Ein Grundrauschen von patriotischem Geraune

Wollen wir über die Wehrpflicht diskutieren? Ich nicht. Ein paar Konservative in der CDU hätten das gern, aber wir lassen uns hier ja nicht von jedem Hinterbänkler ein Thema setzen, oder? Auch wenn es stimmt, dass die Wehrpflicht vom damaligen Verteidigungsminister zu Guttenberg in einer Art Nacht-und-Nebel-Aktion ausgesetzt wurde, ohne breite gesellschaftliche Diskussion. So läuft das eben in der Ära Merkel. Es wird nicht diskutiert, weder breit noch gesellschaftlich. Merkel hat ihre eigene Form des Basta! entwickelt: Fakten schaffen, still und leise.

Niemand braucht die Wehrpflicht, am wenigsten die Bundeswehr in ihrer jetzigen Organisationsstruktur als Berufsarmee. Die Konservativen stellen sich das als eine Art Pflichtdienstjahr für jugne Männer und Frauen vor, das auch im sozialen Bereich abgeleistet werden kann, und denken sich dabei, dass dies ein Weg sei, jungen Menschen außerdem noch ein bisschen Gemeinsinn beizubringen. Typisch für Konservative! Sie scheinen wenig Vertrauen in die Familien zu haben, in denen diese jungen Menschen aufwachsen. Dabei ist die Familie doch die Keimzelle des Staates, nicht wahr? Auch in die Schulen haben sie kein Vertrauen, dass die den jungen Menschen Werte und demokratische Denkweisen nahegebracht hätten. Nein, es muss dann noch ein Pflichtdienstjahr sein. Wollen wir vielleicht gleich Arbeitsdienst dazu sagen? Nein, das wäre ein Nazivergleich, und so was machen wir nicht.

Ach, wie geschunden muss die konservative Seele in Teilen der CDU sein, wenn es eines solchen Themas bedarf, um sie zu streicheln. Oder ist auch das wieder nur ein Reflex auf die AfD? Die will die Wehrpflicht auch zurückhaben. Kriegt Ihr aber nicht. Um SPD-Chefin Andrea Nahles zu zitieren: Bätschi!

Balken 4Leserbriefe

Ulrich Carmesin aus Wiesbaden meint:

„Die von Seehofer losgetretene Debatte hat offensichtlich die Absicht, angesichts der desaströsen Wahlprognosen für die CSU die letzten Konservativen zu motivieren. Dabei ist das Konzept der Wehrpflicht strategisch gesehen völlig veraltet. Der letzte Kanonenfutterkrieg ging vor mehr als 70 Jahren zu Ende. Seitdem ist das Vernichtungspotential gegenüber den vorherigen Millionenheeren um ein vielfaches angestiegen – atomare Abschreckung. Die Supermächte bekriegten dabei nur noch in Stellvertreterkriegen, Geheimdienstaktivitäten und jetzt, noch unterschwelliger, durch Cyberangriffe. Und da will heute noch Horst Seehofer ein Millionenheer gegen Trojaner oder Computerviren ins Feld schicken?
In den Meinungsbeiträgen wundere ich mich, wie die Zeit von Wehrpflicht und Zivildienst als persönlichen Beitrag zur Gesellschaft beschrieben wird. In der aktuellen Diskussion geht um ein Jahr Pflichtdienst. Bei einer Lebensarbeitszeit von vielleicht vierzig Jahren sind das 2,5% persönliches Opfer, die jeder der Gesellschaft gibt. Stellen wir uns einmal vor, wir würden die  2,5 % nicht an einem Stück im Jungerwachsenenalter ableisten lassen, sondern kontinuierlich auf die 40 Arbeitsjahre verteilen. Anders ausgedrückt, wir würden 2,5 % mehr Steuern zahlen – für den Einzelnen käme es auf das gleiche heraus wie ein Jahr Pflichtdienst. Mit diesem Geld könnten dann ausgebildete Kräfte bezahlt werden anstatt ungelernte und teils unmotivierte Kräfte erst anlernen zu müssen. Das wäre auf alle Fälle deutlich professioneller und effektiver – ein Argument, das schon bei der Abschaffung der Wehrpflicht erhoben wurde. Ein bisschen mehr Kompetenz im Bereich Katastrophen- und Datenschutz würde dem Land gut tun.
Ich hatte die 2,5 % zusätzliche Steuern bisher nur als persönlichen Beitrag diskutiert. Wenn es um Steuern geht, gibt es auch andere Formen wie zum Beispiel Kapital- und Vermögenssteuer. Wenn man diese Wehrpflicht von der materiellen, steuerlichen Sicht aus betrachtet, wird der unsoziale Charakter von des Pflichtdienstes deutlich. Aber wie eingangs schon vermutet, eigentlich geht es hierbei nur um die desaströsen Wahlprognosen einer veralteten und unsozialen Partei.“

