Vor nunmehr bald vier Jahren hat Russland die Ukraine angegriffen. Der Aggressor ist viel größer und viel stärker als das angegriffene Land, das sich nur mit Hilfe westlicher Länder behauptet. Die derzeitige Lage in der Ukraine kommt also nicht überraschend: Es sieht nicht gut aus für die Ukraine.
Jede Nacht fliegen russische Raketen und Drohnen und bomben lebenswichtige Infrastruktur in Grund und Boden. Elektrizität und Wärme sind in der Ukraine trotz klirrender Kälte derzeit fast ein Luxusgut. Es ist Krieg, und am meisten leidet momentan die Zivilbevölkerung. Wie es den Kämpfern in ihren Schützengräben geht, fragen wir lieber nicht. An der Front ist wenig Bewegung.
Links zur FR-Berichterstattung
Russische Schadenfreude / Putin riskiert Russlands Wirtschaft
USA setzen Frist / Geht wieder auf die Straße!
Dasselbe gilt anscheinend für die Diplomatie, obwohl zurzeit in Abu Dhabi mal wieder „verhandelt“ wird. Die russische Seite lässt jedoch weiterhin nicht ab von ihren Maximalzielen, die für die Ukraine unannehmbar sind. Oder waren. Das erbarmungslose Bombardement könnte dazu führen, dass die ukrainische Seite nachgiebig wird. Das wäre der puren Not geschuldet und würde letztlich dazu führen, dass der Angreifer seinen Willen bekommt. Die klare Botschaft an die Weltgemeinschaft wäre: Aggression lohnt sich wieder. Zurück ins 19. Jahrhundert!
Wir in Deutschland – das müssen wir uns wohl eingestehen – können nicht viel tun. FR-Redakteurin Christine Dankbar hat die Deutschen in einem Kommentar dazu aufgerufen, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Das wäre zweifellos ein stärkendes Signal an die ukrainische Bevölkerung. Die Entscheidung darüber, ob und wie der Krieg in der Ukraine zu einem Ende gebracht werden kann, fällt jedoch nicht auf deutschen Straßen, sondern in Hinterzimmern im Kreml und im Weißen Haus.
Den Menschen in der Ukraine ist ein Ende ihrer Not zu wünschen. Das Problem der Ukraine wäre mit einem solchen „schlechten Frieden“ indes nicht beseitigt. Der Nachbar Russland und sein autokratisch regierender Präsident Wladimir Putin werden aggressiv bleiben. Europa und Deutschland stehen unruhige Zeiten bevor.
Eine Lösung gibt es nur durch Diplomatie
Tatsächlich gibt es in Deutschland genug Gründe, „auf die Straße „ zu gehen: Der Frontalangriff der CDU/CSU und ihrer Vorfeldorganisationen auf den Sozialstaat, das dröhnende Schweigen der SPD dazu, verschleppter Klimaschutz, Hochrüstung und Militarisierung der Gesellschaft usw.
Dass wir für die „Unterstützung der Ukraine“ im Sinne der FR auf die Straße gehen sollen, erscheint mir fragwürdig. Vielleicht bestünde die beste Unterstützung für das überfallene Land darin, es endlich davon zu überzeugen, einem (wenn auch schlechten) Frieden endlich zuzustimmen. Denn alles andere bedeutet weiteres Töten und unendliches Leid mit völlig ungewissem Ausgang. Die Situation in Europa, wie sie Frau Dankbar beschreibt, war bei realistischem Blick absehbar und ist darum wenig überraschend.
Dass Putin den Frieden nicht will, ist eine Aussage, die so nicht stimmt. Wohl will er einen Frieden – weitgehend zu seinen Bedingungen. Auf absehbare Zeit werden allerdings die Bedingungen für die Ukraine kaum besser werden. Im Gegenteil, sie verschlechtern sich von Monat zu Monat. Insofern sind Putins sogenannte „Maximalforderungen“ leider nur Ausdruck der Kriegslage.
