Heuchelei von der „besonderen Verantwortung“

Angela Merkel redet in der Knesset – und trifft den Ton. Obwohl sie größtenteils auf Deutsch spricht, für manche Juden immer noch ausschließlich die Sprache der Nazis und ihrer Verbrechen. Eine solche Rede ist eine Balanceakt, unendlich viele Befindlichkeiten sind zu beachten und auszutarieren. Das scheint Merkel ganz gut hingekriegt zu haben. Schon ist von einem historischen Schritt die Rede. Nun, historisch an Merkels Besuch dürfte auf jeden Fall erstmal sein, dass solche Reden vor der Knesset normalerweise nur Staatsoberhäuptern gestattet sind. Darüber hinaus ist es auf jeden Fall ein Schritt nach vorn, den auch die israelische Regierung gut brauchen kann. Themen wie den Siedlungsbau im Westjordanland oder die Friedensgespräche mit den Palästinensern vermied Merkel.

Dazu FR-Leser Hans-Peter Schuh aus Köln:

„Leider muss man sich als Deutscher immer erst entschuldigen, bevor man sich zu Israel äussert. Deswegen erwähne ich dieses mal bewusst nicht, dass ich nicht wenige jüdische Freunde habe und das Existenzrecht Israels verteidige. Noch mehr verkneife ich mir dieses mal jeden Sarkasmus hinsichtlich des Geschicks von Frau Knobloch, es wunderbar hingebogen gekricht zu haben, dass künftig jede israel-kritische Meinung als antisemitisch gebrandmarkt werden wird. Denn als Mensch, der – obwohl Verteidiger des Existenzrechts Israels – fast zwanzig Jahre in arabischen Ländern gearbeitet hat, will ich ernst genommen werden mit meiner Befürchtung: Der von Merkel in der Knesset dröhnend verkündete Schulterschluss mit der derzeitigen Regierung Israels – die bei weitem nicht alle Israelis vertritt – verbaut den Weg, dass Deutschland künftig in Arabien noch als neutraler Vermittler auftreten kann. Ist das wirklich im Interesse Israels? (Vermutlich lässt Joschka nicht grüssen. Aber Bush.)“

Bernd Inhester aus Göttingen:

„Mit ihrer ostentativen Parteinahme für Israel macht die Bundesregierung deutlich, dass sie an einer Vermittlerrolle im Nahostkonflikt kein Interesse hat. Was soll aber dann das Angebot, einen Nahostgipfel zu veranstalten? Kein arabisches Land wird dieses Angebot ernst nehmen können, hat sich der Gastgeber doch derart einseitig festgelegt. Dass die Bundesregierung gegenüber Abbas nicht einmal den Schein einer Ausgewogenheit wahrt, wirkt sich auf den Konflikt verheerend aus: Seine Glaubwürdigkeit innerhalb Palästinas wird weiter demontiert. Wer aber wird ihn ersetzen, wenn Abbas die Unterstützung seiner Landsleute endgültig verliert?“

Sigurd Schmidt aus Bad Homburg:

„Thomas Kröter hat einen zunächst in sich logischen, dann aber auch sehr nachdenklich stimmenden Artikel zum Verhältnis Israel und Deutschland geschrieben – auch aus Anlaß des Aufenthalts einer größeren Regierungsmannschaft unter Angela Merkel in Jerusalem.
Es ist ja richtig, dass eine Versöhnung wie die zwischen Frankreich und Deutschland irgendwie Beispielcharakter gewinnen kann oder sollte. Aber die ‚Qualität‘ der Unrechtstaten des Nazi-Regimes und Systems gegenüber den Juden in Europa ist so ganz eigener Gattung, dass es vielleicht vermessen ist, die französisch-deutsche Aussöhnung als gewissermaßen sittliche Orientierungshilfe herbeizuzitieren. Wenn überhaupt, kann doch die ‚Aussöhnung‘ zwischen Israel und dem enorm gedemütigten Volk der Palästinenser nur durch kulturelle Aktionen wie dem wundervollen Orchester ‚West-Östlicher Diwan‘ von Daniel Barenboim u n d vor allem durch ganz massive Wirtschaftshilfe – gerade für die Palästinenser-Gebiete – geschafft werden (Stichwort: großer Marshall-Plan für den Nahen Osten).
Es bedarf auf israelischer Seite der Einsicht, dass ein ‚Weiterkolonisieren‘ von orthodoxen Eiferern des genealogisch verstandenen ‚Eretz Israel‘ dem Staat Israel nur schadet. Es bedarf vielmehr auch gemeinsam betriebener neuer Gewerbe-Ansiedlungsprojekte zwischen Israelis und Palästinensern, an deren Finanzierung sich dann auch die EU und natürlich Deutschland, beteiligen kann. Es gibt übrigens solche Projekte auch unter Beteiligung der Türkei!
Nachdenklich stimmt aber der Artikel von Thomas Kröter insofern, als er existentielle Fragen für Deutschland ausblendet: Was ist eigentlich, wenn Israel die gesamte Bundeswehr anfordert … oder alle Israelis nach Deutschland einwandern wollen? Solche Fragen müssen gestellt werden können. Oder nicht, weil damit zu viele Tabus verletzt werden?“

