Deutschland sucht den Superraffer

Panik bei unseren lieben Steuerhinterziehern! Plötzlich wird ihnen bewusst, dass sie sich strafbar gemacht haben. Vorher war’s noch eine Art Kavaliersdelikt: Alle machen es, und man wär‘ ja schön blöd, all das schöne Geld einfach dem Staat zu überlassen. Man hat ja noch nicht genug, nicht wahr? Unbescholtener Bürger, der man ist, reich und staatstragend, nicht immer erste Reihe, aber eine klare Meinung zu Hartz-IV-Empfängern: das faule Pack! Und jetzt plötzlich wollen sie sich, nein, will sich Zumwinkel an der Aufklärung der Vorwürfe „aktiv beteiligen“. Aha!

Ja, plötzlich rappelt’s. Es hagelt anscheinend Selbstanzeigen. Dankenswerterweise nämlich haben die ermittelnden Behörden vorab durchblicken lassen, dass sie gedenken, massenhaft zu Hausdurchsuchungen zu … hmm … wie könnte man das nennen? Schreiten vielleicht? Stürmen jedenfalls sieht anders aus. Da sollte so mancher unserer lieben Sünder wohl noch Gelegenheit haben, zur Selbstanzeige zu … nein, nicht zu schreiten. Zu hetzen. Denn dann gibt’s Amnestie. Schön blöd, der diese freundlich ausgestreckte Hand nicht rechtzeitig ergriffen hat.

Das Ansehen unserer lieben Wirtschaftsführungselite jedenfalls ist im Keller. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass sich Supersanierer Josef Ackermann zu Wort meldet und sagt: „Top-Manager müssen Vorbild sein„. Lieber nicht!

„Ja super“, schreibt mir Martin Matthiesen aus Frankfurt, „immerhin wird das hier mal aufgedeckt. Lustig aber, dass diese Affäre (nennen wir es lieber einen Skandal, wenn sich die sogenannte Elite dieses Landes offensichtlich als professionelle Betrüger aufführt) durch Indiskretionen aus genau den Banken aufgedeckt wird, die von dieser Massenkriminalität „fürstlich“ leben. Allerdings frage ich mich, weshalb die Justiz im Voraus bekannt gibt, dass noch hunderte Razzien bevorstehen. Ist das Strafvereitelung im Amt, wenn auf solch plumpe Weise zur strafmildernden oder -befreienden Selbstanzeige aufgerufen wird? Mir ist nicht bekannt, dass vor anderen Polizeimaßnahmen freundlich mitgeteilt wird, dass Festnahmen bevorstehen.
Interessant, dass Roland Koch zu diesem Thema vornehm die Klappe hält, nachdem er meinte, Jugendkriminalität zum Wahlkampfthema machen zu müssen. Ich habe mich schon vor der Wahl gefragt, warum er nichts zur Wirtschaftskriminalität zu sagen hatte. Aber klar, mit der „Elite“ lässt sich gut speisen und wichtig tun.
Wir können sicher sein: Auch Zumwinkel und seinen Betrüger-Kollegen wird vor Gericht weniger passieren als jedem gewöhnlichen Bankräuber. Zum Schluss gibt es eine kleine Geldstrafe, vielleicht Bewährung, und alles ist wieder gut. Bis zum nächsten Mal.“

Gerhard Alexander aus Rodenbach:

„… und Frau Merkel und ihr Lakai Pofalla tun wieder so, als hätten sie die Herren Kohl, Koch, Kanter, Kiep und Weihrauch nie gekannt. Wir sind wieder mal alle empört!“

Harald Merkle aus Berlin:

„Festzuhalten bleibt, dass die Vorfälle in den letzten Tagen – nämlich Steuerhinterziehung in Millionenhöhe und die Rettungsaktion mit 1,2 Milliarden € Steuergelder im Fall IKB-Bank – keine Einzelfälle sind, sondern Teil des Systems ‚Aufbruch in den Neoliberalismus‘, der schon in der Ära Kohl ideologisch mit den Worten einer geistig moralischen Wende eingeleitet wurde. Seitdem haben wir eine zunehmende Verquickung von Politik und Wirtschaft, Stichwort Bertelsmann Stiftung, deren Früchte jetzt unschwer zu erkennen sind. Deutschland ist auf dem besten Wege zu einer Gesellschaft von „Freiheit und Democracy“. Die Szenen in dem gleichnamigen Gedicht von Brecht sind unvermindert aktuell.“

Gerhard Steckenreiter aus Mörfelden-Walldorf:

„Es scheint, als haben Deutschlands Eliten einen neuen Wettbewerb ins Leben gerufen: ‚Deutschland sucht den Super-Raffer‘. Die Ich-Bezogenheit der sog. Stützen unserer Gesellschaft kennt scheinbar keine andere Philosophie als die ungehemmte Durchsetzung des eigenen Egos. Diese Raff-Mentalität entspringt einem parasitären Denken, das jeden Bezug zur gesamtgesellschaftlichen Verantwortung vergessen hat. Dieses Verhalten ist inakzeptabel, da es langfristig zur Auflösung der demokratischen Gesellschaft führt. Die gierigen Manager, deren Kultur vom Grundsatz ‚Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren‘ geprägt ist, richten einen irreparablen Schaden an.“

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40 Kommentare zu “Deutschland sucht den Superraffer

  1. Na jedenfalls werden wir jetzt erleben, daß die Prinzipien der Kuschelpädagogik ganz plötzlich in den Reihen der Regierenden und der Machtinhaber wieder „en voque“ sind.

    Oder gibt es jetzt Bootcamps und Warnschußarreste?
    Oder werden diese Straffälligen gar abgeschoben?

    Schade, daß diese Nachricht so spät kam, sonst hätten wir in Hessen jetzt eindeutige 5,3 Prozent für die CDU.

  2. Ein wichtiger Punkt ist: Arbeitnehmern wird die Steuer monatlich zwangsentzogen. Unternehmer und Freiberufler haben Gestaltungsmöglichkeiten bei der Entrichtung ihrer Steuern. In Deutschland gibt es nicht zuletzt deshalb, wie es immer heißt, das komplizierteste Steuerrecht der Welt. Die Schlupflöcher für die Experten können damit camoufliert werden. Und die meisten Abgeordneten, so meine Vermutung, werden gar nicht wissen, welche Folgen die von ihnen durchgewunkenen Steuergesetze haben.

    Ich lerne daraus: Die Geldelite hat den Staat im Griff. Die Politiker, die jetzt auf die Steuerverkürzer ihre moralischen Keulen niederlassen, sollten eher peinlich berührt sein, da sie für diesen Mißstand verantwortlich sind.

