Das Coronajahr hat gerade erst angefangen

Streitbar wie immer hat sich der Chirurg Dr. Bernd Hontschik in seiner Kolumne unser Gesundheitssystem vorgeknöpft: Sind wir auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur? Auch ich habe neulich noch beklagt, dass niemand mehr übers Klima redet. Sars-CoV-2 deckt alle anderen relevanten Themen zu. So wie ich die Mechanismen des Medienbetriebs kenne, wird das zwar vorübergehen, und die anderen Themen wie eben das Klima, die sich ohnehin nicht ignorieren lassen, werden wieder an Dominanz gewinnen, aber derzeit ist die Pandemie das beherrschende Thema. Sind wir also hysterisch? Wo bekommen wir Rat? Bei Wissenschaftlern, die Sars-CoV-2 mit Influenza vergleichen, obwohl sie wissen müssten, dass diese Viren nicht vergleichbar sind?

Dies ist eine wichtige Debatte, die den Blick unter anderem auch auf die Opfer der sogenannten multiresistenten Keime richtet – bis zu 20.000 Tote fordern diese Bakterien (nicht: Viren) jährlich, aber niemand regt sich darüber auf. Auch die Medien nicht. Diese Bakterien haben wir uns selbst herangezüchtet. Sie sind nicht einfach aufgetaucht, indem sie von einer Fledermaus oder einem Schuppentier auf den Menschen übergegangen sind, so wie es im Fall von Sars-CoV-2 vermutet wird, sondern es handelt sich um Bakterien, die eigentlich unsere ständigen Begleiter sind, die wir aber durch unsere Lebensweise – unter anderem durch Antibiotika in der Massentierhaltung – resistent gegen viele unserer gängigen Wirkstoffe gemacht haben. Wir haben uns die Mittel zu ihre Bekämpfung selbst aus der Hand geschlagen. Das ist ein Skandal. Es ist Dr. Hontschiks Anliegen, darauf aufmerksam zu machen.

Kleine Anmerkung in eigener Sache: Zurzeit bekomme ist wirklich sehr, sehr viele Leserbriefe, und ich fühle mich ein wenig überfordert mit dieser Flut. Sehen Sie es mir also bitte nach, wenn im Folgenden nicht gleich alles perfekt formatiert ist. Ich werde das nachbearbeiten, aber auch hier ist es ein bisschen wie mit allem, was im Homeoffice passiert, in dem ich mich ja gerade befinde: Wir müssen improvisieren.

Und jetzt kommen die Leserbriefe.

fr-debatteWenn schwer erkrankte Menschen nicht mehr angemessen versorgt werden können

Dr. Bernd Hontschik relativiert in seinem Beitrag unter der Überschrift „Auf dem Weg zur Gesundheitsdiktatur“ in unverantwortlicher Weise die aktuelle Situation und die Gefahren der Pandemie. Offensichtlich hat Dr. Hontschik das Prinzip bzw. die Gefahren exponentiellen Wachstums nicht verstanden. Er vergleicht aktuelle Corona-Todesfallraten mit Todesraten, die durch andere Erkrankungen verursacht sind, und lässt die bisherige Anzahl an Todesfällen durch Infektion mit dem Virus Covid-19 dagegen gering erscheinen, beispielsweise stellt er 30000 Todesfällen durch Krankenhaus-Infektionen die 3400 Corona-Toten in Italien gegenüber. Das Problem dabei ist: Es wird die Grippetoten, die Todesfälle durch Krankenhaus-Infektionen und durch andere Krankheiten auch weiterhin geben. Diese Menschen starben und sterben weiterhin trotz medizinischer Versorgung! Wenn jedoch innerhalb sehr kurzer Zeit ca. 60 Millionen Menschen durch die schnelle Übertragungsrate infiziert werden, davon 15-20% schwer erkranken, dann wären das innerhalb kurzen Zeitraums ca. 10 Millionen Menschen, die schwer erkranken und zusätzlich zu allen anderen Bedürftigen versorgt werden müssten. Dass dies nicht möglich sein wird, ist offensichtlich. Veranschlagt man eine Sterberate von 1%, dann wären das von 60 Millionen immerhin 600.000 Todesopfer. Diese Sterberate (die Angaben bzgl. Der Raten schwanken derzeit) würde sich jedoch nochmal dramatisch erhöhen, wenn die schwer erkrankten Menschen nicht alle angemessen medizinisch versorgt werden könnten. Auch Herr Dr. Hontschik müsste als Chirurg wissen, dass bei einem voraussehbaren Zusammenbruch des Gesundheitssystems als Notmaßnahme selektiert werden müsste und viele Menschen gar nicht behandelt werden könnten, sondern schlicht alleine elendiglich zugrunde gingen. (In Italien und im Elsaß stehen solche Entscheidungen ja womöglich bereits schon an, wie der heutigen FR zu entnehmen ist.)
Der Verweis auf China ist perfide, da erstens die Opferzahlen nicht glaubwürdig wirken und zweitens, und dies ist besonders bemerkenswert im Hinblick auf die von Dr. Hontschik befürchtete „Gesundheitsdiktatur“, die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der persönlichen Freiheiten dort ganz massiv waren. Niemand weiß, wie viele Menschen ohne diese Maßnahmen gestorben wären (in China, in Italien…) und wie viele ohne diese Maßnahmen zukünftig sterben würden. Hier muss die möglichst seriöse Prognose handlungsleitend sein und nicht das Abwarten, ob es tatsächlich so kommt!
Ich stimme Herrn Dr. Hontschik absolut zu in seiner Kritik an mangelndem Einsatz und Geld für Klimaschutz, die Energiewende und die grundsätzlichbessere Ausstattung des Gesundheitssektors.
Hier besteht ebenfalls dringender Handlungsbedarf. Aber diese Versäumnisse und politischen Fehlentscheidungen werden nicht dadurch korrigiert, indem die dringend notwendigen aktuellen Investitionen ebenfalls unterlassen würden und u.a. auch den hilfsbedürftigen Selbstständigen, Kurzarbeiter*innen, anderweitig „freigestellten“ Menschen nicht zugute kämen.

Judith Mohl, Frankfurt

fr-debatteDie Menschen müssen tot umfallen, ehe was passiert

In seinem Meinungsbeitrag „Auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur“ vom 21. März hat mir Bernd Hontschik mit der abschließenden Frage „Was geht hier eigentlich vor?“ aus dem Herzen gesprochen. Die Politik hat dem Corona-Virus den Krieg erklärt, weil ja angeblich die Gesundheit der Bevölkerung absoluten Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen habe. 121.000 Rauchertote in 2013, 74.000 Alkoholtote pro Jahr, 3.059 Verkehrsunfalltote 2019 sprechen allerdings eine völlig andere Sprache. Rauchverbote in Gaststätten konnten gegen massive politische Interessen nur durch Bürgerentscheide durchgesetzt werden. Schließlich beträgt das Aufkommen aus der Tabaksteuer jährlich 15 Mrd. Euro. Was zählt da die aktive Beihilfe zu Sucht, Lungenkrebs und Rauchertod? Seit Jahrzehnten weisen die Ausbaugegner des Frankfurter Flughafens auf die gesundheitsschädlichen Folgen des Luftverkehrs hin und fordern ihr Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit ein. In seiner Studie „Prognose der Krankheitskosten und Erkrankungen durch nächtlichen Fluglärm im Umfeld des Flughafens Frankfurt“ von 2013 prognostizierte der renommierte Epidemiologe Prof. Greiser in den nächsten zehn Jahren 3.400 zusätzliche Todesfälle, 23.000 zusätzliche Krankheitsfälle und Kosten für das Gesundheitssystem von 1,6 Mrd. € durch Fluglärm. Reaktion der Politik in Hessen: gleich Null, denn schließlich schaffe der Flughafen ja Arbeitsplätze und Wohlstand für die Region. Offensichtlich müssen die Menschen nach Zigaretten-, Alkoholkonsum oder Fluglärmexpositon erst auf der Stelle sofort tot umfallen, ehe die Politik tätig wird. Solange die Hessische Landesregierung als größte Mehrheitseignerin zulässt, dass die Fraport AG mit ihrem Geschäftsmodell die Gesundheit der Menschen in der Region durch Fluglärm und giftige Abgase aus den Flugzeugtriebwerken systematisch schädigt, solange wirken ihre vielfachen, mit großer Ernsthaftigkeit vorgetragenen Erklärungen, jetzt in der Corona-Pandemie habe der Schutz der Bevölkerung oberste Priorität, völlig unglaubwürdig.

Hans Schinke, Offenbach

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Wir machen die Dummheit salonfähig

„Die Welt ist durch die Tatsachen bestimmt und dadurch, dass es alle Tatsachen sind“, schrieb Ludwig Wittgenstein 1921 in seinem „Tractatus logico-philosophicus“. Mit seinem Theorem erinnerte der Sprachphilosoph und Wissenschaftstheoretiker daran, dass eine Tatsache eine andere weder dauerhaft ausschließen noch priorisieren kann. Ja, dass die Komplexität der vom Menschen erkannten Wirklichkeit diesen dazu verpflichtet, keine Reduktion dieser Vielschichtigkeit zu betreiben und dies auch nicht zuzulassen. Und ebenso keine Rangfolge der Tatsachen axiomatisch vorschreibbar ist. Folglich also die Bedeutung eines medizinischen Problems die Wichtigkeit eines sozialen oder politischen – oder umgekehrt – nicht verdrängen kann und darf. Denn „die Welt ist alles, was der Fall ist“ (Wittgenstein): Corona plus Influenza plus Klimakatastrophe plus Kapitalismus plus Menschenrechte usw.
Mit Hilfe der empirischen Methode lässt sich sehr exakt beschreiben, dass ein Coronavirus pandemisch vorhanden ist, dass es rasch und exponentiell von Mensch zu Mensch übertragenen wird (falls diese leichtfertig sind) und dass vorrangig lebensältere Menschen mit definierbaren Vorerkrankungen daran lebensgefährlich erkranken und ein hoher Prozentsatz (gemessen an den Gesamterkrankungen und an der gesundheitlichen Infrastruktur der Länder) von ihnen gestorben ist.
Die Kulturtechnik des verstehenden Lesens ermöglicht jedem, der es will, dazu, die Sachverhalte zumindest in ihrer grundsätzlichen Bedeutung zu erfassen. Bernd Hontschiks Frage „Was geht hier eigentlich vor?“ lässt sich ziemlich exakt beantworten – siehe oben.
Der Kampf gegen Corona ist allein wegen seiner bisherigen Opfer ethisch geboten. Er schließt die Kämpfe gegen Neoliberalismus und seine Folgen (u.a. Klimaveränderung), gegen die Ausbeutung von Menschen, gegen Rassismus, gegen die Unterdrückung von Frauen und Minderheiten, gegen religiösen Fundamentalismus etc. nicht aus, ganz im Gegenteil.
Wir befinden uns nicht auf dem Weg in eine Gesundheitsdiktatur, sondern wir machen durch die Oberflächlichkeit, mit der wir an Probleme herangehen, die Dummheit salonfähig und verwechseln zunehmend bei unserem Denken und Handeln die logischen Ebenen.

