Die Coronavirus-Pandemie – Eine Übersicht

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

In den vergangenen Tagen haben Sie Hunderte von Mails und Briefen an die Leserbriefredaktion der Frankfurter Rundschau geschrieben – also an mich. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle im Namen der FR herzlich danken. Ihre Beteiligung an der öffentlichen Debatte hat alle in der Redaktion sehr beeindruckt. Sie stellt uns zugleich vor neue Herausforderungen, denn es ist unmöglich, alle Zuschriften im gedruckten Leserforum zu veröffentlichen. Doch Ihr Engagement darf nicht unbeachtet verpuffen. Ihre Zuschriften zum Thema Pandemie werden daher dennoch alle veröffentlicht – und zwar hier im FR-Blog. Im Lauf der kommenden Woche. Denn das FR-Blog ist die Fortsetzung des Print-Leserforums im Internet. Doch gegenüber dem gedruckten Leserforum hat es einen wichtigen Vorteil: Es kann per Kommentarfunktion diskutiert werden!

AbstandDamit die Diskussion möglich bleibt, möchte ich hier ein wenig Überblick schaffen. Die Pandemie beschäftigt uns alle. Sie greift tief in unser Leben ein, und es zeigt sich, dass so ein winziges Virus über die Macht verfügt, die Welt zu verändern – wenn wir es dazu kommen lassen. Wenn wir über die Pandemie sprechen, dann sprechen wir tatsächlich über viele verschiedene Dinge: Sicherheit, Konsequenzen, Prognosen, unsere Rechte, natürlich auch über Politik, Solidarität, (übertriebene?) Vorsicht, und letztlich sprechen wir immer über Biologie und Medizin. Viel mehr als bisher. Dabei tauchen aus allen Ecken plötzlich selbsternannte „Experten“ auf und sorgen für Verunsicherung. Als wäre die nicht schon groß genug!

Bringen wir Ordnung ins Chaos!

Folgende Diskussionsmöglichkeiten biete ich Ihnen an. Bevor Sie auf eine davon klicken, lesen Sie jedoch bitte zu Ende. In diesen Diskussionen werde ich in nächster Zeit alle Ihre Zuschriften veröffentlichen, die im Zusammenhang mit dem Pandemie-Thema an die Leserbrief-Redaktion gerichtet wurden.

1. Viele halten den Atem an, einige für immer

Generalthema. Ausgehend von der Diskussion über die Ausgangssperre, die latent weitergeht, kann unter diesem Link alles besprochen und debattiert werden, was mit der Pandemie zusammenhängt.

2. Vom täglichen Kampf ums Toilettenpapier

Versorgung. Hamsterkäufe und anderes irrationales Verhalten.

3. Welche Gefahr für die Demokratie ergibt sich aus der Pandemie?

Diktatur. Unsere Rechte werden – unter anderem durch das Kontaktverbot – derzeit massiv eingeschränkt. Dabei darf es nicht auf Dauer bleiben.

4. Die Welt von morgen soll anders aussehen als die von heute

Zukunft. Welche Lehren ziehen wir aus der Pandemie? Denn da wir intelligente, vernunftbegabte Lebewesen sind, steht außer Frage, dass wir daraus lernen müssen.

5. Ihr Endgerät wird es Ihnen nachsehen!

Überwachung. Liegt die Lösung des Coronavirus-Problems im Datensammeln via Smartphone? Die Wissenschaftler würde es freuen, die IT-Giganten wie Google und Apple ebenfalls. Vermutlich auch die NSA und andere Geheimdienste.

6. Maskenträger schützen andere, nicht sich selbst

Infektionsketten. Ist die Diskussion über Mund- bzw. Atemschutz wirklich sinnvoll, oder ist sie ein Popanz? Ein psychologischer Effekt ist damit in jedem Fall verbunden.

7. Bronskis Homeoffice-Tagebuch

Seit dem 17. März bin ich im Homeoffice, so wie die meisten aus der FR-Redaktion ebenfalls. Darüber schreibe ich täglich im Homeoffice-Tagebuch hier im FR-Blog.

8. Unverschuldet in schwieriger Situation

Soforthilfe. Wie der Bund und die Länder Kleinunternehmern und Künstlern zu helfen versuchen.

