Brutaler Angriff mit Sarin

Chan Scheichun am Morgen des 5. April, etwa sieben Uhr. In der Kleinstadt der nordsyrischen Provinz Idlib, die in der Hand der Assad-Gegner ist, laufen die Menschen auf die Straße, aus dem Schlaf geschreckt. „Eine Rakete explodierte, aus ihr kam ganz viel Rauch und ein seltsamer Geruch“, wird eine junge Frau später erzählen, zitiert nach tagesschau.de. „Wir konnten nicht mehr atmen, wir bekamen keine Luft mehr.“ Ein russischer Offizieller wird später sagen, die syrische Luftwaffe habe bei einem Bombardement ein Chemiewaffen-Depot der Aufständischen getroffen. Und es ist wie immer: Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst, weil es einfach nicht genug Informationen gibt. Dabei wäre es so wichtig zu erfahren, woher das Giftgas stammt, das in Chan Scheichun freigesetzt wurde, und wer es eingesetzt hat.

Unter den 86 Todesopfern sollen 20 Kinder sein. Gerade Kinder sind von Chemiewaffeneinsätzen besonders gefährdet, weil die Kampfstoffe, die teils als Aerosole in der Luft verteilt werden, die Neigung besitzen, sich in Bodennähe zu konzentrieren. Das beantwortet auch schon manche der Fragen, die der Leser Peter zur Nieden aus Trier stellt: „Warum interessieren sich die Reporter mehr für die Giftgasopfer“ als für Opfer konventioneller Waffen: „Sterben die Menschen nicht genauso qualvoll daran?“ Doch. Und hier wie da trifft es Kinder. Und es stimmt nicht, dass Reporter sich mehr dafür „interessieren“. Chemiewaffen treffen besonders häufig Kinder. Das hat sich auch 2013 beim Angriff auf Ghuta (Link zu Wikipedia) gezeigt. Dort wurde durch UNO-Experten der Einsatz von Sarin nachgewiesen, das mit Boden-Boden-Raketen verschossen wurde. Wer das Giftgas eingesetzt hat, diese Frage hingegen ist bis heute ungeklärt.

Und so könnte es auch mit dem Giftgas von Chan Scheichun passieren. „Um Nervenkampfstoff herzustellen, reichen Kenntnisse der organischen Chemie, wie sie ein Student im 5. oder 6. Fachsemester Chemie erworben hat“, wird der Militärexperte Michael Höfer in einem Welt-Artikel zitiert. Sarin gehört zu den Nervenkampfstoffen, weil es die Signalübertragung an Synapsen blockiert. Es ist also grundsätzlich nicht auszuschließen, dass an der russischen Darstellung — siehe oben — was dran ist, auch wenn sie aus anderen Gründen nicht plausibel zu sein scheint (der zeitliche Ablauf). Ebenso wenig ist auszuschließen, dass die Rebellen Granaten mit Sarin besessen haben könnten, die bei dem Luftangriff getroffen wurden, so dass der Inhalt „versehentlich“ freigesetzt wurde. Die Chemiewaffen des Assad-Regimes wurden nach Ghuta zwar vernichtet, aber es ist nicht auszuschließen, dass dies entweder nicht vollständig geschah oder dass Teile des Arsenals abgezweigt wurden und in die Hände der Rebellen gelangten oder sogar in die des IS. Der syrische Außenminister bestritt jedenfalls, dass das Giftgas vom Regime eingesetzt worden sei.

US-Präsident Donald Trump, aber auch die deutsche Regierung zusammen mit anderen westlichen Regierungen hingegen sehen es als erwiesen an, dass Assad der Urheber sei. Es stimmt: Der syrische Diktator hat in unzähligen Fällen gelogen. Ihm ist nicht zu vertrauen, er ordnet alles dem Machterhalt unter. FR-Korrespondent Martin Gehlen hält ihn für den Verantworlichen. Assad gehe es darum „zu demonstrieren, dass der Bruch humanitärer Tabus ohne Folgen bleibt und sich fundamentale internationale Normen ohne Probleme durchlöchern lassen“, schreibt Gehlen in seinem FR-Artikel „Wut und Ohnmacht„. „Die Vereinten Nationen haben durch den syrischen Bürgerkrieg mehr Schaden genommen als durch jeden anderen Konflikt zuvor.“

Assad setzt also Giftgas ein, einfach weil er es kann? Um seine Macht zu demonstrieren? Das könnte man wohl als Indiz dafür deuten, dass er den Kontakt zur Realität verloren hat, denn er war nach der Eroberung Aleppos eigentlich auf der Siegerstraße; nach Nachkriegssyrien ohne Assad schien immer weniger denkbar.

Ein Diktator am Rande des Wahnsinns? Oder schon jenseits davon? Wie man es auch dreht — der Angriff der USA auf die syrische Luftwaffenbasis, von der der Angriff auf Chan Scheichun gestartet worden sein soll, hat die Information, dass Assad hinter dem Giftgas steckt, zur politischen Realität gemacht. Vielleicht sind das „fake news“. Die USA sind damit zurück im Machtpoker um Syrien. Möglicherweise stellt sich in 20 Jahren heraus, dass Chan Scheichun das Werk der Rebellen oder gar des IS war. Durchaus möglich, denn wenn man nach dem altehrwürdigen Ansatz des Cui bono vorgeht und sich fragt, wem das Sarin in der nordsyrischen Provinz am meisten genutzt hat, dann könnte unter dem Strich die Erkenntnis stehen: Es sind die Rebellen, die vor allem profitierten, weil das Sarin die USA in den Konflikt geholt hat. Aber haben sie wissen können, wie Trump reagieren würde?

fr-balkenLeserbriefe

Helmut Penschinski aus Wuppertal:

„Es ist schon interessant, für wie dumm Politiker und Medien die Menschen halten, wenn sie ihnen diesen Giftgasangriff als von Assad veranstaltet darstellen. Assad war gerade dabei Oberhand zu gewinnen. Und er ist nicht blöde. Es ist klar, dass ein solcher Angriff, wenn er von ihm veranlasst worden wäre, sehr schädlich für seine Sache wäre. Also hütet er sich davor. Aber interessierte Kreise, die ihn erledigen wollen, wissen genau, dass diese Aktion und ihre Zuschreibung an Assad diesem enorm schädlich ist, also haben sie das veranstaltet. So einfach ist das und so glasklar logisch. Aber den eigenen Interessen schädliches Denken ist unwillkommen und so wird (Medien, Merkel, Trump…) einfach beschuldigt und bombardiert. Wozu haben wir eigentlich unser Denkvermögen mitbekommen? Bitte gebrauchen auch Sie es!“

Stefan Vollmershausen aus Dreieich:

„Bei aller Kritik an Donald Trumps Führungsstil muss man sagen, das er richtig handelte mit seiner Reaktion auf den Giftgasangriff in Syrien. Der amerikanische Vergeltungsschlag auf den Luftwaffenstützpunkt Nähe Homs sollte ein Zeichen setzen, das auch die USA noch mit im Spiel sind. Die Aufgaben in Syrien sind groß für den Westen, sind groß für Donald Trump. Der IS muss genauso wie der russische Einfluß zurückgedrängt werden, die Türkei Erdogans davon abgehalten werden, sich auf verbündete Waffenbrüder wie die kurdischen Peschmerga zu stürzen. Iran und Saudi Arabien sollten sich zurückziehen, letztendlich der regime change Assads vorbereitet werden. Der amerikanische Militärschlag als Reaktion auf den Giftgasanschlag in Chan Scheichun ist ein Zeichen, das man wieder mitreden will, in den USA, was Syrien betrifft. Syrien wäre russisch kontrolliert im Fall einer militärischen Entscheidung zugunsten des Assad-Regimes. Ich denke, niemand im Weißen Haus will das.
Es bleibt nun abzuwarten, wie es sich weiter entwickeln wird im syrischen Bürgerkrieg. Die Frage bleibt, wer sich dabei durchsetzen wird, Regionalmächte wie die Türkei oder der Iran, gar Saudi Arabien oder die Anarchisten vom IS? Wie auch immer lautet die Frage, wer künftig Syrien kontrollieren sollte, ob Russland oder die USA, oder keiner von beiden.“

Peter zur Nieden aus Trier:

„Die Meldungen über die Folgen des Gasangriffs in Syrien machen traurig und wütend zugleich. Die Berichte in den Medien (auch in der FR) sehen diese Angriffe als besonders brutal und menschenverachtend. In den Hauptnachrichten wurden ausführlich Videos und Fotos von mit dem Tod ringenden Menschen und ihren verzweifelten Helfern kommentiert. Die ausgesandte Botschaft war klar: Hier ist eine besonders grausame Kriegspraxis am Werk, der die zivilisierte Welt Einhalt gebieten sollte.
Und während die Experten weltweit bis heute (!) nach eindeutigen Beweisen für den Urheber des Gasangriffs suchen, weisen sich Regierung und Rebellen wie üblich gegenseitig die Schuld zu.
Ausgerechnet der wegen seiner Unberechenbarkeit kritisierte amerikanische Präsident wartet den Streit über die Urheberschaft nicht ab, sondern spielt den gerechten Sheriff und schickt ohne jegliche Abstimmung mit seinem Parlament oder gar mit den westlichen Alliierten Bomben zur Vergeltung. „Wenn man unschuldige Kinder und Babys mit Giftgas umbringt, dann überschreitet das für mich viele, viele Linien jenseits einer roten Linie“ wird er zitiert.
Warum kann ein Angriff mit Giftgas die Politik so verstören, dass unreflektiert zu den Waffen gegriffen wird und neue militärische Auseinandersetzungen drohen? Warum bedienen die Medien sich der grausamen Bilder vom Sterben Unschuldiger und setzen damit noch mehr Emotionen frei? Warum verdient der tägliche schnelle Tod in Syrien durch eine Gewehrkugel oder ein Artilleriegeschoss oder eine Rakete viel weniger Aufmerksamkeit in den Medien? Sterben die Menschen nicht genauso qualvoll daran? Warum interessieren sich die Reporter mehr für die Giftgasopfer? Warum werden die Opfer von fast lautlosen US-Dhronen – besonders die versehentlich getroffenen Opfer – nicht ebenso im Bild gezeigt? Die Militärs zeigen der Presse ein Luftbild im Moment der lautlosen Detonation des Zielobjekts. Kein Schrei, keine sichtbaren Wunden, ja nicht einmal Menschen im Bild. Und warum? Damit wir ja kein „falsches Mitgefühl“ empfinden? Und genau diese Fotos werden dann gedruckt – auch in der FR.
Warum sehen wir etwa keine Bilder vom täglichen Sterben im Jemen nach den Luftangriffen der Saudis und ihrer Verbündeten? Vielleicht, weil sie gute Abnehmer unserer Waffen sind? Oder vielleicht, weil es keine „unabhängige“ Beobachtungsstelle im Jemen gibt? Oder kaum Reporter, die vor Ort berichten?
Merke: Die nachweislich gefälschten Behauptungen über Massenvernichtungswaffen im Irak waren der Vorwand für die US-geführte Koalition der Alliierten unter G.W. Bush zum Krieg gegen den Irak und einem „Regime change“, in dessen Verlauf die Bewegung Islamischer Staat geboren wurde.
Das sollten wir nicht vergessen, bevor unreflektiert nach noch mehr Bomben gerufen wird.
Darüber hinaus wäre zu wünschen, Europa und auch europäische Spitzenpolitiker zeigten lauter und mutiger, dass der mühsame Weg diplomatischen Anstrengungen allemal besser ist als sich einem neuen Rüstungswettlauf der neuen US-Regierung anzuschließen.“

66 Kommentare

  1. Karl Müller sagt:

    Ein echter „Lückenpresse“ Artikel, muss das sein?

