Afghanistan: Totalversagen westlicher Politik

Die westlichen Truppen haben Afghanistan verlassen. Mit überraschender Geschwindigkeit haben die Taliban das Land erobert. 20 Jahre Einsatz und Krieg in Afghanistan sind vorbei und scheinen umsonst gewesen zu sein. Die afghanischen Soldaten ergeben sich zumeist kampflos. Die Zukunft des Landes ist völlig ungewiss. Die Taliban geben sich offiziell moderat und sprechen von Amnestie, doch die Menschen in Afghanistan haben die Schreckensherrschaft, die von den westlichen Truppen vor 20 Jahren beendet wurde, nicht vergessen und versuchen zu Tausenden zu fliehen. Zu dieser historischen Zäsur haben Sie mir zahlreiche Mails geschrieben.

Balken 4Warum sollten die Soldaten noch ihr Leben riskieren?

Mich wundert schon sehr, mit welcher Umwissenheit Fachleute den Niedergang der afghanischen Armee erleben. Vor kurzem wurden die Soldaten der afghanischen Armee in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von ihren „Kameraden“ aus USA, GB und D verraten. Ein Handschlag, ein Tschüss und weg. Als Dank noch ein paar Waffen. In der Eile wurden die einheimischen Mitarbeiter mit einem Stück Papier („Visum“) abgefertigt.
Warum nach diesem Verrat noch für die korupte Regierung um den „Bürgermeister von Kabul“ Leben und Gesundheit riskieren? Nach dem Motto „Kein Blut für Verräter“ gingen die Soldaten ins Private oder gleich zu den Taliban. Für die „Sicherheit des Westens“ wird sich dieser Verrat in Afghanistan schlimmer auswirken, als alle Terroristen der Welt es sein könnten.

Werner Thiel, Greven

Die lähmende Trägheit unserer Regierung

„Unsere Regierung ist erstaunt über die Schnellgkeit, mit der die Taliban das Land einnahmen und sogar bis in die Aussenbezirke von Kabul eindrangen – ganz im Gegenteil zu der lähmenden Trägkeit, mit der unsere Regierung auf die extrem drängende Lebensrettung der Menschen in Afganistan hinschleicht, die jahrelang für die Deutschen gearbeitet haben: Wo bleibt denn die Kanzlerin mit einem Machtwort,ähnlich wie sie damals eines gesprochen hat mit „Wir schaffen das“? Wo bleibt das christliche Ethos für Flüchtlinge, das sogar Pateien auf ihre Fahnen geschrieben haben? Hat man damals auch erst begonnen, Listen zu erstellen? „Tua res agitur, res cum proxima ardet“ schrieben schon die Römer denen ins Gebetbuch, die zu langsam auf drängende Fragen reagierten. Unser Ansehen in der Welt steht auf dem Spiel, merkt das denn keiner?

Wolfgang Scheinberger, Radolfzell

Kramp-Karrenbauer und Maas müssen zurücktreten

Oh je, welche Überraschung: Die Talliban rücken in Windeseile vor, jetzt schon in Kabul, und es gab keinen nennenswerten Widerstand. Da muss die Frage erlaubt sein: Wie einfältig ist Politik, jetzt davon überrascht zu sein ? Das war zu erwarten, evtl. nicht diese Geschwindigkeit! Ich war schon von Anfang an der Ansicht, dass die Bundeswehr dort nichts zu suchen hat. Die zahlreichen ( Todes-) Opfer und Soldaten mit Traumata sind und waren es nicht wert.
Sowohl Frau Kramp-Karrenbauer als auch Herr Maas hätten auch wissen müssen, was nach Abzug der Truppen passieren wird. Es ist unverständlich, dass parallel zum Abzug der Truppen ( aller ausländischen Kräfte) die sog. Ortskräfte samt ihrer Familien nicht gleich mit in Sicherheit gebracht wurden. Eine humane Katastrophe und ein eklatantes Versagen. Sollten diese Ortskräfte nicht mehr evakuiert werden können und zu Schaden vermutlich sogar zu Tode kommen, sind diese beiden voll verantwortlichen Minister/in nicht mehr tragbar. Meine Forderung ist aber schon jetzt: Beide , Kramp-Karrenbauer und Maas müssen zwingend zurücktreten. Aber es ist ja in dieser Bundesregierung schon Mode geworden, keine Verantwortung zu übernehmen( s. A. Scheuer). Die Kanzlerin könnte beide auch aus dem Kabinett wegen Unfähigkeit entfernen.
Aber. DieseAmtshandlung passt nicht zu ihr, könnte aber ein deutliches Signal an Minister:innen sein, auch für eine Zukunft ohne Frau Merkel.

Reinhard Matthies, Pinneberg

Wir dürfen uns nicht einfach zurücklehnen

Der amerikanische außenpolitische Amokläufer Donald Trump hat mit seiner unüberlegten und übereilten Entscheidung, die Truppen aus Afghanistan abzuziehen eine Reaktion ausgelöst, die auch den übrigen Nato-Partnern keine Bleibealternativen mehr ließen. Mit seinen Traumphantasien hatte er auch geglaubt, Nordkorea zu einem Mitglied der Völkergemeinschaft machen zu können.
20 Jahre Aufbauarbeit sind hier zunichte gemacht worden. Das Opfer der gefallenen Soldaten ist entwertet worden. Die Ankündigung des schnellen Abzugs hat auch die afghanische Armee so verunsichert, dass sie zu keinem realistischen Widerstand mehr fähig ist. Eine totale Fehleinschätzung aller Beteiligten.
Die Lage in Afghanistans war relativ stabil. Die Taliban haben den offenen Kampf gemieden und sich auf terroristische Anschläge zurück gezogen. Mit der Brutalität und Unmenschlichkeit  dieser Anschläge auch gegen Zivilisten haben sie das Ziel verfolgt Angst und Terror zu verbreiten.
Die 2600 km lange Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan ist durchlässig wie ein Sieb. Eine radikale Untergrundarmee, die sich nach Bedarf in sichere Gefilde zurückziehen kann ist schwer zu besiegen. Pakistan, das von den USA auch mit Waffen unterstützt wird, ist Sympathisant der Taliban und ein Teil deren Waffen stammt aus Beständen, die die USA an Pakistan geliefert haben. Die Taliban werden jetzt die Macht übernehmen und in Afghanistan in ein Kalifat errichten. Dies wird ein Zufluchtsland für alle radikalen Moslems wie IS und Sonstige in der Welt.
Die Aussage, dass Deutschland auch am Hindukusch verteidigt werden muss, halte ich für durchaus richtig. Der größte Fehler ist, wenn wir uns in unserem friedlichen Europa zurücklehnen, während andere die Welt unter sich aufteilen.

Christoph Kruppa, Riederich

Es ist nicht zu begreifen

1. „Die Sicherheit der BRD wird am Hindukusch verteidigt“ war von Anfang an eine falsche Aussage des Verteidigungsministers Peter Struck. Sie war dort nicht gefährdet. Nach dem 9.11.2002 griffen die USA Pakistan an, stürzten die dort herrschenden Taliban, suchten Bin Laden (gefunden 2011) und versuchten, die Kultur und Gesellschaft dort, die sie nicht verstanden, nach ihren Vorstellungen umzuformen. Die BRD schloss sich 2001 an. Der nächste Minister, Fanz-Josef Jung verbot, diesen Krieg „Krieg “ zu nennen und nannte ihn „Stabilisierungsversuch“. Sein Nachfolgen Karl-Theodor zu Guttenberg nannte ihn aber „Krieg“, die Bundesregierung nannte ihn „bewaffneten Konflikt.
2. Der Einsatz des Westens dort war nicht „umsonst“, sondern kostete sehr viel Blut und Geld. Aber er war gemessen am Ziel vergebens. Das wäre unter den inzwischen jedem bekannt geworden Verhältnissen in Afghanistan selbst jetzt nicht zu erreichen.
3. Meine Frau unterrichtet seit Jahren ein Mädchen aus Afghanistan. Sein Vater war dort erschossen worden, weil er für die USA Dolmetscher war. Er hatte das geahnt und seine ältesten Söhne zur Flucht nach Europa veranlasst. Nach seinem Tod flüchtete die Mutter mit den weiteren Kindern. Es ist nicht zu begreifen, dass die BRD die Ortskräfte (weit ausgelegt) nicht spätestens mit dem Abzug der deutschen Truppen gerettet hat.