Susanne Roether aus Frankfurt:

„Bei der von Frau Kramp-Karrenbauer angestoßenen Debatte geht es natürlich nicht wirklich um die Wiederbelebung der allgemeinen Wehrpflicht. Frau Kramp-Karrenbauer weiß genau, dass niemand in ihrer Partei die ernsthaft will.
Sondern es geht – im Angesicht von 2 Landtagswahlen – einmal darum, „Stimmung zu machen“, ein Grundrauschen von patriotischem Geraune zu erzeugen, in dem wieder von der Bundeswehr als „Schule der Nation“ zu hören ist, vom Einsatz für die Allgemeinheit, die von der jungen Generation zu fordern sei, etc. Vielleicht gelingt es den so daherschwafelnden Christdemokraten tatsächlich, ein paar Stimmen aus den neonationalistischen Tümpeln zu angeln.
Zweitens geht es darum, die unter der Hitze und der unerträglichen Luft in den Städten stöhnenden Bürgern vom eklatanten Versagen der Bundesregierung gegenüber der Umweltkatastrophe abzulenken. Statt „Schaden von den Bürgern abzuwenden“ kungelt diese Regierung mit kriminell agierenden Autokonzernen und einer industralisierten Landwirtschaft, die unsere Lebensgrundlagen zerstört. Die einst stolz als Vorbild für andere verkündeten Klimaziele wurden ohne Federlesen auf unbestimmte Zeit vertagt. Wieviele vorzeitige Todesfälle auf Stickoxid- und Feinstaubbelastung zurückgehen interessiert diese Regierung nicht.
Würde man bei der Bundeswehr tatsächlich Verantwortungsbewusstsein und selbstlosen Einsatz für das Gemeinwohl lernen, müsste die gesamte Regierungsmannschaft als erste einrücken.“

Werner Runde aus Mönkeberg:

„Nach der Flüchtlingsdebatte nun ein neues Thema, das sich ein konservativer Thinktank mit großem Erfolg ausgedacht hat. Ohne weitere Absprachen sind Fernsehen und Presse automatisch darauf angesprungen. Dann werden wichtige Themen wie Klimawandel, Steuerflüchtlinge, Steueroasen,  Schwarzgeld, Autobetrüger, Armut usw. in den Hintergrund gedrängt. Dieser Mechanismus funktioniert immer.“

Uwe Neumann aus Rodgau:

„Die Diskussion um die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht ist ein weiterer Indiz für eine gescheiterte Europapolitik. Wer Europa nicht ernst nimmt, kehrt sich in die Innenpolitik zurück, und dazu gehört die allgemeine Wehrpflicht. Alle Befürworter sollten daher mal in sich kehren und sich fragen, wollen wir eine vernünftige Europa-Politik oder wollen wir eine neue Kleinstaaterei. Zum zweiteren fühlt sich die Regierung in Berlin hingezogen. Schade für diese Fehlleistung.
Mich erinnert dieses „Pflichtjahr“ stark an die unschönen Zeiten von Deutschland, und da meine ich nicht die Jahre 1945-1989. Für mich ist es irrelevant, ob Jugendlich nach der Schule herangezogen werden, oder gestandene Frauen und Männer um die Lücken in der Wirtschaft und im Sozialbereich zu stopfen. Dieses Pflichtjahr ist keine Erfindung einer CDU-Generalsekretärin, diese Idee enstand bereits in brauner Zeit. Eine Übernahme diese Begrifflichkeit ist für eine christliche Partei schäbig. Mich wundert es, daß die ältere Generation der CDU sich nicht mehr an diese Zeiten erinnern will, oder kann?“

