Die FR im April 2011

Ich könnte mir angenehmere Gründe vorstellen, mal wieder über die FR zu diskutieren. Zum Beispiel eine Blattkritik wie im März vergangenen Jahres. Leider gibt es einen anderen Grund, Ihren Stimmen zur FR hier Platz einzuräumen: Bei der Frankfurter Rundschau gibt es einschneidende Veränderungen. Diese sind:

  • Der überregionale Teil der FR soll künftig in Berlin entstehen, im Verbund mit dem Schwesterblatt Berliner Zeitung. In einem Zeitungsbeitrag der Chefredakteure Rouven Schellenberger und Joachim Frank mit Geschäftsführer Karl-Heinz Kroke heißt es: „Der Anspruch wird sein, aus einer gemeinsamen Redaktion zwei Zeitungen mit je eigener Gestalt zu produzieren. Es geht um größtmögliche Eigenständigkeit der Titel bei gleichzeitiger Bündelung der Kräfte.“
  • Aus diesem Grund werden unter dem Strich 44 Vollzeitäquivalente im Frankfurter Verlagshaus wegfallen. Insgesamt werden 88 Arbeitsplätze abgebaut; da aber neue Stellen entstehen, liegt das Minus bei 44.
  • Der Standort Frankfurt bleibt erhalten als Sitz des digitalen Redaktionszentrums, das entstehen soll und das die Online-Ausgaben und die iPad-Versionen von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung produzieren wird.
  • Die neue gemeinsame Chefredaktion von FR und Berliner Zeitung besteht aus dem früheren FR-Chefredakteur Uwe Vorkötter, der nach der Übernahme der Berliner Zeitung durch M. DuMont Schauberg dort Chefredakteur wurde, außerdem aus Brigitte Fehrle, Chefredakteurin der DuMont-Redaktionsgemeinschaft, und Rouven Schellenberger, der in Frankfurt Chefredakteur Digital wird. Joachim Frank wird Chefkorrespondent.
  • Die Rhein-Main-Redaktion und die Stadt-Redaktion Frankfurt bleiben in bekannter Stärke erhalten, die Stadt-Redaktion wird personell verstärkt. Beide Einheiten werden unter eine gemeinsame Führung gestellt werden. Chefredakteure und Geschäftsführer schreiben: „Berichterstattung aus der Region wird in einer neuen Organisation in gewohnter Qualität fortgeführt. Die im Jahr 2010 vorgenommene Ausweitung unserer Regionalberichterstattung mit zusätzlichen Lokalausgaben hat sich bewährt. Es ist uns gelungen, neue Leser an uns zu binden. Darum wollen wir auf diesem Weg weitergehen.“

Mit diesen Maßnahmen reagieren die Herausgeber der FR – die Mediengruppe M. DuMont Schauberg, die Medienholding der SPD, ddvg, und die Karl-Gerold-Stiftung – auf drastische Verluste des Verlags bei Anzeigengeschäft und Erlösen im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise. Mit diesen Maßnahmen soll die DuV, das Verlagshaus der FR, bis 2013 aus den roten Zahlen gebracht werden, wie Franz Sommerfeld, Vorstand des Medienhauses M. DuMont Schauberg, am Freitag sagte. 2010 hatte die FR rund 19 Millionen Euro Verluste gemacht, 2009 weitere 24 Millionen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der FR sind entsetzt. „Wir wollen, dass die Frankfurter Rundschau bleibt, was sie immer war: eine unabhängige, linksliberale, sozialliberale Tageszeitung“, schreiben Sie in einer Stellungnahme in eigener Sache und verdeutlichen darin mit vielen Beispielen, wie sich die FR in der Vergangenheit positionierte. „Die Frankfurter Rundschau entsteht in täglicher Diskussion und Auseinandersetzung. … Wir haben die Aufgabe zu bewerten, einzuordnen, Zusammenhänge und Hintergründe (…) darzustellen; uns nicht zufriedenzugeben mit Informationsbrocken, die von den Tischen der Mächtigen fallen. Wir wollen und sollen deutlich sein – und deshalb unabhängig. … Wir verstehen sehr gut, dass gespart werden muss, wenn infolge der Wirtschaftskrise oder aufgrund struktureller Veränderungen Anzeigen ausbleiben. Aber wir wehren uns gegen Sparmodelle, die dieser Redaktion die Leidenschaft nehmen und unseren Lesern die Erfahrung einer – oft in mehr als einer Beziehung – aufregenden Zeitung.“

Professor Alfred Neven DuMont, Aufsichtsratsvorsitzender von M. DuMont Schauberg, schreibt in einer Erklärung, es sei bereits 2006, als MDS bei der FR einstieg, klar gewesen, dass sein Haus finanziell keinen leichten Weg beschreiten würde. „So war es doch die Bedeutung des Titels, der im Konzert der deutschen Tageszeitungen ein ganz eigenes und – wie wir meinen – unentbehrliches Profil auf dem Markt einnimmt, die uns dies wert war. … Hinzuzufügen ist, dass bald nach der Übernahme sowohl die ddvg, die immer noch 40 Prozent der Frankfurter Rundschau hält, als auch wir mehr Sorgen zu gewärtigen hatten, als prognostiziert war. … Wie andere große Zeitungshäuser sahen und sehen wir uns durch die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Wirtschaftskrise, Anm. Bronski), vor die die deutschen Tageszeitungen gestellt sind, nicht mehr in der Lage, kostspielige andere Objekte mitzutragen, die nachhaltig verlustträchtig sind. Also wie weiter?“

Alfred Neven DuMont sieht Qualitätsgewinne, aber: „Die Verluste für alle Teilhaber im Jahr 2010 waren dennoch eklatant. Allein im vergangenen Jahr 2010 muss die Gesellschaft den Verlust einer zweistelligen Millionensumme hinnehmen.“ Nach langem Abwägen seien gemeinsam mit Chefredaktion und Geschäftsführung der FR die eingangs dargestellten Konsequenzen gezogen worden. „Was uns aber wichtig ist: Für diese Zukunft wollen wir die Zeitung auf eine solidere wirtschaftliche Basis stellen und dabei nicht nur die Zeitung am Leben erhalten, sondern die Qualität wie gewohnt aufrecht erhalten. Das meinen wir ernst. Obwohl bereits heute einige andere Zeitungen den Konkurrenten Frankfurter Rundschau, ohne die neue Fassung gesehen zu haben, ins zweite Glied versetzt wissen möchten. Die Realität wird sie eines Besseren belehren.“

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Ich gestatte mir, diesen Erklärungen ein eigenes Wort hinterherzuschicken. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat der FR schwer zu schaffen gemacht, schwerer als anderen Tageszeitungen. Denn der gesamte deutsche Tageszeitungsmarkt steckt in einer schweren Strukturkrise. Man kann eine Tageszeitung so gut machen, wie es nur geht – die Menschen lesen dennoch weniger Zeitung, dafür aber mehr kostenlosen Web-Content. Diese Krise schwelt seit etwa einem Jahrzehnt, und ich bin lange genug bei der FR, um bei verschiedenen Versuchen dabei gewesen zu sein, Antworten auf diese Krise zu geben. Die Formatumstellung und Modernisierung der FR vom Mai 2007 war nur eine dieser Antworten. Davor haben andere Chefredaktionen andere Antworten gegeben. So erinnere ich mich an die Layout-Reform vom Oktober 2003 unter Chefredakteur Wolfgang Storz; damals wurde das „FRplus“ eingeführt, eine tägliche Schwerpunktbeilage mit Wochenzeitungscharakter, und damals wurde versucht, mit zusätzlichen redaktionellen Inhalten in Nordhessen Fuß zu fassen. Diese Region rund um Kassel gilt traditionell eigentlich als linkes bzw. linksliberales Stammland, doch das Angebot wurde nicht im erhofften Maß angenommen.

Als engagierter Blogger, der gewohnt ist, auf eine nicht minder engagierte LeserInnen- und KommentatorInnenschaft zu treffen, frage ich mich, warum links- bzw. linksliberal orientierte Leserinnen und Leser nicht bereit sind, linke bzw. linksliberale Inhalte zu lesen oder – da sie sie vermutlich im Netz eben doch lesen – für die Generierung dieser Inhalte auch zu zahlen. Ich erinnere mich, dass im Vorfeld der Reform von 2003 eine Marktstudie durchgeführt wurde, die ein von der FR bis dahin nicht erreichtes Potenzial von einer knappen Million Leserinnen und Leser behauptete. Sind das alles Menschen, die lediglich im Netz lesen? Nun, sie kaufen jedenfalls nicht die FR. Und auch immer weniger die Süddeutsche, mit der die FR ja gern in Konkurrenz gesehen wird, auch wenn das abgebildete Meinungsspektrum nicht identisch ist.

Dies ist Ausdruck der Strukturkrise, in der die Tageszeitungslandschaft sich befindet: Die Menschen haben sich daran gewöhnt, im Netz kostenlos jene Inhalte zu lesen, die sie am folgenden Tag kostenpflichtig in einer Tageszeitung finden würden. Vielleicht haben die Verlagshäuser – nicht nur die FR – hier Fehler gemacht. Doch jeder Leserin, jedem Leser muss klar sein, dass es qualitativ hochwertige Inhalte – also z.B. eigene Recherchen – nicht zum Nulltarif gibt, auch wenn solche Inhalte im Rahmen eines Konkurrenzkampfs der Verlagshäuser, in dem es um Reichweite geht, derzeit online noch kostenlos angeboten werden.

Die Entscheidung der FR-Gesellschafter, den Online-Bereich zu stärken, ist daher der richtige Schritt. Mit der iPad-App hat die FR-Redaktion bereits vorgemacht, was sie kann, und hier ist sie den anderen weit voraus. FR-online.de konnte ordentlich an Reichweite zulegen und legte zuletzt auch wirtschaftlich gute Ergebnisse vor. Es scheint sich zu bewahrheiten, was Medienmacher seit Jahren behaupten: Die Zukunft ist digital.

Doch was bedeutet diese Entwicklung für die traditionellen Print-Tageszeitungen? Die Auflagenzahlen sinken, wohin man auch schaut. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann hier bei IVW nachschauen. Die FR hat versucht, Antworten auf diese Frage zu geben. Der Negativtrend konnte jedoch nicht aufgehalten werden. Es gibt kein Patentrezept für die Zukunft.

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Achtung: Diese Diskussion wird moderiert. Neben den bekannten Blog-Regeln bitte ich alle Userinnen und User, die sich beteiligen möchten, unter ihrem Klarnamen zu posten, bestehend aus Vor- und Zuname. Ausgenommen sind nur Blog-Userinnen und -User, die mir bekannt sind. Bitte beachten Sie dabei, dass ich gegebenenfalls auch im Mailkontakt nach Ihren Identitäten fragen werde. Diese für das FR-Blog untypische Maßnahme soll dazu dienen, die online-typischen Tiraden aus dieser für uns sehr ernsten Diskussion fernzuhalten. Sie ist nicht mit Zensur gleichzusetzen. Kritische Wortmeldungen werden selbstverständlich freigeschaltet, sofern ihre Urheber bereit sind, mit ihrem Namen für die Inhalte einzustehen. Anonyme Postings werden daher in der Regel nicht zugelassen. Danke für Ihr Verständnis.

Ihr Bronski

210 Kommentare

  1. Ich wollte etwas loswerden zur heutigen Erklärung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der FR. Sie schreiben:

    “Gewaltfreiheit, sozial-liberales Engagement, Eintreten für die Rechte von Minderheiten, Unabhängigkeit. Wir Redakteure und Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau treten für diese Grundsätze ein und gedenken, den uns – als Teil der deutschen Presse – aufgegebenen Verfassungsauftrag im Sinne einer geistigen Konkurrenz zu erfüllen, wie das erwähnte Urteil es definiert. ”

    Das wünsche ich mir auch für die Zukunft. Denn wie sollte es weitergehen, wenn ihr nicht hartnäckig und beharrlich die dicken Filzschichten wenigstens anbohrt?
    Ich wünsche euch und mir von Herzen, dass die Zukunft ein bisschen heller wird, als sie im Moment aussieht.

  2. Andi-Julian Leta sagt:

    Tausche Online-Leserschaft gegen Print-Abo, wenn keine FR-Mitarbeiter entlassen werden. Verbindlich.

  3. Marie sagt:

    Ersteinmal: Ich finde es jedesmal entsetzlich, wenn in zwei Zeitungen von nun an das selbe stehen wird; zumindest im überregionalen Teil. Damit schrumpft die Medienlandschaft und die Vielfalt.

    Andererseits bin ich ganz Kind meiner Generation. Ich lese gedruckte Zeitungen höchstens noch im Cafe. Folgende Entwicklung ist da zu verzeichnen: mit 13 oder 14 habe ich entdeckt, dass die Siegener Zeitung ein Käseblatt ist, als ich das erste Mal die taz in der Hand hatte. Mit der Zeit habe ich alles durchprobiert, die ZEIT sogar abonniert (und als mir aufging, dass sie immer mehr Joffe-ähnlich wurde das ganze wieder sein gelassen). Es gab auch eine FR-Zeit; aber ganz ehrlich: mir war das zu viel Boulevard. Muss schon nach der Formatumstellung gewesen sein. Irgendwann habe ich ganz aufgehört, nach einer Zeitung zu suchen, die mir das bietet was ich will, weil es einfach sinnlos war.

    Das heißt nicht, dass ich nicht gern den ein oder anderen Artikel in der FR lese oder hier kommentieren würde. Und natürlich weiß ich, dass das Geld kostet. Bei der FR mache ich das nicht, weil ich bisher höchstens Mal durch einen Link dort hingekommen bin; aber beim Freitag, dessen online-Angebot ich eine Zeit sehr intensiv genutzt habe, halte ich es z.B. so, dass ich hab und an ein Exemplar kaufe, auch wenn ich es nicht lese. Außerdem nütze ich Flattr.

    Genau hier komme ich zu meinem Punkt. Niemand hat die Verlage gezwungen, ihre Inhalte kostenlos ins Netz zu setzen, also sollen sie sich nicht beschweren. Keine Sorge, damit bin ich noch nicht fertig, aber das muss man erstmal so sehen.
    Zweitens war es aber mE richtig, dass sie es tun, denn der Trend geht nunmal momentan in die Richtung. Drittens haben sie sich aber nicht genug Gedanken gemacht, wie sie innovativ mehr Geld herein bekommen: dafür hätte man ein verrücktes Rudel Leute engagieren müssen, die ein kluges Konzept austüfteln. Wieso sind die Verlage nicht schon selbst viel früher auf die Idee gekommen, sowas wie flattr oder kachingle zu entwickeln? Die Leute, die das Internet nützen, sind doch nicht doof oder geizig, sondern vermutlich einfach nur ein bisschen faul – ich zähle doch nicht, wie oft ich im Monat einen FR-Artikel lese und kaufe entsprechend viele Zeitungen. Aber wenn ich auf der Seite bin, mir gefällt der Artikel und darunter ist ein micropay-button, dann mache ich einmal „Klick“ und die Sache hat sich. Dann kann es sein, dass ich für einen Artikel 50 Cent bezahle, also im Verhältnis viel mehr als ich für das Ding bezahlt hätte, wenn ich die ganze Zeitung genommen hätte.

    Diese Sache hat natürlich einen Haken. Wenn, wie das viele Zeitungen machen, einfach nur die dpa-Formulierungen übernommen werden, dann gebe ich nichts. Ich habe einen 200 Quellen starken Feedreader, es geht ziemlich auf den Geist alles 10 Mal zu lesen, im selben Wortlaut. Die Nachrichtenlandschaft hat sich verändert, abschreiben ist nicht mehr, verlinken tut keinem weh. Im Gegenteil: Internetnutzer schätzen es, wenn sie ein breites Programm geboten bekommen und dafür auch zur Konkurrenz verwiesen werden. Dann kommen sie nämlich wieder, weil sie merken, dass sie wirklich informiert werden.

    Das alleinige Einbetten eines solchen Buttons, wie oben beschrieben, nützt aber auch nichts. Die Leser wollen wissen, wie ihr Anteil ist, sehen, wie viel reingekommen ist für einen Artikel, das muss öffentlich gemacht werden. Um wieder den Freitag zu bemühen: der hat das absolut verpasst und die taz glaube ich auch.

    Diese Buttons haben noch einen Vorteil: die Redaktion merkt, welche Sachen gefallen – so gefallen, dass man dafür Geld gibt. Eine bessere Leserumfrage gibt es nicht. Zu guter letzt wäre meine Strategie: offen auf der Seite damit werben: „Guter Journalismus muss finanziert sein.“ – so wie bei Wikipedia, eine Weile. Die Leute haben verstanden: wenn wir nichts geben, ist das Angebot weg. und dann konnte man schön an einem Balken das Spendenaufkommen wachsen sehen. Es ist von der Seite derer, die Geld geben, ein Lustgewinn dabei, man sieht, was man beigetragen hat, kurz: man identifiziert sich mit dem Produkt, bleibt ihm treu und sorgt sich um sein Wohlergehen.

    Ich denke aber, das größte Problem liegt nicht nur in der Schwerfälligkeit und der Unfähigkeit, eigene Innovationen hervorzubringen (und bitte, damit meine ich inhaltliche Innovation, kein neues Layout). Das eigentliche Problem ist das journalistische Selbstbild. Mir hat mal ein Redakteur gesagt: „So kannst du das nicht schreiben, das ist zu schwer für die Leser, zu dicht, etc.“ Wenn man aber von oben herab oder als etwas zurückgeblieben behandelt wird, dann kauft man auch keine Zeitungen. Das selbe gilt, wenn man erfährt, dass die Artikel in Zeitungen so geschrieben werden, dass sie entweder auch als Anzeige durchgehen könnten oder zumindest auf die Anzeigen auf der Seite daneben zugeschnitten sind. Wenn ich Werbung will, dann gehe ich zum Reisebüro und hole sie mir selbst.

    So, das Wort zum Sonntag – hoffentlich halbwegs lesbar, als Brainstorming um 2 Uhr nachts.

  4. Thomas Stillbauer sagt:

    Merci fürs Brainstorming und den nächtlichen Zuspruch. Ich bin seit 20 Jahren FR-Redakteur, mich quält die Sorge um meine Zeitung; viel mehr als die um meinen Job. Dass die Strukturkrise der Presse zu schaffen macht, habe ich kapiert. Was ich unbedingt noch verstehen muss, ist: Wieso verlieren wir seit Jahren aufgeklärte Leserinnen und Leser, obwohl sie wissen, dass die FR auf sie angewiesen ist? Berichten wir das Falsche? Gilt Maries Kritik, dass Leser von oben herab behandelt werden, für die FR?

  5. Hotte H. sagt:

    Liebe Frankfurter Rundschau,

    es ist sehr traurig was im Moment in eurem Haus passiert, aber zum teilen auch eure Schuld. Viele Mitarbeiter produzieren täglich eine super Zeitung, und Ihr stellt es den Leuten im Internet für lau zur verfügung. Wie soll den jemand animiert werden eine Zeitung oder ein Ipad Abo zu kaufen? Vielleicht hätte man sich darüber Gedanken machen sollen, jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und viele Leute werden arbeitslos.

  6. Jens Rabe sagt:

    Ich empfinde die Krise auch als eine Chance. Vielleicht ist es ja möglich die FR vom Umfang her kleiner, aber eben auch noch bissiger und wieder noch linker zu gestalten. Alle Menschen die ich ( aus dem Ruhrgebiet )kenne lesen die FR, weil sie eben anders und alternativer ist als der übrige Mainstream. Deshalb kann man bedenkenlos auch den Sportteil ( ich höre schon den Aufschrei, und trotzdem ist es wahr!) rigoros zusammenstreichen und der Wirtschaftsteil könnte noch kantiger werden. Es gäbe noch immer tolle Konzepte, die meiner Meinung nach vielversprechend wären, nur kann man sie hier nicht alle so detailliert ausformulieren. Täglich könnten 20 Seiten gut ausreichen, wenn die Artikel nur richtige Knaller wären. Dazu müsste man sich politisch wieder viel stärker und radikaler festlegen. Es würde sich ohnehin nur der Mainstream abwenden – soll er doch ruhig! Auch 50000 Abonnenten reichen doch, dann braucht man auch keine Lufthansa- und Aldiwerbung mehr! Ich bin sehr wohl dazu bereit einen wesentlich höheren Preis für die FR zu zahlen. Dann aber auch für Inhalte, die ich nicht woanders schon aufgedrängt bekomme. Ach, es gäbe so viele Chancen für gute Veränderungen. Jedenfals bin ich davon überzeugt, dass eine solche Krise ( nun ist sie endlich auch da!)zu Qualitätssteigerungen führen kann. Es ist überhaupt kein Problem, wenn die Nachrichten aus einer großen Redaktion kommen werden. Nur die Themenauswahl und der Umgang damit ist entscheidend. Vor allen Dingen die Kommentare!!!! Hier kann Unverwechselbarkeit entstehen. Wo sind bloß die anspruchsvollen Dokumentationen längst vergangener Zeiten geblieben? Wo der täglich abgedruckte anspruchsvolle Roman? Im linken Spektrum hat man sich früher im Studium in Marburg wirklich DAMIT identifiziert. All das wurde schon weggespart! Ich habe es damals schon kritisiert und nun kommt es genau so, wie es prognostiziert wurde. Man wollte zu den großen Qualitätszeitungen aufschließen und schielte immer danach. Nur bieten die eben auch keine wirkliche Qualität, sie reden sie sich nur ein. Welche Zeitung soll ich also bald noch lesen? Die Taz? Auch sehr platt geworden! Die ElfenbeinturmZeit ? Geht auch nicht, dort glotzt mich auch fast nur Josef Joffe und Luxuswerbung an! Bei mir herrscht große Trauer. Es bleibt eigentlich nur noch der Freitag, doch der kippt auch so langsam, vielleicht ist er seit Jakob Augsteins Einstieg schon längst verloren gegangen. Ich vermisse die FR schon jetzt, auch wenn sie mit der Zeitung aus den 90er Jahren schon längst nichts mehr zu tun hat. Am liebsten würde ich nach Frankfurt/ Berlin kommen und mal so richtig mitmischen…..leider fehlt mir nicht der Rat, sondern die Million….

  7. Andreas Miksch sagt:

    Wenn das kostenlose Web-Angebot dazu führt, dass die Printausgabe immer weniger gekauft wird, muss beim Onlineangebot ab einem gewissen Umfang ein Preis verlangt werden.
    Bevor ich mich als Nutzer entscheide einen bestimmten Artikel zu kaufen, müsste ich allerdings auch etwas über den Inhalt erfahren – so wie ich ja sonst auch eine Ware vor einem Kauf anschaue.
    Damit meine ich weniger Kurznachrichten und dergleichen sondern umfangreichere journalistische Arbeiten, längere Artikel.
    Jede(r)Arbeiter(in) ist seines Lohnes Wert .

  8. Orgi sagt:

    Ich stimme Marie von ganzem Herzen zu.
    Und: Mir wäre die FR auch einiges an Geld wert. Für Wikipedia, meine Partei, die Gewerkschaft usw. habe ich ja auch Geld übrig. Ein micropay-button wäre für mich ideal, weil ich alleine wegen der Altpapierberge kein Print-Abo mehr möchte. Von der Verfügbarkeit mal abgesehen: Die FR bekäme ich hier immer erst am nachmittag, dann bleibt sie ungelesen.

  9. Th. Freiberg sagt:

    Ich habe der FR 40 Jahre lang die Treue gehalten, habe sie nicht nur persönlich abonniert, sondern auch in meinem Unternehmen dafür gesorgt, dass einige Firmenabos auch über Grundbedarf gezeichnet wurde und sie – wo immer ich auf Reise war – gekauft.
    Mir war dabei schon wichtig, dass es wirklich die Frankfurter Rundschau, nämlich das unverwechselbar Blatt aus Frankfurt ist.
    Nun wird die FR zum Anhängsel eines Berliner Blattes, das künftig das Flaggschiff des Dumont-Medienkonzerns sein wird. Da helfen auch die verbalen Beschönigungen von Herrn Dumont nichts. Das war, so scheint es, von langer Hand vorbereitet. Schon mit dem Chefredakteur Vorkötter hatte man zeitweise jemanden an Bord, der seine eigentliche Heimat stets in Berlin gesehen hat und mit der FR wenig am Hut hatte.
    Schon in der letzten Zeit fehlte der FR ein wenig die eigene Linie, in vielen Ressorts merkte man, dass hier keine eigenen Redakteure mehr am Werke waren, sondern Artikel aus irgendwelchen Vielzweck-Pools eingerückt wurden.
    Die vielen Blattreformen der letzten Jahre haben die FR systematisch ruiniert. Es ist ja auch kommerziell nichts dadurch besser geworden, sondern der Niedergang wurde durch den Aktionismus dramatisch beschleunigt. Ein Skanadal, dass dazu ausgerechnet eine SPD-Medienholding die Hand gereicht hat.
    Ich werde ein Berliner Blatt nicht mehr unterstützen und – sollte es bei den Plänen bleiben – alle Abos kündigen und auch Anzeigenaufträge wo immer es geht unterlassen.
    Wirtschaftlich wird sich durch diesen Schritt für die FR nichts bessern. Wenn es so weitergeht, wird es sie in ein paar Jahren nur noch als lokales Anzeigenblättchen geben.
    Man kann nur raten, diesen Weg noch einmal zu überdenken. Leider scheint Herr Dumont ganz andere Ziele zu verfolgen.

  10. Dagmar Lücke sagt:

    Obwohl ich keine regelmäßige Leserin der FR bin, bedaure ich das Zusammenschrumpfen einer Zeitung, die in Teilen noch wirklichen Qualitätsjournalismus bietet.
    Besonders bemerkenswert finde ich die Hartnäckigkeit, mit der die FR dem Steuerfahnderskandal nachgeht.
    Dieser Skandal ist von besonderer Qualität und – hier setzt meine Kritik an – müsste in seiner systemischen Bedeutung auch auf der politischen Metaebene, wie so vieles andere auch, viel deutlicher bewertet werden.

    Die (wirklich) kritischen Leserinnen und Leser suchen vergeblich nach „Ihrem“ Medium.
    Das erklärt den zunehmenden Erfolg der „Nachdenkseiten“, die mit ihren „Tagesthemen“ relativ zuverlässig kritische Positionen und ausgezeichnete Hintergrundrecherchen zusammenbringen.
    Für letztere steht die Junge Welt oft wie keine andere Zeitung, dabei sind leider dogmatische Ansätze oft nur mit Kopfschütteln zu bewerten.

    Meine Anregung:

    Warum folgen kritische Journalisten nicht dem Beispiel der TAZ (zu weichgespült) und der JW (zu dogmatisch) und finden sich in einer Genossenschaft zusammen, um DIE Zeitung zu produzieren, auf die wir warten???

    Diese Frage beschäftigt mich schon seit vielen Jahren.

    Der „Freitag“ ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber Augsteins selbstgefällige und oberflächliche SPON-Kolumne zeigt mit großer Deutlichkeit, dass daraus nichts werden kann.

    Also, tut Euch zusammen und produziert DIE Zeitung, auf die so viele warten!
    Eine wirklich gute, kritische Zeitung wird die Leserbindung d.h. das Grundvertrauen erreichen, die für
    ein Abo erforderlich ist.
    Das Durchforsten vieler Publikationen nach lesenswerten Artikeln schafft keine Leserbindung.

    Mein Abo jedenfalls wartet noch auf seine Zeitung.

  11. Reinhold Hinzmann sagt:

    Das sind echte Horrornachrichten.
    Seit 1973 lese ich regelmässig die (meine) Rundschau.
    In dieser langen Zeit konnte ich gut verfolgen, wie die FR sich verändert hat.
    Früher war der politische Nachrichtenteil wesentlich umfangreicher.
    Und doch: Gut recherchierte Hintergrundberichte, sei es über Fukushima, seien es die Machenschaften gegen engagierte Steuerfahnder, die jüngsten Kapriolen des Herrn Ministerpräsidenten und und und….
    Das sind die Themen, warum ich die Rundschau lese, mehr davon würde ich mir wünschen. Und auch ich bin bereit, für mein Abo mehr zu zahlen. Eine höhere Abo-Gebühr gegen den Verlust der FR – das ist keine Alternative. Was wäre denn, wenn es unsere Zeitung nicht mehr gäbe? Nur noch kommentarlos abgedruckte Verlautbarungen der Pressestellen von Regierung, Industrie, Banken?
    Das darf nicht sein.
    Also, verbessert die wirtschaftliche Lage, indem Ihr auch für das Online-Angebot für Nichtabonnenten einen Beitrag verlangt. Macht mit dem Online-Angebot neugierig auf die gedruckte Ausgabe.
    Nicht die ausführliche Interview-Fassung soll ins Netz gestellt werden, sondern umgekehrt die Kurzfassung. Wer mehr lesen will, soll sich unsere FR kaufen. So teuer ist sie schliesslich nicht.
    Analysiert vielleicht auch mal, wie die Auflage sich verändert, wenn Ihr gute, engagierte Artikel veröffentlicht.
    Und zum Schluss nochmals: Die Rundschau ist zu wichtig, als dass sie nicht mehr existieren wird.

  12. Jonasa Heinen sagt:

    Ich habe mein FR Abo nach der Umstellung auf Tabloid gekündigt. Die Berichte wurden immer kürzer und wahrscheinlich dem ersten Stellenabbau geschuldet, die Recherchen ebenso. Wenn ich an meine Schulzeit zurück denke, gab es immer wieder Klausuren, in denen Fr Zeitungsartikel genutzt wurden. Die heutige Artikel sind dafür zu gewöhnlich. Sie beinhalten keine zusätzlichen, zu anderen Medien (Fernsehen, andere Zeitungen), sie speziell lesenswert machende Informationen.
    An einer Zeitung schätze ich, dass ich durch sie genauer und umfangreicher informiert werde als in anderen Medien. Wenn ich das neuste wissen möchte, schaue ich die Tagesschau oder lese im Internet nach. Wenn ich alle Hintergründe zu den Ereignissen wissen möchte, dann lese ich die Zeitung. Wichtig ist auch, dass mal der Mut gefasst wird Artikel etwas später zu bringen, damit den Schreibern mehr Zeit bleibt, alle Hintergründe selbst zu vertehen.
    Ich hab nichts gegen kostenlose Artikel im Netz. Jedoch könnte man sich überlegen: Ins Internet kostenlose kurze Informationen, zu den aktuellsten Themen zu stellen und in die Zeitung, Artikel die hochwertiger und umfangreicher sind.
    Ich fände es schade, wenn die Frankfurter Rundschau eingestellt wird. Es würde einfach ein alternatives Blatt fehlen, dass ein Gegengewicht zu den vielen Konservativenblättern stellt. Ich sehe den Stellenabbau als Teufelsspirale. Man spart, weil nicht genug Leser die Zeitung lesen, gleichzeitig lesen immer weniger die Zeitung, da durch den Stellenabbau die Artikel schlechter werden.

    Ich wünsche euch alles Gute und vieleicht eröffnet sich eine Perspektive, an die noch niemand gedacht hat.

  13. Jens Rabe sagt:

    Danke Frau Lücke, Sie haben mir aus der Seele gesprochen. Auch ich warte seit vielen Jahren auf DIE Zeitung, denn richtigerweise ist die Junge Welt mit ihrem DDR- und Venezuela-Muff auch unlesbar!

  14. Neuwirth F.X. sagt:

    In der Außenpolitik unterscheiden sich Parteien wie Zeitungen nur in Nuancen.Ok.
    Eine Zeitung mit Bedeutung aus Franktfurt ohne Wirtschaftsteil unmöglich.
    Nur FAZ für Hessen ist zu wenig und nicht ausgewogen.
    Die geistige Vielfalt in Hessen und weit darüber hinus geht verloren.
    Frankfurt verliert mehr als es mit der Documenta gewinnt.
    „Die letzte Seite“ -SZ Dr Hepp, Rheinischer Merkur Engehardt, FR Miska zuletzt Dr Ziegler wurden vor Jaren eingestellt.
    Die Herausgeber sind so schlicht, dass sie annehmen ihre Leser möchten nichts zum Schmunzeln haben.
    Dies war einer der ersten falschen Schritte zum Sparen.

  15. Frank Plöchl-Botzum sagt:

    Hallo liebe FR-Redaktion!

    Ich war mehr als zehn Jahre regelmäßiger Voll-Abonnent der FR-Printausgabe. Vor kurzem habe ich dieses Abonnement auf ein iPad Abonnement umgestellt. Warum? Weil mir die Aufmachung der iPad-app sehr gut gefällt und für meinen Lese- und Informationsbedarf absolut ausreichend ist. Seit Jahren hat sich mein Konsum von Nachrichten und Informationen weg von den klassischen Printmedien hin zu den Onlinemedien verlagert. Viele Artikel kann man online kostenfrei lesen. Davon mal abgesehen erhalte ich hierdurch einen wunderbaren Mix aus verschiedensten Quellen (Spiegel, Stern, Zeit, …) ohne auch nur einen Cent hierfür ausgeben zu müssen. Bitte nicht falsch verstehen. Ich bin durchaus bereit Geld für hochwertigen, investigativen Journalismus auszugeben. Jedoch nur für Inhalte, welche mich auch wirklich interessieren und mir einen Mehrwert bringen. Des Weiteren vermeidet man durch das Onlinelesen die Anhäufung von unnötigen Papierbergen.

    Ich bin der Frankfurter Rundschau ganz besonders verbunden. Nicht alleine aus dem Grund, dass ich sie bereits seit vielen Jahren lese, sondern auch aus dem Grund, dass zwei mir nahestehende Personen viele Jahre bei der FR arbeiteten, und ich aus erster Quelle (leider) viele Informationen über das langsame „Dahinsiechen“ erhalten musste.

    Ich hoffe doch sehr, dass die FR sich wieder fängt und ich weiterhin (online) von hochwertigem Journalismus profitieren werden kann. Den Mitarbeitern, welche leider ihren Job wohl verlieren werden, wünsche ich viel Tat- und Willenskraft, dass es auch für sie woanders weitergeht, und sie Ihren Lebensstandard halten können.

    Kopf hoch und viele Grüße.

  16. Frank Plöchl-Botzum sagt:

    Eins möchte ich noch hinzufügen. Gerne bin ich bereit für die iPad-Ausgabe den gleichen Preis zu zahlen, wenn der Zumindest der Regionalteil hierfür noch ein wenig erweitert werden würde.

    Man kann es drehen und wenden wie man will. Die Zukunft der Tageszeitung ist online und die Zukunft hat bereits begonnen. Die FR hat mit ihrer iPad-Ausgabe hierfür die Steilvorlage gegeben …

  17. FRettchen sagt:

    Wie Jonasa Heinen habe auch ich nach der Umstellung auf das Tabloid-Format mein FR-Abo gekündigt. Das war allerdings nur der letzte Tropfen gewesen, der ein Faß zum Überlaufen brachte, das schon sehr lange immer voller wurde. Früher (und ich habe die FR 30 Jahre lang gelesen, sogar schon als Schulkind) konnte man Stunden über der FR sitzen, zum Schluß hat mich kaum ein Artikel mehr lange gefesselt.

    Ich bin zu einer anderen Tageszeitung gewechselt, die vielleicht nicht so links ist wie die FR (einmal war), aber die zumindest fesselnde Artikel zu schreiben vermag, bei denen ich das Gefühl habe, da steht einer hinter dem, was er schreibt (auch wenn es vielleicht nicht meiner Meinung entspricht).

    Und, liebe FR, es kann nicht nur das Online-Angebot sein, denn andere Tageszeitungen in Deutschland haben enormen Zuwachs bekommen, Zuwachs, von dem anzunehmen ist, daß er aus ehemaligen FR-Lesern besteht. Ich kenne einige Leute in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis, die die FR nicht mehr lesen, weil sie schlicht und einfach schlechter, sehr schlecht geworden ist. Oder die sie nur lesen, weil sie den Lokalteil benötigen. DAS sollte der FR zu denken geben, viel mehr als irgendwelche Internet-Leserei.

    Als ich damals mein FR-Abo kündigte, bekam ich einen Fragebogen zugeschickt, der eigentlich ALLES gesagt hat: im Multiple-choice-Verfahren sollte ich ankreuzen, was ich an den einzelnen Teilen der FR wie gefunden hatte: gut, weniger gut, schlecht, sehr schlecht (oder so ähnlich). Ich hätte schreien können, denn GENAU DAS war der Fehler. Es ging nicht darum, wie die FR aufgestellt war, sondern darum, daß sie INHALTLICH immer mehr nachgelassen hat, und das hätte man höchstens in eigenen Worten schreiben, nie aber durch so einen Fragebogen rüberbringen können.

    (Ich wollte das damals aufschreiben und der FR schicken, aber ich habe es nicht geschafft. Weil es eben nicht in 5 Minuten zu machen gewesen wäre, sondern Stunden gedauert hätte. Ich hab’s ein paar Monate lang liegen lassen und den Fragebogen dann weggeworfen.)

    Es tut mir wirklich leid um die Eigenständigkeit der „Rundschau“ (wie sie bei uns zuhause immer nur hieß), aber ich bin nicht die Wohlfahrt, und ich lese eine Zeitung nicht nur aus dem Grund, damit sie nicht pleite macht. Ich kaufe auch nie die Obdachlosenblätter, weil ich weiß, daß ich sie nicht lese. Warum sollte ich sie dann kaufen? Dann kann ich gleich Geld spenden.

    Leider habe ich die Befürchtung, daß der Zug zur Rettung der FR schon lange abgefahren ist, eben weil es ein schleichender Prozeß war. Sorry, FR !

  18. Michael Erhardt sagt:

    Liebe Redaktion,

    Ihr seid viel zu brav! Allein die Sorge um journalistische Qualität und die historische Rolle und Positionierung der FR in der bundesdeutschen Medienlandschaft wird nicht dazu führen, dass die angekündigte Restrukturierung auch nur um ein Jota korrigiert wird, fürchte ich. Wenn die Pläne des Verlags umgesetzt werden, werden sich viele StammabonnentInnen fragen, ob sie im Hauptteil Berliner Hauptstadtnews lesen wollen. Das Risiko dann weiter rasant Abos zu verlieren und damit noch weniger Anzeigengeschäft zu machen liegt auf der Hand. Ich lese Euch seit 22 Jahren fast jeden Tag und begleite die FR grundsätzlich mit Sympatie. Erfreulicherweise ist die Qualität nach erheblichen Verlusten in neuerer Zeit wieder gestiegen und es wäre schon sehr schade um die FR finden ja (fast) alle. Also: Es gilt den Kampf!

    Wenn eine Belegschaft über Jahre so gebeutelt wurde wie Ihr ist es verständlicherweise schwierig den Rücken durchzudrücken aber ohne das wirds nicht gehen. Und alleine wird auch nichts gehen! Die Solidarität in Eurem Hause herzustellen ist zwingend. Warum in Eurem eigenen Kommentar nichts vom Betriebsrat und der Gewerkschaft steht verstehe ich nicht. Nur mit Geschlossenheit in der eigenen Belegschaft werdet Ihr die Pläne des Verlags beeinflussen können. Die Gewerkschaft ist über alle vielleicht bestehenden individuellen Unterschiede und Differenzen hinweg die geborene Plattform eine solche Geschlossenheit herzustellen und gemeinsames Agieren zu organisieren.

    Solidarität lässt sich weit über das Rhein Main Gebiet hinaus auch in der Zivilgesellschaft herstellen. Bei aller Kritik, bei allem – „was hab ich mal wieder über dies oder jenes geärgert“ – die FR wird geschätzt und sehr viele gesellschaftliche Gruppen und Institutionen fänden es sehr schade wenn sie Anhängsel der BZ würde. Auch dafür bräuchte es eine wirksame Plattform.

    Wenn Ihr jetzt noch zusammen mit Euren Kolleginnen und Kollegen, die ja bestimmt ExpertInnen für eigene Geschäft sind, eine Idee für die wirtschaftliche Zukunft entwickeln würdet bekäme der notwendige Widerstand gegen die Pläne des Verlags eine ganz andere Durchschlagskraft. Vielleicht kann der/die Eine oder Andere außerhalb der FR dazu auch einen kleinen Beitrag leisten, wie an einigen Blogbeiträgen ja schon zu sehen ist.

    Also: Glück auf! wie wir bei der Gewerkschaft gerne sagen

    Euer
    Michael Erhardt

  19. Marie sagt:

    Ich halte es für keine Alternative, eine Paywall aufzubauen oder nur die Kurzfassung ins Netz zu stellen – jedenfalls nicht, wenn ich die Medienjunkies aus meiner Generation betrachte. Wenn nicht der ganze Artikel verfügbar ist, dann liest man eben nicht mehr. Die New York Times hat eine Paywall, die innerhalb kürzester Zeit von irgendwem aus dem Netz ausgehebelt war. Nicht Zwang ist mE das Stichwort, sondern Leserbindung.

    Was Jens Rabe in #6 sagt, finde ich sehr richtig:
    „Ich empfinde die Krise auch als eine Chance. Vielleicht ist es ja möglich die FR vom Umfang her kleiner, aber eben auch noch bissiger und wieder noch linker zu gestalten.“

    Da die Zeitung ja auch zu einer etwas größeren Verlagsgruppe gehört, könnte man doch mal ein bisschen Geld in die Hand nehmen und die FR, statt sie bis zum Untergang immer weiter auszutrocknen, als „radikales“ Projekt zu verstehen – hier wird für eine neue Medienlandschaft experimentiert und eine Idee wird mal was länger durchgezogen, statt wie Augstein beim Freitag, nach einem Bruchteil der Strecke die Lust daran zu verlieren. Auf lange Sicht kann es für keine Zeitung so weiter gehen. Deswegen wäre DuMont gut beraten, wenn er irgendwo mal anfängt etwas Neues zu probieren. Was hier gerade mit der FR passiert, ist doch ein Teufelskreis: Stellen streichen, die Zeitung verwechselbarer machen, etc bringt nicht mehr sondern weniger Leser, bis die Zeitung ganz unten ist. Das war jetzt mehr strategisch gedacht.