  3. Ja, das war mal ein Schlag ins Kontor. Von wegen Vorbildfunktion der Managerkaste. Davon kann ja jetzt wohl keine Rede mehr sein. Sicher sind nicht alle so exorbitant geldgeil, aber ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber dieser High-Society der Wirtschaft generell wird bleiben. Verständlicherweise.
    Denn so edel sich auch der Manager in der Öffentlichkeit präsentiert, hilfreich ist er in Wirklichkeit wohl nur sich selbst gegenüber. Und wenn ausgerechnet Herr Ackermann nun Vertrauen schaffen will, so macht sich der Bock selbst zum Gärtner.

  4. Pofalle findet es bedenklich, dass Menschen die Millionen verdienen diese ander Steuer vorbeischmuggeln (von wegen diskreditierung des wirtschaftssystems), dass diese jedoch überhaupt Milliionen im Jahr oder gar im Monat verdienen scheint ihn nicht im mindesten zu stören.

    Und bakunix, genau. Die Abgeltungssteuer soll zukünftig Steuerhinterziehung in Deutschland legalisieren, anders kann es nicht bezeichnet werden, wenn die Rot-schwarze Regierung (jawohl die SPD macht wieder mit) auf Zinserträge zukünftig pauschal 25 Prozent entrichtet und damit alle Steuerpflicht abgegolten sind. Profitieren können alle die einen Spitzensteuersatz von über 25 Prozent zahlen (sie müssen ihr Vermögenseinkünfte nicht mal mehr beim Finanzamt angeben und sparen dennoch millionen). Die Dummen sind all die anderen, der Einkommessteursatz unter den magischen 25 Prozent liegt, denn die müssen jetzt auch noch ihr kleines Sparbuch beim Finanzamt angeben, wollen sie wenigstens einen Teil ihrer Abschlagssteuer zurück. Das ganze Gesetz wird damit begründet, sonst würde die Reichen ihr Geld ins Ausland schaffen und garkeine Steuern zahlen. Wer es nicht sinnvoller, den Steuersatz bei der Begründung auf 0 Prozent abzusenken? Dann gibt es keine Steuerlucht und keine Steuerhinterziehung mehr. Ergebnis: Der Staat geht unter und die Polizei,Gefängnis, Feuerwehr wird privatisiert (ach ihr Haus brennt, ja wo sind sie denn versichert? Gar nicht? ja wollen sie nicht eine Versicherung abschließen, ich kenne da einen ganz billigen Anbieter, der versichert sie auch noch wenn ihr Haus brennt)….

  5. Jeder „Otto-Normalverbraucher“, welcher sich durch Steuerhinterziehung strafbar macht, trifft die „Keule“ der Gesetzgebung! Aber „Spitzen-Managern“, wie Zumwinkel und Genossen
    egal ob aus Wirtschaft,Politik oder Sport, welche jetzt ins „Visier“ der Steuerfahndung geraten,haben Beziehungen zu „höchsten“ Regierungskreisen, der Landes-wie Bundespolitik und dürften bei einer evtl. stattfindenten Gerichtsverhandlung,“Rückendeckung“ von oben erhalten!? Beispiele hierfür, gibt es zur Genüge,in dieser unserer Republik!
    Aber so ist es überall, in Politik , Wirtschaft und Sport,nicht nur bei uns in Deutschland!
    Gemäß dem Sprichwort: Die Kleinen hängt man,die Großen lässt man laufen!!!

  6. Im Internet wird man sehr schnell fündig, wenn man gewillt ist, bei höchstem Einkommen niedrigste oder gar keine Steuern zu zahlen. Ich habe mich mal kurz in einen Steuerverkürzer bzw. Schwarzgeldanleger hineinversetzt und nach einer Geldanlage gesucht. Auf der Seite „www.firma-ausland.de“ bin ich schnell fündig geworden. Mir wird angeraten, das erbeutete Vermögen nach – na klar – Liechtenstein zu transferieren. Geworben wird mit folgenden Fakten:

    „Mitte 2003 sind im Fürstentum Liechtenstein nicht nur knapp 33000 Einwohner, sondern auch rund 100000 Aktiengesellschaften, Trust, Stiftungen und Holdinggesellschaften registriert. Sie bieten den steuergebeutelten EU-Bürgern jede nur denkbare Art von Problemlösung an. Folgende Einkünfte bleiben ganz oder teilweise steuerfrei: Einkünfte aus aktiver Tätigkeit, Handel und Beratung, aus Rechte-, Lizenz- und Patentverwertung sowie aus Dividenden, Zinsen und Finanzspekulation. Als weitere Boni gelten Einfuhrfreiheiten, Niedrigzölle, Haftungsbeschränkungen sowie ein intaktes Bankgeheimnis (Europas strengstes), Anonymität und kaum Publizität im Unternehmensbereich. So können Liechtensteiner Unternehmen zu 100 Prozent Ausländern gehören und jederzeit unbegrenzt Kapital einbringen oder rücktransferieren. Alle eingetragenen Gesellschaften sind zu ‚ordnungsgemäßer’ Buchführung verpflichtet, nicht aber zum Publizieren ihrer Zahlen. Anteilsverkäufe bleiben anonym. Außerdem gibt es im Gegensatz zur EU keine Fusionskontrollen, und Kartelle werden nur dann untersagt, wenn sie ‚volkswirtschaftlich schädlich’ sind.“

    Das ist doch schon nahezu der Endzustand, den sich der deutsche Kapitalist und Leistungsträger für sein Heimatland, dem er treu zu dienen gewohnt ist, wünscht. Wenn ich die Verlautbarungen der Kapitalfunktionäre in den Medien wahrnehme, die seit Jahren davon schwadronieren, dass der hiesige Standort „wettbewerbsfähig“ gemacht werden müsse, haben sie sicher derartige Staatsmodelle wie Liechtenstein im Hinterkopf. Deshalb werden sie evt. erst dann zufrieden sein, wenn hier liechtensteiner Verhältnisse ausgebrochen sind. Die Politiker werden’s schon richten.

  7. „Das Kapital ist ein scheues Reh, das sich stets die besten Plätze zum Äsen sucht“, belehrte uns jüngst der Bundesfinanzminister. Entsprechend sanft wird es behandelt. Deshalb nehme ich den Politikern die Krokodilstränen, die sie momentan vergießen, einfach nicht ab. Die die Steuerhinterziehung begünstigenden Verhältnisse werden schließlich von der unheiligen Allianz aus Kapital und Politik bewusst aufrechterhalten. Nur „Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt“ rufen, reicht keinesfalls aus. Das ist bloß die vielfach bewährte Haltet-den-Dieb-Taktik. Was wir brauchen, ist umfassendere Kontrolle. Dann überlegt sich jeder dreimal, ob er seinem Drang, sich per Steuerhinterziehung aus der Solidarität mit der übrigen Gesellschaft zu verabschieden, wirklich Taten folgen lässt.