Klaus Philipp Mertens, Frankfurt

fr-debatteIn der Nähe von Verschwörungstheorien

Darf man mit den Gesundheitsanstrengungen, dem Kampf gegen die Ausbreitung einer Pandemie sich sein Späßchen machen, und mit anderen zweifellos vorhandenenProblemen der Gesellschaft aufrechnen, um sodann eine drohende „Gesundheitsdiktatur“ zu diagnostizieren?
In dieser Situation die Verunsicherung der Menschen zu schüren, mit nebulösen Andeutungen, die sogar in die Nähe von Verschwörungsvermutungen rücken, ist alles andere als hilfreich, und es dient lediglich zur Aufmerksamkeitsstimulation für die eigene Person / Meinung . Selbst das Klopapieproblem und das Problem der Kläranlage in Mörfelden ( wo?) wird im Schlussabsatz gewürdigt und hinreichend verdächtigt Beihilfe für eine aufziehende Gesunheitsdiktatur zu leisten. Mich macht das sprachlos.

Heinz-A. Hetschold, Witten

fr-debatteWenn der Tod nicht mehr so richtig zählt

An einem Tag, an dem Italien 800 Tote zu beklagen hat, die Corona-Krise zu relativieren und damit die Anstrengungen zur Abbremsung der Ausbreitung des Virus in Frage zu stellen, ist einfach nur zynisch. Sind wir schon wieder so weit, dass der Tot von „Betagten oder Hochbetagten“ nicht so richtig zählt?

Axel Bienhaus, Frankfurt

fr-debatteUnsere Freiheit wird massiv beschnitten

Danke, Herr Hontschik, für Ihren Artikel in der FR am Samstag, 21.03.20! Mir bereitet es Sorge und langsam auch Ärger, zu erleben, wie unsere Regierung unser Leben bis ins Private und unsere Freiheit massiv reguliert und beschneidet, wegen einer Virusausbreitung, die bisher von einigen anderen Infektionskrankheiten und Grippewellen in ihrer Gefährlichkeit deutlich übertroffen wird. Da bleiben bei mir viele Fragen offen. Aber vielleicht geht unsere Regierung ja demnächst genauso rigoros gegen Sparzwänge und Missstände in Krankenhäusern vor, wie z. B. Personalmangel, schlechte Bezahlung und Krankenhauskeime. Und sicher ebenso klar gegen gefährliche Raserei auf unseren Autobahnen mit einem Tempolimit. Und natürlich gegen eine Landwirtschaft, die Böden, Wasser und Lebensmittel vergiftet. In Sachen Corona würde ich mir von der FR viel mehr Darstellungen anderer Blickwinkel auf die Coronawelle wünschen. Und außerdem wieder mehr ausführliche Berichte über andere, mindestens genauso wichtige Themen auf der Titelseite und im „Thema des Tages“!

Susanne Fuchs, Bonn

fr-debatteUnser Überleben als Menschheit

Bernd Hontschiks Sorge auf dem Weg in eine Gesundheitsdiktatur zu sein teile ich nicht. Die ergriffenen Maßnahmen und Beschränkungen, die uns Ärzte und Politiker auferlegen, sind sinnvoll und führen hoffentlich zu einem guten Ende.
Zuzustimmen ist ihm aber, dass die Vernachlässigung des Themas „Klimawandel“ nicht geboten ist. Wir müssen weiter und beschleunigt daran arbeiten über unser Überleben als Menschheit in einer „vollen Welt“ nachzudenken und zu handeln. Manche Nachdenklichkeit in dieser Coronakrise sollte genutzt werden Einiges in Frage zu stellen. Einschränkungen zum Wohle aller Menschen müssen gar nicht einschränkend sein.

Winifred Wagner, Frankfurt

fr-debatteDamit die Menschlichkeit nicht verlorengeht

Vielen Dank für Ihren weisen und spannenden Beitrag! In Zeiten von Corona gerät unsere Welt aus den Fugen und die Menschlichkeit geht verloren.
Es zerreißt mir das Herz, wenn Altenheime für Besucher gesperrt werden, obwohl die meisten Insassen eben nicht mit dem Smartphone Kontakt zu ihren Angehörigen aufnehmen können, oft nicht einmal ein Festnetztelefon bedienen können.
Es zerreißt mir das Herz, wenn kleine Kinder und Jugendliche mit ihren Problemfamilien 24 Stunden am Tag bis auf Weiteres zusammen mit Homeoffice und Hausaufgaben in Wohnungen gestopft werden.
Es zerreißt mir das Herz, wenn Alleinstehende sich mit Essen und Alleinsein abfinden müssen, während Hunden wenigstens noch Auslauf zugestanden wird. Und selbst das Essen ist zurzeit für einige Obdachlose und Arbeitslose nicht mehr gesichert. Aber: Aus den Augen, aus dem Sinn.
Das Corona-Jahr, in dem es voraussichtlich noch kein Heilmittel und keinen Impfstoff gibt, hat gerade erst angefangen. Ich finde, wir müssen, was die soziale Isolation betrifft, Kompromisse machen und minimale Risiken eingehen, damit die Menschlichkeit nicht verloren geht.
Gesunde ältere Angehörige z.B. sollten die Erlaubnis haben, Menschen im Altenheim zu besuchen. Gottesdienste sollten stattfinden dürfen, wenn in den Gotteshäusern bestimmte Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.
Schulen sollten mit vernünftigen sanitären Einrichtungen ausgestattet werden. Dann könnte man vielleicht die Klassengrößen und die Stundenpläne halbieren und mit regelmäßigem Händewaschen den Schulunterricht in eingeschränkter Form wieder aufnehmen.
Vielleicht könnten wir in Parks gemeinsam die Sonne genießen, aber darauf verzichten gemeinsam aus einer Bierflasche zu trinken. Wir sollten wohl besser das Küssen und das Händeschütteln unterlassen, aber vielleicht könnten wir uns doch hin und wieder unter Freunden vorsichtig umarmen?

Astrid Bremer, Frankfurt

fr-debatte

Welche Therapie schlägt Dr. Hontschik vor?

Wenn ich mal die verschwörungstheoretischen Anklänge bei Dr. Hontschik beiseite lasse (ein Virus, „angeblich aus China“ etc.), so bleibt als Quintessenz seiner Diagnose: Die Maßnahmen die jetzt überall auf dem Planeten von der übergroßen Mehrheit der Fachwelt dringend nahegelegt und von nahezu allen Regierungen gegen das Corona-Virus umgesetzt werden, würden zu einer „Gesundheitsdiktatur“ führen – gegen die wir uns wehren müssten. Worum geht es im Kern? Die steile Kurve der gegenwärtigen Infektionswelle soll abgeflacht und verlängert werden, um a) einen Kollaps in der Krankenversorgung zu verhindern, b) Zeit zu gewinnen, damit geeignete Gegenmittel gegen das unbekannte Virus entwickelt werden können. Das Mittel dazu ist eben die „physikalische Distanzierung“ der Menschen voneinander und die dazu erforderliche Reduzierung des Öffentlichen Lebens. Welche Therapie schlägt Dr. Hontschik alternativ vor? Fehlanzeige. Öfter Hände waschen?
Wir wissen Vieles über die Pandemie noch nicht ganz genau, auch wenn die Warner vor angeblicher „Panikmache“ so tun, als wüssten sie es. Eines scheint aber anhand der vorhandenen Daten klar: Ohne drastische Gegenmaßnahmen, wäre sehr schnell der Punkt erreicht, in dem die Verhältnisse außer Kontrolle gerieten, von den Menschen-Opfern und den unerträglichen Zuständen in den Kliniken. Altenheimen etc. ganz zu schweigen. Dies ist anhand des heutigen Brennpunktes in Norditalien aber auch anderswo schon heute in ganzer Brutalität zu sehen. Hontschik weist daraufhin, dass wir mit einem besser ausgestatteten und nicht länger kaputtgesparten Gesundheitssystem die Probleme besser im Griff hätten. Wohl wahr, hilft aber akut nicht weiter. Und ob die Kapazitäten dann reichen würden, ist auch noch die Frage. Gerade aus medizinischer Sicht kann es keine Option sein, die gegenwärtige Pandemie laufen zu lassen, bis der notwendige Durchseuchungsgrad der Bevölkerung, der die Welle stoppt, erreicht ist. Vielleicht ahnen Dr. Hontschiks und die anderen Anti-Panikmacher dies und müssen daher zu einem Mittel greifen: Das Virus wird bagatellisiert (eine „Infektionswelle wie andere auch“) und die dramatischen Folgen des Nichtstuns wie der Erfolge der strikten Isolationspolitik (siehe heute China) werden schlicht ausgeblendet. Die Argumentation ist auch ansonsten verräterisch: Es träfe ja in Sonderheit die Älteren und besondere Risikogruppen. Das stimmt; allerdings nicht ganz: In Italien sind bereits 17 Ärzte (Stand 21.3.) gestorben sind und es wird noch mehr treffen. Aber heißt das, wir müssen auch noch viele höhere Sterbezahlen akzeptieren, weil wir ohnehin alle an irgendwas sterben müssen? An der Grippe würden jährlich noch mehr Menschen sterben, lesen wir. Was an solchen Vergleichen schief ist, muss ich hier aussparen. Aber dieselbe Frage stellt sich: Einfach neue Pandemien mit allen Folgen als unvermeidlich hinnehmen?
Der erschreckende Verlust an ethischer Orientierung wird auch daran deutlich, dass auch Mitglieder der Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzte gegen den Atomtod) denselben Tenor bedienen wie die Doktores Wodarg oder Hontschik. Zur Erinnerung: Ein Hauptmotiv bei der Entstehung dieser relevanten Friedensgruppe gegen die Nachrüstung der 80er Jahre war die in Kriegszeiten den Ärzt*innen auferlegte Triage, d.h. die Aussortierung der wahrscheinlich dem Tod geweihten Menschen aus der ärztlichen Versorgung. Das lässt sich mit unserem ärztlichen Eid nicht vereinbaren haben, haben die Mediziner damals gesagt. Genau dies müssen Ärzte und Pflegekräfte in Italien notgedrungen heute tun und sie leiden wie die Hunde darunter. Wie kann man sich, diese Bilder vor Augen, gegen Maßnahmen sperren, die einen solchen Notstand verhindern sollen? Einfach unfassbar.
Unbedingt richtig bei Hontschik ist der Appell, auch bei der Umwelt- und Klimakrise jetzt konsequent zu sein und die Probleme angehen statt auszusitzen. Vielleicht sollten wir uns darauf gemeinsam, wenn der Kampf gegen das Virus gewonnen ist, konzentrieren.