11 Kommentare

  1. Anna Hartl sagt:

    Glaube ich an Zufall? Ja/nein! Verschwörungstheoretikerin bin ich aber auch nicht.
    Gestern liefen mir auf dem Main Weg von Schwanheim nach Frankfurt Soldaten der Bundeswehr mit der Deutschlandfahne über den Weg. Die ersten habe ich noch kommentarlos überholt. Bei 5 der Herren in Uniform, die es sich auf einer Bank bequem gemacht hatten hielt ich mit der Frage, ob das eine Verkleidung sei an. Die Antwort war, sie sind Reservisten, die in Übung bleiben wollen. Nach ihrer Aussage laufen sie von Wiesbaden nach Frankfurt und am nächsten Tag bis Hanau. Kurz vorm LiLu dann eine größere Gruppe, die ich fragte, ob das Werbung für die Bundeswehr sein soll und ob sie die Frankfurter Bürger beunruhigen wollten. Werbung ja, beunruhigen nein.
    Ich habe vor 40 Jahren das letzte Mal life einen Soldaten gesehen, das ist auch gut so, und fand das gar nicht lustig mich plötzlich der Präsenz in dieser Form ausgesetzt zu sehen.
    Von der Idee, die Wehrpflicht wieder einzuführen, halte ich gar nichts. Es passt nur zu dem Gefühl das ich seit einigen Jahren in diesem Land habe, dass der Bürger nur noch der Bauer auf dem Schachbrett der Politik ist. Es gibt keine wirkliche Beteiligung mehr, sondern „friss oder stirb“ Mal überspitzt gesagt.
    Zack gibt es auch schon eine Umfrage zum Thema. Das Ergebnis ist, dass angeblich eine Mehrheit für die Wiedereinführung ist.
    Ich sehe den Tag näher kommen, an dem ich – Verzeihung für den Ausdruck- auf den Römer kotze.
    Was verdammt noch Mal hat das alles noch mit einer Demokratie zu tun? Besteht sie nur noch aus dem Deckmäntelchen der freien Wahlen? Wobei die gemachten Ansagen entweder wischiwaschi sind oder anschließend nicht eingehalten werden, oder Entscheidungen über den Kopf der Bürger getroffen werden. Was bin ich? Stimmvieh für die Makulatur einer Demokratie?
    Auf jeden Fall bin ich stinksauer über „Spielchen“ dieser Art und habe das Gefühl, das durch,ob Zufall oder nicht, die Präsenz von Soldaten im Alltag, eine Beeinflussung der Bürger im Sinne der Wiedereinführung vorgenommen wird.
    Gehe jetzt auf den Römer – zum Kaffeetrinken!

  2. Werner Engelmann sagt:

    @ Anna Hartl

    „Bei 5 der Herren in Uniform, die es sich auf einer Bank bequem gemacht hatten, hielt ich mit der Frage, ob das eine Verkleidung sei, an. Die Antwort war, sie sind Reservisten, die in Übung bleiben wollen.“ –

    Bei Ihrer Beobachtung ist zunächst entscheidend, ob es sich um Ausgehuniform (grau, mit Schiffchen oder Schildmütze, keinesfalls ohne Kopfbedeckung) oder um Arbeitskleidung oder gar um Kampfuniform (gescheckt) handelte.
    Meines Wissens ist für nicht-dienstliches Auftreten in der Öffentlichkeit ausschließlich Ausgehuniform erlaubt.

    Bei einer Wiederholung einer solchen Begegnung wäre, wenn es sich nicht um Ausgehuniform handelt, Folgendes zu empfehlen:
    – Nach Einheit, Einsatzleiter und ggf. (bei Kampfuniform) nach „Kampfauftrag“ fragen.
    – Dienstgrad feststellen (Zahl der Sterne (Offiziere) oder Streifen (Unteroffiziere) an Schulterklappen, bei Mannschaftsdienstgraden Zahl der Schrägstreifen am Oberarm).
    – Evt. Namen in Erfahrung bringen.
    – Bei einer Bundeswehrdienststelle (Feldjäger) Meldung erstatten, mit möglichst genauer Beschreibung.