    Inhaltlich stimme ich Dagmar Lücke zu: „Warum folgen kritische Journalisten nicht dem Beispiel der TAZ (zu weichgespült) und der JW (zu dogmatisch) und finden sich in einer Genossenschaft zusammen, um DIE Zeitung zu produzieren, auf die wir warten???“ Das ist das, was ich gestern Nacht nicht mehr sehr präzise formuliert habe.

    Zudem muss ich meinen eigenen Kommentar noch ein bisschen relativieren, das geht besonders an Thomas Stillbauer. Meine Verärgerung über arrogante Journalisten hat etwas Übergewicht bekommen und ich kann das in Sachen FR keinesfalls beurteilen, weil ich hier zu wenige Artikel lese. Was mich wohl ärgert, ist meine persönliche Erfahrung mit einigen Redakteuren, von der ich nicht sagen kann ob sie auch nur annähernd repräsentativ ist. Was ich wohl vor allem meinte: mir fehlt oft die Tiefe, es gibt zu wenige Artikel, die mich wirklich begeistern.

    Was ich wohl auch gerne mehr hätte: solche Diskussionsforen. Ich fände es klasse, wenn die Autoren mit ihren Lesern diskutieren; wenn dann im Idealfall aus solch einer Diskussion wieder ein neuer Artikel erwächst, etc. Dafür müsste man dann aber mehr Stellen schaffen, weil es wirklich Arbeit macht, sich mit seiner Leserschaft auseinanderzusetzen. Und es ist auch die Frage, ob das jeder Journalist will bzw. ob er es in Zukunft wollen muss.

  20. Bronski sagt:

    Ein kurzer Zwischengedanke zum Kommentar von FRettchen, # 17

    „Und, liebe FR, es kann nicht nur das Online-Angebot sein, denn andere Tageszeitungen in Deutschland haben enormen Zuwachs bekommen, Zuwachs, von dem anzunehmen ist, daß er aus ehemaligen FR-Lesern besteht.“

    Dazu mal ein paar Zahlen, entnommen von IVW

    Süddeutsche Zeitung (Mo-Sa):
    4. Quartal 08 Verbreitung: 461.409, Druckauflage: 559.287
    4. Quartal 09: 447.895 / 551.418
    4. Quartal 10. 437.073 / 544.173

    FAZ (Mo-Sa):
    4/08: 395.175 / 477.407
    4/09: 399.546 / 477.756
    4/10: 383.676 / 464.271

    Die Welt (mit Welt kompakt, Mo-Sa)
    4/08: 693.823 / 892.351
    4/09: 701.401 / 914.504
    4/10: 673.423 / 862.493

    taz:
    4/08: 58.239 / 80.262
    4/09: 59.533 / 84.258
    4/10: 57.533 / 81.132

    Diese Daten, die meines Erachtens klare Hinweise für eine strukturelle Krise des gesamten Tageszeitungsmarkts liefern, kann sich jeder hier heraussuchen. Abgesehen von der taz haben alle großen Tageszeitungen Federn gelassen. Der Zuwachs bei der taz könnte mit dem Wiedererstarken grüner Themen zusammenhängen.

  21. Lisa Alt sagt:

    Die Stellungnahme der Redaktion charakterisiert sehr genau die Besonderheit der FR, die ich ja auch schon vor meinem Abobeginn im Januar 1981 während meines Studiums in Marburg (1974-1979) gelesen habe. Dazu gehört aus jüngerer Zeit auch Ihre Leserversteher-Position, lieber Bronski. Und nicht zu vergessen: die exakte, von allen Facetten beleuchtende Berichterstattung zu einem der gefährlichsten aktuellen Demagogen, Guttenberg; diese FRs habe ich teilweise noch mal gekauft und sie Freundinnen gegeben, die ebenfalls diese erhellenden Artikel sehr goutierten.

    Ich finde es super, dass die 2.4.-FR in einer „Sonderausgabe“ in sehr dünnem Umfang erschien, der traurige Anlass rechtfertigt das. Und mit der FR-Redaktion hoffe ich, wie im letzten Absatz des schmerzlichen Redaktionsartikels formuliert:

    „Die Frankfurter Rundschau entsteht in täglicher Diskussion und Auseinandersetzung, nicht einzelne Inhalte und Artikel, so hochwertig, bedeutend und durchdacht sie auch sein mögen, machen ihren eigenen Wert aus. Wir wollen Zusammenarbeit; wir wollen zugleich aber den Geist der Frankfurter Rundschau bewahren, wie er von den Gründern und unter der Ägide von Karl Gerold und seinen Nachfolgern formuliert wurde und sich weiterentwickelt hat. Wir geben die Hoffnung nicht auf.“

    Lisa Alt, seit 30 Jahren in München. Ich unterstütze die Hoffnung der FR-Redaktion

  22. Dr. Sylvia Burkert sagt:

    Liebe FR-Redaktion, ich werde jetzt selbst mal versuchen im Bekanntenkreis für Abos der FR zu werben! Ich war schockiert am Samstag, als ich die 3 Stellungnahmen las – die Redakteure ließen anklingen, dass es auch anders ginge – gibt`s da was Konkretes?
    Nur mal, was an einem bildungsbürgerlichen Gymnasium im Düsseldorfer Raum gelesen wird (im Abo): eine Kollegin (von ca 80) (ich) liest die FR,1 Kollege die SZ, mindestens eine(r) die FAZ, 2-5 die ZEIT, einer die TAZ und das war`s an überregionalen Blättern; ansonsten im ABO die „Rheinische Pest“ vielleicht von einem weiteren Drittel; von den Schülern verwechseln nahezu alle – sofern sie überhaupt vom Elternhaus her mit einer Zeitung im ABO aufwachsen -die FR mit der FAZ – letztere ist ihnen womöglich von Papa bekannt!
    In Argentinien, fällt mir noch so ein, gibt es doch mittlerweile mehrere Firmen, die nach Pleiten der Besitzer von der Belegschaft organisiert /betrieben werden – Dachziegel allerdings in einem Fall! In einem Kommentar wurde in der Richtung ja nachgedacht!
    Ich danke der Redaktion auf alle Fälle für ihre gerade in letzter Zeit hervorragenden Recherchen!
    MfG S. Burkert

  23. Ch. Josten sagt:

    Die Reduktion des Umfangs auf etwa die Hälfte (im Vergleich zu vor 20 Jahren) und damit zusammenhängend, die wachsende Oberflächlichkeit, die sich aus mehreren Schritten ergab (Stichwort Tabloid), wurde bereits diskutiert. Anders als von einigen der Leser und Schreiber weiter oben angegeben kündigten wir bisher nicht unser Abo; insofern geht die Mahnung von Bronski, dass eine Zeitung nicht kostenlos zu haben ist, an uns vorbei. Andererseits warum sollten wir normale und ab und zu steigende Preise für ein Produkt zahlen, das nur noch halb so viel bietet wie früher?

    Ein für uns besonders wichtiger Aspekt, der noch nicht wirklich zur Sprache kam: Warum sollten wir Linke eine Zeitung kaufen, die nicht mehr links ist? Es ist noch schlimmer: Ihr bildet euch ein es zu sein – so wie die SPD. Sich an die SPD zu ketten und die geistige Unabhängigkeit zu verlieren oder zu verraten ist in eurem Beruf besonders peinlich, weil so offensichtlich. Ihr seid gewissermaßen Teil eines historischen Prozesses, den ihr aus professionellen Gründen nicht begreift (begreifen dürft). Ein Kernwiderspruch zum Ethos des Journalisten (zugegeben eher des wissenschaftlich als boulevardesk fundierten Journalisten).

    Ich erinnere an die Ursünde bei den Vorgängen um die Ablösung von Storz (Zensur, Zensur!). Ich weiß auch nicht, ob es nötig ist, in einem Kommentar gegenüber einer Versammlung von Sozialisten und Kommunisten viermal das Wort von den „roten Faschisten“ zu verwenden. Und ist es noch mein Niveau, die schwanzwedelnd-winselnden Hofberichte zur Befindlichkeit der SPD zu lesen? Also: mit Leuten wie Hassprediger Bommarius und Steinmeiers Pudel Doemens vergrault ihr manche, die mal vor einem Vierteljahrhundert begannen, die FR regelmäßig zu lesen.

  24. Werner Thiele-Schlesier sagt:

    Seit 1976 bin ich Abonnent der FR. Als diese ins Tabloid-Format umgestellt wurde, habe ich mich gefragt, ob das was bringen soll. Offensichtlich hat es nichts gebracht. Der Herausgeber jedoch stellt sich nicht in Frage sondern gibt sich der allgemeinen Meinung hin, dass bei den Beschäftigten gespart werden müsse. Er sollte auf das Eigentumsrecht an dieser Zeitung verzichten und daraus eine Genossenschaft machen. Die Leser könnten dann ja als Genossenschafter mitwirken. Aber dazu muss Herr Neven Du Mont wohl über den eigenen Schatten springen.

    … (Passage gelöscht, da inhaltlich falsch. Gruß, Bronski)

    Ich werde mir jetzt genau überlegen, ob ich den Abklatsch der BZ noch abonniere.

  25. xpol sagt:

    Sehr geehrter Herr Bronski,
    vorab:
    Ich wohne so weit von Frankfurt entfernt, dass der Grossteil der Zeitung ungelesen bliebe, ein Abo kommt daher nicht in Frage – insofern bin ich kein „Kunde“, nicht einmal potentiell.

    Ich kenne im Detail nur die Rubriken Politik und Meinung der Online-Ausgabe.
    Die lese ich vorzugsweise aus dem Grund, mich über Denkweisen zu informieren, die mir persönlich eher fern stehen.

    Und gerade in dieser Beziehung wurde die FR in den letzten Jahren zunehmend unergiebig. Endlose Vendetten gegen Koch/Bouffier, Westerwelle, Guttenberg oder wer gerade dran war hatten zwar zunächt Unterhaltungswert, drifteten aber schnell in Richtung banal kleinlicher Gehässigkeiten auf BILD-Niveau ab. Absurditäten wie Stellungnahmen gegen den Krieg in Afghanistan aber für den Krieg in Libyen mit den gleichen Argumenten lassen den Leser ratlos zurück. Ich hätte noch mehr Beispiele, Sie sicher auch.

    Könnte es nicht sein, dass der Niedergang der FR nicht Ergebnis der Finanzkrise ist, sondern die Entwicklung der inhaltlichen Relevanz der Zeitung spiegelt?

    Der Frage sollte man sich stellen, denn der Übergang zu digitalen Medien macht das Geschäft nicht einfacher: Die Schnittmenge zwischen Anhängern der Linkspartei und iPad-Besitzern mit Mobil-Flatrate erscheint mir auf längere Sicht nicht wirtschaftlichg relevant.

  26. Andreas Miksch sagt:

    Eine Zwischenbemerkung eines Lesers, der seit ca. 30 Jahren Abonnent ist:
    warum wird die neue „Zentralredaktion“ nicht in Frankfurt eingerichtet ? Warum in Berlin ? Man kann die Entscheidung der Gesellschafter etc. ja auch anders herum sehen: Die Zeitungen werden in Frankfurt geleitet und die „Berliner“ geben ab. Die FAZ und die SZ bleiben ja auch in ihren Metropolen. Als „Westdeutscher“ finde ich die Berlinumzüge bedenklich und eine Verarmung der Vielfalt in kultureller und politischer Hinsicht.

  27. Matthias Schulze-Böing sagt:

    Schade, was mit der FR passiert. Eine Agonie, die jetzt mit dem Wegzug nach Berlin abgeschlossen wird. Wenn der Verlag daran festhält, wird es noch weniger Leser geben. Wer möchte in Rhein-Main die Regionalausgabe einer Berliner Zeitung lesen? Das redaktionelle Konzept mag wem auch immer einleuchten – mir nicht. Tragisch, dass all dies mit Wissen und Zutun der SPD-Medienholding geschieht.

  28. Dr. Ursula Samman sagt:

    Ich bin auch Abonnentin seit rund 40 Jahren und über die fatale aktuelle Entscheidung des Verlages sehr unglücklich, denke aber auch, daß es von langer Hand geplant ist, der FR allmählich den Hals zuzudrehen. Herrn Vorkötter habe ich in unguter Erinnerung aus seiner Zeit in Ffm. Seine Hetzjagd auf Frau Ypsilanti hat damals die FR etliche Abonnenten gekostet, auch ich war damals kurz davor. Daß er damit eine Verlängerung für Koch ermöglichte, ging ihm wohl wo dran vorbei, da er Ffm kurz danach verließ. Vermutlich dachte er , er muß den Betonköpfen und -ä….. in der Bundes-SPD einen Dienst erweisen. Oder aber der Verlagsleitung? Aber hier ging und geht es erst mal weiter mit den Streichkonzerten in Bildung und im Sozialbereich.
    Mein Vertrauen in Herrn Vorkötter, die FR mit dem notwendigen Engagement in Berlin zu vertreten, hält sich also in sehr überschaubarem Rahmen. Aus meiner Sicht wird da der Bock zum Gärtner. Er wird dem vorhersehbaren Appetit der Berliner Zeitung(en) wenig entgegensetzen. Wenn die FR zum Hofberichterstatter degeneriert, brauche ich sie auch nicht mehr, denn auch meine Altpapierberge wachsen. Der Lokalteil würde mir dann schon sehr fehlen, denn im größeren Umfang Onlinelesen finde ich eher mühsam, bin aber auch kein Technikfreak, es reicht für den Hausgebrauch.
    Für die Existenz der Frankfurter Rundschau, die mir in den letzten Jahren etwas mehr gegen den Strich gebürstet schien, auch entgegen dem Mainstream berichtete, ist die aktuelle Entscheidung höchst fatal. In Berlin ist sie allenfalls Appendix und als solcher entbehrlich. Seine Stellungnahme dazu hat Herr Dumont dafür wohl schon vorbereitet.
    An die Redaktion: Denkt nochmal gemeinsam darüber nach! Klar, daß gute Berichterstattung auch was kostet.

  29. Dr. Ursula Samman sagt:

    Noch zu 28: es gibt genügend entbehrliches in FR, sie könnte auch durchaus kleiner erscheinen.

  30. FRettchen sagt:

    @Bronski #20

    Ich denke, das mit den Leserzahlen muß man differenziert betrachten: natürlich gehen, zum einen, schon seit einiger Zeit die Auflagezahlen von Zeitungen allgemein zurück. Aber in der Vergangenheit, sprich: so in den letzten 5-10 Jahren, haben sicherlich einige Zeitungen von den ehemaligen FR-Lesern profitiert, ich denke da in erster Linie an die Süddeutsche Zeitung. Früher einmal lagen diese beiden Tageszeitungen hundert- oder zweihunderttausend Leser auseinander und waren durchaus Konkurrenten, was man heute leider nicht mehr behauptet kann. Heute liegt der Unterschied in der Auflage bei 350.000! Die SZ hat knapp 300.000 Abos, die FR gerade einmal 70.000 (Ich übernehme hier die Zahlen aus Ihrem Link, Bronski)! Und im Vergleich zu IV/2008 hat die FR gut 18% verloren, die SZ hingegen knapp 4%.

    Das kann doch nur heißen, daß das Problem der FR woanders liegen muß. Ich fand sie schließlich auch einmal die einzig wahre Tageszeitung und hätte mir nur schwer vorstellen können, etwas anderes zu lesen. Alle meine Bekannten, die früher die Frankfurter Rundschau gelesen haben, abonnieren mittlerweile die SZ. Sogar mein meistgehaßter FR-Leserbriefschreiber (Herr M.K. aus N.) ist mir dort wieder begegnet (der hätte mir allerdings wirklich nicht gefehlt…)!

    Ziemlich sicher ist doch, daß, wer einmal ein Zeitungsabo hatte, auch wieder eines haben will. Kündigungen aus finanziellen Gründen finden sicherlich statt, halte ich aber für vernachlässigbar. Das Vollabo der Süddeutschen Zeitung kostet derzeit so um und bei €45.00. Ich kenne Leute, für die sind das mehr als 5% ihres Monatsbudgets, und sie zahlen es trotzdem. Und selbst wenn die 350.000 Abos nicht alle Vollabos sind (ich habe mich übrigens jeweils auf die Mo-Fr-Ausgaben bezogen, auch bei den o.g. Zahlen) und natürlich nicht alle Leute so arm sind wie meine Bekannten, so ist es doch eine Menge Geld, das man nicht ausgibt, wenn es keinen guten Grund dafür gibt. Und der heißt: hier ist eine Tageszeitung, die Qualität verspricht, und die hat ihren Preis.

    Mein Fazit ist und bleibt: die FR ist sich selber untreu geworden, und hat damit viele ihrer treuen Leser verloren. Daß ich das schade finde, steht außer Frage. Aber es ändert nichts an den Zahlen, leider.

  31. Thomas Stillbauer sagt:

    Liebe Marie (und natürlich alle anderen), ich freue mich über jede Reaktion der Leserinnen und Leser, und ich diskutiere sehr gern über Inhalte, ob online oder am Telefon. Gilt garantiert auch für die große Mehrzahl in der Redaktion. Das ist ja gerade das Interessante, aber auch das Schwierige: herauszufinden, welche Schwerpunkte die Leserschaft in unserer Zeitung sucht. Darum (unter anderem) ist Bronski so wichtig.

  32. Andreas Miksch sagt:

    zu 31:
    Noch abonniere ich die FR
    a) aus Anhänglichkeit und Gewohnheit(eben die 30 Jahre, die man ja nicht so leichtfertig wegschmeißt)
    b) weil sie eine „Qualitätszeitung“ ist, überregional, kritisch, vertiefend , „linksliberal“
    c) weil sie auch immer noch Kontroversen austrägt, zu pro und contra in der Lage ist.

    In letzter Zeit gab es bei mir auch schon mal Unmut – besonders beim Aufschlagen des Feuilletons – und dann holte ich mir auch schon mal eine SZ am Kiosk dazu…
    Aber ich bin noch da – und die FR wird auch von anderen in der Familie gelesen (von wegen „Leserreichweite“).

    Was ich nicht tun werde:
    Berliner Luft im Frankfurter Mantel kaufen. Da gibt es dann auch andere Möglichkeiten , ob an Spree oder Main oder wo auch immer.

    M.a.W.: ich bezweifle, das man in Berlin eine Frankfurter Rundschau herstellen kann, bei der Inhalt und Titel identisch sind.
    Der Ort der Handlung und der Geist der Sache sind nicht beliebig und austauschbar. Vielleicht leben die Entscheidungsträger bei Neven DuMont und Co. doch zu viele Stunden in der Woche in klimatisierten Räumen (real und im übertragenen Sinn).

  33. Lars Wächter sagt:

    Ich bin schockiert! Und besonders leid tut es mir um die guten und kritischen FR-Mitarbeiter, die dieser Aktion zum Opfer fallen.
    Das ist jetzt nicht mehr „meine“ FR. Und unter diesen Bedingungen werde ich die FR auch nicht weiter lesen!

  34. emporda sagt:

    Ich lese mich jeden Tag quer durch die internationale Presse – Deutsch (10), Österreich (3) und die Schweiz (3), aber auch Frankreich, England und gelegentlich Spanien

    Die Frankfurter ist noch ein fester Teil davon, die „Allgemeine“ ist mir zu borniert von oben herab. Da werden Weisheiten verbreitet, die eigenen sich nicht einmal zum Lachen.

    Es gibt in spanien keine andere Alternative, wenn überhaupt kann man solche Zeitungen nur mit 3 Tagen Verspätung zum 3-fachen Preis kaufen, das ist als Rentner nicht mein Ding.

  35. Henning sagt:

    Ich lese die FR seit ca. 20 Jahren (seit meiner Zivildienstzeit), ich war auch ein paar Jahre Abonnent der D-Ausgabe. Für mich war die FR damals eine echte Entdeckung, zumal wir hier in Hamburg nur die (rechte) Einheitspresse aus dem Hause Springer haben. Ich habe dann aber nach der Umstellung aufs Tabloidformat das Abo gekündigt, weil mir zu viele Boulevardthemen ins Blatt gerutscht zu sein schienen. Ebenso war auch nach dem Abgang von Wolfgang Storz ein deutlicher Schwenk in Richtung Mainstream zu verspüren. Ich erinnere mich z.B. noch sehr gut an die Artikelserie, in der vor der Verabschiedung der „Agenda 2010“ Alternativen zu diesen „Reformen“ (der Begriff ist hier eine Irreführung) aufgezeigt wurden. Davon scheint die FR heute recht weit entfernt zu sein; man schaue sich nur mal die weitgehend unkritische Übernahme der Arbeitslosenstatistik an. Oder dass die Redakteure der FR es in kaum einem Artikel versäumen können, der Linkspartei noch hämisch „einen mitzugeben“. Auch wenn man kein Anhänger der Linken ist, es nervt doch einfach.
    Ich habe nach meiner Abo-Kündigung übrigens für einige Zeit andere überregionale Tageszeitungen gelesen (taz, SZ), die mich auch nicht überzeugt haben. Ich kaufe seitdem wieder die FR am Kiosk, wenngleich nur aus der Einsicht, dass die anderen Tageszeitungen auch nicht besser sind (oder mir zu rechts sind).

  36. Wolfgang Fladung sagt:

    Die FR lese ich seit den späten 60ern, war mehrmals Abonnent und habe die Entwicklung von R. Reifenrath über Wolfgang Storz und U. Vorkötter bis zur jetztigen Chefredaktion, und allen Eigentümer-Wechseln, verfolgt. Ich bin überzeugt, daß allein bei Entscheidung der FR-Redakteure eine andere Zeitung herauskommen würde, aber dies wird von den Eigentümern wohl weder gewollt noch geduldet. Sicherlich stecken auch Anzeigenkunden dahinter, die mit Liebesentzug drohen bei allzu kritischen Artikeln und Kommentaren. Aber dies allein kann es nicht sein. Auch ich bemerkte spätestens seit Einführung des Tabloid-Formats eine Verflachung des Inhalts und eine Zunahme x-beliebiger und für mich uninteressanter Artikel, weil mir diese zu sehr nach Nachrichten-Agenturen, also dpa etc., aber auch nach Kampagnen-Journalismus und Lohnschreiberei aussahen. Ein gutes Beispiel war die Anti-Ypsilanti-Kampagne, in und bei der auch den Ypsilanti-Hassern breiten Raum eingeräumt wurde. Lob dagegen für die Steuerfahnder-Debatte, welche – vielleicht – ein bißchen dazu beigetragen hat, das Koch und Weimar das Handtuch warfen, bevor dann doch ein nicht allzu willfähriger Staatsanwalt – hier in Hessen gibt es ja genügend Beispiele für die Verbandelung – Anklage erhoben hätte.

    Die einzige Chance für die FR sehe ich darin, wieder eine Speerspitze einer Bewegung zu bilden, welche

    – den Kapitalismus grundsätzlich mit den Mitteln des Wachstumsbegriffs und der Nachhaltigkeit hinterfragt
    – einen Dialog zwischen Redakteuren, Lesern und engagierten Querdenkern (Goedevaert, von Weizäcker, Ziegler, Dürr etc.) herbeiführt und abbildet und damit
    – versucht, einen Leuchtpfad in die Zukunft zu finden und endlich einmal das dauernde Rechts-Links-Schema verwischt bzw. außer Acht läßt. Um es ein wenig platt auszudrücken: Gammastrahlen ist es egal, ob sie überzeugte Linke oder Neo-Konservative verstrahlen. Für alle gibt es eben nur eine Richtung: Raus so schnell wie es geht aus der Atomkraft.

    Allerdings dürfte dies weder mit dem Mehrheitsgesellschafter DuMontSchauberg noch mit dem Minderheitsgesellschafter SPD zu machen sein. Ein Gesellschafter-Modell wie bei der TAZ, kombiniert mit einem Eigentums-Modell wie beim SPIEGEL, könnte hier möglich sein und wirken.

    So wie jetzt, befürchte ich, daß das Buch FR über kurz oder lang zugeklappt wird, und dass dann die Anzahl der Krokodils-Tränen-Vergießer die der wirklich Trauernden (sicherlich mit Larmoyanz-Resten) übersteigt.

    Ich danke Ch. Josten # 23 und U. Samman # 28 für ihre Beiträge – sie sprechen mir aus der Seele.

  37. AMS sagt:

    Ich empfinde die Krise als Chance, dass die FR sich als das etabliert, was ich für mich vermisse: eine deutsche allgemeine Tageszeitung, zwischen FAZ und Bxxd, um mal das Spektrum zu nennen. Ich will keine Zeitung, die eine politische Richtung verfolgt, vielmehr hab ich die FR für mich entdeckt mit dem neuen Tabloidformat, und den Inhalten, die eben nicht weit links angesiedelt waren.

    Der einzige Punkt, der mir an meiner Zeitung eben nicht so sehr gefällt, sind die sehr regional bezogenen Inhalte, leider auch im Sport. Wer kein Eintracht Fan ist, hat oft schlechte Karten. Mit dem regionalen Teil hat die FR ja schon den Weg beschritten, das allzu lokale zu bündeln, hier würde ich mir meinetwegen auch eine Eintracht-Seite gefallen lassen, im überregionalen Sport hat sie nichts zu suchen, wie ich finde.

    An den wirtschaftlichen Zahlen kommt man leider nicht vorbei. Das Arbeitsplätze wegfallen, ist schwer zu verdauen. Aber der Synergieeffekt in der überregionalen Redaktion darf nicht dazu führen, den qualitativ höchstwertigen Standard in der FR zu verwässern.

    Ich werde die Entwicklung der FR sehr genau verfolgen. Sollte sich die Qualität der Zeitung verwässern, werde ich meinen Konsequenzen ziehen.

    Sollte die Zeitung durch die zentrale Lage in Berlin an Schärfe gewinnen, überregional bezogen, wäre allen geholfen. Und für die 44 Mitarbeiter der FR wünsche ich mir, dass der DuMont Konzern hier sozial und verantwortlich handelt. Auch DAS werde ich, sofern es geht, im Auge behalten für meine Entscheidung, dem Blatt treu zu bleiben, oder eben nicht.

  38. Bronski sagt:

    @ Ch. Josten, # 23

    Am 2.4. erschien die FR in einer Notausgabe. Dieser geringe Umfang war die Ausnahme.

    @ Lars Wächter, # 33

    Ich kann Sie natürlich nur bitten – aber ich finde Ihre Reaktion überstürzt. Natürlich ist es ganz allein Ihre Sache, ob Sie die FR noch lesen wollen, aber wollen Sie denn das Ergebnis nicht erstmal in Ruhe prüfen?

    @ Ursula Samman, # 28

    „… denke aber auch, daß es von langer Hand geplant ist, der FR allmählich den Hals zuzudrehen.“

    Eine einfache Überlegung zeigt meines Erachtens, wie absurd dieser Verdacht ist. Wer sollte das denn planen? Die ddvg, die die FR vor Jahren vor der Pleite bewahrte? Die hessische Landesregierung, die uns damals unter Roland Koch eine Landesbürgschaft gewährte? Aber gar das Verlagshaus M. DuMont Schauberg (MDS), das Millionen Euro in die FR gesteckt hat?

    Was Ypsilanti betrifft, hatte Uwe Vorkötter eine andere Meinung als Sie (und ich). In der FR waren damals auch Meinungen zu lesen – etwa in Leitartikeln von Stephan Hebel -, die Ihrer Position eher entsprochen haben dürften. Damit hat die FR verschiedene Positionen innerhalb eines Meinungsspektrums abgebildet und Liberalität bewiesen, wie es sich für eine Zeitung wie die FR gehört.

    FRettchen, # 30

    Wenn Sie mir ein klares Wort gestatten: Sie gaben in # 17 selbst zu, dass Sie die FR nicht mehr lesen. Nun wollen Sie aber in # 30 nach Gründen dafür suchen, dass die FR einen Leserschwund erlitten hat, und ziehen das Fazit, die FR sei sich selbst untreu geworden. Ich frage mich, wie Sie zu diesem Urteil kommen. Meines Erachtens zeigt das Statement der Redaktion klar, dass Sie sich irren. Sehr viele der Redakteurinnen und Redakteure, die sich hier kollektiv äußern, sind seit vielen Jahren, teilweise auch seit Jahrzehnten bei der FR, und ihre Herangehensweise an die Themen und die tägliche Zeitungsproduktion hat sich nicht geändert.

  39. FRettchen sagt:

    Lieber Bronski,

    genau, ich lese die FR nicht mehr – seit ca. 3,5 Jahren. Vorher habe ich sie aber ca. 30 Jahre lang gelesen. Und hatte vor der Kündigung meines Abos mehr und mehr das Gefühl, daß die FR sich selber untreu wurde. Wie die RedakteurInnen das ihrerseits empfinden, kann ich natürlich nicht nachvollziehen.

    Vielleicht scheint Ihnen mein Fazit etwas aus der Luft gegriffen, weil ich den Aspekt der Untreue in meinem ersten Kommentar nicht allzusehr betont hatte? Nun, dann will ich das gerne nachholen:

    Die FR hat schon vor bald 20 Jahren angefangen, ihren Pep, ihre Originalität zu verlieren. Sie hat teilweise geschrieben, als traue sie sich nicht (mehr), einen Standpunkt fern der Durchschnittsmeinung zu vertreten. Und dies hat sich mit den Jahren und Jahrzehnten in der Zeitung immer mehr ausgebreitet. Andere Zeitungen, die sich das „Linke“ nicht so auf die Fahne geschrieben haben, sind in ihren Artikeln zuweilen deutlich linker rübergekommen als die FR. Warum das so war, weiß ich auch nicht, nur, daß es mir nicht gefallen hat. Dann hat die Rundschau angefangen, wie wild den Aufbau des Blattes zu ändern, hat anderen Blättern nachgeeifert (traurig, aber wahr: der SZ), anstatt ihrem eigenen Stil treu zu bleiben. Ich kann mir gut vorstellen, daß damals die ersten Leser schon enttäuscht waren. Da es aber ein doch eher schleichender Prozeß war, war es auch schwierig, den Finger in die Wunde zu legen. Ich selbst habe damals, als ich mein Abo kündigte, zum ersten Mal einen Rückblick gewagt und bin mir darüber klar geworden, wie sehr ich Stück für Stück die Lust am Lesen der FR verloren hatte und warum. Dummerweise war sie dann aber weg (die Leselust), und das Tabloid-Format hat mir einfach den Rest gegeben.

    Die in #30 genannten Zahlen haben rein theoretisch weder mit meiner Unlust, die FR weiterhin zu lesen, noch mit dem Empfinden der Redakteure, sie machten ihre Arbeit wie immer, etwas zu tun. Aber ein dermaßen starker Rückgang an Lesern, ein in den letzten Jahren (ich sage mal „krisenbereinigt“) dermaßenes Erstarken einer anderen, mehr oder weniger äquivalenten Tageszeitung, lassen doch einige Schlüsse zu. Und daß mehrere Verwandte und Bekannte von mir, die einst die FR lasen, heute SZ-Abonnenten sind, ist nun mal eine Tatsache.

    Außerdem können Sie aus meinen Einlassungen deutlich herauslesen, daß es mir ausgesprochen leid tut, daß die FR sich dermaßen verändert hat. Möglich, daß sie in den letzten dreieinhalb Jahren wieder an inhaltlichem Format zugelegt hat – das kann ich natürlich nicht beurteilen, weil ich sie in dieser Zeit nur selten zu Gesicht bekam -, aber auch das scheinen die Zahlen nicht herzugeben. Und meine Argumentation ändert nun einmal nichts an den Zahlen, deren Quelle Sie selber angegeben haben.

    Deswegen will ich weder der Redaktion noch Ihnen etwas Böses, Bronski! Aber ich dachte, es würde Sie interessieren, warum die FR ihre LeserInnen verliert. Und helfen da nicht Meinungen von Ex-Lesern mehr als die von den verbliebenen Getreuen? Die sind ja (noch) nicht gegangen…

  40. Wolfgang Fladung sagt:

    Inzwischen scheint ja bei etlichen unserer Printmedien die Einsicht eingekehrt zu sein. So hat der SPIEGEL einen erstaunlichen Schwenk des Nachdenkens vollzogen, ebenso die FAZ, wie wir am 28.3.11 unter „Die neun Gemeinplätze des Atomfreunds“ vom Herausgeber Schirrmacher lesen durften. Die Süddeutsche scheint mit ihrem Priol-Bashing derzeit einen anderen Schwenk zu vollführen, also alles im Fluß, und jeden Tag andere Volten. Als „linke“ Zeitung würde ich die FR jetzt wirklich nicht bezeichnen, höchstens bei einigen Artikeln und einigen Redakteuren als linksliberal. Damit geht es aber der FR wie vielen anderen Zeitungen, welche sich in der Mitte tummeln, so die Zeit, die Süddeutsche, der Tagesspiegel, die TAZ, der Freitag, und noch einige andere, welche ich nicht so gut kenne. Nur, wenn sich alle in der Mitte tummeln, dann werden sie austauschbar, verlieren ihre Identität, werden langweilig und uninteressant, nach dem Motto: liest Du eine, kennst Du alle. Eben so wie bei unseren Parteien, da ist es eigentlich auch egal, außer vielleicht in Ansätzen noch bei der Linkspartei, wo ich mein Kreuz mache – ich bekomme stets die gleiche Politik mit den gleichen austauschbaren Figuren geliefert.

    Nehme ich die Kommentierung der NachDenkSeiten, so wird hier, wie mir scheint, inzwischen die FAZ öfters lobend erwähnt als die FR. Die Gewichte scheinen sich eben zu verschieben, und die ganzen Links-Rechts-Oben-Unten-Schemata sich aufzulösen. Die SPD will raus aus der Atomkraft, aber rein in S 21. Die FDP will jetzt auch raus aus der Atomkraft, hält aber an ihren Steuersenkungs- und mehr „Einzelverantwortungs“-Plänen, also Zuzahlung auch für Arme, fest.

    Aber alle schielen nur aufs Tagesgeschäft, und alle scheinen Angst davor zu haben, irgend jemand zu vergraulen, indem sie endlich einmal unsere Lebensart grundsätzlich hinterfragen, und versuchen, Lösungen zu erarbeiten. Könnte sein, daß die Entwicklung der nächsten Jahre alles in den Schatten stellt, was so rund um unsere kuschelige Wohlfühl-Sicherheit arrangiert wurde, und aus Angst vor WählerInnen, Besitzstand-Wahrern und anderen nie thematisiert wurde und werden durfte.

    Es wäre für mich die Chance für die FR, die Debatte als Pilotprojekt zu begreifen und zu starten.

  41. Jochen Schmitt sagt:

    Letztendlich ist dies nur ein weiterer Schritt des langsamen Untergangs der FR.

    Das Problem begann ja mit der Krise der Printmedien um die Jahrtausendwende. Aber während z. B. die FAZ in der Lage war, die entsprechend einschneinenden Entscheidungen durchzuführen, war bei der FR ein Wechsel des Eigentümers notwendig, um diese Schritte durchzuführen. Nachdem die FR personell verschlankt wurde, wurde sie an den DuMount verkauft, der meinte, die FR an irgendeinen neuen Zeitgeist anpassen zu müssen. Dies war wohl der Grund für die Umstellung auf das Tableut-Format und der Reduktion des Börsenteils.

    Während andere Zeitungen anscheinend diese Krise mehr oder weniger recht gut überstanden haben ohne ihre Identität zu verlieren, hat die FR ihr bisherige Identität verloren. Man braucht sich dann nicht mehr wundern, wenn langjährig Abonenten der Zeitung den Rücken kehren, ohne dass neue Leser dazugewonnen werden können.

  42. Brigitte Anheier sagt:

    Auch ich reihe mich ein in die große Gruppe der langjährigen Abonnenten. In den Siebzigern die FR in der Marburger WG – die gehörte einfach dazu. Danach nahm ich das Abo mit, zunächst nach Niedersachsen, dann in das mittlerweile grünste aller Bundesländer. Ich lese parallel eine Lokalzeitung, deren politischen Mantel ich meistens sofort weglege. In finanziell knappen Zeiten habe ich auf das Regionalblatt verzichtet – auf die FR nie. Soweit zu meiner Identifikation mit „meiner“ FR.

    Die allmähliche Nivellierung der Zeitung wurde in vielen Beiträgen bereits beschrieben, dem schließe ich mich an. Die Umstellung des Formats mit der ganzen Begleitmusik der wochenlangen Vorankündigungen hat meine Treue sehr auf die Probe gestellt. Viele Wochen lang ging es vor allem um das Format (das ich, nebenbei bemerkt, immer noch störend finde, vor allem bei interessanten Artikeln die über zwei Seiten gehen). Aber dann blieb eine Zeitlang der Inhalt schwach. Ich war schon auf der Suche nach Alternativen – wohlgemerkt im Printbereich. Aber: ich wollte nicht vorschnell urteilen und freute mich dann wieder über die Artikel, Meinungen und Reportagen, die die frühere Qualität aufscheinen ließen. Die Hintergrundberichte in den letzten Wochen waren einfach klasse!

    Allerdings: häufig stehen in meinem Regionalblatt die gleichen (Agentur)-Meldungen und Reportagen wie in der FR. Die zahlreichen Boulevardmeldungen finde ich überflüssig und flach und führen mich zur der Frage, welche Leserkreise die FR damit erreichen will. Schwach erinnere ich mich an die „letzte Seite“ aus früheren Jahren und trauere ihr nach.
    Die Ausweitung der regionalen Teile habe ich als Kundenwerbungsmaßnahme zur Kenntnis genommen – diese Blätter wandern bei mir wie die Sportseiten meist sofort auf den Altpapierstapel. Was übrig bleibt, ist manchmal ziemlich dünn.

    Und nun hege ich die große Befürchtung, dass die beabsichtigte Gesundschrumpfung durch Synergieeffekte dazu führt, dass die FR so geschrumpft wird, dass sie nicht mehr erkennbar ist.

    Die wirtschaftlichen Zwänge sehe ich – keine Frage, dass die Lage im Printbereich prekär ist. Aber: warum pflegt die FR in schwierigen Zeiten nicht ihre Kundschaft? Aus den vielen der bisherigen Beiträge spricht eine tiefe Sorge um die Zukunft der FR. Und viele Ex-Abonnenten melden sich engagiert zu Wort. In der Wirtschaft gilt, dass die Neuwerbung von Kunden ein Vielfaches von der Pflege des Kundenbestandes kostet. Verärgerte Kundschaft wird richtig teuer. Ich habe dies in der Vergangenheit bereits der FR mitgeteilt. Es kam keine Reaktion. Schade. Und ungeschickt.

    Bedenkenswert finde ich zudem, dass die Leserschaft der FR über die wirtschaftlichen Problemen spät informiert wird. In der vergangenen Woche habe ich es nicht recherchiert, aber bei der letzten Krise wurde ich von Bekannten auf Berichte in anderen Medien über Probleme bei der FR angesprochen. In der FR selbst wurden erst die vollendeten Fakten berichtet. Warum? Ein offener Umgang mit einer mündigen Leserschaft sieht meines Erachtens anders aus.

    Und daher: was wird aus den hier geäußerten Meinungen? Wie ernst nimmt die FR ihre Leser und Leserinnen? Und welchen Einfluss haben die vielen Vorschläge, die hier gemacht wurden?

  43. BvG sagt:

    Ein paar Ideen:

    1. Die FR sollte in vertriebsschwachen Landkreisen eine Kooperation mit lokalen Zeitungen suchen und sich als überregionale Ergänzung anbieten, die ihren Qualitätsjournalismus breitenwirksam macht.

    2. Die FR sollte den Schwerpunkt Wissenschaften wesentlich ausweiten und in einer Form präsentieren, die ein leichtes Archivieren möglich macht. Sie sollte Kooperationen suchen, die zu diesem Materialien pädagogische Handreichungen für Lehrer anbietet und Kooperationen suchen, die diese Materialien als verläßliche Quellen für Schüler aufbereitet.

    3. Die FR sollte sich sehr viel Mühe machen, Abonnenten wirkliche Vorteile zu verschaffen.

    a. Eine journalistische Premiumausgabe pro Monat, mit Rückblick, Zusammenfassungen und Analysen, Kommentaren und Lesermeinungen, die aufzubewahren sich lohnt.

    b. Eine werbefreie Ausgabe zum realistischen Verkaufspreis, angeboten für echte Leser und Reisende, die wirklich nur die Zeitung haben wollen.

    c. Eine leicht zu handhabende Bestellfunktion über interessante Themen, die weiterverfolgt werden sollen.

    d. Eine Möglichkeit, eine individuelle Zeitung zusammenzustellen, die bevorzugte Themen der Kunden behandelt und in einem guten Layout präsentiert wird, verbunden mit der Möglichkeit, die Druckdateien an lokale Druckereien zu senden, dort ausdrucken zu lassen und an den Kunden auszuliefern oder wahlweise auch selbst auf dem eigenen Drucker auszudrucken. Angebot eines geeigneten Druckers in Kooperation mit einem großen Druckerhersteller.

    e. Für jeden Abonnenten eine Archiv-CD mit allen Ausgaben der FR aus dem Jahr, angeboten als Download .

    4. Präsenz der FR als Minimalausgabe (halbes Tabloid) in Geschäften; Billig, schnell zu lesen und mit geschäfts – spezifischer Werbung und mit der Möglichkeit, eine Ausgabe der FR an der Kasse zu bestellen und diese am nächsten Tag zu erhalten.

    5. Angebot eines „Leserleitartikels“, der, sofern vorhanden und durch die Redaktionskonferenz akzeptiert, an herausragender Stelle der FR erscheint.

    So, Bronski, nun habe ich hier und im vergangenen Jahr genug Vorschläge zum Fortbestand der FR gemacht, wenn ihr sie nicht umsetzt, seid ihr selber schuld.

  44. Peter Neuhaus sagt:

    Liebe FR, nehmt mir meine Zeitung nicht weg, ich schätze sie wie mein morgendliches Nutella-Brötchen. Da würde ich auch nicht auf Nusspli umsteigen!