Paul Schäfer, Köln

fr-debatteKollektive Kanalisierung aller Ängste

Ihnen ein herzliches Dankeschön für den den klugen und ausgewogenen Artikel vom 21./22.3.20 ! Von der derzeitigen Berichterstattung hebt sich die FR wohltuend ab. Angst und Aggression werden in den Medien unnötig geschürt. Offensichtlich gibt es kein Bewußtsein dafür , dass wir alle mit unzähligen Keimen leben und nur gesund bleiben durch das Wunderwerk unserer Abwehrmechanismen. Das massenhafte Erkranken, zügige Gesundwerden vieler und Sterben abwehrgeschwächter Menschen am Ende des Winters ist jedem in der Medizin tätigen Menschen vertraut, hat aber in den vergangenen Jahren kaum interessiert. (Auch nicht die Überlastung des Personals in Kliniken und Praxen; 100 bis 120 Patienten täglich in einer Kinderarztpraxis z. B. über Wochen.) Unerträglich und neu in der Berichterstattung ist, dass die Erkrankung als solche eine riesige Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellen soll. Beunruhigend auch, dass nun Tür und Tor geöffnet sind für unsinnige Maßnahmen, Profilierungsmöglichkeiten für Politiker und Aushebeln bisher mühsam erhandelter demokratischer Kontrollmechanismen. Lieber Herr Hontschik,  was geht vor? Ich könnte mir vorstellen, dass die immensen Probleme auf unserem Planeten, von denen wir alle wissen, die schleunigst angegangen werden müssten, nun endlich mal in den Hintergrund treten können, um gemeinsam dieser schrecklichen Krankheit die Stirn zu bieten. Kollektive Kanalisierung aller Ängste !( Die Überalterung der Gesellschaften in Europa ist ein nächstes Thema, das Durchschnittsalter der Gestorbenen in Italien beträgt 79 Jahre) Interessant wäre von Infektions-und Sterberaten in jüngeren Gesellschaften zu erfahren, z.B. in  Afrika und der arabischen Welt.

Anne Lessing, Zwingenberg

fr-debatteEs bleibt eine grandiose Verunsicherung

„Was geht hier eigentlich vor?“, fragt in seinem Artikel Dr. Hontschik und bringt mit diesen unscheinbaren Worten auf den Punkt, was dieser Tage Deutschland, Europa, die ganze Welt bewegt. Diese Frage verweist zugleich auf den Zustand der Gesellschaft. Eine kopflos agierende Regierung, eine Medienzunft, die einmal mehr nicht genug haben kann an Horrormeldungen, an Horrorszenarien, die sich gütlich weidet an der Verunsicherung der Leser- und Bürgerschaft. In den Online-Medien kommen die Schreckensmeldungen fast minütlich, die öffentlich-rechtlichen Sender wollen nicht nachstehen und berichten zur besten Sendezeit über die „Corona-Krise“. Die zu Gehör gebrachten Stimmen dabei – immer die gleichen, die Verkündung dabei – immer die gleiche. Das braucht es nicht stetig, es sei denn, die völlige Verunsicherung sei das eigentliche Ziel. Substanz wäre gut, doch an der fehlt es eben. Und freilich sind da die beratenden Regierungsstimmen, federführend das Robert-Koch-Institut. Bei der unablässigen Medien- und Fernsehpräsenz der führenden Forschungskräfte frage ich mich zumindest: Wer forscht da eigentlich noch, wie es um die tatsächliche Wirksamkeit des Corona-Virus bestellt ist, welche Mittel zur Bekämpfung zu empfehlen sind? Einerseits betont man, über (noch) nicht allzu verläßliches Wissen zu verfügen, das ist dann wissenschaftlich seriös und entspringt dem wissenschaftlichen Grundsatz von Versuch und Irrtum (anders: Verifikation und Falsifikation). Andererseits aber weiß man mit einer ans Wunder grenzenden Sicherheit, was zu tun ist. Das wußte man übrigens in der benannten Einrichtung auch in den Jahren von 1933 bis zum Mai 1945, danach begann auch dort die Kopflosigkeit.
So aber folgt die gezielte Lahmlegung eines ganzen Landes, ein ähnliches Szenario dann international: Beendigung allen öffentlichen Lebens. „Die Gesundheit geht vor!“ Warum nicht zuerst einmal Schutz der immer wieder angeführten Risikogruppen? Diesen darf man dann familiäre oder nachbarschaftliche Hilfe angedeihen lassen, Betreuung, Versorgung etc., bürgerliche Solidarität somit.
Stimmen der Differenz, der Nüchternheit sind im medialen Einheitsbrei jedenfalls kaum zu vernehmen, etwa die des Bonner Virologen Professor Dr. Hendrik Streeck, der äußert: „Einige Experten zeichnen Horror-Szenarien, andere sehen es mit kühlem Kopf. Wäre uns das Virus nicht aufgefallen, hätte man vielleicht gesagt, wir haben dieses Jahr eine schwerere Grippewelle.“ Gelingt einmal ein solcher Durchbruch in die resonanz- und publikumsstärkeren Medien, so geschehen am 14. März bei rbb radioeins in einem Interview mit Frau Professor Dr. Karin Mölling, emeritierte Professorin und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie der Universität Zürich, folgt sogleich das standesgemäße Einknicken des Senders. Unter dem online abrufbaren Beitrag dann die Information: „möchten wir uns ausdrücklich dafür entschuldigen“. Es gab also Gegenwind, das wird nicht mehr ausgehalten, freilich nicht erst in diesen Tagen, die geistfernen Zeiten dauern beschämenderweise schon länger an.
Es ist somit sehr zu begrüßen, wenn Dr. Hontschik seine Frage an recht prominenter Stelle in die Debatte werfen kann. Zu begrüßen wäre es freilich umso mehr, wenn es tatsächlich zu einer beschleunigten Diskussion käme und diese nicht durch Aufgeregtheiten und Diffamierung im Keim erstickt würde. Die Schriftstellerin Monika Maron, ausgestattet mit Erfahrungen im Umgang mit Diktatur, kam nicht umhin zu konstatieren: die „deutsche Öffentlichkeit“ leidet „an Denk- und Sprechverboten“, wer abweicht von der Vorgabe der öffentlichen, gewünschten Meinung, „gilt … als populistisch“. Es gibt gute Gründe, bestimmte Einstellungen und Werthaltungen einer Kritik zu unterziehen, aber das politisch Korrekte überzieht, wenn Verabsolutierung und Vereinnahmung das Resultat darstellen. Die großen Katastrophen und Themen der Menschheit sind doch durch Covid-19 nicht verschwunden oder gar beseitigt, weder der Syrienkonflikt, noch die dramatische Situation an der türkisch-griechischen Grenze, noch …
Der Staat besitzt keinen Erziehungsauftrag, besitzt er dafür einen zur Gesundheitsdiktatur? Es ist höchste Zeit, eine Debatte einzuleiten, die die derzeitige Meinungsenge, die teils zum Meinungsterror ausartet, aufbricht – noch sind die europäischen Staaten, mithin Deutschland, „freie Gesellschaften“. Doch seit Sonntagnachmittag ist das wohl – zumindest in Deutschland – Geschichte und die Gesundheitsdiktatur errichtet. Wir sollten unsere Abgeordneten (sic!) in den Parlamenten dazu befragen. Denn sonst bleibt allein die Frage: „Was geht hier eigentlich vor?“ … Es bleibt zumindest eine grandiose Verunsicherung.

Ralf Rosmiarek, Erfurt

fr-debatteZu spät für Gegenmaßnahmen

Normalerweise lese ich als Ärztin „Dr. Hontschiks Diagnose“ gerne. Er hat einen eigenwilligen, aber oft gut begründeten Blick auf den Medizinbetrieb. Diesmal konnte ich aber gleich beim 1. Absatz nur noch den Kopf schütteln.*
„Infektionskrankheiten sind die häufigste Todesursache, vor den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch vor den Krebserkrankungen“? In Deutschland sterben über ein Drittel der Menschen an Herz-Kreislauferkrankungen, etwa ein Viertel an Krebserkrankungen. Die häufigste infektiöse Todesursache war 2017 laut statistischem Bundesamt die Lungenentzündung (Pneumonie) mit gut 19 000 Toten, bei insgesamt über 932 000 Todesfällen, das sind etwa 2%. 8 andere Todesursachen waren häufiger (bei Frauen 9, nämlich zusätzlich Brustkrebs). An Tuberkulose starben laut Robert-Koch-Institut 102 Menschen, die Zahl der an AIDS Gestorbenen hat das RKI für 2018 auf 440 geschätzt. Wie kommt Dr. Hontschik also zu dieser Aussage?
Leider war auch der weitere Artikel nicht besser. Ja, bisher ist Deutschland vom Coronavirus nicht schlimm betroffen – aber wenn die Zahlen weiter exponentiell steigen, wird es in einigen Wochen deutlich mehr Menschen geben, die eine Intensivbehandlung benötigen, als wir Intensivbetten haben. Dann wird es zu spät sein für Gegenmaßnahmen. Nur wenn wir jetzt das exponentielle Wachstum stoppen, werden wir auch in den nächsten Monaten für jedeN beatmungspflichtigen Patienten/Patientin ein Bett auf der Intensivstation haben. Zweifelt Dr. Hontschik an den Nachrichten aus Italien, dass genau das dort bereits der Fall ist? Oder meint er, in Deutschland könne das nicht passieren?
Wir wissen noch zu wenig über das Coronavirus, um genau zu sagen, welche Maßnahmen nötig sind, um das exponentielle Wachstum der Zahl der Kranken zu stoppen. Wenn der Anstieg gestoppt ist, sollten die ersten Beschränkungen wieder aufgehoben werden, immer mit Überprüfung, wie sich die Infektionsraten weiter entwickeln. Was Dr. Hontschik als „Gesundheitsdiktatur“ bezeichnet, wird voraussichtlich einigen 10 000, vielleicht einigen 100 000 überwiegend sehr alten Menschen das Leben retten. Ich fände es sehr viel schlimmer, wenn jetzt gesagt würde, lassen wir die Coronawelle laufen, die Alten würden eh nicht mehr lange leben, dann sterben sie halt ein bisschen früher.
Dass andere, längerfristige Bedrohungen wie der Klimawandel von der Politik nicht mit dem selben Eifer angegangen werden, ist schlimm, da gebe ich Dr. Hontschik Recht. Aber das ist kein Grund, die Politik zu tadeln, wenn sie in der Coronakrise so entschlossen reagiert, wie ich mir das auch für die Klimakrise wünsche.