Zum gleichen Leitartikel meint Bernd Kaskas aus Old Bursledon (UK):

„‚Das deutsch-israelische Modell‘ als Vorbild für eine Verständigung auf dem Weg zum Frieden ist eine glitzernde Illusion. Ja, Feinde müssen sich aussöhnen, wenn es Frieden geben soll. Aber gerade der Blick auf die Unterschiede offenbart die Realitäten. Während es nach 1945 keinen Zweifel an den deutschen Verbrechen gab, kann den Palästinensern nur das Verbrechen ihrer eigenen Existenz vorgeworfen werden, nämlich als Nichtjuden das ‚Heilige Land‘ über Jahrhunderte bewohnt und es nicht sofort bereitwillig geräumt zu haben, als die Erben der vormaligen Besitzer zurückkamen. Jene israelischen Staatsgründer haben nichts anderes getan, als mit der ganzen ‚Härte des Gesetzes‘ ihr nur in jüdischer Linie ererbbares Recht auf die uralte Heimat einzufordern. Ganz recht: ‚Bereitschaft zu Selbstkritik, Einsicht und Versöhnung ist ein Erfolgsmodell‘. Voraussetzung hierfür ist eben die Moral. Und hier stellt sich die entscheidende Frage: Welche?“

Dagegen Tiqvah Bat Shalom aus Jerusalem:

„Vom Besuch der Bundeskanzlerin erwarte ich keine positive Entwicklung für Israel! Frau Merkel macht Angebote, die süßlich schmecken, doch neue Handschellen in sich verbergen und Israel jegliches Selbstbestimmungsrecht nehmen wollen. Mein Vertrauen zur Weltgemeinschaft und insbesondere zu Deutschland ist wie das von Schafen zu hungrigen Löwen, die ständig bezeugen, dass sie Vegetarier geworden sind!
Die ständig wiederholte Heuchelei von der ‚besonderen Verantwortung‘ schafft in mir keineswegs mehr Vertrauen, vor allem nicht, wenn ich die gesamte ‚besondere Verantwortung‘ betrachte bei den Verurteilungen der UNO oder wie Deutschland sie auch sonst mit der EU gegen uns einsetzt – mit Beistand für Terroristen, die uns vernichten wollen!“

Update: Wir starten einen neuen Versuch, über die Orientierung der deutschen Außenpolitik in Nahost zu reden. Ein erster Anlauf zu einer solchen Diskussion ist mir entglitten. Alle Kommentare der früheren Diskussion, die nicht direkt zum Thema waren, wurden gelöscht. Ich bitte alle Diskuttanten, die Blog-Regeln zu beachten und sich ans Thema zu halten. Das ist der Merkel-Besuch in Israel.

27 Kommentare

  1. S.i.T. sagt:

    Da soll nicht unerwähnt bleiben, der Kommentartor (gestern) in der FR hat wenigstens auf die andere Seite gedeutet – den Artikel fand ich gut und der ist viel wert, in diesem unseren Lande. Augen auf.

  2. Michael Andes sagt:

    Die Thematik ist viel zu vielschichtig, als daß man hier alles in Schwarz oder Weiß sehen kann. Es ist sicherlich richtig, dass Fr. Merkel als Vertreterin der BR Deutschland die besondere Verantwortung für Israel und die damit verbundene Freundschaft hervorruft. Denn: Als Freund hat man das Recht, einem unverblümt hinter verschlossenen Türen die Meinung zu geigen. Denn gerade die Aussenpolitik , die einen mit ihren mittlerweile an Sippenhaft und generelle Rachefeldzügen Ähnlickeit aufweißt, kann und darf Deutschland nicht einverstanden sein. Denn der Nährboden allen Terrorismus ist dort entstanden und wird hierher zu uns getragen.

    Wenn, wie in dem Kommentar des Jerusalemer geschehen, Deutschland wieder vorgeworfen wird, Antisemitisch zu handeln, wie immer wenn man sich kritisch zu Israel äussert, dann sollte man meiner Meinung nach alle Zelte abbrechen und die Israelis ihr Schicksal selbst bestimmmen lassen. Sollte dieses dann einen Waffengang der arabischen Allianz zur Folge haben, dann müssten sie damit auch alleine klar kommen.