  45. martinbe sagt:

    Hi,

    Ich bin Abonnent der FR, und das seit einigen Jahrzehnten, jetzt aber werde ich wohl mein Abo – schweren Herzens – kündigen.

    Die FR war mal die Zeitung in Deutschland. Man konnte die SZ lesen, auch die TAZ war ganz OK, aber der qualitativ hochwertige linksliberale Journalismus fand in der FR statt. Sprachlich und inhaltlich war die FR mal der Maßstab. Hinter der FAZ mag ja ein kluger Kopf stecken, aber man kann ihn hinter dem Blatt nicht sehen. Der Schirrmacher ist es jedenfalls nicht, der ist allenfalls eine Art gezähmter, neokonservativer Dampfplauderer.

    Seit einiger Zeit beobachte ich mich dabei die FR nur noch durchzublättern. Früher habe ich sogar den Sportteil empfohlen, als einzigen lesenswerten in der gesamten deutschen Presselandschaft. Da war Ironie, Scherz, Satire und tiefere Bedeutung, ein spezieller Ton, der nirgends sonst zu finden war. Das ist heute nur mehr rudimentär vorhanden.

    Ich habe in meinem Archiv ausgesuchte alte Ausgaben der FR gesammelt und wenn ich heute in die hineinschaue macht mich ein Hauch von Verfall erzittern. Es ist nicht Nostalgie, von dem was die FR mal war ist heute nur mehr wenig übrig. Die FR war mal ein Erkennungszeichen, das man bewusst unter den Arm geklemmt seiner Umwelt präsentierte. Davon ist nichts geblieben. Leider.

    Der jetzige Plan ist nur die konsequente Weiterführung der rein betriebswirtschaftlich motivierten Fehlentscheidungen seit Mitte der 90er Jahre. Eine Zeitung, die zur Unternehmensberatung greift, ist auf dem falschen Weg und der wurde konsequent weitergegangen. Die Erklärung Neven Dumonts zeigt das. Verleger heute sind BWLer, früher waren sie Journalisten.

    Ich jedenfalls kann für einem Bastard aus zwei Redaktionen keine journalistische Begründung mir denken. Die FR von 1994 wäre gerade heute, wo eine solche Stimme fehlt, mehr als nur überlebensfähig, sie wäre eine deutliche Stimme gegen den Zeitgeist, der sich viele Leser zuwenden würden.

    Aus einer Zeitung eine Art gedrucktes Facebook oder Twitter zu machen ist auf jeden Fall Quark, der nur breit, nicht aber stark wird.

    Meine FR gibt es nicht mehr. Was nun unter diesem Namen verkauft wird, will ich nicht und werde ich nicht unterstützen. Ich komme gerne wieder, wenn ihr euch besinnt und zu eurer alten Form auflauft. Auch unter anderem Namen. Neven Dumont ist ja nicht der Weisheit letzter Schluss.

    Mein Mitgefühl gilt der Redaktion, die wohl weiß, was verloren gegangen ist und weiter demontiert werden soll.

    Greetings Comrades

  46. Wolfgang Fladung sagt:

    # 43, BvG: Wie so viele beschäftigen Sie sich mit Form, Farbe und Haptik des Rahmens, und vergessen darüber das Bild, das drin steckt. Die Rundschau leidet doch weniger an ihrer Form, wobei die Tabloid-Ausgabe wohl nur einer der vielen Stolpersteine auf dem Weg in Nirvana war, sondern am Inhalt. Und wenn das Bild nichts taugt, können Sie noch so viel am Rahmen herum basteln. Oder anders ausgedrückt: gehe ich ins Lokal, mag ich schöne Weingläser und nettes Arrangement der Speisen auf dem Teller. Wenn ich jedoch einen billigen Landwein im Kristallglas erhalte, und eine verstiegene, jedoch nach nichts schmeckende Kreation eines Molekular-Kochs, dann gehe ich lieber an die Bratwurst-Bude oder zum Döner-Türken – da kriege ich viel Geschmack für wenig Geld. Das soll jetzt nicht heißen, das ich Qualitäts-Journalismus für lau will, aber wie viele alte und auch neuere FR-Leser ist mir der Inhalt wichtig und nicht die Druckfarbe.

  47. maat sagt:

    Lieber Bronski,
    traurig, was man da lesen muss. Mein Mitgefühl gilt den Journalisten der FR.
    Nun, ich hatte mein Abo gekündigt eine Weile nach der Umstellung auf das Tabloid-Format, weil dies meines Erachtens mit einem Qualitätsverlust verbunden war.
    Ich lese nun zwei andere Tageszeitungen im Abo, ein Vollabo einer dritten Tageszeitung ist mir zu viel. Ich wäre aber sofort bereit, für Texte meiner FR-Lieblingsautoren zu bezahlen. Ich würde die Möglichkeit gut finden, einzelne Autoren der FR „abonnieren“ zu können. In der Rundschau gibt es ja richtig gute Leute. Die Literaturkritiken von Ina Hartwig fand ich immer sehr außergewöhnlich. So gute Literaturkritiken suche ich in der FAZ vergebens.
    Ich hatte den Eindruck, dass die Redaktion nach der Umstellung zu wenig auf die individuellen Positionen einiger ihrer Journalisten gesetzt hatte, stattdessen fand sich unglaublich viel beliebiger Schnickschnack. Die Perlen hatten zu wenig Raum zur Entfaltung!
    Mich interessieren individuelle Positionen von Persönlichkeiten wie die eines Herrn Grobe, die über Erfahrung verfügen und weit über das hinausgehen, was ich selber denken kann. Die Ausrichtung „links“ ist für mich dabei nicht ausschlaggebend.

    Liebe Grüße
    maat

  48. Sigmund sagt:

    Lieber Bronski,

    Sie stehen mal wieder mitten im Sturm, so wie schon 2007 nach der Umstellung aufs Tabloid. Muss ich Sie bedauern? Da Sie die Debatte mit der Eröffnung dieses Blogs gesucht haben, hoffe ich sehr, dass Sie auch etwas davon haben. Vielleicht ganz entfernt so eine Art Spaß an der Auseinandersetzung. Genauso hoffe ich aber, dass die Einwände, die hier vorgebracht wurden, das Gehör der Verantwortlichen finden werden.

    Ich habe mich schon 2007 unter einem anderen Namen an der Debatte beteiligt und möchte es jetzt wieder tun. (Inzwischen kennen wir uns ja.) Damals war ich absolut gegen die Umstellung. Ich konnte darin nichts Gutes erkennen. Für mich war das ein bildfällig gewordener Formatverlust. Ich habe mich aber vom Gegenteil überzeugen lassen, und hier möchte ich einigen meiner Vorredner widersprechen: Die FR ist weiterhin eine richtig gute Tageszeitung! Sie setzt thematische Schwerpunkte, die durchaus auch mal weggehen von den sich aufdrängenden Tagesthemen, sie setzt sich weiterhin, wie sie das immer getan hat, für Minderheiten ein, und sie hält in der Islam-Debatte, der Pest unserer Zeit, nach Kräften dagegen.

    Der Kern des Problems ist nach meiner Einschätzung, dass sie eben eine Tageszeitung ist. Das funktioniert dann, wenn es Themen gibt, die nach der entsprechenden Berichterstattung schreien. Die Steuerfahnder-Affäre wurde als dickes, unbezweifelbares Plus der FR angeführt, und dem schließe ich mich an. Es funktioniert aber zum Beispiel nicht – jedenfalls auf Dauer – bei Themen wie Fukushima und Libyen, die über Tage und Wochen die Medien beherrschen. Beim Leser – ich bemerke das an mir selbst – setzt eine Abstumpfung ein. Schon wieder Fukushima! Schon wieder Libyen! Das ist eine irrationale Reaktion, ich weiß es natürlich, denn wegen ihrer welthistorischen Bedeutung würden diese Themen eigentlich hunderte von Zeitungsseiten täglich benötigen. Ich hatte übrigens das Gefühl, dass die FR-Redaktion selbst diese Abstumpfung ebenfalls gespürt hat, denn sie hat ja immer noch eins drauf zu setzen versucht im Bestreben, die Tragweite des Ungeheuerlichen deutlich zu machen und das Thema nicht ins Bedeutungslose sacken zu lassen. Das ist dann eben das Schicksal einer Tageszeitung.

    Die Frage ist aus meiner Sicht: Brauchen wir diese Form von Tageszeitung im Internet-Zeitalter noch? Eine Zeitung, die so aktuell zu sein versucht, wie es einer gedruckten Zeitung, die am Tag nach den Vorabend-Nachrichten erscheint, gerade noch so möglich ist. Warum dieser unbedingte Aktualitätszwang? Ein User sprach oben den Börsenteil an. Was hat der noch in einer Zeitung zu suchen? Gerade am Börsenteil lässt sich festmachen, was ich meine: Er ist eigentlich überflüssig. Diese Daten bekommt man überall im Netz.

    Das gilt natürlich nicht für die gesamte Berichterstattung der FR. Die Rundschau hat sich ihre eigene Art bewahrt – das ist jedenfalls meine Meinung, mein Gefühl, und ich trete gegenteiligen Meinungen, die vorher geäußert wurden, entschieden entgegen. Sie hat sich ihre Art bewahrt und sich dabei doch der Zeit angepasst. Ich spiele dabei vor allem auf FRettchens Blogpost an (30): Ich habe den Verdacht, FRettchen, dass mehr als die FR Sie sich verändert haben. Was Sie lesen wollten, ist auf der Stufe von 1990 stehen geblieben, während die FR sich weiterentwickelt haben. So einige Formulierungen aus Ihrem Kommentar kommen mir vor wie aus der SZ abgeschrieben. Was dort berichtet wurde, habe ich online verfolgt.

    Also, aus meiner Perspektive ist die FR eine richtig gute Tageszeitung, und ich liebe die verschiedenen Pointierungen, mit denen Sie, liebe FR, dem Tagesgeschehen immer wieder überraschende Aspekte abgewinnen. Aber das reicht heute nicht mehr. Es gibt möglicherweise keinen (existenzsichernden) Bedarf an Tageszeitungen mehr. Woran es aber ganz zweifellos Bedarf gibt, das ist Hintergrundberichterstattung, und ich frage mich immer wieder, warum Sie das so nicht machen.

    Ein Beispiel: die Photovoltaik-Krise. Die FR hatte dazu mehrfach Berichte, in denen die Sache so dargestellt wurde, als sei der – zweifellos teure – Photovoltaikstrom verantwortlich für die Verstopfung der Stromnetze. Nach Fukushima stellt sich das anders dar: Eigentlich ist es der Atomstrom, der die Netze verstopft. (Wenn ich mich irre, würde ich mich freuen, darüber einen zweifellos fundierten Text in der FR zu lesen.) Photovoltaikstrom wird subventioniert. Das war ein kurzatmiger Ansatz, eben ein Tageszeitungs-Ansatz, denn natürlich wird Atomstrom ebenfalls subventioniert, wenn man alle Ausgaben incl. Endlagersuche usw zusammen nimmt, und zwar sehr viel höher. Offenbar wurden die Photovoltaik-Subventionen aber seitens der Politik durch das Kappen der Einspeisevergütungen zurückgefahren. Von da an wollte all der teure Sonnenstrom in unsere Netze, aber unsere Netze wollten ihn nicht, weil er teuer ist. Ein lohnender Hintergrundbericht hätte hier kritisch nachhaken können: War die Reduzierung der Photovoltaik-Subventionen seitens der Politik vielleicht gezielt dazu gedacht, erneuerbare Energien gegenüber Atomstrom schlechter dastehen zu lassen?

    Anderes Beispiel: die Revolutionen in Nordafrika und in der arabischen Welt. Das Streben der Völker nach Freiheit und Demokratie in allen Ehren – aber ist dies wirklich der Grund für die Revolutionen? Von einer anspruchsvollen Hintergrundberichterstattung – die gern auch mal eine halbe FR-Ausgabe oder mehr hätte in Anspruch nehmen dürfen – hätte ich mir erwartet, dass die Preissteigerungen für Lebensmittel in ihrer Wirkung als Motor für diese Revolutionen beleuchtet werden. Das hätte für mich beinhaltet, dass mal gründlich über die Ernährung der Weltbevölkerung und über die Spekulationen auf Grundnahrungsmittel berichtet wird. Das wäre eine Berichterstattung gewesen, die jeden müden Euro wert gewesen wäre, und zwar zusammengefasst zu einer Schwerpunktausgabe, wie Sie sie seinerzeit zum Thema Fußball oder Afrika gemacht haben – großartige FR-Ausgaben!

    Sorry Bronski, dass ich Ihnen diese Kritik nicht ersparen kann. Mal sehen, was Sie damit machen.

  49. BvG sagt:

    @Wolfgang Fladung

    Nun, am Inhalt der FR habe ich nicht soviel auszusetzen, im Rahmen der wirklich sehr eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten wird durchaus viel geboten. Natürlich ist die Form ohne Inhalt nichts, aber die Form bestimmt ganz wesentlich die Anziehungskraft der Printausgabe. Wenn einer bloß die Information will, genügt die reduzierte Form der Online-Ausgaben oder das Lesen der Depeschen oder auch eine alte Zeitung, die man irgendwo findet, aber ich will mehr, nämlich das altgewohnte und hochwertige Erscheinungbild einer Zeitung.

    Mag sein, das dies ein verlorener Kampf ist, aber aufgeben will ich den nicht. Es steckt viel mehr Kultur in einer Zeitung, als den meisten bewußt ist, Lesekultur, Sprachkultur, ästhetische und handwerkliche Kultur, die durch die Onlineverfügbarkeit zerstört wird. Zeitungen werden nicht nur wegen ihrer Inhalte gelesen, sondern wegen der ästhetischen Einheit aus Inhalt, Lesbarkeit und empfundener Wertigkeit und nicht zuletzt aus dem persönlich gestalteten Umfeld.

    Kurzum: Wenn ich meine Zeitung beim Frühstück lese, will ich nicht eine Klorolle oder einen Haufen unordentlicher Blätter haben, sondern ein nach den Regeln der Kunst gestaltetes Druckwerk. Diese Regeln der Kunst werden leider unterbewertet und sind vielen unbekannt und die fachliche Kompetenz, die zu einem solchen Werk nötig ist, gerät in Vergessenheit.

    Ich glaube, Sie unterschätzen den graphischen Aspekt des Layouts und den haptischen Wert, der unmittelbar zur Rezeption beiträgt und auch den Aspekt der Motivation der Redakteure, die ihre Arbeit in gutem Erscheinungsbild präsentieren wollen.

    Auf Sie selbst bezogen denke ich, daß sie viel weniger Freude am posten und lesen der Beiträge in diesem Blog hätten, wenn er bloß als fortlaufender Fließtext ohne Gestaltung und Struktur erscheinen würde. Eine Zeitung ist in der Gesamtheit ein kulturelles Erzeugnis, das auch mit der Form Kultur tranportiert. Um nichts weniger geht der Kampf der Printmedien.

    Ihre Argumentation geht fehl. Auch Sie erwarten eine Zeitung als sauberes, gefaltetes, benutzerfreundliches und vor allem unbenutztes Produkt und nicht als verknülltes, in den Postkasten gestopftes Altpapier.

    Die Gratwanderung der FR zwischen alltäglichem Wegwerfprodukt und bedeutsamem Schrifterzeugnis ist ausgesprochen schwierig. Ich denke, sie hat es bislang gut gelöst und ich hoffe, dies wird weiterhin gelingen.

  50. Robert Pötzelberger sagt:

    Echtes Zeitungspapier?
    Unersetzliche Kultur, darin zu lesen,am Wochenende!
    Unter der Woche: online, tagesaktuell mehrmals am Tag.
    Allerdings, allein vom Lob „Toller Beitrag“ kann kein Journalist leben, muss er auch nicht, denn für „Onlinelesen“ gibt es bereits jede Menge Finanzierungsmodelle.
    Zum Beispiel für PC`s „Rundfunkgebühren“, dann bitte auch einen entsprechenden Anteil daraus für „Pressegebühren“.
    Unschwer mittels Ermittlung der Anzahl angeklickter Online-Artikel, gerecht auf die entsprechenden Presseorgane zu verteilen.
    Analog Stromwirtschaft, Bahn, Telefon usw, die ihre Leitungen mehreren Nutzern anteilig zur Verfügung stellen.
    Dann auch hier: anklickmässigen Zugriff auf einen „Pressetopf“.
    Höchste Zeit dass hier was geschieht!

  51. Wurtz sagt:

    Eure Zeitung ist inhaltlich gut, aber irgendwie nicht attraktiv: Ich finde leider schon euer Format nicht ansprechend: eine Zeitung muss bei mir immer noch so groß und breit sein wie früher, selbst wenn das nicht immer praktisch ist.
    Eure Meinung ist nicht mehr dezidiert links sondern etwas abgelutscht und damit langweilig und fast schon ähnlich der Süddeutschen, aber -sorry – schlechter geschrieben. Ich finde ihr könntet mehr den wirklich kritischen Zeitgenossen, und davon gibt es immer mehr – glaube ich – eine deutliche Stimme geben.

  52. Uwe sagt:

    So richtig überraschend kommt das für mich nicht. Meiner Meinung leidet die FR schon seid Jahren an den Fehlbeträgen aus dem Anzeigensektor. Man konnte das auch an schwindender Qualität in den Berichten, sowie an deutlicher Zunahme von dpa Meldungen sehen. Auch ist die FR in der Suche nach neuen Kunden, in den Boulevardbereich abgesunken, was ich persönlich sehr sehr schade finde.
    Mich erschließet sich zum Bsp. nicht, warum man innerhalb kürzester Zeit vom ehemaligen Schlachthof ins Depot am Südbahnhof ziehen musste. Das kostet doch auch ne Menge Geld, Geld was ja wohl gemäß den angegebenen zweistelligen Millionenverlusten, NICHT vorhanden war/ist.
    Nichtsdestotrotz drücke ich der FR die Daumen nach über 60 Jahren nicht von der Medienlandschaft zu verschwinden. Sie war mir in meinem bisherigem Leben oft ein guter Begleiter und habe mit Leidenschaft immer gerne die Zeitung gekauft ( am Ende eher nicht mehr)
    Allen Mitarbeitern wünsche ich Alles Gute für ihre und der Zeitungs Zukunft.

  53. Wolfgang Fladung sagt:

    Zunächst zu # 38 – Bronski: Natürlich darf auch eine Redaktion ein breiteres Meinungsbild widerspiegeln. Allerdings macht es für mich einen Unterschied, ob dies einzelne Redakteure tun oder der Chefredakteur. Von diesem erwarte ich schon, daß er die Richtung der Zeitung, für die FR also (angeblich) links bzw. linksberial widerspiegelt. Vorkötters Ypsilanti-Bashing war wohl beides nicht, weder links-liberal noch links, sondern er hat hier das Geschäft der Energiewirtschaft und der schwarzen Landesregierung betrieben, denen bei einem Ypsilanti-Sieg viele Felle fortgeschwommen wären. Das hatte für mich eben das Geschmäckle einer Auftrags-Schreiberei.

    Und BvG, # 49: Natürlich will ich mit einer Tageszeitung etwas anderes in Händen halten als eine Berber- bzw. Obdachlosen-Zeitung. Aber dann letztendlich doch bitte „Form follows function“, und nicht „Function follows form“. Wenn Sie nur einen beschränkten Etat zur Verfügung haben, ist eben der Inhalt wichtiger als die Verpackung, und jeder Redakteur wird damit gut leben können, wenn sein Engagement und seine Aussagen nicht hochglanzmäßig rüberkommen, sondern, um es poetisch auszudrücken, eher den harten Schweiß des Alltagsgeschäfts atmen. Wenn ich die Zeitung beim Frühstückstisch lese, genügt mir ordentliche Faltung und kein Abfärben der Druckerschwärze an den Fingern, sowie eine übersichtliche Gestaltung der Thementeile. Was mache ich denn damit nach dem Lesen? Eben, Altpapier. Wenn ich einen Zeitungs-Mercedes will, kaufe ich mir ein Fotokunst-Magazin.

    Noch etwas zur Gestaltung. Ich könnte mir für die FR jede Woche oder alle zwei Wochen einen Tag vorstellen, an welchem eine erweiterte Ausgabe zu einer bestimmten Thematik – Sigmund in # 48 hatte so etwas geschrieben – gut vorstellen, mit Hintergrund-Infos und Beleuchtung des Für und Wieder, nach dem „qui bonum“-Motto. Aber auch hierzu braucht es Mut, Zeit und Geld, und all dies scheint nicht mehr in genügender Ausstattung vorhanden zu sein.

  54. Christian Horz sagt:

    seit ueber 45 Jahren lese ich staendig die FR, und sie hat in diesen Jahrzehnten einiges erlebt, aber sie jetzt „ein bisschen toeten“ ist das schlimmste, was einer Zeitung passieren kann, und die FR ist in meinen Augen in ihrer politisch grundsaetzlichen Unbestechlichkeit bei kultureller Aufgeschlossenheit immer unersetzlich gewesen und ist sie es auch heute!!!

  55. Kerstin Schütz sagt:

    Liebe FR
    ich bin ein uneingeschränkt gern-FR-lesender Abonennt. Wenn es durch den Wechsel nach Berlin Einschränkungen geben sollte, dann weiß ich nicht ob ich auch weiterhin ein Abonennt bleibe.
    Ihre bisher treue Leserin
    K. Schütz

  56. Holger sagt:

    Berichten wir das Falsche? Gilt Maries Kritik, dass Leser von oben herab behandelt werden, für die FR?

    @ Nein, von oben herab wird nicht behandelt.

    Sie berichten richtig, aber eben, wie soll man sagen, „biased“. Jeden Tag ein Roland Koch, Wolski, Steuerfahnder Faß aufmachen fällt halt auf. Warum nicht ein „Grünen-Faß“ für die Partei, die vor S21 und Japan so gut wie gar kein Thema hatte…

    Und die Kommentare sind teilweise nicht sachkundig genug und oft nicht zu Ende gedacht.
    Man könnte auch auf die Entwicklung das ländlichen Raumes eingehen, nicht immer nur Fraport und Frankfurt.

    Sonst finde ich die Berichterstattung recht gut.

  57. Peter Busch sagt:

    Liebe FR-Redaktion,
    die jetzige Entscheidung ist wohl das Aus der FR, schade. Eine gemeinsame Kern-Redaktion für zwei Zeitungen, das wird nicht seriös funktionieren, die Abo-Zahlen weiter nach unten gehen. Was ich bedauerlich finde: In den Zeiten des Niedergangs,also grob in den vergangenen knapp zehn Jahren, hat es in der FR medienöffentlich nur PR in eigener Sache gegeben, keine offene Auseinandersetzung darüber, wo die Zeitung eigentlich hin will. Linksliberal, neuerdings lese ich auch „sozialliberal“: das sind längst Platzhalter, die alles mögliche bedeuten können. Die Leser wurden auch nicht mitgenommen, ich erinnere mich dunkel an seltsame Befragungen, die aber offenbar nur der Außendarstellung dienten und nicht Anlaß waren für eine Debatte über die Ausrichtung der Zeitung.

    Der Redaktion scheint auch längst der Mut zu fehlen, sich zu positionieren: Die aktuelle Erklärung zur Entscheidung der Verlagsleitung empfinde ich als sehr defensiv, ja resignierend. Und wer bitte schön ist die Redaktion, spricht sie wirklich mit einer Stimme?

    Ich bin Abonent dieser Zeitung seit rund 20 Jahren, und dies mit Sicherheit nicht, um täglich zu lesen, welcher Spieler sich bei Eintracht Frankfurt in der Nase bohrt oder mit welcher Laune Funkel, Skibbe oder Daum auf den Übungsplatz treten.

    In diesen 20 Jahren ist die FR immer schlechter geworden, weil sie an Profil verloren hat. Bunter ist sie geworden, mehr Seiten hat sie bekommen. Doch die journalistische Qualität sank. Was auffällt sind die groben handwerklichen Mängel: Die seit Jahren immer selbstverständlichere Mischung von Nachricht und Kommentar in Artikeln, zwei Meinungsseiten, bei denen es drunter und drüber geht, weil die Redaktion offenbar nicht weiß, wo eigentlich die Unterschiede zwischen Kolumne, Kommentar und Leitartikel liegen. Meinung wird in der FR längst groß geschrieben, damit bekommt eine immer kleiner werdende Redaktion offenbar die Artikel und die Seiten voll. Viel Meinung im Mainstream, das ist leider alles sehr erwartbar und langweilig. Ermüdend auch der immer häufiger anzutreffende Kampagnenjournalimus, der blühende Spekulationsjournalismus. Hintergründiges, Überraschendes, Informierendes jenseits des Medienmainstreams, das wäre spannend. Es gibt viele Ereignisse in der Welt, über die es sich zu berichten lohnt, es gibt viele interessante Menschen jenseits des schmalen FR-Korridors, die etwas zu sagen haben. Dafür bedürfte es einen klugen Konzepts, doch das kann ich momentan bei der FR nicht erkennen.

  58. Martin Eigel sagt:

    Na endlich bekommen auch mal die Leser bzw. Nichtleser, die Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Ich hätte das bereits bei Darstellung von Herrn DuMont erwartet. Ich teile seine Auffassung nähmlich nicht.
    Zugegeben, die FR ist in Schwierigkeiten. Aber seit dem die SPD Tochter die FR übernommen hat, hat sich die Zeitung deutlich verschlechtert. Dieser Trend setzt sich jetzt weiter fort mit der 50prozentigen Anteile von DuMond, der statt zu überlegen, wie ich besser werden kann, eher darüber nachdenkt, wie kann ich Geld sparen. Also fällt ihm nichts besseres ein, als den Mantel der FR mit der Berliner Zeitung zusammen zu legen, in Form einer Redaktionsgemeinschaft, in dem meines Wissens nur der FR-Korrespondent Karl Doemens sitzen wird. Und wer sagt uns den nicht, dass das micht erst der Anfang ist. Jetzt bleiben noch die Wirtschaft, Kultur und Sport in Frankfurt, aber wie lange. Deshalb wundert es mich auch etwas, dass die Chefredaktion hier mit macht.
    So ganz glauben kann man Herrn DuMont auch nicht. In seiner Darstellung, meinte er, die Lokal- und Bezirksredaktionen sollen verbessert werden. Sind es aber nicht genau die, die deutlich verschlechtert wurden. Ich wohne in Friedberg, die Redaktion sitzt in Bad Vilbel, die Redaktionsleitung aber in Hanau. Aber, warum soll ich die FR beziehen, wenn eben aus Friedberg oder der Wetterau kaum etwas zu lesen ist? Hier hätte man ansetzen müssen. Die Berichterstattungen waren frührer besser.
    Wenn im Hause DuMont so weiter gemacht wird, wird es wohl die FR in absehbarer Zeit nicht mehr geben – zumindest nicht so, wie sie es bisher war. Die Zusammenlegung von Redaktionsbereiche ist dabei der Anfang.

  59. Tom sagt:

    Was der Redaktion der FR seit ca. eineinhalb Jahrzehnten fehlt, ist eine Vorstellung davon, wie unsere Gesellschaft aussehen könnte. Egal welcher politischen Couleur: Jede – politisch relevante – Zeitung hatte eine Agenda. Die politische und gesellschaftliche Vielfalt fand nicht in einem Blatt statt, sondern über alle Zeitungen insgesamt und die einzelne Redaktion hatte einen eigenen spezifischen Standpunkt.

    Grundlage der politischen Ausrichtung schien mir immer zu sein, dass gesellschaftlich und politische relevante Themen in den Redaktionen diskutiert wurden und man so eine Agenda für die Zeitung herausarbeiten konnte. Das fehlt scheinbar heutzutage. Vor allem, wenn man die eigene Bandbreite so erweitert, dass die Zeitung beliebig erscheint.

    Eine intellektuelle linke und liberale Ausrichtung, die zu Diskursen (nicht nur Diskussionen) einlädt, würde ich von der FR erwarten. Meiner Meinung nach gibt es in der deutschen Zeitungslandschaft dort ein Vakuum, welches nur gefüllt werden müßte.

    PS: Da hier schon der Vorschlag gemacht wurde, im Internet nur Themen anzureißen und auf die zu bezahlende Printausgabe zu verweisen: Ich würde es genau umgekehrt machen. Morgens kleine Gratisausgaben an allen möglichen Stellen verteilen und auf die zu bezahlenden Inhalte im Internet verweisen! Gerade im Internet kann auch der von vielen gewünschte Diskurs geführt werden.

    Hier möchte ich auf die FAZ verweisen, die mit dem Blog »Stützen der Gesellschaft« Vorreiter in Sachen »Diskutantenbindung« ist. Noch kann man als Zeitung ganz vorne dabei sein. Die Redakteure müßten nur ihren Aufgabenbereich erweitern und mit den Lesern reden. Und für hochwertigen Inhalt UND hochwertige Diskurse wäre ich sogar als H-IV-ler bereit, etwas zu zahlen. (Vielleicht funktioniert ja das gute alte Abonnement so ja doch.)

  60. Jürgen P. sagt:

    Die meisten Privatnutzer müssen früher oder später aufgrund des Kostendrucks und der technischen Entwicklungen von Papier auf Laptop/PC/Reader umstellen, wenn sie es nicht schon längst getan haben. Wer eine Flatrate für Internet bezahlt und demnächst eine Haushaltsabgabe für TV, der wird das auch voll nutzen. Zusammen mit den regionalen Zeitungen, die gratis als Anzeigenblätter verteilt werden, besteht ein großes Überangebot an Nachrichten, mit Google sogar in Metasuche duchforstbar. Hier sieht man genau, wann welche Zeitung welche Meldung übernimmt, verändert oder fast gleich wiedergibt. Ich war immer Gelegenheitskäufer der FR, habe das aber auch seit Jahren ganz eingestellt. Es ist nicht fair, das Angebot gratis zu nutzen, aber sie müssen es ja nicht gratis anbieten. Vielleicht wird es Ihnen wie der Post ergehen. Zeitung machen geht nur noch nebenbei, abends als Hobby vor dem Internet, kaum noch als Hauptjob. Der Wettbewerb ist hart. Vielleicht wird jeder einzelne Beitrag mit Paypal anklickbar gemacht werden müssen. 10 Cent für einen sehr guten, mindestens einseitigen Beitrag würde ich ab und zu bezahlen. Geiz ist geil trifft Zeitungen hart, ähnlich wie bei Musikdownloads. Ich denke, Sie überschätzen die Einmaligkeit der FR und den realen Geldwert der Beiträge, zumal die guten Beiträge auch oft Gastbeiträge sind. Wenn die FR morgen weg wäre, wäre das sehr schade, aber dann lese ich woanders fast das gleiche. Eine Zeitung kommt fast überall nur noch als gesammelter Blog Gleichgesinnter an. Man könnte provokativ fragen: „Was zahlen Sie mir, dass ich es lese?“. Sie bezeichnen die Kommentare als Tiraden. Das halte ich für einen Fehler. Gerade die Kommentare der (meisten) Leser lese ich gerne. Was würde ich aber bezahlen, um kommentieren zu dürfen, es wäre auch sehr wenig. Die Online-Welt operiert mit Centbeträgen, selbst bei hervorragender Qualität.

  61. maat sagt:

    Nun, ich finde einfach, dass die grafische Gestaltung und der inhaltliche Anspruch der Rundschau überhaupt nicht zusammengehen. Das Layout mit dieser Flut an durchschnittlichen Pressefotos wirkt auf mich einfach billig. Mir fehlt der eigene Stil, die individuelle Handschrift. Grafisch war die Rundschau früher wesentlich anspruchsvoller und hat z.B. mit dem Magazin wirklich Maßstäbe gesetzt. Als Kunststudentin hatte ich das Magazin geliebt. Da hat man einfach gemerkt, es stehen Leute dahinter, die ihr Herzblut reinstecken. Es gab ganz außergewöhnliche Rubriken und tolle Illustratoren. Das Blatt war einfach auch in seinen Details mit Liebe gemacht.
    Zu meinem Bedauern wurde nach der Umstellung viel weggekürzt, was mir besonders gut gefallen hatte- das Forum Humanwissenschaften zum Beispiel gehörte zu meinen Lieblingsseiten. Alles, was ich irgendwie außergewöhnlich und schön fand, war plötzlich weg oder wurde reduziert. Wenn eine Zeitung aber über Themenauswahl und Layout zum Ausdruck bringt, sie möchte den durchschnittlichen Massengeschmack treffen, wirkt sie auf eine ganze Gruppe von Leuten abschreckend, die gerade das Sperrige und Besondere anspricht. Man identifiziert sich nicht mit Beliebigkeit. Ich hätte mir viel mehr politische Debatten im Blatt gewünscht, einfach mehr Reibungsfläche, stattdessen wurden in den Kommentarspalten mehr oder weniger mit Biss die linksliberalen Positionen runtergebetet, die jeder schon auswendig kennt. Das ist für ein eigenes Profil zu wenig.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Journalisten mit dem neuen Blatt wirklich identifiziert haben. Journalisten sind doch kluge Leute! Die müssen doch auch gesehen haben, dass das alles nicht zusammenpasst.

    maat

  62. Wolfgang Fladung sagt:

    Print oder Internet-Medium? Wohl beides, weil sich der interessierte Bürger seine Infos aus beiden Medien holt. Schwieriger wird es mit der Identifizierung, der Unverwechselbarkeit, eben dem, was früher die FR ausgemacht hat und was viele hier im Blog beklagen bzw. vermissen. Nicht (nur) die Redaktion, sondern die Eigentümer stehen vor der Entscheidung: Verhelfen wir dieser Tageszeitung wieder zu einem eigenen Charakter, der sie aus der Medienlandschaft herausstechen läßt, oder geben wir weiterhin ein Friede-Freude-Eierkuchen-Blatt heraus mit Meldungen, die so oder ähnlich auch in Zeit, Süddeutscher, FAZ, WAZ und Berliner Zeitung stehen. Wer will eine Frankfurter Rundschau aus Berlin? Es will doch auch keiner eine Berliner Zeitung aus Frankfurt, oder? Also dann lieber das Buch schließen, und eine anständige Beerdigung, als noch jahrelanges Dahinwelken an Beatmungsgeräten mit Frust ohne Ende für die verbleibenden – überlebenden – MitarbeiterInnen.

  63. Marie sagt:

    @Bronski #38

    Wahrscheinlich müssen Sie diese Position vertreten, aber Sie können doch nicht ernsthaft glauben, dass die FR durch diese Aktion gerettet wird? Ich stimme da Frau Samman voll und ganz zu (und wenn ich mich außerhalb dieses Blogs umsehe, sieht es auch nicht viel anders aus): wenn man eine Zeitung eines Großteils ihrer Aufgabe beraubt, dann ist das ein weiterer Schritt in den Abgrund. Jedenfalls gibt es auf diese Art keine neuen Kunden, was weiter zu Verlust führen wird, Teufelskreis.

    Irgendwer brachte den Vergleich zu den Parteien, die auch immer verwechselbarer werden. Das liegt daran, dass sie am liebsten alle bedienen wollen („die Mitte“), letztendlich aber keinen mehr so recht ansprechen. Das ganze erinnert mich auch an das Strategiespiel Carcassonne: dort müssen Straßen und Festungen und sowas gebaut werden. Wenn man sich nicht irgendwann für einige Projekte entscheidet, sondern überall mitbaut, bekommt man am Ende gar nichts auf die Reihe und verliert.

    Ich finde, eine Zeitung muss eine irgendwie geartete Strategie haben. Und wenn die nicht heißt: wir wollen dezidiert links sein, dann muss es irgendetwas anderes geben. Z.B. Innovationen im Netz. Oder: neue Wege in der Lokalberichterstattung. Es muss irgendetwas geben, womit die Zeitung hervorsticht, was sie zielstrebig verfolgt und nicht nur anpreist, sondern auch wirklich umsetzt.

  64. Dr. Marlene Crüsemann sagt:

    Liebe FR-Redaktion,

    Sie sollten sich diese Maßnahmen der Eigentümer, die m.E. zu nichts Gutem führen können, nicht gefallen lassen und Ideen folgen, die Zeitung selbstständig weiter zu enwickeln. Das hier schon erwähnte Genossenschaftsmodell der taz wäre eine solche. Wir sind seit Jahrzehnten Abonnentin und Abonnent der FR und möchten diese nicht sterben sehen. Selbst die zuerst skeptisch verfolgte Umstellung auf tabloid-Format hat uns mit Ihnen gern weitermachen lassen. Es hat sich übrigens aus unserer Sicht bewährt. Zu der Berichterstattung über Fukushima und die Dimensionen von Atomkraft sowie der Umstellung auf alternative Ernergiegewinnung kann man Ihnen nur gratulieren. Die Ausgaben vom 12. März und folgende sind für mich in ihrer Entschiedenheit und Weitsicht beispielhaft.
    Also: Lassen Sie sich nicht unterkriegen – von wem auch immer …!

  65. Andreas Pawliczek sagt:

    Ich hatte nach der Formatumstellung die FR zunächst gekündigt und habe sie seit einem Jahr, sozusagen zur Bewährung, wieder abonniert. Die Bewährungsprobe hat sie leider nicht bestanden. Nach mehreren Jahren FAZ konnte ich mit der FR nie mehr richtig anfreunden, zu groß das Qualitätsgefälle.

    Besonders schlimm finde ich, daß die Unterscheidung zwischen Meldung und Kommentar völlig untergeht. Was haben Floskeln wie ‚bezeichnenderweise‘, ‚wie nicht anders zu erwarten war‘, ‚ist von gestern‘ in einer Meldung zu suchen? Ständig stößt man auf solche billigen und aufdringlichen Versuche der Meinungsmache per Holzhammer und sucht vergeblich die Substanz. Am schlimmsten jedoch sind die Beilagen Reisen und Freizeit, das ist PR und gekaufter Journalismus pur.

    Noch schlimmer kann es nach der Zusammenlegung mit der Berliner Zeitung kaum werden. Meine zweite und endgültige Kündigung ist nun erst einmal aufgeschoben, ich möchte zunächst abwarten, was die neue FR bringt.

    Warum übrigens nicht auch den Berliner Regionalteil übernehmen? Wäre womöglich interessanter als die Meldungen aus Hanau, mit denen man mich hier in Friedberg quält.

  66. Jens Rabe sagt:

    Als Vorschlag: So koennte doch ein Konzept eventuell aussehen:

    20 Seiten

    Seite 1 Aufmachung
    Seite 2/3 Thema
    Seite 4-7 Politik
    Seite 8/9 Meinung
    Seite 10/11 Wirtschaft
    Seite 12-15 Feuilleton/ Roman
    Seite 16/17 Dokumentation Forum Humanwiss.
    Seite 18/19 Wissen/Bildung
    Seite 20 oder vielleicht 2 Seiten mehr:
    Magazin/ Rätsel usw.

    Die Seiten voll nutzen, wenige und kleinere

    Bilder/ Graphiken, knackige , ausfuehrliche und
    alternative Artikel. Preis hoch und vielleicht ein Genossenschaftsmodell. Dann noch im Niveau die Taz ueberbieten. So etwas findet man dann auch nicht so vorausgewählt im Netz. Das koennte klappen. Die Lokaltitel nur in Hessen reinlegen. Sport muesste wegfallen, interessiert vermutlich ueberwiegend nur die, die ohnehin schon abgewandert sind. Koennte es so eventuell funktionieren?

  67. maat sagt:

    Ich stimme den Vorrednern zu, die kritisieren, dass zwischen Bericht und Kommentar nicht sorgfältig unterscheiden wird. Deutlich wird dies z.B. in der heutigen Ausgabe auf S.2/3 in Bezug auf Westerwelle. Dieser Text von Damir Fras-bitte, was ist das? In meinen Augen eine Meinungsäußerung mit hohen spekulativen Anteilen, überwiegend in kurzen, Sätzen geschrieben. Wo bitte steht, dass es sich dabei um einen Kommentar handelt?
    Wenn ich dann weiterblättere, erscheinen auf Seite 4/5 Texte, die auf Agenturmeldungen basieren, die ich im Allgemeinen nicht lese. Das einzig Interessante auf der Seite ist der Gastbeitrag von Herrn Rossnagel.
    Neben ein paar wenigen, seriösen Berichten z.B. über Sizilien und die Elfenbeinküste findet sich in meiner Überregional-Ausgabe ein großer Sportteil und ein Rhein-Main-Teil, mit denen ich nichts anfangen kann, eine bizarre Seite über Blumen, eine Doppelseite Fernsehprogramm, eine Seite Kreuzworträtsel und Klatsch und Tratsch am Ende, was mich auch nicht interessiert. Positiv nimmt sich immerhin die Panorama-Seite mit den Fotoarbeiten und dem Text von Frau Sperber aus, auch lese ich das ein oder andere im Feuilleton. Das war’s. Insgesamt kommt diese Ausgabe enorm dünn daher. Ähnliches haben ich und viele andere Leser schon vor Jahren kritisiert.
    Lieber Herr Festerling,
    ich möchte Ihnen daher gerne die Frage stellen:
    Wieso beherzigen Sie (bzw. die Redaktion) seit Jahren nicht die Kritik Ihrer „aufgeklärten“ Leser, obwohl Sie wissen, dass die FR auf diese angewiesen ist?
    Ich verstehe das einfach nicht.

    Mit freundlichen Grüßen
    maat

  68. rolf holunder sagt:

    …ich lese die fr weiter, trotz der landnahme durch die berl. ztg. , trotz der erkennbaren mainstreamierung, trotz der wider die tatsächlichen zahlen liegenden entscheidungsgründe des verlages und weil ich weiter sich widersprechende positionen innerhalb einer zeitung erwarte, kompetente auslandsberichterstattung (danke i.günther, ich lese sie nun mal nur in der fr..)und weil ich weiter auch einmal völlig gegen den strich gedrucktes lesen möchte (danke s.hebel, vermutlich las man daher nur die anderen namen der mitglieder der chefredaktion).
    mag mancher dies als luxus empfinden, aber eine gute zeitung ist eben eine form von luxus, für die es sich lohnt, das eine oder andere mal auf ein glas wein zu verzichten.

    wer jetzt kündigt, hat bereits verloren….an einer qualitätszeitung.