Dr. Waltraud Finckh, Bad Kissingen

* Anmerkung von Bronski: Hinsichtlich der Frage der Infektionskrankheiten ist ein Fehler geschehen,
den die FR in einem Sorry am 24.3. korrigiert hat:
Es fehlte das wichtige Wort „weltweit“. Zwar sind in Deutschland
Herz-Kreislauf-Erkrankungen erste Todesursache, weltweit aber sind es Infektionskrankheiten.

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Dankbar für diese Kolumne

Diese Kolumne wird dem Kollegen Dr. Hontschik vermutlich mehr Kritik als Zustimmung einbringen. Ich stimme ihm jedoch dankbar zu, weil er – es geht hier im wesentlichen um die politische Bewertung der pandemischen Situation und der damit begründeten restriktiven Maßnahmen – diese auf dem Hintergrund der früher getroffenen, unser Gesundheitswesen nachhaltig beeinträchtigenden Maßnahmen einerseits aber auch in der Relation zu den gleichzeitig bestehenden, mittel-und langfristig jedoch folgenreicheren Krisen und Katastrophen sieht. Die jetzt wirksame Bereitschaft der Bevölkerung die empfohlenen Hygienemaßnahmen umzusetzen, die anfänglich nur zögernd in Gang gekommen war, hätte er allerdings eher als positiv denn als abwertend registrieren sollen, gerade wenn Panik ein nicht unwesentlicher Motor gewesen ist, Egozentrik leider ein anderer.–

Bertram Thielmann, Frankfurt

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Man muss die Verbreitung verlangsamen

Meinem ehemaligen aufmerksam-kritischen Mitarbeiter im Städtischen Klinikum Frankfurt-Höchst gebührt Dank, dass er die Sichtweise auf die diesjährige Corona-Virus Pandemie einer nüchtern sachlicheren Betrachtung zuzuführen versucht. Er erinnert daran, dass in unserem Land „normalerweise“ täglich über 2000 Verstorbene zu verzeichnen und als Todesursache an erster Stelle Infektionskrankheiten zu nennen sind, dabei über 25000 „Grippetote“ vor zwei Jahren. Dazu passt in meiner Erinnerung an 47 Jahre Krankenhaustätigkeit, dass in jedem Jahr um die Winter-/Frühjahreszeit die Krankenstationen überliefen, Patienten auf den Fluren lagen, Pflege- und Ärztepersonal zum Teil angeschlagen und selbst leicht erkrankt zum Dienst erschien und dann – selten – sogar heimgeschickt werden musste, damit sie ja die „Grippe“ nicht weitergeben sollten (was natürlich längst geschehen war), und das geschah alle vielleicht sieben Jahre in höherem Maß, was dann allgemein für kurze Zeit erschreckte.
Jetzt ist die Lage anders: Die „Grippeepidemie“ hat einen Namen nach dem wieder neuen, aber besser identifizierten Virus, und man sieht in einem Nachbarland den katastrophalen Zusammenbruch der „symptomatischen“ Behandlungsmöglichkeiten, die natürlich zuvor seit Jahren vernachlässigt und nicht den Erfordernissen einer Leistungsexplosion (nicht „Kostenexplosion“, die gab es per se nämlich nicht!) adäquat angepasst wurden. Jetzt befürchten wir zu Recht den gleichen Zusammenbruch unserer Versorgung und fragen, was wir tun sollen. Und das ist doch eindeutig, auch für einen Nicht-Virologen, Nicht-Fachmann:  Man kann die Verbreitung der mehr-oder-weniger gefährlichen oder sogar tödlichen „Grippeepidemie“ nicht unterbrechen, aber man MUSS sie verlangsamen, damit die Obergrenze der Behandlungsmöglichkeiten möglichst nicht mit der ersten Welle überschritten wird. Natürlich dauert es dann länger bis die ganze Bevölkerung „durchseucht“ und damit hoffentlich geheilt ist. Mit den Maßnahmen zur „Verlangsamung“ muss man selbstverständlich so früh wie möglich anfangen, und nicht zänkisch auf Absprache mit anderen warten, wenn das eigene Haus schon zu brennen beginnt; und man muss dann auch durchgreifende Maßnahmen ergreifen, die meinen früheren Mitarbeiter an „faschistische
Methoden“ erinnern mögen (wir hatten in kleinerem Kreise gelegentlich immer in gutem Verständnis endende Meinungsunterschiede über die korrekte Anwendung dieses Begriffes, der gerne falsch diffamierend und dabei weniger sachlich gebraucht wird).Und natürlich kommen jetzt all diese Maßnahmen „eigentlich zu spät“, aber im nachhinein ist man immer schlauer.
Was können wir von „Dr Hontschiks Diagnose“ in der Zeit jetzt noch und für später lernen: Wenn wir jetzt die Reserven im Gesundheitswesen erhöhen – und nicht immer weiter abbauen -, dann müssen wir bei der nächsten „Grippewelle“ nicht mehr die gesamte Volkswirtschaft mit den unübersehbaren Folgen abschalten! Und wenn wir jetzt ruhig darüber nachdenken, brauchen wir auch nicht Unmengen Klopapier zu kaufen, denn es ist genug am nächsten Tag vorhanden.

Prof. Wolf Stelter, Bad Soden

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36 Kommentare

  1. hans sagt:

    Ich denke man sollte allen die der Meinung sind man sollte das Virus einfach laufen lassen ermöglichen das sie eine Woche kostenlos in einem Krankenhaus in Mailand mit arbeiten können. Dann können sie wahrscheinlich als geheilt entlassen werden.

  2. Die Verfechter einer Durchseuchung (Herdenimmunisierung) können sich freuen. Denn erste „Erfolge“ zeichnen sich ab. Eine „natürliche“ Auslese (gemäß Darwin) als Alternative zur „Gesundheitsdiktatur“ (Dr. Bernd Hontschik) findet gegenwärtig in der Uniklinik Straßburg statt. Die Beatmung Schwersterkrankter wird von deren Zustand abhängig gemacht und indirekt wohl auch von deren Alter (80 plus). Diese Patienten erhalten lediglich noch eine Sterbebegleitung und eine palliativ-medizinische Betreuung. Das melden heute (26. März) der Südwestrundfunk und der Evangelische Pressedienst.

    Ich kann nur darauf hoffen, dass alle, die diese Pandemie überstehen, anschließend die Privatisierung des Gesundheitssystems rückgängig machen und eine Bürgerversicherung in Deutschland einführen. Dies könnte Modell sein für weitere Maßnahmen. Beispielsweise für ein Produktionsverbot von Überflüssigem und Gefährlichem. Und das Miteinander der Staaten müsste von Internationalismus bestimmt sein und nicht von neoliberaler Globalisierung

  3. hans sagt:

    Über multiresistenten Keime oder Verkehrstode habe ich hier auch schon das ein oder andere mal geschrieben. Natürlich wird darüber zu wenig gesprochen. Ich habe das schon ein paar mal bei Terroranschlägen angesprochen und gefragt ob da noch die Relationen stimmen wenn so ein Anschlag von den Medien wieder aufgeblasen wird. Aber eine Pandemie passt als Beispiel das es Themen gibt die unter repräsentiert sind mit Sicherheit nicht. Besonders wenn man im Ausland sieht worauf das hinaus laufen kann.

  4. Rasmus Ph. Helt, sagt:

    Die „Bazooka“ von Olaf Scholz kann noch nicht ganz überzeugen. Zum einen fehlt eine positive Vision für die Zeit nach der Corona-Krise, da das moderne Wirtschaftsleben mindestens zu 50 Prozent immer auch Psychologie ist und sich nicht nur in Zahlen beschreiben lässt. Zum anderen bleibt eine weitere Achillesferse die bei der Bundesregierung leider nur unzureichend erkennbare europäische Solidarität, da man Länder wie Italien, die viel schwerer als Deutschland durch die Pandemie gezeichnet sind, bis heute in Berlin nahezu komplett alleine mit ihren Problemen gelassen hat. Deshalb sollte der Finanzminister sich hier in jedem Fall endlich für einen gemeinsamen europäischen Fonds zur Bewältigung der gegenwärtigen Situation aussprechen, da auch Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur aus eigener Kraft wieder aufgebaut wurde und gerade einem Sozialdemokraten, der gerne mit einer eigenen Kanzlerkandidatur kokettiert, es gut zu Gesicht stehen würde, sich zumindest in einem wichtigen Punkt von seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble zu distanzieren und lieber auf ein europäisches Deutschland anstatt ein deutsches Europa zu setzen!

  5. Berit Neugebauer sagt:

    Dieses ewige Hin und Her, mir tun die angehenden Abiturienten ungemein Leid. Warum werden die Schüler dermaßen hingehalten? Jetzt müssen sie auch noch eine Vorprüfung bestehen, nämlich die der Ungewissheit. Zyniker könnten behaupten, nun hätten sie ja noch mehr Zeit zum Lernen. Die Schulen stehen leer, so viel Platz wie noch nie während der Klausuren und Unmengen von Lehrern. Und da findet sich keine kreative Lösung?

  6. Jürgen Reichel-Odié sagt:

    Nachdem Sie gestern im Lokalteil einen Bericht gebracht haben, mit welcher Nachlässigkeit ankommende Flugpassagiere behandelt werden, habe ich heute von einem Freund eine ganz ähnliche Geschichte gehört, die sich gestern zugetragen hat:
    Die Passagiere vom Flieger aus den Malediven wurden ohne jegliche Gesundheitsbefragung und Gesundheitscheck einfach durchgewunken … worauf sich eine der betroffenen Passagier*in guten Mutes in ihr 300-Seelen-Dorf in Nordhessen begab …
    Haben die Verantwortlichen am Flughafen es nicht nötig, das Ihre zur Verhinderung der Coronaverbreitung beizutragen – während die ganze übrige Nation sich mit der Kontaktsperre arrangieren muss?

  7. Eberhard Rehberger sagt:

    Dass Fraport sich nicht an die Regeln hält, ist an sich schon zu verurteilen. Wenn aber ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde, der die Einhaltung diese Regeln überwachen soll, sich so verantwortungslos äußert, ist das skandalös. Genau so stellt man sich die Bedeutung von „Verantwortung“ bei Behörden im schlimmsten Fall vor. Ich finde, Herr Götsch hat den falschen Arbeitsplatz.