    Alles in allem wird mir beim Gedanken daran, daß die Bekloppten auf beiden Seiten über Atomwaffen verfügen oder verfügen wollen ganz anders.

  3. Abraham sagt:

    Zu den Leserbriefen kann ich nur auf das Interview mit dem israelischen Regisseur Etgar Keret verweisen.

    Darin sagt er: „Es ist auch klar, dass Deutsche da sehr vorsichtig sind. Trotzdem denke ich, dass sie offen gegenüber Israel sein sollten, auch wenn sie Dinge kritisch sehen. Der Holocaust verleiht Israel keine Immunität. Es ist eine Pflicht für die Deutschen, die Welt zu einem sichereren Platz für alle Menschen zu machen, und nicht nur für Israelis.“

    Aber auch:
    „Es gibt so eine liberale Angst, die im Grunde nur eine andere Form der Bevormundung ist. Das passiert, wenn man sagt: Diese Leute dort im Nahen Osten sind anders als wir. Sind wir nicht! Vielleicht ist das Klima, in dem wir uns bewegen, ein anderes. Wir sollten trotzdem mit demselben moralischen Maßstab gemessen werden wie die Europäer. Manche Außenstehenden benehmen sich gerne, als wüssten sie alles schon. Was würde denn passieren, wenn ein Palästinenser ankäme und sagte: Ich kenne eure deutsche Gesellschaft in- und auswendig, die Konflikte zwischen Ost und West. Da würden sich die Deutschen ganz schön auf den Schlips getreten fühlen. Beim Nahen Osten denkt niemand, dass er etwas darüber lesen muss, den Ort besuchen, die Menschen sprechen. Da denken alle, sie brauchen nur fünf Minuten CNN schauen, und schon haben sie alles kapiert.“

  4. Abraham sagt:

    @ Heinrich

    Lieber Heinrich,

    da hätten wir die Gelegenheit, unsere begonnene Israel/Palästina fortzusetzen und uns gepflegt die Brocken um die Ohren zu hauen.

    P.S.: Es kotzt mich an, mir Gedanken darüber machen zu müssen, ob man angesichts der AlKaida-Drohungen heute Abend zu Purim mit Kindern in die Synagoge gehen kann (der letzte Anschlag auf eine Synagoge ist ja noch in guter Erinnerung), und dann mir vorwerfen zu lassen, wir schotten uns ab.

  5. Abraham sagt:

    Korrektur:

    es muß heißen „unsere begonnene Israel/Palästina Debatte fortzusetzen“

  6. susanne sagt:

    Ich bin auch sehr an deiner und Heinrichs Diskussion interessiert. Ich erinnere mich dunkel, dass du geschrieben hattest, du würdest zu einer Tagung (?) zum Thema „Menschenrechte“ fahren. Ich bin schon sehr gespannt auf deine Erläuterungen.
    Schöne Grüße
    Susanne

  7. Uwe Theel sagt:

    Auch mich stimmt Kommentar von Thomas Kröter in der FR vom 15.03.2000, S.11, zudem ich am selben Tag diesen Leserbrief an die FR, Z.Hdn. Herrn Dr. Vorkötters schrieb,

    Das deutsch-israelische Modell
    Nicht nur historische Verantwortung prägt das Verhältnis Deutschlands zu Israel. Die Aussöhnung der Israelis mit den Deutschen macht Hoffnung, dass Frieden mit den Palästinensern möglich sein könnte.

    sehr nachdenklich: Herr Kröter schreibt dort wörtlich:

    „Nie wieder Opfer sein! So heißt die zentrale Lehre des israelischen Staatsvolks aus Auschwitz, Buchenwald, Dachau und den anderen Orten, an denen über sechs Millionen Juden von Deutschen bestialisch gequält und umgebracht wurden. Nie wieder Opfer sein – das schließt ein, sich zu wehren. Seit seinen Gründungszeiten befindet sich Israel im Krieg. Das Palästina, in das Juden von fast überall her kamen, war nicht leer. Israel muss sich in einer feindlichen Umwelt behaupten.