Weitere Themen werden folgen. Bitte schauen Sie gelegentlich in diese Übersicht.

Für alle Diskussionen auf dieser Webseite gelten die Blog-Regeln.

Sollten Sie mit der Nutzung eines Blogs nicht vertraut sein, habe ich hier eine kleine Einführung für Sie.

Balken 4

14 Kommentare

  1. Hans-Werner Müller-Jording sagt:

    Offener Brief an das Corona Virus

    Du bist mir völlig abstrakt als eine weit entfernte Erkältungswelle begegnet, der eine
    bestimmte Heftigkeit sehr schnell bescheinigt, eine die Welt umspannende Katastrophe aber nicht zugetraut wurde.
    Du belehrst uns, dass ein Virus auch anders kann und zwingst fast alle Staaten der Erde, zunächst einmal erschreckt alle Virologen zu kontaktieren, wie denn mit dir umzugehen sei.
    Du hast schnell begriffen, dass du interdisziplinär agieren musst, damit die Menschheit lernt, dich endlich ernst zu nehmen.
    Wenn dies den wissenschaftlich eloquenten Menschen nicht schnell genug aufgefallen wäre, hätten unendlich viele Politiker dich völlig sanktionsfrei agieren lassen und sich gleich selbst für unantastbar gehalten. Du bist schlau und lässt die politisch handelnden Personen fast immer erst einmal recht alt aussehen.
    Viele von ihnen sind der Menschheit als Wendehälse und Scharlatane nur zu gut und zum eigenen Nachteil bekannt, die haben aber die Macht in Händen und interpretieren ihre nur das Amt meinende Immunität gleich als gegen dich gerichtet um.
    Du hast mir mit deinem Verhalten bestätigt, dass die Naturwissenschaften etwas mehr sind als nur ein Sammelbecken für die, denen die Ausbeutung aller Ressourcen dieser Erde zum eigenen Vorteil am Herzen liegt.
    Du zeigst selbst den Staaten der Erde, die nach ihrem Bruttoinlandsprodukt als reich definiert werden, dass sie diesen Status nur haben, weil sie das Gesundheitswesen soweit privatisiert haben, dass nicht einmal dir Paroli geboten werden kann. Die Ausstattungen aller die Gesundheit einer Gesellschaft betreffenden Institutionen wurden rationalisiert, das Personal schlecht bezahlt, die Vorratshaltung ausgedünnt, die Herstellung technischen Geräts und der Medikamente in Billiglohnländer vergeben.
    Du fällst als Virus auf fruchtbaren Boden und wärest geeignet, den Weltenlenkern einen Spiegel vorzuhalten. Du kannst handeln, deine Psychologie ist leider unterentwickelt.
    Die Forschungen, deinem Verhalten beizukommen, werden Fortschritte machen, sie werden auch vordergründig erfolgreich sein – bis du mutierst und in neuem Gewand wiederkommen wirst.
    Politiker und Wirtschaftslenker haben aber im Kopf, wann deine Kräfte erlahmen und man unter Hinnahme einer enormen Staatsverschuldung sich wieder so verhalten kann, wie vor deinem Auftreten.
    Die Angst des kleinen Mannes wird in der Menge der gelagerten Toilettenrollen und Weinflaschen deutlich. Den Nudeln können sie auch einen gewissen Reiz abgewinnen, dem Mehl haben sie Eigenschaften zugesprochen, die es allein nicht hat. Mit Hefe, Milch, Zucker und Eiern wäre man deutlich weiter gekommen.
    Du hast allen Akteuren des wirtschaftlichen und sozialen Lebens einen heiligen Schrecken eingejagt, im Grunde ihres Herzens aber möchten alle so bleiben, wie sie sind.
    Du bist jetzt schon weit rumgekommen und wirst meine Erfahrungen auch gemacht haben,
    die Menschheit will sich nicht ändern und dein Auftritt irritiert sie so sehr, dass dich alle aus ihren Motiven heraus bekämpfen.
    Du hast es nicht leicht.