  69. Peter Höck sagt:

    Die FR hätte eigentlich eine große Zukunft haben können. Trotz, oder gerade wegen dem Internet hätte eine linksliberale Tageszeitung die gut recherchierte Artikel druckt eine Chance auf dem Markt gehabt. Statt dessen bekam man bei der FR das zu lesen, was man überall zu lesen bekam. Mit der Ausnahme, dass die Artikel meist noch etwas schlechter als bei den anderen Tageszeitungen waren. In der Redaktion ist das leider nie wirklich angekommen. Wie konnte man die Augen davor verschließen, dass die FR bereits seit einigen Jahren kaum über das Niveau einer Regionalzeitung hinauskam? Das was bereits seit einigen Jahren eingetreten war, war für viele Redakteure immer noch ein Horrorszenario in ferner Zukunft. Das Eigenlob der Redakteure z. B. für die qualitativ bescheidene Berichterstattung über Nordafrika zeugte von dieser Realitätsverweigerung. So schwer es einem auch fällt, einer FR (Passage gelöscht, da unwahr, Anm. Bronski), darf man keine Träne nachweinen!

  70. Ralph Rat sagt:

    Bronski hat es nicht verstanden! Die Inhalte der Rundschau sind für linksliberale Leser nicht interessant. Im linken akademische Milieu wird Rundschau schon seit Jahren belächelt. Zuerst hat man noch getrauert. Wer will schon für ne Regionalzeitung bezahlen, die sich nur zum schnellen durchblättern eignet. Es gibt doch keine andere überregionale Zeitung, die Artikel mal so schnell und schlecht hinrotzt wie ich meinen Kommentar.
    Und: Bronski hat das Internet nicht verstanden und nimmt es als Gefahr war! Hahaha!

  71. Torben sagt:

    Hallo Herr Stillbauer,

    zu Ihrem Beitrag fällt mir ganz spontan ein, dass die FR im Gegensatz zu anderen Blättern deutschlandweit an Bahnhöfen und Flughäfen einfach nicht verfügbar ist (ich meine jetzt die kostenfreie Verteilung am Gate, in der DB Lounge oder im 1. Klasse-Abteil). Da wundert es mich auch nicht, dass keine neuen Leser gewonnen werden, wenn man hier hervorragende „Werbeflächen“ mit Missachtung straft. Denn gerade das Tabloid-Format sollte auf Reisen doch den Mehrwert schaffen. In FFM ist die FR am Flughafen-Gate zwar noch verfügbar. In anderen deutschen Großstädten hingegen nicht.

    Torben

    PS: Ich suche nicht nach Möglichkeiten die FR kostenfrei zu lesen – bin Abonnent 😉 Finde es aber ärgerlich, dass die FR als überregionale Zeitung nicht präsent ist. Beim direkten Lokalnachbarn klappt es doch auch…

  72. Wolfgang Fladung sagt:

    Ich muß gestehen, daß ich in letzter Zeit (als Nicht-Mehr-Abonnent) gerade Freitags und an Wochenenden – obwohl Links-Partei-Wähler – vermehrt die FAZ und weniger die FR gekauft habe. Natürlich ist es zu kurz gesprungen, den Inhalt in der Menge z.B. am Wochenende, Kaufpreis FAZ E 2,20 gegen FR € 2,00 (und dann noch nur halbes Format) aufzurechnen, weil sich der Kaufpreis nur unter Berücksichtigung der Käuferzahl rechtfertigen läßt. Aber diese Zunahme an PR, dieses Verwischen zwischen Marketing und redaktionellen Artikeln, dieses Schwanken zwischen Kuschelweich-gespültem, unkommentiertem und unreflektiertem (mit einigen wenigen Glanzlichtern); da ziehe ich mir dann eher etwas von den Wertkonservativen rein. Dann weiß ich wenigstens, warum ich mich ärgere, oder auch freue, weil ich das „Nachdenken“ von dieser Seite weniger erwartet hatte.

    Und nochmals zum Layout und zum Inhalt. Nehmen wir Deutschlands größte Tageszeitung, die BILD. Wird diese wegen des Layouts gekauft? Niente, es sei denn, überdimensionierte Titelzeilen gelten schon als Top-Layout. Das Springer-Blatt erntet seine Erfolge mit Stimmungs- und vor allem Meinungsmache, und dies mit Schlagzeilen und Artikeln, welche oft unter die intellektuelle Gürtellinie zielen und niedere Instinkte und Vorurteile bedienen – eine schöne Heimat für Rechtspopulisten.

    Warum da nicht gegenhalten, mit einer Art Bild für (Nach-)Denker. Aber dann bitte nicht eine weitere Ausgabe dieser Friede-Freude-Eierkuchen-Blätter, sondern mit mehr Kante, mehr Mut, sich anzulegen und mehr Profil. Dann könnte sich eine neue FR erheben wie Phoenix aus der Asche, und ich wäre einer der ersten Abonnenten. Übrigens wäre Wolfgang Storz einer meiner Wunsch-Chefredakteure.

  73. maat sagt:

    Also, herr Fladung-da muss ich Ihnen widersprechen. Eine „Bild für (Nach-)Denker“ halte ich für völlig überflüssig. Wer soll denn das lesen wollen außer vielleicht ein paar-pardon- radikal links stehenden Personen, die schlicht ihre eigene Meinung gespiegelt bekommen möchten?

    PS: Meine Frage oben war natürlich an Herrn Stollbauer gerichtet.

  74. Tobias Paul S. sagt:

    Tja, was soll man sagen. Über die Gründe, weshalb es den Tageszeitungen allgemein und der FR im besonderen schlecht geht, wurde hier ja schon viel geschrieben.

    Doch ich muss leider auch gestehen, dass ich mich vor kurzem von der FR abgewendet habe. Und obwohl selbst linksliberal und damit gut ins Leserprofil der FR passend, ging es einfach nicht mehr.

    Der Grund, der mich dazu gebracht hat und der wohl auch dazu führen wird, dass das Blatt in dieser Form und mit der geplanten Umstrukturierung wohl auch nicht überleben wird, ist folgender:

    Die FR hat ihr Profil verloren, nicht politisch nicht was die Attitude angeht. Vielmehr hat ihr der Mix aus unzähligen Reformen, die abnehmende Länge und Qualität der redaktionellen Beiträge, das immer beliebiger werdende Profil an Autoren und Redakteuren, das Genick gebrochen und wird es weiter tun.

    Doch gerade das Profil ist es, was uns doch dazu bringt, eine überregionale Qualitätszeitung zu kaufen. Warum kauft jemand, FAZ, Süddeutsche, TAZ oder Welt? Weil sie ein Profil haben. Nur bei der FR löst sich dieses Profil in Beliebigkeit auf und das wird sich mit dem jetzt vollzogenen Schritt verstärken, wenn ich de facto eine Zeitung aus Berlin lese, wenn ich Überregionales erfahren will.

    Das ist aber nicht mehr liberaler Qualitätsjournalismus, sondern die möglichst effiziente Fabrikation von Meldungen und Features für drei oder mehr verschiedene Zeitungen (Berlin, Köln, Frankfurt etc.) mit jeweils ganz spezifischen (!) Leserschaften. Wie soll da Profil erhalten bleiben? Können das Kommentar- und Meinungsseiten retten, wenn die Berichterstattung beliebig wird? Ich glaube nicht.

    Es tut mir so leid um die FR. Vielleicht braucht es den Tod, um wieder neu als Genossenschaft aufzustehen. Vielleicht nach dem Modell TAZ und Online-Inhalten zum Bezahlen, mit kleinerer Auflage.

    Nun bin ich bei einer konservativen großen Zeitung gelandet, die ebenfalls in Frankfurt produziert wird. Es bereitet mir ziemliche Bauchschmerzen und die Kommentare und Leitartikel lese ich nur ungern. Aber was soll man sagen? Die Qualität – überregional und regional – ist einfach eine andere.

    Ich wünsche der Zeitung und der Redaktion trotzdem alles Gute, weil es ein Medium wie die FR braucht.

  75. Manto sagt:

    Vorab: ich bedauere die großen Schwierigkeiten der FR. Eine Zeitung, die sich der konservativen Vetternwirtschaft entgegenstellt, die linke Themen und Meinungen aufgreift, die das Schicksal derer beleuchtet, die man am liebsten verdrängen will, die will auch ich als Erzkapitalist (den der Opportunismus der FDP anekelt) nicht missen.

    Meine Eltern hatten lange Zeit die FR abonniert, vor wenigen Jahren aber (zu Gunsten der SZ) abbestellt und ich will mal kurz zu den Gründen Stellung nehmen: meine Eltern dürften zur typischen FR-Klientel gehören, links, ökologisch, mittelmäßig wohlhabend, gebildet, aber keine Hippies. Meine Eltern sind ohne Zweifel intelligente Menschen, die Meinungen andere und auch Zeitungskommentare einordnen können und sich über dummes Geschwätz, das man sich einfach so ohne Hintergrundwissen zusammenreimt, ärgern. Und davon gab es in der FR in den letzten 10 Jahren einfach zu viel. Es kann nicht sein, dass in einer Qualitätszeitung nahezu jeder Artikel über wirtschaftliche Zusammenhänge jenseits von dpa Meldungen wie ein Kommentar einer Partei des linken Spektrums, mit viel Utopie und generell einfach mit starker ideologischer Prägung liest.
    Ich will keinen Unfug von vermeintlichen Spekulanten, die den Euro und auch alles andere in die Knie zwingen und vor allem keine Klassenkampfrethorik lesen. Das ist alles Murks und hat mit seriöser Information des Lesers (die gerne eine eigene Meinung enthalten darf) nichts mehr zu tun. Wenn ein Journalist sich aufschwingt wirtschaftspolitische Maßnahmen zu empfehlen oder zu bewerten, dann soll er sich seriös über Vor- und Nachteile informieren und nicht einfach aus dem hohlen Bach argumentieren.
    Meine Eltern hatten irgendwann die Schnauze voll und wollten eine Zeitung, die seriös informiert und es dem Leser gestattet, sich darauf aufbauend, eine eigene Meinung zu bilden (Ergebnis siehe oben).
    Ich wünsche mir die FR als eine Zeitung, die mit viel Know-How und weniger Ideologie über das Wirtschaftsgeschehen berichtet, die Redakteure nur über Themen schreiben lässt, von denen diese mehr Ahnung haben als der durchschnittliche Leser, bitte möglichst ohne (substanzloses) Wunschdenken.

    Ich hoffe sie kommen wieder auf die Füße.

  76. docB sagt:

    Leider ist niemand auf (5) eingegangen. Ich habe mir frueher die Hacken abgerannt, um eine FR zu bekommen, und jetzt habe ich sie kostenlos im Internet. Aber, wie ich schon frueher mal schrieb, im Vergleich zum Ausland (ich lese taeglich noch El Pais und The Independent), ist die FR deutlich abgefallen. Man kann es nicht immer aufs Geld schieben. In Deutschland gibt es – wie die letzten Wahlen wieder klar gezeigt haben – eine deutliche linke Mehrheit, nur in der Presse findet die sich nicht wieder. Da, wo die FR frueher stand und die Fahne hochhielt, da ist jetzt ein Loch, und wenn man nur Informationen braucht, kann man gleich die FAZ lesen und die Kommentare dort uebersehen. Schade um die alte FR, aber es war klar, dass die Erbsenzaehler sie irgendwann abwickeln wuerden.

  77. Dieter Faltin sagt:

    Vielleicht sollte man den überregionalen Abonenten die Möglichkeit geben, auf den Regionalteil zu verzichten.Den blättere ich zu 95% ungelesen weiter.So könnten doch auch Kosten gespart werden.
    Einen weiten inhaltlichen Aderlaß,den zu befürchtenden Verlußt des eigenen Profils oder eine weiter stilistische Anbiederung an TAZ und Spiegelleser(zunehmende Flapsigkeit im Sprachstil bis hin zur Häme) würde ich jedenfalls sehr bedauern. Wie soll das eigentlich funktionieren: 2 Redaktionen in einer ? Ist so etwas wirklich billiger ? Gibt es da keine Reibungsverluste ?
    Zum Format: Bitte unbedingt beibehalten! Ich finde es immer noch sehr mühsam, die Zeitung in einem voll besetzten Bus/einer voll besetzten U-Bahn umzublättern.

  78. Rudi sagt:

    „Die Frankfurter Rundschau ist eine der führenden überregionalen, unabhängigen Tageszeitungen.“ So heißt es immer noch in der Selbstbeschreibung. Dieser Satz wird künftig zu streichen sein, weil die FR sich zu einer Regionalzeitung wandelt, deren Mantel aus Berlin beigesteuert wird. Schon die Zusammenlegung diverser Redaktionsteile unterschiedlicher Zeitungen aus dem DuMont-Verlag zu einer Überredaktion hat zu weitgehenden Einschnitten für die Leserschaft geführt. Die Redakteure scheinen beliebig eingesetzt zu sein. Sie schreiben nicht mehr exklusiv für den FR-Abonnenten. Dem Leser hat sich das Bewusstsein festgesetzt, dieser Artikel oder jener Kommentar erscheint auch in einer Kölner, Berliner oder sonstigen Zeitung. Die Identifikation der Leserschaft mit ihrer Zeitung wurde deutlich erschwert. Zumindest mir geht es so, der ich seit vielen Jahren die FR im Abo lese. Ich habe die Kämpfe der Zeitung die letzten Jahre verfolgt: die Übernahme durch die SPD-Medienholding, den Anschluss an den Verleger Neven DuMont. Ich habe die Diskussionen in den FR-Blogs mitgelesen und ob der politischen Entwicklung der FR nicht wenige kündigende Abonnenten resignierend erlebt. Die überregionale Leserschaft, deren Teil ich bin, wird sich nun zwangsläufig zurückziehen müssen. Ihnen wird das Abo durch den Entzug der Geschäftsgrundlage gekündigt. Warum soll ich noch 386,53 Euro für ein Jahres-Abo zahlen, wenn der Charakter der FR, wie weiter oben von nicht wenigen Kommentatoren treffend beschrieben, auf die Ebene der Austauschbarkeit hinabsinkt.

  79. Ehemaliger sagt:

    Als ehemaliger Frankfurter gehr mir natürlich auch das Schicksal der mir damals liebsten Frankfurter Zeitung nahe. Aber es ist nunmal so, dass jede Zeitung mit überregionalem Anspruch eine große Berliner Redaktion braucht. Die meinungsmachenden Teile der anderen großen Frankfurter Zeitung wrden schon seit den 90ern in Berlin produziert. Die FR geht nun den selben Schritt, und es wird so denke ich, eher die sowieso schon gute Berliner Zeitung ein bischen mehr wie die FR und daher noch besser. Die FAZ wäre ohne ihr Berliner Feuilleton ein irrelevantes Blatt auf Niveau ihrer Regionalbeilage. Man muss eben auch einfach mal den geografischen Realitäten ins Auge sehen, die alte Bundesrepublik gibt es nicht mehr.

  80. Gerhard Eggert sagt:

    Die Zahl der SPD-Wähler, -Mitglieder und Gewerkschafter hat sich pi mal Daumen seit ihren Hoch-Zeiten halbiert. Und die Politik ist seit 1989 viel weniger weltanschaulich geprägt, die Parteien sich jedenfalls viel ähnlicher geworden. Kann es da jemand wundern, dass die FR prozentual viel stärker Leser schrumpft als andere?
    Die Alternative zur redaktionellen Zusammenlegung von FR und Berliner Zeitung wäre mittelfristig wohl die Stilllegung der FR. Wenn jetzt insgesamt mehr Redakteure für die FR schreiben, könnte die journalistische Qualität wieder steigen. Und wenn die Berliner Zeitung dadurch ein bisschen stärker linksliberal wird, wäre das schlimm?
    Natürlich muss jetzt ein ordentlicher Sozialplan her und es darf keine Tarifflucht geben. Soviel Glaubwürdigkeit gegenüber der eigenen Grundhaltung muss sein. Dann gebe ich der neuen FR eine (Überlebens-)Chance – und bin einfach gespannt!

    PS: Zu 71#: Ich wechsele beruflich zwischen Wohnsitzen, habe deshalb kein Abo. Meistens lese ich als Vielfahrer die FR in der DB-Lounge, wo sie sehr wohl ausliegt. Zumindest in Stuttgart darf man die sich sogar mit nach Hause nehmen. Und obwohl ich da auch FAZ oder SZ (leider keine taz) lesen könnte, macht bei mir -trotz Qualitätsverschlechterung- fast immer die FR das Rennen. Lieber eine FR aus Berlin als keine FR!

  81. Der Zeitungsbezug ist nicht primär eine finanzielle Frage, sondern auch der Logistik. Ich lebe in Österreich. Samstags wird keine Post zugestellt, werktags an meiner Adresse erst um die Mittagszeit. Die Porti sind in der EU prohibitiv hoch; es ist, als ob die Union einen günstigen Verkehr bewusst behindere. Der Bezug über Trafiken oder Buchhandlungen ist noch umständlicher, wenn man nicht um die Ecke wohnt.
    Also lese ich die meisten Zeitungen online. Ich bin froh, dass das mit der NZZ, der FR, dem Guardian und einigen anderen noch möglich ist.
    Ich will von einem Qualitätsblatt gute Journalistik in gutem, gehobenem Deutsch. Das ist immer schwieriger zu finden. Ich präferiere keine leichte, easy going zubereitete Schnellkost. Die Rücksichtnahmen auf die Halbgebildeten sind widerlich, obwohl, vom Markt her gesehen, veständlich. Wo sind die langen Analysen, Kommentare, die sich nicht im üblichen Kurzsprech ergehen?
    Der Niedergang der sogenannten Qualitätspresse hat, vermute ich, auch mit dem wachsenden, niederen Bildungsniveau und dem Anspruch der Spaßkultur zu tun. Und mit dem Hinweis, der oft eine Ausrede ist, es fehle an Zeit. Etliche Kollegen oder Bekannte von mir, die sich als Intellektuelle sehen, lesen nicht mehr. Einige sind Redakteure und jammern, sie vermöchten nur noch Headlines und Absätze zu lesen. Es fehlt damit nicht nur Zeit für Lektüre, sondern wohl auch fürs Denken. Das muss sich auswirken.

  82. M.B. sagt:

    Sehr geehrter Herr Bronski,

    auch wenn die aktuelle Entwicklung für die betroffenen Redakteure bitter und unter nostalgischen Gesichtspunkten traurig ist, sollte man doch auch die Chance, die diese Entwicklung bietet, nicht übersehen. Es wäre nämlich zu begrüßen, wenn die FR sich in mancherlei Hinsicht der Berliner Zeitung annähert; ein erneuter Probekauf letzten Samstag bestätigte einmal mehr meine positive Meinung zur Berliner Zeitung.

    Mit wem man auch über die FR spricht, jeder ist der Auffassung, dass die Entwicklung nicht verwunderlich sei, denn für Lokales gebe es ja die (unsägliche) FNP, und für Überregionales greife man ja eher zur SZ oder zur FAZ.

    Diese Äußerungen zeigen m.E., dass die FR nur zu alter Stärke zurückzufinden kann, wenn sie nicht nur die FNP-, sondern auch die SZ- und FAZ-Leser anzusprechen versucht. Damit meine ich die thematischen Schwerpunkte, die Ausführlichkeit und das seriöse Erscheinungsbild der letztgenannten Zeitungen, ausdrücklich nicht die politische Ausrichtung der FAZ! Ich appelliere daher dringend an die FR, die Annäherung an die Berliner Zeitung zu nutzen, um das seit 2007 gepflegte „Buntschau“-Erscheinungsbild zu überwinden und so bei der Zielgruppe der „alten“ FR Aufmerksamkeit dafür zu erlangen, dass die FR durch die neuen Berliner Redakteure wieder beachtliches redaktionelles Potential hat.

    Mit freundlichen Grüßen
    „M.B.“

    P.S. Ist eigentlich eine Beibehaltung des Tabloid-Formats geplant?

  83. Jürgen Kahlert sagt:

    An die Redaktion der Frankfurter Rundschau

    Die Frankfurter Rundschau (FR) ist eine linksliberale überregionale deutsche Abonnement-Tageszeitung. Die Bezeichnung der FR als „links-liberal“ bzw. „sozial-liberal“ geht auf die prägende Gestalt der FR, Karl Gerold, zurück……
    aus: Wikipedia Free encyclopedia

    Radikaldemokratische Zielvorstellungen sind jemandem, der wie ich zu dem 48er Jahrgang gehört, Grundlage der politischen Tugenden unserer Republik.
    Zu jener Zeit (100 Jahre früher) war Frankfurt, genau wie die schönste Stadt der Welt Hamburg noch heute, eine Freie Stadt. Diese Tradition einer bürgerlich revolutionären Gesinnung eben gewendet in eine antikapitalistische moderne radikaldemokratsiche Variante wurde weiland repräsentiert von den Jungdemokraten und einem kleinen Teil, der damals noch vorhandenen linksliberalen Gruppe in der FDP.
    In dieser Zeit, als ich noch Vorsitzender der Hamburger Jungdemokraten und Kreisvor-sitzenden der FDP Hamburg-Mitte war, hatte ich zunächst ein Studi-Abo (1971) und ab 1976 ein Vollabo der FR gewählt, weil die Frankfurter Rundschau noch im Sinne eines Karl Herrmann Flach als links (oder sozial)-liberales „Kampfblatt“ agierte und Hamburg als Pressestadt vom Springer-Monopol nachhaltig traumatisiert wurde.
    Leider hatte die Hamburger Rundschau als Wochenblatt am Ende keine Chance eine Art Frankfurter Rundschau für Hamburg zu werden, ein Versuch war es allemal wert.

    Natürlich, nichts bleibt, wie es war. Unser jungdemokratischer FDP-Kreisverband wurde von der Malerinnung gestürmt (ausführlich von Karsten Plog in der FR dokumentiert) und end-gültig nach dem Verrat an der sozial-liberalen Koalition gab es den bekannten Aderlass der Linksliberalen aus der FDP.
    Die FR hatte sich zunächst politisch noch ganz gut gehalten war auch gut für viele Materialien in meinem Politikunterricht an unserer Chemie-Berufsschule. Leider ist in den letzten Jahren der schleichende Kurswechsel der FR unübersehbar geworden, so dass ich mich nach fast 40 Jahren von der FR verabschiede.
    Mein Hauptgrund ist die Journaille, anders mag ich es nicht nennen, in Sachen Bericht-erstattung zu den Vorkommnissen der versuchten rot-rot-grünen Koalition in Hessen.
    Frau Andrea Ypsilanti hatte ihren Fehler auf ihre Festlegung einer Nichtzusammenarbeit mit der Linkspartei ausführlich zugegeben und in der Folge mit einer übergroßen Mehrheit in der hessischen SPD eine neue Konzeption für diese Koalition öffentlich erarbeitet.
    Die FR hat all ihre journalistische Professionalität aufgebracht um gemeinsam mit der konservativen bis reaktionären Pressemeute eben diesen Neuanfang über die entsprechende Medienmacht mit zu verhindern.
    Sicher gilt das nicht für die gesamte Redaktion, es gibt ja auch nach wie vor sehr gute Artikel in der FR. Aber die Eigentümer und die Chefredakteure haben es inzwischen geschafft die FR politisch runterzuwirtschaften. Bleibt überregional nur noch die taz.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Kahlert

  84. Meike Beier sagt:

    Meine Familie ist Stammabonnent der Rundschau seit 1971; ich bin mit dieser Zeitung als „Institution“ aufgewachsen, generell war es für mich immer eine Selbstverständlichkeit, eine gedruckte Tageszeitung zu haben.

    Unsere einhellige Reaktion auf die Ankündigung vom Freitag war: Das ist der endgültige Todesstoß für die FR.

    Schon in den letzten Jahren, mit all den „Reformen“ (die meist als Qualitätsoffensive verkauft wurden, aber unschwer als Sparmaßnahmen zu entlarven waren), haben wir schweren Herzens begonnen, das FR-Abonnement in Frage zu stellen. Dass wir noch dabei sind, hat die FR nur den mangelnden Alternativen zu verdanken. Für mich ist es allerdings angesichts der Frage, wo denn nun der Mehrwert ist, erstmals vorstellbar geworden, gar keine Tageszeitung zu abonnieren.

    Im Einzelnen:

    Das Tabloidformat geht schon in Ordnung, wenn auch die Aufteilung längerer Artikel auf zwei Seiten lästig sein kann. Aber trotz der vielen Dementi ging diese Umstellung in unserer Wahrnehmung ganz klar mit einem Qualitätsverlust und einer Schwerpunktänderung einher. Dies war aber nur ein Erdrutsch in einem ohnehin schon länger laufenden, schleichenden Prozess. Wie schon ein anderer Kommentator beschrieben hat, geht es mir inzwischen häufig so, dass ich einen interessant erscheinenden Artikel anfange, aber schnell gelangweilt bin, weil er sich als oberflächlich herausstellt und keine Information oder Positionierung herüberkommt, die mich herausfordert und fesselt.

    Vor einiger Zeit ist mir eine ausgerissene „Aus aller Welt“-Seite von vor ca. 10 Jahren in die Hand gefallen. Mit ihrer Schwarz/Weiß-Optik und dichtgedrängtem Text würde sie heute mit Sicherheit als optisch unattraktiv bis abschreckend empfunden, aber Wow!, der Informationsgehalt dieser einen Seite war einfach phänomenal! Der „Ersatz“ in Form des Magazins ist im Vergleich dazu ein Witz; Überreste kann man heute sich bestenfalls noch aus den Kurzmeldungen unter „Wissen & Bildung“ zusammenklauben. Die herausragenden Dokumentationen wurden ja ebenfalls schon von Vorrednern vermisst; von den umfassenden Rubrikenbeilagen früherer Tage gar nicht zu reden.

    In einigen Kommentaren wurde auch schon der veränderte Tonfall angesprochen (siehe „viermal das Wort von den roten Faschisten“ und „der Linkspartei noch hämisch einen mitzugeben“). Solche pauschalen Aburteilungen in ansonsten inhaltsarmen und wenig fundierten Artikeln oder Kommentaren stoßen mir auch schon länger unangenehm auf. Und das nicht nur auf der linken, sondern auch auf der rechten Seite – hier sind es z.B. die „Ewiggestrigen“ und der „braune Mob“. Offenbar wird hier kritische Auseinandersetzung und richtungsweisende Positionierung mit platter Polemik verwechselt oder bewusst substituiert.

    Dies ist aber nur ein Aspekt eines insgesamt oft „unprofessionellen“ Schreibstils. Gerade im Regionalteil gibt es z.B. die Tendenz zu langgezogenen, anheimelnd-gefühlsheischenden Einleitungen. Allzu oft hat man schon mehrere Absätze solchen „Blablas“ hinter sich, bevor die erste essenzielle Information kommt. Gerade bei der zunehmenden Kürzung der einzelnen Artikel als auch allgemeinen Reduzierung des Textanteils (großformatige Fotos, breite Ränder) und des Gesamtumfangs der Zeitung fatal!

    Apropos Regionalteil: Die als „näher am Bürger“ angepriesene Umstellung Ende 2010 war für mich auch ein ganz klarer Verlust. Sie resultiert in einer „Klein-klein“-Berichterstattung, die mich schon für den Nachbarort kaum noch interessiert, während früher wesentlich mehr Themen von allgemeinem Interesse aufgegriffen wurden. Auch vermisse ich als kreisübergreifend orientierter Menschen die Informationen aus den Nachbarkreisen schmerzlich. Bemerkenswert auch, dass es kaum noch Leserbriefe gibt, während früher eine regionale Meinungsseite die Regel war.

    Und da der Sportteil angesprochen wurde: Uns interessiert auch Sport, insofern würde ich diese Rubrik nicht prinzipiell als verzichtbar einstufen. Allerdings, in der aktuellen Form mit 90% Fußballbundesliga und ansonsten hauptsächlich deutsch-zentrierten Kurzartikeln, wird immer mehr überblättert. Es gäbe jedoch auch Interessantes zu berichten über Sportler anderer Nationen und weniger massenträchtige Sportarten.

    Interessant finde ich im Übrigen, dass das Feuilleton als einzige Rubrik wesentlich weniger nachgelassen hat, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Das führt allerdings manchmal, wenn der Politikteil mal wieder dünn ausfällt, zu einer ziemlich seltsamen Gewichtung…

    Um zum Gesamtbild zurückzukommen: Ich denke, die FR hat den Kampf gegen die allgemeine Krise und die Herausforderungen des digitalen Zeitalters von der falschen Seite angegangen und dadurch das Problem verschärft, statt es zu lösen. Man hat versucht, durch leichteren und peppigeren Inhalt die digital geprägte Ex- und Hopp-Generation zu gewinnen. Genau das führt aber zu mehr unentgeltlichem Online-Konsum. „Schwere“ und lange Artikel lesen sich schlechter am Bildschirm; und eine entsprechend ausgerichtete Zeitung ist mehr Menschen die Papierform und das Abonnement wert. Die Nachrichten des Tages bekomme ich in der Tat auch im Internet bzw. über Fernsehen und Radio.

    Statt wankelmütigen Käuferschichten hinterherzulaufen und dabei immer austauschbarer zu werden und die langjährige Leserschaft zu vergrätzen, wäre es IMHO sinnvoller gewesen, das eigene, etablierte Profil zu schärfen, um die Stammabonnenten zu halten und einen kleinen, aber feinen und treuen Kreis zusätzlicher Leser zu erschließen. Insofern also durchaus „gesundschrumpfen“, aber auf die richtige Weise: Eindampfen auf höhere Konzentration statt Verwässern. Natürlich wäre das jetzt viel schwieriger, nachdem das sprichwörtliche Kind schon in den Brunnen gefallen, der Ruf ruiniert und viele Stammleser davongelaufen sind…

    Was das Online-Angebot betrifft, kann ich mich vielen Vorrednern anschließen: Es ist nicht erforderlich, den gesamten Inhalt kostenlos verfügbar zu machen. Reine Nachrichten für alle (die gibt es ohnehin überall und niemand zahlt dafür), Komplettzugang zu bei den Nachrichten verlinkten hochwertigen weiterführenden und tiefergehenden Artikeln nur passwortgeschützt für Print-Abonnenten, ggf. Angebot eines günstigeren Online-Abos, ansonsten vollständige Artikel gegen Einzel-Bezahlung.

  85. Giordano sagt:

    Tja, was soll man nach alledem noch sagen: am 1. April sind es genau neununddreißig Jahre dass ich die FR täglich lese (neben anderen). Und wenn der allgemeine Rückgang sowieso der „Finanzkrise“ geschuldet ist, dann braucht es auch keine Vorschläge mehr. Natürlich bin ich traurig, dass es jetzt so dramatisch abwärts geht, oder doch noch nicht?

    Jedenfalls bin ich in der letzten Zeit mit der Qualität der FR keineswegs mehr zufrieden. Hab‘ das Bronski auch immer wieder geschrieben. Und Sie müssen’s mir glauben, ich kenne in meiner Umgebung schon ein paar Leute, die in den letzten zwei Jahren die FR abbestellt haben – oder noch lesen, aber höchst unzufrieden sind. Und dabei ging und geht es nicht um ‚links‘ oder ‚rechts‘, wie hier manche meinen.

    Allerdings kommt in den Kommentaren immer wieder einmal vor, dass da gar zu viel auf Koch und Co. herumgeritten wurde. Das würde mich natürlich nicht weiter stören. Meine Kritik wäre indessen dazu, dass der Blick nach ‚links‘ stets schrecklich zahm, bieder und zahnlos geblieben ist. Eben ohne den herzhaften Biß, den die FR nach ‚rechts‘ so auszeichnet.
    Da fährt die Redaktion mitunter zu kreativ-bewundernswerter Form auf (siehe Guttenberg).

    Ein ähnlich scharfer Blick zur anderen Seite: das wäre m. E. die Chance der FR (gewesen). Bei anderen Zeitungen, beispielsweise der FAZ, weiß man immer schon im voraus, wohin der Hase im Artikel läuft. Da könnte die FR weit souveräner agieren. Weiß‘ indes nicht, ob das die Mehrheit der Leser auch goutieren würde. Vielleicht wollen die eben doch den ‚anderen‘ Stallgeruch!?

    Dass in den letzten Jahren die FR immer dünner wurde, trägt natürlich auch nicht zur Freude der Leser bei. Erinnert sei nur, dass die FR am 30. Mai 2007 vierundachtzig kleine Seiten hatte.

    Und, ich wollte jetzt meine Notiz in der Datei gar nicht glauben: in den nachfolgenden Tagen des Junis brachte die FR für Lokales, Rhein-Main und Hessen 44 kleine Seiten ins Haus. Dass man heute bei der schmalen Berichterstattung, die zudem immer wieder fehlerhaft ist (und lieber Herr Bronski, weit öfter als ich Ihnen schreibe, man hat ja auch noch anderes zu tun), mit Wehmut an die ‚alten‘ Zeiten denkt, das wird jeder langjährige Leser mitfühlen. Wenn ich an die großen, sachkundigen Artikel in meinem Archiv denke… Tempi passati!

    Ich grüße die Redaktion in großer Ratlosigkeit – und in langjähriger Verbundenheit!

  86. BvG sagt:

    @bronski

    Lieber Bronski,noch ein paar Ideen?

    Ich denke, angesichts der Verkaufszahlen und der allgemeinen Zeitungkrise ist Konkurrenz überflüssig geworden. Es geht nicht mehr darum, ob eine Zeitung überlebt, es geht darum, ob Zeitungen überhaupt überleben.

    1. Die noch bestehende überregionale Bedeutung der FR könnte für lokale Zeitungen und deren Redakteure ein Anreiz sein, ihre Artikel und regionalen Themen in der FR zu präsentieren und damit bundesweite Wirkung zu erzielen. Einen ähnlichen Vorschlag habe ich schon mal gemacht, also nochmal:
    Bietet doch den regionalen Zeitungen an, in passendem Turnus eine halbe Seite der FR zu gestalten und dort regionale Themen zu präsentieren, die im allgemeinen Interesse sein könnten. Bei entsprechender Einteilung käme jeder Landkreis einmal pro Jahr zu Wort.

    Im Gegenzug könnten die Regionalen ein Interesse daran haben, der bundesweiten Berichterstattung der FR einen Platz in ihrer Zeitung zu verschaffen. „Wirkung gegen Wirkung“ wäre ein gutes Tauschgeschäft und würde die Attraktivität aller Zeitungen heben.

    2. Noch mutiger und im Grunde den Ideen DuMont’s folgend, wäre eine FR denkbar, die einen bundesweiten Mantel bietet, in den die regionalen Themen eingebettet werden. Von mir aus kann der „Hintertutzinger Anzeiger“ auch als Kern der „Frankfurter Rundschau“ geliefert werden, das Konzept ist ja von den Kreis-Anzeigern schon bekannt. Vielleicht denkt DuMont nicht konsequent und nicht mutig genug? Da müßte man sich allerdings vom alten Namen verabschieden und den Namen zum Programm werden lassen.

    „Die Rundschau“ wäre das Gebot der Stunde.

    PS: Gelangen diese Beiträge dieses Blogs Herrn DuMont zur Kenntnis? Wäre schon angemessen, daß die Liebesmüh‘, die hier der Rundschau zuteil wird, auch eine Antwort DuMont’s erführe.

  87. Ehemalie FR Mitarbeiterin sagt:

    Schade, dass in den hier nur mit den zur Disposition stehenden Redakteuren gelitten wird. Nach der großen „Ausdünnung“ des Verlags in den letzten Jahren, werden auch dort wieder Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.

  88. Jochen Raue sagt:

    Hallo!
    Ich lese die FR seit fast 40 Jahre und aheb eienige Veränderungen mitgemacht. Dass sie aber jetzt in Berlin gemacht wird und zusammen mit der Berliner Zeitung, die ich schlecht find, finde ich bedauerlich und zerstörend.
    Ich werde mir das genau ansehen, aber Sie können sicher sein, dass ich schneller kündige, als ihnen lieb ist, denn ich nehme Ihnen die Ankündigungen nicht ab, zmal sie eine Großteil der Redakteure in Frankfurt entlassen.
    Eine Zeitung aus dem „Raumschiff“ Berlin brauche ich nicht, die nur noch Regoinalteile enthält, aber es gibt ja Alternativen, wenn auch mit anderem politischen Hintergrund.

    freundlichen Gruß Jochen Raue

  89. Hans sagt:

    @ Robert Pötzelberger: was soll an dieser Stelle schon wieder die unsägliche Rundfunkgebühren-Diskussion? Es gibt nun mal für die privatwirtschaftliche Presse keinen mehrfach durch das BVerfG belegten Verfassung-Auftrag. Aber dies nur am Rande. Auffällig in diesem Forum hier ist die Mehrheitsmeinung, die Rundschau wäre nicht (mehr) links genug. Ja du liebe Güte, vielleicht schon mal darüber nachgedacht, dass sie manchmal „zu links“ ist? Auch wenn es viele hier nicht wahrhaben wollen, die 70er Jahre sind vorbei und damit auch das vermisste „Ich-lese-meine großformatige-Bleiwüste-mit-langen-Dokumentationen-versehene-FR-am-WG-Küchentisch“. Die Welt besteht nicht nur aus Hartz-IV und Migrationsproblemen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten FR-Leser von diesen Problematiken auch gar nicht betroffen sind, sondern mit dem Lesen derartiger Themen ihr kritisch-aufgeklärte Gesinnung nur beruhigen und bestätigen wollen. Also: Tabloid-Format ist prima, Layout ist oberprima, Meinung ist meist prima, ABER: was macht eine regional und durchaus auch lokal gebundene Zeitung maßgeblich aus? Richtig: der Lokalteil und vielleicht noch die Hessen-Seite(n). Und da kränkelt es, zumindest was die Frankfurter Ausgabe betrifft, doch ganz ordentlich. Denn auch hier wird vorwiegend nur eine Altklientel bedient, die innerhalb des Alleenrings wohnt: Nordend, Bornheim, Bockenheim und wieder Nordend. Mittlerweile wohnt aber ein großer Teil des potentiellen FR-Publikums weiter draußen und findet sich, ihre Lebensumwelt, ihren Stadtteil gar nicht oder nur selten wieder. Hier liegt eine große Aufgabe bei der in Frankfurt verbleibenden Lokalredaktion. Beispiel gefällig: die sehr auf die Anwohner der Eckenheimer Landstraße fixierte Diskussion um die U5 und die Hochbahnsteige. Fast nie wurde die Perspektive der die U5 am meisten nutzenden Eckenheimer und Preungesheimer wiedergegeben, fast immer nur das Genöle der egozentrisch-egoistischen Bewohner des unteren Nordend-West, die lieber für alle Zeiten die behinderten- und familienfeindlichen Uralt-Schrott-U-5-Waggons erhalten wollen, statt einen modernen öffentlichen Nahverkehr für ALLE zu akzeptieren. So ein Biotop-Journalismus kann ganz schön nerven…

  90. Giordano sagt:

    Ergänzung zu # 86: in den USA sollen Regionalzeitungen steigende Erfolge erzielen, berichtete die NZZ vor einiger Zeit. Es seien sogar Neugründungen erfolgt.

  91. Wolfgang Fladung sagt:

    Die Diskussion hier im Blog scheint mir mehr zwischen Fans von Regionalzeitungen mit evtl. angehängtem überregionalem Teil hin- und herzugehen, als zwischen politisch eher links- oder rechtsstehenden Lesern. Wie macht eigentlich die FRANKFURTER NEUE PRESSE das, mit Regionalausgaben als HÖCHSTER KREISBLATT, NASSAUISCHE NEUE PRESSE, TAUNUS ZEITUNG, BAD VILBELER NEUE PRESSE, NEU-ISENBURGER NEUE PRESSE und USINGER NEUE PRESSE? Unsere Nachbarn, eher links-liberal eingestellt, haben die NNP im Abo, weil sie sagen, nur die NNP hat einen Regionalteil für den Kreis Limburg.

    Vor einigen Jahren hatte ich das einmal der FR vorgeschlagen, und damals hieß es: „Gerne, bringen Sie uns soundsoviel Abonnenten, dann überlegen wir das neu.“

    Und die Diskussion scheint hier wieder neu zu entflammen. Würden die FR-Leser einer politisch mehr links von der FNP angesiedelten Tageszeitung mit verschiedenen Regionalausgaben die Treue halten bzw. sogar als Käufer und vor allem Abonnenten neu hinzukommen – oder ist dies eine Diskussion um des Kaisers Bart?

    Ich jedenfalls fördere mit meinem Geld kein Blatt, welches jedes abgelassene politische Bäuerchen zum Großereignis aufbläst, und mich dann im umfangreichen Regionalteil darüber informiert, daß Opa Schneider beim Einstieg in den Bus Probleme hatte und Oma Müller ihren Tante-Emma-Laden vermißt.

    Großkraftwerkspläne in der Region gehören sicherlich in einen Hessen-Teil, welcher allerdings schon wieder in seiner überregionalen Bedeutung ein anderes Gewicht hätte.

    Ich wäre bereit, wieder einer Zeitung eine Chance zu geben, welche jenseits aller Rechts-Links-Oben-Unten Schemata kritisch reflektierend Stellung bezieht, auch einmal sich Zeit und Raum für längere Betrachtungen und Informationen läßt und vor allem den uns bevorstehenden Paradigmenwechsel wenn nicht mit anstößt, so doch kritisch begleitet. Sollte diese Zeitung in Frankfurt erscheinen – oder auch in Berlin – dann müßte sie unverwechselbar sein und mir als kritisch-aufgeklärtem Bürger wieder beweisen, was eine gut gemachte Tageszeitung zu leisten vermag.

