke Wolfgang Seelig, für Ihren Beitrag zum Thema Atommüll und die unmögliche Suche nach einer Endlagerung. Eine Hybris der Ingenieure. Niemand will es ja übrigens bewachen in D. Sie wollen es verschliessen und eventuell rückholbar machen. und es sind nicht 100 000 Jahre sondern 1.000.000. Es gibt in den USA übrigens eine Initiative einer Atom-Wächerschaft. Also der Ansatz, das Zeug oberirdisch zu lagern und tatsächlich zu bewachen und den kommenden Generationen weiter zu überliefern.