Robert Seckelmann, Schwelm

Unsere Politik hat es nicht hingekriegt

Zuweilen habe ich den Eindruck, dass Politiker-zumindest in der Landes- und Bundespolitik – im Moment ihrer Wahl ihren Verstand und die Fähigkeit zum logischen Denken unwiderruflich wegschließen.
Wäre das nicht der Fall, hätte jedem in der Bundesregierung klar sein müssen, was im Moment des Abzugs der westlichen Truppen in Afghanistan passieren würde.
Ich will mich nicht über den Unsinn von Kriegen auslassen, aber die Evakuierung der afghanischen Helfer und des Botschaftspersonals hätte man vorbereiten können und müssen.
So blauäugig konnte keiner sein, dass er annahm, in Afghanistan werde nach dem Abzug der westlichen Truppen Friede, Freude, Eierkuchen herrschen. Das jetzige Chaos am Flughafen von Kabul hätte vermieden werden können – zumindest das schuldeten wir dem Afghanischen Volk.
Aber unsere Politiker haben es wieder mal nicht hingekriegt.
Deutschland trottete brav hinter den USA her und vermied eigenes Denken. Ich schäme mich mal wieder!

Christa Kreß, Gelnhausen

Schon im 19. Jahrhundert scheiterten die Briten

Als das Abenteuer der USA in Afghanistan begann, machte mich jemand auf Friedrich Engels’ Aufsatz zu dem gescheiterten Versuch der Engländer aufmerksam, sich dieses Land zu unterwerfen. Nach neuerlicher Lektüre biete ich drei Zitate:
„Die Eroberung Afghanistans schien abgeschlossen zu sein, und ein beträchtlicher Teil der Truppen wurde zurückgeschickt. Aber die Afghanen gaben sich keineswegs damit zufrieden, von den Feringhi Kafirs (den europäischen Ungläubigen) beherrscht zu werden, und während der Jahre 1840 und 1841 folgte in den einzelnen Teilen des Landes ein Aufstand dem andern.“
„Völlig hilflos, allen möglichen einander widersprechenden Ratschlägen ausgeliefert, brachte Elphinstone (der britische General, W.G.) sehr bald alles in eine solche Verwirrung, wie sie Napoleon mit den drei Worten ordre, contre-ordre, désordre (Befehl, Gegenbefehl, Verwirrung) bezeichnete.“
Engels schließt seinen Aufsatz: „Dost Muhammad (früherer Herrscher von Kabul, W.G.) wurde nun aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte in sein Königreich zurück. So endete der Versuch der Briten, in Afghanistan eine ihrer Kreaturen auf den Thron zu setzen.“

Wolf Göhring, Bonn

Die Welt lässt sich vorführen

Die Millionen für Mitglieder der Regierung: Alles ein Schlag ins Wasser. Die Welt lässt sich vorführen. Konten sterren!

Renate Schumacher, Frankfurt

Die Kriegsmüdigkeit der USA ist verständlich

Die USA sind seit 20 Jahren in Afghanistan stationiert. Eine Kriegsmüdigkeit ist verständlich. Aber die Entwicklung, hin zu Gesprächen mit den Taliban, wurde durch die Republikaner unter Donald Trump eingeschlagen. Auch der Beginn des Afghanistan Einsatzes ist durch einen republikanische Administration, geschehen. Die Bush Administration war es, die den Afghanistan Einsatz, befohlen hat. Kurz gesagt : Die Erfolge in Afghanistan sind der republikanischen Partei geschuldet, negative Entwicklungen sind die Schuld der Demokraten, und ihrer Präsidenten, wie Biden oder Obama. So denkt doch ein Großteil der Amerikaner.

Stefan Vollmershausen, Dreieich

Warum wurde die Rettung unserer Helfer verschlafen?

Sie sagten: „2015 dürfte sich nicht wiederholen!“ Warum haben Sie dann die rechtzeitige Evakuierung der eigenen politischen Kräfte und deren Helfer aus dem Land SO verschlafen??! OBWOHL es schon VOR WOCHEN (!!) Bitten aus der deutschen Bevölkerung und vom EIGENEN politischen Fachpersonal aus Afghanistan gab ??
Warum kennt man nach 20 Jahren (!!) die Strukturen und die EIGENEN POLITISCHEN VERBÜNDETEN in dem Lande IMMER NOCH NICHT ?!!
Es gibt offensichtlich sehr sehr viele hoch bezahlte Politiker und Beamte, die Ihr Geld wirklich nicht wert sind!!
Meine Gedanken sind bei den Familien, die vergeblich Ihre Angehörigen in diesem Krieg verloren haben!
Was glauben Sie eigentlich, welcher politischen Katastrophe wir in Deutschland am 16.September entgegen gehen?? Wahltag ist Zahltag! „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht!“

Sabine Reif, Mülheim

Wer wird jetzt wohl „ehrenvoll“ zurücktreten?

Das politische Versagen der Bundesregierung – Kanzleramt, Innen-, Außen- und Verteidigungsministerium – kann man nur mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis nehmen. Seit Wochen war die Hilfe für die ‚Ortskräfte‘ in Diskussion. Jeder Bürger hat selbstverständlich erwartet, dass die Rückkehr von Mitarbeiter der NGOs und Botschaften vorsorglich geplant wird. Ebenso selbstverständlich muss man erwarten, dass erst mit dem letzten Botschafter die militärische Absicherung und eine bereitstehende A400M das Land verlässt.
Seit vielen Tagen war für den Laien zu erkennen, dass die schnelle Eroberung der Provinzen auch frühe Konsequenzen für Kabul haben würde. Dazu brauchte es keinen irgendwie gearteten Geheimdienst. Man konnte erwarten, dass Deutschland seinen zivilen Abzugsplan, mit und ohne Abstimmung mit der USA resp. der NATO (!), angepasst und zeitgerecht umsetzt.
Welche eine Peinlichkeit für unsere Regierung. Flugzeuge und der militärische Begleitschutz können nicht einmal mehr landen. Und die Bundeskanzlerin hält schon vorab die Trauerrede! Wer von den Ministern wird wohl ‚ehrenvoll‘ zurücktreten?
Wenn man dieses Desaster sieht und über die möglichen Motive des Versagens nachdenkt, muss einem unheimlich werden: Keine politischen Voraussicht und Entscheidungsfähigkeit, Organisationsschwäche, erneute Panik vor einem Flüchtlingsstrom (wie bei Seehofer und Laschet anklingt), persönliche Unfähigkeit oder Überforderung? Unglücke passieren unvorhersehbar. Aber bei einer früh erkennbaren Aufgabe derart zu versagen, schafft eine ungeahnte Enttäuschung über die nationale Regierung. Nur ein Glück – sie ist am 26. September abgewählt und die drei Minister sehen wir wohl nie wieder im Amt.

Detlef Geisendörfer, Schlangenbad

Die Konterrevolution frisst ihre Kinder

Wäre es möglich, den Gedächtnisverlust wenigstens etwas zu beheben, was die Geschichte Afghanistans angeht und dort besonders des sowjetisch-afghanischen Krieges von 1979 bis 1989 angeht? Damals haben die USA und einige NATO-Staaten die Mudschahedin und andere islamistische Rebbellengruppen unterstützt gegen die sowjetische Intervention, die ein fortschrittliches Regime mit Frauenrechten u.a. stabilisieren wollte. Dabei starben eine Million Menschen und zwischen 13 000 bis 26 000 sowjetische Soldaten. Insofern frisst jetzt die Konterrevolution ihre Kinder, und Russland könnte sich jetzt zurücklehnen, dass die USA und die Nato von ihren eigenen Geschöpfen geschlagen worden ist und wie die Sowjetunion keine Aufklärung von außen nach Afghanistan tragen konnte.