    „Auch der Hass gegen die Niedrigkeit verzerrt die Züge“, schrieb Bertolt Brecht auf der Flucht vor dem Naziregime. „Wir, die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit, konnten selber nicht freundlich sein“. Zu der Nachsicht, um die einst der sozialistische Emigrant die Nachgeborenen bat, bleiben die Deutschen auch gegenüber den Nachfahren derer verpflichtet, die vor 60 Jahren den Staat Israel gegründet haben. Vom zunächst heimlichen Beitrag Konrad Adenauers zur Aufrüstung der israelischen Armee bis zum Versuch der rot-grünen wie der aktuellen Regierung, unter den Gegnern Israels wenigstens die gemäßigten zu fördern, zieht sich die Grundlinie deutscher Staatsraison aus historischer Verantwortung.“

    Ich will hier nicht in frage stellen oder beurteilen, was die These „Nie wieder Opfer!“ für die Israelis bei der Gründung ihres Staates gespielt hat. Tatsächlich waren die Juden, die sich hier einen eigenen Staat –grundsätzlich zu Recht – erhofften, Opfer.

    Wenn jetzt Herr Kröter das brechtsche Gedicht „An die Nachgeborenen“ zur Legitimation der bundesrepublikanischen Position einer –unbedingen (?) – Solidarität mit dem Staat Israel heranzieht, dann nenne ich das eine Verhöhnung der wahren Opfer.

    Brecht hat dieses Gedicht – Ich empfehle Ihnen und Herrn Kröter einmal die vollständige Lektüre und nicht nur das Zitieren aus dem bildungsbürgerlichen Erinnerungschatz – 1939 im dänischen Exil geschrieben. Es steht im Lyrikband Svendborger Gedichte. Es drückt mehr Vorhersicht, als nachträgliche Interpretation von Geschehen aus. Gleichwohl, nehmen wir es als ein Motto für Selebstreflexion und Mitfühlen an, das uns helfen sollte, die eigenen Entscheidungen im Vor- und Nachhinein zu überprüfen zu legitimieren.

    Doch auch dann kommen wir nicht umhin, daß Brecht diese Bitte um Nachsicht definitiv für diejenigen stellte, die Verfolgte, die selbst Opfer waren und trotzdem schuldig wurden in der Bekämpfung des sie verfolgenden Unrechts. Als Brecht, selbst Verfolgter und Opfer – Verlust der heimatlichen Sprachumgebung – das Gedicht in 1939 schrieb, hatte er selbst schon den ersten Höhepunkt der stalinschen „Säuberungen“ von 1936-1938 vor Augen. Brecht sah sich da nicht unbeteiligt. Das Tun des sozialistisch-kommunistischen Widerstandes und dabei vor allem die stalinistische Perversion war zuallererst gemeint, wenn Brecht schrieb:

    „Dabei wissen wir doch:
    Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
    Verzerrt die Züge.
    Auch der Zorn über das Unrecht
    Macht die Stimme heiser. Ach, wir
    Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
    Konnten selber nicht freundlich sein.“

    Wenn Herr Kröter jetzt glaubt, sagen zu können Zu der Nachsicht, um die einst der sozialistische Emigrant die Nachgeborenen bat, bleiben die Deutschen auch gegenüber den Nachfahren derer verpflichtet, die vor 60 Jahren den Staat Israel gegründet haben.“ dann nimmt er einen aus der Opfersicht gewonnene Einsicht als Haltung für die Nachgeborenen der Täter in Anspruch. Kröter postuliert ihn nicht nur als notwendige Haltung, sondern er impliziert, daß dies seit Adenauer ja die Haltung Deutschlands gewesen sei und seine Solidarität mit Israel begründet habe. Darüber ließe sich trefflich streiten, die Gründe auch nur Adenauers waren aber sicherlich ganz andere.

    Zudem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Kröter, die alte deutsche Schuld als Grund einenes Verzeihens durch Deutschland anzunehmen scheint, das wohl falsches Handeln der Israelis gegenüber den Palestinensern als von Deutschland mit zu Deckendes darstellt. – Das halte ich für fragwürdig, ohne die deutsche Schuld damit auch nur um ein Jota in Frage zu stellen.

    Der Skandal in dem Argument steckt aber zuvörderst in der Verkehrung von Opfer und Täterbezug.

    Kröters Bezug des Argumentes auf die Rolle Israels steht Kröter schon gar nicht zu. Dies ist eine Sache Israels selbst.

    Wenn Kröter glaubt, hier insgesamt überhaupt auf ein starkes Argument zur Legitimation des deutsch-israelischen status quo seit 1948 gestoßen zu sein, so irrt er schon deshalb, weil Brecht diese Bitte um Nachsicht sicher nicht mit der Gewißheit diese auch zu erhalten gestellt hat. Brechts Haltung war nicht geprägt durch Selbstmitleid oder Hoffnung so ein besseres standing für die Deutschen in der Weltgemeinschaft nach dem von ihm niemals falsch vorhergesehenen Kriegsende herbeireden wollte, sondern in Demut vor der eigenen Schuld, der eigenen Schwäche, aber das war immer die Schwäche des (schuldigen) Opfers. Deutschland war nach dem Krieg eine Besiegte aber kein Opfer fremder Willkür.