Dass eine Lieferung des Marschflugkörpers Taurus die Situation entscheidend im Sinne der Ukraine verbessern würde, glauben selbst die von der FR häufig so gern zitierten sogenannten „Militärexperten“ nicht. Und: wenn die Menschen in der Ukraine seit 4 Jahren die Freiheit Europas mit dem eigenen Leben verteidigen – was unterstellt, Putin wolle ganz Europa überfallen – dann ist es schäbig, die Menschen in der Ukraine leiden zu lassen, selbst aber keine Soldaten zu schicken.
Eine auch nur einigermassen gerechte Lösung wird es nur mit mehr Diplomatie (auch der Europäer), nicht mit immer mehr Waffen unter Anerkennung berechtigter Sicherheitsinteressen Russlands geben. Das hätte von Anfang an klar sein sollen und bestätigt sich jeden Tag aufs Neue.
Jochen Stürznickel, Köln
Will Europa es drauf ankommen lassen?
Vielen Dank für diesen wichtigen Kommentar/ Appell! Es ist unerträglich, jeden Tag in den Nachrichten zu sehen, wie die Menschen in der Ukraine leiden und ihr Präsident gegen Windmühlen kämpfen muss. Europa hätte längst mit allem, was es liefern kann zur Unterstützung beitragen müssen! Statt dessen immer neue Lippenbekenntnisse, denen keine Taten folgen. Es ist doch klar, dass die geleistete Hilfe bei weitem nicht ausreicht! Will man es wirklich darauf ankommen lassen, dass es irgendwann zu spät ist?
Angela Christiani, Hamburg
In der Tradition des Völkermörders Stalin
1932/33 beging die Sowjetunion unter Stalin den Völkermord an den Ukrainern „Holodomor“ (ukrainisch: Tod durch Verhungern). 2025/26 ist Russland unter Putin auf den Weg zum nächsten Völkermord an den Ukrainern: Tod durch Erfrieren. Der Menschenrechtsverletzer Putin steht in der Traditionslinie des Völkermörders Stalin!
@ Jochen Stürznickel
Die These, vielleicht bestünde die beste Unterstützung für das überfallene Land darin, es davon zu überzeugen, einem (wenn auch schlechten) Frieden endlich zuzustimmen, zeugt von einer Ahnungslosigkeit im Hinblick auf die Gegebenheiten im Donbass. Dass Putin auf der Abtretung des gesamten Donbass als fundamentaler Bedingung für weitere Verhandlungen besteht, hängt damit zusammen, dass durch die Abtretung des unter ukrainischer Kontrolle verbleibenden Teils der Oblast Donezk an Russland die Ukraine wichtige Verteidigungsstützpunkte verlöre, so dass Russland nach einem „Friedensabkommen“ mit einer besseren Durchmarschmöglichkeit nach Kiew wieder angreifen kann, was zu erwarten ist. Dass von einer „militärischen Spezialoperation“ gesprochen wird, von Krieg zu sprechen in Russland verboten ist, liegt nämlich auch daran, dass die Verwendung des Begriffs „Krieg“ eine Anerkennung der Existenz einer ukrainischen Nation impliziert. Für Putin sind die Ukrainer aber heim ins Reich zu holende Kleinrussen, so dass das Ziel der Auslöschung des Ukrainischen niemals aufgegeben wird, es sei denn, Russland befreit sich vom Putinismus und von allen imperialistischen Allüren. Um die Verrücktheit des Putinschen Antiukrainismus zu verdeutlichen, eine Analogie: Nach dessen Logik wären die Niederlande auch keine echte Nation, die Niederländer sprechen einen niederdeutschen Dialekt, von dem sie unverschämterweise behaupten, er sei ihre Nationalsprache. Aber tatsächlich hat die Ukraine historisch mehr mit Polen zu tun als mit Russland. Nicht ohne Grund wird berichtet, dass russische Soldaten ukrainische Soldaten mitunter für polnische Söldner hielten, wenn sie sie das ihnen unvertraute Ukrainisch sprechen hörten.