    Beste Grüße

    Hans-Werner Müller-Jording

  2. Sonja Biesdorf sagt:

    Diese Aufzugssituation in Gießener Uniklinikum zeigt ganz schlechte Vorbilder! Da ist noch jede Menge zu lernen, so z. B. auch von Herrn Bouffier, der sich vorgestern im Hessenschau-Interview in beide Hände gehustet hat. Und das, bevor er die neuen und alten Verhaltensregeln erläutert. Glaubhaft ist anders!

  3. Wolfgang Packeiser sagt:

    Man stelle sich vor, wir haben wegen Covid-19 eine Wirtschaftskrise und niemand vermisst den selbsternannten Wirtschaftsspezialisten Friedrich Merz. Es ist nicht zu fassen, da hat Covid19 doch etwas Gutes: Man hört nichts von Friedrich Merz. Ich gehe jedoch davon aus, dass, wenn dereinst alles vorüber ist, er wieder mit leicht schräger Kopfhaltung und seinem bekannten selbstgefälligen Siegerlächeln uns in gut formulierten, allgemein gehaltenen Sätzen wenig konkret erklären wird, dass er – Friedrich Merz – alles hätte besser machen können.

  4. Dieter Carbon sagt:

    Der Fernseh-Appell unserer Bundeskanzlerin zur Pandemie war und ist meines Erachtens notwendig, sinnvoll und hilfreich angesichts des analogen Corona Virus; auch hat sie inhaltlich und im Ton die richtigen Worte gefunden.
    Leider kann ich dies bezüglich ihrer digitalen Empfehlungen nicht bestätigen. In ihrer zusammenfassenden Aufforderung „Wege finden, um Zuneigung und Freundschaft zu zeigen“ empfiehlt sie an erster Stelle die Nutzung von Skype. Skype ist ein vermeintlich kostenloser Video Konferenz Service des amerikanischen Unternehmens Microsoft, welches Nutzungsdaten sammelt, analysiert, vermarktet und mittlerweile auch vom Innenministerium kritisch beurteilt wird. Zurecht hat Frau Dr. Merkel vor analogen Viren gewarnt, aber bitte doch nicht mit der aktiven Empfehlung, quasi „digitale Viren“ einzusetzen.
    Für mich ergeben sich folgende Fragen:
    1. Wurde Skype als Productplacement benannt?
    2. Warum macht Frau Dr. Merkel nicht auch Produktwerbung für 20 andere Videokonferenz Tools?
    Warum nutzt sie nicht deutsche Lösungen?
    Wir, ein Team von acht Personen, haben vor fünf Jahren ein Start-up gegründet, um uns um die digitalen Viren zu kümmern, haben Jahre lang ohne Fremdmittel oder Zuschüsse geforscht und erfolgreich einen „digitalen Impfstoff“ zur Durchführung von unabhängigen, sicheren und anonymen Videokonferenzen entwickelt. Nein, ich nenne nicht den Namen unseres „digitalen Medikaments“, denn es geht mir nicht um Werbung, sondern um das Prinzip.
    3. Warum also empfiehlt die Bundeskanzlerin den Einsatz eines der weltweit größten Datensammler, nämlich Microsoft?
    Es gibt deutsche Lösungen, mit denen Videokonferenzen mit unbegrenzter Teilnehmerzahl in einer unbegrenzten Anzahl Räumen gleichzeitig durchgeführt werden können. Der Hauptvorteil: ohne dass Dritte (z.B. Internet- oder Webmeeting-Anbieter) mithören, mitschreiben, mitlesen können. Seit Jahren ist Frau Dr. Merkel verantwortungsvoll und erfolgreich für Deutschland und die deutschen Bürger*innen tätig; bitte erst recht auch auf digitalem Gebiet. Videokonferenzen ja, aber keine halben Sachen.
    Und, die Bundeskanzlerin möge bitte auch nicht nach uns „googeln“.
    Also bitte zukünftig keine halben Sachen: neben der notwendigen analogen Virenwarnung bitte ich darum, „Vernunft und Augenmaß“ auch bei der digitalen Virenwarnung walten zu lassen.