  8. @bakunix:

    ergänzbar durch folgenden Werbetext:
    „Dabei wird besonderer Wert auf die Berücksichtigung der folgenden Punkte gelegt, um ihnen durch unseren Partner bestmögliche Beraterqualität und natürlich Vermögensverwaltung zu garantieren:

    * Diskretion
    * Unabhängigkeit (es werden keine eigenen Produkte vermittelt)
    * Transparenz in Bezug auf Gebühren und Kosten
    * Unmittelbare Verfügbarkeit der Investitionen
    * Sicherheit auch im Todesfall durch Benennung der Erben, die über das Vermögen verfügen dürfen
    * Schutz vor Gläubigern und auch Angehörigen durch Nutzung des Schweizer Bankgeheimnisses“

    Also tatsächliche Enterbung oder Bereicherung auf Kosten anderer (Schutz vor Gläubigern) sind neben Steuerersparnise anscheinend genauso hoch im Kurs.

  9. nun ja, jetzt fallen wir dankbar über unsere wirtschaftseliten her. sie werden von vielen beneidet, verehrt, gehasst, verdammt oder alles zusammen. der herdenmensch braucht halt einen hirten dem er folgen oder den er anblöken kann. nur selber nicht zuviel verantwortung übernehmen. machen diese, zugegebenermaßen etwas abgehobenen herren (an damen fehlt es in den führungsetagen immer noch), fehler, stürzen wir uns wie hyänen auf sie. recht so, auch hyänen wollen leben. aber nicht vergessen, es gibt auch soetwas wie führung von unten. und diese besteht nicht in erster linie im meckern, sondern spiegelt sich in engagement und einsatzbereitschaft wieder. also nicht resignieren und schimpfen, sondern gewerkschaften und politischen organisationen beitreten und damit anfangen etwas zu verändern. hey ho lets go

  10. @ blau bär:

    … hmmm, dieser Kommentar war wohl mehr Hein Bloed als Blaubär … und bitteschön woher wollen Sie wissen, dass die Kommentatoren sich nicht bereits gewerkschaftlich oder in politischen Organisationen engagieren, möglicherweise schon seit vielen Jahren?

    Und vor allem: Die betrachteten Wirtschaftseliten haben im Fall der Steuerhinterziehung keine „Fehler“ begangen, sondern wissentlich und vorsätzlich, wiederholt und über länge Zeiträume gegen Gesetze verstoßen und sich strafbar gemacht. Insofern müsste eigentlich auch in solchen Fällen der Tatbestand der besonderen Schwere der Schuld eingeführt werden, so dass statt Geldstrafen HAFTSTRAFEN OHNE BEWÄHRUNG und ohne vorzeitige Entlassungsmöglichkeit ausgesprochen werden könnten.

    Auch hier gilt analog zur Folterandrohung: Selbstverständlich sind wir uneingeschränkt für STEUEREHRLICHKEIT – man darf sich eben nur nicht erwischen lassen!

  11. Damit die Begriffe klar beleiben:

    Für das, was Karl Marx das „Kapital“ nannte, wird jetzt gerne und durchaus ernsthaft, um auch ja seine Schutzwürdigkeit zu unterstreichen, von den Renditejägern und ihren Treiberknechten, den Politkern, immer das Wort vom „scheuen Reh“ benutztt.

    Es sei daran erinnert, was Ernst Ulrich v. Weizsäcker, kein bekennender Marxist übrigens, in seinem Vortag „Wider den Sozialdarwinismus“ auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart 1999 zu diesem vernebelnden Sprachgebrauch sagte:

    „Die Unterwerfung des Staats unter das Gesetz der Händler geht so: Das Kapital, welches sich praktisch ungehindert über alle Erdteile bewegen kann, erzeugt einen „Standort-Wettbewerb“ um die günstigsten Investitionsbedingungen. Diesen Standortwettbewerb kann nur derjenige Staat gewinnen, der sich den Gesetzen des Kapitals und seinen Wünschen nach Selbstvermehrung unterwirft.

    Die Vertreter des Kapitals benutzen für diese Unterwerfung übrigens eine rührende Sprechweise. Sie sagen, das Kapital sei „scheu wie ein Reh“. Beim geringsten bürokratischen oder steuerlichen Missklang wird es scheu und geht woanders hin. Gerade diese Märchensprache der angeblich so friedfertigen Händler macht mir die Sache unheimlich. Sie dient auch dazu, sozialpolitisch explosive Tatsachen zu verschleiern: Der Abstand zwischen Reich und Arm vergrößert sich laufend, und die Steuern auf Kapitalzinsen sind viel, viel niedriger als die Abgaben auf Erträge aus menschlicher Arbeit.

    Das Unheimliche am Sieg des angelsächsischen Denkens ist sein verkappter Sozialdarwinismus. Der freie Wettbewerb ist nämlich auch ein System der „natürlichen Zuchtwahl“. Und weiter noch: Beim Wettbewerb der Systeme und der Staaten gegeneinander ist derjenige überlegen, welcher diesen Zuchtwahl-Mechanismus pflegt. Sozialpolitik, juristische Sorgfalt oder Umweltauflagen hingegen wirken meist als Wettbewerbsnachteile im Werben um das scheue Reh Kapital.“

    Den ganzen Vortrag findet man unter:

    http://weizsaecker.bawue.spd.de/index.html?loc=/main.php?docid=0004000201&id=13

    Was es genau mit dem vom Geld zum Kapital verwandelnden Großem Aequivalent auf sich hat, kann man bei Charly nachlesen: Drei Bände, kürzer geht`s nicht!

  12. Entschuldigung aber der letzte Satz in o. #12 ist mir in der Schwärze der Nacht etwas verunglückt. Es muß heißen:

    „Was es genau mit dem vom Geld zum Kapital sich verwandelnden Großen Aequivalent auf sich hat, kann man bei Charly nachlesen: Drei Bände, kürzer geht`s nicht!“

  13. Kampf der Steuerflucht!
    (Aus dem kleinen Handbuch für Steuerfahnder)

    Die Bundesrepublik hat eben
    ein kleines Handbuch rausgegeben,
    damit’s dem Steuerfahnder nützt
    und seine Arbeit unterstützt,

    wenn der, die Steuerflucht zu hindern
    und Hinterziehung zu vermindern,
    sich aufmacht kreuz und quer durchs Land
    im Steuerfahnder-Kampfverband.

    Hier lest ihr schon mal auszugsweise
    ein Stück des Handbuchs, das im Kreise
    der Hochfinanz und Industrie
    die Sünder zittern lässt – und wie!