Die Aussage schließlich, wenn die Menschen in der Ukraine seit vier Jahren die Freiheit Europas mit dem eigenen Leben verteidigten, was unterstelle, Putin wolle ganz Europa überfallen, dann sei es schäbig, die Menschen in der Ukraine leiden zu lassen, selbst aber keine Soldaten zu schicken, wäre nur dann richtig, wenn es wirklich stimmt, dass Putin militärisch nach einer Eroberung der ganzen Ukraine weitermachen will. Das wissen wir nicht. Wir kennen als Gewissheit nur Putins idiosynkratischen Blick auf das Ukrainische. Ein Angriff Russlands auf Deutschland wäre aber auch für Putin keine militärische Spezialoperation, sondern ein Krieg. Denn schon Stalin sagte: Die Führer kommen und gehen, das deutsche Volk bleibt.
Die Kommentatorin regt dazu an, mit weiteren Waffenlieferungen ( gerne auch mit Marschflugkörpern „Taurus“) den Krieg fortzusetzen. Zugunsten der Ukraine? Deren Situation und Verhandlungsposition verschlechtert sich von Jahr zu Jahr. Hat Christine Dankbar keine Bilanz der bisherigen Kriegsjahre gezogen? Die Toten, die Verletzten, die Traumatisierten, die ökologischen Folgen des Krieges. Hier bei uns die Ver(sch)wendung von Finanzen im militärischen Bereich, die
im sozialen dringend nötig wären.
Wir Europäer hätten viel früher, statt auf Waffenlieferungen zu setzen, diplomatische Bemühungen, nein Anstrengungen unternehmen müssen, um beide Seiten an den Verhandlungstisch zu bringen.
Sehr geehrte Frau Dankbar,
wie Sie denke ich an den verheerten Zustand der Welt, auch an den Krieg in der Ukraine – meist morgens, wenn ich beim Frühstück sitze im Warmen und Trockenen. Da denke ich aber auch an die Soldaten, Ukrainer wie Russen, in den Schützengräben; an die zahllosen in diesen Kriegsjahren traumatisierten Menschen. An den für Generationen aufgestauten Hass… Hier könnte ich noch endlos Gedanken anfügen, die mich so bedrücken – und so bitter dankbar sein lassen, dass ich in Frieden frühstücken darf. Währenddessen wird auch bei uns die Gesellschaft auf Kriegstüchtigkeit getrimmt. Wo Kriegstüchtigkeit angestrebt wird, ist es folgerichtig: Es braucht dazu mehr als einen völkerrechtswidrigen Einmarsch und eine brutale Großmacht mit Vorhof-Anspruch, nämlich ein Feindbild. Gut und Böse müssen eindeutig verteilt sein, jeder Zweifel an der sauberen Verteilung untergräbt die Vorstellung, gesellschaftliche Aufrüstung sei unausweichlich, für die militärische Ausrüstung der Ukraine bis zum Sieg über Russland solle man auf die Straße gehen.
Ich aber wünsche sehnlichst, dass dieser Krieg zu Ende geht, so wie er in Gaza nachlässt – eine riesige Wüste an seelischem Elend und materieller Vernichtung bleibt allemal.Ein Krieg ist das monströseste Leid, das Menschen zugefügt werden kann. Und das ist keine Erfindung Russlands oder von Putin! Was bei einer Beendigung jetzt auf der Strecke bliebe? Wie in jedem Krieg eine Gerechtigkeit zwischen kriegsführenden Staaten, wo doch allein die Kräfteverhältnisse an der Front den Ausschlag geben. Auch die Ukraine hat März 2022 – unter massivem Druck der NATO – eine möglichen Kompromiss in den Wind geschlagen mit der Kalkulation, mit der Fortführung des Krieges die Oberhand zu gewinnen. Nie geht es bei solchen Kalkulationen darum, das Leiden der Menschen zu beenden. Im Namen einer solchen Gerechtigkeit geht es nun der europäischen „Koalition der Willigen“ um eine Weiterführung des Krieges, obwohl es ihr offensichtlich an Willen oder Kraft fehlt, die dafür notwendige immense Gewaltmaschinerie zur Verfügung zu stellen.