  5. Christa Führer-Rößmann sagt:

    Eine Zeitung, zweimal Gießen, zweimal Bezug zu Corona. Aber große Unterschiede. Im einen Fall geht es um eine sehr ernstes Thema, nämlich das der demokratischen Grundrechte in Zeiten von Corona. Wobei die Nachricht nur froh stimmen kann: Das Bundesverfassungsgericht hält das Demo-Verbot für eine Gießener Aktion für grundgesetzwidrig. Im anderen Fall geht es um ein Foto, das viel Heiterkeit erregte: zu viele Politiker in einem Aufzug.
    Als gemeinsames Thema kann man aber auf die Anzahl der Menschen kommen, um die es geht. Die Stadt hat nämlich verfügt, dass nur 15 Menschen an dem nun erlaubten Protest teilnehmen dürfen, und das Verwaltungsgericht Gießen sah diese Auflage als „verhältnismäßig“ an.
    Das zeugt von wenig Vertrauen in die Eigenverantwortlichkeit der Demonstranten. Nur nebenher: Die Politiker im Aufzug hätten diese rechtliche Beschränkung erfüllt, aber sie waren gerade nicht sehr verantwortlich in dem Moment.
    Die Demo-Verbote gegenüber dem Ostermarsch und anderen Protesten stehen jetzt als das da, was sie vorher schon waren: außerordentlich fragwürdig bis grotesk. Es ist zu befürchten, dass noch viele juristische Verfahren nötig sind, bis ein vernünftiger Umgang mit der Meinungsvielfalt auf der Straße wieder hergestellt ist.

  6. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Dieter Carbon

    Ich bin Laie in Sachen Skypen und Googeln und was es sonst noch so an digitalen Begegnungen (von Mailen abgesehen)gibt.
    Ihren Kommentar habe ich aufmerksam gelesen und verstehe ihn jedenfalls als Warnung vor vorschnellem Einverständnis mit dem Marktriesen Microsoft:
    „Zurecht hat Frau Dr. Merkel vor analogen Viren gewarnt, aber bitte doch nicht mit der aktiven Empfehlung, quasi „digitale Viren“
    einzusetzen.“
    Ich weiß nur eines: Wir kämpfen ja seit der Digitalisierung mit Viren und Datenräubern. Weiß gar nicht, wieviel Lebenszeit dabei schon draufgegangen ist, damit privat und öffentlich fertig zu werden?

  7. Heinrich Bahlburg sagt:

    Am 25. März kehrte ich von einem beruflichen Aufenthalt in Australien nach Deutschland zurück und reiste am Flughafen Frankfurt ein. Zu meiner sehr großen Überraschung stellte ich fest, dass es am Flughafen überhaupt keine Gesundheitskontrollen gab. Es gab keine kontaktlosen Messungen der Körpertemperatur. Auch gab es keine bereitstehenden Desinfektionsmittel, z.B. für die Hände.
    ich kann Ihnen berichten, dass kontaktlose Messungen der Körpertemperatur bereits Ende Februar in den verschiedenen Terminals des Flughafen Singapur gang und gäbe waren. Andere Reisende berichteten dieses auch von anderen Transitflughäfen in Asien. Ich hatte vor meiner Rückkehr sozusagen stillschweigend vorausgesetzt, dass dergleichen in Zeiten der anschwellenden Covid-19 Pandemie auch am Flughafen Frankfurt üblich wäre. Weit gefehlt.
    Ich bin kein Experte, aber mir scheint, dass sich hier eine große Sorglosigkeit und möglicherweise auch Verantwortungslosigkeit manifestiert. Die meisten Rückkehrer kommen derzeit aus Gebieten, die ebenso wie Deutschland von Covid-19 betroffen sind. Wie kann es sein, dass Rückkehrer ohne weitere Prüfung der Gesundheit und gegebenenfalls der Infektion einfach so ins Land gelassen werden?