    Bei dem von Ihnen geschilderten Vorfall handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Missbrauch der Uniform und damit um eine zu verfolgende Dienstpflichtverletzung.
    Uniformen an Reservisten werden meines Wissens ausschließlich zur Aufbewahrung, nicht zum außerdienstlichen Gebrauch (ohne Einzug zur Wehrübung) ausgegeben.

  3. Anna Hartl sagt:

    @Werner Engelmann
    Hallo Herr Engelmann,
    die Uniformen waren in Tarnfarben, also gescheckt. Rucksäcke und Mützen auch.
    Leider hab ich kein Foto gemacht, da ich völlig perplex war. Nach der Begegnung habe ich mich gefragt, ob diese Uniformen jeder Reservist im Schrank Zuhause hat und ob die so einfach in diesen Klamotten draußen rumlaufen dürfen.
    Sterne und Streifen habe ich nicht registriert, nur eine kleine Deutschlandfahne auf dem Oberarm der Uniform.
    Vielleicht war das ja doch ein Witz und die Uniformen „nachgemacht“?

  4. Brigitte Ernst sagt:

    Ich habe zur Wehrpflicht bzw. zum Zivildienst ein gespaltenes Verhältnis.
    Es wundert mich, dass keine(r) der bisherigen Kommentatoren auf das Problem eingegangen ist, dass eine Berufsarmee meist ein Sammelbecken politisch ziemlich rechts stehender Leute ist. Ein paar Wehrpflichtige dazwischen würden da vielleicht zu einer günstigeren Mischung führen. Allerdings würden sich auch wieder eher die „Patrioten“ für den „Bund“ entscheiden, während die eher kritischen bis links Orientierten eher den Zivildienst wählen würden.
    Ich selbst habe natürlich keine Erfahrung mit der Truppe. Von einigen Angehörigen meiner Generation, die noch zum „Bund“ gingen, habe ich gehört, dass sie als eher aus der gebildeten Schicht Stammende es für eine prägende Erfahrung hielten, mit Angehörigen anderer Bevölkerungsschichten im wahrsten Sinne des Wortes hautnah (auf einer „Stube“) in Kontakt zu kommen.

    Ulrich Carmesin möchte ich zu bedenken geben, dass er bei seiner schönen Berechnung der Steuererträge und seinem Wunsch nach Fachkräften im sozialen Bereich nicht bedenkt, dass der Nachwuchs dünn gesät ist. Bevor man riskiert, dass die gut qualifizierten Kräfte überlastet oder gar von Robotern ersetzt werden, ist doch ein(e) Zivildienst Leistende(r) gar keine so schlechte Alternative, um Alten und Behinderten ein wenig Zuwendung zu geben, Kinder in Inklusionsklassen zu unterstützen etc..
    Bevor man sich vom Fußvolk in den gut bezahlten Managerjob zurückzieht und anderen die „niedere“ Knochenarbeit überlässt, noch ein kurzer Dienst an der Gemeinschaft ist doch vielleicht gar nicht so falsch.

    Was in meinen Augen allerdings ein Problem bedeutet, wäre der Pflichtdienst für Frauen. Einerseits müsste er in einer Gesellschaft gleichberechtigter Geschlechtsangehöriger eine Selbstverständlichkeit sein, andererseits tragen die Frauen immer noch die Hauptlast der Kinderbetreuung und Pflege in den Familien und würden durch einen Wehr- oder Zivildienst noch einmal zusätzlich belastet.

  5. Werner Engelmann sagt:

    @ Anna Hartl

    Hallo, Frau Hartl,
    Kampfanzüge ohne Abzeichen bedeutet, dass es sich – falls es Original-Bundeswehrkleidung ist – um einfache Soldaten (ohne Dienstgrad) handelt.
    Es ist natürlich auch möglich, dass man diese heute kaufen kann. In Nordtschechien habe ich zu meinem Entsetzen mal eine ganze Familie in Kampfanzügen gekleidet gesehen.
    In beiden Fällen scheint es sich um Leute mit rechtsradikaler Gesinnung zu handeln. Denn welcher normale Mensch hat solchen Unfug nötig?
    Ich würde in solchen Fällen versuchen, unauffällig ein Foto zu machen und, wie bereits beschrieben, aber vorsichtig die genannten Information herauszubekommen suchen.