Dafür, meinen Sie, sollen wir auf die Straße gehen. Darüber bin ich genauso entsetzt wie über die Aufrüstungshype der EU (Merz – Ziel „größte Armee Europas“), um einen europäischen Frieden gegen Russland durchzusetzen.
Erklären kann ich mir ihr Engagement nur so, dass Sie intuitiv die staatliche Integrität der Ukraine in eins setzen mit dem Wohl der Menschen in der Ukraine. So, als wäre die allerwichtigste Eigenschaft eines Menschen die Zugehörigkeit zu einer Nation. Aber ich denke dagegen, dass in Kriegszeiten der Staat den Einwohnern der größte Gegner ist, wenn etwa Männer mit brutalen Rollkommandos von der Straße weg an die Front geprügelt werden. Auf jederzeit empfangbaren Bildern zu sehen, herrscht aber Schweigen darüber, als geschähe nichts. Dazu schreibt Yevgenia Belorusets, Autorin in Berlin und Kyjiw: „Dieses Schweigen (in der Ukraine und im internationalen Diskurs) trägt zum Bild einer geeinten, heroischen Nation bei, die Krieg führen will. Ganz wie die Informationskampagnen sagen, an denen Politiker, Journalisten und Aktivisten stolz teilnehmen.“ (in: Wie Krieg spricht und wie sein Schweigen klingt). Oder Anna Ivanova, Soziologin aus der Ukraine an der Uni Gießen, die zögernd ausspricht, “ wie auch die Ukrainistik im Ausland von unterschwelligen Ängsten vor Denunziation, Marginalisierung und Mobbing durchzogen“ ist und viele Themen tabu sind. Oder Sergey Guz, Gewerkschaftler in der Ukraine, der beklagt, dass die Linke durch militärische und politische Zensur zum Schweigen gebracht worden ist. „Unterdessen findet man im Kreis enger Freunde oder Verwandter viele Befürworter einer Beendigung des Krieges, selbst unter den Bedingungen des vorgeschlagenen `US-Friedensplans´. Dies zeigt die enorme Kluft zwischen der offiziellen Politik und dem, was viele Ukrainer tatsächlich denken, aber nicht laut aussprechen wollen.“ Wie soll es unter Kriegsbedingungen auch anders sein, auch die zaghaften vordemokratischen Ansätze in der korrupten Ukraine werden rapide vernichtet.
Frau Dankbar, Sie schreiben außerdem dazu: „Die Menschen in der Ukraine verteidigen seit vier Jahren die Freiheit Europas mit dem eigenen Leben.“ Diese Setzung eines Russlands, das unsere Freiheit bedroht und nur von der Ukraine davon abgehalten werde, nach Westen zu marschieren, gehört auf den Prüfstand. Diese Setzung ist dermaßen umstritten, dass die daraus abgeleitete Rechtfertigung der Fortführung des Krieges mit dem Ziel, eine „günstigere“ Kriegslage für einen gerechten Frieden zu erreichen, einfach ungeheuerlich ist. Es ist ein furchtbar idealisiertes Bild, Ukrainer:innen täten es freiwillig und die Fortführung mit Russland überlegener Waffengewalt wäre ihre Menschenleben und die Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen wert. Übrigens wäre Soziale Verteidigung eine probate, menschliche Strategie gegen Eroberungsgelüste. Das steht gar nicht zur Debatte – eine Osterweiterung `des Guten´ ist ja damit nicht machbar.
Mit besten Grüßen
Joachim Reinhardt
zu @ Joachim Reinhardt
Warum brauchen sie so viele Worte um die Ukraine zur Kapitulation aufzufordern. Was dann passiert kann man ja in den besetzten Gebieten sehen. Die Männer werden getötet und Frauen vergewaltigt. Sorry für Frieden sind hier alle. Dazu braucht Putin nur seine Truppen zurück zu ziehen. Ob das ukrainische Volk dann Nato Mitglied werden soll wäre in einer möglichst freien Abstimmung zu entscheiden. So wie es in Polen oder Finnland z. B. auch erfolgt ist. Das geht Putin genau gar nichts an und ist dann zu respektieren. Mehr braucht man dazu gar nicht zu sagen.