    Ihre Zeitung hat seit Mai 2007 verstärkt Herrn Primor als Gastkommentator, vielleicht fragen Sie ihn einmal zu der kröterschen Interpreation des deutsch-israelischen Verhältbisses und danach vielleicht auch noch Herrn Uri Avnery um eine zweite Meinung.

    Noch in einem weiteren Punkt ist Herrn Kröters Kommentar mehr als fragwürdig. Er schreibt

    „Das Palästina, in das Juden von fast überall her kamen, war nicht leer. Israel muss sich in einer feindlichen Umwelt behaupten.“

    Dieser Satz vereinfacht die Lage sicher übermäßig und läßt keinen Raum, als Herrn Kröter zustimmen zu müssen. Dass es schon ein wenig komplizierter sein könnte, hätte ihm schon ein Blick in die auf hohem Nieveau geführte Diskussion im jüngsten FR-Blog

    “Es fällt schwer, auf geliebte Denkmuster zu verzichten”
    ( http://www.frblog.de/aly2/#comments )

    dort in den Beiträgen:

    • 130. Kommentar von: abraham
    Geschrieben am 26. Februar 2008 um 21:35 Uhr

    • 170. Kommentar von: Heinrich
    Geschrieben am 7. März 2008 um 00:10 Uhr

    • 174. Kommentar von: abraham
    Geschrieben am 8. März 2008 um 00:18 Uhr

    • 180. Kommentar von: Heinrich
    Geschrieben am 10. März 2008 um 16:28 Uhr

    • 182. Kommentar von: abraham
    Geschrieben am 11. März 2008 um 22:25 Uhr

    geführt worden ist, zeigen können.

    Sollte Ihnen, Herr Dr. Vorkötter, die Blog-Quelle „Heinrich“ nicht seriös genug erscheinen, ich bin sicher, Karl Grobe, der langjährige, von mir sehr geschätzte FR-Mitarbeiter, wird Ihnen hier fachkundigen Rat geben können.

    Warum Ich Ihnen diesen Brief schreibe?

    Es ist nicht, weil ich die Hoffnungen, die Herr Kröter gegen Ende seines Kommentars ausspricht für nicht wünschenwert oder gar unmöglich hielte, aber Herr Kröter begründet die Lage und deren Wurzelen, aus der sie heraus erwachsen könnten falsch. Solchen Journalismus erwarte ich nicht in der FR, in solch historisch und politisch sensiblem Bereich schon gar nicht.

    Vordergründig könnte es scheinen, ich schriebe, nur weil ich einen Eintrag in Ihrer schnoddrigen „Sorry“-Ecke erwartete. Aber natürlich geht es mir vornehmlich darum, sie weiter daraufhin anzusprechen, daß Ihre Zeitung nicht mehr die ist, die sie vorgeblich Ihnen immer noch sei.

    Im Falle der Diskussion um die ALY-Diskussion wurde ihnen das gerade in den beiden Aly-Blogs auf breiter Front schon einmal dokumentiert.

    Mit freundlichen Grüßen

    Uwe Theel

  8. Abraham sagt:

    @Susanne

    Nachdem Sie zum zweiten mal nach der Tagung fragten, bei der ich neulich war, muß ich doch antworten: Es war eine europäische Tagung des religiös-progressiven Judentums, an der auch einige Rabbiner und Laien teilgenommen haben, die auch den „Rabbis for Human Rights“ angehören. Dabei standen religiöse Themen und Probleme der Gemeindearbeit im Vordergrund. Es gab aber auch einen Workshop zur jüdischen Ethik im Wirtschaftsleben sowie einen zur sozialen Verantwortung der Gemeinden. Das Thema der Menschenrechte im Israel/Palästinakonflikt stand diesmal nicht auf der Tagesordnung (anders als bei einer Konferenz vor einem Jahr in Jerusalem). Ein Redner erwähnte allerdings, warum nur er als einziger aus seiner Jerusalemer Synagogengemeinde an der Konferenz teilnehmen konnte: Die anderen Mitglieder der Synagoge waren zum Einkaufen gefahren – nach Sderot, um Solidarität mit den von Hamas-Raketen bedrohten Menschen zu zeigen. Mitglieder des Israel Movement for Progressive Judaism sind davor am jüdischen „Neujahr der Bäume“, Tu BiSchwat, zum Pflanzen von Olivensetzlingen zu Palästinensern gefahren, deren Bäume von Siedlern gefällt wurden.

