Schmalbahn und Breitbahn

„Ich hatte Ihnen einen Brief mit energischer Zustimmung zum Halbformat geschrieben“, schreibt mir Harald Heinzmann. „Nun habe ich doch noch ein Haar in der Suppe gefunden. Es ist ein kleines Haar, eher ein Härchen. Es handelt sich um meine (nur meine?) Lesegewohnheiten: Wenn die Zeitung neu ist, blättere ich sie durch und reiße die Seiten mit den Beiträgen heraus, die ich später genau lesen möchte.

Und das geht bei der FR ganz prima: Sie ist offenbar auf Schmalbahn geschnitten – das heißt, wenn sie aufgeschlagen vor mir liegt, ist sie in Richtung des Falzes durch die Rotation gelaufen. Und deshalb lassen sich die einzelnen Seiten leicht und unbeschädigt heraustrennen. Was aber nun, wenn das Format halbiert wird? Wird dann nicht aus Schmalbahn Breitbahn, und ich muss – ärgerärger! – die Schere zu Hilfe nehmen, wenn ich nicht Fetzen in der Hand halten will?“

Wieder mal eine Frage, die ich mir noch nicht gestellt habe und die zu stellen mir auch nicht von allein in den Sinn gekommen wäre. Aber das kann man ja klären: mit einem Reißtest. Ich mache dabei die sonderbare Erfahrung, dass ich nicht gut dabei zusehen kann, wenn die FR zerrissen wird. Das hat mir meine Kollegin nämlich gleich vorgeführt: Reißt man die FR im jetzigen Format vertikal, kriegt man schöne gerade Risse quer durchs Papier. Dreht man sie um 90 Grad und versucht dann ebenfalls vertikal zu reißen, geht das ganz schön schief. So wird das – leider, Herr Heinzmann! – bei der künftigen FR immer sein, so dass ich Ihnen die Schere nicht ersparen kann.

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13 Kommentare zu “Schmalbahn und Breitbahn

  1. Wie wäre es denn, wenn die zukünftige Rundschau entlang des Falzes perforiert wäre?
    Ein Schuft, der dabei an Hakle denkt!

  2. Die Lösung ist -wie meistens- ganz einfach:
    Pünktlich zur Einführung des Halbformates bietet der fr-shop supergünstige Scheren nur für Zeitungspapier an.

  3. Sehr amüsant deine Ideen, Yeti 🙂
    Ich habe das spontane Rausreißen auch schon praktiziert, ist allerdings fehlgeschlagen. Mein TIPP: Reiße und schneide nie etwas raus, bevor dein Freund die FR gelesen hat.

  4. @ Yeti „Hakle“
    Lieber Yeti,
    Auf einem Designkongress hat kürzlich eine Grafikerin bemängelt, es habe sich noch kein renommiertes Designbüro an die Gestaltung von Toilettenpapier gewagt.
    In unser aller Interesse muss dies geändert werden!
    Wäre ja eine Idee für den FR-Shop, passend zur Schere…

  5. .. es soll mal Zeiten gegeben haben, in denen Zeitungen an Stelle von „Halke“ verwendet wurden 😉

  6. Ich sehe nicht ganz das Problem ? Um einen Artikel gänzlich zu entfernen, muss man doch längs UND quer reißen oder schneiden. Beim jetzigen Format also längs reißen und quer schneiden und beim neuen Format eben umgekehrt. Oder verstehe ich da jetzt was nicht ?