  8. Hilde Marburger sagt:

    Digitales Sterben in Quarantäne
    Subjektive Betrachtung einer 80-Jährigen.
    Es war ein grausamer Albtraum. Abrupt riss er mich aus dem Schlaf. Gerade eben. Ich lag im Sterben, und meine Kinder durften das Haus nicht betreten. Seit Wochen hatten wir uns nicht mehr sehen dürfen, ausgegrenzt wegen Besuchsverbot im Heim. Grund: Ich war zwar noch nicht einmal nachweisbar infiziert, sollte jedoch vorsorglich geschützt werden vor einer Krankheit, von der niemand wusste, ob ich sie überhaupt jemals bekommen würde. Die Risikogruppe von Menschen über dem 65. Lebensjahr erstmal mit Mundschutz und entsprechender Schutzkleidung auszustatten war mangels Material nicht möglich. Also hat man uns weggesperrt in die Verbannung einer bewegungseinschränkenden, gefühlsbetäubenden sozialen Kontaktsperre. So mussten sich aussätzige Leprakranke fühlen.
    Logischerweise mussten erstmal die Helfenden geschützt werden. Ein Teufelskreis, zu dem niemand etwas konnte und kann. Ohne Helfer hätten die meisten Pflegebedürftigen und Kranken schließlich kaum Überlebenschancen.
    So schlug die Situation zu, um wie nach der Darwin’schen Lehre das Starke zu schützen durch versagte Hilfe für das Schwache. Wenn auf einer Wiese das alte Gras nicht gemäht wird, erdrückt es das nachwachsende und verhindert dessen Weiterbestand. Brutal, aber Fakt.
    All diese Gedanken hatten meinen Traum besetzt. Durch das Wegfallen meines täglichen unbegrenzten Lauftrainings waren meine Rückengelenke versteift. Die Angst vor Rollstuhlabhängigkeit und die Traurigkeit darüber hatte mich depressiv und kraftlos werden lassen. Das Auf- und Abgehen im Garten innerhalb von 60 Metern hatte mir das Gefühl einer Gefängnisinsassin vermittelt. Ich hatte versucht, damit die täglichen Gänge im Park zu ersetzen, die jetzt verboten waren. Nach jeweils einer viertel Stunde war ich derart deprimiert, dass ich am liebsten gegen eine Wand gerannt und umgekippt wäre für alle Zeiten. Geboren in der Bunkerzeit, Gefangenschaft in Nähe des Lebensendes.
    Nun lag ich mit meinen 80 Jahren in den letzten Zügen. Nichts Ungewöhnliches. In diesem Alter betrachtet man jeden Tag als Geschenk und ist vorbereitet auf den letzten Schritt im Leben und auf den ersten in der Ewigkeit.
    Aber hier in meiner Kontaktsperre war das Abschied nehmen von meinen liebsten Menschen unmöglich. Wollten wir uns die Hand vor der immer währenden Trennung geben, griffen meine Kinder und Enkel auf einen glatten Bildschirm und ich auf die Fläche eines I-Pads. FaceTime machte es möglich. So wurde ich während des Sterbevorgangs zum Film- und Anschauungsobjekt, während meine Kinder und Enkel degradiert waren zu Kino-Zuschauern. Sie konnten das letzte warme Leben in mir nicht berühren und ich ihres nicht mehr fühlen. Also war ich vor dem Lebensende schon tot, obwohl ich nicht gestorben war.
    Beim Aufwachen fühlte ich mich so erschlagen, als sei es wirklich passiert. Aber wie im Märchen hat mir in wunderbarer Weise erstens ein englischer Adliger geholfen, genannt Earl Grey, zwei Minuten gezogen, direkt vor meiner Nase duftend und auf dem Frühstückstablett an meinem Bett serviert. Zweite Hilfe ist mein Allheilmittel „Aufschreiben gegen Depressionen“. Drittens gibt es die 2 mm kleinen weißen Glückspillchen, bekannt als Serotoninhemmer. Klingt schließlich viel wissenschaftlicher. Sie schicken übergroße Ängste in die Wüste und helfen, den goldenen Käfig im Heim zu ertragen, der leider oder Gott sei Dank als Schutz fungiert.
    Die fürsorgliche Leitung unseres Hauses hat bestimmt alles getan, was sie konnte. Sie hatte blitzschnell Schutzkleidung und Mundschutz für die Helfenden zur Verfügung gestellt. Wir sind essensmäßig und medikamentös vorbildlich versorgt. Pflegemitarbeiter stehen sofort zur Verfügung. Für den Fall, dass wir irgendwann einmal nicht mehr ausgegrenzt sein müssen, hat jeder Heimbewohner jetzt sogar Mundschutz zugeteilt bekommen und damit Hoffnung auf Teilnahme am Allgemeingeschehen und auf Verjagen von digitalen Albträumen.
    „Schau’ nach anderen, die nicht mal einen Garten haben, denen geht es viel schlechter. Du sitzt doch in einem sehr goldenen Käfig!“ – Das sagen mir Menschen, die nie total weggeschlossen waren und sind. Niemand kann das nachfühlen, der noch immer aus Tür oder Tor heraustreten darf. Irgendwie fühle ich mich diskriminiert in meiner Menschenwürde.