  9. Heinrich sagt:

    @ Abraham # 9

    Mein Lieber,

    dein Beitrag treibt mir die Tränen in die Augen, die ich mir eigentlich für die Matthäus-Passion aufsparen wollte.
    Also sage ich dir in geringer Abwandlung einer der schönsten Arien daraus: „Können Tränen meiner Wangen nichts erlangen, o, so nimm mein Herz hinein!“

    Ich weiß da auch nicht weiter, bitte Bronski aber nunmehr doch eindringlich, den schrecklichen Störer des streitbaren Blogfriedens ein für allemal zu sperren.

    Ob und wie es mit unserer beabsichtigten Diskussion weitergehen kann, musst du wissen. Ich schreibe vielleicht morgen noch was zum Thema. Es ist auch für mich ein altes und bekanntes Dilemma: Man kann leider nichts Israel-Kritisches schreiben ohne den Beifall von der falschen Seite, aber soll man sich andererseits von solchen Leuten diktieren lassen?

    Für heute Abend wünsche ich euch ein fröhliches Fest, das Lärmen der Kinder möge ihnen und euch wie das sprichwörtliche Pfeifen im Walde die Angst nehmen.

    Die besten Grüße von
    Heinrich

  10. Michael Andes sagt:

    Wenngleich ich sehr viel Verständnis für Menschen habe, die angegriffen werden, so wenig Verständnis habe ich für die Methoden, mit denen der Staat Israel (nicht DIE Juden….) dem Problem Herr zu werden versucht.

    Auch ist es nicht hilfreich, um es mal gelinde auszudrücken, wenn Vertreter der deutschen Juden über alles, aber auch wirklich alles den moralischen Bann oder Erlaubnis aussprechen. Wenn dies ein Bischoff versucht oder der Pabst, so hat er geharnischte Gegenwehr zu erwarten. Wehrt man sich gegen diese ebenso ungerechtfertigte Einmischung des Zentralrates der Juden in Deutschland, so holt Herr Salomon und Frau Knobloch SOFORT die Antisemitenkeule raus. DIES, und allein DIES, läßt normale Bürger ohne rechtsradikalen Hintergrund sich zu antisemitischen Äusserungen hinreißen. Dies muß einmal von den Vertretern des ZR wahrgenommen werden.
    Das die Familie von Frau Knobloch dem deutschen Wahn von ’39 zum Opfer gefallen ist ist eine unvergleichliche Tragödie und jedem, der einmal eine Gaskammer von innen oder ein KZ besucht hat, jedem werden die Worte fehlen ein solches Grauen zu beschreiben.

    ABER ES MACHT DEN ZR NICHT ZUR ALLEINIGEN MORALISCHEN INSTANZ IN DEUTSCHLAND !

    Auch bedarf es nicht der steten Kommentars, dies ist wirklich kontraproduktiv.

    Und abschließend muß es auch erlaubt sein, dass der Abriss von Wohnungen von Terroristen, auch wenn nur seine Frau und die Kinder drin wohnen, rassistisches Unrecht ist. Auch das blinde Beschießen von Vierteln, aus dem eine Rakete abgefeuert wird und somit der Tod von Unschuldigen hingenommen wird, ist Unrecht. Und erinnert verdammt an das Verhalten von Nazischergen nach dem Motto 1 Toter Wehrmachtssoldat –> 100 tote Menschen der Bevölkerung, gleich ob Partisane oder nicht.

    Es macht mich rasend wütend, wenn eigenes erlittenes Unrecht zur Verteidigung eigenem getanem Unrecht herangezogen wird.

    Und um allem vorzubeugen : Ich bin kein Antisemit. Ich war im KZ Bergen-Belsen und Dachau. Ich setze mich mit der deutschen Vergangenheit auseinander. Ich bin Deutscher. Meine Vorfahren waren vor drei Generationen noch Franzosen. Ich bin kein Nazi. Ich bin nur ein Mensch, der sich mit seiner Umwelt und der Tagespolitik auseinandersetzt. Wage sich keiner hier, mich einen Nazi zu nennen.

  11. Barney Gerölleimer sagt:

    @ All

    Frieden im Nahen Osten wird nur dann zu schaffen sein, wenn alle, wirklich alle sich an den Verhandlungstisch setzen, ohne dass jeder gleich auf seinen Vorteil bedacht ist. Unter Allen verstehe ich: Israel, PLO, Hisbollah, Hamas, Syrien, Jordanien, Iran Saudi-Arabien, Ägypten, USA und England.