  6. Anna Hartl sagt:

    @Juergen Engelmann
    Nachdem ich im Netz die Originale der Bundeswehr gesehen habe, halte ich die von mir gesehenen für echt. Sogenannte Tarnanzuege kenne ich auch und Teile davon sind auch in der jetzigen Mode zu finden, aber die Zeichnung ist anders.
    Ob man „echte“ Kampfanzüge der Bundeswehr kaufen kann, halte ich für unwahrscheinlich.
    Worüber ich mir noch nicht im Klaren bin ist, ob es Angehörigen bzw. Reservisten gestattet ist, so durch die Gegend zu laufen. Sie hatten es ja angesprochen, dass es nicht erlaubt ist.
    Habe im Netz nur eine Diskussion darüber gefunden, wo Bürger an Standorten der Bundeswehr danach gefragt haben und die Antwort war, auf dem Nachhauseweg von Kaserne zum Wohnort ist es erlaubt.
    Die Herren aber, die ich traf, waren nicht auf dem Nachhauseweg! Nach rechtsradikal sahen sie auch nicht aus, dafür waren sie nach meinem Empfinden zu offen und haben auch bei meinen Fragen nicht aggressiv reagiert.
    Was ich noch an Info fand, dass für eine Aktion in der Öffentlichkeit eine Genehmigung mitzuführen ist.
    Ich weiß nicht, was ich davon halten soll!

  7. Manfred Schmidt sagt:

    @Anna Hartl,
    was Sie berichten über diese Tarnanzugträger, hört sich fast nach einem Streich/Gag junger Männer an. Denn auch ich glaube nicht, dass im Dienst befindliche Bundeswehrangehörige sich so in der Öffentlichkeit präsentieren dürfen. Vielleicht, wenn sie – wie Sie schilderten – aus Hanau zurückkommen, beteiligen sie sich am Aufbau des Schrimpegasse-Fests? (kleiner Schlenker, den Bronski hoffentlich erlaubt)..

    Schlimmeres kann man erleben, wenn man – wie ich – so etwas nicht gewöhnt ist: Frankfurt Höchst in einem Straßenrestaurant. Unter den Vorbeilaufenden plötzlich Einer, der alle Klischees auf sich vereint, wie man es wohl nur aus dem Fernsehen kennt: Massiger Körper, Glatze, Stiernacken und an der linken Halsseite ein Tattoo mit der Zahl 18….
    Das ist mehr, als das Grundrauschen von patriotischem Geraune, da schreckt man auf, obwohl es solche Typen schon länger gibt.

    Übrigens hat mich das Aussetzen der Wehrpflicht im Jahr 2011 sehr überrascht, vor allem weil es ein Unionsverteidigungsminister war, der diesen Wandel vollzog. Aber der war damals ja everyones darling und die Wunderwaffe der Union, wahrscheinlich ist ihm und seinem Handeln deshalb kein großer Widerstand aus ebendieser entgegen geschlagen.

    Ob innerhalb der Union heute, was die Wehrpflicht betrifft, die gleiche Grundstimmung vorherrscht wie anno 2011, ich zweifle daran.
    Frau Kramp-Karrenbauer scheint zu wissen, warum sie diese Debatte anstieß.

  8. Anna Hartl sagt:

    @ Manfred Schmidt
    Das Schrimpegassefest ist erst im September und es waren sowohl junge, ca. 28 – 30ig jährige und ältere dabei, ca. 55 der älteste.

    Was Frau K.-K. sich denkt, ahne ich nicht, ausser es ist die berühmte nächste Sau, die durchs Dorf getrieben werden soll, um von all den ungelösten Problemen abzulenken.
    Aus der Bundeswehr – glaube ich so zu erinnern – gab es hierzu ja auch schon Aussagen, dass die Verpflichtung “ aller“ junger Menschen nicht mehr in das heutige System passt und beim Ersatzdienst höre ich fast schon Herrn Spahn frohlocken.
    Bei dem Argument “ etwas für die kostenlose Schulbildung zurückgeben“ hängt mir einiges quer.
    Mal ganz nebenbei, ein Sektor in dem vieles im Argen ist und dafür soll dann zurückgegeben werden?
    Es ist ja noch nicht so lange her, dass die Wehrpflicht und der Ersatzdienst verpflichtend waren. Das sind dann die, die heute im Berufsleben stehen und sowohl als auch die Erfahrung im Dienst für die Gemeinschaft gemacht haben. Was mich aber dann wundert, da diese Gemeinschaft in keinem guten Zustand ist, wo der Nutzen geblieben ist.
    Ich frage mich, ob das nicht alles sinnlose, nicht durchdachte Aktionen sind, um von der Unfähigkeit die drängenden Probleme zu lösen, abzulenken.