  9. Christine Eiber sagt:

    In dem oben genannten Artikel, der auf einem taz-Interview mit dem Tübinger Oberbürgermeister, Herrn Boris Palmer, vom 05.04.20 basiert, plädiert Herr Palmer für einen schnelleren Ausstieg aus dem Corona-Lockdown durch einen sogenannten „neuen Generationenvertrag“. Dieser sieht vor, dass die Jüngeren arbeiten und im Gegenzug alle gesellschaftlichen Freiheiten genießen, während die Gruppe der über 65-jährigen durch strenge Quarantänemaßnahmen isoliert werden soll. In einem im „Spiegel“ veröffentlichten gemeinsamen Appell haben sich mittlerweile weitere Prominente, wie z.B. der Virologe Alexander Kekulé und die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh, dieser Position angeschlossen.

    Gegen einen solchen demokratiewidrigen Vorschlag protestiere ich auf das schärfste, obwohl ich (Jahrgang 1971) noch nicht zu der Alterskohorte zähle, für die die oben genannten freiheitsbeschränkenden Maßnahmen vorgesehen sind.

    Zunächst würde ein solches Vorgehen die Gruppe der Jüngeren, für die laut Herr Palmer Corona lediglich mit einer schweren Grippe gleichzusetzen ist, in falscher Sicherheit wiegen. Wenn auch deutlich seltener, sind auch bei jungen Menschen schwere Corona-Verläufe möglich. Ältere tragen ihrem erhöhten Risiko im Allgemeinen durch ein risikoärmeres Verhalten Rechnung, indem sie beispielsweise die Abstandsregeln beachten und Menschenansammlungen meiden, während vor allem Jugendliche glauben, sich über solche Regeln hinwegsetzen zu können. Durch besonnenes Handeln wird so von den Älteren eine individuelle Risikoeinschätzung und -minimierung vorgenommen. Der Vorschlag von Herrn Palmer und seinen Mitstreitern sieht dagegen vor, ältere Menschen dieser Entscheidungsfreiheit zu berauben, indem man sie gleichsam präventiv in „Schutzhaft“ nimmt. Diese Entmündigung der Alten soll es den Jüngeren erlauben, ihren hedonistischen Lebensstil baldmöglichst ohne weitere Einschränkungen wieder aufnehmen zu können.

    Unklar ist auch, wie solche Maßnahmen für ca. 17,5 Mio Menschen durchgesetzt werden sollen. Etwa durch Ausweiskontrollen auf den Straßen, bei denen Menschen über 65 von der Polizei aufgegriffen, mit Bußgeldern belegt und nach Hause eskortiert werden? Droht im Wiederholungsfall Gefängnis oder, noch schlimmer, die Zwangseinweisung in ein Altersheim?