    Gar manche steh’n schon an der Klippe
    und andre netzen ihre Lippe
    wohl bald mit Zyankali-Saft.
    Und wirklich hart und voller Kraft

    sind dieses Handbuchs Paragraphen!
    Sie finden, packen und bestrafen
    in Windeseile jedermann,
    der nicht den Nachweis führen kann,

    dass er den Lohn, die Honorare,
    die Schecks sowie auch alles Bare,
    das Börse, Strumpf und Konto füllt
    dem Staat in Wahrheit treu enthüllt,

    um dann entsprechend – ohne Lücken! –
    die Steuerschulden abzudrücken. –
    Hier also kommt jetzt mein Versuch,
    die Quintessenz aus diesem Buch

    für Fahnder einfach darzustellen.
    Vier Punkte sind’s, getreu den Quellen
    in aller Kürze aufgeführt:
    Der allererste Punkt berührt

    die Pflicht der Fahnder, nicht zu schweigen,
    vielmehr den Medien anzuzeigen,
    man habe jemand im Visier.
    Den Sinn der Übung ahnen wir:

    Es geht darum, durch die Erregung
    (wie sie entsteht bei Offenlegung
    des Tatverdachts), durch Angst und Schock
    im Steuer-Delinquenten-Block

    Gewissensnot hervorzubringen,
    zur Selbstanzeige den zu zwingen,
    der vor Entsetzen wie gelähmt.
    Auch setzt man drauf, dass er sich schämt

    (denn Steuerflucht ist ziemlich böse!)
    und wartet, dass man ihn erlöse,
    indem man ihm die Strafe gibt,
    wie sie die echte Reue liebt!*

    Der zweite Punkt ist fahndungstaktisch
    und für die Sache doppelt praktisch:
    Man lasse recht viel Zeit vergeh’n,
    bis Fahnder vor den Türen steh’n.

    Das dient der guten Vorbereitung
    der Razzien und auch der Begleitung
    des Steuersünders durch dem Staat,
    der ihn vermittels Mediensaat

    tagtäglich lockt, dass er sich stelle.
    (Ein Nebennutzen ist die Welle
    der Reißwolf-Absatzsteigerung!)
    Punkt drei bringt jetzt den rechten Schwung:

    Man warte nämlich nicht mehr länger
    und starte beim Hartz IV-Empfänger
    und weite dann die Razzien aus:
    Geringverdiener, Armenhaus

    und die Bezieher kleiner Renten,
    Stadtstreicher, Ewige Studenten
    sind dabei erstes Fahndungsziel!
    Dann kommt der Mittelstand ins Spiel

    und wenn genügend Zeit vergangen,
    lohnt’s bei den Reichen anzufangen,
    die nämlich sind dann wohl soweit:
    Zur Reue war genügend Zeit,

    auch hat man jetzt den Kram beisammen:
    Man weiß, woher die Gelder stammen,
    für die man Steuern hinterzog.
    Vollständig ist der Katalog

    der eingesparten Steuerlasten.
    Das alles ist in einem Kasten
    jetzt schön geordnet und verpackt. –
    Punkt vier beschreibt den letzten Akt:

    Wen Fahnder nämlich jetzt noch greifen,
    zählt wohl auch geistig zu den Pfeifen
    und wird, bevor sein Hirn zerfällt
    rasch in die Klapse überstellt,

    dort ist er bestens aufgehoben! –
    Zum Schluss: Ich muss das Handbuch loben!
    Ganz ohne Gnade und Humor,
    geht es mit großer Härte vor!

    Wie alte Leute bei Gewittern
    wird jetzt der Hinterzieher zittern. –
    Der deutsche Staat weiß wie man’s macht!
    Ihr Steuersünder gebt nur acht,

    man hat euch längst im Fahndungsraster,
    drum rückt heraus den Steuerzaster,
    ihr schlimmen Jungs, euch kriegen wir! –
    Oh Gott, es klingelt grad bei mir!

    * Martin Luther: „Echte Reue liebt die Strafe!“

  14. @ 68er #12/13

    „kann man bei Charly nachlesen: Drei Bände, kürzer geht`s nicht!“

    Na mein Lieber, da haste dir aber was vorgenommen, wo du doch eigentlich vor der Pensionierung nicht zum Lesen kommst.

    Aber vielleicht kannst du ja schon mal etwas vorblättern und für mich die Stelle suchen, wo steht, „Was es genau mit dem vom Geld zum Kapital sich verwandelnden Großen Aequivalent auf sich hat“. Das würde ich auch ganz gerne verstehen.

  15. Ich vermisse in der Disk das Argument der mangelnden Kontrolle. Immer wenn von Schwarzgeldern geredet wird, ist die Empörung groß. Die zur Kontrolle nötigen Fahnder aber werden nicht beschäftigt. Muß sich denn die Politik nicht selber bezichtigen, Steuerhinterziehung zu fördern? Ach ja, Beschäftigte im Öffentlichen Dienst kosten zu viel. Deshalb werden es ja auch seit Jahren immer weniger. Demnächst wird die Steuerhinterziehung noch mehr gefördert, wenn erst das Abgeltungsgesetz in Kraft tritt. Soll aber niemand sagen, dass dann mehr Steuern in die Kassen des Fiskus fließen wird. Dann werdeb eben die Gesetze entsprechend geändert. Wo kommen wir denn hin, dass das grenzüberschreitende Kapital mittels Tobin-Tax auch noch kontrolliert wird.

  16. Lieber heinrich,

    wir wollen doch jetzt keinen Grundkurs zu

    Karl Marx, Das Kapital, MEW23, Zweiter Abschnitt: Die Verwandlung von Geld in Kapital

    für die FR-Blogger anfangen oder?

    Du wirst mir den lyrischen Ton zur späten Nachtzeit verzeihen, aber nur im Morgengrauen ist das Reh zu beobachten – anders ist es mit der Eule.

    Außerdem wollte ich arglos nur die Nichtgrundkursler mit kleinem Latinum auf die Spur bringen, dass das allgemeine Tauschmittel Geld durchaus nicht mit dem gleichgesetzt werden sollte, was sie zu oft (ihr) Kapital nennen.

    Falls Du aber doch noch eine feine kleine Diskusssion bei Charly anfangen möchtest, ich erwarte Deine gedankenträchtigen Anstöße abseits des Fußballplatzes jederzeit gerne.

  17. Lieber Herr Gerölleimer,

    trotzdem, dass Sie im Steinbruch des Kapitalismus zu arbeiten scheinen, sind Sie auf dem Holzweg: Das Kapital, bzw. die darüber Verfügenden lassen sich nicht kontrollieren, da Sie selber die Kontrolle ausüben. Ändern könnte da nur etwas, das die Rolle des Kapitals entscheidend modifizierte. Einfache Steuermodelle, die systemimmanent ableitbar sind, ändern nichts, sie wechseln nur die Beleuchtung.

    Fragen Sie mal Mr. Slate!