  9. Werner Engelmann sagt:

    @ Anna Hartl, 12. August 2018, 10:12

    Zur Klärung der Frage der Erlaubnis des Uniformtragens für Reservisten habe ich Folgendes recherchiert:

    https://www.jurion.de/gesetze/resg/3/
    „§ 3 Berechtigung zum Tragen der Uniform außerhalb eines Wehrdienstverhältnisses
    (1) Früheren Soldatinnen und früheren Soldaten kann gestattet werden, die Uniform außerhalb eines Wehrdienstverhältnisses zu tragen
    1. mit dem Abzeichen des Dienstgrades, den zu führen sie berechtigt sind, und
    2. mit der vorgesehenen Kennzeichnung als frühere Soldatin oder früherer Soldat.
    (2) Näheres regelt das Bundesministerium der Verteidigung durch Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates.“

    Über die Rechtsverordnung findet sich nichts im Internet, die juristischen Kommentare sind nur als Leseprobe verfügbar und sparen diese Passagen aus.
    Dennoch habe ich eine Fußnote gefunden:
    „Will ein aus dem Wehrdienst ausgeschiedener Soldat die Uniform tragen, bedarf es hierfür der Genehmigung gem. § 1 UnifV. Eine solche Genehmigung darf für politische Veranstaltungen i.S.v. § 15,Abs3 nicht erteilt werden.“
    S. 264, Fußnote 26:
    (https://books.google.de/books?id=fBxRDAAAQBAJ&pg=PR53&lpg=PR53&dq=Reservistengesetz,+Rechtsverordnung&source=bl&ots=-7CFKXfUOF&sig=dolDjudSn70i1fdSZpp6Om4IS0E&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjT5qXVwercAhWSKFAKHWI9AXAQ6AEwBXoECAUQAQ#v=onepage&q=Reservistengesetz%2C%20Rechtsverordnung&f=false)

    Dass eine solche Genehmigung für eine Kampfuniform erteilt wird, halte ich für ausgeschlossen. Reservisten befinden sich niemals in Kampfuniform „auf dem Nachhauseweg“. Das erscheint mir ziemlich unsinnig. Es ist keine Passage erkennbar, die „außerdienstlich“ etwas anderes als Ausgehuniform zulässt – wie sich auch aus dem obigen Hinweis auf notwendigen Erkennbarkeit des Dienstgrades schließen lässt.

    Wichtig erscheinen mir auch Hinweise auf die Verpflichtungen des „Staatsbürgers in Uniform“ – so auch durch den Bundeswehrverband – der die Verpflichtung auf demokratische Traditionen und den Verzicht auf Weltkriegstraditionen einschließt (wie in verschiedenen Skandalen offenbar wurde).

    Hier noch ein historischer Hinweis:
    Meine Dienstzeit war April 1964 bis April 1966 („freiwilliger Wehrpflichtiger“: 6 Monate länger als damals Pflicht, zur Finanzierung meines Studiums), in der Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen.
    Das war die Zeit, in der „von oben“, vor allem von den Generälen Graf Baudissin, Graf Kielmannsegg und Ulrich de Maizière (dem Vater des ehemaligen Innenministers) das Konzept der „Inneren Führung“, also des dem demokratischen Rechtsstaats verpflichteten „Staatsbürgers in Uniform“ entwickelt wurde.
    Auf der Ebene der höheren Unteroffiziersränge (Feldwebel bis Hauptfeldwebel) – also auf der mittleren Ebene – gab es aber noch viele alte Kommisknochen, die schon in der Wehrmacht gedient hatten.
    Diese versuchten, vor allem jungen Offiziersanwärtern (u.a. mir) alle möglichen Prügel vor die Füße zu werfen.
    Zwar gab es im Rahmen der „Inneren Führung“ (von „oben“ verordnet) gute politische Unterweisung in rechtsstaatliche Prinzipien und politisches Geschehen (habe ich als „Aburent“ selbst oft durchgeführt). Wer sich da aber zu weit vorwagte, riskierte in der Folge erhebliche Schikanen.
    So etwa eine Frage von mir (die mir einige Strafwachdienste einbrachte), warum denn, wenn es Ziel sei, den Feind nicht zu töten, sondern „kampfunfähig“ zu machen, bei Schießübungen beim Pappkameraden die „10“ auf Höhe des Herzens angebracht sei.
    Ich habe nach einer Reihe ähnlicher Vorfälle von meiner ursprünglichen Zielsetzung des Reserveoffiziers (unter erheblichen finanziellen Einbußen) Abstand genommen.
    Sinnvoll war die Auseinandersetzung für mich dennoch. So, indem meine erste Kurzgeschichte, wie man sich gegen eine solche Übermacht von Schikane erfolgreich wehren kann, der Ausgangspunkt für spätere Recherchen und literarische Arbeit war.