    Es gab eine Freisetzung, ob als Folge des Angriffs oder durch dabei verwendete Kampfmittel ist nicht nachgewiesen.
    Der „Aerosol“ Teil ist auch Unfug. GB ist ausreichend flüchtig um temperaturabhängig schnell in die Gasphase überzugehen. In Form von Tröpfchen wäre die Hautresorptionsdosis zu hoch das es kaum noch Bilder von Geschädigten geben würde, die noch ansatzweise bei Bewusstsein wären.

    Zu Ghouta empfiehlt es sich den Laborbefund der OPCW zu lesen, der ist hinreichend eindeutig.

  2. Frank Wohlgemuth sagt:

    @ Helmut Penschinski
    „Cui bono“ (= Wem nutzt es) ist immer eine interessante Fragestellung, aber führt nie sicher zum Ziel, weil wir weder den objektiven Informationsstand der Akteure kennen, noch ihre persönlichen Präferenzen. Um das praktischer zu erklären: Ein Assad, der die Hoffnung auf Geheimhaltung hegt, könnte durchaus bereit sein, wegen eines kleine taktischen Vorteils oder auch aus persönlichen Gefühlen bestimmten Feinden gegenüber zu Mitteln zu greifen, die ihm, nachdem sie bekannt geworden sich, strategisch zum Nachteil gereichen.

    Also, wenn es sich hier nicht um eine Angriffsfolge bei vorhandenen Kampfstofflagern sondern um einen direkten Einsatz dieser Kampfstoffe gehandelt hat und wer immer hier die Verantwortung trägt: Dass der Einsatz der Mittel bekannt geworden ist, heißt nicht, dass man vor der Anwendung davon ausgehen musste, dass er bekannt wird. Außerdem geht der Cui-bono-Ansatz von einem rational handelnden Entscheider aus. Eine momentane besondere Hormonsituation und nichts stimmt mehr. Auch die Rationalität solcher „Spontis“ wie Trump ist höchstens im Rückblick und mit statistischen Mitteln erkennbar, auch Psychopathen, auf Führungssesseln gar nicht so selten, haben andere Entscheidungsmuster, so dass dieser Ansatz hier problematisch wird. Bei den hier beteiligten kann man nach meiner Meinung sowohl bei Assad als auch bei Putin und Trump von psychopathische Zügen ausgehen.

  3. Karl Müller sagt:

    @ Frank W.

    ein Luftangriff bei dem Sprengbomben in Gewichtsklassen von 250-500 kg abgeworfen werden verdrängt durch die Ausbreitung der Sprengschwaden jede Kleinmenge von Kampfstoff, und verhindern damit den Aufbau einer wirksamen Konzentration in Bodennähe. Was dafür spricht dass hier eine am Boden befindliche kleinere Ladung getroffen worden sein kann. Natürlich kann diese auch während des Angriffs vom Boden angesprengt worden sein.

    OPCW hat diverse USBV mit Sarin Füllung, auf die von Regierungsseite hingewiesen worden war, untersucht und das wäre somit nicht der erste Fund…

    Kurz alles mit größter Vorsicht zu genießen!

  4. Stefan Vollmershausen sagt:

    verzeihung das ich nicht auf die Kommentare eingehe

    Wer soll oder sollte denn Syrien in der Zukunft kontrollieren ? Oder sollte gar eine Teilung Syriens erwägt werden ?

    Eine neue mögliche Strategie ist, nach der amerikanischen Reaktion, ins Spiel gekommen, die Zurückdrängung der russischen Interessen in Syrien durch amerikanische Aktivitäten. Die Grenzen waren am Bosporus für Russland 2015 geöffnet, sogar eine Militärbasis in Latakia konnte aufgebaut werden. Die freie Fahrt durch den Bosporus wurden mit Kriegsschiffen für Russland möglich. Willkommenskultur nicht nur in Deutschland, wie vor zwei Jahren, sondern auch im östlichen Mittelmeer. Keine Flüchtlinge mehr, dafür russische Soldaten in der Levante. Die USA erwiesen sich dabei als Zuschauer, wie auch schon in der Ukraine, bei den Kämpfen im Donesker Becken. Russland wollte immer schon einen Stützpunkt im östlichen Mittelmeer haben, einen Stützpunkt, als sei es eben die Ostsee. Das ist schon einmal eine ausgesprochene Pleite der Obama Regierung gewesen, dass sie es zuließ, das Syrien die Grenzen für die russischen Soldaten öffnete.
    Rein historisch ist ein solcher russischer Stützpunkt wie Latakia in Syrien meines Wissens einmalig.

  5. Rudi sagt:

    @ Stefan Vollmershausen
    Aus Ihnen spricht die Nato, und sonst nichts. Haben Sie jemals Quellen außerhalb des Atlantiker-Jargons zur Kenntnis genommen? Vorstellen kann ich mir das nicht. Zur Verdeutlichung Ihrer völlig an der Realität vorbeigehenden Sichtweise zunächst zwei Zahlen: Die USA unterhalten weltweit ca. 1000 militärische Stützpunkte, andere Zählungen kommen auf 750. Ein Netz, das über die gesamte Erdkugel gespannt ist. Russland hat dagegen nach Aussagen der russischen Botschaft zwanzig in insgesamt zehn Staaten, darunter zwei in Vietnam und eine in Syrien. Wikipedia spricht von insgesamt 25 internationalen Stützpunkten. Setzt man die 1000 in Beziehung zu den 25 der Russen, so liegt der russische Anteil bei 2,5 Prozent im Vergleich zum amerikanischen.

    Weitere Zahlen, die aufschlussreich sein könnten: Die Militärausgaben der USA lagen lt. Sipri 2015 bei 523 Milliarden Euro, die Russlands bei 58,3 Milliarden. Deutschland wendete in dem Berichtsjahr 34,6 Milliarden auf. Allein der Vergleich USA vs. Russland zeigt ein Verhältnis von rund 10 zu 1 auf. Der deutsche Etat erreicht schon 60 Prozent des russischen. Vergliche man jetzt noch die Nato insgesamt (763 Milliarden Militärausgaben) mit Russland kann man sich ungefähr vorstellen, wie die Machtverhältnisse verteilt sind.

    Wichtig wäre jetzt noch die geostrategische Lage zu eruieren. Ein Blick darauf, wie die militärische Lage einzuschätzen ist, zeigt das Nato-Manöver „Atlantic Resolve“ vor wenigen Wochen an den Staatsgrenzen Russlands. Vergleichbares vor den Grenzen der USA wäre undenkbar. Und jetzt gilt es, dem Diktum Trumps zu folgen und die Militärausgaben auf zwei Prozent des jeweiligen BSP zu erhöhen. Der Nato-Sprech wurde in dem führenden Wochenmagazin schon unter folgender Überschrift publiziert: „Nato-Länder hinken mit Militärausgaben hinterher“. Die Kriegsverherrlicher haben derzeit eindeutig die Oberhand.

  6. Stefan Briem sagt:

    An Rudi

    „Aus Ihnen spricht die Nato, und sonst nichts.“

    Na und? Das ist immer noch mehr, als aus Ihnen spricht. Wir wollen mal bitte nicht vergessen, dass die NATO gemäß ihrer Statuten ein Verteidigungsbündnis ist. Dass dem Psychopathen Putin mit derben Manövern an seiner Grenze die Verteidigungsbereitschaft aufgezeigt wird, ist nur zu begrüßen. Die Manöver, die er seinerzeit an der Grenze zur Ukraine hat abhalten lassen, waren ebenfalls nicht von Pappe, aber die werden von Leuten wie Ihnen gern mal unter den Teppich gekehrt.

    Donald Trump hat im Wahlkampf so geklungen, als würde er die NATO am liebsten abwickeln. Jetzt bombardiert er Syrien und zeigt damit, dass er die NATO tatsächlich nicht braucht. Ihr Rekurs auf die NATO, Herr Rudi, ist daher an dieser Stelle völlig überflüssig, und die Fragen, die Herr Vollmershausen aufwirft, sind völlig berechtigt. Ich fände es gut, wenn Sie dazu was sagen würden statt hier in Anti-NATO-Rhetorik zu verfallen. Aber so ist das eben mit unseren Putin-Verstehern. Sie haben vergessen, wer für die lange Friedensphase nach dem II. Weltkrieg wesentlich verantwortlich war.

  7. hans sagt:

    Kann mir mal jemand den Unterschied zwischen toten Kindern, die auf Grund von Fassbomben oder auf Grund von Chemiewaffen sterben, nennen.Das eine passiert in Syrien nahezu täglich und interessiert, man kann schon fast sagen, niemand und das andere löst einen Militärschlag aus. Das ist wohl so wie bei den Terrortoten und den Verkehrstoten? Das muss man vielleicht auch nicht verstehen?

  8. Stefan Vollmershausen sagt:

    unter welchem System wäre es denn am erträglichsten für die Mehrheit der syrischen Bevölkerung ?
    Das gegenwärtige Assad Regime ist unerträglich, dieses unbeirrte Festhalten an der Macht, sei es unter welchen Opfern auch immer, ob mit Faßbomben oder mit Giftgas gegen die eigene Bevölkerung, mit einer Bombardierung wie in Aleppo. Es ist so unerträglich das Assad Regime, das sich ein großer Teil der syrischen Bevölkerung auf der Flucht befindet.
    Damit hat sich doch das Assad Regime selbst delegitimiert.
    Es wäre der Zukunft nicht förderlich, würde dieses Regime weiter herrschen. Ein schlechtes Beispiel für Andere wäre eine solche Zukunft Syriens.
    Aber die Alternativen dazu ? Eine Teilung wie in Berlin, schiitisch, sunnitisch, kurdisch. Damit liege ich mit dem islamischen Staat garnicht so weit auseinander. Die Möglichkeiten dazu haben nur die Großmächte Russland und die USA.

  9. Karl Müller sagt:

    @ Hans,

    was soll das Propagandamärchen von den „Fassbomben“? das ist nichts weiter als eine improvisierte, billige Abwurfmunition…
    Ansonsten wird hier mal wieder in schlichtem Geiste behauptet wer der Besitzer des freigewordenen Sarins gewesen sein soll. Belege gibts dafür keine.

