Die Deutsche Bahn soll unters Volk. Seit Jahren, endlosen Jahren wird vom Börsengang geredet. Doch was einer Maggie Thatcher in Großbritannnien leichtfüßig gelang, stieß hierzulande auf schier unüberwindbare Schwierigkeiten. Denn die Bahn war defizitär. Das hat sich nun geändert: 2006 fuhr sie einen Umsatz von 30,1 Milliarden Euro ein (2005: 25,1) und verzeichnete 1.854.000.000 Personentransporte (2005: 1.785.000.000; Angaben laut Wikipedia. Und einen satten Gewinn von 1,39 Milliarden nach Zinsen und Steuern. Der beste Zeitpunkt, um das Volkseigentum zu verschachern?

Eben daran erinnert Genoveva Brandenburger aus Kaiserslautern:

„Liebe Steuerzahlende, die Bahn gehört uns allen, und zwar uns allen zu gleichen Teilen. Das ist gut so. Deshalb brauchen wir diese so genannte „Bahnvolksaktie“ nicht, denn ich kann nichts kaufen, was mir bereits gehört. Die Bahn muss allen Menschen dienen und nicht den Renditeinteressen des Kapitalmarktes. Eine Politik, die dem Kapitalmarkt die Verantwortung einer ökologischen Mobilität überlässt, handelt zutiefst verantwortungslos und nicht im Namen des Volkes. Nicht der rentabelste Weg ist der beste, sondern künftig ist der ökologischste der einzig gangbare Weg für uns alle, wenn wir uns und unserer Erde den Klimagau ersparen wollen.“

So dolle scheint es in Vereinigten Königreich übrigens nicht zu laufen mit der privatisierten Bahn. Das hat zumindest Tilman Bregler aus Cambridge beobachtet:

„Man braucht nur mal nach England zu sehen. Seit die Bahn hier privatisiert wurde, sind die Preise durch die Decke, viele Züge sind verspätet und überfüllt oder ganz eingestellt, und Unfälle passieren häufiger, nachgewiesenermaßen wegen schlechter Wartung der Schienen. Von Streckenausbau gar nicht zu reden. Inzwischen finden sich sogar wieder Stimmen die nach ‚Re-Nationalisierung‘ rufen.“

Auch Theo Hengsbach aus Dortmund meint:

„Die völlig zu Recht kritisierten Beschlüsse zur Bahnprivatisierung hat in erster Linie die SPD zu verantworten. Langfristige Konzepte für flächendeckende und ökologische Verkehrssysteme hatte bisher keiner der SPD-Verkehrsminister zu bieten. Sonst würde nicht die Bahn Öko-Steuer zahlen, sondern der ökologisch viel schädlichere Flugverkehr. Dass sich nur NRW-Minister Wittke von der CDU gegen die Verschleuderung öffentlichen Eigentums einsetzt, ist schon ein bemerkenswerter Vorgang.“

Manfred Trauner aus Dreieich dagegen sagt, dieser Beschluss garantiere die Bahn in Bürgerhand:

„Wann erkennen es die Fundamentalkritiker der Bahnreform endlich? Garant für die Bahn in Bürgerhand ist einzig das vom Kabinett verabschiedete Börsenmodell: Bei Erhalt der Einheit von Bahn und Netz ist grundgesetzlich festgeschrieben, dass nur 49% des Unternehmens in private Hände gelangen kann, die Mehrheit von 51% verbleibt immer beim Bund, also den BürgerInnen.
Hingegen kann bei einer Heraustrennung des Netzes beim Börsengang der verbleibende Rest nur komplett auf den Kapitalmarkt geworfen werden. Dann bleibt für die BürgerInnen kein, aber auch gar kein Einfluss mehr auf den Schienenverkehr. Die Hoffnung, dass von da an ausgerechnet der vielgepriesene Wettbewerb für die Qualität des Angebots sorgen wird, können nur unverbesserliche Neoliberale haben.“

Der derzeitige Erfolg der Bahn steht vor dem Hintergrund von Milliarden Euro an Bundesinvestitionen – 200 Milliarden ungefähr. Das Schienennetz allein ist ca. 350 Milliarden wert. Wollen wir doch mal sehen, wie die Börse solche Werte goutiert. Bis dahin ist es allerdings noch ein Stück des Wegs, denn es rührt sich nun doch Widerstand. Und es mehren sich Bedenken. Vor allem: Was wird mit dem Nahverkehr?