    Fazit:
    Für Rechtsextreme heute sind natürlich alle irgendwie gearteten militärischen Strukturen von hohem Interesse, die Versuche der Infiltrierung also zahlreich. Dass diese an der mittleren Ebene ansetzen, also versuchen, Zustände wie die oben von mir geschilderten wieder herzustellen, ist verständlich. (Siehe auch den Skandal über den gefälschten Asylantrag.)
    Denn auf der konkreten Dienstebene haben diese den größten Einfluss auf Soldaten, indem sie diese konkreten einschüchternden Schikanen aussetzen.
    Diese sind wohl auch die treibenden Kreise, undemokratischen „Traditionen“ des Obrigkeitsstaates wieder Akzeptanz und Geltung zu verschaffen.
    Wachsamkeit, auch der Zivilbevölkerung, gegenüber solchen Tendenzen erscheint mir also Pflicht.
    In diesem Zusammenhang sehe ich auch diese Diskussion.

  10. Anna Hartl sagt:

    @Werner Engelmann
    Vielen Dank für Ihre Recherche.
    Wenn ich Sie richtig verstehe, dann bezieht sich die Genehmigung Paragraph 1 UnifV nicht auf den Kampfanzug. Was in meinen Augen dann heißt, da ich sie für echt halte, das war eine unerlaubte Aktion zum Zwecke von?

    Zu Ihrem Fazit, wie hat sich eigentlich die AfD zu diesem Thema Wiedereinführung positioniert?

  11. Werner Engelmann sagt:

    @ Anna Hartl

    Missbrauch des Kampfanzugs:
    Nach Ihren Schilderungen und den Recherchen bin ich mir da ziemlich sicher. Kampfanzug ist immer mit einem „Kampfauftrag“ in einem Gefecht/Manöver verbunden, was eine interne BW-Angelegenheit ist und nichts mit öffentlicher Repräsentation (außer vielleicht bei Truppenparaden mit noch strengeren Regeln) zu tun hat.
    Vermutlich wird das deshalb nicht erwähnt, weil es selbstverständlich ist.
    Endgültige Klarheit könnte eine Anfrage bei der Bundeswehr schaffen, da die im Internet zugänglichen Informationen nicht vollständig sind.

    Haltung der AfD zur Wiedereinführung der Wehrpflicht:
    In den recherchierten FR-Artikeln findet sich dazu nichts. Höchstwahrscheinlich äußert die sich dazu gegenwärtig nicht, da es sehr zweifelhaft erscheint, dass sich damit parteipolitisch punkten lässt. Und das ist das Einzige, was für diese Pseudopartei zählt.
    Das könnte sich schlagartig ändern, wenn eine positive Grundstimmung erkennbar wird (zur Zeit eher unwahrscheinlich).
    Ideologisch ist davon auszugehen, dass das natürlich in ihr nationalistisches Konzept passt. Ich kann mich auch erinnern, irgendwo den Hinweis auf die Einführung der Wehrpflicht durch Napoleon als „vaterländische“ Verteidigungspflicht gelesen zu haben. Für die damalige Zeit freilich ein Fortschritt gegenüber den völlig von Fürstenwillkür abhängigen Söldnerarmeen.
    Damit ist aber eine freiwillige Armee nach heutigem Zuschnitt nicht zu vergleichen.

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