    Aber symptomatisch für Meinungsstärke die weit ertönt was gewünscht zu sein scheint, und das Gewicht der zum Thema passenden französischen und OPCW-Bericht mangels Verständnis gar nicht erfasst hat…

  10. Rudi sagt:

    @ Stefan Briem, Sie schreiben:
    „Wir wollen mal bitte nicht vergessen, dass die NATO gemäß ihrer Statuten ein Verteidigungsbündnis ist. (…) Sie haben vergessen, wer für die lange Friedensphase nach dem II. Weltkrieg wesentlich verantwortlich war.“

    Was heißt hier „lange Friedensphase nach dem II. Weltkrieg“? Schon 1953 ging es im Iran weiter. „CIA bekennt sich zu Militärputsch 1953 im Iran“, schrieb ‚Die Welt‘ 2013. 60 Jahre hat es gedauert, bis die USA ihre Tat zugaben. Der damalige gestürzte Präsident des Iran war demokratisch gewählt. Eingesetzt wurde nachher Schah Mohammed Reza Pahlavi. Die gemeinsame Aktion der Engländer und US-Amerikaner „richtete sich gegen die Verstaatlichung der iranischen Erdölindustrie, die den angloamerikanischen Interessen zuwider lief“, wie ‚Die Welt‘ dies formulierte. Erinnert sei auch an Kuba oder Vietnam in den 60er Jahren. Also so lange haben wir den US-Amerikanern keine Friedensphase zu verdanken. Es folgten Serbien, Afghanistan, Irak oder Libyen, um nur einige zu nennen. Alles militärische Aktionen, die illegal waren, weil sie kein Mandat des Uno-Sicherheitsrates hatten. Außerdem waren es keine Verteidigungskriege, trotz Nato-Statuten. Papier ist geduldiger als die Kriegstreiber, zumal diese stets wirtschaftliche oder militärstrategische Interessen verfolgen. Allein diese wenigen Beispiele deuten darauf hin, dass die Nato nicht statutengerecht agiert.

    Bei der Beurteilung nicht vergessen werden darf: Der Krieg der USA gegen Panama (1993) oder der Angriff der US-Amerikaner und der Briten auf den Irak (2003) konnten vom UN-Sicherheitsrat nicht verurteilt werden, weil beide Staaten einen Sitz im Ständigen Sicherheitsrat haben und damit ein Vetorecht besitzen. Ihre kriegerischen Handlungen können also kaum verurteilt werden. Alle Resolutionen gegen Israel scheitern immer an der selben Veto-Macht: den USA. Dass die USA mit den Raketen auf Syrien das Völkerrecht gebrochen haben, dürfte auch unter Juristen für internationales Recht außer Zweifel stehen.

    Quelle Die Welt: https://www.welt.de/geschichte/article119180782/CIA-bekennt-sich-zu-Militaerputsch-1953-im-Iran.html

  11. JaM sagt:

    @ Karl Müller
    Wenn Sie den Einsatz von „Fassbomben“ als ein „Propagandamärchen“ bezeichnen,halten Sie dann das Töten von Zivilbevölkerung mit „einer improvisierten, billigen Abwurfmunition“ für legitim?

  12. Stefan Vollmershausen sagt:

    @ Rudi
    „Dass die USA mit den Raketen auf Syrien das Völkerrecht gebrochen haben, dürfte auch unter Juristen für internationales Recht außer Zweifel stehen.“

    Die internationale Gemeinschaft ist an einer Rechtsprechung interessiert, die nicht nur Opfer zu beklagen hat, sondern entsprechende Taten auch verfolgt.
    Also dazu gibt es einen Beschluss der UN noch zu Obamas Zeiten, der die Vernichtung sämtlicher Chemiewaffen des syrischen Regimes bestimmt. Unter internationaler Kontrolle sollten die Chemiewaffen abgegeben und vernichtet werden. Barack Obama sprach damals von einer roten Linie. Sergei Lawrow schlug daraufhin überraschend vor, das sämtliche Chemiewaffen abgegeben werden sollen unter russischer Kontrolle. Dafür sah Obama von einem Angriff auf Syriens Regime ab, was ihm aber später als Schwäche ausgelegt wurde. Demnach besitzt das Assad Regime keine Chemiewaffenbestände mehr. Das ist durch den Giftgaseinsatz widerlegt worden. Da der Einsatz des Giftgases mittels Luftwaffe geschah, kommt nur das Assad Regime als möglicher Täter in Frage.
    Demnach handelte Donald Trump mit Bezug zu seinem Amtsvorgänger, der einen vergleichbaren Giftgasangriff unbeantwortet ließ.Eben das ist im Einklang mit dem Völkerrecht.

    @ Rudi „Also so lange haben wir den US-Amerikanern keine Friedensphase zu verdanken.“

    Im Übrigen hat Amerika uns vom Nationalsozialismus befreit, mit einer Friedensphase in Europa bis 1990. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war es mit dem Gleichgewicht zuende, seitdem haben wir in unserer näheren Region kriegerische Auseinandersetzungen.Es sind meines Wissens bereits über fünfzig Jahre die den Frieden sichern. das geht nun bereits in die dritte Generation.

  13. Torben Waschke sagt:

    Nach Afghanistan, Irak und Libyen ist Syrien ein weiteres Beispiel dafür, wie die Chancen, die das Ende des Kalten Krieges geboten hat, verspielt und stattdessen neue Probleme kreiert wurden. Das bilaterale Verhältnis zwischen Russland und den USA war zuletzt zu Zeiten des Jom-Kippur-Kriegs 1973 so schlecht wie heute. Im Syrien-Konflikt dynamisiert sich eine Wechselwirkung von interner Machtauseinandersetzung und externer Einmischung sowie zeigt sich eine konfligierende Akzentuierung in der außenpolitischen Kultur. Der Konflikt ist vorrangig durch Vorwürfe an die jeweilige Gegenseite charakterisiert. Zudem werden die machtpolitischen Denkschablonen von einer Exklusionspolitik und Deutungshoheit begleitet, indem man sich selbst mit dem „Guten“ identifiziert und zugleich der Rückgriff auf die Charakterisierung dessen, der diese Vorstellung nicht akzeptiert, als das „Böse“ diffamiert. Was wiederum in der Eigenperzeption zu einer konfrontativen Politik ermächtigt, um das Böse einzudämmen und dem Guten zum Durchbruch zu verhelfen.

    Die USA rechtfertigen ihr Vorgehen im Nahen und Mittleren Osten als Verteidiger der humanen Werte, obwohl gleichzeitig durch die Bombardierung in Mossul ganze Familien ausradiert werden. Es entsteht ein Bild, dass dieses Vorgehen schon aufgrund des demokratischen Charakters legitimiert; dem gegenüber wird die Haltung Moskaus, immer wenn diese von der westlichen abwich, wie zum Beispiel bei der Zukunft von Assad, mit Hinweis auf ihren „demokratiedefizitären“ Charakters delegitimiert. Vetos der Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat (z. B. im Falle von auf Israel bezogene Resolutionen) werden wie selbstverständlich nicht als „Blockadepolitik“ gewertet, sondern als Ausdruck legitimen Handelns demokratischer Staaten. Die USA werden das Synonym für das Richtige und Gute, Russland im Streitfall zum Synonym für das Negative. Umgekehrt ist auch auf russischer Seite die Entwicklung analoger Muster deutlich. Mit seinem Vorgehen in Syrien präsentiert sich Russland widersprüchlich als Wächter des Völkerrechts bzw. zu seiner eigenen Außenpolitik, die auf dem Primat der staatlichen Souveränität und auf dem generellen Nichteinmischungsgebot basiert. Die USA werden zunehmend mit einer „imperialistischen Tradition“ gleichgesetzt, gegen das sich ein von Eindämmung und Einkreisung bedrohtes Russland zu wehren habe. Putin wird den Raketenangriff der Amerikaner zur Bestätigung westlicher Bigotterie innenpolitisch nutzen, um einerseits von den Korruptionsdemonstrationen abzulenken und im Gegenzug die eigene Bevölkerung gegenüber den größeren Rivalen zu mobilisieren.

    In der mutwilligen Geopolitisierung in Syrien geht es vor allem um die Reorientierung und Abgrenzung von Einflusssphären zwischen den USA und Russland. Die Existenzialisierung in systemischen Kategorien ist Katalysator geopolitischen Denkens. Aus der geopolitischen Konkurrenz entwickeln sich jene Deutungs-, Abgrenzungs- und Dämonisierungsmuster. Um jedoch die verschärfenden geopolitischen Friktionen in multilateralen Verhandlungen zukünftig ernsthaft lösen zu wollen, muss die Politik auf komplementäre Zielsetzungen und inkludierender Kooperation setzen. Es gilt Michail Gorbatschows globalen Impetus zu folgen: „Politik und Ethik müssen vereint werden.“ Ansonsten wird der Austrag von Konkurrenz und Aversionen mittels Krieg katastrophale Folgen für alle Beteiligten.

  14. Karl Müller sagt:

    @ JaM,
    ist kriegsvölkerrechtlich meist ein tatsächlich erlaubter Kollateralschaden.
    Um rechtswidrig z sein müsste es in diesem Zusammenhang, dem Einsatz von Abwurfmunition, schon so sein das nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterschieden werden würde und dazu müsste noch nachweisbar sein das die eingesetzten Kampfmittel nicht diejenigen mit der mildesten Wirkung gewesen wären.

    Und Lesen bitte, „Fassbomben“ sind nicht deshalb dümmliche Propaganda, weil diese etwa geworfen würden, sondern weil diesen improvisierten Kampfmitteln eine Zielwirkung angedichtet wird die schon sprengstoffphysikalisch nicht vorhanden sein kann.

  15. Karl Müller sagt:

    @ V

    Geben Sie eigentlich jeden Unfug so kritiklos wieder?

    Es ist nicht mal nachweisbar ob sich die GB Freisetzung als Folge oder unmittelbare Wirkung von Luftangriffen ereignet hat.

    Und ganz sicher ist der Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt zweckmäßig auf dem nach Ihrer bescheidenen Theorie noch weitere Kampfstoffe lagern?…

  16. Bronski sagt:

    @ Karl Müller

    Bitte bleiben Sie freundlich.

  17. Karl Müller sagt:

    Hallo Bronski,

    angesichts der Flut undifferenzierter „Wahrheiten“ bei diesem brisanten Thema nicht ganz einfach. Mittlerweile rollt ja eine regelrechte Flutwelle an bemüht konstruierten „Argunmenten“ durch den Blätterwald dass es keinesfalls irgendwelche Rebellen gewesen sein können, warum eigentlich?

  18. Bronski sagt:

    Hallo Herr Müller,

    vielleicht weil es ein hochwichtiges Thema ist, das einmal als Auslöser des Dritten Weltkriegs gelten könnte? Wenn Sie meinen Lückenpressetext zu Ende gelesen haben, wissen Sie, dass ich die Urheberschaft durch Rebellen durchaus für möglich halte. Aber wir kennen noch nicht alle Fakten und sind aufs Spekulieren zurückgeworfen. Diese schlichte Wahrheit gilt für mich wie für Sie sowie auch für Herrn Vollmershausen. Die Einschätzungen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Übrigens auch die von Martin Gehlen, den ich als ausgewiesenen Experten für den Nahen Osten sehr schätze. Also: Bitte freundlich bleiben! Danke.

  19. Rudi sagt:

    @ Stefan Vollmershausen
    Sie schreiben: „Demnach handelte Donald Trump mit Bezug zu seinem Amtsvorgänger, der einen vergleichbaren Giftgasangriff unbeantwortet ließ. Eben das ist im Einklang mit dem Völkerrecht.“

    Sie argumentieren mit fest verschlossenen Augen. Nicht mal die gutbürgerliche Presse, stellvertretend sei die SZ vom 07.04.17 genannt, meint, dass dieser US-Angriff völkerrechtskonform sei. Dort wird zurecht darauf hingewiesen, dass die Charta der Vereinten Nationen den Einsatz von Gewalt nur dann billige, wenn ein angegriffener Staat sich verteidigt oder der UN-Sicherheitsrat den Militärschlag genehmigt. Trump, der das Sicherheitsinteresse der USA in Syrien bedroht sieht, könne sich auf keines der beiden Prinzipien berufen.