  12. abraham sagt:

    @ Heinrich

    Danke für Deine Worte. Bevor ich nun soviel trinke, dass ich Haman nicht mehr von Mordechei unterscheiden kann (das verlangt die Tradition an Purim) wünsche ich Dir viel Vergnügen bei der Matthäus-Passion und frohe Ostern.

    Schalom

    Abraham

  13. I. Werner sagt:

    Dies ist doch hier ein Forum, wo wir Meinungen ausstauschen wollen und uns nicht um uns selbst drehen wollen. Voneinander argumentativ lernen, nachdenken, eigene Positionen überlegen, vielleicht überarbeiten und anderen zuhören. Auch wenn sie anders denken als ich.Zuhören finde ich ganz wichtig. Gute Nacht allen.

  14. thomas sagt:

    das stimmt das sehe ich auch so. AUSTAUSCH von meinungen und nicht beharren auf meinungen

    aber immer ganz locker, @ i.werner

    bisher ist noch keiner auf das argument eingegangen

    freunde geben sich u-boote

    oh da freut sich aber die rüstungsindustrie

    das fördert den frieden in der welt, nicht wahr?

  15. thomas sagt:

    und acj ja, die menschenerechte. ganz großes thema, jedenfalls wenn es um die innerdeutsche debatte oder um china geht. bei israel scheint das aber plötzlich keine rolle zu spielen. wie israel mit den menschenrechten umgeht, das ist anscheinend völlig egal

    macht aber nix, solange man einen anker hat an dem man das deutsche gewissen namens brecht aufhängen kann, was theel?

  16. abraham sagt:

    @ Heinrich #44

    Lieber Heinrich,

    es ist schwer für Juden in Deutschland, über Israel-Kritik zu diskutieren. Die „Kritiker“ schreiben auch nicht an die israelische Botschaft, sondern schicken ihre Haßergüsse bevorzugt an jede x-belibige jüdische Gemeinde. Charlotte Knobloch und Salomon Korn bekommen solche „nette“ Post fast schon Waschkörbeweise; da kann man vielleicht verstehen, warum sie machmal überreagieren.

    Nicht minder nervig sind die manchmal aggressiven, manchmal wohlmeinenden und manchmal nur naiven Besserwisser (die sich auch schon in diesem Thread zu Wort gemeldet haben) – das hat auch Keret in seinem Interview angesprochen (siehe mein Posting # 6 http://www.frblog.de/aussoehnung/#comment-20279).

    Was würden beispielsweise die Hessen von dem „guten Ratschlag“ eines Israelis halten, die nach den Wahlen verfahrene Situation einfach dadurch zu lösen, dass man eine Einheitsregierung aus allen im Landtag vertretenen Parteien bildet (und vielleicht noch zur Sicherheit, damit es wirklich Frieden gibt, auch noch der NPD einen Ministerposten gibt)? Aber Entschuldigung, ich bin schon wieder ironisch.

  17. Michael Andes sagt:

    Taten darf, muss und kann man verbieten. Vielmehr müssen Demokraten versuchen, auch Gedankengut, dass eigentlich nicht zu diskutieren ist, mit gesundem Menschenverstand zu begegnen, Überzeugungsarbeit leisten. Verbote bringen nichts, erinnert euch mal an eure Sturm-u.Drangzeit. Da war doch alles, was verboten war erst dadurch interessant.

    Mein Fazit:

    Solange eine Frau Knobloch, ein Herr Salomon jegliche Kritik an der jüdischen Gemeinschaft oder dem Staat Israel selbst als antisemitisch geißelt….

    Solange jede Diskussion, die sich um dieses Thema dreht solche Hirnakrobaten wie S.I.T oder ähnlichen Meinungskundtuern hervorruft….

    Solange man keine Diskussion um ein aktuelles Thema beginnen kann ohne in die Vergangenheit zurück zu schweifen….

    Solange kann es auch keinen Frieden geben.

    Hier nicht, dort nicht, nirgendwo…

  18. abraham sagt:

    @ Michael Andes

    „Solange eine Frau Knobloch, ein Herr Salomon jegliche Kritik an der jüdischen Gemeinschaft oder dem Staat Israel selbst als antisemitisch geißelt….“

    Es gibt begründete und unbedgründete Kritik „an der jüdischen Gemeinschaft oder dem Staat Israel“, es gibt dumme Kritik und es gibt antisemitische Kritik. Darüber, wann unbegründete oder dumme Kritik in antisemitsche übegeht, kann man streiten. Man kann auch darüber unterschiedlicher Meinung sein, ob Knobloch oder Korn diese Grenze richtig ziehen. Die pauschale Behauptung, die beiden würden jede Kritik als antisemitisch bezeichnen, ist aber nachweislich so falsch, dass man sie durchaus als dumm bezeichnen kann.