    Zudem wirken diese angeblichen Schutzmaßnahmen durch die kontraproduktiven Auswirkungen der gesellschaftlichen Isolation in der Summe eher lebensverkürzend als lebensverlängernd. Studien haben nämlich gezeigt, dass Menschen dann gesund ein hohes Alter erreichen können, wenn sie sich viel bewegen, aktiv und sozial integriert sind und wenn ihr Beitrag zur Gemeinschaft wertgeschätzt wird, was in unserer von Altersdiskriminierung geprägten Gesellschaft leider nicht der Fall ist. Ein Wegsperren der Älteren reduziert dagegen deren Lebensqualität massiv und führt zu einem bewegungsarmen Leben ohne soziale Kontakte und geistige Anregungen, wie es zum Beispiel in den euphemistisch als „Seniorenresidenzen“ bezeichneten Altenverwahranstalten zu beobachten ist. Dies begünstigt Depressionen bis hin zur Lebensmüdigkeit sowie den Verlust motorischer und kognitiver Fähigkeiten. Vielen Menschen erscheint ein dermaßen reduziertes Leben nicht mehr als lebenswert. Stattdessen würden sie eher eigenverantwortlich ein gewisses Restrisiko in Kauf nehmen, doch sie werden ja nicht gefragt, über sie wird verfügt, wie über die vielen alten Menschen, die derzeit unter Besuchsverbot in den Altersheimen im totalen Hausarrest, ja bisweilen sogar, abgeschottet von Luft und Licht, im Zimmerarrest leben müssen. Wohlgemerkt alles zu ihrem eigenen Schutz.

    Dem Argument, dass es sich hierbei um temporäre Maßnahmen handle, die leider nötig seien, bis ein Impfstoff vorliege, ist zu entgegnen, dass die Lebensdauer der Betroffenen oft begrenzt ist, so dass es sich für manche um lebenslange Einschränkungen handelt. Außerdem wird dadurch ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen, denn was spräche dagegen, die Alten bei der nächsten schweren Grippewelle erneut Quarantänemaßnahmen zu unterwerfen
    .
    Sollten die von Herrn Palmer und seinen Mitstreitern in dem oben genannten Appell anvisierten Maßnahmen zum Gesetz werden, rate ich allen Betroffenen, Herrn Palmers von mir geschätzten Parteikollegen Hans-Christian Ströbele auf seinem Gang vor das Bundesverfassungsgericht zu begleiten sowie in Wort und Schrift und, selbstverständlich unter Beibehaltung der nötigen Abstandsregeln, in Kleingruppen auf der Straße und insbesondere vor dem Tübinger Rathaus zu protestieren.

    Wäre ich selbst betroffen, würde ich mich mit allen gewaltfreien Mitteln solchen demokratiewidrigen und freiheitsberaubenden Maßnahmen widersetzen, denn wo Recht zum Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

    Lassen wir uns nicht spalten in Alt und Jung und kämpfen wir für eine solidarische Gesellschaft. Auch Herr Palmer sollte nicht vergessen, dass wir alle alt werden, wenn wir nicht vorher sterben, und vielleicht würde er dann seine Meinung ändern und sich in einem vergleichbaren Fall meinem Protest anschließen, was ich sehr begrüßen würde.

  10. Hartmut Willibald Rencker sagt:

    Es wird keine Ruhe geben bis Herdenimmunität erreicht ist. Die Italiener sind uns ein Stück voraus, wie der starke Rückgang der Neuinfektionen zeigt. Es ist nur die Frage, ob der Schrecken kurz und schmerzhaft oder langsam und zerstörend durchgestanden werden muss.
    Gerade dieser Virentyp neigt offenbar zu Mutationen, sonst hätte er nicht den angestammten Wirt verlassen und Geschmack an Menschenfleisch finden können. Das Virus wird wohl zum Dauergast. Ich rechne damit, dass es keine beständige Immunität geben wird, gerade so wie bei der Influenza (echte Grippe) oder dem gewöhnlichen Virenschnupfen, gegen den kein Kraut gewachsen ist. In der Natur gibt es ein Muster: Mutation – Selektion – Evolution. Massenpopulationen von der Sorte „Legebatterie“ sind ein Nährboden.

  11. Riggi Schwarz sagt:

    Es scheint doch noch vernünftige Politiker im Bundestag zu geben. Zum Mutmacher der Union scheint sich langsam der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu entwickeln. „Meine Angst ist aber nun begrenzt“, so Wolfgang Schäuble zur Coronavirus-Pandemie!
    Es gibt doch schon Udo Lindenberg mit seinem „Panik Orchester“, wir bräuchten eigentlich kein zweites Panik Orchester, noch dazu grottenschlechtes wie diese „Paniker GroKo“. Wolfgang Schäuble sollte sich einige dieser Panikmacher aus den Reihen von CDU/CSU und von SPD mal fest zur Brust nehmen, nicht zu vergessen wären hier der Minsterpräsident aus Bayern und der aus Baden Württemberg, die sogenannte „Ober-Panik-Südachse“ von Deutschland.