Jürgen Bönig, Hamburg

Man möchte vor Scham im Boden versinken

In Todesangst warte Tausende unserer Unterstützer mit Ihren Familien in Afghanistan auf unsere Hilfe und Rettung. Das schreit geradezu nach sofortigem und entschlossenem Handeln, und so war Herr Laschet auch weit weniger zum Scherzen aufgelegt als bei vorangegangenen Anlässen. Er sprach sicherlich einem großen Teil seiner „christlichen“ Parteifreunde aus der Seele, als er mit großem Ernst das formulierte, was ihm in dieser Situation offenbar am wichtigsten war: „Wir dürfen die Fehler von 2015 nicht wiederholen“.
Da möchte man als Deutscher vor Scham im Boden versinken. Und da hat man als Deutscher die Wahl. Meine Meinung: Die Fehler von 2017 dürfen sich nicht wiederholen. Da haben nämlich noch viel zu viele ihr Kreuzchen bei der Liste der CDU gemacht, der Partei, der das „C“ in ihrem Parteinamen längst gestrichen gehört.

Rainer Stockmann, Dreieich

Klimakatastrophe kommt ähnlich unerwartet schnell

Angesichts des Desasters in Kabul, heißt es jetzt bei unseren ach so weitsichtigen Politikern entschuldigend, dass der schnelle Vormarsch der Taliban „nicht vorhersehbar“ gewesen sei. Genauso wird es auch bei der Klimakatastrophe kommen: Die ersten unumkehrbaren Kipppunkte sind am Fallen. Wenn das geschehen ist, wird es für die Weltgemeinschaft mit der Klimakatastrophe ähnlich „unerwartet“ schnell kommen, wie in den letzten Tagen bei der „nicht voraussehbaren“ Geschwindigkeit des Falls von Kabul. Während das Versagen in Afghanistan „nur“ für Hunderte von Ortskräften den Tod bedeuten könnte, wird die Klimakatastrophe für Millionen Menschen das Ende ihres Lebens zur Folge haben

Nikolaus Geiler, Freiburg

Unterlassene Hilfeleistung

Als Präsident Trump den abzug aus Afghanistan ankündigte, musste jedem menschen mit einn wenig fantasie klar sein, was das für die einheimischen helfer bedeutete: dass sie schnellstens und unauffällig das land verlassen mussten, weil sie die abzusehende machtübernahme durch die Taliban nicht überleben würden.
Seitdem ist ein jahr vergangen mit diskussionen, ob Afghanistan ein sicheres land sei (ignoranter geht es nicht!), Herr Seehofer machte den witz mit den 69 zu seinem geburtstag, und so ging es weiter – bis es wirklich zu spät war. Und jetzt beginnt eine widerwärtige diskussion, ob wir diesen mensche asyl gewähren dürfen/wollen /können.
So viel zögerlichkeit, unfähigkeit, sich auf ein minimum an verantwortung für die im stich gelassenen helfer der Bundeswehr zu einigen und soviel moralisches versagen konnte ich mir in unserem angeblich christlich geprägten land bis jetzt nicht vorstellen.
Ich hoffe, jemand bringt den schneid auf und zeigt die bundesregierung zumindest wg. unterlassener hilfeleistung an. Das wäre das mindeste, was dieser haufen von feiglingen versdient hat.
Wenn die Taliban schlau sind, nehmen sie den den ganzen verzweifelten menschenauflauf auf dem flughafen in geiselhaft und verkaufen jeden menschen einzeln für ein horrendes lösegeld als angemessene strafe an den Westen…irgendwann eine schöne nach-rechenaufgabe für den Bundesrechnungshof.

Hanspeter Maier, Mörfelden

Liebe Redaktion

Zu den Vorgängen in Afghanistan bleibt einem die Sprache weg. Wie war das, am Hindukusch wird Deutschland verteidigt, jetzt scheinbar nicht mehr. Jetzt dürfen die Taliban auch in Deutschland einmarschieren? Was die US-Regierung und auch die deutsche Regierung in Afghanistan angerichtet haben, ist ein Verbrechen an Menschen und Verrat ohne gleichen. Wenn die Verantwortlichen in der deutschen Regierung nur etwas Charakter hätten, würden sie zurücktreten. Aber natürlich wird das nicht geschehen, denn woher sollte plötzlich Menschlichkeit und Anstand kommen? Wenn nun in der Folge des totalen Versagens der deutschen Regierung wieder viele Flüchtlinge kommen, kann sich Herr Seehofer wieder mit Abschiebungen in den Tod brüsten und sich von seinen Parteibrüdern feiern lassen.

Werner Hillenbrand, Ludwigsburg

Liebe Redaktion

Nun werfen die Oppositionsparteien der Bundesregierung Versagen über den Ausgang des Afghanistaneinsatzes vor. Zu Recht, wie ich empfinde. Doch Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) hat nur die Entscheidung zu dem Afghanistan – Einsatz von der vorgängiger Regierung unter Gerhard Schröder ( SPD ) übernommen. Aber auch der damalige Außenminister Joschka Fischer ( Grüne ) hatte diesen Einsatz zugestimmt. Es ist unredlich von Frau Bearbock ( Grüne ) jetzt über amtierende Bundesregierung herzufallen. Es war eine Fehlentscheidung der SPD und Grüne – geführten Regierung vor nahezu 20 Jahren. Der damalige Verteidigungsminister Peter Struck sagte, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt wird, welch ein Unsinn. Die Nato Truppen in Afghanistan hatten nur die Aufgabe das Al Qaida – Netzwerk zu zerschlagen. Und so wurde Osama bin Laden bereits vor 10 Jahren gezielt durch die Amis getötet. Damit bestand überhaupt keine Verpflichtung in diesem Land zu verbleiben. Im Alleingang konnte sich Deutschland nicht zurück ziehen, aber das begreifen viele Menschen wohl nicht , insbesondere Annalena Baerbock … !

Jürgen Hempel, Lüneburg

19 Kommentare

  1. Werner Dörr sagt:

    Dummheit? Verlogenheit? Wählertäuschung? Oder eiskaltes Kalkül?
    Frau Merkel verkündet, „bis zu 10.000 Ortskräfte“ ausfliegen zu lassen und gleichzeitig lässt ihr Minister Maas denen mitteilen, die Ortskräfte können nicht registriert werden, die Listen seien nur für Deutsche.
    Mir scheint es, oberstes Zeil von CDU und SPD ist es, möglichst wenige Flüchtlinge aufzunehmen. Einzelschicksale interessieren da wenig. Die GIZ holt nur die deutschen Bediensteten zurück und hat halt „geglaubt“ die Entwicklungszusammenarbeit gehe weiter. Deren Ortskräfte sind im Land verstreut und sollen jetzt erst „erfasst“ werden. Und dann gilt bei allen eine Grenze ( von mal zwei, mal 6 Jahren), länger darf die Tätigkeit für Deutschland nicht zurückliegen. Dienst für Deutschland verjährt also aus AA-Bürokratensicht. Ich habe mich selten so für deutsche Politik und das Versagen von PolitikerInnen geschämt! Wenn gegen einen Landrat wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, weil er zu spät die Evakuierung angeordnet hat – was passiert dann mit MinisterInnen, denen man Ähnliches vorwerfen könnte? Für mich lautet die Konsequenz: Frau Merkel, wahren Sie einen Rest Würde für Ihre Regierung, Entlassen Sie Herrn Maas und Frau Kramp-Karrenbauer, und zwar jetzt!

  2. Wenn sich Politiker, Militärs, vermeintliche Experten und viele Medien angesichts der Entwicklung in Afghanistan überrascht zeigen, frage ich mich, was in diesen Kreisen überhaupt zur Kenntnis genommen wird.