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10 Kommentare zu “Kein langfristiges Konzept

  1. @ „Wert und Eigentum der Bahn“,

    alles beides sehr theoretische begriffe! denn der wert einer sache gestaltet sich immer danach was und wie vielen diese etwas wert ist. und was das eigentum anbelangt, kann man schon sagen, dass diese zur zeit nun wegen lokführerforderungen und anderem in aller munde befindliche deutsche eisenbahngesellschaft DIE BAHN – die aus der DB und aus RB hervor ging, bzw. nach der vereinigung von uns deutschen aus/in ost und west, ebenso die beiden staatsbahnen vereinigt wurden.
    jedoch daraus zu schließen es wäre volkseigentum, ist doch etwas weltfremd, manche würden sagen nostalgisch, wegen mir auch umgekehrt.
    aber nun deswegen den gedanken von Anderea Ypsilanti, Spitzengenossin und MP-Kandidatin der Hessen-SPD, einer Bahn-Volks- oder Bahn-Bürgeraktie gleich zu verwerfen, halte ich zumindest für voreilig.
    denken wir doch mal weiter zum SPD-Fonds-modell, das kürzlich vom SPD-Vorsitzenden und R.-Pf.-MP Kurt Beck ins Spiel gebracht wurde, für die beteiligung von arbeitnehmern an betrieben und zuwachs des wirtschaftsgewinns.
    hier wäre es doch bedenkenswert, über gewisse modelle des anteils von bürgern und arbeitnehmern, erhebliche teile des geplanten DB-Aktienkapitals mit dem SPD-Deutschlandfond zu einem gemeinsamen Fond, also einschließlich der DB-Anteile zusammenzulegen und so als Volks- oder Bürgeraktie, als so genannten streubesitz unter das VOLK zu bringen.

  2. Das Privatisierung nicht immer den Königsweg darstellt, begreift sogar das sozialistischer Ideen unverdächtigte Handelsblatt.

    Der Abschlusssatz des Artikels „Private Bahn – bessere Bahn“ Handelsblatt.com vom 2.07.07 lautet trotz der apodiktischen Überschrift:

    Ergo: Auch eine Staatsbahn kann sich bewegen – wenn man ihr nur Feuer unterm Hintern macht.

    Für die Debatte um die Privatisierung der Deutsche Bahn folgt daraus: Ob das Unternehmen an die Börse geht oder nicht, ist für die Qualität des Schienenverkehrs eher nebensächlich. Wichtiger ist, ob das Unternehmen als Monopolist agieren kann oder ob es sich dem Wettbewerb stellen muss.

    Ein privater Monopolanbieter Bahn ist daher (siehe auch Beispiel GB) keineswegs einem staatlichen Monopolanbieter Bahn vorzuziehen.

    Aber offenbar hat sich dies bei den Politikern noch nicht herumgesprochen. Bei Herrn Mehdorn, der offenbar gerne „echter“ Konzernlenker spielen möchte, ist dahingehend Hopfen und Malz verloren.

  3. genau, wa4rum soll man kaufen, was einem eh schon gehört, der gleiche schwachsinn wie bei der telekom und da wurde auch nichts billiger oder besser im service, wenn ich alles drauf rechne (auch die längeren wartezeiten bei umzügen, die extraservciekosten, die hotlinegebüheren, die uaskunftsgebühren etc. dann ist eher teurer geworden).
    ein weiterer punkt ist aber auch, seit den privatisierungsbestrebungen der bahn, wird diese immer unökologischer, so betreibt die bahn ag den kompletten autofuhrpark z.b. von eon. eine tatsache, die nur wenige wissen.
    insgesamt kann man alsoi nur den schluss ziehgen, wie die linksfraktion:
    überhaupt keine privatisierung, weder mit noch ohne schiene.

