Flucht und Vertreibung – das hatten wir doch schon mal?

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich greife zwei Kommentare aus der Diskussion über den Krieg Russlands gegen die Ukraine heraus, um das Geschehen in einen (noch) größeren, historischen Zusammenhang zu stellen. Wir erleben momentan den Beginn einer großen innereuropäischen Fluchtbewegung – aus der Ukraine in die Nachbarländer und auch nach Deutschland. Wir Deutschen reagieren empathisch und hilfsbereit, denn wir haben Flucht und Vertreibung erlebt. Auch mein Mann und ich haben gespendet, und wir denken arüber nach, noch mehr zu tun.

registrierungskarte-3Ich selbst, wenn auch erst später geboren, stamme aus Familien von Geflüchteten. Mütterlicherseits stammen meine Vorfahren aus Pommern (heute Polen), väterlicherseits aus Brandenburg. Beide Familienzweige sind damals vor der Roten Armee geflohen. Es gab Kriegsgefangene und Tote. Alles zusammengenommen ist das einer der Gründe dafür, dass ich im Jahr 2015, dem Jahr der bis dahin größten Fluchtbewegung nach Europa, hier im FR-Blog das Projekt „Ankunft nach Flucht“ aufgemacht habe, das fast 1,5 Jahre gelaufen ist: Zeitzeug:innen haben in Texten und mit Bildern berichtet, wie sie Ihre Flucht und – fast noch wichtiger – ihr Ankommen erlebt haben.

Bild: Gisela Kramm

Ich erinnere heute erneut an dieses Projekt, das hier im FR-Blog mit allen Texten und Erinnerungen weiterhin zugänglich ist – über die Navileiste (ANF) oder hier mit Direktlink. Viel Lesestoff, viele interessante, aufschlussreiche Geschichten und Berichte. Flucht und Vertreibung sind jedoch keine Phänomene der Weltkriegsära allein. Es passiert wieder! Und wieder trifft das Leid die Schwächsten, die Wehrlosen – Frauen und Kinder, die sich vor dem Krieg gegen die Ukraine in Sicherheit bringen, während ihre Männer und Väter in den Kampf ziehen. Es ist schmerzhaft, solche Worte benutzen zu müssen und derart archaisch von den Dingen reden zu müssen, aber genau das ist das, was diese Männer und Väter jetzt tun und was den Frauen und Kindern widerfährt. Das sind menschliche Schicksale, das ist individuelles Leid. Bis vor kurzem war es unvorstellbar, dass so etwas quasi mitten in Europa passieren könnte. Doch niemand hat die Rechnung mit Wladimir Putin gemacht.

Reden wir von und mit diesen Menschen, die jetzt leiden müssen! Wenn Sie Flucht und Vertreibung erlebt haben, vielleicht geflüchtet sind, egal ob Mann oder Frau, dann haben Sie hier den Platz, um davon zu erzählen. Wenn es sich ergibt, bringe ich Ihre Geschichte in die Zeitung. Aber jetzt bringe ich erst einmal die beiden Kommentare aus der Diskussion über den Ukraine-Krieg, die mich motiviert haben, hier erneut über Flucht und Vertreibung und auch über das ANF-Projekt zu reden. Das sind die Kommentare von Manfred Schönfeld und Stefan Briem. Reden wir darüber, was Flucht und Vertreibung mit den Menschen macht.

 

  • Manfred Schönfeld sagt:

    @Stefan Briem
    Ich bin doch kein Verteidiger und Fürsprecher Putins, sie interpretieren mich völlig falsch!
    Ich rate nur zur Deeskalation zu und nicht zu Waffenlieferungen, denn diese erhöhen nur das Zerstörungspotential.
    Und ob die Sanktionen die erhoffte Wirkung haben werden, wird man erst viel später wissen, weil erst langfristig effektiv.
    Und das ich gegen Waffen aus NVA Beständen bin , müssen sie mir als ehemaligen Berliner verzeihen. Ich habe persönlich im kalten Krieg dort gelitten, wahrscheinlich waren sie ja nie von Russen eingekesselt und als Heimatvertriebener und Waisenkind aus Ostpreussen froh überhaupt 1945 überlebt zu haben.
    Ich hoffe sehr sie verstehen mich jetzt besser.
    Ihre Kritik geht mir wirklich unter die Haut.

  • Stefan Briem sagt:

    @ Manfred Schönfeld

    Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber was meine Familie mit den Russen erlebt hat, das überlassen Sie bitte mir, ja? Da gibt es Vertriebenengeschichten, da gibt es auch Berichte, die ich, in heutige Diktion übersetzt, als Vergewaltigungen durch Soldaten der Roten Armee verstehe. Von diesen Geschichten hat sich Russland, haben sich die Russen nie emanzipiert, sie haben sich auch nie dafür entschuldigt.
    Hören Sie also auf, dieses Land zu verteidigen oder so darzustellen, als wurde es aus einer Schar von Naivlingen bestehen. Das ist nicht so.

2 Kommentare

  1. Ute Vogell sagt:

    @stefan briem:
    Ja, Krieg ist per se ein Kriegsverbrechen, denn nirgends wird die Zivilbevölkerung geschützt. Dazu gehört auch die Vergewaltigung von Frauen, die z. T. planmäßig als Kriegsstrategie betrieben wird. Übrigens haben nicht nur „die Russen“ vergewaltigt; auch Soldaten der deutschen Wehrmacht haben dies getan bzw planmäßig sexuelle Ausbeutung in den Bordellen betrieben. siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Gewalt_im_Zweiten_Weltkrieg

  2. Stefan Briem sagt:

    Und das macht es besser? Wenn es Nazis waren und nicht die tolle „Rote Armee“?
    Super, die sind ja viel besser
    Schämen Sie sich! Sind Sie überhaupt eine Frau?