    @5

    Stimmt. Und ich war als Kind meiner Oma dankbar, die mir den Tipp gab, die Blätter vor Gebrauch mehrmals kräftig zu zerknüllen und dann wieder auf zu falten. Verwendung fand damals das “Main Echo“, das “Katholische Sonntagsblatt“ und die “IG-Metall-Zeitung“, letztere ist mir seltsamerweise als “weicheres Papier“ denn die übrigen in Erinnerung. Probleme machte die etwas hartnäckige Druckerschwärze, die auch beim wöchentlichen Wannenbad nur schwer abzureiben war……

  7. @ Walthor
    Es ging ihm um die komplette Seite (….blättere ich sie durch und reiße die Seiten mit den Beiträgen heraus, die ich später genau lesen möchte…)
    und nicht um das Herausreißen eines einzelnen Artikels…oder habe ich da jetzt wieder etwas missverstanden? 🙂

  8. Ich sehe da noch ein anderes Problem mit dem neuen Format: Ich esse immer beim FR – Lesen und kann deshalb schlecht umblättern. Deshalb befürchte ich, dass ich in Zukunft mehr Artikel lesen werde, die mich gar nicht interessieren, weil ich zu faul zum Umblättern bin.
    So hat jeder seine Last mit den lieben Gewohnheiten…

  9. Sie werden sicher häufiger umblättern müssen als bisher, denn es steht doch weniger auf einer solchen halben Seite als auf den bisherigen großen Seiten.

  10. Ich glaube, dass ich die besorgten Leser hinsichtlich der Reiß(un)freundlichkeit von Zeitungspapier beruhigen kann: Aus meiner Kenntnis der Papierherstellung kann ich sagen, dass es in keiner Richtung eine besondere Reiß-Vorzugsrichtung hat. Der Papierbrei wird auf eine Saugstrecke(Filztuch) aufgegeben und entwässert, dann abgehoben und auf Trockenzylinder überführt und zum Schluß aufgewickelt. Eine Vorzugsrichtung bildet sich nicht aus. Papier ist auch praktisch nicht dehnbar (max.2%), wohl aber entstehen bei jedem Knick kleine Faserbrüche, die nicht reversibel sind. Ich wünsch allen ein fröhliches Rausreißen! – und dass die Formatumstellung die FR wieder rausreißt!

  11. @10.G.Seidel und andere, Tabloid und „Reißwolf“;
    wie mir bekannt steht am Anfang der Papierherstellung auch ein Reißwolf, der alte Lumpen zerfasert, dass diese dann dem Holzbrei zugeführt werden können; jedenfalls war das früher so, ob heute noch bin ich mir aber nicht ganz sicher.
    Aber für mich ist schon erstaunlich, was bei so einer äußerlichen Formatumstellung einer Zeitung, alles für Fragen auftauchen. Wenn sich ein ganzes Blatt/Seite nicht herausreißen lässt, dann nehmt doch das Doppelblatt, es hat dieselbe Größe wie eine einzelne Seite/Blatt heute. Es kann natürlich sein, dass die besorgten Leser sich bereits Gedanken machen, wie die „Hinterlist“-Nutzung der Nachkriegsjahre im 21sten Jahrhundert wieder praktiziert werden kann, um einige Cent am Tag einzusparen; oder rechnet jemand ernsthaft damit, dass die Zeit so schlecht wird, dass das Toi.-Papier nicht mehr zu erhalten ist?
    mfg,hjs

  12. Also, an der Akademie wurde mir beigebracht, dass Papier normalerweise eine „Laufrichtung“ hat und man diese daran erkennt, dass sich das Papier parallel zur Laufrichtung gut falten (bzw. reißen) lässt. Diese Laufrichtung muss zum Beispiel beim Buchbinden berücksichtigt werden, damit sich das Werk nicht verzieht. Herr Heinzmann hat da offensichtlich tiefergehende Kenntnisse und so wurde mir der Zusammenhang zwischen Laufrichtung und Schmalbahn/Breitbahn klar. Das Problem, das sich hierbei für das Lesen der FR ergeben könnte, besorgt mich allerdings weniger, da ich normalerweise den Tag über die FR durchlese, ich also nichts rausreißen muss, um es später zu lesen.

  13. Ich nehme an, dass diese Laufrichtung erst beim Bedrucken des Papiers eine Rolle spielt, nicht schon bei der Papierherstellung. Das Problem für Herrn Heinzmann entsteht also erst beim Druck

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