    Was Sie hier vorbringen, ist ein Konstrukt um fünf Ecken, aber juristisch nicht haltbar. Sie wissen natürlich, dass Recht durchzusetzen auch eine Machtfrage ist. Wer genügend Macht besitzt, kann das Recht beugen. Nicht zufällig akzeptieren die USA den Internationalen Gerichtshof in Den Haag nicht. Und nochmal auch für Sie: Bewiesen, wer den Giftgasangriff durchführte, ist bisher nichts. Teheran fordert eine Untersuchung. Es fordert ein unabhängiges Gremium, das die Herkunft der toxischen Substanzen klären soll. Für mich klingt das vernünftig.

    Sie dagegen scheinen die Lage abschließend analysiert zu haben, wenn Sie schreiben: „Da der Einsatz des Giftgases mittels Luftwaffe geschah, kommt nur das Assad Regime als möglicher Täter in Frage.“ Meine Frage an Sie: Welchen Nutzen in der gegenwärtig relativ komfortablen Kampf-Situation soll sich Assad mit dieser Tat versprochen haben?

  20. Stefan Vollmershausen sagt:

    Herr Rudi, ihre Anmerkungen sind völlig begründet, noch zudem wenn es um Aktionen eines Präsidenten wie Donald Trump geht.
    Ich meine aber „Responsibility to protect“ kurz R2P die Schutzverantwortung, die 2005 von den Vereinten Nationen übernommen wurde, die auch bereits in Resolutionen wie zu Libyen Anwendung fand. Die Schutzverantwortung der internationalen Gemeinschaft für den Fall von gravierenden Menschenrechtsverletzungen.
    Was den syrischen Bürgerkrieg betrifft, handelt es sich doch fraglos um eine permanente Menschenrechtsverletzung. Nicht zuletzt gebierte dieser Bürgerkrieg auch die Outlaws vom IS.

    Herr Rudi : „Welchen Nutzen in der gegenwärtig relativ komfortablen Kampf-Situation soll sich Assad mit dieser Tat versprochen haben?“

    Assad erwartete auch von Trump dieselbe Zögerlichkeit die in den beiden Amtszeiten Obamas herrschten. Unter dem Eindruck von George W. Bush waren die USA ja kriegsmüde geworden, militärische Abenteuer wurden in den Amtszeiten Barack Obamas nach Möglichkeit vermieden. Assad erwartete dieselbe Zögerlichkeit von Trump – Zögerlichkeit, die ja auch die EU mit auszeichnet, wie in der Ukraine, wie in der Entwicklung zur Türkei, wie in Syrien.
    Zögerlichkeiten oder Ohnmachtsgefühle der EU anhand von Entwicklungen die zu Beginn nur an ihren Außengrenzen stattfanden. Mittlerweile haben diese Entwicklungen aber auch schon uns in der Mitte der EU erreicht. Die Anschläge häufen sich immer mehr, Paris Brüssel Berlin Stockholm – die Mitte Europas ist auch schon davon betroffen..
    Mutter Courage, Angela Merkel, ist auch nicht der Typ, der impulsiv auf Schreckenstaten reagiert wie in Chan Scheichun. Ausgleichend wie Angela Merkel ist, stellt sie für Assad keine Gefahr dar. Wenn es nicht die amerikanische Cruise missiles getan hätten, hätte es niemand getan.
    Ich denke nicht Herr Rudi das ein Nicht-Handeln die richtige Antwort auf Untaten wie in Chan Scheichun gewesen wäre.

  21. A.H. sagt:

    Guten Tag !

    „Nichthandeln“ wird ja auch von niemandem gefordert. Es ist allerdings ein Unterschied, ob man zunächst einmal versucht, die Verantwortlichen für den abscheulichen Giftgasangriff zu finden (ja, das ist mühsam!) und DANN zu handeln oder ob man meint, auch ohne jeden Beweis völkerrechtswidrig losschlagen zu können (auf der Basis eigener angeblicher Beweise, die aber nicht vorgelegt werden können- sowas ähnliches hatten wir doch schonmal vor dem Irakkrieg).

    Das von Herrn Vollmershausen entworfene Alternativszenario- entweder die USA schicken (nochmal: völkerrechtswidrig!!) Raketen nach Syrien oder der Giftgasangriff bleibt folgenlos, existiert also gar nicht.

    Bleiben wir mal bei den Fakten:

    1.) Der Angriff mit Giftgas war abscheulich und verbrecherisch.
    2.) Das Ermorden von Zivilisten durch „herkömmliche Bomben“ ist (vollkommen unabhängig davon, wer die Bomben geschmissen hat) ebenfalls abscheulich- auch wenn diese Bilder Herrn Trump offenbar emotional nicht so aufwühlen (vielleicht ja auch deshalb, weil herkömmliche Bomben auch von den USA geschmissen werden?)
    3.) Der Raketenbeschuss in Syrien war völkerrechtswidrig. Auch das r2p verlangt einen Sicherheitsratsbeschluss.
    4.) Es gibt auch (und insbesondere) kein „Notwehrrecht“, wenn einem die Beschlüsse des Sicherheitsrates nicht passen oder nicht zum gewünschten Erfolg führen.
    5.) Es ist ja keineswegs so, dass immer nur Russland durch ein Veto Beschlussvorlagen anderer Länder gekippt hätte- China hat, soweit ich weiß, 6 von 8 entsprechende Resolutionen zum Thema Syrien ebenfalls durch ein Veto blockiert. Und auch im Sicherheitsrat insgesamt haben gestern von 15 Staaten „nur“ (oder immerhin, je nach Lesart) 10 Staaten der Resolution zugestimmt, zwei waren dagegen und drei haben sich enthalten.
    6.) Die Tatsache, dass die Aktion völkerrechtswidrig war ist auch keine Petitesse, denn jede entsprechende Aktion höhlt das Völkerrecht aus und sorgt dafür, dass demnächst noch mehr Staaten, ihre Interessen oder Meinungen auch gegen das Völkerrecht durchsetzen, was die Welt weder sicherer noch ziviler noch berechenbarer macht. „Der Westen“ hat seinerzeit Russland für die völkerrechtswidrigen Aktionen in der Ukraine (mMn zurecht) massiv kritisiert- aber wenn man selber das Völkerrecht bei Bedarf bricht oder leichtfertig darüber hinweg geht, dann verliert man weiter Glaubwürdigkeit, wenn man andere Staaten genau deshalb kritisiert.

    Für mich stellen sich in dem Zusammenhang mit dem aktuellen Giftgasangriff zwei weitere grundsätzliche Fragen:

    1) Warum sollte Assad, der militärisch durch die Unterstützung Russlands und durch den Iran in die Vorhand gekommen ist, nur ein paar Tage nachdem von der US-Administration erstmals zugesagt wurde, dass es sie nicht wesentlich interessieren würde ob und ggfs. wie lange Assad noch an der Macht bleibt, weil man sich auf den Kampf gegen den IS konzentrieren möchte, so bescheuert sein und militärisch relativ unsinnig irgendeinen Ort mit Giftgas bombardieren (er hätte ja wohl mit dem gleichen militärischen Effekt auch normale Bomben schicken können, die ja weit weniger Aufmerksamkeit erregen) und damit alles Erreichte wieder in Frage stellen?

    2) Warum versucht „der Westen“ im UN-Sicherheitsrat nicht vorab eine Resolution mit Russland abzustimmen (zumal wenn Russland ja im Prinzip schon einer unabhängigen Untersuchung zugestimmt hat) in der man auf die Forderungen Russlands nach einer neutralen Untersuchung eingeht ohne schon im Resolutionsentwurf deutlich zu machen, dass man die Schuldfrage für geklärt hält?

    Man sollte sich doch immer vor Augen halten, dass Russland nun einmal in Syrien eine Rolle spielt- ob einem das passt oder nicht. Russland unterhält in Syrien eine Militärbasis und den einzigen Flottenstützpunkt mit direktem Zugang zum Mittelmeer- strategisch/geopolitisch für Rissland sehr wichtig.
    Und wenn das so ist und man nicht bereit ist, Russland auch militärisch aus Syrien herauszudrängen (und ich hoffe wirklich sehr, dass weder hier noch weltweit jemand zu finden ist, der einen Krieg mit Russland riskieren will), dann muss man, auch wenn das langwierig ist und sicher nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, versuchen, sich mit Russland ins Benehmen zu setzen- auch wenn das heißt, dass man seine eigenen (möglicherweise auch berechtigten oder begründeten) Forderungen nicht 1:1 umsetzen kann und die Einwände dagegen für „hirnverbrannt“ hält. Es geht nun einmal nicht anders, wenn man möchte, dass sich die Staaten allesamt an ein Mindestmaß an Regeln halten und wir nicht so eine Art „Faustrecht“ einführen bzw. das „Recht des Stärkeren“ wieder wenigstens etwas begrenzen wollen.

    Im übrigen, auch darauf muss man in dem Zusammenhang verweisen, sind Russland und auch China auch deshalb so „verhalten“ mit der Zustimmung zu Resolutionsentwürfen aus den USA, England oder Frankreich, weil diese das seinerzeitige Einlenken von Russland und China in der Libyenfrage (Russland und China hatten sich bei der Einrichtung von Flugverbotszonen zum Schutz der Zivilbevölkerung der Stimme enthalten) schlechte Erfahrungen gemacht haben.
    Die Enthaltung in Bezug auf die Flugverbotszone wurde von den interessierten Staaten flugs in eine weitreichendere Ermächtigung, einen regime change herbeizubomben, umgedeutet, den aber weder Russland noch China in dieser Form gewollt haben. Dass sich Russland und China nicht gerne noch einmal so über den Tisch ziehen lassen wollen, dürfte auch klar sein.

    Was hat man nun durch den Raketenbeschuss erreicht? Meiner festen Überzeugung nach hat man eine friedliche Lösung der Syrienfrage noch einmal ein paar Umdrehungen erschwert und zudem das Verhältnis zu Russland noch einmal etwas verschlechtert.

    Russland kann ja jetzt gar nicht anders als noch enger zu Assad zu stehen, weil man sich ja nicht von den USA, die Russland als „Regionalmacht“ verspottet haben, diktieren lassen kann, wen man als Verbündeten betrachtet und wen nicht- das ist mindestens EINE mögliche Reaktion aus Moskau, die ich persönlich für die wahrscheinlichste halte.

    Und dann hat man vor allem für die Menschen in Syrien (und um die sollte es ja eigentlich gehen) rein gar nix erreicht- im Gegenteil. Eine politische/friedliche Lösung ist in weiterer Ferne denn je. Russland wird (meiner Meinung nach) fester an die Seite Assads getrieben als es das vielleicht eigentlich möchte, Assad wird also weiter militärisch gestützt und die „Rebellen“ hoffen vielleicht doch wieder ein Stück darauf, dass die USA ihre ambivalent gewordene Haltung zu Assad noch einmal überdenkt und vielleicht doch zu der Position „Assad muss weg“ (als Vorbedingung für Friedensverhandlungen) zurückkehrt.