    Das Land am Hindukusch mag aus amerikanischer und europäischer Sicht immer schwer durchschaubar gewesen zu sein. Umso mehr hätte man sich intensiv mit seiner Geschichte und den politischen und religiösen Strömungen beschäftigen müssen, bevor man sich zum militärischen Eingreifen entschied.

    Afghanistan war über Jahrzehnte ein Staat, in dem feudalistische Stammesstrukturen, bürgerlich-liberale Reformansätze (bedingt durch die britische Kolonialbesatzung) und soziales Aufbegehren von Tagelöhnern und Kleinbauern aufeinandertrafen. Es erscheint sogar rückblickend als unvorstellbar, dass es dort vor 40 Jahren eine kommunistische Partei gab. Tatsächlich kam es am 27. April 1978 zu einem Staatsstreich, initiiert von der „Kommunistischen Demokratischen Volkspartei Afghanistans“. Ihre Ziele waren die weitgehende Entmachtung der Oberschicht, die Säkularisierung des Landes und der Neuaufbau sozialer Strukturen, was bereits von König Mohammed Zahir Schah ab den 1930er Jahren versucht worden war. Mit dessen Sturz im Jahr 1973 geriet das Land in eine andauernde Instabilität, die vor allem vom Nachbarstaat Pakistan und später von der Islamischen Republik Iran geschürt wurde.

    Die Kommunistische Partei und ihre Verbündeten verstrickten sich bei der Verfolgung ihrer Pläne jedoch in eine erfolglose Auseinandersetzung mit fundamentalistisch-islamischen Gruppen, vorrangig den Mudschahedin. Als die Lage sich dramatisch verschlechterte, nutzte die Sowjetunion die Gunst der Stunde. Denn sie befürchtete seit längerem das Überschwappen des politischen Islams aus Pakistan und Afghanistan auf ihre eigenen muslimisch geprägten Republiken Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Aserbaidschan. Am 25. Dezember 1979 marschierten sowjetische Truppen in Afghanistan ein. Mit ihnen kam Mohammed Nadschibullâh, der ehemalige Führer der sozialistischen Paschtunen, aus dem Moskauer Exil zurück und wurde Chef der Geheimpolizei; 1987 wurde er Präsident Afghanistans.

    Im fernen Washington zeigte sich man sich ob dieser Ereignisse alarmiert. Geopolitische Konstanten, auf die man zur Absicherung des weltpolitischen Status quo gesetzt hatte, schienen sich aufzulösen. Folglich unterstützte man den Feind seines Feindes, nämlich die Mudschahedin. Auch Pakistan und Saudi-Arabien beteiligten sich finanziell und materiell (Waffenlieferungen) an diesen Maßnahmen. US-Präsident Ronald Reagan empfing sogar Abgesandte der islamistischen Rebellen im Weißen Haus. Es lässt sich heute nicht mehr einschätzen, ob ihm klar gewesen war, dass er Tod und Teufel zu Tisch gebeten hatte.

    Die sowjetischen Truppen zeigten sich dem Guerilla-Krieg der Mudschahedin nicht gewachsen. Es gelang ihnen nicht, den Feind in offenen Schlachten zu stellen und zu besiegen. Als der unerklärte Krieg immer verlustreicher wurde, verließen die Sowjets 1989 das Land, was einen sämtliche Regionen umfassenden Bürgerkrieg auslöste. In letzterem übernahmen die extrem fundamentalistischen Taliban die Hauptrolle; sie waren eine Abspaltung der Mudschahedin.

    Mohammed Nadschibullâh konnte sich noch bis 1992 halten, dann wurde er von dem Milizenführer Raschid Dostum gestürzt – was die Rolle und Bedeutung der zahlreichen War-Lords deutlich machte. Es gelang ihm, in das UN-Hauptquartier in Kabul zu fliehen. Dort wurde er 1996 von den Taliban gefangen genommen und ermordet. Seine Leiche wurde in Kabul öffentlich ausgestellt.

    Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verlangten die USA von den Taliban, ihrem langjährigen Verbündeten, sich von Al-Qaida zu distanzieren und dessen Kämpfer, die in Afghanistan Unterschlupf gefunden hatten, auszuliefern. Als die Taliban das ablehnten, begann am 7. Oktober 2001 der „Krieg gegen den Terror“. Da der 11. September von der NATO als Angriff auf einen Bündnispartner bewertet wurde, beteiligten sich daran auch andere Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland. Es gelang, die Taliban zu entmachten und vor allem nach Pakistan zu vertreiben. Von dort aus operierten sie jedoch in kleinen Guerilla-Einheiten weiter und verübten vor allem in den Städten Selbstmordanschläge.

    Bereits im Dezember 2001 trafen sich die Führer afghanischer Milizen und Stämme sowie Vertreter von Exilgruppen auf der Petersberger Konferenz in Bonn. Sie entwarfen einen Stufenplan zur Demokratisierung des Landes sowie zur Bildung einer provisorischen Regierung, welcher der Stammesführer Hamid Karzai, ein Paschtune, vorstehen sollte. Aus den zahlreichen Dokumenten geht nicht hervor, ob auch der Aufbau zukunftsweisender wirtschaftlicher Infrastrukturen geplant war. Denn ohne moderne Landwirtschaft und Elemente einer industriellen Entwicklung würde sich das Land nicht stabilisieren und erst recht nicht demokratisieren lassen.

    Sämtliche Vorhaben wären nur dann realisierbar gewesen, wenn die aufständischen Taliban militärisch besiegt worden wären und die Stammesführer eigene Machtinteressen zugunsten einer wirkungsvollen afghanischen Zentralregierung aufgegeben hätten. Stattdessen entwickelte sich die Besetzung durch US- und NATO-Truppen zu einem Krieg der Patrouillen, der nur unzureichend von schlecht ausgerüsteten afghanischen Einheiten unterstützt werden konnte.

    Der Bundeswehr gelang es zwar, zivile Projekte rund um ihre Quartiere zu sichern. Aber selbst dort kam es zu Anschlägen, bei denen insgesamt 59 Soldaten zu Tode kamen. Das Schlagwort des damaligen Verteidigungsministers Peter Struck, das auch die deutsche Demokratie am Hindukusch verteidigt würde, erwies sich bald als ein Synonym für Fehleinschätzung, Ohnmacht und militärisches Versagen.

    Wer in einen Krieg zieht, muss seinen Gegner militärisch besiegen wollen. In den unzugänglichen Gebirgsregionen Afghanistans war allerdings an typische Feldschlachten nicht zu denken. Mithin wäre nur ein pausenloser, sich über Monate hinziehender Luftkrieg nach dem Vorbild des Luftkriegs gegen Nazi-Deutschland infrage gekommen, der auch auf die Grenzregionen in Pakistan auszudehnen gewesen wäre. Stattdessen wurde es ein Kampfeinsatz der halben Sachen, auf den die Gegner mit ihrer typischen Ausweichtaktik antworteten. Den USA wurde dieser Krieg am Ende der Welt zu bedeutungslos, zu opferreich und zu teuer. Der populistische Donald Trump, der für den Wahlkampf dringend Erfolge benötigte, nutzte die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung und verkündete den Abzug der Truppen. Präsident Biden scheute davor zurück, Repräsentantenhaus und Senat die Folgen eines Rückzugs ohne Strategien klar zu machen. Auch die Kapitulation der afghanischen Streitkräfte war vorhersehbar. Es bedarf nicht nur der Waffen, es bedarf auch überzeugter Kämpfer.

    Kaum war zum letzten Appell geblasen worden, rückten die Taliban vor und eroberten die größeren Städte, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Mit der Einnahme Kabuls haben sie nunmehr die Macht übernommen. Lediglich der Flughafen ist einstweilen noch eine Exklave von US-Armee und NATO-Truppen. Er dient vorrangig der Evakuierung von Mitarbeitern der Botschaften und Entwicklungsorganisationen.