    Oder um in politischen Kategorien zu sprechen: Eine Zeitung, die sich nicht nur der grün-rot-schwarz-gelben Leser annimmt, welche weiter brav zur Wahl gehen, sondern sich im Diskurs auch um all die bemüht, welche inzwischen resigniert und angewidert von den Wendehälsen und Karrieristen in allen Parteien abgewandt haben. Es soll auch noch jüngere Menschen geben, welche sich für kritische Informationen aus Printmedien und nicht nur aus dem Online-Angebot interessieren.

  92. FRettchen sagt:

    Eine stark regional ausgerichtete FR würde mich garantiert nicht interessieren. Ich habe vor fast 25 Jahren das letzte Mal in Hessen gewohnt. Damals habe ich mein FR-Abo mit in die Welt genommen: Ausland und diverse deutsche Bundesländer. Der Regionalteil war zwar immer ein bißchen „Heimat“, aber doch auch sehr Rhein-Main-zentriert (wo ich nicht her kam), und das hat mir nicht wirklich was bedeutet. Gelesen habe ich den Rest: Politik, Feuilleton, Magazin – eben all‘ das, was die Rundschau zur ÜBERregionalen Zeitung gemacht hat. Und natürlich am liebsten „Aus aller Welt“… 🙂

    Heute lebe ich in einem nördlichen Bundesland und kann mich nicht überwinden, das zu lesen, was hier im Angebot ist. Nicht mal wegen des Lokalteils, der grundsätzlich schon von Interesse wäre.

    Die Bayern-Seiten der SZ interessieren mich auch nur mäßig, aber wie damals bei der FR lese ich in erster Linie alles andere. Wenn mir die SZ (nach meinem Abschied von der Rundschau) nicht zugesagt hätte, wäre ich übrigens wahrscheinlich bei der NZZ gelandet, die mir auch immer gut gefallen hat.

    Wie schon einige Diskutanden angesprochen haben, geht es doch in erster Linie um eine Zeitung mit Format, die gut geschrieben ist, ansprechend aussieht und umfangreich und interessant informiert. Ein bißchen Unverwechselbarkeit kann zwar auch nicht schaden, aber das findet man heute tatsächlich immer seltener.

  93. maat sagt:

    Nun, man sieht, dass die Wünsche zwischen Regional und Überregionallesern auf jeden Fall auseinandergehen.
    Meine Traumzeitungs-Abo würde aus einem digitalen Baukastensystem bestehen. Dann könnte ich mir aus allen Zeitungen nur die Teile bestellen, die mir wirklich gefallen. Dann könnte ich aus der einen den Regionalteil auswählen, aus zwei anderen den Politikteil, aus allen Zeitungen das Feuilleton, KEIN Sportteil, ein bisschen Wirtschaft, seitenweise Debatten und Geisteswissenschaft und ein bisschen Unterhaltung- wenig Bilder- fast nur Text. Ich bin ja wahrlich kein Technik-Freak, aber für so etwa könnte ich mich begeistern. Wieso schließen sich die Zeitungen in der Krise nicht zusammen und beteiligen sich an einem digitalen Baukastensystem? Ach, wäre das schön und umweltfreundlich. Ich habe immer ein schlechtes Gewissen, wegen meiner Zeitungslesesucht, weil deswegen soviel Bäume sterben müssen und ich z.B. oft ganze Teile meiner Zeitung ungelesen wegwerfe, weil sie mich nicht interessieren (Finanzmarkt, Sport, Immobilien, Heiratsanzeigen). Es wäre für den Leser auch viel weniger anstrengend. So muss man sich jeden Abend ins Netz begeben, um Positionen herauszusuchen, die die abonnierte Zeitung nicht abdeckt, was blöd für die betreffende Zeitung ist, da man nicht dafür bezahlt. Ein Baukastensystem wäre gerecht und leserfreundlich. Jeder hätte die Zeitung, die er liebt.
    maat

  94. BvG sagt:

    @maat
    Technisch kein Problem, mit etwas Mühe würde es sogar gehen, eine solche Traumzeitung gedruckt herzustellen.
    Aber dazu müssen die Zeitungen mehr Gemeinschaftsgefühl entwickeln.

    Denkbar wäre zum Beispiel eine Presseschau nach individuellen Wünschen, nach Autoren, Zeitung oder Themen.

  95. FRettchen sagt:

    @maat #93

    ach, aber wie bei allem anderen im Leben findet man doch so oft etwas, das man gar nicht gesucht hat, und es ist trotzdem schön!

    Ich habe früher z.B. nie den Feuilleton oder gar den Sportteil gelesen und hätte bei dem von Ihnen vorgeschlagenen System in keins davon je reingeschaut. Und später erwischt man sich dabei, da die Zeitung ja nun mal da ist mit all‘ ihren Angeboten, daß man dort hineinschaut und tatsächlich etwas findet, das einen fesselt.

    Manchmal findet man etwas, das man nicht gesucht hat, und es ist nicht nur schön, sondern genau das, was einem gefehlt hat. Ich plädiere für die gute alte Zeitung mit allem.

  96. Rita und Wulf Hagedorn sagt:

    Liebe FR,
    im Wesentlichen möchten wir uns den Ausführungen von Th. Freiberg #9 und Jochen Raue #88 und Dr. Marlene Crüsemann #64 anschließen. Wir haben in 42 Jahren Abonnement die FR als ein eigenständiges gründlich recherchiertes Printmedium kennen und schätzen gelernt, und wünschen uns, dass dieser Charakter fortentwickelt wird, wie er sich z.B. in der beispielhaften Berichterstattung über die jüngsten Ereignisse in Japan, Libyen und deren weiträumige Ursachen und Folgen finden lässt.

    Wir wünschen uns weiterhin, das online-Angebot vor allem auch auf Auslandsreisen nutzen zu können. Es darf unserer Ansicht nach auch kostenpflichtig sein, nach welchem Bezahlmodell auch immer. Während dieser Zeit kann unsere Printausgabe an Institutionen gehen, an denen sie neue Leser für die FR interessiert.

    Wir würden uns freuen, wenn die Frankfurter Rundschau auch in der Zukunft nicht von der Berliner Sicht bestimmt wird und weiterhin die Zielsetzung der redaktionellen Arbeit dem Zeitungsnamen entspricht.

  97. Bronski sagt:

    @ all

    Ich möchte mich an dieser Stelle zwischendurch für viele konstruktive Vorschläge bedanken. Stecke jetzt noch im Redaktionstrubel, möchte mir aber später noch Zeit nehmen, zu dem einen oder anderen Beitrag etwas zu sagen.

    Ich schalte mich hier ein, weil vorhin auf FR-online.de ein Beitrag online gegangen ist, der Fragen zum Umbau der FR beantwortet. Ich übernehme ihn hier wortgleich.

    Umbau der FR – Fragen und Antworten

    Die Gesellschafter der Frankfurter Rundschau haben mit Geschäftsführung und Chefredaktion beschlossen, die Produktion des Blatts in Teilen nach Berlin zu verlagern. In Frankfurt werden Stellen wegfallen. Eine Faktensammlung.
    Sie teilen mit, die überregionalen Seiten der Frankfurter Rundschau (FR) sollen künftig in der Hauptstadt gemeinsam mit der DuMont-Redaktionsgemeinschaft und der Berliner Zeitung (BLZ) entstehen. Wird aus der Frankfurter die Berliner Rundschau? Wie soll da die politische Grundlinie der FR erhalten bleiben?

    Diese Befürchtungen, die auch Berichte über uns andeuten, sind nahe liegend. Der Anspruch des Restrukturierungskonzepts ist aber ein anderer. Geplant ist nicht, dass die Berliner Zeitung, die ebenso zum Kölner DuMont-Konzern gehört, einfach gleiche Seiten für Frankfurt mitproduziert. Das geht schon wegen des unterschiedlichen Papierformats nicht.
    Vielmehr soll eine Anzahl von Frankfurter Kollegen nach Berlin wechseln, weitere bleiben als Korrespondenten für Wirtschaft, Sport und Kultur am Main. Für die Berliner Ressorts sind Doppelspitzen geplant mit Vertretern von FR und BLZ. Meinungsprägende Rundschau-Autoren sollen weiter schreiben. Ziel von all dem ist, dass gemeinsam mit der Redaktion der Berliner Zeitung ein Team entsteht, das zwei Zeitungen denkt und macht.

    Und wer oder was ist die DuMont-Redaktionsgemeinschaft?
    In die DuMont-Redaktionsgemeinschaft sind im vergangenen Jahr gut zwei Dutzend Journalisten aus den Politik-, Wirtschafts- und Hauptstadtredaktionen von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung gewechselt. Sie beliefern in enger Absprache mit den Zeitungen alle Abo-Titel der Mediengruppe M. DuMont Schauberg mit Berichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – vorwiegend Nachrichten und Reportagen. Die Idee dabei: Wenn nicht vier Kollegen von vier Zeitungen, sondern nur ein Journalist der Redaktionsgemeinschaft einen nachrichtlichen Text über eine Bundestagsdebatte schreibt, können die drei anderen eigene Geschichten recherchieren. Wichtig für die geplante Restrukturierung: Auch in der Redaktionsgemeinschaft steckt Frankfurter Rundschau.

    Wer sind denn künftig die Chefs?
    Die gemeinsame Chefredaktion von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung bilden Dr. Uwe Vorkötter als Erster unter Gleichen, aktuell Chefredakteur der Berliner Zeitung, vorher auch Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Zur künftigen Chefredaktion gehört weiter Brigitte Fehrle, derzeit Chefredakteurin der DuMont-Redaktionsgemeinschaft, vorher stellvertretende Chefredakteurin der Berliner Zeitung. Drittes Mitglied der neuen Spitze wird Rouven Schellenberger, aktuell Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Auch in der gemeinsamen Redaktionsführung sind also FR und BLZ vertreten. Joachim Frank, derzeit ebenfalls Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, wird Chefkorrespondent der DuMont-Abotitel, zu denen FR, BLZ und Kölner Stadt-Anzeiger gehören.

    Was bedeutet das für die Beschäftigten?
    Bisher steht nichts fest, weil die Verhandlungen von Verlag, Gewerkschaften, Betriebsrat und Beschäftigten erst noch beginnen. Insgesamt könnten mehr als hundert Kolleginnen und Kollegen zunächst ihren Arbeitsvertrag verlieren, wenn sie aus dem Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main, das die Frankfurter Rundschau herausgibt, oder aus einer Leiharbeitsfirma in neue Gesellschaften wechseln. Unter dem Strich müssen nach den Umbauplänen 44 Stellen wegfallen.

    Was bleibt denn in Frankfurt?
    Selbstverständlich entstehen die Seiten für Frankfurt und die Region weiterhin in der Mainmetropole. Die Stadtredaktion soll personell verstärkt werden. Und hier arbeiten die bereits erwähnten Wirtschafts-, Sport- und Kulturkorrespondeten der überregionalen Ressorts, die etwa die Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank besuchen oder die aktuelle Ausstellung der Frankfurter Schirn besprechen.

    Und was hat es mit diesem digitalen Zentrum auf sich?
    Die Frankfurter Rundschau hat mit der Entwicklung ihrer mehrfach ausgezeichneten iPad-App ihre digitale Kompetenz bewiesen. Nun soll am Main die Produktion der Webseiten und iPad-Anwendungen für FR und BLZ gebündelt werden. In Frankfurt entstehen in diesem zukunftsgerichteten Bereich zusätzliche Arbeitsplätze. Selbstverständlich wird es auch vor Ort in Berlin Kollegen geben, die ihre lokale Erfahrungen einbringen. An der Spitze der digitalen Gesamt-Organisation steht Rouven Schellenberger, aktuell Chefredakteur der FR.

    Warum all diese Einschnitte?
    Die Zeitungsbranche steckt seit etwa zehn Jahren in der Krise. Eine wesentliche Einnahmequelle sind Anzeigen, und jahrzehntelang brachte die dicke Wochenendausgabe mit Stellen-, Immobilien- und Automarkt das Geld. Inzwischen finden sich viele dieser Annoncen im Internet. Es wird – für alle überregionalen Zeitungen – immer schwieriger, ihre Redaktionen zu finanzieren. Die Frankfurter Rundschau hat mehrere Sanierungsrunden hinter sich, die Beschäftigten verzichten beispielsweise seit vielen Jahren auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Die Geschäftsführung hat jetzt dargelegt, ohne die Finanzkrise, in der die Werbeetats erneut schwanden, wären die schwarzen Zahlen erreicht worden. Doch so blieben Verluste in zweistelliger Millionenhöhe pro Jahr, die den Gesellschaftern nicht auf Dauer als tragbar erschienen.

    Wer sind denn diese Gesellschafter der Frankfurter Rundschau?
    Aufgrund gesetzlicher Vorgaben wird die Gesellschafterstruktur einmal vierteljährlich im Impressum veröffentlicht. Dort heißt es:
    „Gesellschafter der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH sind
    – die DuMont Beteiligungs GmbH, Köln, Geschäftsführer Christian DuMont Schütte, Isabella Neven DuMont und Dr. Eberhard Klein; Beteiligungshöhe 50 Prozent, Stimmrecht 50 Prozent plus eine Stimme.
    – die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg) mbH, Berlin, Geschäftsführer Jens Berendsen und Matthias Linnekugel; Beteiligungshöhe 40 Prozent und
    – die Karl-Gerold-Stiftung, Frankfurt; Beteiligungshöhe 10 Prozent.
    Alleinige Gesellschafterin der DuMont Beteiligungs GmbH ist die Mediengruppe M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG, Köln.
    An der Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH ist der Vorstand der Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Berlin, zu insgesamt 100 Prozent der Stimm- und Kapitalanteile beteiligt – vermittelt durch jeweils treuhänderisch gehaltene Beteiligungen der Gesellschafterinnen Frau Dr. Barbara Hendricks, MdB, Berlin (94,67 Prozent) und Solidarität Verwaltungs- und Treuhandgesellschaft mbH, Berlin (5,33 Prozent).“

  98. Martin Eigel sagt:

    Zu Wolfgang Fladung: Also ich bin für Regionalzeitungen, aber ich bin auch für eine eigenständige Zeitung. Aber das, was bei der FNP passiert oder passierte, ist genauso fragwürdig – zumindest im Lokalteil. Sie haben den Lokalteil eingeschränkt, dafür aber alle anderen überregionale Teile belassen, wo bei hier unklar ist, ob ihre Korrespondenten eigene oder „angekaufte“ sind. Im Lokalteil der „Bad Vilbeler Neuen Presse“ spart man kosten, in dem Redakteure der FAZ tätig sind. Zumindest in einem Fall will ich mal behaupten ist das so. So ist ein FAZ-Journalist gleichzeitig bei der FAZ und FNP als zuständiger Redakteur tätig. Also spart man doch ein Gehalt, oder etwa nicht. Und ich kenne auch andere Entwicklungen. Früher sind FNP-Journalisten zur FR gewechselt, weil dort mehr zu verdienen war, dann gab es auch mal Zeiten, wo FR-Journalisten zur FNP gewechselt sind. Auch bei der FNP gefällt mir einiges nicht, aber sie scheint ihre wirtschaftliche Krise besser weggesteckt zu haben, als die FR – vor allem weniger öffentlich.

  99. Meiner Meinung nach müsste sich die „FR“ klar links aufstellen, wie oben angedeutet; dabei würde man sicherlich „mittige“ Leser verlieren, aber die „FR“ könnte die Deutungshoheit im linken Spektrum wiedergewinnen. Momentan liest man als Linker eben eher die „taz“, die „FR“ ist doch oftmals zu brav. Eine klar linke Zeitung mit hoher Qualität, damit könnte die „FR“ punkten. Vielleicht umstellen auf ein Genossenschafts- oder Stiftungsmodell, um unabhängig von den Gesellschaftern zu sein.

    Viel Erfolg jedenfalls. 😮

  100. Berthold Steinborn sagt:

    Der Verlust der Eigenständigkeit der FR enttäuscht mich maßlos. Wenn ich eine überregionale Berliner Zeitung lesen wollte, hätte ich dies schon längst tun können.
    Das Tabloid-Format hat zwar schon zu Inhaltsverlusten geführt, doch das neue Layout und die ideenreiche Grafik versöhnten mich mit der neuen Gestalt.
    Was tun? Noch ein, zwei Jahre dem Sterben der FR zusehen und dann die Süddeutsche abonnieren?

  101. Reiner Lins sagt:

    Der weitere Verlust der Eigenständigkeit der Frankfurter Rundschau trägt sicherlich nicht dazu bei, dass sich die Zhal der Abbonenten stark erhöhen wird. Eher ist eine weitere Reduzierung zu erwarten.
    Als langjähriger Leser der FR ist doch eine kontinuierliche Veränderung der FR zu erkennen. Eine Veränderung, die vom Überreginalen zum Lokalen hin geht. Der Wirtschafts- und Aktienteil wurde drastisch reduziert. Ebenso der Bereich Kommentare und Meinungen. Das Feuilleton dagegen scheint gleich geblieben oder grösser geworden zu sein. Positiv ist der Teil Wissenschaft, der nun täglich mit interessanten Beiträgen erscheint.
    Wobei ich am Lokalteil meiner Stadt keine Verbesserung erkennen kann. Aber das muss nicht an der FR liegen, es kann auch an der „Redseligkeit“ der Stadt liegen.
    Ich würde mir wünschen die FR kommt zu Ihrer alten Leistung und Selbstständigkeit zurück.
    Die Umstellung des Formates ist gelungen!!
    Ich hoffe noch lange Abbonent der FR bleiben zu können.

  102. Thomas sagt:

    Geschätzte FR-Redaktion!

    Die FR lese ich seit über zwei Jahrzehnten. Davor habe ich ein wenig die SZ, ganz kurz die FAZ und etwas länger die TAZ ausgekundschaftet. Und davor las ich die FR. Das ist nun gut 25 Jahre her.

    Ich zähle zu den Menschen die den Umstieg auf kleine Format nicht negativ, sondern ausgesprochen positiv betrachteten und betrachten. Inhaltlich habe ich die Schwankungen der letzten Jahre natürlich zur Kenntnis genommen, mich bisweilen darüber geärgert. Aber letztendlich war und ist die FR immer noch meine Zeitung.
    (Auch wenn der Sportteil m.E. überdimensioniert war und ist. Macht aber nichts, mein Altpapierhaufen hat sich noch jeden Tag in aller Frühe über die Verstärkung gefreut, und ich kenne Menschen, die wegen des Sportteils die FR lesen, daher war ich deswegen nie allzu böse. Und mußte nie und habe ihn ja auch nur sehr sehr selten gelesen.)

    Was nun auf mich zukommt erwarte ich mit Bangen. Schade, dass die Redaktion weiter ausgedünnt wird, auch ich sehe hier eher Gefahren als Vorteile, und die diversen Anmerkungen und Andeutungen in diesem blog bestätigen meine Befürchtungen.

    Die Berliner Zeitung ist nicht meine, und Herrn Vorkötters Wirken habe ich nicht postiv in Erinnerung. (Warum kam der eigentlich zur FR um dann wieder umzudrehen, und jetzt Chef von beiden (?) Zeitungen zu sein? Mir sieht das eher wie eine lange Vorbereitung aus.)

    Wie auch immer: Ich werde mir die Entwicklungen ansehen, den verbliebenen Redakteurinnen und Redakteuren „die Daumen drücken“ und alles Gute wünschen. Und wenn die Dinge, für die ich die FR gerade auch in den letzten Jahren schätzte (Hintergrund und investigativer Journalismus), „über die Wupper gehen“, und ich das Berliner Blättchen unter dem Namen FR serviert bekomme, dann werde ich mich wohl auch trennen müssen. Hoffentlich kommt es nicht dazu, denn dann weiß ich nicht, was mein Austräger mir morgens in den Briefkasten werfen soll.

    Was die Online-Veröffentlichung angeht, so lese auch ich recht viel Online. Wenn es denn endlich eine machbare Variante gäbe Mikrozahlungen per Internet zu organisieren, dann könnte ich mir auch vorstellen komplett auf Monitorlesen umzuschwenken und Papier zu sparen. Wenn mich das Lesen eines Artikels 10 Cent kostet, oder gar nur fünf, dann würde ich vermutlich mehr für die Zeitung ausgeben, als momentan im Druckformat. (Die Zeitung hat viele (!) Namen, die allein bei mir dafür sorgen, dass ich einen Artikel lese. Gefreut habe ich mich übrigens, dass nun dann und wann auch wieder die von mir sehr geschätzte Frau Forudastan mitschreibt.)

    Und noch ein paar andere Fragen:
    Warum eigentlich muss im beginnenden 21. Jahrhundert eine Zeitung komplett an einem Ort hergestellt werden? Träume ich mir da zu viel Machbares zusammen? Warum müssen die Redakteure und Redakteurinnen nach Berlin auswandern? Ist das eine versteckte Variante um Menschen zu entlassen, um sie dann wieder zu niedrigeren Löhnen einzustellen, kaschiert mit nem Umzug?

    Ich könnte noch lange weiter schreiben, lasse es jetzt aber erst einmal.
    Viel Glück!
    Thomas

  103. Dorothee Sehrt-Irrek sagt:

    Ja ich habe die FR online gelesen manchmal, ohne Abonnentin zu sein. Dafür lese ich die Berliner Zeitung eigentlich nicht online.
    Die FR mit ihrem philosophischen Forum und überhaupt, passt vielleicht am ehesten mit der Berliner Zeitung zusammen, aber eigentlich nicht. Die FR hat meiner langen Erfahrung nach eine andere Dimension. Die FR konnte ich überall lesen, die Berliner Zeitung lese ich als Berlinerin.
    Die FR hatte auch immer einen starken IG Metall-Bezug, die Zentrale ist in Frankfurt. Die Berliner Zeitung ist gut, aber die politische Weite und Kritik der FR hat sie nicht, auch weil die Leser in Berlin damit zur Zeit noch überfordert wären.
    Ich empfinde Berlin nach wie vor als etwas zu provinziell in der Innen- wie Aussenbetrachtung.
    Deshalb gut, dass FR-Redakteure die Berliner Zeitung verstärken werden.
    Es tut mir leid…..wie wäre es mit Leseraktien, die im Wert der Benutzung der Frankfurter online-Dienste gleichkämen?
    Wenn die Leute, Studenten etc. kein Geld haben, dann werden die Abos gekündigt….Mist und das in einer Zeit sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung. Wenn gute Zeitungen sich nicht mehr halten können, dann leidet auch die lebendige Demokratie, nochmal: Mist.

  104. Beate Jäger sagt:

    Ich lese die FR seit 1984 (?), so ungefähr jedenfalls. Sie ist die einzige Zeitung, der ich über die Jahre treu geblieben bin und die jeden Morgen um 6 Uhr mit Kaffee im Bett den Tag einläutet. Die Berichterstattung (politisch) und die Rubrik Wissen Bildung sind allererste Sahne. Da kann ich getrost auf die Tagesschau verzichten. Aber ich bemerke auch, dass ich damit ziemlich einzigartig im Kollegen- und Bekanntenkreis bin. Die Meisten lesen nur das örtliche Käseblatt oder informieren sich im Internet. Das erstere reicht mir nicht, das letztere finde ich moralisch unredlich, weil es nichts kostet. Ich finde Online-Zeitungen müssten gebührenpflichtig sein, denn die Redakteure, die die Nachrichten zusammenstellen, müssen doch auch bezahlt werden. Ich finde es besorgniserregend für die Vielfalt und die Demokratie, wenn der Zeitungsmarkt noch mehr schrumpft!
    Eine Lösung fällt mir aber leider nicht ein.

  105. M.B. sagt:

    Werter Bronski,

    wer hätte das gedacht, dass ich in Ihrem Blog nochmal zu einem Verteidiger eines FR-Umbaus werde?!
    Ich frage mich, ob diejenigen, die die BLZ hier als „Blättchen“ bezeichnen oder schlicht kund tun, dass ihnen die BLZ nicht gefalle, sich die BLZ mal genauer angesehen haben. Ein „Blättchen“ war die FR von 2007 bis zur Kooperation mit Berlin; vom Erscheinungsbild her ist sie das heute auch noch. Daher wiederhole ich mich: Der Ausbau der Kooperation ist eine Chance! Haben die BLZ-Verächter sich schon mal näher mit Leitartikeln von Christian Bommarius u.a. auseinandergesetzt?
    Dass anscheinend eine Beibehaltung des Tabloid-Formats geplant ist, ist ein schlechtes Zeichen; das mittelgroße Format der BLZ ist doch viel handlicher (gut umzublättern UND dennoch handlich)!

  106. Fidelio sagt:

    Ich bin ebenfalls sehr traurig über die Entwicklung der Rundschau. Sehr schade auch, wenn man bedenkt, dass eine Zeitung diesen Formates ums Überleben kämpft, während Schundblätter wie die BILD Riesenauflagen haben.. Aber – obwohl ich die FR liebe, und mich immer ein Stück zuhause fühle, wenn ich sie lese, auch wenn mich der Lokaltteil nicht interessiert – habe ich mich in letzter Zeit zunehmend von ihr entfernt.

    Die Zeitung hat das Herz am rechten Fleck, aber ihre Artikel sind mir häufig zu flach, die Meinungen zu vorhersehbar, die Denkmuster abgegriffen, die Nachrichtenhintergründe zu kurz. Ich möchte, dass die Zeitung links und sozial bleibt, aber wieso nicht mal etwas provokativer, intellektueller, umfangreicher, tiefer? Der Umfang des Politik- und Kulturteils ist z.b. viel zu gering.

    Und so bin ich ein paar mal bei der „unsympathischen“ „Allgemeinen“ hängen geblieben. Und ich finde: Die Artikel sind großartig geschrieben. Sie eröffnen Gedankengänge, auf die man nie gekommen wäre. Sie beleuchten ein Mainstream-Thema von einer ganz anderen Perspektive, wo die FR nur brav das schreibt, was ein „Gutmensch“ spontan dazu sagen würde.. (Okay, ich bin kein Kenner der FAZ, also ohne Gewähr)

    Aber nichts desto trotz: Es ist dämlich, aber wenn ich das Geld hätte, würde ich das Blatt sofort retten wollen. DIe FR ist immer noch ganz wichtig in der deutschen Medienlandschaft. Ich bin auch deswegen traurig, weil die FR zu den „Guten“ in Deutschland gehört.

  107. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich möchte hier kurz schildern, zu welcher Zeit ich zum ersten Male mit der „Rundschau“ als Dauerleser in Berührung kam. Im Jahre 1981 begann mein Anerkennungsjahr in einem Jugendamt im Rheinland. Die Kollegen dort hatten im Gegensatz zu den anderen Mitarbeitern der Stadtverwaltung nicht die Rheinische Post, sondern die Frankfurter Rundschau abonniert.
    Die wurde in der Pause reihum gelesen, wichtige Themen wurden diskutiert und miteinander ausgetragen.
    Seither hat die Rundschau und haben auch ihre Leser einen stetigen Wandel erlebt. Nun soll sich nach Wechsel um Wechsel nicht nur das Format, sondern auch das „Format“ verändern.
    Statt eine Berichterstattung mit dem gebotenen Abstand zum Geschehen, quasi aus der Meta-Position heraus zu schreiben, scheint es so, als wollten die Chefredakteure und „Macher“ der Zeitung den sogenannten „Mächtigen“ näher rücken. Möchte man sich an diesen sonnen oder sich in eine bessere Startposition zu deren Allerwertesten bringen?
    Seit vielen Jahren habe ich die Rundschau abonniert.
    Was bislang alternativlos war, ist im Begriff beliebig zu werden. Aus meiner Sicht zumindest.
    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Bilstein

  108. Andreas Forster sagt:

    Um es wie viele Vorredner vorwegzunehmen: seit 1978 habe ich mir die FR täglich gekauft, dies aber seit 2-3 Jahren eingestellt. Häufig empfinde ich die Artikel als so flach, als seien sie nur für die anschließende unsägliche Internet-Kommentarspalte geschrieben, in der vermeintlich Linke tagtäglich den politischen Gegner beleidigen oder über konservative Meinungen herfallen und den Urheber der Nazi-Anhängerschaft bezichtigen.
    Dass die Annonymität des Internets ein diesbezüglich fruchtbarer Boden ist, ist klar, aber das Niveau der abgedruckten Internetkommentare hebt sich bei der FR verglichen mit der ZEIT, der FAZ oder dem SPIEGEL deutlich negativ ab.
    Peter Glotz sagte einmal, dass man das Niveau einer Zeitung auch am Niveau ihrer Leserbriefe erkennt. Wahrscheinlich hat er Recht,deshalb müssen Sie an dieser Front etwas tun.

  109. Bronski sagt:

    @ Andreas Forster

    „Peter Glotz sagte einmal, dass man das Niveau einer Zeitung auch am Niveau ihrer Leserbriefe erkennt. Wahrscheinlich hat er Recht,deshalb müssen Sie an dieser Front etwas tun.“

    Ich möchte hier ausdrücklich meine Leserbriefautorinnen und -autoren in Schutz nehmen und die in der FR veröffentlichten Leserbriefe deutlich von anonym abgesonderten Online-Kommentaren abgrenzen. Diese sind keine Leserbriefe im älteren, glotzschen Sinn, da ihren Autorinnen und Autoren nicht mit dem Namen für das einstehen, was sie erzählen, und auch, weil ihrer Veröffentlichung keine redaktionelle Auswahl vorangegangen ist.

  110. Paul King sagt:

    als „linksorientierter leser“ fürchte ich: mit dieser gesellschafter-struktur wird das nix mit der linksliberalen FR (empfehle hierzu die lekture der DuMont-website) aber das gejammer nach Gerold`s zeiten bringt auch nichts voran. vielleicht sollten sich die „leidenschaftlichen redakteure“ mal überlegen ob ob eine mehr und mehr kapitalistische verlagsstruktur der richtige arbeitgeber ist. seid creativ! und – eine papierne zeitung ist vielleicht auch nicht mehr so zeitgemäss – obwohl seit über 25 jahre im abo – jedenfalls ist die bündelung der kräfte nicht das heilmittel für meinungsvielfalt! also ,wenn ihr denn angst habt vor der freiheit, dann bleibt in eurem stall und wartet auf die entlassung. ich bin aber optimistisch!

  111. Hanswerner Kruse sagt:

    Hallo Bronski,
    bin ich jetzt für alle Zeit in Ungnade gefallen? Ist meine Begrüßung des Umbaus so wie Gaddafis Beifall für Westerwelle? Den Kiyak-Satz hättet Ihr ja streichen können.
    Mein Beitrag vom 3.4.11:

    Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau! Seit meiner Schulzeit Ende der 60er-Jahre lese ich Ihre Zeitung. Seinerzeit hatten wir in unserem Wirtschaftsgymnasium „Schüler-Kampfabos“ gegen Springers kostenlose Welt. Wir mussten die FR dazu aus irgendwelchen Gründen morgens am Oldenburger Bahnhof abholen. Später las ich sie auch im revolutionären Berlin und seitdem ich seit über dreißig Jahren in Hessen wohne, bin ich glücklich, auch den Lokalteil mit Interesse lesen zu können. Manchmal wohnte ich in WGs, in denen es die FR schon gab, häufig haben entweder meine Frau oder ich die FR abonniert, seit langen Reisen im letzten Jahr kaufen wir sie am Kiosk oder – wenn möglich – unterwegs. Schon vor einiger Zeit dachte ich beim Zwischenwohnen in Berlin, dass die Berliner Zeitung inhaltlich doch sehr der FR ähnele nur äußerlich viel, viel spießiger daherkäme… Die Fusion mit der BZ bzw. die strukturellen Veränderungen Ihrer Zeitung haben uns nur kurzzeitig überrascht – die Argumente der Chefredakteure und von Alfred DuMont haben uns eingeleuchtet. Angesichts der Situation auf dem Zeitungsmarkt ist es eigentlich nicht überraschend, dass eine letztlich so kleine Zeitung wie die FR nicht alleine überleben kann. Von außen können wir uns sehr gut die Fusion mit der BZ vorstellen und halten eine gemeinsame Redaktion für übergreifende politische usw. Themen für absolut sinnvoll! Wir wünschen Ihnen viel Glück und Gelassenheit für Ihre anstehenden neuen Aufgaben und hoffen, dass den Veränderungen wenigstens die unsägliche Kiyak zum Opfer fällt („Pöbel“, „Abschaum“, „Gesindel“ durfte sie andere Menschen in der FR nennen). Ansonsten möchten wir gerne weiter und mehr von Arno Widmann, Daniel Kothenschulte, Joachim Frank oder Martin Scholz lesen. Alles Gute wünscht Hanswerner Kruse

  112. maat sagt:

    Nach meinem Eindruck bringt es Fidelio Nr. 106 auf den Punkt.
    Ich möchte aber noch einen weiteren Aspekt ergänzen. Ich habe mir gestern mal wieder eine Rundschau gekauft und muss sagen, dass ich Probleme beim Lesen der Zeitung habe selbst bei Artikeln, die ich auf der Online- Seite gerne gelesen habe. Meines Erachtens liegt das an der schmalen Spaltenaufteilung der Print-Ausgabe. Ich finde die schmalen Spalten mit der kleinen Schrift nicht sehr lesefreundlich, vor allem da mir die Bilder beim Lesen in das Blickfeld flimmern. Bei anderen Zeitungen habe ich überhaupt keine Probleme lange Texte schnell zu lesen- im Gegenteil, es freut mich. Bei der FR strengt es mich an, ich bleibe ständig irgendwo hängen und muss mich sehr konzentrieren. Vielleicht hängt das mit Lesegewohnheiten zusammen oder ich habe eine komische Lesetechnik, ich weiß es nicht. Geht das noch anderen so?
    maat

  113. K.Reiter sagt:

    zu #4: Lieber Thomas Stillbauer, Sie fragen:
    „Gilt Maries Kritik, dass Leser von oben herab behandelt werden, für die FR?“
    So habe ich es empfunden, leider. Wir haben unser FR-Abo gekündigt mit der Formats- und Inhaltsumstellung. Wir konnten es einfach nicht mehr lesen, dass diese Umstellung nur für uns, die Leser, gemacht wurde und wir es bald einsehen werden, dass die FR nun eine viel bessere Zeitung werden würde. Wir fühlten uns, ehrlich gesagt, beleidigt, weil wir uns nicht als DIE Leser empfandenund empfinden, als die uns die PR-Berater der FR sehen wollten. Es wurde nicht gefragt „Wer und wie sind unsere Leser?“ sondern es wurde behauptet „Wir werden schon Leser für unsere neue Zeitung finden!“. Ähnlich erging es mir übrigens bei HR1, auch dort wurde ich als Hörer „aussortiert“. Ich lese nun die FR nur noch gegelegentlich online. In letzter Zeit ist sie wieder besser lesbar geworden, aber als Printausgabe rutscht sie mir nach wie vor aus den Händen.
    Lieber Thomas Stillbauer, ich erinnere mich noch sehr gern an Ihre Einschulung in die 1b!! Genau dieses Einbringen von Persönlichkeit ging mir in den letzten Jahren bei der FR verloren! (und nicht nur dort)
    Wäre es nicht irgendwie möglich und vorstellbar, die FR mit der Methode der taz zu retten, mit einem Genossenschaftsmodell? Leider gibt es keine taz-Süd.
    Kennt jemand die kleine Monatszeitschrift „Das Magazin“ aus Berlin? Deren Redaktion hat sich vor 10 Jahren aus den Klauen eines großen Verlages selbst herausgekauft und hat damit erstens sich vor ihrem sicheren Untergang bewahrt (wie bei der „Wochenpost“ geschehen), zweitens einen kleinen eigenen Verlag gegründet und beglückt drittens seitdem die anspruchsvolle Leserschaft mit einem überhaupt nicht „massentauglichen“ Journalismus.
    Liebe FR-Redakteure, wenn es irgendeine Möglichkeit für neue, eigene Wege gibt, lasst sie bitte nicht ungeprüft verstreichen! Es gibt „Eure“ Leser und sie sind auch bereit dafür zu bezahlen!!

  114. Claus sagt:

    Lieber Bronski,

    meine Frau abonniert seit 20 Jahren die Frankfurter Rundschau. Immer noch die beste überregionale Zeitung, die wir kennen. Zu Bochumer Zeiten hatten wir sie täglich, und nachdem wir 1997 nach (Kleinstadt) in Brandenburg gezogen waren, immer noch samstäglich.

    Nicht (wie in diesem Blog unterstellt wird) weil wir sonst die FR für lau im Internet lesen, sondern weil wir eine Brandenburgische Lokalzeitung beziehen, die übrigens gar nicht schlecht ist, aber natürlich nicht zu vergleichen mit der Frankfurter Rundschau, und jeden Tag zwei Zeitungen sind doch zu viel.

    Nun lesen wir nicht zum ersten Mal, dass sich Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung zusammen getan haben und sich im überregionalen Teil angleichen.

    Die Frage für uns lautet also nicht, Abo für Geld oder Internet umsonst, sondern FR oder Berliner Zeitung. Warum nicht, denken wir uns ketzerisch, sonnabends statt einer „Berliner Zeitung mit hessischem Regionalteil“ eine „Frankfurter Rundschau mit Berliner Regionalteil“ lesen?

    Die Berliner Zeitung gibt es hier im Laden und kostet nur einen Euro. Wie fiel also an diesem Wochenende der Vergleich aus?

    Schnell fand ich alte Bekannte wieder. Mely Kiyak, Thomas Plaßmann. Aber halt mal- die Karikaturen in beiden Zeitungen sind von Plaßmann, aber es sind verschiedene. Und in der FR wurde Mely Kiyak diesmal eingespart zu Gunsten der Erklärungen der Redakteure.

    Die (vielen!) gleichen Artikel sieht man oft erst auf den zweiten Blick. Andere Überschriften, andere Schrifttype, teilweise sogar andere Bilder, aber der gleiche Text.

    Im Vergleich zum Erscheinungsbild der FR sieht die Berliner Zeitung konservativ aus. Aber eigentlich waren uns Format und Layout immer herzlich egal, den Rummel um das Tabloid-Format vor ein paar Jahren fanden wir übertrieben. Was uns nicht egal war: Der kleine König der großen Tiere. Dessen Humor ist von seinen Nachfolgern absolut unerreicht. Gibt es in der Berliner Zeitung überhaupt einen Comic? Jedenfalls nicht an diesem Sonnabend. (Oder?)

    Wir hatten mit großem Interesse von den Schicksalen hessischer Finanzbeamter gelesen, und auch sonst sind Ihre Regionalseiten häufig aufschlussreich. Insgesamt aber haben wir zu Frankfurt sehr wenig Bezug außer natürlich dem, den man durch jahrelanges Lesen einer Zeitung von dort gewinnt; zu Berlin wegen der Nähe schon erheblich mehr.

    Wir wünschen uns, dass die Qualität der Frankfurter Rundschau in der gemeinsamen Zeitung erhalten bleibt, und Ihnen, dass sich das wirtschaftliche Ergebnis wieder stark verbessert. Die FR ist eine wichtige Quelle der Hintergrundinformation und eine starke Stimme gegen den Neoliberalismus, die nicht verstummen darf.

    Demnächst werden wir also vielleicht demnächst das Produkt (aber wohl eigentlich nur den Produktnamen) wechseln, wenn nicht meine Frau ihr Veto einlegt: Die Berliner Zeitung hat (jedenfalls diesen Sonnabend) keine „Denkpause“. Sondern nur ein langweiliges Kreuzworträtsel und ein unlösbares Sudoku. Die wöchentliche Denkpause würde sie schon sehr vermissen.

    Viele Grüße

  115. K. Roth sagt:

    Werte Redaktuer/innen der FR,
    ich habe die FR seit Ende der siebziger Jahre abonniert (und bezahlt!) und musste gerade in den letzten Jahren einen meines Erachtens erheblichen Qualitätsverlust feststellen. Keine Seite drei mehr mit Hintergrundberichten, kein Wochenendmagazin mehr mit interessanten Artikeln. Auch die politischen Artikel wurden immer mehr mit „Boulevard“ Einsprengsel versehen. Eine besonders unrühmliche Rolle spielte die FR unter dem alten / neuen Chefredaktuer Vorkötter bei der Treibjagd auf Ypsilanti. Gerade vor dem Hintergrund des Fukushima GAUs war die vom damailgen „Schattenminister“ Scheer angekündigte Energiewende in Hessen sehr weitsichtig. Letztlich half die FR mit, die Karriere eines der größten politischen Demagogen zu verlängern. Spätestens zu diesem Zeitpunkt begann bei mir das Nachdenken, mein Abonnement zu beenden. Mit der jetzigen Umstrukturierung und dem neuen Chefredakteur steht meine Kündigung kurz bevor.

  116. D. Hamm sagt:

    Ich habe die FR seit der Umstellung auf das Tabloidformat nicht mehr gerne gelesen, weil mir das Entziffern der kleinen, eng gedruckten Schrift zunehmend Mühe bereitete.

  117. Sebastian Holl sagt:

    Für mich, der die FR noch zu Schulzeiten abonniert und das Abo der Deutschlandausgabe immer mitgenommen hat, mittlerweile nach Berlin, ist das dann wohl irgendwann in nächster Zeit recht witzlos.
    Dann bekomme ich hier für den gleichen Preis dann die gleiche Zeitung mit einem Regionalteil, der mehr als vier Seiten plus Fernsehprogramm umfasst (auch wenn mein Herz mehr an Hessen hängt) 😉
           
      Naja, was jetzt noch kommt ist vermutlich etwas subjektiv und nicht wirklich interssant, aber ich muss es dennoch loswerden:
    Was mich gerade als Exil-Frankfurter in Berlin wirklich ärgert, ist die Berlinzentrierung des deutschen Medien- und Kulturbetriebes. Diese Stadt ist nicht der Nabel der Republik, wie immer alle meinen, sondern in ihrem Wesen und Denken, soweit man das für eine Stadt zusammenfassen kann, in meinem Empfinden wesentlich isolierter vom Rest des Landes, als dies Frankfurt oder andere Städte sind.
        