  12. Hans-Karl Ortmann sagt:

    AfD und FDP widersprechen der Kanzlerin. Korona-Virus ausnutzen, um Wählerstimmen zu angeln: Diese beiden Parteien wollen „im Trüben fischen“. Seltsam, dass FDP und AfD gleicher Meinung sind und gleiches vor haben.
    Es ist durchaus im Sinne der Parteien, die Politik so zu machen, wie sie den Interessen der Wähler entspricht. oder umgekehrt: Sie sollten die Politik machen, die sie uns versprochen haben bzw. für die sie gewählt werden. Aber nicht gegen jegliche Vernunft, Selbserhal-tung, gegen das Wohl und die Gesundheit ihres Wahlvolkes. Ihre Verantwortung und Aufgabe liegt doch gerade dort, im Wohl des Volkes.
    Wer da zur Zeit nach um- und weitgehende Lockerung der Einschränkungen und Lebens-gewohnheiten schreit, hat anderes, nur parteipolitisches vor, denn so gibt’s Wählerstimmen. Da lobe ich mir den Mut der Parteien, die zwar für alle unangenehm aber für unser Wohl einzutreten, gegen die vielen Leute, denen die Last der Pandemie zu viel wird und weg wünschen. Die denen „nach dem Maul zu reden“, die schielen nur auf Wählerstimmen, – das ist „Trumpisch“, – den Mut-Politikern kostet das Stimmen.
    Ich halte es für mies, aus der Not des Corona-Virus nur den eigenen Vorteil ziehen zu wollen, nachdem Motto: alle Schuld an der Misere hat die Regierung.
    Da will sogar einer seine Schutzmasken vom Staat bezahlt haben, – seine Kleidung auch? Diese kauft und bezahlt er ja für seine Gesundheit auch selbst und nicht die Regierung; sonst er-friert er und nackt in der Öffentlichkeit wäre auch strafbar, wie ohne Maske. Man stelle sich Gauland, Weidel und Lindner mal so vor.
    So gibt’s in diesen Corona-V-Zeiten Kuriositäten und mal den einen oder anderen Lacher.

  13. Stefan Vollmershausen sagt:

    Für mich, in meiner Situation, das ist die Grundsicherung mit Rente, macht der corona virus keinen unterschied. Teilhabe ist sowieso nicht möglich, bei dem. Hartz IV
    Regelsatz, das ist mit oder ohne corona wie gehabt. Zusätzliches Geld gibt es auch nicht, bei der Grundsicherung und corona.
    Kontakte sind – wie die teilhabe – mit diesem Regelsatz nicht möglich. Das heißt, der größte teil der Zeit wird zuhause totgeschlagen. Also, corona Quarantäne nur aufgrund der Grundsicherung von zehn Euro Taschengeld pro Tag, daher macht es für mich keinen unterschied, ob mit oder ohne corona. Aufgrund meiner verrentung habe ich seit zwanzig Jahren Hausarrest und “ kurzes “ Geld.
    Es ist auch nicht beabsichtigt, diesen Leuten etwas zukommen zu lassen.

  14. Stefan Vollmershausen sagt:

    Ich bitte, dass von mir gesagte zu Corona und der Grundsicherung nicht als Klage anzusehen.
    So ist das nicht von mir gemeint gewesen.
    Ich sage nur, dass sich im Fall des Bezugs von Grundsicherung an der Corona Situation – ob es dauernd ist oder nur zu Pandemie Zeiten – sich nichts ändert. Man sitzt zuhause.eingeschränkt.

    Zu Trump, Bolsonaro, AFD wollte ich einmal den Begriff des Fundamentalismus anwenden, denn man verfolgt ja auch in der Quarantäne die Nachrichten über das von der Cornona Krise am schwersten betroffene Land. Die USA und die Pressebriefings des weißen Hauses. Ich meine das ist Fundamentalismus, was dort seit Amtsbeginn der Republikaner geschieht, entsprechend dem islamischen Fundamentalismus.