    Mir tun die Menschen in Syrien leid, die unter diesen geopolitischen Interessen Russlands (denen mMn das Regime Assad herzlich egal ist, ihnen geht es nur um ihre Militärbasen) und den „Halbstarkenattitüden“ des US Präsidenten genauso leiden, wie unter den religiös und ebenfalls geopolitisch begründeten Einmischungen von Anrainerstaaten wie der Türkei, Iran, Saudi-Arabien oder der Golfstaaten.

    Dieser ganze Mist (und ich sehe da wirklich nicht, dass irgendein „Teilnehmer der Auseinandersetzung noch eine vollkommen weiße Rüstung hat, die sind alle mehr oder weniger grau – mit Abstufungen zwar) wird auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen und trägt (auch das ein nicht zu vernachlässigender Faktor) nur dazu bei, den Umsatz und den Gewinn von Waffenproduzenten aller Coleur hochzutreiben.

  22. Bronski sagt:

    @ A. H.

    Ihr Kommentar hat 7500 Zeichen. Kommentare dieser Länge würgen jede Diskussion ab. Das gilt auch für Kommentare anderer User. Ich schalte diesen Kommentar frei, möchte Sie aber bitten, sich demnächst deutlich kürzer zu fassen.

  23. A.H. sagt:

    Selbstverständlich werde ich mich bemühen, mich zukünftig kürzer zu fassen- aber mMn gibt es eben sehr komplexe Zusammenhänge und die kann man eben nicht, so wie der US Präsident zu meinen scheint, auf 140 Twitterzeichen herunterbrechen.

    Im übrigen finde ich den Beitrag von Torben Waschke- auch oder vielleicht grade weil er etwas ausführlicher ist – ausgezeichnet, ausgewogen und sehr erhellend ;-).

  24. Frank Wohlgemuth sagt:

    „1) Warum sollte Assad, der militärisch durch die Unterstützung Russlands und durch den Iran in die Vorhand gekommen ist, nur ein paar Tage nachdem von der US-Administration erstmals zugesagt wurde, dass es sie nicht wesentlich interessieren würde ob und ggfs. wie lange Assad noch an der Macht bleibt, weil man sich auf den Kampf gegen den IS konzentrieren möchte, so bescheuert sein und militärisch relativ unsinnig irgendeinen Ort mit Giftgas bombardieren (er hätte ja wohl mit dem gleichen militärischen Effekt auch normale Bomben schicken können, die ja weit weniger Aufmerksamkeit erregen) und damit alles Erreichte wieder in Frage stellen?“ (A.H.)

    @ A.H.
    Keinen Antwort, aber eine Denkmöglichkeit:

    Weil es ihm überhaupt nicht um die militärische Ebene ging, sondern darum, den Esel Trump zu einer dummen Antwort zu bewegen.

    Die würde die anderen Natomitglieder zu einer auf längere Sicht ähnlich dummen Solidaritätskundgebung für Trump animieren, aber gleichzeitig weltweit zu einer Stimmung gegen Trump führen und damit weitere UN-Aktionen bremsen.

    (Das war der Teil, den ich oben in meiner Betrachtung des „cui bono“ nicht weiter ausgeführt hatte: Es kann für ein und die selbe Tat mehrere Bilanzierungsebenen geben, deren Bilanzen sich gegenseitig widersprechen.)

  25. @Frank Wohlgemuth
    Kann sein, aber Ockhams Rasiermesser spricht dagegen.

  26. A.H. sagt:

    @Frank Wohlgemuth:

    Sicher auch eine denkbare Möglichkeit. Aber ich würde mich da Herrn Flessner anschließen- wahrscheinlich ist das (in meinen Augen!!) nicht. Assad musste ja eigentlich aus der Geschichte wissen, dass die USA im Zweifelsfall auf die UN pfeifen und ihre Sicht der Dinge auch gegen den Sicherheitsrat durchsetzen- Syrien war ja nicht der erste Fall in dem das genauso passiert ist.

    Im Presseclub wurde am Sonntag ja darüber debattiert, ob Assad die Annäherung zwischen Russland und den USA hintertreiben wollte- da würde ich allerdings fragen, warum er das machen sollte, wenn er bei der Annäherung eben nicht das Bauernopfer wäre sondern auch nach Ansicht der USA durchaus weiter hätte Präsident bleiben können ?

    Theoretisch könnte es natürlich sein, dass in der Causa Syrien „Logik“ bei keinem der handelnden Akteure zu wichtig genommen wird…

  27. Und wenn hier noch tausend Posts stehen, werden wir den Fall nicht klären können. Was wir brauchen, ist rückhaltlose Aufklärung.
    Der Einsatz von Chemiewaffen (egal von wem) ist ein Kriegsverbrechen, die Bombardierung des Militärflugplatzes war völkerrechtswidrig. Ich bin dafür, die Sache von den Waffenexperten der UN untersuchen zu lassen.
    Allerdings hat Russland im Sicherheitsrat per Veto erneut eine Resolution verhindert, die genau das zum Ziel hatte. Wer die Aufklärung des Angriffs verhindert, aber gleichzeitig Behauptungen von einer „False Flag“-Operation in die Welt setzt, macht sich total unglaubwürdig.

  28. Rudi sagt:

    @ Michael Schöfer
    Als Ergänzung die Sichtweise der Russen, weshalb sie die Resolution abgelehnt haben: Der russische Vertreter in der UN sagte, dass der amerikanische Bombenangriff völkerrechtswidrig gewesen sei. Hier hätte zuvor der Sicherheitsrat zustimmen müssen. Die Resolution, die von England, Frankreich und den USA verfasst worden sei, hätte bei einer russischen Zustimmung den amerikanischen Raketeneinsatz nachträglich legitimiert. Dies hätte man nicht hinnehmen können.

  29. Stefan Briem sagt:

    Ich möchte noch einmal auf die NATO-Kritik von Rudi in den Kommentaren vom 11.4. um 17:09 Uhr und 12.4. um 13:01 Uhr zurückkommen, um das noch zu erledigen.

    Rudi, Sie haben tatsächlich keine Ahnung von der Nachkriegsgeschichte, wenn Sie CIA-Aktionen wie den „regime change“ im Iran 1953 oder den Panama-Krieg der USA (1989, nicht 1993, wie Sie schreiben) mit der NATO-Politik bzw. dem Abstimmungsverhalten einzelner NATO-Mitglieder im UN-Sicherheitsrat durcheinanderwerfen. Solche Argumentationsweisen scheinen bei Linken üblich zu sein. Auch bei anderen Usern in diesem Blog habe ich dieses Verhalten schon beobachtet. Man legt es gern dann an den Tag, wenn alle Argumente ausgegangen sind. Dann kommt der ganz große verbale Rundumschlag, in dem jede Differenzierung untergeht.

    Was einzelne NATO-Mitglieder unternehmen, kann nicht der NATO insgesamt angelastet werden. Das Abstimmungsverhalten von NATO-Mitgliedern im UN-Sicherheitsrat sagt nichts über die NATO insgesamt aus, sondern nur über die Strategie der einzelnen Nationalstaaten, die ihre Ziele verfolgen. Der Irak-Krieg 2003, der von den USA vom Zaun gebrochen wurde, hat mit der NATO nichts zu tun. Im Gegenteil, er hat innerhalb der NATO zu einer schweren Krise geführt. Frankreich und Belgien legten z.B. ein Veto gegen die Aufstellung deutscher Patriot-Raketen in der Türkei ein, dem Deutschland sich anschloss. Die Türkei wollte die Raketen für den Fall, dass Saddam sie quasi zur Entlastung angriff.

    Die NATO hat nach dem Ende des Kalten Kriegs, der die historisch gesehen längste Friedensphase in Europa war (die bis heute anhält), Legitimationsprobleme, aber sie hat keine Angriffskriege geführt bis auf einen, und auch der hatte letztlich defensiven Charakter, weil er einen Genozid verhindert hat. Ich meine den NATO-Einsatz im Rahmen des Kosovo-Kriegs, der zum Ende des Milosevic-Regimes geführt hat. Dieser Einsatz wurde ohne völkerrechtliche Legitimation geführt. Eine solche wäre nicht zu bekommen gewesen, da Russland im Sicherheitsrat jede Resolution gegen Serbien mit seinem Veto niedergestimmt hätte. Der Fall Syrien ist ähnlich gelagert. Der Angriff auf die syrische Luftwaffenbasis durch die USA ist zweifellos völkerrechtswidrig. Aber er war keine NATO-Aktion, sondern ein US-Schnellschuss, und da hören die Gemeinsamkeiten schon wieder auf.

    Libyen war ähnlich gelagert, aber hier gab es die UN-Resolution 1973, welche die libysche Regierung aufforderte, ihre Zivilbevölkerung zu schützen. Die Resolution ermächtigte die Weltgemeinschaft (!) zur Errichtung einer Flugverbotszone, um das Ziel des Schutzes der Zivilbevölkerung umzusetzen. Sie wurde von den Mitgliedern der Anti-Gaddafi-Allianz genutzt, um Gaddafis Gegner im Bürgerkrieg zu unterstützen. NATO-Mitglieder waren Teil dieser Allianz, aber ihr gehörten auch zahlreiche andere Nationen an. Der Einsatz wird bis heute „Internationaler Militäreinsatz“ genannt und nicht „NATO-Einsatz“.

    Afghanistan ist eine Mission unter NATO-Führung mit UN-Mandat, also völkerrechtlich abgesichert. Infolge der Attentate vom 11. September 2001 riefen die USA den NATO-Bündnisfall aus. Das ist das bisher einzige Mal, dass die NATO sich mit militärischen Mitteln verteidigt, so wie es im NATO-Vertrag niedergelegt ist.

    Schließlich: Dass der Sicherheitsrat die Irak-Invasion der USA und ihrer Gefolgsstaaten nicht verurteilt hat, ist ebenfalls nicht der NATO anzulasten, sondern nur der Struktur des Rates mit seinen Veto-Staaten selbst. Der Rat wird umgekehrt heute in exakt derselben Weise von Russland ausgehebelt. Russland macht also nichts anderes als das, was Sie, Herr Rudi, den USA im Fall des Irakkriegs vorwerfen. Das sollten sie anerkennen, um so letztlich auch einzuräumen, dass die russische Position heute genauso falsch ist wie damals die US-Position. Der Rat ist eben ein Abbild der Weltsituation nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wäre dringend reformbedürftig. Die NATO hat in diesem Rat jedoch keinen Sitz und steht hier damit auch nicht zur Debatte. Deswegen sollten Sie von der NATO schweigen, wenn es um Syrien geht.

    Ich bitte um Entschuldigung für den langen Text, aber wenn so viel durcheinandergeworfen wird, braucht es eben ein bisschen, um die Dinge zu entwirren.