  8. Irene Kohl sagt:

    Die Läden und Restaurants sind geschlossen, man darf nicht mehr reisen und keine Freunde treffen, kein Kino und kein Theater besuchen und sich nicht sportlich im Verein oder Fitnessstudio betätigen.
    Die Restriktionen sind hart und sehr gewöhnungsbedürftig, zunächst steht man damit verloren da, nach dem Motto: Und jetzt? Vor dem geistigen Auge spielen sich Horrorszenarien von sozialer Vereinsamung, Ausgeschlossensein und klaustrophobischen Panikattacken ab. Man fügt sich gezwungenermaßen aus Vernunftsgründen und richtet sich ein in den eigenen vier Wänden. Und zieht ein überraschendes Resümee am Ende der ersten Woche im Homeoffice:
    Die sozialen Kontakte sind nicht abgebrochen, sie haben sich nur verlagert und sogar intensiviert. Mit sehr engen Freunden telefoniert man plötzlich täglich, was man sonst nicht getan hat. Mit anderen kommuniziert man ebenfalls viel häufiger als sonst über die Messenger-Dienste und erstaunlicherweise melden sich sogar Menschen, von denen man länger nichts gehört hat, um sich zu erkundigen, wie es einem geht. Ganz zu schweigen von den Unmengen ermunternder Quotes und lustiger Filmchen rund um das Thema Corona, die verschickt werden und einem helfen, den Humor zu bewahren. Natürlich kann es auch sein, dass man merkt, wo Kontakte weniger werden und auslaufen in diesen Tagen. Das schmerzt vielleicht ein wenig, man könnte es aber auch als Gesundschrumpfprozess betrachten: das sind vielleicht genau die Menschen, bei denen man es zuvor nie fertig gebracht hat, einen klaren Strich zu ziehen. Das könnte sich in Zukunft ändern.
    Auch unser Verhalten ändert sich. Während man sonst in der Erkältungszeit in der Supermarktschlange jedem auf die Pelle rückte, auch wenn er oder man selbst noch so verrotzt war, hält man jetzt Abstand. Endlich hat es ein Ende mit dem Händeschütteln, einer Gepflogenheit, die schon immer gefährdend, rücksichtslos und überflüssig in der Erkältungssaison und überhaupt war und die jetzt vielleicht endgültig auf den Misthaufen der Geschichte überführt wird. Man kann sich doch anlächeln zur Begrüßung, das kann deutlich mehr wert sein als ein Händedruck ohne Augenkontakt.
    Auch sonst ändert sich einiges: man kocht mehr Zuhause und frisch, probiert neue Rezepte aus und ernährt sich und die Seinen gesünder. Familien unternehmen wieder etwas zusammen, machen Spiele oder gehen in die freie Natur. Abends ist Zeit, ein Buch zu lesen. Man genießt Stille und zwitschernde Vögel bei einem Waldspaziergang. Man weiß nicht, wann man das nächste Mal in Urlaub fahren kann und stellt fest, dass das Leben auch ohne die Thailandreise und den Kurztrip nach Paris lebenswert ist. Alles wird minimalistischer und siehe da: das geht auch.
    Natürlich kann das alles nicht auf Dauer so weitergehen und wir werden sicher erleichtert aufatmen, wenn diese Zeit vorbei ist, Reisen, Restaurantbesuche und Treffen mit Freunden wieder möglich sind und man auch die Kollegen mal wieder von Angesicht zu Angesicht sieht. Und für viele Menschen ist diese Zeit auch tatsächlich eine harte und sie an ihre Grenzen führende Erfahrung, insbesondere für diejenigen, die alt und immungeschwächt sind und deshalb in noch höherem Maße den Kontakt zur Außenwelt meiden müssen.
    Dennoch: vielleicht zeigt sie uns auch, dass neue Arbeitsformen nicht erst in zehn oder zwanzig Jahren möglich sind, Homeoffice praktikabel ist und gelebt werden kann und man der Umwelt und einzelnen, zum Beispiel alleinerziehenden Menschen einen Gefallen tut, wenn man – immer natürlich in Abhängigkeit von der Berufssparte – nicht jeden Tag Tausende und Abertausende von Pendlern von A nach B in Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln bewegt. Vielleicht rücken wir wieder enger zusammen, in den Familien und im Freundeskreis, indem wir reden, uns schreiben und anrufen, regelmäßig und trotzdem wir uns dann wieder treffen können. Vielleicht steigt unsere Hilfsbereitschaft und man schaut wieder aufeinander, sieht nach dem Nachbarn, der unter Umständen Hilfe benötigt. Vielleicht bewahren wir uns den Sinn für Rücksichtnahme auf Schwächere in der Erkältungszeit, das gilt ja nicht nur für Corona, sondern für alle Formen grassierender Viren und Bakterien. Vielleicht sehen wir auch, dass wir nicht ständig neue Autos und neue Handys brauchen und dass wir es schaffen können, nachhaltiger umzugehen mit unseren Ressourcen.
    Das könnten alles Erkenntnisse sein, die uns als geläuterte Gesellschaft aus dieser Krise hervorgehen lassen würden. Ich wünsche uns allen genug Kraft, Verstand und Mut, sie umzusetzen, wenn es soweit ist!

  9. Christian R. Schenk sagt:

    Herr Bach, auf welchem Stern leben Sie eigentlich? Täglich hören wir die Hiobsbotschaften über die Zunahme der Infektionen und Todesfälle, müssen hören, dass das gesamte medizinisch Personal bis zum Umfallen arbeitet. Operationen werden verschoben, damit Bettenkapazitäten für die Opfer des Virus freigehalten werden. Millionen von Arbeitnehmern in der ganzen Welt fürchten um ihre Arbeitsplätze, wissen nicht wie sie die nächsten Monat Ihre Rechnungen bezahlen sollen. Selbständige, Kleinunternehmer, Handwerker, Handel und Industrie fürchten um Ihre Unternehmen. Regierung schnüren Milliardenschwere Hilfspakete und versuchen den Kollaps der gesamten Infrastruktur zu verhindern. Und Sie spielen hier auf Zeit und glauben allen Ernstes, dass in weniger als 3 Monaten Tausende von Athleten, Funktionären und Hilfskräften zu den „Spielen“ anreisen werden. Beenden Sie diese Farce und sagen Sie diese „Spiele“ sofort ab. Natürlich verlieren Sie und die Mitglieder des sog. Olypischen Komitees sehr viel Geld. Denn nur darum gehrt es doch seit vielen Jahren! Die Olympischen Spiele sind nichts anderes als eine riesiger Kommerzspektakel. Mit Ihrem Beharren riskieren Sie nicht nur die Gesundheit der vielen Tausend Teilnhemer, Helfer und Funktionäre, sondern konterkarieren die Bemühungen der gesamten Welt um die Eindämmung der Pandemie und den Schutz der Weltbevölkerung! Sie machen sich mitschuldig an der dann zu erwartenden explosiven Ausweitung und möglicherweise dem Tod vieler Tausender Menschen. Handeln Sie JETZT! Dann wissen die Sportler woran sie sind, könne sich darauf einstellen und sich dem zuwenden das jetzt wichtig ist. Sport gehört definitiv nicht dazu.

  10. Elke Metke-Dippel sagt:

    Ein oder zwei Wochen Stillstand in einigen Bereichen der Gesellschaft kann durchaus etwas Positives sein – wenn man nicht in der medizinischen Dienstleistung, der Lebensmittelbranche oder anderen notwendigen Arbeitsabläufen tätig ist. Arbeiter und Handwerker können kein Homeoffice machen – Stadtbewohner auf engem Raum können nicht einfach einen Waldspaziergang mit Vogelgezwitscher unternehmen.
    Weshalb muss es von oben diktiert weitergehen? Weshalb nicht auf den freiwilligen Rückzug der Gefährdeten setzen? Und das nicht ab 50 oder 60, sondern ab dem Alter oder der Situation, in der man sich selbst „bedroht“ sieht. Das könnte jederman und jedefrau respektieren und zum Schutz dieser Personen beitragen.
    Im Übrigen ist es so, wie das Interview mit der Juristin Jessica Hamed zeigt: ein Großteil der Ältesten und deshalb schwächsten ist ohnehin in Heimen relativ isoliert und muss nach wie vor vom Personal betreut werden. Es würde sich hier kaum etwas ändern – außer dass dieser Dienstleistung endlich mal die Aufmerksamkeit zukommt, die ihr gebührt.

  11. @ Elke Metke-Dippel

    Warum alles von oben diktiert werden muss? Ganz einfach: Weil niemand seinen persönlichen Gesundheitszustand zutreffend einschätzen kann. Das geflügelte Wort, demzufolge jemand, der sich als gesund bezeichnet, vermutlich nicht vollständig untersucht wurde, umschreibt diese Tatsachenlage. Bei Corona Covid-19 gilt das erst recht.

    Wenn man allen Bürgern (und jeder von ihnen ist potentiell von Corona betroffenen) ein Selbstbestimmungsrecht hinsichtlich der Teilnahme am öffentlichen Leben einräumte, befände sich der Staat über kurz oder lang im Chaos. Denn dann herrschte exakt jener intellektuelle Zustand, dem wir beispielsweise die leeren Supermarktregale un die privaten Klopapierlager verdanken: die anerzogene Dummheit.

    Auch die vorgeschlagene vorsorgliche Gettoisierung der älteren und möglicherweise besonders gefährdeten Bevölkerung ist weder praktisch durchsetzbarbar noch rechtlich möglich. Nominell umfasst die Gruppe der ab 65-Jährigen ca. 18 Millionen Menschen. Davon lebt eine Minderheit, ca. 750.000, in Altenpflegeheimen und wird in unterschiedlichen Pflegestufen versorgt. Allein diese Statistik umreißt das Problem.

    Das vermeintlich gesunde Volksempfinden erweist sich angesichts der Tatsachen als höchst erkrankt, es hat möglicherweise bereits die Stufe einer unheilbaren Volksseuche erreicht.