  18. Pingback: Soziblog
  19. @ 68er

    Nein, an dem Grundkurs bin ich nicht interessiert. Deine Art zu schreiben erinnert mich doch sehr an die linksradikalen Dogmatiker deiner Namensgeber, der 68er: Personalisierung des Kapitalismus mit pejorativen Attributen („Renditejäger“, „Treiberknechte“) und inhaltsleere Berufung auf Autoritäten (Marx). Nur kann man damit im Gegensatz zu damals heute niemanden mehr beeindrucken.

    Ich sehe nicht, wer hier Geld als Tauschmittel mit Kapital gleichgesetzt hätte, und wenn, wäre es sicher hilfreicher, den Unterschied verständlich zu erläutern, als den Betreffenden drei Bände Kapital an den Kopf zu werfen und das mit einem Satz zu spicken, der aus nichts als sprachlichem Kauderwelsch und gedanklichem Unsinn besteht.

    Und was soll mit der Lyrik des Sonntags- und Kirchentagsredners Weizsäcker gezeigt werden? Ein bisschen Kapitalismus- und Globalisierungskritik, ein bisschen Umweltschutz, ein bisschen Frieden. Wer hat da schon etwas dagegen?

    Was mich an dem Zitat sofort stutzig gemacht hat, ist die Rede vom Gesetz der „Händler“ statt des Kapitalismus. Wo im gegebenen Zusammenhang der Händler erscheint, ist DER JUDE nicht fern. Und richtig führt Weizsäcker in dem erweiterten Text seine Gedanken auf Sombart zurück, dessen Kapitalismuskritik die Nationalsozialisten angeblich „ruchlos als Waffe zur Diskreditierung der Juden“ einsetzten, offenbar ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass Sombart selber schon zu einer ruchlosen Generation gehörte, für die der Antisemitismus bereits zum entscheidenden ideologischen Bindemittel ansonsten ganz heterogener sozialer Schichtungen und politischer Strömungen anancierte, woran die Nazis ganz bruchlos anknüpfen konnten.
    Das kalte profitorientierte „angelsächsische Denken“ der Händler, die sich global die Staaten unterwerfen, nimmt dann auch noch umstandslos die Rolle der jüdischen Weltverschwörung ein.

    Dass jemand, der solcherart plakative Denkmuster an die Stelle von Analyse und theoretischer Durchdringung setzt, „kein bekennender Marxist“ ist, beruhigt mich ja nun doch einigermaßen, obwohl Karl Marx das übrigens von sich auch ausgesagt hat.

  20. @ 68er, Nr. 18
    Wie Heinrich möchte ich nicht in einen Marxismus-Grundkurs einsteigen (nachdem ich schon einen zwangsweise in der CSSR und einen freiwillig in Deutschland absolviert habe), aber Ihre Antwort an Barney Gerölleimer verstehe ich nicht. Es geht doch nicht um die Besteuerung des Kapitals (und schon gar nicht um seine Kontrolle), sondern um die Besteuerung der Einkommen.

    Dass man diese durchaus kontrollieren kann, zeigt die Schweiz. Dort sind die Einkommenserklärungen der Bürger jedem Schweizer zugänglich, damit er prüfen kann, ob sein Nachbar oder Kollege nichts verschweigt.

  21. @21. Abraham

    Ja Abraham, da sind Sie aber einer schönen Zeitungsente aufgesessen, dass die „Einkommensteuererklärungen der Bürger jedem Schweizer zugänglich sind“. Alle meine schweizerischen Freunde würden jetzt tagelang „im Kreis springen“, wenn dem wirklich so wäre.

    Tatsache ist, dass die Gemeindesteuerämter in einigen Kantonen gegen eine Gebühr Auskunft geben über die Gesamtsume des zu versteuernde Einkommens und Vermögens und (bei Unternehmen) über den zu versteuernden Reingewinn. Und diese Auskunft ist vielerorts auch relativ leicht sperrbar, so dass der Anfragende dann sein berechtigtes Interesse nachweisen muss und die Auskunft erst erteilt wird, wenn ein „rechtskräftiger Beschluss“ vorliegt. Aber wie gesagt, Sie kriegen als Info allenfalls die Gesamtsumme, nicht detailliert aufgelistete Einzelpositionen und dies auch nur für die jeweils letzte Steuererklärung.

    Was würde das im Fall „deutsche Wirtschaftselite“ nutzen, wenn die Auskunft ergibt: Dr. neolib. Helmut-Josef Raffgier hat 3.8 Mio Euro zu versteuerndes Einkommen und 2,8 Mio Vermögen? Dann kann er trotzdem über die Jahre hinweg unversteuerte 20 Mio Euro bei einer Lichtensteiner Bank angelegt haben und niemand würde es merken. Sie denken ja wohl nicht im Ernst, dass Zumwinkel oder irgend ein anderer Manager unplausible Einkommensteuererklärungen abgegeben haben – das wäre den Finanzbehörden ja sofort aufgefallen.

    Was hier zur Debatte steht ist die kriminelle Energie, mit der nicht offensichtlich erkennbare Gehalts- und Gewinnanteile der Steuer hinterzogen wurden. Und da hilft (leider!!!) auch kein Offenlegen von aggregierten Daten aus einem eventuell anzulegenden „Steuerregister“.

  22. @Fiasco,

    soweit ich es verstanden habe, hat Herr zumwinkel /und so viel andere, ihr (soweit ordentlich verstuertes Geld) in Lichtenstein in Stiftungen angelegt, wo sie die Kapitalerträge des offensichtlich zu üppigen Gehalts (sonst hätte er(sie nicht so viel Beiseite legen können) steuerfrei sich anhäufen ließen. Immerhin bei Einkommensklassen eines Herrn Zumwinkel eine knappe Verdopplung der Rendite. Da werden selbst die DAX Konzerne neidisch…

  23. *) Ich vergaß die Fußnote, dass der Name Dr. neolib. Helmut-Josef Raffgier frei erfunden ist und irgendwelche Ähnlichkeiten mit lebenden Personen reiner Zufall ist – besonders was den Josef betrifft!

  24. @ 20. heinrich und 21. Abraham

    Also bevor ich jetzt in Morpheus´ Arme mich begebe, muss ich doch den Herren Heinrich und Abraham sagen, dass ich ein bißchen mehr Humor erwartet hätte: Das „Oder“ in meinem „Grundkursangebot“ an minestens Oberseminaristen war wohl nicht ironieenthüllend genug?

    Dass heinrich sich den „linksradikalen Dogmatiker“ (kein „pejoratives Attribut?) nicht verkneifen konnte spricht für sich, aber gegen freunliche Umgangsformen. Dass dem „Reh“, Jäger und Treiber zugesellt wurden, war mehr ein Sprachspiel als wirklich beleidigend. Aber in Bremen angeln Sie ja wohl auch eher bewegungslos von der Kaimauer.