  30. Rudi sagt:

    @ Stefan Briem
    Sie schreiben: „Deswegen sollten Sie von der NATO schweigen, wenn es um Syrien geht.“

    Warum? Aber gut, dann beziehe ich mich auf ‚Die Zeit‘, die im Januar 2016 schrieb: „Auf die Bundeswehr könnte eine Ausweitung des Syrien-Einsatzes zukommen.“ Die Nato hätte bestätigt, so berichtet die Wochenzeitung weiter, dass sie gebeten worden sei, der US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat Awacs-Flugzeuge zur Verfügung zu stellen. Diesem Einsatz mussten alle Bündnisstaaten zustimmen. Inzwischen wissen wir, dass die Bundeswehr diese Einsätze fliegt. Und zwar von einem in der Türkei gelegenen Nato-Stützpunkt. Dass die Nato mit Syrien nichts zu tun hätte, ist nicht haltbar.

    Ich beziehe mich auf die Bundesregierung: „Bundeswehrsoldaten als Teil der internationalen Besatzung von AWACS-Flugzeugen der Nato werden über Syrien aufklären. Die bei den Aufklärungsflügen in Echtzeit gewonnenen Daten ergeben ein noch besseres Lagebild.“

    Quelle des Zeit-Zitats: http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-01/usa-is-nato-awacs-flugzeuge
    Quelle Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/10/2016-10-10-bundeswehr-anti-is-einsatz.html

    Im Übrigen verbitte ich mir Ihren Vorwurf, ich hätte „keine Ahnung von der Nachkriegsgeschichte“. Argumentieren Sie gegen meine Darlegungen. Unterlassen Sie aber Ihre pauschalierenden Urteile ad personam. Dass Sie von mir fordern, ich solle von der Nato schweigen, wenn es um Syrien geht, bewegt sich auf dem selben Niveau.

  31. Stefan Vollmershausen sagt:

    Es ist schön, Herr Briem, im Blog nicht völlig allein zu stehen mit einer Position.
    Ich kann Ihnen bei ihren Ausführungen vom 14.4. 17 Uhr nur zustimmen.
    Aber die neusten Entwicklungen machen wieder Kummer. Der Aufmarsch des Flugzeugträgers „USS Carl Vinson“ vor Nordkorea, der Abwurf der Mega Bombe in Afghanistan gegen den IS- k.
    Der Feind versteckt sich seit jeher in den Bergen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, versteckt sich in Tunnelsystemen. Wie soll man dem beikommen, ohne wirksame Waffensysteme, wie der Mother of all bombs ? Wie ein Einsatz mit Gas die eigenen Soldaten schützt, so schützt diese konventionelle Bombe Moab die eigenen Soldaten. Ginge man mit Soldaten in die Tunnelsysteme im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, sind diese wahrscheinlich mit Sprengfallen gespickt. Mit der Methode der Bombe Moab verliert man keine eigenen Soldaten, genau dasselbe gilt für Giftgaseinsätze. Betroffen werden die Anderen, der Feind, die eigenen Soldaten müssen nicht in Gefahr gebracht werden.
    Es war Rebellengebiet in Chan Scheichun, der Einsatz von Giftgas sollte die Moral der syrischen Armee stärken, zumal wenn es vom Gegner ( auch der USA) unbeantwortet bleibt.
    Dem Feind soll Schaden zugefügt werden, ohne selber dabei Schaden zu nehmen.
    Dazu dienen sowohl Methoden wie die Bombe Moab oder das Giftgas – die eigene Moral zu stärken, den Feind einzuschüchtern. Das spricht für die These, das es vom regime ausging, in Chan Scheichun. Der Bürgerkrieg wird noch weitergehen, dazu werden Soldaten benötigt, die sich nicht in Kämpfen aufreiben lassen. Es wäre auch ein großer moralischer Erfolg, wenn es keine Antwort gegeben hätte.

  32. Karl Müller sagt:

    @ Vollmershausen

    haben Sie auch nur ansatzweise eine Einschätzung zum Zustand der Regierungsarmee?
    Wenn die Truppe sich auch nur ansatzweise schützen könnte, aber das ist bei dem aktuellen Zustand der Kampftechnik genau so unwahrscheinlich wie bei deren persönlicher Ausrüstung.

    Wer meint Sandalen und dünne Einweghandschuhe mit einer Papiermaske würden hinreichenden Schutz am Bodennullunkt gewähren, glaubt wahrscheinlich auch der Darstellung beim SPON, das Isopropanol „explodieren kann“…

    Und selbst für gezielten Kampfstoffeinsatz gilt: „viel hilft viel“, ein bisschen rumgeklecker ist nicht aufwandswirksam. Schon in offenem Gelände brauchts bei stabiler bodennaher Luft wenigstens 500kg/km² und entsprechend niedrige Bodentemperatur. Dicht bebautes Gelände welches sich über den Tag erwärmt benötigt mindestens die dreifache Belegungsdichte.

    Rein faktisch spricht derzeit gar nichts für die Zuordnung zu einer Seite als Verursacher.

  33. JaM sagt:

    @ Karl Müller

    „Rein faktisch spricht derzeit gar nichts für die Zuordnung zu einer Seite als Verursacher.“

    Das sehen die US-Geheimdienste anders und belegen es auch: https://www.nytimes.com/interactive/2017/04/11/world/middleeast/document-Syria-Chemical-Weapons-Report-White-House.html?_r=1

  34. @JaM
    Spätestens seit Saddams Massenvernichtungswaffen glaube ich Geheimdiensten nichts mehr.

  35. Stefan Vollmershausen sagt:

    Der Einsatz des Nervengases Sarin geschah im Bewusstsein, das ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien vorläufig nicht absehbar ist. Mit dem Einsatz verbotener Waffen Geländegewinne zu erzielen ohne dabei eigene Verluste zu machen, Kriegsparteien verhalten sich gleich.
    Man könnte sogar so weit gehen und von „Öl ins Feuer gießen“ reden.
    Der Krieg wird immer wieder neu angefacht, von den verschiedenen Kriegsparteien in Syrien. Damit entsteht der Eindruck, es gilt, wer den Erfolg will, muss nur den längeren Atem haben. Wie in Afghanistan wären es damit – bei einer solchen Entwicklung – ganze Generationen, die nur noch den Krieg kennen und keine Friedenszeiten mehr.
    Dem gilt es etwas entgegenzusetzen, notfalls auch mit amerikanischen Cruise missiles.
    Sie stimmen doch darin überein, das dieser Krieg in Syrien beendet werden sollte und das diese Haltung, eine Haltung des Westens ist, die nicht unbedingt von Russland geteilt wird.
    Was für Beweggründe könnten also das Assad Regime und seine Verbündeten haben, diesen Bürgerkrieg in die Länge zu ziehen ?
    Beweggründe, wie den Nahen Osten, wie den Mittelmeerraum zu destabilisieren, bis hin zur EU ?

  36. Karl Müller sagt:

    @ JaM,
    das sind bestenfalls unbegründete Unterstellungen, vermutlich lässt Ihre Ausbildung nicht zu den Unterschied zu erkennen?

    Ein Beweis wäre mit einem Zweizeiler und zwei Graphiken getan, ganz öde und naturwissenschaftlich: Set der Vernichtung des deklarierten Bestandes verfügt auch die uSA über sämtliche chemischen Fingerprints der verwendeten Substanzen. Ist ganz leicht auch für Laien fassbar darzustellen.
    Sie „glauben“ gern, das ist überaus realitätsverzerrend, riskieren Sie besser einen Blick in die Fachliteratur. Ist alles öffentlich zugänglich.

  37. Karl Müller sagt:

    @ Vollmershausen,

    mit Ihrer Hypothese machen Sie sich lächerlich, solange Sie dazu keine Beleg anführen können.
    Die Behauptung hinsichtlich der ungefährdeten Geländegewinne ist sachlich falsch.

  38. @Stefan Vollmershausen
    Ich halte es für eine Illusion, zu glauben, dass Frieden einkehrt, wenn eine von den USA geführte Gruppe den Krieg gewinnt.
    Wir haben in Syrien eine Situation wie früher im Irak. Der autokratische Herrscher kommt aus einer religiösen Minderheit, im Irak aus den Sunniten, in Syrien aus den Alawiten. Sie garantier(t)en das Überleben ihrer Gruppen durch (brutale) Unterdrückung aller religiösen Bestrebungen. Sowohl S. Hussein als auch A. Assad waren /sind keine Islamisten. Wenn jetzt durch Hilfe des Westens die religiöse Mehrheit die Macht erhält, garantiert dies vermutlich keine friedliche Entwicklung. Mehr als ein Viertel der Syrer sind keine sunnitischen Moslems. Ich befürchte, dass Syrien dann eher wie der Irak oder Libyen aussehen wird.

  39. Stefan Vollmershausen sagt:

    Die IS Miliz, darin ist man sich einig, sollte nicht als eigentlicher Sieger vom syrischen Schlachtfeld gehen. Erreicht werden soll dieses Ziel für das Assad Regime indem Waffenhilfe durch den Kreml in Anspruch genommen wird.
    Falls es überhaupt Ziel des Regimes ist, die IS Miliz zu vertreiben und nicht tatsächlich der Mittel zum Zweck. Mit dem Zweck gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen, die, wenn sie im Widerspruch zum Präsidenten steht, als Rebellen oder Terroristen bezeichnet wird.
    Die IS Miliz zu vertreiben ist auch Strategie der Anti IS Koalition, die aber wiederum westlich bestimmt ist. Deswegen besteht darin schon einmal Einigkeit, zwischen den Mächten, im Kampf gegen die Miliz IS. Der nächste Punkt sind die kurdischen Gebiete in Nordsyrien, es ist nicht im Interesse der Türkei, das die Kurdenmiliz YPG Geländegewinne macht. Es ist also alles sehr kompliziert und verfahren in Syrien. Keine guten Aussichten für die Zukunft der Bürger dieses Landes. Wer dabei nicht bereit ist mitzukämpfen muss sich auf die Flucht begeben, bis nach Europa, bis nach Deutschland hinein.

  40. JaM sagt:

    @ Henning Flessner
    Immerhin hat die US-Regierung mit dem freigegebenen Geheimdienstbericht konkrete, überprüfbare Belege vorgelegt, dass das Giftgas von der syrischen Regierungsarmee eingesetzt wurde. Die russische Regierung hat hingegen mehrere sich widersprechende Theorien in die Welt gesetzt, wie es zu der Giftgasfreisetzung gab, ohne dafür meines Wissens Belege zu nennen. Ob der Bericht des US-Geheimdienstes glaubwürdig ist, kann ich nicht beurteilen, da ich nicht wie Karl Müller allwissend bin.

  41. Stefan Vollmershausen sagt:

    @Henning Flessner
    ich meine nicht, das die US geführte Koalition siegreich aus dem syrischen Bürgerkrieg herauskommen sollte, meine aber, aber das die cruise missiles auf den Flugplatz Shayrat berechtigt waren, um nicht als reiner Papiertiger wahrgenommen zu werden.