Ich kann all jene gut verstehen, die immer wieder die Diplomatie als Lösung für den militärischen Konflikt zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine anführen. Ich selbst verabscheue bis aufs Tiefste Krieg und Gewalt und bin davon überzeugt, dass Konflikte zwischen Staaten nur friedlich zu lösen sind. Im Falle des aktuellen Ukraine-Konflikts frage ich mich jedoch, wer auf der russischen Seite an wirklich ernsthaften Verhandlungen für eine Friedenslösung interessiert ist. Ein ungerechter Frieden wäre es, wenn die Ukraine praktisch ihre gesamten Interessen dem russischen Kriegsverbrecher Wladimir Putin opfern würde. Ich war immer zumindest Sympathisant pazifistischer Ideen und die Regelung von Konflikten mit Waffen ist mir zuwider und passt nicht in eine zivilisierte Welt. Willy Brandt war im Bewusstsein des Schutzes der Nato wichtige Schritte auf eine Friedens- und Entspannungspolitik gegangen. Doch Wladimir Putin mit seinem imperialistischen Gehabe hat die Friedens. und Entspannungspolitik der Siebziger- und Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts zerstört. Ich grübele in den vergangenen Tagen vermehrt darüber, wie man als sich zum Pazifismus hingezogener Zeitgenosse realistische Antworten für den Russland-Ukraine-Konflikt finden kann. Hierzu ziehe ich auch die Bibel heran. Im fünften Gebot heisst es ohne Wenn und Aber: Du sollst nicht töten. Das gilt gerade auch für den Völkermörder Putin. Ja, wir müssen verhandeln und die Dipolmatie ist eine grosse Aufgabe. Es muss eine Lösung gefunden werden, bei der Putin, wenn er weiter an Gewalt festhält, sein Gesicht verliert und in der ganzen Welt als Aggressor wahrgenommen wird. Das ukrainische Volk befindet sich in einer äussert schwierigen Situation und braucht Unterstützung auch durch Demonstrationen in der Bundesrepublik und in Westeuropa. Patentlösungen sind wohl von einem Blog-Schreiber nicht zu erwarten. Doch das Schlimmste, was politisch engagierte Menschen in diesem Fall tun können, wäre Gleichgültigkeit.
zu @ hans
Hallo „hans“, wenn ich Ihre Posts lese, die sich auf meine Beiträge beziehen, habe ich einfach nicht den Eindruck, Sie hätten die Absicht, meine Argumente zu verstehen und nachzuvollziehen – und dann erst zu kritisieren.
zu @ Joachim Reinhardt
Das hat mit ihnen als Person nichts zu tun das ich ihnen widerspreche sondern mit dem was sie schreiben. Gestern hat Manfred Kirsch einen Beitrag eingestellt dem ich nie widersprechen würde. Lesen sie doch mal das was sie schreiben und das was Herr Kirsch geschrieben hat, dann werden sie vielleicht erkennen warum ich ihren Beitrag kritisiere. Er benennt ganz klar den Verantwortlichen. Das ist etwas worauf sie gerne verzichten oder in Frage zu stellen das Putin auch uns bedroht. Sorry wie nennen sie es denn was da an Aussagen dauernd aus Moskau kommt, oder wenn im Sommer 21 die russischen Gasspeicher in D. leer sind und uns nur der Klimawandel vor einer Gasnotlage bewahrt hat, oder wo kommen nach ihrer Meinung die Drohnen her die über Europa rum fliegen? So könnte man immer weiter machen. Lesen sie doch mal ihren Beitrag was sie dazu schreiben
@ hans
Es ist völlig klar, dass man Russland erst als Partner akzeptieren kann, wenn es sich wie ein potenzieller Partner verhält. Ein Nachbarland anzugreifen, hat leider überhaupt nichts mit partnerschaftlichem Verhalten zu tun, sondern das ist schlicht Machtpolitik. Das wiederum ist etwas, was aus der linken Ecke zwar immer den USA vorgeworfen wird (unter Trump zu recht), aber niemals den Russen. Was die betrifft, sind unsere Linken sonderbar blind. Es ist klar, dass sie damit nur den Unfrieden fördern, auch wenn sie das Gegenteil wollen, was ich ihnen nicht absprechen will.