  12. Johannes M. Becker sagt:

    Das Gebot der Stunde: Grundsätzlicher denken und handeln! UNO-Generalsekretär António Guterres hat vor wenigen Tagen (weitgehend unbemerkt von der medialen Öffentlichkeit) eine Brandrede für die Zukunft der Menschheit gehalten mit der Kernaussage: „Die Wut des Virus zeigt die Torheit des Krieges. Deshalb fordere ich heute einen sofortigen globalen Waffenstillstand in allen Teilen der Welt.“
    In der Tat: Unvorstellbare 1 700 Milliarden Euro sind im vergangenen Jahr für Rüstung und Kriege ausgegeben, verchwendet worden – davon 70 Prozent von den Nato-Ländern und ihren Verbündeten. Für Entwicklungshilfe wurden bescheidene 120 Milliarden Euro aufgewendet, die dann auch noch zu 80 Prozent in die Kassen der Unternehmen der Geberländer flossen. Rüstung verschwendet ungeheure Ressourcen, wertvollste Rohstoffe; ein Manöver wie das gerade dem Virus zum Opfer gefallene vor der russischen Grenze produziert derart katastrophale ökologische Schäden wie ein 10 Millionen-Volk in einem ganzen Jahr.
    Diese ungeheuren Summen sind dringend erforderlich für die Verbesserung des Gesundheitssystems auf der gesamten Erde, die Trinkwasserversorgung und umfassende globale Wiederaufforstungen dazugenommen.
    Da mir als Friedens- und Konfliktforscher gerade in einer derart zugespitzten innergesellschaftlichen Lage auch am inneren Zusammenhalt des Gemeinwesens gelegen ist: Die Krise muss genutzt werden für weitere radikale Überlegungen, die über die (absolut notwendige) dauerhafte Besser-Entlohnung von Pflege- und Einsatzkräften hinausgeht. Immer noch lagern weitgehend unberührt von Finanzämtern, geschweige denn Staatsanwaltschaften, 600 Milliarden Euro deutscher Provenienz in Steueroasen. Der jährliche (!) Steuerhinterzug in Deutschland wird auf über 120 Milliarden Euro geschätzt, die sogenannte „Steuervermeidung“ dürfte ein Mehrfaches erreichen.
    Dem UNO-Generalsekretär ist unbedingt Folge zu leisten: Vor dem Appell an das Spendenbewusstsein der eh gebeutelten „Kleinen Leute“ sollte der Rüstungs- und Kriegsirrsinn beendet werden. Flankierend hierzu sollte endlich national und weltweit Steuergerechtigkeit hergestellt und somit das weitere Auseinanderdriften unserer Gesellschaft beendet werden!
    Übrigens, liebe Leserin, lieber Leser: Flucht und Migration würden sich in ungeahnter Geschwindigkeit enorm vermindern.

  13. Axel Stolzenwaldt sagt:

    Dass Eltern, neben ihrer Arbeit, zusätzlich noch die Rolle des/der HauslehrerIn übernehmen müssen, ist tatsächlich eine Überforderung. Und dass sich mit dieser Situation die soziale Ungleichheit weiter verschärft, ist offensichtlich. Aber auch die LehrerInnen sind jetzt in einer Situation, die sie nicht angemessen bewältigen können. Sie sind meistens sehr engagiert und versuchen mit ihren eingeschränkten Möglichkeiten das fachliche Lernen ihrer SchülerInnen weiter zu entwickeln. Sie sind aber häufig überfordert, die digitalen Angebote umsichtig einzusetzen. Häufig werden aus Unwissenheit in aller Eile und aus Unkenntnis Werkzeuge benutzt, die jeglichen Überlegungen zur Wahrung der Privatsphäre Hohn sprechen: Whatsapp, Microsoft Office365, Google und viele andere Programme sind unter datenschutzrechtlichen Aspekten katastrophal. Dabei gibt es bereits Angebote für LehrerInnen, die ohne Gefährdung der informationellen Selbstbestimmung genutzt werden können. Dabei ist vor allem das Hessische Schulportal zu nennen, das bisher nur halbherzig ausgebaut wurde. Es gibt Videokonferenzen mit Jit.si, Chatprogramm wie Signal und v.a.m. Es zeigt sich auch, dass es nicht reicht, möglichst viel Hardware anzuschaffen. Jahrelang waren die führenden hessischen Bildungspolitiker ignorant gegenüber dem digitalen Wandel. LehrerInnen und Schulverwaltungen müssen jetzt endlich umfangreiche Weiterbildungen zur Nutzung und dem Verständnis der digitalen Mittel erhalten. Erst damit können sie in die Lage versetzt werden, mit entsprechenden Kenntnissen informiert und selbstbestimmt über die Verwendung digitaler Möglichkeiten in der Bildung zu entscheiden.

  14. Anita + F.W. Osterloh sagt:

    Das schöne, sonnige Wetter hat uns, trotz Vorerkrankungen, dazu verführt, einen Spaziergang Richtung Berger Straße / Bethmann Park zu unternehmen. Dabei mussten wir erkennen wie schwer es ist, die „körperliche Distanz“ von eineinhalb bis zwei Metern einzuhalten. Unser Spaziergang wurde zum reinsten Zickzacklauf.
    Der Gouverneur von New York, Cuomo, hat bekannt gegeben, einige Straßen der Stadt für den Autoverkehr zu sperren, damit die Bürger dort, unter Einhaltung der „social distance“ flanieren können. Das Benutzen der Parks soll erschwert werden, da dort die Einhaltung der Abstandsregel und die Ansammlung von Personen, schwer zu kontrollieren sind.
    Wir finden es wäre keine schlechte Idee, die nicht so stark befahrene Bergestraße für den Autoverkehr zu sperren und damit der zwei mal wöchentlich stattfindende Markt in die Länge zu ziehen. Die Infektionsgefahr würde man wahrscheinlich erheblich reduzieren.

  15. Klaus-Peter Krahl sagt:

    Solidarität versus Egoismus
    Natürlich zieht sich derzeit ein Thema 24 Std. am Tag an 7 Tagen der Woche durch alle Medien, Telefongespräche mit Freund*innen, didaktische Erklärungsversuche mit kleineren und größeren Kindern. Unsere Wahrnehmung wird verengt auf das unchristliche C.Thema. Manchmal habe ich den Eindruck, dass der menschlichen individuellen Gier kaum Umsetzungsgrenzen gezogen werden; Kostproben: ‚Handy-Raub in der Notaufnahme‘; ‚Junger Mann stiehlt Rentnerin Toilettenpapier aus dem Einkaufskorb‘; ‚Der Spaßvogel fliegt trotz Warnungen in verseuchte Weltreguionen zum Urlaub – und erwartet vom Staat, dass dieser ihn heimholt‘; ‚Die wirtschaftliche Polarisierung wird zunehmen-Kleinbetriebe und Selbständige haben keine Banken-Rücklagen (wie auch bei 0,05% Zinsen und weniger –mit denen sich die öffentlichen Hände ihre Schulden verringern); ‚Trump will wieder Geschäfte machen, er hat genug von den Restriktionen, die der Wirtschaft schaden-und damit ihm (wo ist der Gedanke an die Menschen, die Schäden an realem und psychischen Vermögen erleiden?)‘; ‚der „illiberale Demokrat“ Orban demontiert das Parlament-auf dem Weg in die Diktatur (wer in unserer europäischen Wertegemeinschaft rammt diesem Diktator das Stop-Schild vor die Füße?)‘…
    Ja, manche, wenn sie in sich reinschauen würden, müssten damit rechnen, dass sie dort rein gar nichts vorfinden würden!
    Die andere Seite: junge Menschen, Nachbarn, bieten wie selbstverständlich ihre tatkräftige Hilfe denen an, die sich schwertun, mit der außergewöhnlichen gegenwärtigen Lebenssituation zurecht zu kommen. Geschlossene Restaurants bieten lieferbares Essen für ihre Umgebung an. Kulturschaffende entwickeln Lesungen, Konzerte, ja sogar Theater über die Möglichkeiten der neuen Medien für die Zuhause-Seienden.
    Ja, Krisen sind auch immer positive Ideen-Entwicklerinnen für poritive Veränderungen; und sogar im sich nationalistisch abschottenden Europa tritt Solidarität wieder hervor: zB. Wenn Deutschland den überlasteten Gesundhitswesen in Frankreich und Italien Intensiv-Patienten zur Entlastung deren Gesundheitswesens abnimt.
    Verwunderlich ist nur, dass die Ingenieurnation Deutschland eine kurzfristige technische Produktionsausweitung für medizinisch notwendige Geräte noch nicht hinbekommt; und die Umstellung von Bekleidungsfirmen auf Masken-Nähen erst jetzt anläuft.
    Doch auch Obacht! Ja, einerseits sind zügige Entscheidungen zu treffen, auch politisch. Das ist auch die Zeit der ‚Macher‘. Wir Bürger*innen müssen aber auch wachsam sein, dass wir die demokratischen Kontroll-Mechanismen (zB. Parlamente mit gewählten Abgeordneten, Gerichte, Be-Denk-Zeiten) nicht gleich weg-‘Machen‘; dass ein tückisches Verus nicht den politischen Diskurs so weit infiziert, dass faschistische Verführungen gestärkt werden!
    Bleiben wir aktiv für unteilbare Menschenrechte und Humanität; starren wir nicht jede Stunde auf noch aufregendere Nachrichten; Pusten wir unsere Lungen beim laufenden Bewegen im Freien ohne Haufenbildung durch; freuen wir uns am schönen Erwachen des Frühlings!

  16. Friedrich Gehring sagt:

    Die Nachricht aus Mulhouse, dass Coronakranke zum Teil zwei Stunden nach intensiver Sauerstoffgabe sterben, macht mich stutzig. Alle bisherigen deutschen Sars-2-CoV-Todesfälle geschahen doch wohl trotz ausreichender Intensivbehandlungsplätze. Diese sind aber das tragende Argument bei der Begründung der Ansteckungabflachung durch Kontaktsperren. Wenn ich unisono höre, dass die Krise bei 70 Prozent Virusverbreitung überstanden ist, dann frage ich mich: Ist diese Verbreitung nicht der Ersatz für die fehlenden Impfstoffe, indem der widerstandsfähige Teil der Bevölkerung Immunität schafft? Muss nicht die Medizinfixierung jetzt abgelöst werden durch das Vertrauen auf natürliche Abwehrkräfte? Reicht es dann nicht, die Risikogruppen in Quarantäne zu versorgen, wozu nach Karl Lauterbach auch junge Menschen zählen können, etwa starke Raucher? Ist die Abflachungsstrategie nicht auch für die Risikogruppen kontraproduktiv, weil sie viel länger in Quarantäne bleiben müssen, worauf Ärztepräsident Reinhardt hinweist?
    Den Regierenden ist dringend zu raten, nicht die Ansteckungszahlen, sondern die Todeszahlen auf den Intensivstationen zu beachten, um das eigene Vertrauen auf diese zu evaluieren, da dieses Vertrauen die gegenwärtigen Maßnahmen entscheidend begründet. Dies könnte hilfreich werden bei der Begründung des Ausstiegs aus der Kontaktsperre und ihren katastrophalen wirtschaftlichen Folgen, um logischerweise die Risikogruppen und nicht die Widerstandsfähigen in Quarantäne zu halten.