    Die afghanischen Helfer der Bundeswehr fürchten um ihr Leben. Ihre Rückführung, die zunächst nur als Ausnahme für wenige geplant war, droht an Bürokratismus und Zuständigkeitsgerangel zu scheitern. Die AfD-Seelen in manchen CDU-Politikern beschwören bereits warnend das angebliche Flüchtlingsdesaster von 2015, das sich nicht wiederholen dürfe, was kompletter Unsinn ist. Somit könnte der deutsche Afghanistaneinsatz endgültig zu einem Fiasko werden. Von Anfang an fehlten ihm realistische politische Ziele und militärisches Durchsetzungsvermögen. Es gibt eben keinen kleinen Krieg im großen Krieg, keinen menschenfreundlichen im menschenverachtenden.
    Und der Dank des Vaterlands ist einem grundsätzlich nicht sicher – von dem der Politiker an Politiker einmal abgesehen.

  3. Peter Boettel sagt:

    Selbst das nicht links-verdächtige Handelsblatt schreibt, dass aufgrund dieser Affäre ein Rücktritt der zuständigen Minister fällig wäre.

    Wenn die deutsche Botschaft die Problematik gemeldet hat, ohne dass der zuständige Minister die notwenigen Maßnahmen in die Wege leitet, ist er fehl am Platz. Auch dürfte der BND entsprechende Informationen nach Berlin geleitet haben.

    Schließlich haben die Taliban doch seit dem 01. Mai d. J. parallel zum Truppenabzug bereits ihre Großoffensive im ganzen Land gestartet, deren Ergebnis doch vorherzusehen war.

    Wenn die SPD, die gerade jetzt vor der Wahl sich im Aufwind befindet, keinen Schaden davontragen soll, sollte Maas schnell zurücktreten. Betroffen von der Afghanistan-Affäre sind natürlich auch AKK, Seehofer und natürlich Merkel.

  4. Werner Dörr sagt:

    Ich hoffe, die e-mail-Postfächer der SPD-Vorsitzenden und der Bundeskanzlerin quellen über mit Aufforderungen zur Entlassung von Maas und AKK. An Herrn Laschet braucht man wohl nicht zu schreiben, dessen Einflußbereich erscheint mir allzu beschränkt… Ansonsten möchte ich gerne appellieren an alle, denen noch etwas an „Würde“ in der deutschen Politik gelegen ist, diese Rücktritte oder Entlassungen zu fordern. Um den obigen Gedanken fortzuführen: Den Landrat im Ahrtal hat seine eigene Partei (CDU) zu jemandem erklärt, der sein Amt nicht mehr fortführen könne, da er das Vertrauen der Bürger im Kreis verloren habe, nachdem er immer noch den Rücktritt ablehnt. GENAUSO steht es meiner Meinung nach um Herrn Maas und Frau Kramp-Karrenbauer: Sie haben das Vertrauen in eine sachgerechte Amtsführung m.E. restlos verspielt und müssen abgelöst werden. In Anlehnung an Dieter Hildebrand will ich hoffen, dass „Würde“ für Frau Merkel nicht nur ein Konjunktiv ist…!

  5. Hanne Strack sagt:

    Antrag auf Menschlichkeit

    wir waren schon mal Meister
    ich will nicht sagen wo und wann
    gottseidank eine andere Zeit danach begann
    doch jetzt sind wir die Meister beim Anträge stellen
    irgendwann werden die Müllos davon überquellen

    Menschen in größter Not
    kurz vor dem Taliban-Kopf-ab-Tod
    stellt einen Antrag zur Einreise in unser Land
    kann das alles sein ? mir raubt`s den Verstand

    im Antragsverfahren sind wir groß
    was ist bloß mit unserer Menschlichkeit los?
    steht die nur auf irgendeinem Papier
    oder gibt`s die auch noch sonstwo hier ?

    wenn ich mal stehe bei Petrus vorm Tor
    wird der mich fragen
    ob ich meinen Antrag verlor
    oder ob ich denn etwa gar keinen geschrieben hätte
    dazu fällt mir dann nur ein
    Fahrradkette

    das tue ihm Leid
    flüstert Petrus ganz leis`
    aber da verstehe auch der liebe Gott keinen Scheiß
    so seien die Regeln in dieser Kammer
    ohne Antrag kein Einlass
    kein Schreien kein Gejammer

    dann wieder ab nach unten auf`s Erdenblau
    oh Gott denk ich
    diese Hölle kenn ich doch schon ganz genau
    lieber die Stufen zum Teufel – verdammt
    am Himmel bin ich vorbeigeschrammt
    weil mein Antrag gefehlt
    so werde ich mein Lebtag nun in der Hölle gequält

    beim Schwitzen dort wird mir die Zeit nicht rar
    schreibe einfach schon mal ein Vorformular
    darin muss man sich outen zum Menschlichsein
    holt die Stifte raus Leute
    tragt bitte euch ein
    für Menschen die direkt vor der Hölle stehn

    sonst ist es bald um die und uns alle
    geschehn
    hanne strack
    18.8.2021

  6. Werner Dörr sagt:

    Auch Großbritannien hat einen ähnlichen Skandal um die Rückholung der Ortskräfte:Während AKK am Freitag beim Backen von Flammkuchen war und Heiko Maas vielleicht irgendwo im Außenministerium, war der britische Außenminister auf einer „Luxus“-Reise in Kreta (angebliche Kosten 8.000 Pfund pro Tag) und lehnte es „aus Zeitgründen“ ab, den afghanischen Außenminister anzurufen, der um dringenden Rückruf wegen der britischen Ortskräfte gebeten hatte. Den Anruf des stellvertretenden britischen Außenministers lehnte wiederum der afghanische Außenminister ab, der nur auf der „obersten Ebene“ verhandeln wollte.
    Bürokratie und Ignoranz gibt es also in dieser Problematik auch anderswo. Wird spannend, zu sehen, wie es mit der Operationalisierung von „Verantwortung“ steht, die in Deutschland ja derzeit nur aus Buchtaben zu bestehen scheint, solange sich keine Staatsanwaltschaft einschaltet…

  7. U. Noll sagt:

    Vor zwei Wochen noch wurde eine afghanische Bürgermeisterin interviewt, die beschwor, dass der Vormarsch der Taliban gar nicht so stark wäre. Also mal Halblang mit den „Nachher- Professuren“.
    Als einen Tag vor dem Einmarsch der Taliban der Präsident noch von der „Mobilisierung der Streitkräfte“ sprach, nachdem also schon das ganze Land unter der Kontrolle der Taliban stand, hätte man sich schon wundern müssen, wovon der Mann eigentlich spricht.

    Frau Stahlmann hat im heutigen Interview die komplexe Lage m. E. sehr gut dargestellt. Der Vormarsch der Taliban war auch eine Abstimmung des Volkes. Weder wollte es einen neuen Bürgerkrieg, also lieber sofort einen Sieger, als auf lange SIcht keinen und zum Anderen ist es das Ergebnis, wenn seit 20 Jahren korrupte Warlords die Partner sind.
    Dieser Makel war schon 2001 offensichtlich. Dafür muss ein Herr Maas nicht zurücktreten.

    Der Wunsch der Taliban nach internationaler Akzeptanz eröffnet Spielräume.

    Die Amerikaner müssennoch 15.000 eigene Staatsbürger ausfliegen, die sind noch ein paar tage beschäftigt.

    Herr Maas sollte die Flugzeuge, die aus Afghanistan kommen entladen und 150 KSK Soldaten zusammen mit den 600 weiteren Soldaten in den Flieger zurück nach Kabul setzen, die deutsche Botschaft besetzen und gleich einen Sicherheitsring von 200 Metern drum herum. Alles im Rahmen neuer Partnerschaft. Man sollte sich viele Freiheiten herausnehmen und keinesfalls einschränken lassen (ein Ortshelfer will sich innerhalb der Zone niederlassen? Herzlich willkommen! Er kommt da, wo er sitzt nicht weg? Kommt der deutsche Hubschrauber. Schulen für Kinder, Mädchen und Jungen, 3. Straße links. Die Taliban werden verstehen, dass davon ihre Finanzierung abhängt. Sie werden verstehen, dass ein Angriff auf diese Enklave extrem negative Folgen hätte. Aber, das muss ja nicht sein, denn das ist nur die Botschaft des internationalen Partners, kein Problem also.
    In diesen Räumen kann Menschen Sicherheit geboten werden, mehr als wenn sie panisch ausgeflogen werden sollen. Von diesen Räumen werden Signale ausgehen. Vor allem, dass die Menschen in Afghanistan nicht im Stich gelassen werden.