zu @ Stefan Briem
Ja ich weiß dass das so ist, aber eigentlich sollte das doch mit Putin ein Ende haben. Er ist beim besten Willen nicht links sondern inzwischen ein völlig unglaubwürdiger Machtpolitiker also eher rechts. Wenn es dazu kommt das die Ukraine einen Vertrag unterschreiben muss wie er derzeit im Gespräch ist erwarte ich keine Sekunde das es ein Friedensvertrag sein wird sondern eine Zwischenstufe die Putin gerade wie es ihm beliebt beendet. Ein echter glaubwürdiger Friedensvertrag müsste ein Entgegenkommen von Russland beinhalten wie z. B. Rückzug auf die Front von 2014. Ohne so etwas ist es nur Zeitverschwendung zu reden. Das Putin derzeit über die Ukraine hinaus will ist offensichtlich und das wird er auch tun bis ihn jemand aufhält.
@ hans
Links heißt doch eigentlich progressiv, oder? Sonderbarerweise spielen diese Menschen aber nicht durch, was es bedeuten würde, wenn man Putin den Willen lässt. Das ist nicht progressiv. Es ist sogar inhuman, weil es schlussendlich zu noch viel mehr Verlust an Menschenleben führen wird. So wie auch „soziale Verteidigung“ zu einem Gemetzel führen wird.
zu @ Stefan Briem
Ich frage mich ob nur die Altlinken, aus Gewohnheit, so blind auf dem russischem Auge sind oder ob das auch auf die jungen Menschen in der Linkspartei zutrifft. Wird diese Haltung angeboren?
Wenn man darüber nachdenkt wie Putin weiter vorgehen wird komme ich immer zu zwei Fragen oder Ergebnissen. Ich denke das nach der Ukraine Putin auf dem Balkan weiter zündeln wird und frage mich was oder wie er die Tatsache einsetzen wird das Russland der Hauptlieferant von den Brennelementen ist die europäische AKW benötigen. Er hat es also in der Hand eine weitere Energiekrise auszulösen wenn es ihm passt. Ich denke das er schon klare Vorstellungen hat wie er das einsetzen will. Zumal es wohl vorbei wäre mit der Europäischen Einigkeit. Eigentlich wundert es mich das Putin diese Waffe noch nicht eingesetzt hat denke aber wir werden schon noch erfahren warum.
Ja, was ist links in diesem Zusammenhang? Der imperialistische Machtkampf um die Aufteilung der Welt in Herrschaftszonen, wo Großmächte je nach Machtfülle das Sagen haben, sollte von einem Linken kein Beifall finden. Das betrifft vorneweg die Weltmacht Nr.1 USA (nicht etwa, weil sie „böse“ ist, sondern weil sie über die größten Gewaltmittel verfügt und schon immer auch eingesetzt hat) und die NATO, China, Russland und -, ja natürlich auch die EU. Da geht es nirgendwo (!) um Verteidigung. Die Ukraine ist das (Schlacht)Feld um den geopolitischen Einfluss im eurasischen Raum – seit Jahrzehnten. Hat der Westen dort das sagen oder Russland? Das ist kein Geheimwissen, sondern gut durch Äußerungen vieler Protagonisten dokumentiert. Und es ist mitnichten mein Interesse, dort Partei zu sein. Ich bin nur hilfloser Beobachter.