  17. Carmen Horstmann sagt:

    Unsere Erde hat die Notbremse gezogen. Aber was bleibt wenn es überstanden ist? Zeit zum Nachdenken haben wir ja jetzt genug. Wir können froh sein das wir in unserem Land leben. Die größen Aufgaben werden sicherlich noch auf uns zukommen. Es muss eine neue Solidarität entstehen. Alle, die es können, sollen dazu ihren Beitrag leisten. Diejenigen, die noch im Bewusstsein der Krise in den Urlaub gestartet sind und die maulend wegen der Rückholaktion mit Steuergeld ankamen, sollten als erste einen Beitrag leisten. Es gibt in unserer Gesellschaft Menschen, für die Urlaub immer ein unerfüllter Traum bleiben wir. Die täglich um ihre Existenz kämpfen müssen.
    Warum wird nicht ein Spendenaufruf gestartet, der den Tafeln, Obdachlosenhilfen, Speisungen für Kinder und vielen anderen Einrichtungen die Möglichkeit gibt, Nahrungsmittel einzukaufen die sie zur Zeit nicht gespendet bekommen?

  18. Ludger Schiffler sagt:

    Zu Recht sagte unsere Bundekanzlerin: „Wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt“ und rechtfertigt drastische Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Warum verbietet Sie aber nicht den Verkauf der Nikotin-Droge, wo doch die Raucher zur Risikogruppe mit der geringsten Überlebenschance gehören? Rund 140 000 Raucher sterben in Deutschland im Jahr.
    „Jedes Leben zählt“, sagte sie das nicht? Warum verhindert dann ihre Partei seit Jahren das Verbot der Außenwerbung für die Nikotin-Droge. So darf nun Gauloises sogar mit Corona Werbung machen. Sie zeigt einen entspannt rauchenden jungen Mann mit dem Slogan: „Bei Corona verlasse ich mich lieber auf mein Bauchgefühl.“

  19. Christian Thiel sagt:

    Man sagt uns nicht alles! Es gibt nicht nur ein Virus, es gibt zwei. Das Zweite wirkt nicht in der Lunge, es wirkt im Kopf und sorgt dort für erhebliche Verblödung. Der oder die Befallenen müssen dann immerzu Klopapier kaufen.

  20. Armin Amrhein sagt:

    Irgendwann wird die Pandemie weltweit überstanden sein. Die Schäden werden unfassbar riesig sein. Das physikalische Beispiel der Zusammenstöße mit halber, drittel, viertel Geschwindigkeit lässt sich kaum auf die Wirtschaften und Gesellschaften übertragen. Unter anderem deshalb nicht, weil die Volkswirtschaften der aufgeführten zehn Staaten nicht unabhängig voneinander sind, sondern die anderen als Rohstofflieferanten und Absatzmärkte brauchen. Doch könnte die nächste Pandemie wohl besser abgewehrt werden, wenn alle Menschen wissen, weshalb Südkorea, das viel näher an Wuhan liegt als die europäischen Staaten, ohne „Shut-down“ die Geschwindigkeit der Ausbreitung (bisher) auf den zehnten bis zwanzigsten Teil beschränken konnte.

  21. Rosemarie Pfeiffer sagt:

    In den letzten Tagen hört und liest man immer wieder von Einschränkungen der Freiheit wegen der Coronakrise. Aber was ist Freiheit? Ein von Menschen geprägter Begriff mit verschiedenen Bedeutungen aus der Antike, dem Mittelalter, der Aufklärung und der franz. Revolution. Eigentlich gibt es keine Freiheit. Der Mensch ist Natur in der Natur und muss sich, um zu überleben, der Natur und ihren Gesetzen anpassen. Zur Hilfe dafür hat er ein großes Gehirn. Die Erde braucht uns Menschen nicht, aber wir brauchen sie. Nicht die Natur ist Chaos,sondern der Mensch macht Chaos. Möge es uns gelingen uns dieser Herausforderung anzupassen um so die Krise zu überwinden.

  22. Bernhard Völk sagt:

    Es freut mich, dass nun u.a. durch Ihre Berichterstattung mehr Aufmerksamkeit und Maßnahmen für Risikopatienten da sind. Dabei wird Folgendes oft übersehen: Die Ursache für die Pandemien liegt oft in der Wildtier- und Nutztierhaltung, welche durch den Verzehr von Tierprodukten oder die Haltung von Tieren für den Verzehr aufrechterhalten wird. Die industrielle Nutztierhaltung ist besonders gefährlich in Bezug auf die Entstehung von Krankheitserregern. Und: Eingesperrte Tiere produzieren gigantische Mengen an Exkrementen, die große Mengen Pathogene enthalten können, und die auf Ackerflächen oder ins Grundwasser entsorgt werden. Das ist eine weitere Infektionsquelle auch für wildlebende Tiere. Deshalb: Industrielle Nutztierhaltung und Wildtiermärkte müssen möglichst schnell beendet werden.

  23. Sigrid Weber sagt:

    Wenn das Quartal mal läuft, kann man vieles per Telefon oder eMail erledigen. Das ist schon richtig. Aber nun beginnt ein neues Quartal. Dann müssen alle Versicherten beim Arzt erscheinen, weil ihre Versichertenkarten neu eingelesen werden müssen.
    Noch ist ein wenig Zeit, um sich ein Verfahren in Zeiten von Corona zu überlegen, dass nicht alle, ob infiziert oder nicht, zur selben Zeit bei ihren Ärzten antreten müssen um Rezepte und oder Überweisungsscheine abzuholen.

  24. Irmgard Kiessler sagt:

    Liebes FR-Team, mit diesen Zeilen möchte ich mich bei Ihnen allen, den Journalisten, Fotografen, Redakteuren, den Mitarbeitern in Ihrer Druckerei und allen, die zum täglichen Gelingen der Frankfurter Rundschau beitragen, sehr herzlich danken. Mein ganz persönlicher Dank gilt auch meinem Zusteller, der allmorgendlich dafür sorgt, dass die Rundschau in meinem Briefkasten landet und somit dem Tag ein wenig seiner Normalität zurückgibt in diesen ganz und gar nicht normalen Zeiten. Danke!

  25. Dr. Eva Renate Marx-Mollière sagt:

    Werte Redaktion, erst einmal vielen Dank für die weiterhin aufrechte Berichterstattung, Mir erscheint es zu schnell, mitten in der Corona Crecendo Phase über die Zeit danach nachzudenken. Das ist sicher meinem beruflichen Alltag als Kinder-und Jugendpsychiaterin und -psychothereutin in der Praxis geschuldet. Und dem (neuen) alltäglichen Kollateralschaden, der die Ökonomisierung von Behandlung, Unterstützung -schon immer – und gerade jetzt wieder sehr deutlich macht.
    Aus der Arbeit der letzten Woche: Ein Vater, der alle schlägt, weil er im Zuge seines Substanzkonsums bei Ausgangssperre nicht mehr an seinen Stoff kommt und entzugig ist. Der 16-Jährige, der nach seiner Mutter mit dem Messer geworfen hat, weil ihm das Essen nicht schmeckt Der schreiende Säugling , der vom Vater an die Wand geklatscht wird, weil er so nervt. Vergewaltigung in der Familie, aus Langeweile …
    Ein schwacher Trost ist es, dass die Ausweisungen meiner minderjährigen, traumatisierten Patienten mit Duldungsstatus zur Zeit nicht durchgeführt werden .
    Hier helfen keine Masken und keine Schutzkleidung, die wir ohnehin nicht haben. Alle Kolleginnen und Kollegern arbeiten weiter, systemrelevant.

  26. Peter Selmer sagt:

    Ich schlage vor, folgende politische Karikatur zu veröffentlichen: Donald Trump blickt auf eine an der Wand hängende Grafik mit einer von „0″ auf über 100 000 von unten nach oben steil ansteigenden Kurve, die die Anzahl der vom Corona-Virus Angesteckten darstellt. Dazu seine Aussage: „I made America great again“. Alternativ könnte auch eine zweite Kurve in die Grafik eingezeichnet werden, in umgekehrter Richtung von oben nach unten gehend, die sich also mit der anderen Kurve schneidet und als „Business“ oder „Economy“ gekennzeichnet ist.

  27. Axel Lepski sagt:

    Seit kurzem weiß ich, dass mein Beruf systemrelevant ist. Bei solchen Attributen denke ich an gut bezahlte und mit besten Rahmenbedingungen ausgestattete Berufe. Weit gefehlt, ich bin Krankenpfleger.
    Wie viel ist unserer Gesellschaft ein systemrelevanter Beruf wert? Wenn ich mich bei der Bezahlung in der Pflegebranche umsehe, leider nicht viel. Ich arbeite seit 17 Jahren als Fachkrankenpfleger für Intensiv und Anästhesiepflege hier in Freiburg. Und das richtig gerne. Jedoch beobachte ich schon lange dass durch die Politik marktradikaler Parteien Kliniken kaputt gespart werden um Gewinne zu erzielen. Da wird an Märkte bis zum Mond geglaubt, aber geht es um große Verluste, werden die Rufe nach Verstaatlichung bestimmter Bereiche laut. Die Gesellschaft kann diese ja ruhig mittragen. Sollten Gewinne wieder anstehen, wird privatisiert. So werden wir sehenden Auges in die nächste Katastrophe schlittern.
    Während vor allem KollegInnen aus anderen Kliniken schon seit Jahren an der Belastungsgrenze arbeiten, kommt nun eine in Ihrem Verlauf nicht abzusehende Pandemie mit vielen beatmungspflichtigen Patienten hinzu. Wer besitzt denn noch so viel Idealismus und möchte den an sich sehr schönen Beruf erlernen? Um das fehlende Personal zu kompensieren werden Pflegekräfte aus dem Ausland rekrutiert, welche hier für wenig Geld u.a. in privatisierten Kliniken arbeiten sollen. Diese Pflegekräfte fehlen dann allerdings in ihren Heimatländern.
    Ich möchte keine Merci-Schokolade mehr! Wir benötigen in der Pflege eine angemessene Bezahlung durch gute Tarifverhandlungen von Verdi und bessere Rahmenbedingungen durch die Einführung von Pflegekammern. Gesundheit gehört in die öffentliche Daseinsfürsorge und nicht in die Hände profitorientierter Konzerne, eben weil unser Gesundheitswesen systemrelevant ist. Ebenso muss das System der Fallpauschalen (DRG) neu überdacht werden, denn dadurch landet das Geld und die stets steigenden Ausgaben der GKV in oft unnützen Operationen. Die Patienten sollen das Krankenhaus durch diese pauschale schnell wieder verlassen. Die Pflege gilt hier nur als Kostenballast.
    Die Wirtschaft soll dem Menschen dienen und nicht umgekehrt, jedoch befürchte ich lediglich wieder nur ein zustimmendes Schulterklopfen der politischen Entscheidungsträger, dass unsere Forderungen in der Pflege ja prinzipiell richtig seien, aber der Zeitpunkt falsch ist, mit dem Verweis auf die nach der Krise brach liegende Wirtschaft.
    Nächstes Jahr sind Bundestagswahlen, mal sehen was die Corona Pandemie mit den Köpfen der WählerInnen macht. Als Optimist habe ich ein klein wenig Hoffnung.
    Wie dem auch sei, bleiben Sie gesund, wir arbeiten dafür. Auch nach der Krise.