  8. Marlis Wilde-Stockmeyer sagt:

    Die verstolperte Flucht aus Afghanistan zeigt das völlige Versagen der Politik wie in einem Brennglas. Kriege lösen keine Probleme, sondern sie vergrößern sie. Immer wieder die gleiche Erfahrung: Kriege sind der politische und moralische Offenbarungseid. Offenbar ist es politisch noch immer leichter, hochausgerüstete Soldaten in Krisengebierte zu schicken als komplizierte Verhandlungen mit den unterschiedlichsten Beteiligten zu führen.
    Ist es nur ein diplomatisches, intellektuelles Versagen oder überwiegen die eigenen geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen so sehr, dass man lieber einmarschiert statt zu verhandeln? Wer wirklich an der Verbesserung der Lage der betreffenden Menschen interessiert ist, muss verhandeln, muss eine Zusammenarbeit suchen und nicht ein westliches Gesellschaftssystem drüberstülpen. Letztes steht in der Tradition des kolonialen und eurozentrischen Denkens. Deshalb: Kriege ächten, nicht führen!

  9. Dieter Möss sagt:

    Gerne wird jetzt beklagt, dass Amerikaner, Deutsche und andere ihre afghanischen Unterstützer im Stich lassen. Sicherlich wurden unendlich viele Fehler gemacht. Weitgehend unerwähnt bleibt, dass vor allem auch die afghanische Regierung und die Armee ihr Volk im Stich gelassen haben, Unterstützer und alle andern. Auch die so „unerwartet schnelle“ Machtübernahme der Taliban ist nur so zu erklären. Das kann nicht die jahrzehntelang geübte falsche Politische der USA und ihrer Helfer entschuldigen. Ganz vergessen sollte man diese Dinge aber auch nicht.

  10. Barbara Grassel sagt:

    Nicht nur die Bundesregierung hat ihre Ortskräfte in Afghanistan im Stich gelassen, weshalb ich bereits gestern Strafanzeige gegen die Bundesverteidigungsministerin und den Bundesaußenminister gestellt habe (s. Anhang), sondern auch in Eschborn, bei der GIZ hat man gegenüber den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Afghanistan versagt und diese im Stich gelassen, ohne sich um deren sichere Ausreise zu kümmern (s. FR v. 18.08.21). Arbeitsdirektor bei der GIZ ist übrigens ein gewisser Thorsten Schäfer-Gümbel. – Es ist unfassbar!

  11. Werner Hillenbrand sagt:

    Zu den Vorgängen in Afghanistan bleibt einem die Sprache weg. Wie war das, am Hindukusch wird Deutschland verteidigt, jetzt scheinbar nicht mehr. Jetzt dürfen die Taliban auch in Deutschland einmarschieren? Was die US-Regierung und auch die deutsche Regierung in Afghanistan angerichtet haben, ist ein Verbrechen an Menschen und Verrat ohne gleichen. Wenn die Verantwortlichen in der deutschen Regierung nur etwas Charakter hätten, würden sie zurücktreten. Aber natürlich wird das nicht geschehen, denn woher sollte plötzlich Menschlichkeit und Anstand kommen? Wenn nun in der Folge des totalen Versagens der deutschen Regierung wieder viele Flüchtlinge kommen, kann sich Herr Seehofer wieder mit Abschiebungen in den Tod brüsten und sich von seinen Parteibrüdern feiern lassen.

  12. Rolf Wekeck sagt:

    Wieder hat sich gezeigt, dass der demokratische Aufbau eines Landes nicht mit militärischen Mitteln erreicht werden kann. Kein Krieg dient den Menschenrechten. Lernt die Bundesregierung nun aus dem Scheitern des Militäreinsatzes in Afghanistan und beteiligt sich nicht mehr an militärischen Interventionen? Das wäre nicht nur ein Beitrag für eine friedlichere Welt, sondern entspräche auch dem Mehrheitswillen der Bevölkerung.
    Vorerst aber muss die Bundesregierung das von ihr mitverursachte Chaos am Flughafen in Kabul in Griff bekommen. Es ist total unverständlich, dass trotz Zuarbeit von Geheimdiensten und Krisenstäben der Termin zur rechtzeitigen Evakuierung von Mitarbeitern und gefährdeten Menschen versäumt wurde. Oder war das Absicht? Denn bei vielen politischen Äußerungen zu diesem Problem stand wieder das alte unchristliche Muster im Vordergrund: Wir können doch nicht alle aufnehmen.