Gewaltfreiheit ist so ein Streitpunkt unter Linken. Ich trete entschieden dafür ein. Ein weiterer Grund neben einer humanen Grundhaltung ist für mich, dass es um Strukturen (Konkurrenz, Profit als ökonomisches Ziel) geht, die bekämpft werden müssen und nicht irgendwelche „bösen“ Menschen. Gut oder böse sind wir alle – je nachdem, unter welchen Bedingungen, in welchem Korsett von Strukturen wir (zu) handeln (gezwungen sind).
Wer angesichts eines oder dieses Krieges behauptet, es wäre die „Soziale Verteidigung“ , die zu Gemetzel führen würde, hat sich mit Sicherheit nie mit diesem Konzept auseinander gesetzt. Mit der Sozialen Verteidigung, ist sie – wie vorgesehen – eingeübt, könnte man effektiv und menschlich verteidigen. Aber eben geopolitisch keine Macht ausüben.
Nicht zuletzt links ist für mich die Kritik daran, den Erfolg einer Nation immerzu mit dem Wohl der Bevölkerung in eins zu setzen (Bei der Olympiade üben alle überall diese Art Wahrnehmung, das „WIR“ im Kleinen gerade wieder ein.) Die Hälfte meines Beitrags zum Kommentar von Frau Dankbar ist (mit ukrainischen, hierzulande überhörten Stimmen) der Erklärung gewidmet, warum das besonders im Krieg für mich völlig absurd ist! Links ist für mich eben WEDER die NATO/EU-sympathisierende, noch eine Putin freundliche Feldherrn Perspektive. Immer aber, wenn jemand von der NATO/EU Position abweicht, wird (blinde)Putin Freundlichkeit unterstellt. Ich mussss es mal, freundlich ausgedrückt, sagen: Das ist sowas von unter der Gürtellinie! Es gibt in der Propaganda nur eine Wahrheit. Dieses Gut- Böse-Schema (hüben wie drüben) ist schlicht realitätsfremd.
Im Übrigen wird den NATO/EU Freunden dem entsprechend die Auseinandersetzung mit abweichenden Positionen mehr und mehr erspart werden. Die EU arbeitet konsequent daran, rein exekutiv – unter Umgehung rechtsstaatlicher Wege – den Meinungskorridor entsprechend zu verschlanken und Abweichler ihrer bürgerlichen Existenz zu berauben.
Ja, ich weiß und stimme dem zu: Putins Gegner trifft es ist noch viel schlimmer, wenn sie eingeknastet werden. Soll mich das etwa hier froh stimmen?
Der Blog hier ist wahrscheinlich aber noch unter dem Radar.
zu @ Joachim Reinhardt
Ich habe ihren Beitrag jetzt zum zweiten mal gelesen. Sie können das relativieren wohl einfach nicht lassen. Bronski wollte hier , wie man an der Überschrift sieht, über die Ukraine diskutieren und sie schreiben als erstes das die USA der größte Teufel ist. Nein in diesem Krieg ist nicht die USA der größte Teufel sondern das Land das die Ukraine überfällt nämlich Russland. Wenn man darüber diskutieren will ob die USA mehr zu kritisieren sind als Russland würde ich mal sagen das Putin alles tut die letzten 15 Jahre um die Spitze zu übernehmen, aber darum geht es gerade nicht. Was diesen Krieg von allen anderen unterscheidet was die letzten Jahrzehnte es an Kriegen gegeben hat ist das wir wahrscheinlich ein Kriegsziel sind. Sie gehen darauf in ihren umfangreichen Beiträgen ja mit keinem Wort darauf ein wahrscheinlich weil ihnen die Argumente fehlen die diese Aussage entkräften würden. Aus ihrem Beitrag entnehme ich das“ Soziale Verteidigung“ etwas ist dem sie das Wort reden würden. Angesichts dessen was im Gaza Streifen passiert ist, Israel hat wahrscheinlich gar nicht gemerkt das sich jemand sozial Verteidigen will, oder was gerade die Putin Verbündeten im Iran mit ihrem Volk anstellen finde ich das ganz schön blauäugig. Das gilt natürlich auch für Terroranschläge jeder Art. Ich würde das schon ein Gemetzel nennen. Ich finde die Brutalität hat leider schon einen traurigen Höhepunkt erreicht. Ich kann es jedenfalls nicht als Ziel ansehen das D. sich Sozial gegen Putin verteidigt. Da er offensichtlich nur nach Westen weiter voran kommen will ist Aufrüstung leider die einzige Antwort die mir einfällt. Außerdem hoffe ich das es jemanden gibt der die russische Armee vor unserer Grenze zum stehen bringt und wir sollten alles was dazu möglich ist tun und Waffen besonders Luftabwehr liefern.