    Auf jeden Fall wird die FR eine Lücke in der deutschen Zeitungslandschaft hinterlassen, wenn sie das nicht schon getan hat, und wenn ich irgendwann das FR-Abo kündige, werde ich wohl eher keine neue Zeitung abonnieren. Welche? An ernstzunehmenden, überregionalen „großen Tageszeitungen“ gibt es dann in Deutschland noch FAZ, SZ und taz. Die sind mir aus unterschiedlichen Gründen unsympathisch. Damit würde mich das Medium Tageszeitung wohl verlieren, das ich als Jahrgang 1984 wohl noch als einer der wenigen meiner Altersklasse schätzte und hochhielt.
        
    Naja, mal abwarten. Ich wollte auch schon nach der Formatumstellung kündigen (an die ich mich immer noch nicht ganz gewöhnt habe), aber irgendwie hänge ich halt doch emotional an der FR. Und ich zahle schon heute auch das Abo, weil ich sie als linksliberale Tageszeitung in Deutschland unterstützen will; selbst wenn ich mich manchmal frage, warum, nachdem ich mal wieder nach 15 Minuten durch war.
    Ich werde ihr auf jeden Fall eine Chance geben. Aber wenn ich irgendwann nur noch schon-am-Vortag-im-Internet-gelesene Artikel ohne den FR-typischen Einschlag in Analysen, Kommentaren und Hintergründen bekommen sollte, dann hab ich auch nichts mehr, was ich emotional unterstütze und damit auch finanziell unterstützen will.
        
    Wenn ich das nebebei auch anmerken darf, weil es nicht direkt zum Thema gehört, aber angesprochen wurde: Ich krieg von FR-Online auch massiv schlechte Laune, seit die Kommentarfunktion so massiv betrollt wird, zum Teil eben wirklich von Rechtsaußen, und ich versuche mal mehr mal weniger erfolgreich, sie zu ignorieren. Die Funktion empfinde ich wirklich nicht als Bereicherung.
        
    Naja, das war jetzt wenig Konstruktives, aber viel, das ich mal loswerden musste.
    Viel Glück und Erfolg ganz persönlich der Redaktion und danke an alle, die die FR die letzten Jahrzehnte zu dem machten, was sie war!

  118. Holger Rößer sagt:

    Soweit es meine Zeit zulässt, beginne ich den Tag mit einer Tasse Tee und der FR. Seit Jahre hadere ich mit der Frage, ob ich zu einer anderen Zeitung wechseln soll. Allein, mir fehlt noch die Alternative für eine Tageszeitung.
    Die FR hat, wie einige vor mir schon schrieben, an Qualität und Tiefe verloren. Auch die Anzahl an Schreibfehlern und abgestürzten Sätzen ist nicht mehr schön.
    Ich habe die FR abonniert als ich nach Südhessen zog, davor habe ich sie hin und wieder gelesen. Neben der Grundhaltung und der damals kritischeren Auseinadersetzung mit aktuellen Themen hat auch der gute Regionalteil maßgeblich dazu beigetragen, dass ich mich für die FR entschied. Spätestens seit die FR auf Artikel des Darmstädter Echos, die gelinde gesagt nicht weit von Schülerzeitungsniveau weg sind, zurückgreift gibt es für mich, neben der Gewohnheit, keinen Grund mehr die FR zu abonnieren. Ich bin nicht sehr optimistisch, dass die Diskussion hier Veränderungen bewirken wird, dennoch würde ich mich sehr darüber freuen.

  119. FRettchen sagt:

    zu #112 von maat

    Auch ich habe die Probe auf’s Exempel gemacht und mir die heutige FR besorgt.

    Das Format läßt mich allerdings immer noch schaudern – in meiner Vorstellung sieht eine seriöse Tageszeitung so einfach nicht aus! Gerne würde ich mich ja von den Inhalten eines Besseren belehren lassen, aber viel zu belehren ist da nicht:

    – der Umfang ist gering
    – die Gewichtung ist so lala
    – es gibt (viel zu) viele Agentur-Meldungen
    – der Eindruck ist: bunt – das liegt wahrscheinlich daran, daß zwar das Format geschrumpft ist, nicht zwangsläufig aber auch die Bilder/Photos.
    – und: unruhig, vielleicht liegt es an der merkwürdigen Mischung, sowohl von Inhalten als auch in der Reihenfolge. Der Feuilleton kommt beispielsweise nach dem Sport (Sport gehört für mich hintendran, alles „wichtige“ muß vorher drin stehen).

    – Vieles wirkt sehr gedrängt (zuviel Fettdruck auf zu kleinem Raum), und ja, auch ich habe ein Problem mit den schmalen Spalten. Ich ertappe mich dabei, wie ich jedesmal merke, daß ich mit den Augen wieder zum Anfang einer Zeile rucke. Komischerweise dürfen Analyse, Kolumne und Leitartikel auf Seiten 12/13 aber in breiteren Spalten stehen – wie kommt’s?

    – Handlich mag‘ sie oberflächlich besehen sein, ich finde die Tabloid-FR genau das NICHT. Wie K.Reiter so treffend schreibt, „rutscht sie mir aus den Händen“.

    – Inhaltlich scheint sie gar nicht mal schlecht (abzüglich der Agenturmeldungen), wobei ich das nicht abschließend bewerten möchte, weil ich sie mir nur heute nachmittag in einer längeren Kaffeepause zu Gemüte geführt und nicht alles durchgelesen habe.

    – Es war schön, ein paar altgediente FR-RedakteurInnen/KorrespondentInnen wiederzulesen, die schon immer auf meiner „Positivliste“ standen.

    Schade war, daß ich selber gemerkt habe, wie vorsichtig und beinahe voreingenommen ich daran gegangen bin, die Rundschau zu lesen. In Anbetracht der Tatsache, daß ich mal nichts anderes als Tageslektüre hätte gelten lassen, vielleicht das größte Manko. Wie das halt so ist, mit alten Lieben, die einen einmal enttäuscht haben…

    P.S. die Rhein-Main-Beilage war einfach nur schrecklich.

  120. Die Einsparmaßnahmen sind natürlich für die betroffenen Mitarbeiter schlecht. Doch an den harten ökonomischen Fakten kann keiner vorbei. Allerdings ist der Ort, an dem man eine kritische Zeitung macht (ob Berlin oder Frankfurt), m.E. nicht so wichtig. Wichtig ist der Inhalt – und den kann ich heutzutage praktisch überall erstellen. Insofern ist die faktische Fusion mit der BZ unter den gegebenen Bedingungen vielleicht nicht die schlechteste Lösung für die FR. Hauptsache, sie bleibt uns dadurch erhalten und gewinnt womöglich sogar an Niveau.
    Übrigens: Bin gerade als Abonnent von der SZ zur FR zurückgekehrt.

  121. BvG sagt:

    Wie an auf der FR eigenen Seite für das IPad sehen kann, sind die Tage der Printmedien sowieso gezählt.

    Weniger die journalistische Arbeit, sondern die Ablösung der Druck- und Vertriebswege durch kostenlose Alternativen besiegeln den Tod der Printmedien und münden letztlich auch in eine Beliebigkeit der Inhalte.

    Nun werden auch Zeitungen und Zeitschriften zu schnellen, rein visuellen Medien, und wie schon im Fernsehen, so wird man auch hier mit schnellen Ködern angefüttert und an den Haken genommen und je weniger die Leser anbeißen, umso bunter, süßer und gedankenstörender müssen die Anreißer werden.
    Das ganze erinnert an die unsägliche Motivationshatz der Sesamstrassenpädagogik, die im Sekundentakt immer denselben Inhalt in immer neuem Gewand präsentiert hat, weil dies angeblich zur Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit der Zuschauer (Lernkinder) notwendig war.
    Was dabei herauskam, war eine konsumierende Haltung, die das schnelle Vergessen quasi zur Bedingung für die nächste Aufmerksamkeitsbelohnung machte, also im Grunde „süchtiges Verhalten“ . Hinzukommt die permanente Verfügbarkeit, der vereinsamende Effekt und ein skinner’scher Lernautomatismus, der Pad und Handy usw zu Ablenkungsmaschinen macht, die das Wissen, welches sie transportieren, sogleich durch immer neues Wissen wieder aus den Köpfen vertreiben.

    Auf diesem Wege schaffen die Zeitungen sich (im schlechten Fall) ihre Leser selbst vom Hals…

    Es sind aber auch Bemühungen sichtbar, durch neue Darstellungsweisen den neuen Medien eine neue Lesekultur aufzuzwingen, die diesen Namen auch verdient.

  122. Birgit sagt:

    Ich kann nur sagen, dass ich seit ca. 30 Jahren die FR abonniert habe und immer begeistert war und bin. Die FR berichtet über Dinge, die andere Zeitungen nicht, oder unter anderen Vorzeichen berichten. Dazu besonderen Dank an Stefan Börnecke und Jörg Schindler!!
    Es tut mir sehr leid, dass es diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten gibt. Gründe m.E.: junge Leute lesen nicht mehr so viel gedruckte Zeitungen, informieren sich öfter im internet (leider!), und: die FR ist kostenlos im internet zugänglich ….
    Ich möchte die FR nicht missen!!!

  123. Marie sagt:

    Ha, wir haben einen Schuldigen: die jungen Leute sind die Bösen!

  124. Seq sagt:

    In meiner 10-jährigen Zeit in Frankfurt – ich habe übrigens nur einen Steinwurf vom damaligen Verlagssitz gewohnt – habe ich sicher keine 5 mal die FR gekauft.

    Warum? Ich stufe mich als eher konservativ ein, lese aber gerne auch die SZ (Print) und der taz (online), auch wenn sie andere Meinungen als meine eigene vertreten. Bei der FR hat man aber den Eindruck, dass sie von SPDlern ist, die für SPDler geschrieben wird. Das reicht mir nicht, und evtl. anderen potentiellen Lesern auch nicht. Auch wenn mir bei Kommentaren vom Prantl (SZ) manchmal die Galle hochkommt vertritt er doch eine Meinung die man teilen kann oder auch nicht. Diese Relevanz fehlt mir bei der FR.

  125. Thomas Sandkühler sagt:

    Die Seele der Zeitung kann man auch in den Kleinigkeiten erkennen. Leider ist der FR schon vor vielen Jahren die Mundart abhanden gekommen („heute-Glosse“ und der „Schlappekicker“). Zum Glück hat Thomas Plassmann Felix Musil gut ersetzt.
    Aber eine Redaktion in Berlin? Dann werden die Zeitungen fast so austauschbar wie Benzin oder Computer. Überall die gleichen Inhalte der Rest ist ein Label und Marketing. Kann ja gut gehen für Konsum- und andere Gebrauchsgüter.
    Aber eine Zeitung?
    Wenn sie zu weit weg von den Menschen ist, die Redakteure nur noch Kürzel sind, dann gibt es keine Leserbindung und keine Bereitschaft mehr, mehr zu zahlen.
    Statt sich in die Hauptstadt wegzuducken könnte ein anderes Konzept helfen:
    Die Redakteure nicht um den „News-Desk“ versammeln und zugetragene Informationen verarbeiten, sondern rausgehen und die Technik für die Infos nach innen nutzen. Oder so ähnlich….
    Vielleicht gibt es ja noch ein Wunder. So wie bei der TAZ….

  126. konrad nabel sagt:

    ich bin in mit einem fr-abonnement meiner familie weit weg von frankfurt aufgewachsen und bin seit meinem 19. lebensjahr (seit 1979) selbst abonnent dieser zeitung und habe es lange jahre nicht bereut, habe alle wandlungen und auch das neue format mitgemacht, habe die immer kritische berichterstattung der fr innerhalb meines freundeskreises und innerhalb meiner partei (spd) immer verteidigt und unterstützt und bin jetzt so entsetzt, dass ich einige tage brauchte, um auch selbst aktiv für meine zeitung zu kämpfen.
    die erste reaktion: dann eben die sz, die fr hat ja doch etwas nachgelassen im neuen format vor allem ohne die tiefergehenden beiträge wie die dokumentation und im feuilleton …; dann aber: nein: die fr muss wenigstens das noch bleiben, was sie jetzt noch ist, sonst fehlt in dieser strukturkonservativen republik das linksliberale korrektiv und eine publikation, die sich durch eigenes gesicht abhebt vom rest journalismusbrei zwischen bild und spiegel und faz und taz.
    auch als täglicher computernutzer und -newsleser: die gedruckte zeitung bleibt etwas wichtiges für mich, die fr ganz besonders.
    die (noch) geplante zusammenlegung mit anderen zeitungen wird den verlust an abos steigern – sonst nichts.
    und auch ich werde dann wohl kündigen – nach 40 jahren.
    schade wärs.

  127. Calpo Salmrohr sagt:

    Obwohl kein Freund des Tabloid-Formats, halte ich die FR für unverzichtbar in der deutschen Zeitungslandschaft. Ich sehe keine vergleichbare linksliberale Tageszeitung hierzulande, und meine Befürchtung ist, dass die vom Verlag beschlossenen wirtschaftlichen Maßnahmen zulasten der Qualität der FR gehen – Qualität, die ich zu schätzen weiß und auf die ich nicht verzichten möchte. Ich frage mich einmal mehr, warum ich Zwangsgebühren für 30-Millionen-Euro-Nachrichtenstudios, Monika Lierhaus‘ Gehalt und überhaupt erbärmliche TV-Unterhaltung zahlen muss, während im Printbereich journalistische Qualität in den Abgrund getreten wird. Das ist sehr bitter. Und so gilt meine Schelte nicht dem Verlag, der unter wirtschaftlichen Zwängen steht. Er gilt dem Apparat, der Volksverblödung subventioniert und unabhängigen Journalismus nicht wertschätzt. Ich verzichte auf jedwede solidarischen Wünsche, nur eines: Ihr, die FR-Redaktion und -Journalisten, habt das definitiv nicht verdient.

  128. Thomas Stillbauer sagt:

    Die Diskussion hier im Blog zeigt eindrucksvoll, dass es sich lohnt, um diese Zeitung zu kämpfen. Verzeihen Sie bitte, dass ich mich nur sporadisch beteilige, die Redaktion hat im Moment doppelt zu tun und nachzudenken… aber seien Sie sicher, die Journalisten der FR lesen hier in großer Zahl mit.
    @ maat, zu Ihrer Frage von oben – „Wieso beherzigen Sie (bzw. die Redaktion) seit Jahren nicht die Kritik Ihrer „aufgeklärten“ Leser, obwohl Sie wissen, dass die FR auf diese angewiesen ist?“: Ganz ehrlich, die Redaktion beherzigt die Kritik der Leser mit großer Ernsthaftigkeit. Anregungen werden weitergemailt und besprochen. Was wir umsetzen können, tun wir. Aber es liegt einfach nicht alles in der Macht der Redaktion.

  129. David Petschull sagt:

    Was ich von einer Zeitung NICHT will (und weswegen ich die FR auch nicht lese):

    Wenn die Leute in Ägypten auf der Straße stehen und protestieren, dann brauche ich keine Zeitung die mir das drei Tage später seitenfüllend mitteilt. Dann habe ich das nämlich schon längst von den Leuten vor Ort erfahren, die das per Handy auf Twitter posten. Übrigens weiß ich, dass Ihr in der Redaktion nicht selten genauso davon erfahrt. Also schenke ich mir das zähe Agenturgenudel und lese die Nachricht dort, wo sie passiert. Auch ist es überheblich zu glauben, dass Ihr etwas könnt was ein guter Blogger nicht kann. Für Euch geht es letztendlich darum etwas zu liefern, das man anderswo nicht bekommt. Kurzum, ich will keine aufgewärmten Agenturmeldungen. Nachrichten passieren heute im Netz. Und das ist zehnmal schneller und authentischer als die beste Zeitung. Noch etwas: Euer Sportteil geht mir unheimlich auf den Zeiger. Wenn ich Sport will, dann gehe ich joggen oder schwimmen. Das blöde Gebolze von irgendwelchen gehirnamputierten Millionären braucht kein Mensch.

    Was ich von einer Zeitung will (weswegen ich die FR vielleicht lesen würde):

    Eine Zeitung kann etwas, was das Netz nicht kann. Nämlich sich Zeit nehmen. Hintergründe liefern. Die großen Zusammenhänge deutlich machen. Recherchieren, und zwar nicht im Netz. Das kann ich nämlich selbst. Investigativer Journalismus jenseits von Gesellschaftskonsens, Agenturgefasel und politischer Meinungsmache. Das wäre mal was. So eine Zeitung würde ich lesen.

    MfG,

    David

  130. I. Werner sagt:

    Genau, lieber Thomas Stillbauer, es lohnt sich zu kämpfen! Es geht ja nicht nur um EINE Zeitung, es geht um den Erhalt der Meinungsvielfalt in dieser Republik. Bei einem genossenschaftlichem Modell wäre ich dabei

  131. Heinrich sagt:

    @ 128 # Thomas Stillbauer

    „Ganz ehrlich, die Redaktion beherzigt die Kritik der Leser mit großer Ernsthaftigkeit. Anregungen werden weitergemailt und besprochen.“

    Ganz ehrlich, wenn das stimmt: warum tun Sie das denn dann derart im Geheimen?

    Hier, in diesem Blog, ist, neumodisch ausgedrückt, DIE Schnittstelle zwischen der Redaktion und der Leserschaft. Die Redaktion ist hier durch ein Ein-Mann-Unternehmen namens Bronski repräsentiert, der mir großem Engagement und Erfolg die Reaktionen der Leserbriefschreiber für eine Blogdiskussion aufarbeitet, die ihresgleichen sucht. Alles, was hier in zig Kommentaren geschrieben steht, ist in letzter Instanz ein Reflex auf die jeweiligen Artikel der Redakteure. Aber es ist eine kommunikative Einbahnstraße. Denn was tun die Redakreure? Antworten sie, gehen sie auf ihre Kritiker ein? nehmen sie die gar nicht mehr so neuartige Chance wahr, mit der Leserschaft in direkten Austausch zu treten?

    Nein, sie „beherzigen“ die Kritik der Leser und „mailen sie weiter“. Merken Sie was? Auch Sie erscheinen mir hier, krisenbedingt, zum ersten Mal. Kann aber sein, ich habe Sie vorher übersehen. Schließlich habe ich hier keine Präsenzpflicht.

    „Was wir umsetzen können, tun wir. Aber es liegt einfach nicht alles in der Macht der Redaktion.“
    Doch, Herr Stillbauer, es liegt alles in der Macht der Redaktion. Ich weiß, das ist nur abstrakt so und von außen leicht zu sagen. Konkret müsste die Redaktion dazu einig sein und einheitlich handeln. Was dem konkret entgegensteht und inwiefern die Redaktion wenigstens das an Kritik umsetzt, was unter den gegebenen Bedingungen in ihrer Macht steht, das ist von außen eben nicht zu erkennen und zu beurteilen. Das scheint hier aber ja eben weitgehend bezweifelt zu werden.

    Wenn ich die Stimmen hier in ihrer Mehrheit richtig erfasse, dann wird, zumal im Vergleich zu früher, zweierlei kritisiert. Erstens: Die journalistische Qualität, die zu sehr in Richtung Boulevard geht, zweitens: die Zeitung hat an ihrem früheren linken Profil eingebüßt.

    Beides ist aber schon dezidiert aufs heftigste kritisiert bzw. eingefordert worden in der Diskussion um die Umstellung 2007. Damals erschienen mehrere Kritikblogs mit zusammen weit über tausend Kommentaren. Bronski, der wohl zunächst eine Promotion für die Umstellung im Sinn oder Auftrag hatte, musste schließlich resignieren angesichts der Überzahl bzw. argumentativen Übermacht der Kritiker.

    Ich habe mich damals aus der Diskussion um das linke Profil weitestgehend herausgehalten. Ich war mir einig mit meiner Mitbloggerin Susanne. Sie braucht keine linke Zeitung, weil sie nicht links ist, und ich brauche keine linke Zeitung, weil ich selber links bin. Mein Interesse gilt vorwiegend einer Zeitung, die nach den Gesetzen, die seit Gutenberg dafür entwickelt worden sind, auf optimale Lesbarkeit hin gedruckt ist und deren Artikel aktuell, aussagekräftig und kenntnisreich geschrieben sind. Der passende linkskritische Kommentar dazu fällt mir auch bei Bedarf selber ein. Aber ich bin ein linker Individualist, ein freischwebendes Arschloch, wie Herbert Wehner sich ausgedrückt hat, sowie Susanne eine liberale Individualistin war, eine sozialliberale wohl.

    Damals wie heute kam aber ganz offenkundig das starke Bedürfnis nach einer Zeitung zum Ausdruck, mit der sich die demokratische Linke identifizieren und in der sie sich wiederfinden kann. Ein vielleicht gar nicht so erstaunliches Bedürfnis nach Zusammenhang und kollektiver Identität, nachdem in der gesellschaftlichen Wirklichkeit die entsprechenden Milieus sich aufgelöst haben und eine neue Unübersichtlichkeit an deren Stelle getreten ist.

    Jetzt frage ich Sie, Herr Stillbauer: Wo waren Sie und Ihre Redaktion damals, um „die Kritik der Leser mit großer Ernsthaftigkeit“ zu beherzigen und umzusetzen? Wo blieb Ihr großes: „Halt, das machen wir nach diesem eindeutigen mehrheitlichen Votum nicht so, wie geplant“? Was von dem, was in ihrer Macht stand, hat die Redaktion in diese Richtung unternommen, statt die Zeitung an die Wand zu fahren? Antworten Sie das bitte vielleicht an maat, statt der nichtssagenden Allgemeinheit, nicht alles stehe in Ihrer Macht!

    Und ach ja: „Davor haben andere Chefredaktionen andere Antworten gegeben.“ (Bronski). Auch so ein nivellierender Gemeinplatz, der mehr verbirgt, als er offenbart. Konkret hatte die SPD-Schatzmeisterin den früheren Chefredakteur Storz kritisiert und ihm „eine negativere Berichterstattung über die Partei Die Linke“ empfohlen. „Nach SPD-Angaben hingegen war der Kündigungsgrund die wirtschaftlich schlechte Lage der Zeitung“ (Wikipedia).

    Wie konnte das geschehen, wenn die Redaktion alles getan hat, was in ihrer Macht stand, und sich geschlossen und kämpferisch vor ihren Chefredakteur gestellt hat?

    Die wirtschaftliche Lage ist ja nun wohl unter seinen Nachfolgern eindeutig noch schlechter geworden. Was spricht also nun dagegen, kämpferisch initiativ zu werden, Storz oder jemand entsprechenden zurückzuholen und unter seiner Führung eine Qualitätszeitung mit unverkennbar linksliberalem Profil zu gestalten?

    Dass das Leserpotential da ist, aber vergrault wurde, wie die Abwanderungen zeigen, z.B.durch die Haltung Vorkötters zu rot-grün-rot, wie oben angemerkt wurde, ist schon regional nicht unwahrscheinlich, schließlich wurde in Hessen so gewählt, überregional mangels Alternative noch wahrscheinlicher. Holt die Leute von der SZ, der taz und der FAZ zurück!

  132. sven s. sagt:

    Diaspora: Vielleicht trifft dieser Vergleich die Situation. Die FR ist ja nicht zu solch drastischen Maßnahmen gezwungen, weil Finanzhaie profitable Stücke herausreissen….

    Ich selber lese noch ermäßigt die Printausgabe mit meinen 30 Jahren. Man hat zwar im Zug morgens schon immer mal wieder ein iPad gesehen, aber ich selber erachte dieses kostspielige tool noch nicht als erforderlich an, gerade weil ich meine FR morgens habe…

    Wir alle sozial liberal denkenden Menschen haben Schuld, dass Zeitungen wie die FR oder die taz in solchen Schwierigkeiten stecken. Ja, die Löhne sind knapp bemessen. Aber auch hier haben die Gewerkschaften in den letzten Jahren konstant Lohnerhöhungen vereinbaren können.

    Sollten wir nicht weiter in dieses Interesse investieren? Auch durch Unterstützung derer, die uns eine Stimme verleihen, Ansichten, die wir als gerecht ansehen? Wer sonst soll der konservativen, die Gerechtigkeitsfrage gern ausblendenden FAZ oder FNP die Stirn bieten? Deshalb ist ein Zeitungsabo Pflicht, wenn man sich für die res publica interessiert, insbesondere wenn man zu den passiven Beobachtern der gesellschaftspolitischen Themen zählt, Demonstrationen im Stillen befürwortet.

    Natürlich hat die FR bereits seit der Übernahme im Rhein Main Gebiet an Ansehen verloren. Oftmals Meldungen, bei denen die Überschrift lesen reicht. Oftmals Kommentare, die bis auf wenige Ausnahmen ( z.B. Karl Grobe)auch nicht gelesen werden, die auf mich nicht mehr den Geist aussprühen, den sie auf mich als kleinen Jungen einst hatte, wenn ich nachmittags in die FR meines Vaters blicken konnte, und Gastbeiträge von Persönlichkeiten wie Rudolf Dressler las, die mir selbst in der Oberstufe stets als Basis für gute mündliche Leistungen diente. Vielleicht ist dieses Malör aber auch dem Zeitgeist geschuldet, dass es der Politik an diesen Formaten fehlt, speziell auf sozialdemokratischer Seite (aber seien wir ehrlich, nehmen wir Cem Özdemir ernst?).

    Damit die FR irgendwann einmal wieder aus Frankfurt kommen kann, muss sie nach Berlin.

    Die FR ist finanziell schwer angeschlagen, da wir einfach zu wenige Exemplare kaufen. Wir sind angefressen ob der vielen Druck- und Syntaxfehler, aber das liegt daran, dass die FR sich keinen Stzer mehr leisten kann. Solange sich die Abos ncht steigern lassen, muss die FR weiter existieren. Ich kann die DuMont Familienstruktur nicht ganz durchblicken, ich schätze den Patriarchen aber als jemanden ein, der letztendlich um die Bewahrung solcher Zeitungen, die einen Gegenpol schaffen, kämpfen muss. Dieses Aufreiben kostet Qualität.

    Vielleicht wird die FR es schaffen, wieder und weiter Beiträge zu veröffentlichen, die irgendetwas in dem gerecht denkenden Menschen aufhorchen lässt.

    Vielleicht gibt es bei der nächsten Bundestagswahl ja wieder eine Partei, die glaubhaft für einen New Deal steht, die auch den Mut hat, ihre Befugnisse zur Eigentumsfreiheit im Sinne des Nassauskiesungs-Urteils auszuüben, die versteht, was der gesetzgeberische Fehler war, der zur (im Senat schon bei der Zuständigkeit hoch umstrittenen) Verfassungswidrigkeit der Vermögenssteuer führte.

    Dann könnten sich beide aneinander aufrichten. Vielleicht ist diese Gesellschaft und ihre sozialen Errungenschaften, dieser Staat noch nicht verloren, hoffentlich ist der Pluralismus noch nicht verloren!

  133. Felicitas Herdt sagt:

    Ich wäre gern Zeitungsleserin!
    Täglich gemütlich bei einer Tasse Kaffee interessante Themen lesen: eine schöne Vorstellung.

    Doch ich gebe zu, dass ich zwar gern eine Zeitung kaufe, aber sie dann fast ungelesen in den Altpapiercontainer gebe. Zu wenig Zeit.

    Dann kam das Tabloid-Format. Endlich! Die Zeitung, die ich in der U-Bahn lesen kann, ohne meinem Sitznachbarn auf die Nase zu boxen? Ja, aber der Inhalt entspricht nicht dem, was ich mir von „meiner“ Zeitung wünsche. Ich brauche auch schon am Morgen Infos, die kompakt dargereicht werden. Dabei müssen sie doch nicht an Tiefe verlieren! Es wäre schön, wenn sich hier etwas täte.

    Als ich mit dem Zeitungslesen begann, stand für mich als waschechte Frankfurterin fest, dass es nur eine geben kann: die FR. Man sagte ihr nach, dass sie links steht, ohne sich parteipolitisch festzulegen. Ich fand das auch.

    Das änderte sich irgendwann. Ich las sie nicht mehr gern, weil es meiner Meinung nach ungerechtfertigt harte Berichterstattung gegen linke Inhalte gab. Geradezu erheiternd finde ich in diesem Zusammenhang die Miteigentümerschaft einer SPD nahen Organisation. Ich kann nicht finden, dass es eine besondere Nähe zur SPD gibt.

    Ich mag Berlin. Diese Stadt ist nicht nur unsere Hauptstadt, sonders auch sehr spannend.
    Aber ich möchte diese nicht in fast allen Belangen im Mittelpunkt stehend sehen. Das entspricht nicht unserer Kultur, in der viele Städte für unterschiedliche „Märkte“ stehen. Leider entspricht es dem Zeitgeist nach Berlin zu gehen.

    Ich finde, wo „FRANKFURTER Rundschau“ draufsteht, sollte auch Frankfurter drin sein!

    Und vielleicht schaffe ich es dann auch, mir nicht nur eine FR zu kaufen, sondern sie auch ganz durch zu lesen …

  134. Birgit sagt:

    nur kurz an Marie, # 123, 6.4.: ne, junge Leute sind nicht die Schuldigen, nur: ich habe selber einen 25-jährigen Sohn – und der liest – leider – die „news“ lieber im internet – und verzichtet damit – leider – auf Hintergrundinfos und Kommentare

  135. Marcel Stadt sagt:

    Was wir jetzt erleben, ist leider nur ein weiterer Schritt in dem langsamen Niedergang der Frankfurter Rundschau. Ich fühle mich der Rundschau, wie sie auch hier nur genannt wird, zwar schon lange verbunden, habe sogar ein Schülerpraktikum in der Redaktion absolviert und sie später zu Beginn meines Studiums auch abonniert, musste mich aber nach zwei Jahren wieder von ihr trennen.
    Was ich damals für mich festgestellt habe, gilt auch weiterhin, die Rundschau verflacht inhaltlich zusehens. Die Analysen zu aktuellen politischen Konflikten ist auf ein Minimum geschrumpft, meistens sind es nur noch FAQ-Boxen auf Boulevard Niveau. Die Berichterstattung aus Berlin oder sonstwo ist sehr dpa-geprägt, die paar späten Sternstunden, wie die Berichterstattung zur Frankfurter Steuerfahndung wirkten wie ein verzweifeltes „Wir können es noch“ und die Kommentare sind zum Teil so kurz, dass sie in anderen Zeitungen den Klappentext für den Leitartikel bilden könnten.

    Ich möchte ein Beispiel bringen, was für mich der Grund war, mein Abo zu kündigen und, wie einige andere hier im Blog, zur SZ zu wechseln:

    Als mal wieder die Beobachtung der Linkspartei durch den Verfassungsschutz im politischen und medialen Diskurs war, habe ich die Kommentare/Leitartikel der FR, der FAZ und der SZ zu der thematik verglichen.

    Die FAZ kritisierte die schleichende Anerkennung dieser Partei, die dadurch zum Ausdruck kam, dass sie nicht mehr durch alle 17 Geheimdienste beobachtet wird.
    Die FR fand die Beobachtung schlecht, es war leider kein Platz mehr da zu Begründen warum.
    Die SZ hatte einen tollen Leitartikel von Heribert Prantl, welcher grundsätzlich anführte, dass der Kapitalismus nicht im Grundgesetz festgeschrieben sei und folglich eine PArtei mit antikapitalitischen Tendenzen nicht deswegen verfassungswidrig sein könnte. Danach kritisierte er die Partei.

    So eine differenzierte Betrachtung und so eine Grundsätzlichkeit vermisse ich an der FR schon lange. Anders ausgedrückt, DPA-Meldungen analysieren und mit einer unreflketierten linken Attitüde zu versehen kann ich selber.

    Ich hoffe sehr, dass die FR noch irgendwie die Kurve kriegt, sich vielleicht von diesem unsäglichen DuMont lossagt und ein Genossenschaftsmodell probiert. Ich würde nach meinem Studium sofort einsteigen 😉
    Sonst droht der FR das, was Prantl am Montag in seinem Leitartikel miteinander verglichen hat: Das Schicksal der FDP

  136. BvG sagt:

    Mal positiver gesehen, steckt doch auch eine Chance in der teilweisen Fusion mit der Berliner Zeitung, nämlich die, mit zwei Zeitungen der zwei wichtigsten Städte der Bundzreplik eine guten Nachrichtenfluß von der einen zur anderen Stadt und deren Lesern aufzubauen und jeweils Themen der einen Provinz zur anderen zu transportieren.

    Das ist doch eine ganz nette Maßnahme, dem berliner Zentralismus, der sich breit macht, etwas entgegenzusetzen.

    Eigentlich ist das eine gute Startrampe, um der ganzen Welt und der Zeitung für Deutschland mit der Zeit eine Kooperation von Zeitungen mit bundesweiter + regionaler Bedeutung entgegen zu stellen.

  137. Bronski sagt:

    @ Heinrich, # 131

    2007 „erschienen mehrere Kritikblogs mit zusammen weit über tausend Kommentaren. Bronski, der wohl zunächst eine Promotion für die Umstellung im Sinn oder Auftrag hatte, musste schließlich resignieren angesichts der Überzahl bzw. argumentativen Übermacht der Kritiker.“

    Dem Eindruck, ich habe damals PR machen wollen, möchte ich entgegentreten. Ich habe damals angesichts einer Vielzahl einkommender Leserbriefe gesehen, dass es großen Diskussionsbedarf zur Formatumstellung gibt. Mein Vorschlag an die Chefredaktion war daraufhin, dieser Kritik öffentlich Platz zu geben. Uwe Vorkötter hat diesen Vorschlag befürwortet, obwohl er wie ich geahnt hat, was auf uns zukommt.

  138. Ingrid Kruppa sagt:

    Lieber Herr Bronski,
    ich möchte auf eine Frage Ihres Kommentares eingehen, warum links- bzw. linksliberal orientierte Leserinnen und Leser nicht bereit sind, linke bzw. linkliberale Inhalte zu lesen oder … für die Generierung dieser Inhalte auch zu zahlen. Hier dazu meine persönliche Entscheidung und Haltung. Als langjährige FR-Abonnentin, noch längere FR-Leserin, frühere Zeit-Abonnentin und frühere jahrzehntelange Spiegelleserin habe ich vor Jahren folgende Entscheidungen getroffen: das Zeit-Abonnement ist gekündigt. Bei bestimmten politischen Anlässen kaufe ich Einzelexemplare der Zeit und/oder des Spiegel, d.h. 2 – 3 Ausgaben im Jahr. Das Abonnement bei Frankfurter Rundschau habe ich einige Zeit nach der mehrheitlichen Übernahme durch das Medienhaus DuMont – auf E-Paper umgestellt, weil mir die Print-Ausgabe das Geld nicht mehr wert war. Die Zeit nach der Übernahme durch DuMont habe ich als einen eklatanten Qualitätsverlust wahrgenommen, d.h. vielfach wurden politische Entscheidungen, Gesetzesvorhaben etc. einseitig und in wesentlichen Teilen unvollständig dargestellt und mainstream-mäßig kommentiert, so dass mir eine fundierte eigenständige Meinungsbildung über die FR nicht möglich war – auch über die oben erwähnten anderen Printmedien seit Jahren nicht mehr. Das gleiche gilt für viele Informationen und Argumente, die politische Entscheidungsträger unter das Volk streuen. D.h. wenn ich gut informiert sein und ich mir eine eigenständige Meinung bilden will, gehe ich direkt an die Quellen (z.B. Gesetzentwürfe)
    bzw. recherchiere ich im Internet nach weiteren Informationen, die vielfältig verstreut auch zu finden sind, aber für eine Normal-Bürgerin nicht finanzierbar wären, wenn das alles einzeln bezahlt werden müsste.
    Zurückzukommen noch einmal auf die FR: Die Qualität der FR – was den politischen Informationswert betrifft, hat sich meiner Wahrnehmung und nach meinem Urteil – inzwischen zwar verbessert. Sie ist aber nicht zu ihrer früheren von mir geschätzten Qualität zurückgekehrt. Ich fürchte aktuell eine Wiederholung und Verstetigung des Qualitätsverlusts bei der geplanten Umstellung und Verlagerung nach Berlin. Ich werde dann vor einer neuen Entscheidung als FR-Leserin stehen.
    Ingrid Kruppa

  139. Heinrich sagt:

    @ # 131

    Lieber Bronski,

    danke für die Antwort!
    Einem Eindruck kann man nicht sinnvoll entgegentreten, den kann man höchstens durch neue Eindrücke verwischen.

    Auf den viel wichtigeren Aspekt meiner Überlegungen gehst du aber leider nicht ein, nämlich darauf, dass die kommunikative Kooperation zwischen Redaktion und Blog-Community entgegen Th. Stillbauers Beteuerungen bestenfalls als Einbahnstraße stattfindet. Hier, wie für den Zusammenhang zwischen Print und Online überhaupt gäbe es möglicherweise Entwicklungsmöglichkeiten und -Erfordernisse, über die marie vielleicht kompetentere Aussagen treffen könnte.

    Es ist das Problem von statistischen Zahlen, dass sie verlässlich über nichts als über quantitative Fakten und Relationen Auskunft geben und nicht über Ursache-Wirkungsbeziehungen. Da der Schwund nach dem Auswecheln von Storz sich aber fortgesetzt hat, war es offenbar zu kurz gegriffen, seine linke Ausrichtung dafür verantwortlich zu machen. Darauf galt es hinzuweisen. Oder ist es sinnvoll und erfolgversprechend, hier Personalpolitik nachdem Fußballtrainer-Modell zu betreiben, zu wenig Tore und Siege: auswechseln. Das führt zu nichts als einem irrationalen Personalkarussell.

    Ich habe da, wie gesagt, persönlich keine Karten im Spiel, mein Kriterium wäre Qualität, nicht etwas mehr oder weniger links oder liberal. Aber es scheint eben nach den vielfältigen Äußerungen hier so zu sein wie beim SPD-Drang zur „neuen Mitte“: Wer es allen recht machen will, macht es niemandem recht.
    Qualitätshebung und ein klares Profil, ohne dies wird das m.E. nichts werden.

    Dieses Profil kann gemäß der Traditionen und interessierten Leserschaft nur linksliberal sein. „Linksliberal“ ist dem Begriff nach nicht eigentlich links, sondern deckt, auch in der Tradition seit dem 19. Jh., das zur linken Bewegung und sozialen Frage hin geöffnete und mit linken Parteien bündnisfähige politische Spektrum des liberalen Bürgertums ab. Dass dieses seit den 90er Jahren statt den Roten eher den Grünen zuneigt und dass deren Zentralorgan die taz ist, sehe ich als ein Problem und eine Herausforderun der FR ebenso an wie den Spagat, den sie zwischen Lokalzeitung für ein vielleicht eher kleinbürgerliches Publikum (so gut kenne ich mich in der sozialstruktur Frankfurts nicht aus) und überregionaler Zeitung für ein linkes und linksliberales Publikum zu verrichten hätte.

    Dass diese aber keine tragfähige Basis für ein unverwechselbares Profil und eine nicht austauschbare gut gemachte Zeitung abgeben sollen, das leuchtet mir nicht ohne weiteres ein. Was ich aber sehe ist: es müssten verlorene Leser und Leserschichten zurückgewonnen und neue, zumal junge, hinzugewonnen werden. Welche Strategien dafür über die Profilierung hinaus im Verbund zwischen Print und Online geeignet erscheinen, das wissen andere besser als ich.

  140. Michael Schäfer sagt:

    Eine Berliner FR?? Dann lese ich lieber die Süddeutsche und höre HR.
    BFR, könnt ihr selber lesen, ich nehme mein Abo und bin dann mal weg…

  141. M.B. sagt:

    Eben gefunden auf der Seite woz.de (aus einem Artikel von heute anlässlich des Warnstreiks der FR-Redaktion:

    „Katastrophal wirkte sich die inhaltliche Neuausrichtung aus, die mit der Umstellung auf das Tabloidformat einherging: Immer kürzere Texte machten üppig bebilderten Seiten Platz. Und statt das linke Profil der Zeitung zu schärfen, setzte man auf einen Kurs zwischen einem zahnlosen Sozialliberalismus und Anleihen beim herrschenden Neoliberalismus.

    Das Resultat kam bei vielen LeserInnen nicht gut an: Zahme, buchstäblich nach allen Seiten offene Kommentare gingen einher mit täglich vier Seiten Boulevardtexten, seifigen Interviews mit halbwegs Prominenten, klebrigen Homestorys und einem rigoros zusammengestrichenen, intellektuell abgemagerten Feuilleton. Die ausgedünnten Etats für freie MitarbeiterInnen führten zu einer spürbaren Provinzialisierung der Kulturberichterstattung. Und die festangestellten RedaktorInnen wurden gezwungen, selbst sehr viel und sehr schnell zu schreiben.“

    Das Feuilleton kommt mir hier zu schlecht weg, auch im Übrigen ist manches (wieder!!) besser, als es hier dargestellt wird, im Kern sprechen mir diese Zeilen aber aus der Seele!

  142. Martin Eigel sagt:

    Vieleicht sollte ich heute mal die FR kaufen. Aber richtig, mir fällt auch auf, das über Gesetze zu wenig berichtet wird. Am Beispiel von Hartz IV unter rot-grün läßt sich das gut erklären: Ich habe mir mal die Mühe gemacht dieses Gesetz zu lesen und schon beim lesen fällt deutlich auf, es ist schwammig Formuliert und widersprüchlich. So gab es 2005 mal ein Paragrahphen, in dem es sinngemäß heißt, können sich Agentur und Kommune nicht einigen, ob ein Mann/Frau als arbeitsfähig einzustuffen ist, soll eine Kommission darüber entscheiden. Bezeichnent: Genau die, die darüber streiten, entscheiden das selbst. Oder wie war das: Man wolle Arbeitslose befhähigen ihren Lebenunterhalt aus eigenen Kräften zu erwirtschaften. Schränkt aber wieder ein: Unter bestimmten Voraussetzung zahle man Zuschüsse (das heutige aufstocken). Solche Widersprüche müssen mal aufgedeckt werden.

    Dies läßt sich beliebig fortsetzen.