  19. Bronski sagt:

    So, meine Lieben,

    ich habe mich bemüht, diesen Thread von allen unangenehmen Erscheinungen zu befreien. Meine freien Tage sind jetzt keine freien Tage mehr, aber da muss ich durch. Ích werde die weitere Debatte im Auge behalten und bitte alle Diskuttanten, bei aller Emotionalität die Blog-Regeln zu beachten. Thema dieses Threads ist das deutsch-israelische Verhältnis und der Merkel-Besuch.

  20. abraham sagt:

    @ Bronski

    Auch Sie sollen freie Tage haben. Ich schlage vor, Sie schließen den Thread vorläufig bis nach den Feietagen. Eine Abkühlung der Debatte (die inhaltlich noch nicht begonnen hat) schadet nicht.

  21. Bronski sagt:

    Danke, Abraham, aber ich denke, wir lassen den Thread laufen. Bei dem Wetter kann ich sowieso nicht viel unternehmen!

  22. Uwe Theel sagt:

    Kommentar gelöscht, da nicht zum Thema

  23. Uwe Theel sagt:

    aber #14 und #15 die sind Thema, ja

    so wie das hier?

    Das deutsch-israelische Verhältnis ist schwierig, weil wir eine schwierige Geschichte hatten.

  24. Uwe Theel sagt:

    Ich glaube auch, dass das Deutsch-israelische Verhältnis auch schwierig ist, weil es von den Schwierigkeiten des in der Schröderzeit schwierigen Verhältnisses zwischen Deutschland und den USA überschattet bleibt, obwohl Angela Merkel da lt. Pressemeldungen, auch in der FR und der FAZ einiges gut gemacht hat.

    P.S.: @ Bronski

    Bitte löschen Sie die off-Topic-Beiträge #185 bis #189 von Susanne und heinrich im Blog http://www.frblog.de/gewissen/ bitte, bitte nicht, das sind tolle Musik und Filmtipps und außerdem mag ich die beiden Blogger wirklich sehr.

  25. Uwe Theel sagt:

    Vielleicht könnte das ja eine gmeinsame Sprache für die Menschen in Plästina und Israel abgeben:

    Das große Lalula

    Kroklokwafzi? Semmememmi!
    Seiokrontro – prafriplo:
    Bifzi, bafzi; hulalemmi:
    quasti basti bo…
    Lalu lalu lalu lalu la!

    Hontraruru miromente
    zasku zes rü rü?
    Entepente, leiolente
    klekwapufzi lü?
    Lalu lalu lalu lala la!

    Simarar kos malzipempu
    silzuzankunkrei (;)!
    Marjomar dos: Quempu Lempu
    Siri Suri Sei []!
    Lalu lalu lalu lalu la!

    und für alle, die Morgenstern lieben.

    So einfach ist das.

  26. abraham sagt:

    @ BVG # 25

    Ich verstehe nicht, wie Uwe Theel auf die Idee kommen kann, BvGs „Meditation“ über Gott könnte den Straftaatbestand der öffentlichen Beschimpfung von Bekenntnissen nur tangieren.

    Allerdings hilfen seine Gedanken in Bezug auf den Israel-Palästina-Konflikt nicht weiter, weil dieser kein religiöser Konflikt ist (auch wenn er manchmal „religiös“ aufgeladen wird).

    Und auch das „besondere Verhältnis“ zwischen Deutschland und Israel hat wenig mit Gott zu tun, sondern mit der deutschen Vergangenheit. Wie emotional belastet dieses Verhältnis ist, zeigte auch dieser Thread. Der Umgang zwischen nichtjüdische Deutschen und Juden (trotz weitgehender „Normalität“ im Alltag) ist immer noch durch Unsicherheiten gekennzeichnet. So wurde ich schon in diesem Blog als „Bürger jüdischen Glaubens“ bezeichnet, weil sich viele Deutsche immer noch nicht trauen, das Wort „Jude“ auszusprechen.

  27. I. Werner sagt:

    Ja, lieber BvG, wenn es denn so einfach wäre in dieser Welt. Ich kenne viele Palästinenser, die sehr hasserfüllt sind, weil sie sich vertrieben fühlen und ja auch vertrieben wurden. Und all diese Wunden zu heilen, die in langer vergangener Zeit begangen wurden. Es sind Wunden, die schwären und können immer von Machtinteressen mobilisiert werden. Leider!
    Frieden jetzt und für immer. Natürlich könnten Israelis und Palästinenser miteinander leben, das glaube ich auch. Aber es gibt Aufheizer, die das verhindern. Auf beiden Seiten, wie mir scheint. Leider!