@ hans
Ich hab Ihren Worten wenig hinzuzufügen, aber dies Wenige schicke ich trotzdem hinterher. Es wird ja immer über Verhandlungen und Diplomatie geredet. Putin hat mehrfach gezeigt, dass er Verhandlung für einen Ausdruck von Schwäche und Schwächlichkeit hält. Trotzdem wird von unseren Linken immer wieder die Rede angeführt, die Putin mal vor dem Bundestag gehalten hat, und die man im Nachhinein nur als Täuschungsmanöver interpretieren kann. Was Russland betrifft, sind unsere Linken einfach blind. Egal wie viele Menschenrechte der Herrscher dort gebrochen hat. Der Aggressor heißt immer USA.
Das Konzept namens „soziale Verteidigung“ ist einfach Quatsch. Es gibt in meiner Familie Geschichten davon, was die Russen mit „sozialer Verteidigung“ gemacht haben: Sie haben sich die Frauen genommen und vergewaltigt und die Männer erschossen. So geschehen Anfang 1945 in meiner Familie. Etwas Ähnliches haben die Russen in Butscha und anderswo wiederholt. Ein Gemetzel. In Indien mag „soziale Verteidigung“ zu Gandhis Zeiten funktioniert haben, aber die Russen sind nicht die Briten.
Karl-Dietrich Bracher, renommierter Politikwissenschaftler, schrieb 1983:“Was ist Ideologisierung? Als Kern dieses Vorgangs erscheint die Tendenz zu einer extremen Vereinfachung komplexer Realitäten. Der Anspruch, sie auf eine Wahrheit zu reduzieren und zugleich (dichotomisch) aufzuspalten in gut und böse, richtig oder falsch, Freund oder Feind, also in einem einzigem Erklärungsmuster die Welt bipolar zu erfassen.“ (Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte, Heft 1 31.Jahrgang 1983). Der Gastbeitrag von Dombrovskis erscheint mir als ein weiteres lupenreines Exemplar zur Illustration von Brachers genereller Ausführung (der 1983 ganz andere Protagonisten im Sinn hatte). Strategische Interessen an einer Eingemeindung der Ukraine (Wirtschaftspotential, Bodenschätze) kommen als pure Verteidigungsnot gegen Russlands imperiale Ambitionen daher. Lässt man den lange währenden – gut dokumentierten – geopolitischen Kampf um die Oberhoheit im eurasischen Raum und den Kontext der NATO/EU Osterweiterung notorisch einfach weg, gibt es auch keine moralische Unklarheit. Denn Russland hat die Ukraine überfallen. Hey, wer wollte das bezweifeln? „Das Schicksal der Ukraine und das Schicksal Europas sind untrennbar miteinander verflochten“. Punkt.
Zahllose Beiträge dieser Art überschwemmen uns seit Jahren in den Mainstream Medien in Bezug auf den Ukraine Krieg und seine Protagonisten im Westen und Osten. Abweichende Analysen und Ansichten werden ignoriert, diskreditiert und es drohen (als Abschreckung) Folgen bis hin zu EU Sanktionen, die die persönliche ökonomische und soziale Existenz der Betroffenen massiv gefährden. Aus diesen Engführungen des Diskurses erwächst Propaganda, die suggeriert, Kriegstüchtigkeit der Gesellschaft sei unumgänglich! Was ist das für ein Weltbild – mit einem EINZIG Bösen, gegen den die gute Welt aufgerüstet und kriegstüchtig werden muss?