Eine Insektenoase in der Innenstadtwüste (20)

Was tun für Insekten? FR-Blogger Bronski baut seinen Garten um und berichtet darüber hier im FR-Blog. Kräuter, heimische Blühpflanzen, Totholz – man braucht nicht viel Platz. Heute Teil 20 der Serie: Bienen in der Stadt.

Balken 4Am 5. August brachte die FR im Tagesthema ihres Regionalteils einen Schwerpunkt unter der Überschrift

Bienen in der Stadt

Was mir daran auffällt: Meist wird die Biene von den Bedürfnissen des Menschen her gedacht. Viele Menschen wollen in der Stadt imkern – warum eigentlich nicht? Wo stellt man die Bienenstöcke auf, damit die Tiere nicht in Konflikt mit Menschen geraten? Na, auf Dächern zum Beispiel, ist doch logisch. Und wie viele Insektenhotels gibt es eigentlich in Frankfurt, einem „Hotspot der Bienen“? Das weiß niemand so genau. Eine lesenswerte Doppelseite (hier habe ich das pdf für Sie hinterlegt, einfach draufklicke), aber es bleiben Fragen. Ein paar davon kommen hier in Form von zwei Leserinbriefen.

Honigbiene in Bronskis Oregano
Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Als Ersatz gibt es lediglich Zuckerwasser

Zu: „Bienen in der Stadt“, FR-Regional vom 5. August

Bienen sind von Natur aus Wald- und Baumhöhlenbewohner. Erst seit einigen Jahrzehnten zwingen Menschen sie in völlig ungeeignete Kisten. Bienenkisten zudem noch auf die Dächer in die Städte zu stellen, ist ein Albtraum für die Bienen. Es gibt keine schützenden Bäume, die Temperaturen sind extrem.
Am Ende eines qualvollen Sommers mit unsinnig hohem Arbeitspensum für die Bienen wird ihnen auch noch der Honig genommen, wofür sie dann lediglich Zuckerwasser erhalten.
Außerdem stehen Honigbienen in starker Nektarkonkurrenz zu den Wildbienen, welche ebenso wichtig für die Bestäubung sind. Hier sei nur das Hummelsterben bereits mitten im Sommer besonders in Städten zu nennen.
Viele Hobbyimker gehen davon aus, der Natur etwas Gutes zu tun. Naturschützer, Tierfreunde und alle, die an einer intakten Umwelt interessiert sind, sollten sich dringend mit der Thematik beschäftigen. Es gibt neue Studien, Literatur und Vorträge zu diesem Thema, genannt sei z. B. „Torben Schiffer, Interview zum Weltbienentag – die Stadtimkerei“.

Barbara Kreidl-Botschatzke, Brodersdorf

An solchen „Insektenhotels“ verdienen nur Baumärkte

InsektenhotelZu: „Sag mir, wie viel Bienen summen“, FR-Regional vom 5. August

Liebe FR, ich finde es richtig gut, dass in der letzten Zeit vermehrt über die Wichtigkeit der Insekten und das Insektensterben berichtet wird. Auch bei den vielen Beiträgen, was man als Einzelner dagegen tun kann, sind oft gute Ideen dabei. Leider muss ich jetzt aber gegen die Verwendung des Bildes eines „guten“ Insektenhotels protestieren!
Drei der vier Kompartimente sind mit absolutem Müll gefüllt und überhaupt nicht dazu geeignet, Insekten einen Unterschlupf geschweigedenn Nistmöglichkeiten zu bieten. Die Unsitte, Insekten-„Hotels“ (auch ein eher unangebrachtes Wort, da die Tiere dort wohnen und ihre Jungen aufziehen; das passiert normalerweise eher im eigenen Haus als in einem Hotel) mit Füllmaterial wie Stroh oder Kiefernzapfen zu füllen (das hilft nur den Verkäufern, da es nett aussieht, billig ist und viel Platz einnimmt) oder „Schmettelings- oder Florfliegenquartiere“ anzubieten lässt sich nur mit guter journalistischer Arbeit und Fachkenntnis aus der Welt schaffen.
An dem abgebildeten „Hotel“ verdienen nur die Baumärkte, nicht die Insekten.

Christine Pfeffer, Frankfurt

fr-debatteFrau Pfeffers Beobachtung deckt sich mit meinen: Solche Insektendinger ziehen keine Insekten an. Man kann sich die Investition sparen – es sei denn, man legt Wert darauf, sich das Gefühl zu erkaufen, dass man was tut. Ein trügerisches Gefühl.

Links: Biene am Borretsch
Rechts: Totholzhaufen

Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Etwas ganz anderes ist das hier, siehe rechts: In einer ruhigen, schattigen Ecke meines Gartens, die aber nachmittags durchaus auch etwas Sonne abbekommt, habe ich einen Totholzhaufen aufgeschichtet. Das Gebilde lässt sich schwer fotografieren, daher hoffe ich auf Ihre Vorstellungskraft. Der Haufen befindet sich unter dem Feuerdorn hinter dem Lorbeer neben Efeu, wilder Clematis und Johannisbeerstrauch sowie Himbeeren. Sie wissen ja, ich pflege eine etwas chaotische Mischung in meinem Garten. Ordnungsliebende Geister mögen sich die Haare raufen, aber dieses gewisse Chaos kommt bei den Insekten gut an.

Ich muss die Tage mal nachsehen, wie sich der Haufen entwickelt hat. Ich lasse ihn nämlich normalerweise völlig in Ruhe. Er besteht aus Holzresten aus dem Garten, die mit ein paar schön bemoosten Holzstücken aus dem Wald „geimpft“ wurden, die mit sprießenden Kleinpilzen bewachsen waren. Nun hoffen wir, dass sich das Mikroklima dort hinten sich  – vor allem im Innern des Haufens – so entwickelt, dass das tote Holz vielen Insekten Zuflucht, aber auch Platz zur Eiablage und vielleicht auch zum Bau eines Stockes bietet.

Zum Schluss auch heute wieder was aufs Auge, denn: Was macht eigentlich Auguste Viktoria, unser Menhir? Majestätisch thront er inmitten eines Meeres aus Ringelblumen und wildem Rittersporn, auch Acker- bzw. Feldrittersporn genannt. Der ist aus Samen hervorgegangen, die mir FR-Leserin Christina Strube aus Frankfurt auf meine Kolumne vom 13.3. im FR-Forum zugeschickt hat – ich hatte im zweiten Teil dieser Serie davon erzählt. Man sieht, was draus geworden ist. Und was soll man sagen – die Insekten mögen den Rittersporn.

Weiter geht’s in einer Woche an dieser Stelle.

Naoned!

Ihr Bronski

Teil 19 / Teil 21

Rechte an allen Bildern: Lutz „Bronski“ Büge
Startseite des Gartenprojekts

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