    Statt Besser zu werden, wurde die FR immer schlechter. Als ich die FR mal zur Probe hatte, war jeden Tag eine Leserseite mit Leserbriefen oder aus den Blogs zu lesen, was mich immer wieder dazu bewegte, mal in die entsprechendcen Blogs reinzuschauen. Jetzt wohl nur noch einmal die Woche.

    Gegen das Format kann ich nichts sagen, es handlich.

    Jetzt beginnt langsam der Ausverkauf der FR. Der Name FR wid wohl nicht verschwinden, aber dafür die Selbstständigkeit. Und es ärgert mich doch etwas, das Herr DuMond, der nur 50 Prozent am Verlag hat, eine solche Entscheidung treffen kann. Und was sagt die SPD?

    Wenn ich jetzt nicht Arbeitslos wäre, würde ich die FR wieder beziehen, wenn sich daraus Verbesserungen ergeben würden. Aber, wenn sich Verschlechtert, was vor allem in den Bezirksredaktionen zu erkennen ist, kann man die Zeitung eben nicht mehr kaufen.

  143. maat sagt:

    Nun, lieber Heinrich, ich sehe das wie Du.
    Es ist ja nun nicht so, dass die Storz-FR für mich das Idealbild einer Zeitung dargestellt hätte. Mir hat aber die Idee von FR PLUS sehr gut gefallen, wenn man mal von der Montags-Ausgabe absieht. Aber auch schon zu jener Zeit hatte ich Kritikpunkte. So waren mir manche Texte im FRPlus-Teil auch zu oberflächlich. Insgesamt für meinen Geschmack ein bißchen viel Weltschmerz, dafür gab es auch viel Schönes.

    In den vielen Diskussionen, die hier stattfanden, kam doch ein Punkt sehr deutlich zum Ausdruck. Der typische Rundschau-Leser liebt Debatten und die Auseinandersetzung. Aber wurde dieser Wunsch in der Tabloid-FR beherzigt? Ich finde nicht! Die Diskussionen, die ich brennend gerne lesen würde, werden immer noch nicht im Blatt geführt.
    Alle Leser, die sich für Geisteswissenschaften interessieren, verhungern bei der Rundschau mehr oder weniger. Die FAZ und die Zeit lese ich vor allem deswegen, weil sie regelmäßig in dem Bereich anspruchsvolle Texte abdrucken und Debatten anregen. Die Rundschau hatte mit dem Forum Humanwissenschaften und Christine Pries wirklich etwas vorzuweisen. Das war eine Perle und hätte meiner Ansicht nach ausgebaut werden können!
    Es mag sein, dass diese Seiten die Rundschau nicht vor Verlusten bewahren konnten. Wie viele Leser haben aber deswegen gekündigt, weil sie aufgegeben wurden?

    maat

  144. Thomas Rank sagt:

    Wenn man die FR mit den anderen Qualitätszeitungen vergleicht fällt folgendes auf:

    – mehr Schreibfehler
    – die Fotos kommen nicht an SZ und FAZ heran, sind oft sogar einfach schlecht
    – die Grafiken, Tabellen usw. sind manchmal kaum verständlich, machen keine Sinn,
    oder sind einfach nur falsch (mehrmals pro Woche)
    – das Layout wirkt billig und schlecht, auch hier kein vergleich zu anderen
    Qualitätszeitung oder Zeitschriften. Es wurden viele Elemente aus der
    „Unterschichtenpresse“ übernommen.
    – Inhalt der Artikel ist auch nicht mehr mit den anderen Qualitätszeitungen zu
    vergleichen. Schlecht recherchiert, zu knapp und hebt sich nicht von anderem ab.

    Die FR wir von mir zunehmend nur noch wie ein Boulevardblatt durchgeblättert. Als Linksliberaler greife ich lieber zur FAZ, da ist man wenigstens etwas gefordert, trotz der der teilweise unerträglichen gezwungenen Bürgerlichkeit und unsachlicher Ausraster gegenüber der Linken.

    Wie hätte man die FR retten können:
    – Layout hätte komplett überdacht werden müssen. Fortschrittlicher, „cleaner“,
    stimmiger auf jeden Fall weniger billig.
    – Gute journalistische Fotos à la SZ oder auch mal etwas abstrakter wie in der FAZ und
    nicht einfach alles mit schlechten Fotos zugeballert. Auch bei Tabloid kann man man
    Fotos harmonisch einfügen!
    – bei Grafiken, Karten usw. mehr Sorgfalt
    – das Verkaufen von Artikeln ist gerade bei dem sensiblen linksliberalen Klientel
    tödlich!
    – weniger Rechtschreibfehler, das ist auch heute noch ein Maß für guten Journalismus
    und Glaubwürdigkeit
    – viele beziehen heute aktuelle Informationen aus Fernsehen und Internet. Das ist nicht
    gleich der Tod der Printmedien. Das Internet wird allzu schnell dafür verantwortlich
    gemacht. Das Konzept der klassischen Tageszeitung muss deshalb überdacht werden.
    Der Rückzug ins Regionale ist keine Lösung, es sei denn man will Regionalzeitung
    sein, was die FR die letzte Dekade (fast) geschafft hat.
    – Mut zur Lücke, besser ordentliche Artikel, Analysen usw, als zu viele schlechte Artikel

    Vieles ist in der Redaktion einfach nicht angekommen. Nicht wenige Redakteure scheinen in einer Traumwelt zu leben. Schade, denn für ein linksliberales Blatt gibt es in Deutschland wirklich noch ein großes Potential. Die FR hat es aber einfach nicht mehr geschafft die Zielgruppe anzusprechen.

  145. Student sagt:

    Erst einmal bin ich sehr von dem konstruktiven Tonfall dieser Diskussion angetan, die sich sehr von dem unterscheidet, was ich früherer Stellen (z.B. 2007) an Diskussionen über die Qualität der FR lesen musste. Anscheinend hat jeder Leser, Abonnent, Fan, Redakteur wirklich den Ernst der Lage begriffen.
    Ich hoffe, dass die hier gemachten Vorschläge auch in der Redaktion ankommen, teilweise waren wirklich sinnvolle Lösungsansätze dabei (z.B. #48 und viele andere). Ich bin als Student einer derjenigen, die der „Generation Internet“ angehören, sich ihre tagespolitischen Basisinformationen also selbst aus dem Internet zusammensuchen können. Mit der FR bin ich trotzdem seit frühster Kindheit verbunden. Mein Vater liest sie seit seiner Studentenzeit, und ein Berliner Mantel wird ihm das Herz brechen, wenn sie eine weitere Verwässerung der zeitungseigenen Position bedeutet. Das nur, um die Fallhöhe deutlich zu machen, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass das morgendliche Lesen der FR inzwischen ein Teil seiner politischen Identität und seiner ganzen Persönlichkeit geworden ist.
    Der Berliner Mantel wird sich wohl trotzdem kaum verhindern lassen, auch wenn ich nicht glaube, dass sich dadurch die Lage langfristig verbessern lässt. Es kann höchstens eine Übergangslösung sein. Denn wie Sigmund in #48 schon schrieb: Es gibt beispielsweise für mich schlicht keinen Grund heute noch eine Zeitung mit überwiegend tagesaktuellen Nachrichten zu abonnieren:
    Wenn ich 1. im Internet viel umfassender, preisgünstiger und aktueller informiert werde.
    Wenn ich 2. in der FR immer mehr Berichte lesen muss, die beinahe wörtlich mit Artikeln der Allgäuer Zeitung übereinstimmen, die auch nur noch ein Häufchen Elend ist, oder aber besonders paradox, mit Meldungen auf zeitungsfernen Internethompages.
    Dass es in anderen Tageszeitungen besser aussieht, ist reine Augenwischerei. Durch Lieferschwierigkeiten der FR in das ferne Allgäu haben wir immer mal wieder Gelegenheit in die SZ oder FAZ hineinzuschnuppern. 😉 Der Qualitätsunterschied ist da, aber er ist marginal. Dass Tageszeitungen dabei u.a. mit der GEZ-gestützten Seite http://www.tagesschau.de konkurrieren müssen, ist zugegebenermaßen unfairer Wettbewerb.
    Ich vermisse im Web aber wahnsinnig die Hintergrundberichte, und bin gerne bereit dafür zu zahlen, gerade weil sie mit der teuerste Sektor des Zeitungsgeschäftes sind.
    1. Durch eine modernisierte Internet-GEZ, die neben dem bisher Erwähnten auch der Tatsache Rechnung trägt, dass kaum mehr junge Leute einen eigenen Fernseher haben.
    2. Durch ein Web-Abo.
    Dass ich bis jetzt noch keins habe, hat mehrere Gründe: Ich habe keinen iPad und kaufe mir auch keinen. Ich gebe wahnsinnig ungern meine Kontodaten im Internet preis. Es existiert so noch nicht.
    Mein Traumabo sähe folgendermaßen aus: Ich bekomme die Abonnementsanfrage normal per Post zugeschickt. Nach Vertragsabschluss bekomme ich anstatt einer Tageszeitung jeden Tag eine E-Mail, eine Art schön gestalteten News-Letter, mit ein paar ersten Infos und einem Link, durch den ich dann auf alle Artikel der FR zugreifen kann. (Jeder bekommt gerne Mails, die tägliche Post hat auch etwas Nostalgisches, und für den, der der die FR-Seite lieber direkt aufruft, werden sich ja Lösungen finden lassen.) Zusätzlich dazu bekomme ich jedes Wochenende eine Printausgabe mit den besten Hintergrundinfos zu mir nach Hause.
    Bis dahin – wirklich viel Erfolg, Glück und Durchhaltevermögen für die kommenden Wochen und Monate!

  146. Rene Schweinberger sagt:

    Lieber Bronski,

    bitte klären Sie mich auf:

    Seit einigen Tagen gönne ich mir die FR und die Berliner Zeitung parallel. Und was ich entdecken: ein Großteil der angeblich so sehr separierten ‚Mäntel‘ ist in beiden Blättern wortgleich.

    Bespiel heute: die kompletten Seiten 3 bis 7 der FR konnte ich in leicht andere Reihenfolge in der Berliner Zeitung vorfinden. Um den ganzen die Krone aufzusetzen, waren sogar die Leitartikel identisch.

    So kann man natürlich auch reichlich Geld sparen.

    Nur: wer ist denn hier die Regionalausgabe von wem? Und wie soll das werden, wenn die Redaktion in Berlin konzentriert wird? Ist die FR dann nur noch eine umlayoutete Berliner Zeitung mit Rhein-Main-Einleger?

  147. Thomas Stillbauer sagt:

    @ 131 – lieber Heinrich, ich habe mich auch schon vor diesem Beitrag an Diskussionen in FR-Blogs beteiligt, rege, wie ich finde – aber Sie haben recht, bei Bronski zugegebenermaßen meist nur als Mitleser. Aus zwei Gründen: Es gibt erstens bei der FR weitaus klügere Menschen als mich, vor allem, wenn es darum geht, politische Zusammenhänge zu entwirren. Wenn ich mich da einklinke, muss ich laaange nachdenken, wozu mir zweitens die Zeit fehlt, weil ich den ganzen Tag arbeite.

    Nun fordern Sie von uns mit gutem Grund, wir FR-Journalisten sollten eine qualitativ hochwertige Zeitung machen, außerdem auf die Leser hören, mit den Lesern diskutieren und mit Macht und einheitlich handelnd durchsetzen, was die Leser wünschen. Tun wir aber nicht, schreiben Sie, lieber Heinrich – stattdessen habe die Redaktion die Zeitung „an die Wand gefahren“.
    Was soll ich sagen? Allein in diesem Bonski-Beitrag gibt es so viele verschiedene Lesermeinungen, dass es schon eine Menge unterschiedlicher Journalisten braucht, all diese Anregungen umzusetzen. Und so läuft es ja auch: Verschiedene Redakteurinnen und Redakteure arbeiten an verschiedenen Inhalten für verschiedene Leserinteressen. Wo der Schwerpunkt liegt, nämlich auf dem politischen Hintergrund und der meinungsstarken Kommentierung, ist aus meiner Sicht in der FR klar erkennbar.
    Ich muss mich wiederholen: Wir Journalisten tun, was in unserer Macht steht, und hoffen – nein, eigentlich wissen wir es –, dass es genug Menschen gibt, die diese Zeitung kaufen wollen, damit wir weitermachen können, weil uns die Frankfurter Rundschau am Herzen liegt.

  148. Jürgen P. sagt:

    Nach dem Lesen der Kommentare hier scheint es zwei Gruppen von Lesern zu geben. Die älteren, treuen Leser, die sich mehr wieder so wie früher wünschen, dafür auch ein Abo bezahlen wollen und können. Die anderen Leser, mehr online, die die alte FR gar nicht mehr so richtig kennen, letztendlich aber die Zukunft sind, aber eben leider die kostenlose Vielfalt des Internets gewohnt sind. Wer noch Zeitungen rascheln hören will, sollte mal überlegen, ob er noch Steintafeln klappern hören will. Notebooks und Reader werden gängiger und billiger und machen sich auch auf einem Frühstückstisch gut. Einlogaktionen für Einzelartikel sind dann natürlich nervig. Nur was darf ein online-Abo kosten? – wenn man überlegt, der aufgeklärte Leser will auch mal bei Bild, Tagesschau.de, faz und und und reingucken – Die ernüchternde Wahrheit ist, online muss sich großteils über Werbung finanzieren, ein online-Jahresabo für ca. 9,90 Euro bis 39,90 Euro könnte ich mir vorstellen. Eine Zwickmühle: mehr Qualität/mehr Leser (das ist noch nicht einmal sicher), aber höhere Kosten und höherer Preis/weniger Leser (das ist ziemlich sicher). – Würde mir demnächst noch eine klarere, gebündelte Antwort der Redaktion auf alle Kommentare wünschen.

  149. J.K. sagt:

    Es will mir nicht so recht einleuchten, wie man ein Produkt am Markt rettet, indem man es drastisch verschlechtert, es sei denn, man verzichtet ganz auf jeglichen qualitativen Anspruch und gibt sich damit zufrieden, ein Anzeigenblatt mit ein paar Agenturmeldungen zu sein. Gleichzeitig tun Zeitungen im Allgemeinen zu wenig, um ihre Vorteile gegenüber Gratisangeboten im Netz auszuspielen. Oberflächliche Informationen kann ich tatsächlich überall umsonst bekommen. Aber gründlich recherchierte Artikel von Korrespondenten und Redakteuren mit Sachkompetenz und auch mit der Zeit zur gründlichen Recherche – das gibt es einfach nicht umsonst, weder für den Produzenten noch für den Konsumenten. In einer besseren Welt würde man eher die Preise anziehen und dafür eine Auflageneinbuße hinnehmen, als bei der Qualität zu sparen. Von der „Zeit“ bis zum „Economist“ ist sichtbar, wie Qualität sich auch am Markt durchsetzen kann.

    Dennoch an dieser Stelle auch ein Lob der Redaktion: Sie schafft es trotz allem, Tag für Tag eine lesenswerte Zeitung herauszubringen und gerade im Feuilleton noch Akzente zu setzen, die m. E. unterschätzt werden. Dennoch stimmt es einen auch Tag für Tag traurig zu sehen, wie überall der Lack abblättert, schlicht: Das Geld fehlt. Eine gute Schlussredaktion scheint man schon lange für entbehrlichen Luxus zu halten, auch Fakten werden nicht immer sauber recherchiert. Bunte Bilder nehmen mehr Raum ein, als selbst ein modern-luftiges Layout dies gebietet. Anzeigensonderveröffentlichungen verdrängen echten Journalismus. Redakteure müssen – so dünn ist die Personaldecke – dann auch mal zu Themen schreiben, in die sie sich nicht haben einarbeiten können. Das wirkt schlicht peinlich.

    Ich lese auch viele Texte gratis online und freue mich über das breite Angebot dort. Aber das ist mir eben nicht genug: Ich will eine Zeitung, die mir ein journalistisches Angebot mit einer klaren Linie anbietet, die für Qualität steht, und die mir hochwertigen Journalismus bietet, auch und gerade zu Themen, die mich nicht unmittelbar ansprechen. Ich verdiene nicht eben viel. Aber für ein solches Angebot würde ich auch ein paar Euro mehr im Monat springen lassen. Es ist an den Zeitungen, die Leser von sich zu überzeugen. Das geht nur mit Qualität.

    Was lesen? Die FAZ ist mir politisch zu konservativ, und das Feuilleton zu sehr geprägt von der Schirrmacherschen Bedeutungshuberei. Die Welt setzt hier und da Akzente, aber wirklich? – Nein. Die SZ? Zu München-zentriert, macht keinen Spaß zu lesen, driftet ab in Lifestylequark und erscheint dann plötzlich nicht, wenn in Bayern mal Feiertag ist. Die taz, schließlich? Befindlichkeitsjournalismus, zuviel Selbstbespiegelung eines Milieus. Die FR kann etwas bewegen: Als Stimme eines weltoffenen, liberalen, aufgeklärten Frankfurt, das mehr ist, als nur Finanzstandort, aber von dessen Internationalität profitiert.

  150. K.Reiter sagt:

    Es ist nicht so, dass junge Leute keine Zeitung lesen! Unser Sohn ist 9 und liest seit einigen Wochen jeden Morgen das Höchster Kreisblatt (die Fußballseiten war sein Einstieg). beginnt dem Fußballteil(uns weg! 😉 ) Warum das Höchster Kreisblatt (FNP)? Das haben wir nach der Kündigung des FR-Abos 2007 bestellt. Es war die einzige Alternative mit Regionalteil. Und – wir teilen nicht die Meinung dieser Zeitung, sie ist uns im Grunde viel zu konservativ. ABER das Profil der Zeitung ist klar erkennbar, sie stehen dazu – und wir können uns unsere eigene Meinung bilden. Das ist mir bei der FR nach der 2007er Umstellung abhanden gekommen, keine eigene Meinung mehr (Ausnahmen wie die Berichte über die Hessische Steuerfahnderaffäre hatten wieder hoffen lassen), keine klaren Standpunkte, an denen man sich auch mal reiben kann. Ich will von einer Tageszeitung informiert und zum selbst Denken angeregt werden – nicht unterhalten!
    Gab/gibt es denn irgendeine Überlegung innerhalb der Redaktion, die Zeitung herauszukaufen, z.B. über ein Genossenschaftsmodell? Obwohl ich auch akzeptieren, dass erst mal jede/r Redakteur/in an den eigenen Job denken muss.

  151. Ingrid K. sagt:

    Warum nicht in Alternativen denken und handeln? Wenn das Verlagshaus DuMont wie angekündigt handelt … und die gekündigten Redakteure und andere ein eigenständiges Blatt machten? Welche Konstruktionen wären im Internetzeitalter denkbar und finanziell selbsttragend?

  152. Brigitte Giani sagt:

    Mich drängt es, auch mal meine Meinung zu sagen.
    Ich bin seit Jahrzehnten Abonnentin der FR.
    Der ständige Wechsel der FR-Eigentümer hat mich sehr betrübt.
    Das Tabloid-Format gefällt mir garnicht. Ich ertrage es aber.
    Gottseidank ist der links-liberale Journalismus erhalten geblieben.
    Er möge so bleiben!
    Das Zusammenlegen des überregionalen Teils mit dem der Berliner Zeitung
    stimmt mich mißtrauisch. Ich kenne diese Zeitung. Sie reicht im Niveau
    nicht an den der FR.
    Den Vorschlag des Lesers Wolfgang Kusch aus Weinheim finde ich garnicht so schlecht, einen monatlichen Solidaritätsbeitrag zu leisten. Ich würde mittun.

  153. Wolfgang Siefert sagt:

    Als täglicher FR Leser sorgen auch mich die aktuellen Entwicklungen. Zur inhaltlichen Qualität und politischen Ausrichtung, zu Format und Rechschreibung wurde vieles gesagt.

    Was ich seit der Formatumstellung und der letzten Neustrukturierung nicht verstehe ist dieser aufwendig produzierte Freizeitteil… liest den überhaupt jemand? Bei mir landet der jeden Tag direkt im Altpapier, damit ich mit dem Lokalteil anfangen kann…

    .. oder gibt es Menschen die den lesen? Sonst könnte man da Geld sparen!

  154. Dorothee S-I sagt:

    An 132, Sven

    Aber die FR war auch nicht in Bonn. Die Berliner Zeitung ist glaube ich auch nach einem Wechsel der Spitze boulevard-mäßiger geworden. Das Sozialliberale der FR, dass es auch SPD´lern möglich machte, sich dort zuhause zu fühlen ist in Frankfurt, dem Ort der Paulskirche und der Börse gar nicht so falsch. Und ist etwa die FAZ in Berlin?
    Ich kann nur von der Berliner Zeitung her sagen, dass ich sie lese wie ich die sächsische Zeitung gelesen habe, als Lokalcolorit, dass noch stark geprägt war von den DDR-Zeiten. Das empfand ich als sehr angenehm und volksnah, wenn man nicht einfach so im Westen weiterleben wollte. Da verändert sich die Berliner Zeitung auch ständig und sie wird sich hoffentlich behaupten.
    Berlin muss natürlich stärker nun in der FR erscheinen, weil es Regierungssitz ist und Politik wieder auf breiteren Füßen steht. Aber das Sozial-liberale ist keine Erfindung Berlins.
    Die SZ hat mir zuviel Feuilleton und zuviel süddeutsches Colorit.
    Man könnte meinen, dass die FR sich – untergehend – in der ZEIT aufgehoben fühlen könnte. Herr Assheuer war ja ein kleines Juwel der FR. Aber die ZEIT kommt mir eher „national“-liberal vor, vor allem seit die Gräfin nicht mehr da ist.
    Also die FR steht schon für etwas ganz Eigenes.
    Toi, toi, toi

  155. Michael Feldner sagt:

    Normalerweise schreibe ich keine Leserbriefe, denn meistens hat´s irgendeiner schon so ähnlich geschrieben. Diesmal denke ich, möglichst viele Leute sollten die Rundschau unterstützen.
    Ich habe mich über die Tabloidumstellung damals ein bißchen geärgert, die Zeitung ist zwar handlicher, aber man kann sie jetzt kaum noch mit jemand anderem teilen. Vor allem hatte ich den Eindruck, es solle (wie überall) etwas, was schon hervorragend ist, endlich mal verbessert werden.
    Tabloid hin oder her. Entscheidend ist ja der Inhalt. Die Rundschau ist genau meine Zeitung. Wenn sie mal morgens nicht in der Röhre liegt, fühle ich mich immmer gleich ganz hilflos. Ich möchte nicht darauf verzichten und ich habe Bedenken, daß sie in Zukunft nicht mehr so gut bleibt.
    Neue Formen wie die online- oder i-pad-Ausgabe sind ja schön, ich habe nichts dagegen, im Gegenteil könnte ich mich als Ergänzung auch dafür begeistern. Aber das ändert nichts an der Notwendigkeit einer richtigen Tageszeitung, die ausführlich und kritisch das Weltgeschehen verfolgt. Jeder von uns ist, glaube ich, in Gefahr, sich der Bequemlichkeit hinzugeben. Manche Dinge kann man aber nicht in drei Zeilen griffig formulieren. Gerade die letzten Wochen haben gezeigt, wie wichtig es ist, mehr in die Tiefe zu gehen.

    Ich wäre auch bereit, mehr zu bezahlen, wenn die Rundschau so erhalten bliebe, wie sie ist. Es darf nicht wahr sein, daß das nicht möglich sein soll.

  156. Norbert Naphta sagt:

    Der Niedergang der FR verläuft proportional zum intellektuellen und politischen Abstieg der Schröder-SPD.

    Das ist schon in Ordnung!

  157. Andreas Miksch sagt:

    Sehr geehrter Herr Bronski,
    haben unsere Leser – und Abonnentenmeinungen Einfluß auf die Geschäftsleitung und ihre Entscheidungen ?

  158. Sabine Husung sagt:

    Seit rund 30 Jahren bin ich Abonnentin der FR – und würde das auch gern bleiben. Den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen in der Frankfurter Redaktion empfinde ich als bedrohlichen Schritt in die falsche Richtung – nicht nur, weil Kostensenkung durch Stellenabbau der am wenigsten kreative Versuch ist, durch wirtschaftlich schwierige Zeiten zu kommen, sondern auch, weil die inhaltliche Qualität und das Alleinstellungsmerkmal der FRANKFURTER Rundschau zwangsläufig darunter leiden werden. Ich hoffe, dass noch ein Weg gefunden wird, dies alles zu vermeiden und der FR mit innovativen Konzepten eine gute und autonome Zukunft zu geben.

    Vielleicht wäre es hilfreich, vor der Entscheidung über das weitere Vorgehen die Leserschaft nach ihrer Meinung zu fragen: Würde ein höherer Abo-Preis für die Print-Ausgabe von vielen Abonnenten akzeptiert? Wo wäre die preisliche „Schmerzgrenze“? Könnte man zur Kostenreduktion auf das Buch „Freizeit“ evtl. verzichten? – Dieses Thema wird ja von vielen anderen Medien bedient. Könnten Bezahl-Modelle für die Online-Ausgabe eingerichtet werden? Welche Bedeutung hat die Online-Ausgabe im Vergleich zur Print-Ausgabe und lassen sich daraus Schlussfolgerungen für eine kostengünstigere Produktion ziehen?
    Wäre ein Genossenschaftsmodell ein möglicher Weg, die FRANKFURTER Rundschau langfristig zu erhalten – als eigenständiges, unabhängiges Gewächs im Blätterwald?

    Viele langjährige Leser/innen der „Rundschau“ würden vielleicht gern mithelfen „ihre“ Zeitung vor so drastischen Schritten wie der geplanten Schrumpfung und Verberlinerung zu bewahren. Natürlich weiß man nicht im Voraus, wie viele aufspringen würden, wenn die jetzige – noch komplette – Redaktion einen entsprechenden Zug in Bewegung brächte. Aber wäre das nicht einen Versuch wert? Mit meinem Beitrag können Sie rechnen.

  159. Alois Wismeth sagt:

    Bin bisher ein Online-Schmarotzer – mit der FR-ONLINE startet mein Browser. Bin bereit für Online-Abbo sagen wir mal 5,6,? € / Monat zu zahlen.
    Kenne jedoch die Kalkulationen dazu nicht. Gibt es auch ein Artikel- oder einen Recherche-Bezahl-Dienst ?
    wer ist eigentlich DGDxx ? ein Miteigentümer ?
    Viel Erfolg

  160. BvG sagt:

    @bronski
    Noch so ’ne Idee.

    Wie wäre es, den Mitgliedern der Parlamente eine tägliche Rubrik anzubieten, worin sie ihre Sicht zu aktuellen Problemen darstellen können, gestaltet als Rede/Gegenrede oder als Interview, vielleicht sogar als Dialog mit Lesern ?

    Da könnte der Blogtalk noch eine weitere Dimension erreichen, die in das Printmedium hereinwirkt.

  161. Alexis Tamtelen sagt:

    Als ehemaliger Mitarbeiter des Druckhauses (Zeitungsrotation) von 1998-2004 fiel mir der Niedergang des Blattes schon vor über 10 Jahren auf. Ich selbst habe diese Zeitung seit Jugendzeiten gelesen und freute mich daher sehr, als ich diese ab 1998 auch noch selbst drucken durfte. Meine Identifikation mit diesem Blatt war und ist eigentlich immer noch sehr groß.

    Mit welchen Mitteln wurde nicht versucht, den Abstieg der Rundschau zu verhindern? Ich erinnere nur an die Totgeburt City. Uns allen im Druckhaus wurde bewusst, wie da Geld verbrannt wurde, da dieses Blättchen angeblich doch so aktuell sei. Weiter ging es mit zahllosen Relaunches und Layoutveränderungen.
    Aufgrund der Krise kündigte ich 2004 meinen Arbeitsplatz bevor er mir genommen wurde. Nach meinem Umzug nach Bremen blieb ich aber weiterhin Leser (Stichwort Identifikation).
    Nach der Umstellung auf das Tabloidformat war dann aber Schluss damit. Wo schon vorher die Qualität der Berichte gelitten hatte, so hatten die Artikel hinterher für mich keinen großen Informationswert mehr. Es driftete immer mehr zum Boulevardjournalismus ab. Vieles was ich der FR entnehmen konnte, konnte ich genausogut nun im Weser-Kurier lesen.

    Es ist traurig, was aus dieser Traditionszeitung und dem Druck-und Verlagshauses im Laufe der Jahre wurde. Ich hoffe ja sehr, dass es wieder besser wird, aber die Hoffnung schwindet immer mehr, wenn man sich die letzten Jahre sich so anschaut.

  162. Andre sagt:

    Ich muß sagen das mich die Nachricht mit der verlegung nach Berlin „geschockt“ hat.
    Ich lese die FR seit meiner Ausbildungszeit in den 80ern, und es war und ist für mich eines der infomativen und vor allen dem linken Spektrum zugeordneten Tageszeitung.
    Mit der Verlegung nach Berlin wird jenes Spektrum verloren gehen, und somit eine der „letzten“ großen kritisch links denkenden Tageszeitungen aus dem Nachrichten Markt der Tagesblätter verschwinden.
    Dadurch verkleinert sich nicht nur das Angebot der Vielfallt der Tageszeitungen, sondern die Gefahr der einheitlichen Nachrichtsverbereitung der rechtsliberalen Meinungsäußerung nimmt zu.

    Für mich ist die FR ein Bestandteil von Frankfurt, und eine überregionale Nachrichtsverbreitung aus Berlin im Mantel der Frankfurter Rundschau ist für mich undenkbar.
    Auch wenn ich den lokalen Frankfurtteil immer gerne gelesen habe, alleine das wird für mich nicht Grund genug sein weiter die FR zu kaufen.

    Ich hoffe das sich doch noch was ändert, und die FR Redaktion in Frankfurt bleibt.
    Meine Unterstützung habt ihr.

  163. Rainer Maria Kalitzky sagt:

    … weinet nicht wenn der regen kommt …
    … und beschützt die meinungsfreiheit auch im eigenen haus auf betriebsversammlungen …
    … begeht keinen streikbruch den die steine auf euren füssen solltet ihr selbst wegkämpfen … theater und schauspiele schaue ich mir lieber im original an … als ex-fr-mitarbeiter, ver.di-vertrauensmann und zeitweise br-mitglied wünsche ich euch erfolg und solidarische zusammenarbeit mit der neu isenburger belegschaft aus der produktion … und ihr werdet nicht die letzten sein …

  164. Jörg Gerike sagt:

    Zum Thema FR aus Frankfurt/Berlin nur eine kurze Anmerkung: Wichtig ist mir, dass die Qualität gesichert ist. Mir macht es nichts aus, ob die FR aus Berlin, Frankfurt/M oder Frankfurt/Oder kommt. Ich gebe der FR eine Chance und alle anderen langjährigen Abo-Leser sollten es auch tun. Die FR hat mich nicht Jahrzehnte begleitet, weil sie aus Frankfurt kommt, sondern weil sie mich inhaltlich überzeugt hat. Sie hat sich verändert. Na und? Ich habe mich (Gottlob!) auch verändert!
    Also FR-ler/innen macht weiter!

  165. Carl sagt:

    Die FR ist ein sehr schlecht geführtes Unternehmen. Besonders Herr Neven DuMont scheint mir hier mit der Aufgabe völlig überfordert zu sein. Dass die SPD-Holding offenbar die Interesse am Eigentum einer eigenen Zeitung vorloren hat, ist offenkundig. Was soll das, eine Zeitung mit einer hoch emotionalen, überregionalen Leserschaft zu einem Lokalblatt zu verkleinern? Will man die Zeitung endgültig von der Bildfläche verschwinden lassen? Wer soll in Zukunft in der deutschen Zeitungslandschaft konsequent aufdecken? Am besten, die FR wird in eine Genossenschaft umgewandelt und jeder Abonnent zeichnet einen Anteil. Ich werde jedenfalls als Abonnent meine Konsequeuzen ziehen, wenn die Rundi bloß noch ein Kopfblatt des DuMont-Verbundes ist.

  166. Markus Naß sagt:

    Mit der Frankfurter Rundschau bin ich, geboren 1962 In Frankfurt am Main, aufgewachsen. Seit 1984 lebe ich in Berlin. Als ich nach Berlin kam, las in der U-Bahn, von Spandau bis Rudow, von Osloer Straße bis Rathaus Steglitz, bestimmt jeder 5., 6. die Frankfurter Rundschau. Heute sehe ich KEINEN EINZIGEN mehr, die Rundschau ist auf den Status einer unbedeutenden Regionalzeitung zurückgefallen.

    Die jetzige Misere ist nicht nur den technischen Innovationen wie dem Internet geschuldet, sondern auch der politischen Hybris der Redaktion, deren Fokussierung auf den linken sozialdemokratischen Flügel und, in den letzten Jahren, auf grüne Beamte, d.h. vor allem Lehrer.

    Dies langt aber nicht für eine wirkliche überregionale linksliberale Tageszeitung, und vor allem nicht für zwingend notwendigen Abonnements in der Region. Die Redaktionen der FR haben in Ihrer Selbstbesoffenheit der letzten 30 Jahre verlernt, den ökonomischen Tatsachen in`s Auge zu schauen. Schade, aber selbstverschuldet. Und letztlich braucht man immer einen der zahlt – sonst läuft die Chose nicht. Qed.

  167. Heinrich sagt:

    @ Markus Naß

    Sie schlagen einen großen Ton an. Statt mit „Qed“ („quod erat demonstrandum = was es zu demonstrieren, beweisen galt) hätten Sie richtiger mit „Quod erat affirmandum“ geendet, denn Ihr Beitrag enthält außer Ihrem U-Bahn-Erlebnis nichts als Behauptungen.

    Die „ökonomischen Tatsachen“ sind keine unabdingbaren Naturgesetzlichkeiten, denen man unerschrocken ins Auge zu sehen hätte, wovon aber z.B. bei einem Sandsturm abzuraten wäre), sondern Ergebnisse kollektiven menschlichen Handelns, das im Widerstreit der Interessen zu weiten Teilen politisch gesteuert und steuerbar ist und wo es eben schon einen Unterschied macht, mit den Interessen welcher Klassen und Schichten die medialen Meinungsmacher sympathisieren.

    „Fokussierung auf den linken sozialdemokratischen Flügel“? – Bei der letzten Hessenwahl hat ein anvisiertes rot-grün-rotes Bündnis das Wählervotum umzusetzen versucht, das ist von der RECHTEN Sozialdemokratie desavouiert worden, und zwar, wie oben zu lesen, mit medialer Unterstützung des FR-Chefredakteurs. Schauen Sie mal den Tatsachen ins Auge!

    „grüne Beamte“? – Gab’s früher mal, waren aber keine Lehrer, sondern sind heute schwarze Sheriffs.

  168. Jacoby sagt:

    30 Jahre FR jeden morgen, aber in den letzten Jahren immer unzufriedener, und in den letzten Tagen erst recht. Ich bange mit den vielen Menschen in Japan, eine weltweit bedeutende Katastrophe und die FR titelt FDP und Westerwelle,eine mittlerweile fast lächerliche 5% Partei. Die LInke liegt wesentlich besser, aber hierzu nur Unsachliches und Häme. Da fehlen mir die Schwerpunkte und die Ausgewogenheit.
    Wenn ich im Ausland bin kann ich mittlerweile keine Rundschau mehr bekommen.Mein Sohn, Jahrgang 87 und Soziologiestudent informiert sich über Spiegel online und kann mit eurem Angebot nichts anfangen.Irgendwo habt ihr den Anschluss verloren. Wenn ihre die nachfolgende Generation nicht erreicht könnt ihr einpacken. Noch eine Frage als Geschäftsfrau: Wie soll ein zweistelliger Millionenbetrag durch den Wegfall von 44 Stellen ausgeglichen werden ?

  169. Meike Beier sagt:

    Dieser Tage ist mir ein aktuelles und ganz „praktisches“ Beispiel eingefallen, was ich mir z.B. von der FR erwarten würde, und zwar zum Thema Schuldenbremsen-Volksabstimmung in Hessen.

    Gewünscht hätte ich mir, dass die FR umfassend, sachlich und ausgewogen (also keineswegs nur von der „linken“ Seite) darüber informiert, so dass ich nach der Lektüre eine aufgeklärte Entscheidung hätte treffen können.

    Leider gab es aber nur mehrere Artikel, die die Einstellung verschiedener Verbände, Gewerkschaften, Parteien usw. wiedergaben. Die Argumentation darin war auf allgemeine Pro/Kontra-Schuldenbremse-Argumente verkürzt, die für mich nicht nachvollziehbar waren, da ich aus der offiziellen Broschüre schon wusste, dass die Schuldenbremse ohnehin vom Bund vorgegeben ist und in der Verfassungsänderung die Möglichkeit von Ausnahmen geregelt werden sollte.

    Selbst wenn ich die Meinung der wiedergegebenen Gruppierungen schätze, auf dieser Basis mache ich kein Kreuz.

    Statt also die Informationen aus der Tageszeitung meines Vertrauens (!) zu erhalten, musste ich sie mir im Internet beschaffen.

    Warum bot die FR hierzu keine fundierteren und tiefergehenden Informationen? Dasselbe „Stillhalteabkommen“, an das sich auch die SPD hielt? Oder war es Teil des generellen Phänomens, dass man den Bürgern nicht mehr zutraut, komplexere Argumentationen nachzuvollziehen und sie nur noch mit vereinfachten Schlagworten zu gewinnen versucht?

  170. BvG sagt:

    @bronski

    Es klingt hier immer wieder an, daß die FR, die Redaktion, deren Leitung und Eigentümer nicht unabhängig seien und mal dessen Brot und Lied, mal des andern Lied und Brot verpflichtet seien.

    Ebenso konsequent wird erwartet, daß die FR des Lesers Brot und Lied verpflichtet sein soll.

    An entsprechendem Widerspruch von Bronski und anderen hat es ja auch nicht gefehlt. Die Frage aber ist, wo das Brot für’s Lied bleibt.
    Sicherlich wird hier niemand die wirtschaftlichen Realitäten und Geldflüsse offenlegen, darauf hat auch niemand einen Anspruch, aber ich möchte doch zu gern mal wissen, was denn eine ganz und gar unabhängige, werbefreie, dem journalistischen Idealbild verpflichtete Ausgabe kosten würde und wer diese dann noch bezahlen würde.
    ?

  171. gerard-3005 sagt:

    was war noch das wichtigste schlagwort 2010: ja, der wutbuerger !!!

    seine wut, seinen frust raus zu lassen, das macht spass. anonym und mal eben so…

    wer fragt sich eigentlich, wie motivieren wir die aktuelle generation der abiturienten und studenten, zeitung zu lesen und sich mit politischen ergeignissen und sachverhalten kritisch auseinander zu setzen ??

    wir alle, die wir erkannt haben, wir haben einen kopf (nicht nur, dass es uns nicht in den hals regnet) zum denken haben, sind gefordert, das bewusstsein dieser generation mit zu praegen.

    fangen wir doch endlich mal an, die sprache zu sprechen, die auch die 20 – 30 jaehrigen verstehen um ihnen ein signal zu senden, wir wollen mit den zukuenftig verantwortlichen kommunizieren und ihnen –einfach nur- helfen.

    Das ist unsere aufgabe und nicht nur meckern und motzen … !!!

  172. Marie sagt:

    @gerard-3005

    Nur zur Info. Eine 20-30 Jährige war eine der ersten, die hier ihren Senf dazu gegeben hat, mehrfach, und sich auch offensichtlich Gedanken macht und Vorschläge beisteuert. Ich spreche Deutsch, akzentfrei.

    Heinrich hat oben erwähnt, dass ich vielleicht mehr sagen könnte, zu Zeitungen und online-Funktionen. Kann ich sicherlich, aber mich erstaunt, dass ich hier immernoch die einzige bin, denn ich mache das nicht professionell, sondern lese Aspekte und Ideen dazu in meiner Freizeit, ganz einfach, weil ich mir bewusst bin, dass Journalismus finanziert werden muss.

    Ich war am Wochenende auf dem Medienkongress von taz und freitag, da liefen übrigens noch so ein paar aus dieser „Jugend“ rum, und zwar überdurchschnittlich viele. Es interessiert. Ich frage mich, wann wir mal endlich beginnen können, die Leute nicht nach ihrem Geburtsjahr zu charakterisieren.

    Bezahlmodelle auf diesem Kongress. Wie weiter oben schon erwähnt, nutze ich Flattr. Der Gründer dieses Unternehmens war da, dann ein Typ von Springer, der die Paywall u.a. des Hamburger Abendblatts vorstellte und Géraldine Delacroix, die eine reine Internetzeitung betreibt und generell ebenfalls Geld verlangt. die Zahlen der beiden letzten waren beeindruckend, bisher scheint die Paywall zu funktionieren. Nur Peter Sunde, der flattr-Erfinder, warf einen entscheidenden Sachverhalt ein: was, wenn die Leser, die das Produkt schon vorher kannten, wegbleiben? Kaufen die einfach so die Katze im Sack?

    Ich für mich kann das nur so benantworten: ich werde es nicht tun. Wie oben bereits erwähnt habe ich kein Zeitungsprodukt, mit dem ich mich vollständig identifizieren kann. Ich lese überall ein bisschen. Aber ich würde den Teufel tun bei jeder Zeitung ein Abo zu kaufen. Das ist übrigens auch eine finanzielle Frage. Ich möchte gerne, dass man mir zutraut, dass ich freiwillig so viel gebe, wie ich das momentan kann. Dass ich frei entscheiden kann: dieser Artikel, auch: dieses Blogangebot, wie hier bei Bronski, ist mir so und so viel Wert und das gebe ich jetzt durch einen oder zwei Klicks.