    Wo ich behauptet hätte, dass jemand im Blog „Geld“ und „Kapital“ nicht ausseinanderhalten könnte, wüßte ich auch nicht, dachte nur, dass könnte bezüglich der Fragen, „Was ist Reichtum?“, „Wann und wie begründet er Macht?“ ein interessanter Ausgangspunkt sein. – Aber bitte, muss nicht sein.

    Aber wenn mir schon höflichst „gedanklicher Unsinn“ und „sprachlicher Kauderwelch“ vorgeworfen wird, lieber heinrich, dann darf ich Dich doch darauf hinweisen, dass mein solchermaßen charakterisierter Satz meinen Beitrag wohl kaum „spicken“ könnte, da Spicken immer eine Aufwertung des Bratens zur Folge hat, er wird saftiger.

    ++++

    Ihnen, Abraham, will ich – jetzt ernsthaft – diese (Rück)fragen stellen:

    Glauben Sie allen Ernstes, dass die Tobin-Steuer, als welteinheitliche Steuer für internationale Devisentransfergeschäfte, den Kapitalfluss wirklich verändern würde?

    Wie hoch sollte diese Steuer sein, um dies zu bewirken?

    Warum sollte dieses Steuerinstrument wirklich eine wesentlich andere Wirkung haben als nationale Steuern auf dasselbe Geld.

    Warum sollte sie, bei Bedarf, anders in der Höhe verändert werden als die existierenden Kapitalertragsteuern jetzt schon? Eine solche Transfersteuer, wäre nämlich nur eine (indirekte) Ertragssteuer. Sie würde eingepreist, liefe durch und das Kapital flösse weiter zu seinen günstigsten Renditeplätzen. Ein Systemwechsel fände nicht statt, eher würde der Konzentrationsprozess und die Monopolbildung beschleunigt: Die „Großen“ würden sich diese Steuer, wie alle anderen auch, immer leisten können oder „umgehen“.

    Ihre Hoffnung auf effektive Kontrolle der wahren Kontrolleure der Herrschaft in allen Ehren, aber wer sollte diese in den eigenen Reihen beschließen? Welche Instanz wäre mächtiger und hätte ein anderes Interesse, als das Kapital und die ihm zudienende Politik, so zu handeln?

  25. @ 68er

    hier (damit sie sehen, ich lerne von Ihnen)

    Wir diskutieren hier über Steuerhinterziehung, nicht über den globalen Kapitalismus. Ich habe nicht behauptet, dass man durch Besteuerung Kapitalströme steuern kann. Es geht „nur“ darum, dass von den Erträgen Steuer zu zahlen sind. Man kann auch darüber diskutieren, ob ein einfaches, transparentes Steuersystem mit niedrigeren Steuersätzen, dass ausnahmslos auf alle Einnahmearten angewendet wird, nicht doch sinnvoll wäre – ohne gleich die „Systemfrage“ stellen zu wollen.

  26. Bronski, wie haben Sie aus dem sichtbaren Link das hier mit verstecktem Link gemach? Sie können mir auch per Mail antworten!

  27. @ 27. abraham,

    dann sind wir uns inhaltlich erstmal einig, nachdem sich vielleicht ein Mißverständnis eingeschlichen hatte: Herr Gerölleimer – der im Comic (dutsch) eigentlich „Geröllheimer“ heißt -, hatte, wenn ich Ihn recht verstand die Tobin-Steuer als probates Mittel für das vorliegende Problem vorgeschlagen (s. #16). Sie gingen auf diesen Beitrag ein, ich knüpfte wiederum daran an: Die Tobin-Steuer ist logisch eine Einkommensteuer (Ertragssteuer): Sie besteuerte Einkommen, dass ins Ausland transferriert wird. Unser Problem sind (unversteuerte oder bereits versteuerte Einkommen, die ins Ausland transferriert werde, weil sie dort gewinnbringender als im Inland angelegt werden sollen und nicht (vollständig) zurückfließen. Dagegen könnten vielleicht Steuermaßnahmen und bessere Kontrolle helfen. Trotzdem bliebe das grundlegendere, entscheidendere, schwerwiegendere Problem, das der „Ansammlung“ von großem Vermögen durch ungerechte Abschöpfung von Mehrwehrt bei wenigen, das dann wieder „kapitalheckend“ oder „nur“ zinsbringend für wenige eingesetzt wird, unberührt und ungelöst. Die „Wenigen“ werden so immer das „Mehr“ gegenüber den „Vielen“ besitzen und es so oder so weiter vermehren – mal langsamer mal schneller, aber gewiß.

    Oder vielleicht einfacher gesagt: Viel Geld haben ist nicht schlimm, aber es in den Kapitalkreislauf W-G-W einbringen und sich dabei den durch Arbeitskraft zugeführten Mehrwert aneignen, schaftt ein ernstes Problem, das nicht durch Drehen an der Einkommenssteuerschraube gelöst werden kann – Kontrolle hin, Kontrolle her.

  28. @ 68er

    Für jemanden, der es geschafft hat, drei Bände von Charlies Kapital durchzulesen, gehen Sie sehr sorglos mit Begriffen um. Steuerflucht und Kapitalflucht sind völlig was anderes. Das in Lichtenstein „untegebrachte“ Geld ist zwar dem deutschen Fiskus (der Besteuerung) entzogen, nicht aber automatisch auch dem deutschen Markt. Es bleibt doch nicht im Lichtebnsteinischen Briefkasten liegen, sondern wird weiter investiert, angelegt oder anderswertig im Wirtschaftskreislauf verwertet. Umgekehr ist eine Kapitalflucht nicht unbedingt auch eine Steuerflucht. Ein Anleger, der sein Kapital im Ausland investiert oder dort sein Geld anlegt, entzieht es zwar dem deutschen Wirtschaftskreislauf, versteuert aber u.U. (wenn er ehrlich ist) die Erträge in Deutschland. Schließlich wird die Tobin-Steuer nicht diskutiert, um Kapitalflucht ins Ausland (d.h. Investitionen außerhalb Deutschlands) zu vermeiden, sondern um kurzfristige „spekulative“ Finanztransaktionen zu erschweren, bei denen Geldmittel in kurzer Zeit zigfach umgewälzt werden (wo dabei Mehrwert abgeschöpft wird, werden Sie mir wohl nicht ganz leicht erklären können).

  29. @ #30 abraham.

    … wie gesagt, ich wollte hier keine Vorlesung in Marxismus halten.

    Mein Punkt war einzig und allein deutlich zu machen, dass ich jede Diskussion zum Thema „Zähmung des Kapitals“ für müßig halte, solange es dabei, danach weiter herrschen kann. Ob solche Rezepte „Tobin-Steuer“, „Kontrollen“ gegenüber Kapitalflüssen oder Steuerhinterziehungen jeder Art, wie hier diskutiert, heißen, sie heilen nicht die Krankheit.