  13. Bernd Mesovic sagt:

    Noch sind die vermutlich für Viele tödlichen Folgen des deutschen Verrats an afghanischen Verbündeten und insbesondere den sog. Ortskräften noch nicht absehbar, da gibt Kanzlerkandidat Laschet eine erneute Kostprobe seines Zynismus in Krisenzeiten und warnt vor einer Flüchtlingsbewegung in Richtung Europa. Kein Innehalten, keine Sekunde des Nachdenkens, keine Entschuldigung für ein Versagen der Regierung in historischer Dimension. „Wir sind die wahren Opfer“ ist das Narrativ. Es ist dieser Geist, verbunden mit dem Willen, in Wahlkampfzeiten noch schneller als die AfD Menschen auf der Flucht vor den Taliban zum Feindbild zu erklären, der auch die zentrale Ursache dafür war, dass die längst notwendige Evakuierungsaktion verzögert und bürokratische Hürden aufgebaut wurden. Für deren Effektivität müssen nun vermutlich einige mit ihrem Leben bezahlen. Noch vor Beginn des deutschen Abzugs hatten Initiativen und prominente Einzelpersonen gefordert, parallel zum Abzug müsse dringend das Ausfliegen der Ortskräfte erfolgen. Indes: Ausgeflogen wurden Equipment, Alkolholvorräte und Ehrenmäler. Es blieb kein Platz für Ortskräfte. Ende Juni rieben sich Ortskräfte wie die afghanische Armee die Augen: Die Bundeswehr war ohne genaue Zeitansage weg. Optionen, die es gegeben hätte, wurden – eine Form staatlich organisierter unterlassener Hilfeleistung – nicht erwogen: Evakuierung vor dem Abzug, oder wenigstens in den Wochen nachher, mit Militärmaschinen, Charterflüge als Shuttle-Luftbrücke über Drittstaaten. Was nun, zu spät und unter Risiken, die es vorher nicht gegeben hat, geschieht.
    Nach dem Abzug schaltete man, da für die Gefährdungsanzeigen der Bedrohten niemand mehr im Lande war, IOM ein. Dahin sollten sich Betroffene irgendwie wenden. Jeden Tag ein kommunikatives Desaster. IOM hat seine Arbeit nie wirklich aufgenommen. Es war ohnehin längst zu spät für Prüfungsprozeduren irgendwelcher Art.
    Die Bundesregierung lobt sich jetzt für ihre Aufnahmeaktion, mit der immerhin 2.500 Personen außer Landes geschafft worden seien. Selbst diese späte Aktion war zusammmengeschusselt und geschah nur auf zunehmenden Druck von Initiativen und Medien sowie kritische Anfragen im Bundestag hin. Ortskräfte der GIZ wurden nur in wenigen Fällen berücksichtigt. Die BMZ-Doktrin: Die wollen überwiegend bleiben und wir machen mit unseren Projekten unter allen Umständen weiter. Mit meiner Hoffnung, der zuständige Minister werde nach dem Fall von Kabul wenigstens den Mund halten ob seines Beitrags zum Versagen, liege ich nach aktueller Meldungslage falsch. Müller hat mitten in der laufenden Evakuierung die Entwicklungshilfemittel eingefroren. Das dürfte zumindest in diesen kritischen Tagen eher ein Beitrag zur Erhöhung der Gefahren für die sein, die auf die letzten Flüge wollen. Mit Straßenkontrollen auf dem Weg zum Flughafen bestimmen die Taliban, wer noch fliegen darf. Müllers Kraftmeierei passt zum Mangel an Ressortkoordination, der das Ganze seit Wochen prägt und zusätzlich behindert hat. Da darf jeder mal ran – auch Maas war schon einmal mit der großartigen Drohung, man gebe nichts für ein Taliban-Regime, dabei.
    Die letzten Monate waren voller Un- und Halbwahrheiten von Seiten der Bundesregierung. Sie dienten dem Zweck, das Aufnahmeprogramm so eng wie möglich zu halten. Selbst eigene Ankündigungen wurden hintertrieben. So erklärte man öffentlich, man wolle Angestellte von Unternehmen, die im deutschen Auftrag gearbeitet hatten, in Ausnahmefällen bei besonderer Gefährdung aufnehmen. Wenige Tage vor dem aktuellen Disaster war noch kein einziger positiv entschiedener Fall dieser Art bekannt. Selbst die völlig unzureichende Minimallösung versickerte in der Administration. Den Chor der Tragödie sangen Seehofer, Müller und Maas, letzterer ziemlich leise, aber mit perfider Effizienz: Bloß keine Sogwirkung durch „Großzügigkeit“. Die große alte Dame Merkel wollte als lame duck nicht mehr Tempo machen und erklärte, sie habe am 21.Juli im Kabinett für eine pragmatische Lösung „geworben“ und: Über Charterflüge müsse „nachgedacht“ werden. Selten ist Führungsschwäche so deutlich geworden. Selten hatte sie solche Folgen. Aber auch Merkel sang ja die Grundmelodie am selben Tage: Man könne nicht alle Probleme lösen, indem „wir“ die Menschen aufnehmen. Diese brisante Mischung aus politischem Unwillen, mangelnder Empathie und blankem Zynismus kann sich nun als eine Art Todesurteil für Menschen erweisen, die seit Monaten in Angst leben.
    Was für ein gigantischer Skandal, dass die Schutzhäuser für Ortskräfte, die in den letzten Wochen nach Kabul gelangt waren und auf die Evakuierung hofften, von einem gemeinnützigen Verein aus Spendenmitteln finanziert wurden. Da glaubten manche noch ans deutsche Verantwortungsbewusstsein, obwohl die Ressorts für diesen Zweck keine eigene Hand rührten. Hilferufe verhallten. Durch die immer wieder verzögerte Evakuierung drohten die Häuser nach der Machtübernahme der Taliban zur Falle zu werden. Die Ortskräfte mussten ihrem Schicksal überlassen werden.
    Abgesagt wird wohl der nach dem Abzug ganz unverschämt geplante Afghanistan-Zapfenstreich in Berlin und die Trauerrede des Bundespräsidenten am Bendlerblock. Bis vor wenigen Tagen hätte ich das für richtig gehalten. Jetzt meine ich: Der Bundespräsident sollte reden. Über nationale Schande, über Politikversagen, über die Schamlosigkeit, mit der Verbündete verraten und ihrem Schicksal überlassen wurden. Über vermeidbare Todesfälle. Um die Toten der Bundeswehr allein kann es nun ja wohl kaum gehen. Um die afghanischen Kriegstoten der letzten 20 Jahre hätte es wohl nicht gehen sollen. Und Ortskräfte waren ohnehin zu diesem Event nicht eingeladen. Quod erat demonstrandum.

  14. Werner Dörr sagt:

    @Barbara Grassel: Recht haben Sie, es ist unfassbar. Aber mit Ihrem Hinweis auf Herrn Schäfer-Gümbel zeigen Sie die möglicherweise fatale SPD-Connection auch auf diesem Sektor auf. Mochte man bisher Maas’Schlafmützigkeit für ein Persönlichkeitsphänomen halten, so deutet Manches doch mehr und mehr auf politisches Kalkül! Ich bin gespannt, ob Strafanzeigen gegen Minister genauso Wirkung zeigen, wie gegen einen Landrat an der Ahr…

  15. Klaus Philipp Mertens sagt:

    Nichts war gut in Afghanistan, nichts ist gut in Afghanistan und es hat den Anschein, dass sich daran in der nächsten Zukunft nichts ändern wird. Die Taliban konnten die Macht übernehmen, weil die westlichen Demokratien, allen voran die USA, ihnen das zerrüttete Land zur freien Verfügung überlassen haben.
    Vier Jahrzehnte zuvor waren die Vorgänger der Taliban, die Mudschahedin, im Stellvertreterkrieg gegen die in Afghanistan einmarschierten Sowjets von den USA und einigen ihrer Verbündeten mit Geld und Waffen unterstützt worden. Erst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 realisierten die USA die geopolitischen Gefahren, die aus den inneren Konflikten in einer der ärmsten Regionen der Welt erwachsen könnten. Die politisch und sozial Deklassierten kämpfen nicht für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, sondern für autoritäre, menschenverachtende Herrschaftsstrukturen, die ihre Legitimation aus einem neu belebten islamischen Fundamentalismus herleiten. Dessen Ideologen sitzen in Islamabad, Riad und Teheran.
    Die Antwort auf den 11.09.2001 hätte, der Logik von Militärs zufolge, ein Krieg gegen Saudi-Arabien, Pakistan und allenfalls zuletzt gegen Afghanistans Taliban sein müssen; unter Umständen auch gegen die Mullahs im Iran. Aber in Washington wurden die Fäden seinerzeit von Dick Cheney und Donald Rumsfeld gezogen, die den Verlust der amerikanischen Rüstungsmärkte in Arabien befürchteten.
    Deutschland als NATO-Partner hatte sich in diesen „Krieg gegen den Terror“ hineinziehen lassen und war von Anfang an beteiligt an der Festlegung unrealistischer Ziele. Das Schlagwort von der Verteidigung der deutschen Demokratie am Hindukusch, von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) damals leichtfertig verkündet, lenkte ab vom Blick auf die Opfer, relativierte die 59 zu Tode gekommenen deutschen Soldaten, die berechtigte Forderung nach sozialen Strukturen und die vergeblichen Hoffnungen junger afghanischer Frauen auf Menschenrechte.
    Jetzt, nach dem übereilten Rückzug des Westens, ist man in Berlin noch nicht einmal dazu fähig, ein rasches und umfassendes Evakuierungsprogramm durchzuführen; man hat trotz eindringlicher Warnungen aus der eigenen Botschaft in Kabul wochenlang keinen Notfallplan vorbereitet.
    Das Afghanistan-Desaster passt zu anderen Unzulänglichkeiten und Unzumutbarkeiten. Als in Griechenland verheerende Waldbrände ausbrachen, reagierten andere EU-Länder rasch mit der Entsendung von Feuerwehren. Auch in Deutschland wurde ein Hilfs-Konvoi zusammengestellt. Der traf aber erst dort ein, als es kaum noch etwas zu löschen gab.
    Bei der Aufarbeitung der Ursachen für die Flutkatastrophe wird allmählich deutlich, dass der Katastrophenschutz auf solche extremen Ereignisse schlecht vorbereitet war. Offenbar sind die Verantwortlichen der Meinung, dass die Auswirkungen des Klimawandels immer nur die anderen treffen.
    Die Krone des Versagens gebührt jedoch dem anfänglich durchaus effizienten und vorbildlichen Kampf gegen das Corona-Virus. Doch das Schlechtreden von AstraZeneca, das ständige und Auf und Ab von Restriktionen und Lockerungen, die unfruchtbare Debatte über angeblich zurückgenommene Freiheitsrechte, die nicht konsequente Durchführung der Schutzimpfung, das Tolerieren von Urlaubsreisen trotz gar keiner und nicht vollständiger Impfung stellen die Regeln der Demokratie infrage. Da man mit Covid-19 nicht verhandeln kann, so wenig wie mit den Taliban, könnte uns alsbald eine vierte Welle ins Haus stehen. Stattdessen unergiebige Diskussionen, bevorzugt in Talk-Shows, über den Wert von Inzidenzen. Weiß man doch, dass jede leichtfertig verursachte bzw. in Kauf genommene Infektion eine zu viel ist.
    Bei der Bundestagswahl am 26. September könnte es ein Ergebnis geben, das einer überlieferten Weisheit nahekommt: Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln.