    Viele Beteiligte und direkt / indirekt Betroffene hat dieser Bürgerkrieg gebärt.
    Direkt natürlich die syrische Zivilbevölkerung, die im Zuge der Belagerungen verschiedener Kriegsfraktionen ausgehungert und terrorisiert wird, die tragischerweise das Gesundheitssystem und Sicherungssystem verloren hat.
    Indirekt sind Staaten wie Jordanien, Libanon, Türkei, sogar Deutschland davon betroffen, mit den hohen Flüchtlingszahlen aus Syrien.
    Viele Beteiligte sind involviert, mit vielen völlig verschiedenen Interessen.
    Iran, Saudi Arabien und Golfstaaten, Türkei und die Großmächte Russland und USA.
    Ein gemeinsamer Nenner ist der Kampf gegen die IS Miliz, damit endet aber bereits die Gemeinsamkeit der beteiligten Mächte. Weisse Hemden hat dabei keine Kriegsfraktion mehr und man mag auch niemanden einen Sieg so recht zubilligen.
    Angenommen die Anti IS Koalition des Westens setzte sich durch,
    es wäre wohl eine Gemengenlage in Syrien zwischen dem türkischen System und dem System Saudi Arabiens. Es wäre westlich und sunnitisch bestimmt, sunnitisch wie es ja auch die Mehrheit der syrischen Bevölkerung ist.
    Ginge die Koalition des Iran, Russlands, verbündet mit dem Assad Regime aus dem Bürgerkrieg siegreich hervor, würde es doch weiter Unterdrückung für die syrische Bevölkerung bedeuten. Die Unterdrückung der mehrheitlichen Sunniten durch die schiitische Minderheit ist doch Unterdrückung ? Ich kann mir nicht vorstellen, das ein Regime das mit Hilfe des Kreml siegreich aus dem Bürgerkrieg hervorgehen würde, danach für Toleranz und Liberalität gerühmt werden würde.

  42. Karl Müller sagt:

    @ JaM,

    was war an der Erläuterung so schwer zu verstehen?

    Es wurde eben keine „überprüfbaren Belege“ vorgelegt, sondern ein Konvolut an Behauptungen und eigenwilliger Interpretation.
    Ein überprüfbarer Beleg wäre eben chemisch analytischer Natur, und zudem eben auch möglich wenn dazu jemand entsprechende Untersuchungsergebnisse vorlegt.

    Ich bin nicht „allwissend“, kann aber selbst solche Untersuchungen durchführen, auch nach OPCW Vorgaben, sachgerecht protokollieren und das Ergebnis bewerten.

    Ihnen ist ja sicher aufgefallen das sich am angeblichen Bodennullpunkt diesmal kein fester, improvisierter Scavenger, dem Augenschein nach erkennen lässt wie noch bei den Ereignissen von 2013?
    Ferner haben Sie sicher bemerkt das der angebliche Ladungsträger auf der Lichtbildvorlage einen längsgerichteten Scherbruch aufweist welcher auf eine Belastung von außen in einem definierten Winkel hindeutet?
    Des weiteren sind Sie über die Persistenz von GB bei Kontakt zu BTEX haltigen Fahrbahnbelägen soweit orientiert dass Sie der peinlich gestellten „Probenahme“ sicher die darin sichtbaren Mängel entgegenhalten können?

    Wer hier tatsächlich verantwortlich ist, kann so nicht nachgewiesen werden, zumindest aber lassen sich die Geschichten von mutmaßlich Beteiligten durchaus am Stand von Forschung und Technik auf Plausibilität prüfen.

  43. Stefan Vollmershausen sagt:

    Besonderes diplomatisches Talent wurde durch die neue amerikanische Regierung bisher nicht gezeigt, die cruise missiles auf den Flugplatz Shayrat sind möglicherweise schlagkräftig, aber nicht besonders diplomatisch.
    Ein Versöhner für Syrien ist damit weit und breit nicht in Sicht.
    Donald Trump ist es von seinem Politikverständnis her schon einmal nicht, genau wie es die türkische Regierung oder die saudischen Machthaber nicht sind, denn in ihrem Handeln kennen sie auch keine Zeichen von Nachsicht für die Gegner.
    Von den in Syrien involvierten Regionalmächten erscheint mir Hassan Rohani aus dem Iran am glaubwürdigsten als Mittelsmann, weil er erwiesenermassen das Interesse an einer Aussöhnung mit dem Westen im Atomdeal gezeigt hat.
    Soweit die Achse des Regimes, mit dem Kreml, dem Iran, der Hizbollah und einem möglichen Ansprechpartner Hassan Rohani.
    Kommen die Milizen hinzu, wie IS, die Al Nusra Front, die freie syrische Armee, die kurdischen Peschmerga, die ebenfalls vertreten werden müssten.
    Der Atomdeal mit dem Iran könnte ein Vorbild sein für eine Beendigung der Auseinandersetzungen in Syrien, aber Donald Trump bezeichnete ja diesen Atomdeal mit dem Iran als einen schlechten Deal
    – wahrscheinlich weil es von seinem Vorgänger von den Demokraten ausgehandelt wurde.

  44. Karl Müller sagt:

    Nachtrag zu den allgemein zugänglichen historischen Quellen in deutscher und englischer Sprache soweit die Kampfstoffsynthese betroffen ist.
    Erste Nachkriegspublikationen von Saunders et al. stammen aus 1948, darin wird bereits die DFP-Synthese sowie Alkylphosphat-Schwermetallverbindungen diskutiert.

    Ab 1950 gings dann richtig los mit Sartoris „New Developments in the Chemistry of War Gases“ worin Phoshorsäureester eine wichtige Rolle spielen, bemerkenswert ist darin vor allem auch die sehr umfangreiche Literaturliste. Reaktion in Ostdeutschland war wenige Jahre späte „Synthetische Gifte“ von Lohs, eine Art Synopse von Sartori, NVA-Forschung und eigener Literaturarbeit. In der BRD folgte Schrader 1960 mit „Die Entwicklung neuer insektizider Phosphorsäureester“ die nur in der Einleitung auf GA, GB und GD -Synthesen eingeht, aber bei mageren Literaturverweisen alle Feinheiten im Hauptteil mit Synthesebeispielen entsprechender Insektizide unterbringt.
    Aus dem Osten kam dann, wiederum mit ausführlichem Literaturverzeichneis das zweibändige „Lehrbuch der Militärchemie“ in die Öffentlichkeit.
    Aus 1986 stammt die mehrbändige SIPRI Reihe „Cehmical & Biological Warfare Studies“ welche sich zumindest um eine Begrenzung der Literaturliste bemühte, obwohl es dafür lange zu spät war…
    Und neuere Publikationen stammen aus 1997 und 2006 von Ledgard der sein Werk mit detailierten Laborsynthese erst „A preperatory Manual of chemical agents“ und später „A Laboratory History of chemical warfare Agents“ nannte.
    Tatsächlich waren solche Publikationen kein neues Phänomen hat schon Stolzenberg um 1930 ein Fachbuch zur Darstellung von Ultragiften veröffentlicht in dem die Alkylphosphate aber zeitlich bedingt noch keine Rolle spielten.

    Und noch ein Detail: Im Zuge einer Sanierungskampagne in der Muna „Hallschlag“ wurde ein syrischer Agent verhaftet der mehr oder weniger erfolgreich versucht hatte sich die Fachunterlagen der beteiligten Kampfmittelräumfirma, hier was Tauber, zu deutscher chemischer Munition zu verschaffen. Warum war schon damals unerfindlich, da das syrische Programm abgeschlossen war und die Unterlagen sich praktisch nur auf „alten Mist“ aus dem WK 1 bezogen, also Munition die um 1920 schon allgemein als veraltet angesehen wurde.

    Das nötige Wissen um die Chemie ist also schon lange öffentlich vorhanden, die Grundsubstanzen im kleinsten Maßstab auch fast überall kinderleicht zugänglich.

  45. Karl Müller sagt:

    der zitierte „M. Höfer“ erzählt auch nur eine Halbwahrheit, denn es ist zwar möglich das von der Ausbildung her ein cand Chem. die Theorie nach der Zwischenprüfung gut bewältigt, aber davon hat der noch keine praktische Umgangserfahrung und auch nicht unbedingt die notwendige Messtechnik für ein sicheres Arbeiten.
    Und jeder Kampfstoff hat so seine Eigenheiten was die einzelnen Wirkstoffgruppen angeht. Gut aufgereinigtes Sarin „klebt“ beispielsweise ziemlich lange auf Glasflächen, wenn schon wenige cm darüber fast keine Luftkonzentration mehr nachweisbar ist. Manche Loste haben bei Normalbedingungen keine messbare Gasphase usw….
    Halbwegs reine Ausgangsstoffe sind auch erforderlich, sowie ein Labor das wenigstens einige Tage erschütterungsfrei ist um ein hinreichend gasdichtes Arbeiten zu ermöglichen.

  46. Karl Müller sagt:

    Neben der lächerlich-peinlichen Propaganda auch in deutschen Medien noch einige Lichtblicke:

    http://www.globalresearch.ca/assessment-of-white-house-intelligence-report-about-nerve-agent-attack-in-khan-shaykhun-syria/5584867

    https://www.opcw.org/news/article/opcw-director-general-shares-incontrovertible-laboratory-results-concluding-exposure-to-sarin/

    Auch über die BBC wurde, quasi halbamtlich aus UK, erklärt das die bsiherige Darstellung der Freisetzung aus einer großen Sprengwolke von Abwurfmunition nicht nur der „Raketengeschichte“ widerspricht, sondern das auch die kolportierten 20 l Sarin bei einer Nettoexplosivstoffmasse von > 140 kg schon durch die Umsetzungswärme größtenteils zerstört würde.

  47. Stefan Vollmershausen sagt:

    Ergänzung : Der Atomdeal mit dem Iran könnte ein Vorbild sein für eine Beendigung der Auseinandersetzungen in Syrien

  48. Karl Müller sagt:

    @ Stefan Vollmershausen,

    auch die US-Administration versucht „nach Aktenlage“ als Kern der rechtlichen Absicherung des eigenen Handelns die jeweilige politische Lage mit sehr speziellen Sichtweisen zu interpretieren um ihre eigene Zielsetzung durchdrücken zu können.

    Das läuft nicht nur bei „Stuttgart 21“ so!

  49. Stefan Vollmershausen sagt:

    Man könnte auch sagen, wenn nicht endlich einmal bisschen guter Wille international gezeigt wird, dann wars das mit der Nato Mitgliedschaft der Bundesrepublik. Wir sollten uns keinesfalls in diesen syrischen Konflikt hineinziehen lassen, Argumente sind dort nur noch Waffen. Die Androhung eines Germanexit aus der Nato hätte richtiges Gewicht, damit ließe sich vielleicht sogar ein Donald Trump, oder ein Erdogan bändigen. Nach Faschismus Vorwürfen aus der Türkei könnte man außerdem den dort stationierten Soldaten den Abzug befehlen – wenn nicht sogar die ganze Mitgliedschaft der Bundesrepublik in der Nato in Frage stellen ?

  50. Stefan Vollmershausen sagt:

    Hoffentlich strapaziere ich niemandens Geduld.

    Zu den ganzen Ereignissen der Woche wäre der richtige Schritt der Abzug oder Teilabzug deutscher Soldaten in der Türkei.
    Das passiert aber nicht. Stattdessen wird das Mandat verlängert, das ist ein klarer Angriffspunkt gegen die beiden regierenden Parteien. Ob nun das Aussenministerium von der SPD, oder das Verteidigungsministerium von der CDU, nach den ganzen Anschuldigungen und Vorwürfen der Erdogan Regierung, sollte man die Soldaten als klare Geste der Abgrenzung, aus der Türkei abziehen. Auch als Geste der Abgrenzung von den syrischen Wirren.

  51. Karl Müller sagt:

    Ja, hier sollen definitiv ebenso kriegswillige wie dumme in den Konflikt hineingezogen werden.