    GANZ KURZ zur Mehrwertabschöpfung: Ich glaube, wir können uns einig sein, dass beim Umschlag W-G-W, dabei im Produktionsprozess der Ware, der von Marx definierte Mehrwert entsteht, den sich der über die Produktionsmittel verfügende Kapitalist ungerecht aneignet gegenüber einer gerechten Beteilung des wirklich Produzierenden (der menschlichen Arbeit).

    Wenn diese Produktion von Ware (und Kapital) und die Erfüllung des Renditeanspruches heute (fast)nur noch nur über den Weg der dabei „integrierten“ internationalen Kapital- und Steuerflucht für das Kapital möglich ist, nur so der wesensnotwendige Akkumulations- und Konzentrationsprozess aufrecht erhalten werden kann – erst jetzt erscheint der wirklich einheitliche „Weltmarkt“ erreicht -, so ist dies alarmierend, setzt aber nicht das Kapitalgesetz, den tendenziellen Fall der Profitrate und den Prozess der Verelendung – verschleiernd wird heute von „Prekariat“, „gering bezahlten Beschäftigungsverhältnissen“ gesprochen – außer Kraft.

  30. @ 68er

    Wenn du keine Vorlesung in Marxismus halten möchtest, wieso lässt du es dann nicht und ersparst dir dadurch die Peinlichkeit?

    Da mein schlichtes Verdikt „Unsinn“ dir zu unhöflich ist, hier ein sachlicher Kommentar zu deiner GANZ KURZen Erläuterung:

    Erstens heißt es nicht „Wertausschöpfung“, sondern „Wertschöpfung“. Hier wird nichts mit der Kelle geschöpft, sondern „Schöpfung“ bedeutet hier, wie in der Bibel, „Schaffung“ von Wert.

    Zweitens kennzeichnet der Kreislauf W(are)-G(eld)-W(are) eben nicht die Mehrwertschöpfung, sondern den einfachen Äquivalententausch. „Äquivalent“ bedeutet: gleicher Wert in anderer Form. (Ein „großes“ Äquivalent, wie oben von dir angeführt, ist logischer Widersinn.) Der Zweck und das Ergebnis der Zirkulation W-G-W ist die Konsumption eines anderen Gebrauchswertes als den ich besitze. (z.B. ein bestimmtes Maß Weizen gegen ein gleichwertiges Kleidungsstück). Die Zirkulation endet mit dem Konsum, das Geld ist daraus verschwunden, es spielte eine bloße Vermittlerrolle.

    Die gegenläufige Zirkulation ist: G-W-G. Die ist als Tausch unsinnig, wenn als Ergebnis eine gleichwertige Geldsumme herauskommt, wie ursprünglich ausgegeben. Diese Zirkulation hat nur Sinn, wenn ich z.B. als Händler für die erstandene Ware beim Verkauf mehr erziele als ursprünglich ausgegeben: G-W-G‘. (100 Taler – Tuchballen – 110 Taler). Dieses „Mehr“ (hier 10 Taler) nennt Marx Surplus oder Mehrwert. Der Zweck dieses Tauschs ist nicht die Konsumtion der Ware, die ist hier bloßer Vermittler und verschwindet aus dem Kreislauf, sondern die Erzielung des Mehrwerts.
    Das solcherart angesammelte Kapital der Kaufleute ist die „ursprüngliche Akkumulation des Kapitals“ das dann im eigentlichen Industriekapitalismus in Arbeitskraft investiert wird. Die Arbeitskraft besitzt nämlich die Fähigkeit, in einer Zeiteinheit mehr zu produzieren als (in Form von Existenzsicherndem (!)Lohn)zu verbrauchen.

    Den solcherart geschaffenen Mehrwert anzueignen ist nicht ungerecht, sondern ökonomisch rational und das einzige oder jedenfalls wesentliche Motiv des Kapitalisten für seine Investition. Die moralische Gerechtigkeitsperspektive kritisiert Marx in diesem Zusammenhang an Lassalle in der „Kritik des Gothaer Programms“.

    Marx hält den Kapitalismus vorwiegend aus ganz anderen Gründen für überholt und überwindenswert. Aber das können wir in dieser elementaren Grundkurs-Stunde nicht behandeln.

  31. zumal scheinbar ein langjährige Lektüreleser (MArx-Lesekreis?) am schreiben ist. Waren sie etwa mal in eine „K-Gruppe“ ? 😉

  32. Mit bewundernder Ehrfurcht lese ich all die klugen Kommentare mancher Blogger an dieser Stelle und frage die Experten mal ganz unwissend:
    Warum ist Liechtenstein eine abzuschaffende Steueroase, Eschborn aber nicht?
    Warum ist es kriminell, durch Kapitalverschiebung im Ausland Steuern zu sparen, im Inland aber legal, wie im Falle der Börse Frankfurt?
    Die Börse will in Eschborn 100 Mio Steuern pro Jahr sparen, soviel hat Zumwinkel vermutlich nicht geschafft.
    Warum dürfen Privatpersonen im Kleinen nicht das tun, wofür Firmen ganze Stäbe hochbezahlter Westenträger beschäftigen?
    Wie definiert man Steuermoral?

  33. @ heinrich

    als zwar nicht K-gruppen-Angehöriger, aber freier „geist“ bin auch ich an Grundkursdiskussionen nicht uninteressiert, wollte aber hier niemandem dergleichen aufdrängen. Aber wie ich sehe, besteht Nachfrage.

    Ich würde sie allerdings gerne führen, ohne oberlehrerhaften Ton auf anderer, wie auch auf meiner und Seite, genauso wie ich mir wünschte, auf Zuschreibungen wie angeblich oder tatsächlich „zu ersparende Peinlichkeiten“ einem Diskutanten gegnüber zu verzichten.

    Nun zum „Eigentlichen“: Weder hatte ich die mir begrifflich sehr wohl bekannte „Mehrwertschöpfung“ als solche diskutieren oder erklären wollen, noch überhaupt nur das Wort „Mehrwertaussschöpfung“ benutzt.

    Ich möchte mich hier nicht unnötig wiederholen, aber es ging mir eben einzig und allein darum, anzusprechen, dass weder Kontroll- noch Steuermaßnahmen innerhalb des gesamten kapitalistischen Produktions- und Herrschaftsverhältnisses angebracht, dessen Charakter brechen würden: Nehmen wir an für die abhängig arbeitenden Menschen im Kapitalismus, würden „genauere“ Kontrollen des Kapitalverkehrs angesehen als Maßnahme zur Schaffung günstigerer Umstände „worin sich Lohnarbeiter erhalten“, so würde doch gelten – ich lasse die Quelle sprechen:

    „Die mehr oder minder günstigen Umstände, worin sich die Lohnarbeiter erhalten und vermehren, ändern jedoch nichts am Grundcharakter der kapitalistischen Produktion.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 641.