  16. Manfred Kirsch sagt:

    Das politische Desaster in Afghanistan gilt es von vielen Aspekten näher zu beleuchten. Es war eine katastrophale Entwicklung, die auf einer katastrophalen Fehleinschätzung des Westens beruht. Die humanitäre Katastrophe, die wir jetzt besichtigen müssen, erfordert vor allen Dingen Solidarität der Alliierten mit der leidenden Bevölkerung. Was die Bundesrepublik betrifft, gilt meine Sorge vor allem den Menschen, die verzweifelt auf der Flucht sind, unter ihnen Tausende Ortskräfte, die loyal zu den deutschen Streitkräften während ihres Einsatzes in Afghanistan standen. Abstoßend und widerlich empfinde ich die Tatsache, dass mit dem Schicksal jener Menschen, die knapp der Hölle entgehen, jetzt noch der Bundestagswahlkampf befeuert wird. Diejenigen hierzulande, die sich anschicken, aus dem Leiden der Menschen politisches Kapital schlagen zu können, indem sie rechtspopulistische Phrasen dreschen und vor den Menschen warnen, die zu uns kommen, zeigen damit nur, wie erbärmlich ihre Argumentation ist.
    Alle demokratischen Parteien sollten daher ein deutliches Signal der Solidarität mit den Geflüchteten senden. Es darf in der Tat nicht so kommen wie im Sommer 2015, als mit dem Schicksal der Menschen eine innenpolitische Auseinandersetzung vom Zaun gebrochen wurde, die vor allen Dingen den Rechten in die Hände arbeitete und auch von ihnen initiiert wurde. Das Schüren von Fremdenhass, so befürchte ich, wird auch dieses Mal nicht ausbleiben und deshalb sollten die Politikerinnen und Politiker aus allen demokratischen Parteien, die sich dem Grundgesetz und der Humanität verpflichtet fühlen, sich aktiv dafür einsetzen, dass das Menschenrecht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Asyl beachtet und mit Leben gefüllt wird. Sonst könnte der politische Streit in Deutschland wieder auf dem Rücken der Geflüchteten ausgetragen werden. Jeder oder jede, der sich daran beteiligt, macht sich mitschuldig an der Zerstörung des humanitären Charakters unserer Republik.

  17. Thomas Ewald-Wehner sagt:

    „Sonntagmorgen wendet sich Ghani mit einer Durchhalte-Rede an das afghanische Volk, nachmittags verläßt er feige das Land … Am Samstag noch rät Ihr FR-Journalist Andreas Schwarzkopf: „Noch einmal alle Kräfte mobilisieren“ … Die Bundesregierung will auch noch „kämpfen“ und mobilisiert für ein „robustes“ Kampfmandat der Bundeswehr … – Wie weltfremd sind große Teile der Politik und des hiesigen politischen Journalismus?
    Afghanistan ist ein waffenstarrendes Land. Es ist ideell und materiell ausgeblutet. Spätestens nach dem Fiasko der Sowjetunion mußte doch allen klar gewesen sein, dass eine Intervention in Afghanistan blanker Wahn ist. Mit den vielen, vielen Milliarden an Afghanistan-Einsatzkosten hätte Sinnvolles angestellt werden können. So wurden die vielen Milliarden versenkt und mit den Waffen in Afghanistan (kostenfrei von den beteiligten NATO-Staaten den Taliban überlassen) kann jetzt der gesamte vordere Orient mit destabilisierender Wirkung versorgt werden?
    Zum Erstaunen nicht nur der hiesigen Politik: Die Taliban haben den Krieg relativ unblutig gewonnen und keine „Nacht der langen Messer“ stattfinden lassen. Stattdessen: Die siegreichen Taliban richten Integrationsangebote an die „Ortskräfte“, die Militärs und andere Personen; Beamte sollen auf ihre Arbeitsstellen zurückkehren – sie alle sollen amnestiert werden und unbehelligt bleiben. – Warum beziehen sich weitblickende PolitikerInnen nicht darauf? – China, Russland und andere Staaten haben frühzeitig ihre diplomatischen „Fühler“ nach Kabul ausgestreckt. Die verbrauchten Politiker Maas und Kramp-Karrenbauer etc. verharren aber in ihrer Bunkermentalität – wo schon die USA-Militärs weitergezogen sind. Sie befinden sich in Vorbereitung neuen militärischen Unheils – unter deutscher Beteiligung – im indopazifischen Raum!?
    Jetzt ist die Zeit des schonungslosen Bilanzziehens! Wann kommen die kritischen und vernünftigen Analysen der Linken? Und was spricht dagegen, mit den Taliban in einen rationalen Austausch zu treten (unter dem Dach der UNO?!), um die letzten Errungenschaften zu sichern und menschliche Perspektiven für die Menschen in Afghanistan mit zu entwickeln? – Vorher müssen aber noch Feindbilder abgebaut werden … “

  18. Robert Maxeiner sagt:

    Stephan Hebel stellt in Anlehnung an die Worte des Bundespräsidenten die „grundsätzlichen Fragen für Vergangenheit und Zukunft unseres außenpolitischen und militärischen Engagements“ in Afghanistan. Er
    fragt: „War der Militäreinsatz von Anfang an ein Fehler?“ Diese Frage läßt sich in Anbetracht des totalen Scheiterns mit einem klaren Ja beantworten. Meine aktuelle Frage: Was sind eigentlich Ortskräfte? Ohne klar zu definieren schließt diese Bezeichnung für die eine Partei im Wahlkampf ein, für die andere aus. Die Taliban werden es sich nicht nehmen lassen, selbst zu entscheiden, wer mit den Feinden kooperiert habe und wer nicht. Grundsätzlich hat dieser Militäreinsatz, dessen umfängliche Ziele niemals offen gelegt wurden, alle Menschen in Afghanistan in Gefahr gebracht. Nun Diejenigen, zu spät und halbherzig, herausholen zu wollen, die unmittelbar für das deutsche Militär gearbeitet haben, soll der Gewissensberuhigung dienen, verleugnet aber das grundsätzliche Übel und die Not, welche die Besatzungsmächte angerichtet haben und läßt die Menschen zurück, die sich für Freiheit und Demokratie engagiert haben. Hebel weist nachdrücklich auf die Mahnung der Heinrich-Böll-Stiftung hin, dass der Kreis der Betroffenen, die um Leib und Leben bangen müssen, viel zu eng gezogen wird. Diese Symbolpolitik der Regierung, die mit einem Auge auf die Hardliner und Diejenigen schielt, die wieder sagen werden: ,Aber wir können doch nicht Alle aufnehmen-…‘ ist zynisch und menschenverachtend und sollte umgehend zurücktreten.

  19. Peter Boettel sagt:

    „Wann kommen die kritischen und vernünftigen Analysen der Linken?“ fragt Thomas Ewald-Wehner.

    Die Linke hat am 22.06.2021 einen entsprechenden Antrag im Bundestag mit einer Beschreibung der Problematik sowie entsprechenden Forderungen gestellt. Nachzulesen unter https://dserver.bundestag.de/btd/19/309/1930934.pdf?fbclid=IwAR2iEqi5oA9VqMpaWnROoCRvd3AgZAGkdfKxrAiVq9L5HerkkG6wB1-wBRE&utm_campaign=Sahra%20Wagenknecht&utm_medium=email&utm_source=Revue%20newsletter