  52. Stefan Vollmershausen sagt:

    Ich finde Barack Obama zauderte in Konflikten, wie dem arabischen Frühling.
    Donald Trump ließ cruise missiles einsetzen – aber danach sollte sich doch besser zusammen hingesetzt werden und einmal zu gemeinsamen Nennern zu kommen.
    Der Kampf gegen den IS scheint eine Gemeinsamkeit zu sein, der IS gegen Alle – gegen die Kurden, gegen die syrische Regierung, gegen die Schiiten, gegen die USA, gegen Frankreich,gegen die Türkei, der IS hat alle herausgefordert.
    Als besonders kompromissbereit kann man das Assad regime nun auch nicht bezeichnen. Das gilt für die anderen Player in Syrien auch Trump Putin Erdogan, die Sauds – zu Kompromissen ist man nicht bereit im eigenem Land, sollte man im Ausland wie in Syrien kompromissbereiter sein ?

  53. Stefan Vollmershausen sagt:

    Schade, die Antwort der USA auf den vermeintlichen Giftgasangriff des syrischen Regimes wäre eine gute Gelegenheit gewesen sich einmal international zusammen zu raufen und eine Lösung für den syrischen Bürgerkrieg zu entwickeln.Dahingehend passiert aber nichts, das bedeutet, das alles so weitergehen wird, wie bisher. Das ist – wie so vieles gegenwärtig – bedauerlich, das das nicht geschieht.

  54. Karl Müller sagt:

    Tja, die Lage ist undurchsichtig wie auch die Motivation der offenen und verdeckten Akteure.
    Außer das offenkundig belegbar ist wenn eigne Beteiligte mit Lügen und Manipulationen arbeiten, bleibt unklar warum das so ist.

    Auch die OPCW wird ja hauptsächlich zu manipulativen Behauptungen der Akteure sehr interpretativ zitiert…

  55. Stefan Vollmershausen sagt:

    Aus dem Iran folgten diese Woche versöhnliche Zeichen
    ( Ahmadinedschad wird nicht zur Wahl zugelassen )
    auch aus Frankreich kam diese Woche die Meldung,
    das man Beweise gegen das syrische Regime vorlegen wolle.
    Die USA verfolgt dagegen ihre eigenen Ziele, denn eine Gruppe – wie die von mir vorgeschlagene 6+1 Gruppe für Syrien – eine Art von KSZE 2.0
    ist in der Agenda der gegenwärtigen US Regierung nicht vorgesehen.

  56. Karl Müller sagt:

    Versteh einer die Franzosen. Noch 2013 haben die eigentlich vertrauliches Material der eigenen Dienste zu Analysen der syrischen C-Kampfmittel und Kapazitäten veröffentlicht; wobei nur wenige Details weggelassen wurden. Soweit so gut, und warum? Um auch den etwas größeren Naivlingen zu erklären das die Staatsseite mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht für die Ereignisse verantwortlich war… denn die unausgesprochene Drohung hinter der Informationspreisgabe war die Aussage: „..wir stehen da im Thema und es liegen noch weitergehende Erkenntnisse vor…“

    Und nun wird erstmals ohne Andeutung von Beweismaterial das Gegenteil mit Worten gestützt. Auch hier bleibt die Motivationslage unklar, vielleicht erschließt sich da etwas aus dem Zeitraum und Rahmen?

    Ein auch von OPCW anerkannter Beweis auf chemisch – analytischer Basisdauert keine 72 h.

  57. JaM sagt:

    @ Karl Müller

    Laut der von Russland und der Assad-Regierung verbreiteten Theorien stamme das Giftgas aus Beständen der syrischen Armee, die von den Rebellen erbeutet wurden. Wie kann diese Behauptung auf „chemisch-analytischer Basis“ bestätigt oder widerlegt werden?

  58. Karl Müller sagt:

    Das ist relativ einfach. Bei der Beprobung der Bestände durch die OPCW Meldung wurden sogenannte massenspektrochemische Fingerprints erstellt. Da ist ein Vergleich meist ganz praktikabel darstellbar.

    Das vor einigen Jahren in Bramsche sichergestellte Sarin konnte beispielsweise auch anhand eines solchen Fingerprints einer bulgarischen Quelle zugeordnet werden. Das war übrigens hochrein und nicht eine reaktiv gebildete Binärpampe die wesentlich mehr Arbeit bei der Identifikation macht.

    Geht natürlich nur wenn die Proben auch tatsächlich vom Freisetzungsort stammen

    Es sei daran erinnert, die syrischen Kampfmittel wurden nur teilgeladen, mit einer Binärkomponente gelagert. In Gouta musste daher der „Finder“ die fehlende Komponente durch ein wenig zweckmäßiges Urotropin/Isopropanolgemisch ersetzen. Hier aktuell kann unterstellt werden das die entsprechenden, bei amtlicher Lagerung fehlenden, Komponenten in flüssiger Form, von wem auch immer, bereit gestellt worden waren…

  59. JaM sagt:

    Karl Müller vom 24. April 2017 um 13:24

    Ich glaube, dass Sie meine Frage nicht verstanden haben. Mir geht es nicht darum, mehr über die geeigneten Analysemethoden zu erfahren, sondern darum, dass diese Methode wohl nicht hilft, wenn das Giftgas aus der gleichen Quelle stammt. Auch wenn die Probe vor Ort mit einem der OPCW-Fingerprints übereinstimmen würde, wüsste man zwar, dass das Giftgas ursprünglich aus den Beständen der syrischen Armee stammt, nicht aber, in wessen Hände es geraten ist.
    Was Massenspektroskopie ist, weiß ich. Ihre übrigen fachspezifischen Erklärungen verstehe ich auch als Naturwissenschaftler (Physiker) nicht und kann daher deren Relevanz für meine Fragestellung nicht einordnen.

  60. Karl Müller sagt:

    @ JaM,

    es gibt Unterschiede ob bei der Reaktion welche den Kampfstoff erst im Flug des Kammpfmittels bilden ausschließlich „regierungseigene“ Edukte benutzt wurden, oder ob Dritte sich mit nun gründlicher Vorbereitung durch Bereitstellung entsprechender Reaktanden an der Aktion beteiligt haben..

    Der Unterschied zwischen „Orginal“ und nachgekauften Komponenten ist am Produkt feststellbar.

    Wer das eingesetzt hat ist nur anhand der Analytik kaum zu beurteilen.

  61. Karl Müller sagt:

    Ein paar offene Paper hänge ich noch dran:

    DOI 10.1002/(sici)1097-0266(199911)20:113.0.co;2-g

    10.1002/(sici)1520-6521(1999)3:13.0.co;2-s

    10.1002/aic.11598

    10.1002/cbic.200500412

    10.1002/ciuz.200600364

    10.1002/clen.200600008

    10.1002/jat.2550140309

    10.1002/jlcr.2580250503

    10.1002/jps.2600681118

    10.1002/elps.200800438

    10.1007/s00216-007-1164-8

    Um das Ganze mal inhaltlich zu beleuchten.

  62. Karl Müller sagt:

    Hallo Bronski,

    die Nummern sind DOIs, Digital Object Identifier, von öffentlich zugänglichen Papern um das Thema Sarin. Wollte nicht alles mit den zugehörigen Titeln zutexten.

    JaM dürfte diese aber über die jeweilige Uni Bib einsehen können.

  63. JaM sagt:

    @ Karl Müller

    Karl Müller am 16. April 2017 um 15:08: „Ein überprüfbarer Beleg wäre eben chemisch analytischer Natur.“

    Karl Müller am 24. April 2017 um 10:22: „Ein auch von OPCW anerkannter Beweis auf chemisch – analytischer Basisdauert keine 72 h.“

    Karl Müller am 24. April 2017 um 19:39: „Wer das eingesetzt hat ist nur anhand der Analytik kaum zu beurteilen.“

    Außerdem erklären Sie uns (ins auch Nicht-Spezialisten verständliche Deutsch übersetzt), dass das Giftgas vor Einsatz aus zwei unterschiedlichen Stoffen zusammengemischt werden muss. Dann kann die von Russland verbreitete These kaum stimmen, zu der Giftgasfreisetzung sei es gekommen, weil in dem durch die Bomben der syrischen Armee getroffenen Objekt von Rebellen erbeutete Giftgasvorräte gelagert waren. Eine zufällige Mischung der beiden Komponenten bei einem Treffer klingt sehr unwahrscheinlich. Ähnliches gilt für die zweite These, dass ein Chemielabor getroffen wurde, das von Rebellen zu der Giftgasproduktion genutzt wurde. Auch hier müsste es beim Treffer zu einer Mischung der wohl getrennt produzierten Komponenten kommen.

  64. Karl Müller sagt:

    Richtig. Vom Konzept der regierungseigenen C-Kampfmittel her werden beim Schuss (!) zwei Komponenten durch die Projektilbewegung miteinander vermischt. Störende Reaktionsprodukte dabei durch eine dem Isopropanol beigemischte Komponente gebunden. Zum Einsatzklarmachen müssen alle Komponenten erst mal an einen Ort gebracht und dort zusammengesetzt werden. Dann erst kommt die Verlegung in den Bereitstellungsraum.

    In der Lagerung sind die Komponenten vom Ansatz her räumlich getrennt gewesen, sogar auf unterschiedliche Standorte verteilt. Eine Lagerung in einsatzklarem Zustand über längere Zeit verbietet sich schon von der Konstruktion der Kampfmittel her selbst.

    Die gezeigten Bomben vom angeblichen Ereignis sind von der Sprengwirkung her vermutlich FAB 250 oder 500. Darin ist genug thermische Energie um auch einen 20 l Sarinansatz im direkten Treffer weitgehend zu zerstören. Es müsste also am Einschlagort eine wesentlich größere Menge GB vorhanden gewesen sein.
    Wenn am Einschlagpunkt „die Brocken fliegen“ und sich lokal die Entropie stark erhöht ist eine zufällige Vermischung getrennter Komponenten tatsächlich sehr unwahrscheinlich; die Mengen der Kampfstoffedukte müssten angesichts der positiven Wärmetönung der Sprengstoffumsetzung ganz erheblich sein.

    Ein Treffer in der Nähe eines Labors ( oder eher einer aufgeklärten Bereitstellung, durch wen auch immer) ist immerhin nicht auszuschließen, aber nur wenn dort der Kampfstoff schon in fertiger Form vorlag. Binäre Komponenten, da liegen Sie richtig würden nur durch unwahrscheinliche Zufälle überhaupt zur Reaktion kommen können.

    Bisher sind alle Einlassung zu dem Vorfall mehr als widersprüchlich.

  65. JaM sagt:

    Nun liefert die französische Untersuchung den von Karl Müller geforderten chemisch-analytischen Beleg, dass in Khan Scheikhun von den syrischen Streitkräften Sarin eingesetzt wurde. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung heißt es in dem Dossier, Inhaltsstoffe und Zusammensetzung des in Khan Scheikhun eingesetzten Giftes seien identisch mit jenen einer nicht explodierten Granate, die von einem Hubschrauber des Regimes am 29. April 2013 über dem Ort Saraqueb in der nordsyrischen Provinz abgeworfen sei. Eine Besonderheit sei die Verwendung von Hexamethylentetramin.

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