    Die taz hat da übrigens seit dem Wochenende was Neues. Während ich mich bei flattr auf einen monatlichen Betrag festlege, der dann durch die Anzahl der klicks geteilt wird, kann ich hier selbst entscheiden, welcher Artikel wie viel bekommt. Ich mag beide Systeme, werde aber allein wegen der Übersichtlichkeit, wie viel ich ausgegeben habe, weiter flattr nutzen. Aber für die taz lohnt es sich, zumindest nach den ersten paar Tagen, man muss das jetzt weiterverfolgen: http://blogs.taz.de/hausblog/2011/04/10/der_erste_taz_zahl_ich-tag/

    So, nachdem wir das geklärt haben, nocheinmal die Frage: Warum haben sich das die Verlage nicht früher ausgedacht? Waum implementieren sie nicht wenigstens jetzt solche Micropaybuttons u.a.? Warum höre ich immer nur Gejammer und Leistungsschutzrecht und weiß der Teufel für einen Unfug (die-Jugend-ist-Schuld inbegriffen)?

    Wieso, weiterhin, wird sich nicht mal an die eigene Nase gepackt und gesagt: Das, was da als Qualitätsjournalismus firmiert ist zu großen Teilen einfach keiner (mehr). Wieso gibt es auch keine inhaltlichen Innovationen?

  173. Hartmut Wolf sagt:

    Die aktuelle Entwicklung der FR sehe ich als letztes Aufflackern vor dem Aus. Obwohl vorzugsweise Online-Leser hatte ich die Print-FR wieder(!) abonniert, um meinen Beitrag zum Erhalt des eigenständigen FR-Stils beizutragen. Das kann man sich mit dem Weggang der wesentlichen Teile nach Berlin nun abschminken. Es ist mir völlig unverständlich, wieso man gerade in das miefige, ost-provinzielle Berlin zentralisiert. Wenn ich die Welt aus Piefke-Sicht lesen will, beziehe ich eine Berliner Zeitung. Die typische Frankfurter FR-Couleur wird sich dort nicht halten lassen. Insofern steht mein baldiger Abzug aus dem Abonnentenkreis mit ziemlicher Sicherheit fest. Schade.

  174. Dorothee S-I sagt:

    zu 173
    Um Gottes Willen Hartmut, das kann hier in Berlin doch so nicht bleiben. Die Erfahrungen der FR für Berlin, das wäre schon eine gute Sache. Funktioniert aber nur, wenn sich über die FR in Berlin eine links-liberale Öffentlichkeit entwickeln lassen würde oder eben sich entwickeln würde
    „Preussen“ und Liberalität, oh je. Der Osten und Liberalität, dazu ist der Osten auch bedingt durch den Aderlass gen Westen und und die schwache gesellschaftliche Vernetzung vielzu nun ja provinziell. Und es ist für diesen naheliegender auf „Liberalität“ von oben zu setzen.
    Da soll doch eine Frau an Frau Kässmann geschrieben haben, – Berliner Zeitung -, sie leide unter dem Atheismus im Osten.
    Lebendige Kirche, das gehört auch noch zur FR.
    Aber ich habe schon verstanden als älteres „Semester“, die Zeiten ändern sich.

  175. I. Werner sagt:

    #173 und # 175 miefig, ost-provinziell, preußisch, atheistisch, Aderlass gen Westen …..

    Was soll denn das nun für´n Quatsch sein?

    Dass wir hier keine gute Presselandschaft hatten und haben, weiß jeder. Davon hat bestimmt auch die FR gelebt und das soll sie auch weiterhin. Bislang kam die FR immer pünktlich ins finstere Sibirienn auch ohne ihren Hauptteil hier zu produzieren. Aber „missioniert“ werden möchte ich hier nicht.

  176. Horst Gurk sagt:

    Liebe Frankfurter Rundschau,
    mit Sorge vernahm ich von Deinem Befinden.
    Geht es Dir schon etwas besser? Helfen die verordneten Arzneien? Du solltest vielleicht ein wenig Spazierengehen und Dich in der Welt umschauen. Mir hilft das immer.
    Du hast das Alter der Kinderkrankheiten nun weiß Gott schon länger hinter Dir, sollte man meinen. Aber einer Epidemie wie so einer Umstrukturierung kann man wohl nicht aus dem Wege gehen.
    Schön zu hören ist es, dass Du den Willen zu kämpfen noch nicht aufgegeben hast. Deine Redaktion formulierte bereits das Genesungsziel: „Wir haben die Aufgabe zu bewerten, einzuordnen, Zusammenhänge und Hintergründe von Ereignissen und Entscheidungen darzustellen; uns nicht zufriedenzugeben mit Informationsbrocken, die von den Tischen der Mächtigen fallen. Wir wollen und sollen deutlich sein – und deshalb unabhängig.“ Doch frage ich mich, ob die Kur, der Du Dich unterziehst, zu diesem Ziel führen wird?
    Zwar bemerkte Professor DuMont, dass die Qualität aufrecht erhalten werden soll und nicht nur die Zeitung. Doch geht ja nicht nur um Deine Befindlichkeit, es geht um die Befindlichkeit der gesamten Presselandschaft. Und da ist die Zusammenlegung von zwei Redaktionen einfach ein Stimmverlust. Du hast ja durch die Redaktion auf die Wichtigkeit der Presse als Verbindungs- und Kontrollorgan in einer repräsentativen Demokratie hingewiesen. Doch nicht nur die Demokratie ist repräsentativ, auch die Presse sollte die Bandbreite der Meinungen widerspiegeln. Womit jede Beschneidung der Zeitungen zu einer vereinfachenden und nicht abbildenden Darstellung der Gesellschaft wird.
    Die Ursachen Deiner Krankheit sieht die Chefredaktion in den drastischen Verlusten bei Anzeigenkunden und in der Weltwirtschaftskrise. Ist es die Ursache, oder nur ein Symptom?
    Und ist der Weg, der nun beschritten werden soll wirklich hilfreich bei der Anwerbung neuer Anzeigenkunden? Unter uns kann ich es Dir ja geradeheraus sagen: Ich denke nicht.
    Ehrlich gesagt, wunderte mich die Nachricht über Deine Krankheit, weil es die erste Nachricht war die ich seit langem von Dir wahrnahm. Zu lange warst Du zu leise, zu wenig abgesetzt von den Anderen.
    Wird das Problem durch die Therapie gelöst? Nein, es dürfte eher schwieriger werden an Profil zu gewinnen. Hier schließt sich dann automatisch die Frage an, ob es in dieser Form nötig ist Dich weiter am Leben zu erhalten (Entschuldige bitte die drastische Wortwahl, aber Du bist nicht immer schnell von Begriff.).
    Beantworte mir bitte die Frage, gewinnt man Abonnenten und Anzeigenkunden durch die Auslagerung von Kompetenzen?
    Deine Redaktion hielt Dir Deine zentralen Werte noch einmal vor Augen: „Gewaltfreiheit, sozial-liberales Engagement, Eintreten für die Rechte von Minderheiten, Unabhängigkeit“
    Ich glaube nicht, dass diese Werte in Deutschland nicht mehr gelesen werden wollen. Ich glaube nicht, das eine Zeitung unter dem Schwund von Kundschaft zu leiden hat, wenn sie nach diesen Werten eine Zeitung betreibt. Doch muss man dabei lauter werden. Kontrastiver! Unbequemer! Womöglich sogar unpopulärer. Ich muss mich freuen, wundern, ärgern können, nur dann sehe ich die Zeitung als ein unabhängiges Medium.
    Eine Luftveränderung täte Dir gut, aber damit kann keineswegs die Verlagerung von Personal von einem Ort zum Anderen gemeint sein. Wenn etwas nicht funktioniert, kann man doch nicht mit den gleichen Leuten, an einem anderen Ort, das Selbe weitermachen. Mit Luftveränderung ist eher die Genesung im eigenen Hause gemeint. Einfach mal das Fenster aufmachen und frischen Wind hereinlassen. Denn die Heilung ist Kopfsache, nicht Risikoverlagerung, Rationalisierung und Sparmaßnahmen. Auf Dauer setzt sich nur Qualität durch und an dieser gilt es zu arbeiten.
    Generell sagt man Patienten brauchen Ruhe, das trifft jedoch nicht auf Zeitungen zu. Du solltest Dir weniger Ruhe verordnen. Weniger das Risiko scheuen. Du musst neue Ideen verwenden um deine Andersartigkeit hervorzuheben.
    Das jetzige Konzept mag wirtschaftlich vernünftig klingen, die Ursache aber bleibt bestehen.
    Also schaffe Abhilfe, oder ändere den Namen, damit die Frankfurter Rundschau wenigstens als im Kampf gefallen und nicht aus Kummer eingegangen im Gedächtnis bleibt.

    Beste Grüße und eine schnelle Genesung wünscht

    Dein Horst

  177. A.Miksch sagt:

    Sehr geehrter Herr Bronski,
    haben unsere Leser – und Abonnentenmeinungen Einfluß auf die Geschäftsleitung und ihre Entscheidungen ?
    Mit freundlichem Gruß,
    A.Miksch

  178. Bronski sagt:

    Sehr geehrter Herr Miksch,

    das kann ich Ihnen leider nicht sagen, denn ich weiß nicht, wer aus der Führunsgebene der Mediengruppe M. DuMont Schauberg hier mitliest. Aber in Redaktion und Chefredaktion der FR macht diese Debatte Eindruck, so wie sie geführt wird – bis auf wenige Ausnahmen konstruktiv und teilnehmend. Aus einem Gespräch mit Rouven Schellenberger von heute mittag weiß ich, dass die Chefredaktion mitliest, sofern sie nur Zeit dazu findet. Auch die Redaktion liest mit. Die Chefredakteure erkundigen sich täglich bei mir nach der Lesermeinung. Insofern entfaltet diese Diskussion wohl durchaus Einfluss, aber an den grundsätzlichen Entscheidungen wird sie wohl leider nichts ändern können.

  179. BvG sagt:

    @bronski

    1. Es wäre auch mal interessant zu erfahren, was denn die Redaktion von den Vorschlägen hält, die hier so gemacht werden und wie diese diskutiert werden und ankommen.
    Wenn man diese Vorschläge qualifiziert weiterentwickeln soll, dann muß man etwas mehr Rückmeldung über Produktionsbedingungen bekommen, immer so in den Wald hereinzurufen, macht auch keinen Spaß und führt zu nichts.
    Angesichts der existenziellen Krise der FR ist es nicht verständlich, daß dafür keine Zeit übrig sein soll.

    2. Viele Leser bieten ihre Kreativität an, um zu helfen, wäre es nicht an der Zeit, ein Projekt zu starten, das in einem nichtöffentlichen Blog Ideen zusammenträgt und weiterentwickelt? Offensichtlich sind der FR und der DuMont-Gruppe die Ideen ausgegangen, warum nutzt man nicht die kreativen Potentiale der Abonnenten?

    3. Der digitale Einheitsbrei der Online-Ausgaben ist ausgesprochen langweilig und eintönig.
    Alle Zeitungen, die ich im digitalen Format gelesen habe, haben dasgleiche Layout. Hier steckt noch viel Potential drin, aus der Online-Ausgabe mehr zu machen und auch mehr damit zu verdienen.

    4. Zu meinen bis dato ca 50 Vorschlägen zur Verbesserung der FR habe ich bislang keine Rückmeldung erhalten, weder darüber ob und wie sie umgesetzt wurden, noch darüber, warum sie abgelehnt wurden oder ob sie noch in irgendwelchen Schubladen liegen. Das ist, gelinde gesagt, unhöflich, schlechter Stil und unprofessionell. Wenn ihr wollt, daß Leser sich die Zeit nehmen, die FR zu unterstützen, dann müßt ihr euch die Zeit nehmen, mit den Lesern zu reden.

  180. Bronski sagt:

    @ BvG

    Ich möchte nicht unhöflich sein, also entschuldige ich mich dafür, dass es noch keine Reaktion auf Ihre Vorschläge gab. Diese Entschuldigung möchte ich auch auf all die anderen Userinnen und User ausweiten, die ebenfalls Vorschläge gemacht haben. Manche sind zweifellos interessant.

    BvG, Sie erwarten jetzt, dass hier eine Debatte über Ihre Vorschläge geführt wird. Ich wage einmal ein Gedankenspiel. Nehmen wir an, Sie arbeiten für irgendeine Firma – es spielt überhaupt keine Rolle, für welche oder in welcher Branche, aber nehmen wir mal an, Sie sind in der Pflegebranche. Und Sie sind der Überzeugung, dass sie über Jahre hinweg Einsatz und Engagement gezeigt und gute Arbeit abgeliefert haben. Nun geht aber Ihre Firma pleite, trotz Ihrer so empfundenen guten Arbeit und trotz Ihres Einsatzes. Es gibt eine öffentliche Debatte darüber, in der etliche Verbesserungsvorschläge gebracht werden. Werden Sie sich dann als (mehr oder weniger) einfacher Angestellter an einer Debatte über die Verbesserung Ihrer persönlichen Arbeit beteiligen, von der Sie überzeugt waren, dass Sie sie gut gemacht haben? Werden Sie nicht eher sagen: Ich habe meine Arbeit nach Kräften, bestem Wissen und Gewissen gemacht, wie ich es eben konnte, aber jetzt muss ich erstmal meine Wunden lecken und schauen, wie es für mich persönlich weitergeht, wenn ich vielleicht keine Perspektive in dieser Firma habe?

    Ich persönlich würde mir auch wünschen, dass die Kolleginnen und Kollegen der Redaktion hier ein bisschen mitmischen. In diesem Zusammenhang Dank an Thomas Stillbauer! Deine Postings haben einen Sound, dem man nachhorchen sollte. Grundsätzlich ist es aber so, dass die meisten Vorschläge, die hier gemacht wurden, die Entscheiderebene ansprechen und nicht die Redaktion.

    Die Redaktion ist derweil allerdings nicht untätig. Sie hat auf Facebook eine Seite gegründet. Wer reinschauen will, muss allerdings bei Facebook sein. Hier ist der Link.

  181. Claudia Ritsert-Clark sagt:

    Guten Morgen,
    seit meiner Kindheit (liegt schon länger zurück, bin 48) lag die Rundschau morgens auf dem Tisch. Ich habe sie meistens abends gelesen. Das tue ich heute noch. Tagsüber mal ein Blick online. Aber die Reportagen, die politischen Recherchen, die Hintergründe, das intelligente Recherchieren und Reflektieren, das kann ich nur abends in Ruhe genießen.
    Die FR ist leider schon länger nicht mehr schön. Das Tabloid Format ist vielleicht handlich in der Bahn aber stressig, wenn man zu zweit an die Zeitung will. Aber was soll’s.
    Highlights gab es immer noch welche – die Recherchen zu den Mobbing-Fällen, unsägliches Geschacher bei einschlägigen Parteien – gut ans Licht gebracht. Ein Lesegenuß.
    Die Rundschau jetzt aus Berlin?? (Liebe BZ Redakteure – nix für ungut!)
    Nä! Das kann nichts werden, das will ich nicht. Glückwunsch an den Verleger – bald ist die nächste Abonnentin weg!
    @ Bronski – Facebook? I don’t like it! Maybe I am too old…

  182. BvG sagt:

    @bronski

    Sicherlich gehen die meiste Vorschläge an die Entscheider, aber gerade diese haben ja bekräftigt, die FR wieder in die profitablen Ränge führen zu wollen, und das haben sie öffentlich getan, namentlich Herr DuMont.

    Also gehe ich davon aus, daß Vorschläge willkommen sind und ernsthaft geprüft werden, mit den Angestellten auf Durchführbarkeit abgeklopft werden und dann eine Rückmeldung erfolgt, in welcher Form auch immer. Schließlich sind die meisten hier keine Fachleute und bekunden nur ihren guten Willen und ihre Teilnahme und bieten Ideen an.
    Wenn diese Lösungen noch besser werden sollen, muß man einfach mehr über die Strukturen wissen.
    Meine Solidarität und das Bedauern über die Entwicklung habe ich ja schon häufig ausgedrückt, aber das nutzt nur wenig.
    Grundsätzlich sind Vorschläge auch keine Kritik an der vorigen Arbeit und sollten auch nicht so empfunden werden.

  183. Dorothee S-I sagt:

    zum 176 I.Werner

    Wer will denn missionieren? Ich erinnere aber an das Interview von dem Titanic-Menschen – Heuteshow – in Hohenschönhausen (?), ob man im Orient oder im Okzident lebe, also entweder im Morgenland oder im Abendland.
    Wenn man Oswald Spengler „Der Untergang des Abendlandes“ nicht gelesen hat – wie ich zum Beispiel -, dann hilft man sich womöglich schnell mit den Weisen aus dem Morgenland. Nicht so die Befragten, die der Meinung waren, wir leben im Morgenland.
    Na ja, ein „fieser Scherz“, aber bei dem von mir angesprochenen „ghetto mind“ bleibe ich.

  184. maat sagt:

    @Bronski
    Lieber Bronski,
    es freut mich sehr, dass die Redaktion protestiert, auch wenn ich die Seite bei Facebook nicht anschauen kann, weil ich aus Datenschutz-Gründen dort nicht registriert bin.
    Ich finde es unmöglich, dass so viele Journalisten entlassen werden sollen, die sich -Pardon!- den Arsch für diese Zeitung aufgerissen haben und dann womöglich zu schlechteren Bedingungen wieder eingestellt werden. Mir ist die Qualität einer Zeitung wichtig, aber ich bin immer solidarisch mit Leuten, die unter schlechten Bedingungen zusammenstehen und etwas leisten. Ohne Zweifel ist das bei den Rundschau- Journalisten der Fall. Auch wenn sich meine Kritik hier teils auf redaktionelle Entscheidungen bezogen hat, ist mir natürlich klar, dass die Redaktion im Würgegriff der Einsparungen stand. Mir sind die ethischen Hintergründe eines Unternehmens ausgesprochen wichtig, mindestens so wichtig wie die Qualität des „Produktes“. Ich akzeptiere nicht, dass für die Zeitung, die ich lese, Journalisten ausgebeutet werden! Eine Geschäftsleitung, die meint, Tarifverträge unterwandern zu können, wird bei einer linksliberalen Leserschaft keinen Erfolg haben. Ich hoffe sehr, dass diese Erkenntnis bei der Geschäftsleitung ankommen wird. Die journalistische Vielfalt ist ein hoher Wert, die Rundschau eine Zeitung mit langer Tradition, auf die sie stolz sein kann! Statt auf irgendwelche Marketing-Experten zu hören, die keine Ahnung von lesenden Menschen haben, sollte die Rundschau wieder zu der Stimme ausgebaut werden, die in der deutschen Presselandschaft fehlt! Dazu muss die Rundschau in Frankfurt bleiben!

    maat

  185. Heinrich sagt:

    Wussten Sie, dass die einheitliche Mitteleuropäische Zeit erst Ende des 19.Jh eingeführt wurde, und zwar um einen reichsweiten Eisenbahn-Fahrplan zu ermöglichen? Davor gab es differente lokale Zeiten, die unterschieden sich zwischen der jetzigen deutschen Ostgrenze und der Westgrenze um über eine halbe Stunde.

    http://slubice.de/texte/030329.html

    So können sich die Berliner oder die Ostdeutschen überhaupt also damit brüsten, dass sie klassischerweise früher aufgestanden sind, also aufgewecktere Leute sind als die Westdeutschen. Und schon im alten Rom gab es das Sprichwort „ex oriente lux“ (vom Osten kommt das Licht), was nicht nur das Licht der aufgehenden Sonne meinte, sondern zunächst auf die überlegene griechische Kultur und später auf das Licht des Christentums anspielte, das seinen Ursprung im vorderen Orient hat.

  186. BvG sagt:

    @bronski

    Lieber Bronski,
    ich hau‘ jetzt mal einfach ein paar Ideen ‚raus, vielleicht ist ja die eine oder andere dabei, die helfen kann. Der Beitrag muß auch nicht veröffentlicht werden, er kann auch intern bleiben.

    1. Ich hatte mal angeregt, die Farbintensität der Schrift herabzusetzen und großflächige Farbfelder zu vermeiden oder zu verdünnen, das mag bei der Anzahl der Exemplare finanziell sehr ins Gewicht fallen.

    2. Die Attraktivität der Onlinemedien, IPads und was der Displayer mehr sind, hängt unmittelbar von der Qualität der redaktionellen Beiträge ab. Ein IPad oder PC ist nichts wert, wenn ihr nicht die Inhalte liefert. Ihr solltet nicht von den Nutzern, sondern von den Providern und Herstellern der Displays, Handys etc Bezahlung verlangen. Sinngemäß: Ich kaufe ein Ipad nur, wenn es die Rundschau inklusive liefert und Apple euch dafür bezahlt. Ihr liefert die Leistung, die Medien transportieren bloss.

    3. Zeitungen müssen wesentlich mehr individuell lenkbar werden. So, wie ich im Internet die interessanten Inhalte selbst zusammenstellen kann, so will ich auch in der Zeitung meine individuellen Inhalte zusammenstellen. Was spricht dagegen, in jeder Ausgabe der FR eine Seite zu finden, die ausschliesslich meine Interessengebiete behandelt? Technisch kein Problem, Druckereien können mit intelligenten Programmen ganz leicht darauf reagieren, jede Druckstrasse braucht dazu bloss einen Abzweig, der die entsprechenden Seiten in die Ausgaben einschiesst. Jeder fähige Programmierer ist dazu in der Lage. Zielgruppenspezifische Werbung könnte das finanzieren und würde selbst an Effektivität gewinnen.

    4. Ein Autorenportal im Internet könnte alle Artikel, die ein Autor veröffentlicht, als eine eigene Online-Zeitung oder einen Blog gestalten, die nur Abonnenten zugänglich sind. Dies würde die Beziehung FR-Leser personalisieren und vielerlei Anregungen einfließen lassen. Das würde Deinen Job als Vermittler auf eine andere Ebene heben, indem Du diese Autorenblogs moderierst und einen wirklichen Kontakt zwischen FR-Redaktion und Lesern möglich machst.

    Soviel für heute.

  187. Dorothee S-I sagt:

    zu 186 Heinrich

    Wenn ich angesprochen war, dann bitte beachten, dass ich nicht anthropologisch oder geographisch oder sonstwie analysiert habe, sondern sozial-politisch die Veränderungen, die sich nach dem II. Weltkrieg ergaben, unter besonderer Berücksichtigung des ungeheuren Wachstumsschubes, der nach dem Krieg im Westen durch die hohe internationale Zusammenarbeit möglich wurde.
    Als ehemalige „Ostpreußin“ bin ich daran interessiert, dass diese Wachstumsschübe ökologisch und sozial gerecht sobald wie möglich im Osten etc. nachgeholt werden.
    Als im Westen Geborene, bin ich m.M.n. in der Lage die besonderen Unterschiede zwischen einer FR und der Berliner Zeitung zu erkennen.

  188. maat sagt:

    Lieber Bronski,
    was müsste denn geschehen, damit die Rundschau in Frankfurt bleiben kann? Und was können wir Leser dazu beitragen? Wie viele Leser müsstet Ihr gewinnen? Wäre das nicht möglich über „Solidaritätsabos“? bei der taz hat das ja auch geklappt.

    Ein Redakteur der FR hatte mal sinngemäß geschrieben, dass die Konkurrenz der Tageszeitungen auf dem Feld des Feuilletons entschieden wird. Ich nehme an, der Autor bezog sich dabei auf das politische Feuilleton. Ich stimme dem vollkommen zu. Leider wurde diese Mahnung von den Verantwortlichen der FR nicht beherzigt. Wenn ich die gestrige Ausgabe betrachte mit dem sehr klugen Text von Harry Nut über China, so ist doch offensichtlich das die Rundschau durchaus das Potential hätte über das politische Feuilleton Leser zurück zu gewinnen, die nur darauf warten, ihre Zweckgemeinschaften zur FAZ oder der Sueddeutschen wieder aufzulösen zu Gunsten ihrer alten Liebe FR. Aber 6 kleine Seiten Feuilleton sind nicht besonders attraktiv, egal wie sich die Redakteure hier anstrengen. Daher mein Vorschlag: Gewichtet die Seiten anders, schmeißt die Boulevard-Teile raus, kürzt den Sport und erweitert die Debatte im politischen Feuilleton, dann wird die Rundschau auch nicht mehr unterm Wert verkauft und die überregionalen Leser kehren zurück. Um aber die Konkurrenz herauszufordern, muss auch investiert werden. Ich würde ein Genossenschaftsmodell bevorzugen wie beid er taz.

    maat

  189. Die Berlinsucht der Deutschen nimmt geradezu lächerliche Formen an (siehe Suhrkamp-Verlag). Viel Unglück ist während der Jahrunderte aus Berlin über die Menschheit gekommen und die wiederholte Konzentration von Macht, Medien und Kultur in diesem selbstgefälligen Moloch empfinde ich schon lange als ungesund, wenn nicht sogar gefährlich für die Republik. Sollten die wichtigsten Teile meiner Frankfurter Rundschau demnächst aus dem Großmaul von Berlin tönen, ist für mich Schluss mit dem Abo. Die FAZ leistet sich selbstverständlich eine echte Frankfurter Redaktion und ein Frankfurter Original liegt in Rhein-Main dann doch näher, als ein Berliner Abklatsch.

  190. BvG sagt:

    @bronski

    Bevor ich hier weiter meine Ideen verschleudere, möchte ich zumindest ein Zeichen des Interesses und der Wertschätzung aus dem dem Kreis der „Entscheider“ lesen, bevorzugt jedoch eine Teilnahme. Ansonsten muß ich davon ausgehen, daß diese teilnehmende Diskussion sinnlos ist.

  191. Hans-Peter Hafner sagt:

    Die Frankfurter Rundschau muss weiter größtenteils von Frankfurt aus verantwortet werden. Ich finde es von Herrn DuMont nicht in Ordnung, dass er versucht, immer mehr Teile der Redaktionsarbeit aus Frankfurt auszulagern, so dass nach dem neuen Modell fast alles nach Berlin geht. Meiner Meinung nach sollte die FR wieder versuchen, eine unabhängige Zeitung zu werden, z. B. analog zum taz-Modell. Ich finde es jedenfalls total unmöglich, dass der Eigentümer ohne Diskussion mit den Redakteuren und Lesern solche weitreichenden Entscheidungen trifft. Dies ist überhaupt nicht mit der politischen Richtung der FR vereinbar. Man kann nicht zum einen mehr Bürgerbeteiligung wie bei Stuttgart 21 einfordern und gegen Arbeitsplatzabbau argumentieren und dann macht man doch im eigenen Verlag genau das Konträre. Die FR sollte sich schleunigst von Herrn DuMont trennen (wie das rechtlich machbar ist, weiß ich nicht) und dann versuchen über die LeserInnen und Sponsoren die fehlenden Mittel einzuwerben. Dass es in Frankfurt durchaus genug Leute gibt, die bereit sind, sich für etwas zu engagieren, zeigt etwa die Aktion zur Erweiterung des Städels. Warum nicht eine Aktion: Rettet die FR als Frankfurter Zeitung!!! Ich denke, dass es in Frankfurt eine große Anzahl an FR-Sympathisanten gibt, die bereit wären, die FR finanziell zu unterstützen. Dieses Potential gilt es auszuschöpfen. Also: Weg von Dumont, hin zu einem Genossenschafts-/Sponsoren-Modell.

  192. Bronski sagt:

    @ BvG

    Ich gebe es weiter.

  193. M.B. sagt:

    Ich bin sehr irritiert, dass hier Dutzende bis Hunderte von Lesern mehr Seriosität fordern und ausgerechnet in den letzten Wochen die FR einen Rückfall in 2007er Boulevard-Zeiten erleidet! Musste die Opposition auf Seite 1 heute „abgewatscht“ werden, oder es hätte nicht eine Ohrfeige genügt? Musste es ein Discoosterei sein? Muss man denn 100000. unbekannten Atomkraftgegner im halbseitigen Farbfoto sehen? Derartige Beispiele häufen sich in letzter Zeit (wieder) massiv.
    Ich stimme Maat (188) ausdrücklich zu, was seine Einschätzung hinsichtlich der Qualität und der Relevanz des Feuilletons angeht. Auf Kosten des Sports (der schon jetzt zu regionallastig ist) sollte das aber nicht gehen.

  194. M.B. sagt:

    Nachtrag zu 193:
    Entschuldigung, natürlich wurde nicht die Opposition, sondern die Regierung abgewatscht – das ist von der Sache her besser, nicht aber von der Sprachebene…

  195. I. Werner sagt:

    Jetzt, wo sich scheinbar doch alles dem Ende neigt, hätte ich gerne noch gewusst:
    WER IST BRONSKI – UND WENN JA, WIE VIELE?

  196. Wolfgang Fladung sagt:

    Ich gebe # 191 insofern Recht, als auch ich, wenn überhaupt, ein Genossenschafts-Modell als einzige Überlebensmöglichkeit einer „neuen“ FR ansehe. Über Inhalt und Form ist ja schon vieles gesagt worden. Meine Anregung dazu wäre eine Neuauflage von Büchners „Hessischer Landbote“, einer wahrhaft radikaldemokratischen Zeitung, welcher man weder kommunistische noch sozialistische Umtriebe vorwerfen konnte – die gab es damals so noch nicht.

    Wie wollen wir morgen leben? Auf was können und wollen wir verzichten und was ist der Gewinn, den wir aus dem Verzicht erzielen? Wie fragwürdig ist unser „Wachstum“-Begriff geworden, und wie schädlich und tödlich in seinen Auswirkungen? Was ist uns unsere parlamentarische Demokratie noch Wert? Oder wollen wir eine andere Republik?

    Eine Zeitung, welche den uns ganz sicher bevorstehenden Paradigmenwechsel begleitet – das wäre eine Aufgabe für, nennen wir sie, die „FR“. Aber sicherlich nicht mit DuMont und der SPD als Mehrheitsgesellschaftern, die merken, daß die FR ein Zuschußbetrieb in ihrem heutigen, herunter gewirtschaftetem Erscheinungsbild geworden ist, und nur noch Miese macht. Die Vermutung deshalb: Diese Damen und Herren wollen das Blatt daher, möglichst ohne zuviel Einstampf-Staub abzubekommen, nur noch elegant und möglichst geräuschlos „abwickeln“.

    Die Frage ist jetzt, ob es genügend Deutsche, und nicht nur Büchner-Anhänger gäbe, die bereit wären, diese neue FR, womöglich in einem Genossenschaft-Modell ähnlich der TAZ, mitzutragen. Ich wäre mit € 1000,– dabei, nur mal so als Hausnummer.

  197. BvG sagt:

    @bronski

    Danke.
    Na, zumindest regt sich jetzt mal was im Hessenland.

    Anscheinenend haben nun so einige mitgekriegt, daß eine „eigene“ Presse im Land auch zum politischen Gewicht des Landes beiträgt und dazu unterschiedliche Spektren nötig sind, auch die der kritischen, auch gegnerischen Presse.

  198. Jochem Wicklaus sagt:

    Gegen die Argumente der strukturellen Veränderungen auf dem Zeitungsmarkt lässt sich nicht viel sagen. Zeitungen sind zum privatwirtschaftlich kalkulierten Konsumgut geworden; der demokratische Auftrag zerrinnt wie auf dem TV Sektor.

    Aber: Die FR ist leider in den letzten Jahren inhaltlich in jeder Hinsicht dünner geworden. Der Charakter einer linksliberalen überregionalen Zeitung wurde immer mehr verwässert. Das Titelblatt tendiert mitunter zu reißerischem Journalismus. Die Bildanteile nehmen zu und Texte werden immer kürzer und weniger differenziert. Die Bildqualität nimmt andererseits gegenüber anderen überrregionalen Zeitungen ab, dafür mehr BILD-Elemente.
    Das inhaltliche Angebot ist gegenüber anderen überregionalen Zeitungen auch quantitativ zurückgefallen. Der Regionalteil wurde nach Kahlschlag wieder etwas differenziert, bleibt aber dürftig.
    Das Format gefällt mir persönlich nicht, da die Zeitung im überregionalen Teil in lose Blätter zerfällt.

    Mit dem Weggang aus der Rhein -Main-Region und weiterer Konzentration bei Dumont gibt es für mich keinen Grund mehr, das Abonnement zu verlängern. Ich bedaure das nach über 40 Jahren regelmäßigem Bezug.
    Vielleicht werde ich mir ab und zu mal – aus nostalgischen Gründen – ein Einzelexemplar kaufen.
    Tschüss !

  199. Abraham sagt:

    Alle, die den FR-Mitarbeitern zu einem Genossenschaftsmodel glauben raten zu können, sollten sich auch darüber im Klaren sein, dass die Konsequenz noch mehr Entlassungen von Redakteuren und noch radikalere Gehaltskürzungen wären. Das TAZ-Modell ist in den ersten Jahren nur durch eine erhebliche Selbstausbeutung der Mitarbeiter ermöglicht worden und so weit ich weiß werden dort bis heute nicht die Tarifgehälter gezahlt.

  200. maat sagt:

    @199
    Lieber Abraham,
    nun-Dein Einwand überzeugt mich, aber was hältst Du für eine gute Lösung?
    maat

  201. Abraham sagt:

    @ maat

    Liebe maat,

    habe mich als gewerkschaftlich organisierter Journalist zu Wort gemeldet, als Leser halte ich mich für den Falschen, der FR-Redaktion gute Ratschläge zu erteilen. Wegen der kritisierten Qualitätsmängel habe ich nämlich nach langer Leidenszeit vor knapp einem Jahr das FR-Abo, das ich seit 37 Jahren hatte, gekündigt.

    Der einzige Weg, der der FR bleibt, ist trotz der beschlossenen neuen Struktur ein klares Profil zu finden und damit Leser wie mich zurück zu gewinnen.

    Was bleibt den FR-Mitarbeitern anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass dieses Osterwunder gelingt?

  202. Dr. Ursula Samman sagt:

    Warum sollte ein Frankfurter eine Berliner Zeitung beziehen, wenn er sich nicht besonders für Berlin interessiert. Daß darauf FRANKFURTER Rundschau steht, ist dann eine Mogelpackung, die braucht keiner. In diesem Blog denken offenbar viele so ähnlich. Hat Herr DuMont das schon einkalkuliert? Oder ist das der Zweck des ganzen: die FR klammheimlich eingehen lassen? Mein Abo läuft dann wohl nach über 40 Jahren auch mit dem Umzug ab, schade! —- Oder?

  203. Wolfgang Fladung sagt:

    # 201 – Abraham: Sie vergessen möglicherweise eines – Nicht die FR-Redakteure entscheiden über Profil und Zukunft der Zeitung, sondern die Eigentümer. Und da sehe ich sowohl bei DuMont Schauberg als auch bei der SPD für die Zukunft eher schwarz, und nicht rot (höchstens vor Zorn), um einen etwas abgedroschenen farblichen Vergleich zu bemühen. Es „grünt“ ja inzwischen allenthalben, auch wenn es da vielleicht mit einem „grünen“ Stuttgart 21-Tiefbahnhof und grünen Überland-Stromtrassen, auch wo unnötig bzw. nur für die Profit-Maximierung der Großstromer zuträglich, noch ein böses Erwachen geben könnte.

  204. Junior Marbles sagt:

    Ich lebe seit dreissig Jahren in den USA und kann über das selbe Zeitungs-Dilemma auch hier berichten: Grosse Medien-Konzerne (Newhouse, Gannett, Hearst, usw) belassen den Regionalteil der Zeitungen, die sie massenweise aufgekauft hatten, der (geschrumpften) Lokal-Redaktion, und liefern identische Landes-und internationale news den Regionalzeitiungen von zentralen Redaktionen an.

    Es gibt aber auch ein paar interessante Sonder-Entwicklungen in diesem Zusammenhang: Hier in Portland zum Beispiel startete ein rein durch Anzeigen finanziertes Regional-Blatt, „The Portland Tribune“, dass sich strikt auf Regional-News beschränkt, dafür aber sehr viel tiefer geht (zwei bis viermal so lange Artikel pro Thema) als das abgemagerte Rundschau-Äquivalent „The Oregonian“. Seit der Rezession wurde das Erscheinen der Tribune zwar von dreimal auf einmal wöchentlich runtergeschraubt, aber sie bleibt nach wie vor ein „Meinungsmacher“ von ebenbürtiger Bedeutung wie der $1,50 teure ‚Oregonian‘.

    Spezialisierung bleibt das Modell, das sich als beste Lösung für die Zeitungsmisere anbietet:
    tiefer gehen und nicht mehr versuchen, nach altem Modell flächendeckend zu bleiben.

  205. I. Werner sagt:

    Ist hier alles verwaist oder ist mein Rechner kaputt? Na, warten wir auf das Osterwunder.

  206. Elisabeth Kolck sagt:

    Der Geist einer Zeitung läßt sich nicht generieren wie eine chemische Verbindung in einem Reagenzglas. Alfred Neven Du Mont weiß das. Die Entscheidung, den überregionalen, politischen Teil der FR aus der Zeitung quasi herauszuoperieren, nach Berlin auszulagern und mit einer anderen Zeitung weitestgehend zusammenzulegen ist gleichbedeutend mit der Entscheidung, den Geist, die Tradition und das Profil der Frankfurter Rundschau preiszugeben und durch ein Beliebiges zu ersetzen.

    Zu Recht kämpfen die Redakteure und Redakteurinnen der FR nicht nur um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, sondern auch um den Erhalt ihrer Zeitung: sie wird nach den räumlichen, strukturellen und personellen Änderungen nicht mehr existieren.

    Das alles ist eine Frage der Ökonomie, das wird von den Entscheidungsträgern gar nicht bestritten. So wie schon die Änderungen der letzten Jahre eine Folge unterschiedlichster Ökonomisierungsprozesse waren: angefangen vom Tabloidformat bis hin zur vielfach angeprangerten qualitativen Erosion der Zeitungsinhalte.

    Die Frage, die sich nicht nur die FR Mitarbeiter stellen, sondern auch dem überwiegenden Teil der Blogbeiträge zugrunde liegt lautet: geht es nicht anders oder will man (die Verlagsgruppe, die Redakteure, die Leserschaft…) es nicht anders? Lohnt es sich die Zeitung – DIESE Zeitung – zu retten, und wenn ja, welchen Preis ist ein jeder bereit zu zahlen? Oder muß man es einfach nur besser und cleverer anstellen?

    Auch in letzterem Fall wäre ein neuer Versuch offenbar ein Risiko – in erster Linie für die ZeitungsmitarbeiterInnen. Ich kenne die Diskussion hinter den Kulissen nicht. Ich weiß nicht, ob sie bereit wären, für ihre Zeitung alles auf eine Karte zu setzten, also im Zweifelsfall auch den Job. Aber wenn es so wäre, dann müssen auch Verlag und Verleger den gleichen Mut haben, sollten sie nicht in den Ruf kommen wollen, dass es ihnen wirklich nur um’s Geld geht.

  207. Voglwalter sagt:

    Ich wurde auf der letzten Buchmesse durch Werber mit einem Schnupperabo angefüttert und mir gefiel die FR sofort, auch wegen des Formats. Ich abonnierte die FR anstatt der SZ, von der mir eigentlich nur das Feuilleton abgeht. Was ich nett, aber unnötig fand, war, dass ich immer noch einen ansehnlichen Neukundenbonus genieße. Aus Sicht der Zeitung rausgeschmissenes Geld, wenn sich ein Interessent schon mal entschieden hat. Ärgerlich war aber die Mitteilung des Vertriebs ein paar Wochen vor dem Bekanntwerden der Umstukturierung, die Morgenzustellung über die örtlichen Zeitungsträger einzustellen und ab 1. April mit der Post zu versenden. Das sollte sicher mit sparen helfen, wird aber das Kraut nicht fett machen. E-Paper ist für mich kein Thema und eine eineinhalb Tage alte Tageszeitung braucht schon sehr gute Argumente im Wettbewerb.

    Über den inhaltlichen Substanzverlust über die letzten Jahre, den einige Schreiber hier beklagen, kann ich nicht urteilen, was mir aber sofort aufgefallen ist, die FR hat eine sehr engagierte Leserschaft, die politisch denkt und nicht mit Sprüchen abzuspeisen ist. Ob da gerade Berlin, die Metropole der Sprücheklopfer, der richtige Ort für die Redaktion ist, bleibt abzuwarten. Probezeit läuft.

  208. M.B. sagt:

    1. Weiteres Beispiel für die schlechte Qualität des Lokalteils: Dort wird heute berichtet, dass morgen die Entscheidung der Stadt Frankfurt falle, ob die Islamisten-Kundgebung in der Innenstadt „genehmigt“ werde. M.E. sollte ein Redakteur einer Qualitätszeitung, der in dieser Eigenschaft ja Garant für die Verteidigung der Kommunikationsgrundrechte ist, wissen, dass die Versammlungsfreiheit nicht unter Genehmigungsvorbehlat steht; es handelt sich hier nicht um eine juristische Spitzfindigkeit, sondern um ein Merkmal journalistischer Qualität. In der FAZ war es übrigens richtig formuliert.

    2. @ Bronski:
    Der von mir hochgeschätzte Stephan Hebel hatte ja letzte Woche in seinem Blog kurzzeitig dasselbe Thema wie hier. Dort schrieb er: „Wer unter schwierigeren Bedingungen nicht schlechter wird, ist auch schon besser. Und wenn der Umbau dann hoffentlich gut verkraftet ist, gehen wir – keine Sorge – wieder in die Offensive.“
    Einmal abgesehen davon, dass die FR derzeit NICHT „nicht schlechter“ wird: Darf man das so verstehen, dass der gegenwärtige Qualitätsverfall – der, wie gesagt, leider immer deutlicher wird!! – der derzeitigen ungewissen Situation geschuldet ist, die Redaktion sich aber der Mängel bewusst ist und willens ist, wieder fundierter und seriöser zu werden? Ist es das, was Herr Hebel mit „Offensive“ meint?? Das wäre sehr erfreulich und würde die alteingesessenen Leser bestimmt animieren „durchzuhalten“.

  209. BvG sagt:

    Ich stelle fest, daß sich vom 14.4 bis zum 21.4 keiner der verantwortlichen „Entscheider“ im einzigen Blog zur „Rettung“ der FR geäußert hat oder auch bloss zu erkennen gegeben hat, daß diese Diskussion wahrgenommen wird.

    Damit ist die Sache für mich erledigt.