    „Unter den bisher unterstellten, den Arbeiter günstigsten Akkumulationsbedingungen kleidet sich ihr Abhängigkeitsverhältnis vom Kapital in erträgliche … Formen. Statt intensiver zu werden mit dem Wachstum des Kapitals, wird es nur extensiver, … Von ihrem eigenen anschwellenden und schwellend in Zusatzkapital verwandelten Mehrprodukt strömt ihnen ein größerer Teil in der Form von Zahlungsmitteln zurück, so dass sie den Kreis ihrer Genüsse erweitern, ihren Konsumtionsfonds von Kleidern, Möbeln usw. besser ausstatten und kleine Reservefonds von Geld bilden können. So wenig aber bessere Kleidung, Nahrung, Behandlung und ein größeres Peculium (anvertrautes Vermögen) das Abhängigkeitsverhältnis und die Ausbeutung des Sklaven aufheben, so wenig die des Lohnarbeiters. Steigender Preis der Arbeit infolge der Akkumulation des Kapitals besagt in der Tat nur, dass der Umfang und die Wucht der goldnen Kette, die der Lohnarbeiter sich selbst bereits geschmiedet hat, ihre losere Spannung erlauben.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 645f.

    Engels 1885 im Rückblick auf 1845: „Und so hat die Entwicklung der kapitalistischen Produktion allein hingereicht, wenigstens in den leitenden Industriezweigen … alle jene kleineren Beschwerden zu beseitigen, die in früheren Jahren das Los des Arbeiters verschlimmerten. Und so tritt mehr und mehr in den Vordergrund die große Hauptursache, dass die Ursache des Elends der Arbeiterklasse zu suchen ist nicht in jenen kleineren Übelständen, sondern im kapitalistischen System selbst.“ F. Engels, Anhang zu „Lage der Arbeiter“, MEW 21, 252.

    Also heinrich, erfreue uns mit Deinen immer wieder interessanten sachlichen Erläuterungen, aber spare Dir bitte die negativen persönlichen side kicks. Peinlichkeiten dieser Art empfinde ich viel gravierender, als ein möglicher Irrtum bei der Erläuterunmg des tendenziellen Falls der Profitrate durch mich oder einen von uns.

    Uwe Theel aka 68er

  34. @ Inga Wolf # 34

    Von wegen „K-Gruppe“. Marx wurde nach 68 auch bei den Jusos intensiv studiert, allerdings (wie bei anderen undogmatischen Linken) oft aus Veröffentlichungen des belgischen Trozkisten Erns Mandel (der unter der sozial-liberalen Regierung mit Einreiseverbot belegt war.

    Wieviel wir davon verstanden haben und ob uns dies für die Diskussion heutiger Probleme wirklich hilft, bleibt allerdings fraglich.

  35. @ Uwe

    Lieber Uwe,

    Du reagierst auf meine Kritik mit ellenlangen Erklärungen und Rechtfertigungen, die mit dem Gegenstand der Kritik gar nichts zu tun haben.
    Worum es dir „einzig und allein“ geht, stand für mich überhaupt nicht zur Debatte, und ich beziehe mich in meiner Kritik auch nicht auf deine Person, sondern auf deine Ausführungen, und wenn die sprachlich konfus und inhaltlich verdreht sind, nenne ich sie ggf. sprachlichen Kauderwelsch und sachlichen Unsinn. Dass ich das ausdrücke, musst du mir schon zubilligen, und das muss jemand, der so austeilen kann wie du, schon ertragen, finde ich.

    Trotzdem: Wenn du dich von mir persönlich gekränkt fühlst, entschuldige ich mich dafür, denn meine Absicht ist es ja hier nicht, jemanden persönlich herabzuwürdigen, dessen Beiträgen ich im übrigen ein hohes Maß an Zustimmung entgegenbringe, ohne das ich das jeweils im einzelnen kundtun muss.

    Niemand zwingt dich aber ja doch dazu, hier die Marxsche Arbeitswertlehre zu erläutern, aber wenn du es schon unternimmst, sollte die Erläuterung stimmen, sonst kritisiere ich sie und stelle sie richtig. Das ist mir die Marxsche ökonomische Theorie schon wert, die, da sind wir uns ja wohl einig, ohne uns gegen das deplatzierte K-Gruppen-Verdikt verteidigen zu müssen, von den zeitgenössischen „Wirtschaftsweisen“ überhaupt noch nicht eingeholt ist, die nicht einmal in der Lage sind, den Konjunktur- und Krisenzyklus rational zu erklären.

    Umso präsenter werden ihre Adepten in den Medien. Früher gab es Börsennachrichten im Fernsehen überhaupt nicht, im Rundfunk hatten sie in etwa den Stellenwert des Seewetterberichts.
    Wenn ich mir heute in allen Fernsehnachrichten die biologistischen Gesundbeter der Kapitalbewegung anhören muss, für die die Börse ein empfindsames Lebewesen ist, das mal schwächelt, sich mal erholt und mal mit Freude und mal mit Verärgerung auf die Aktivitäten von Politikern und Unternehmensvorständen reagiert, dann kriege ich allerdings persönlich die Krise.

    Ich hoffe, wir verstehen uns da!

    @ Abraham

    „Wieviel wir davon verstanden haben und ob uns dies für die Diskussion heutiger Probleme wirklich hilft, bleibt allerdings fraglich.“

    Die 68er Protestbewegung kam viel zu eruptiv, als dass ihre Protagonisten Zeit genug für eine intensive theoretische Beschäftigung mit der Marxschen Theorie gehabt hätten.

    Ob diese uns für die Diskussion heutiger Probleme helfen könnte, ließe sich wirklich erst ausloten, wenn sie in den Wissenschaften ernsthaft einer kritischen Rezeption unterzogen würde, losgelöst von antikommunistisch motivierter Ignoranz einerseits und ideologisch motivierte Dogmatismus andererseits.

  36. @ Heinrich
    Einverstanden; ich will nicht noch eine weitere „Baustelle“ für die hochinteressante Diskussion mit Dir anfangen. Vielleicht irgendwann später.

  37. @abraham,

    ich versah angesichts der aufkeimenden „Kommunistenhetze“ und Schlagwort-Reaktionsmuster, die kompetenten Ausführungen zu Marx mit dem ironischen Beisatz, ob ihr nicht etwa in einer K-Gruppe ward, dann müsste ich nämlich (dogmatisch) gesehen ja mit Euch brechen, denn Kommunisten sind böse, immer und überall.

    🙂

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