  28. Berthold Zehetbauer sagt:

    Bevor der Staat über das Volk eine Ausgangssperre verhängt, hätten die Kommunen besser eine staatlich, kontrollierte Quarantäne für die über 100.000 Rückreisende verhängen müssen. Denn die Rückreisende sind das Hauptrisiko! Es ist schon grob fahrlässig, wenn die Staatsorgane sich auf die Vernunft der Rückreisenden verlassen. Das die alle in eine 100%ige Quarantäne gehen und nur zu Hause bleiben ist mehr als nur naiv. Auch bei den Rückreisenden wird es genügend Klopapier-Fuzzy’s und Nudel-Weiber geben. Für die kontrollierte Quarantäne gibt es bestimmt genügend leere Flüchtlingsunterkünfte. Auch hätte man die Flughäfen, außer FFm und Berlin, für die Quarantäne nehmen können. Reisende mit einem 2-wöchigen Urlaub sind für die Situationen am Urlaubsort selbst verantwortlich.

  29. Bernd Irrgang sagt:

    Öffentlich-rechtliche TV-Sender verleiden einem das selbst proklamierte Zu-Hause-Bleiben mit zum x-ten Male wiederholten Schmonzetten der letzten Jahre. Ganze 19 (kostenlose) Wiederholungen machen den heutigen Dienstagabend zum gähnenden „Vergnügen“. Jüngere Zuschauer können sich zumindest an einem DDR-Polizeiruf 110 von 1981 berauschen, den sie sicherlich noch nicht kannten. Mir bleibt der Eindruck haften, dass mich die grinsend anglotzenden Moderatorinnen belehren, ich habe Ruhe zu geben und die Zwangsgebühren geflissentlich zu entrichten – momentan wohl nur zur Sicherung der üppigen Pensionsrückstellungen.

  30. Ute Wittich sagt:

    Liebe FR-LER, liebes Team,

    zunächst mal möchte ich mich allerherzlichst bedanken für Eure tapfere Arbeit. Es ist schon enorm, so vieles auf die Beine zu stellen. Chapeau!
    Eine Bitte: Könnten Sie mal einen „dicken“ Hinweis darauf machen (mehrsprachlich wäre gut), daß man nichts, aber auch wirklich gar nichts außer Clopapier ins Clo werfen soll. Viele wissen nicht, daß man mit anderen Papiertüchern, welcher Art auch immer, die Rohre total verstopft. Ich sehe die Menschen immer mit dicken Küchentüchern unterm Arm ruflaufen und kriege jedes Mal einen Schrecken.
    Herzlichen Dank und herzlichen Gruß und bleibt bitte alle gesund und schreibfreudig.

  31. Heiko Portscher sagt:

    Da die Straßenbahn zum Berufsverkehr nur noch im 30-Minuten-Takt verkehrt, wird die Politik des Abstandhalten doch ad absurdum geführt. Wie soll da dann ein Abstand gewährleistet werden? Hier nehmen die Verkehrsbetriebe bewusst die weitere Infektion der Mitfahrenden in Kauf.
    Auch fahren zu der Zeit Viele aus dem medizinischen Bereich mit den Bahnen. Ich glaube, ich muss nicht beschreiben was passiert, wenn diese alle ausfallen. Vielleicht sollte das irgendjemand mal überdenken.
    Ich muss mir ebenfalls eine Lösung überlegen, da ich mich in den Bahnen der VGF nicht sicher fühle.

  32. Hansjörg Lacour sagt:

    Bernd Hontschik moniert die katastrophale Versorgung mit Atemschutzmasken bei den Ärzten, Kliniken etc. Vor zwei Wochen klang seine Kolumne anders: „Da fast alle Verstorbenen zur Gruppe der Betagten und Hochbetagten gehören, könnte es sein, dass ein erheblicher Teil von ihnen mit dem Virus und nicht an dem Virus gestorben ist.“ Also alles nur unnötige Panikmache. Da finde einer den roten Faden.
    Der Politik in Berlin wirft er vor, Ermächtigungsgesetze (ohne Anführungszeichen!) durch Parlamente zu peitschen. Interessanterweise bläst die AfD ins gleiche Horn. Wäre die Verabschiedung nicht in diesem Tempo erfolgt, wie wäre dann seine Kolumne ausgefallen? Vielleicht so: Die Politik handelt unangemessen langsam und riskiert unnötig Menschenleben.

  33. Gisela Schäfer sagt:

    Ich stimme dieser Meinung zu. Auch ich kann sehr Vieles von dem was er erwähnt nicht verstehen. Ganz besonders was die Kinder betrifft. Wie es scheint, sind sie in dieser Krise mit die größten Verlierer. Es fehlt an Unterstützung für viele Kinder, die sonst wenigstens in den Kitas, den Schulen und den sozialen Projekten wie der „Arche“ Unterstützung finden. Es wird ständig über die „besonders gefährdeten Bevölkerungsteile“ geredet und diese Kinder dabei völlig außer Acht gelassen. Ist ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen weniger wert als das der über 60-Jährigen? Warnungen wegen Kindeswohlgefährdung gibt es, aber wie es scheint, wird darauf wenig Rücksicht genommen.

  34. Angela Schmidt sagt:

    Ich bin seit über 40 Jahren Abonnentin der FR und über den Artikel entsetzt. Die Behauptung „Wieso niemand eine isländische Untersuchung zur Kenntnis nimmt. dass das Coronavirus bei keinem einzigen Kind unter zehn Jahren nachgewiesen werden kann“ ist eindeutig ein Fake! Richtig ist, dass der Krankheitsverlauf bei Kindern meist sehr unspektakulär ist, aber Kinder infizieren andere genauso wie Jugendliche oder Erwachsene. Der erwähnte Dr. Püschel spielt Gott, denn er weiß, dass alle von ihm untersuchten Corona-Toten in diesem Jahr ohnehin gestorben wären – also hat der Corona-Virus viel Leid erspart. Das „Kanonenfutter“ – Ärzte und Pflegekräfte –wäre nach seiner Logik wohl auch ohnehin in diesem Jahr gestorben?
    Ich kann nur hoffen, dass Eltern ihre Kinder jetzt nicht einfach rumlaufen lassen und Risikogruppen glauben. Wenn wir sowieso bald sterben, ist alles egal! Dr. Hontschik selbst ist ein Risikofaktor für die Corona-Pandemie!

  35. Johannes Steil sagt:

    Warum keiner die isländische Untersuchung zur Kenntnis nimmt? Ganz einfach: Die Nicht-Existenz einer Sache lässt sich logisch nicht beweisen. Also kann man auch nicht beweisen, dass Kinder unter zehn Jahren keine Infektion haben können. Nebenbei gibt es laut FR dieser Woche sogar infizierte Säuglinge, es wäre also das Gegenteil – die Infektionsmöglichkeit – bewiesen.

  36. Astrid Bremer sagt:

    Die ungerechte Lastenverteilung findet nicht nur bei den Pflegekräften und Ärzt*innen statt, die mit ungenügender Schutzkleidung in den Kampf gegen Corona geschickt werden.
    Am Anfang der Corona-Ausbreitung standen die Party-Feiernden, die Fußballfans und die Reisenden, d.h. die Freizeitgestaltung in großen (und kleinen), engen Gruppen. Um diese Corona-Risikogruppen zu kontrollieren, war es anscheinend notwendig, kleine Kinder von Kitas und Spielplätzen auszusperren, Senioren in Heimen einzusperren und Familien von der Außenwelt zu isolieren. Denn erst wenn (fast) niemand mehr das Haus verlässt, sind auch (fast) keine unkontollierbaren Feiern mehr möglich. Erst wenn wir alle richtig viel Angst vor Corona haben, verzichten auch die abenteuerlustigsten Freizeitfans auf ihre infektiösen Aktivitäten. Um diese Menschen dann aber bei Laune zu halten, werden schnell die Baumärkte und die Autohäuser wieder geöffnet.
    Warum fordern die Glaubensgemeinschaften und Kirchen nicht ihr Recht auf Religionsausübung ein? Ich denke deshalb, weil im April und Mai die Termine für Konfirmation, Erstkommunion und Ramadan liegen. Da wären die Gotteshäuser voll, und die Familien säßen dicht an dicht. Das geht zurzeit leider nicht. Darum werden die einzelnen Gläubigen, die früher jede Woche zur Kirche gegangen sind, gleich mit ausgesperrt, obwohl ein Gottesdienst ja wirkich nicht gefährlicher ist als ein Einkauf im Supermarkt.
    Wir normalen Menschen können uns ja nicht wie Politiker und Wissenschaftler in Talkshows artikulieren. Wir dürfen nicht einmal mehr im öffentlichen Raum von Angesicht zu Angesicht kommunizieren. Dabei ist der 1,50m-Abstand das geringere Problem. Aber mit Gesichtsmaske mag ich nicht einmal mehr irgendjemanden grüßen, geschweige denn mich mit einem Anderen auf ein Gespräch einlassen über Sinn und Unsinn von Maßnahmen in Zeiten von Corona. Jeder verzweifelt für sich allein und im Verborgenen. Nicht einmal die Kinder dürfen sich in der Schule austauschen über ihre Ängste und Erfahrungen. Nein, es geht nur darum, dass sie Mathe, Deutsch und Abschlussprüfungen nachholen.
    Ich vermute, dass eine Gruppe Politiker mit Gesichtsmasken im Aufzug kein nennenswertes Infektionsrisiko eingeht. Aber das sprechen sie nicht aus, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Ich wäre froh, wenn wir normalen Menschen uns nicht nur beim Einkaufen, sondern auch wieder in Gaststätten, Parks und Schwimmbädern begegnen dürften. Ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit etwa könnte das Infektionsrisiko an solchen Orten minimieren, weil nüchterne Menschen vorsichtiger sind.