    http://www.linksfraktion.de/pressemitteilung.php?artikel=1276909654

  4. @ karsten;

    ich bin dem von dir angegebenen link zur linksfraktion gefolgt und sehe dort in deren zwar gegensätzlicher darstellung, geradezu meine argumente s.o. bestätigt. denn wie ich schon sage, „alles ist nur soviel wert, wie es einem und/oder anderen wert ist. es ist nun mal so: neues geld bekommt man heutzutage nur oder überhaupt in kapitalistischen zeiten und -systemen, wenn man seine ware auf dem markt feilbietet! und alle theoretischen wertberechnungen helfen nichts wenn kein anderer es dafür bezahlen will. ein profanes beispiel: wer sich heute einen pkw und nicht nur bei einem für 100.000 Euro, sondern auch bei einem normalo von 20.000 euro, kauft und ihn morgen anbietet, der wird sicherlich nur noch mit einem abschlag von 20% wenn`s gut geht einen käufer finden; in erkennbarer notlage vermutlich noch weniger, was bei immobilien noch dramatischer ist. und bei so speziellen „immobilien“ wie die der DB, wird bei „notlage“ die sache noch schlechter bewertet!
    Deshalb sind die Werte eigentlich nur Buchwerte und entsprechen nicht den realen gestellungswerten oder objektiver sachbewertung, weder der gebäude noch des fuhrparks! und wie sollen eigentlich personal und logistik bewertet werden?
    Also ganz so einfach wie es sich DIE LINKE, bzw. die Linksfraktion macht, geht es nicht!

  5. @ 5;

    die englischen dampfmaschinen hatten zwar zuerst in europa erfolg(erobert), aber die welt hatten dann die deutschen loks beschient, egal ob henschel aus kassel oder k-m aus münchen usw. usw!
    und wie war das in england? logisch, da ging es auch einfacher; alles beginnt und endet in london, bzw. dessen kopfbahnhöfen, da kann man viele schöne schnuckelige regional- und städte-ver/an-bindungsbahnen privatisieren!
    Jedoch bei uns mit den vielen zentren, da sieht es schon anders aus; hier geht eigentlich nur: GANZ oder GAR nicht!

  6. Bahnprivatisierung, auch wieder ein deutscher Sonderweg? Warum kann die Deutsche Bahn nicht genauso organisiert werden, wie die Schweizer Bahn, welche in den kleinsten Winkel des Landes fährt, durchgetaktet?! Und, soweit erinnerlich, kein Zuschußbetrieb.
    Dies darzustellen, sehe auch als Aufgabe der FR.

  7. Und nun schließt sich der Kreis: Den Luxus eines Streikverbotes kann sich wohl nur ein Staatskonzern mit einem öffentlichen Versorgungsauftrag leisten. Wer spricht denn schon vom volkswirtschaftlichen Schaden, wenn bspw. irgend ein Autozulieferer bestreikt wird? Das Internetmagazin Telepolis geht sogar soweit zu schlussfolgern, dass die Arbeitsgerichte gegen die Bahnprivatisierung geurteilt hätten. Eine vollkommen privatisierte Bahn wäre schließlich auch nur ein Anbieter von vielen; da es in Deutschland allerdings einen Quasi-Monopolisten gibt, wäre damit wieder einmal bewiesen, dass private Monopolisten suboptimal sind.

  8. @ Streik und Schlichtung;

    eigentlich ein tolles spektakel, wenn jetzt CDU/Attack-Aktivist Geißler und der ehemalige sächsische MP Biedenkopf, auch despektierlich aber sicher achtungsvoll seinerzeit auch „König Kurt“ genannt, beide ehemalige generalsekretäre der CDU unter kanzler KOHL, nun einen kompromiss für BAHN und die GDL erarbeiten.
    ich sehe schon die lachfalten in beider schlichter altersgezeichneter gesichter wechseln zwischen spitzbübiger schläue intellektueller redlichkeit der argumente und vermutlicher verärgerung der oder über bzw. die verzankten „PARTNER DER SCHIENE“; warten wir ab, was heraus kommt!

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