Danke für die Nitrat-Strafe!

Die Bundesrepublik Deutschland hat vor dem Europäischen Gerichtshof verloren: Die Luxemburger Richter gaben der Klage der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik wegen dauerhafter Überschreitung der Nitratgrenzwerte im Grundwasser statt. Über Jahrzehnte hinweg hat Deutschland Grenzwerte nicht eingehalten. Die EU-Grundwasserverordnung von 1991 erlaubt höchstens 50 Milligramm Nitrat pro Liter – ein Wert, der 2016 an 18 Prozent der bundesweit 700 Grundwassermessstellen überschritten wurde. Grund dafür ist unter anderem die Ausbringung von Gülle zur Düngung von Ackerböden. Das wirft mal wieder die Frage auf, ob hier aus Rücksicht auf wirtschaftliche Partikularinteressen – Stichwort Massentierhaltung – die Gesundheit zahlloser Menschen in Gefahr gebracht wurde.

GülleNitrat selbst ist eine Stickstoffverbindung und eigentlich nicht giftig, aber es wird von Bakterien im Körper zu Nitrit umgebaut, und das ist sehr wohl giftig. Bei chemischen Folgereaktionen entstehen krebserregende Nitrosamine. Die Aquarianer unter Ihnen haben die Wirkung von Nitrit vielleicht schon mal direkt beobachten können: Wenn die Abbauketten im Aquarium nicht funktionieren, weil die nötigen Bakterienkulturen fehlen, die das Nitrit zu Nitrat oxidieren – das ist der umgekehrte chemische Weg, solche Bakterien sind im Aquarium daher durchaus erwünscht – dann ist ein Fischbestand ganz schnell dezimiert oder gar ausgerottet. Dazu genügen schon geringe Mengen von Nitrit. Wo Nitrat ist, da ist fast zwangsläufig auch Nitrit. Je höher der Nitratwert, desto größer das Risiko von Darmkrebs. Deswegen ist die Grundwasserrichtlinie der EU völlig berechtigt.

Die EU will die europäischen Bürgerinnen und Bürger also schützen, während die politisch Verantwortlichen in Deutschland die Prioritäten anders zu setzen scheinen. Eigentlich müsste ein Aufschrei der Empörung durch das Land gehen, doch die Menschen regen sich anscheinend lieber über Flüchtlinge auf. Die Nitratbelastung unseres Grundwassers ist ein Thema, dass jeden von uns ganz konkret und täglich angeht. Schon Ende 2015 habe sich der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) für die Erarbeitung einer nationalen Stickstoffstrategie ausgesprochen, ist auf Wikipedia zu lesen, denn 27 Prozent aller Grundwasserkörper seien aufgrund des zu hohen Nitratgehaltes in einem schlechten chemischen Zustand. Aber die Deutschen lieben billiges Fleisch! Es hat eben alles seinen Preis – und wenn wir am Ende mit unserer Gesundheit zahlen.

Balken 4Leserbriefe

Alan Mitcham aus Köln meint:

„Deutschland muss eine Strafe zahlen, weil es zu viel Nitrat im Wasser gibt. Aber wer zahlt die Strafe und welche Maßnahmen sollen ergriffen werden? Ist es so, dass der Steuerzahler die Zeche für die Strafe zahlen muss und dann für zusätzliche Kläranlagen und Hi-Tech-Lösungen auch noch in die Tasche greifen muss?
Ich hätte aber eine ganz andere Lösung: Wie wäre es mit einer „Kuhsteuer“? Ja, für alle Kühe, Schweine und Hühner (besonders die, die in Massentierhaltung sind) müsste eine zusätzliche „Nitrat-Steuer“ bezahlt werden. Die Einnahmen aus dieser Steuer würden zwei Zwecke erfüllen:
1. Sie würden die EU-Strafe abdecken und 2. möglichst schnell Massentierhaltung abbauen.
Die Folgen wären dann äußerst positiv: Man hätte schnell viel weniger Gülle; der Ausstoß von Methan (einem gefährlichen Treibhausgas) würde zurückgehen; Fleisch würde teurer (und, ohne Massentierhaltung, qualitativ auch viel besser) werden, und unsere Gesellschaft würde sich dann viel gesünder ernähren (das heißt: weniger Fleisch, mehr Gemüse und Obst).
Ich sehe nur Vorteile. Also: Danke für die „Nitrat-Strafe“ und her mit der „Kuhsteuer“!“

Annette Weber aus Heusenstamm:

„Wenn Deutschland Mist machen würde, dann wäre genau das der gesunde Dünger, der seit der Erfindung von Spaltenböden und der gleichzeitigen Entstehung der Gülle fehlt!
Deutschland braucht endlich eine Trinkkultur mit „Lei(s)tungswasser first“, damit das Wasserbewusstsein steigt und Energieverbrauch und Dieselabgase signifikant sinken! Tees und Limonaden mit Leitungswasser können von jeder Kantine vor Ort mit Lei(s)tungswasser hergestellt und damit der Umsatz der Kleinen sogar gesteigert werden! Damit einhergehend eine Verpflegungskultur in der gesamten öffentlichen Hand und allen zukunftsfähigen Unternehmen – allen voran auch die Medien –, die bio, saisonal und regional ist! Auch das spart viel Energie und schützt Böden, Wasser, Klima, Mensch und Tier!
Das sind die wahren Zusammenhänge, die endlich mal beim Namen genannt werden müssen, ruhig auch streitbar in Politik und Öffentlichkeit statt dass Rechtspopulisten die öffentliche Debatte lähmen!
Wann kommen die wahren Probleme dieser westlichen Gesellschaften endlich zur Sprache, die allein in ihren Lebensstilen bestehen und wo die Politik scharf gegensteuern müsste mit Marketing in die richtige Richtung?“

12 Kommentare

  1. Peter Boettel sagt:

    Obgleich seit Jahren die Massentierhaltung als fehlerhaft für die Umwelt bekannt ist, werden die Großkonzerne mit Subventionen und Steuervorteilen durch Abschreibungsobjekte gefördert, während die bäuerliche Landwirtschaft leer ausgeht und ausstirbt. Aber die Regierung schließt wie jeher die Augen vor der Realität und trägt zum Auseinanderklaffen der Schere zwischen arm und reich bei.

  2. Die Einleitung stellt einige Dinge nicht ganz richtig dar.
    Es wird behauptet, dass «die Gesundheit zahlloser Menschen in Gefahr gebracht wurde“. Diese Aussage ist falsch. Die Ursache liegt vermutlich darin, dass Grundwasser mit Trinkwasser verwechselt wurde. Zwar wird Trinkwasser meistens aus Grundwasser gewonnen, aber nicht jedes Grundwasser wird zur Trinkwasseraufbereitung benutzt.
    Dann könnte der Eindruck erweckt werden, dass alles Nitrat im Körper zu Nitrit umgewandelt wird („aber es wird von Bakterien im Körper zu Nitrit umgebaut,“). Auch das ist nicht der Fall.
    Was ist der Grund für das Nitrat im Grundwasser? Unser großer Fleischkonsum. Viel Fleischkonsum heißt viele Kühe und Schweine und die machen Gülle und die enthält Nitrat.
    Statt Fleisch sollten wir sowieso mehr Gemüse essen. Jetzt enthält Gemüse aber etwa 1000 mg pro kg Nitrat (schlechte Nachricht für Vegetarier und Veganer). Das ist 20mal so viel wie im Grundwasser.
    Wie sieht eine nitratarme Nahrung aus? (Ungepökeltes) Fleisch enthält nur etwa 10 mg/kg Nitrat. Aber das geht nicht wegern Gülle.
    Also kein Fleisch und kein Gemüse. Vielleicht bleibt nur die Ernährung studentischer Frankreichurlauber: „Rotwein, Baguette und Käse“, aber ohne Käse (wegen der Kühe, die die Gülle produzieren). Hoffentlich ist wenigsten da kein Nitrat drin.

  3. hans sagt:

    Sollte man die Lösung des Gülleproblems nicht an anderer Stelle suchen als dem Fleischverzicht?
    https://www.heizungsfinder.de/bhkw/biogasanlage/substrate/guelle-mist

  4. Stefan Briem sagt:

    Die Pingel aller Länder, Sie leben hoch! Aber was soll falsch sein an der Aussage, dass die Gesundheit zahlloser Menschen in Gefahr gebracht wurde? Wenn sich Nitrat im Grundwasser befindet, dann findet es sich auch im Trinkwasser. Ich habe nachgesehen: Bei mir sind es laut Angaben des Zweckverbands 15 mg/l. Das ist deutlich unter dem Grenzwert. Aber die Tendenz im Grundwasser ist ja steigend, und damit wird es auch immer schwerer, Nitrat aus dem Trinkwasser zu holen und unter dem Grenzwert zu bleiben. Und warum? Weil die Gülle aus der Massentierhaltung ja irgendwohin muss. Sie wird sogar extra aus den Niederlanden herangekarrt, weil sie dort nicht ausgebracht werden darf. Die Niederlande halten die Grenzwerte nämlich ein. Die Gefahr für unsere Gesundheit ist also gegeben, und sie wächst. Aber wenn Sie sie unbedingt kleinreden wollen, so wie bei den Atomkraftwerken, dann nur zu. Wir wissen ja, von wem die Sprüche kommen.

    Ich hatte nicht den Eindruck, dass Bronski meint, alles Nitrat wird im Körper zu Nitrit umgebaut. Auch besteht ein Unterschied, wenn ich als mündiger Verbraucher mich für Schinkenspeck oder Bündner Fleisch entscheide. Dann ist das meine Entscheidung, die ich treffe, obwohl ich weiß, dass Nitripökelsalz nicht gesund ist. Ebenso trinke ich mal eine Flasche Wein (also, deren Inhalt natürlich nur). Das ist dann eine bewusste Entscheidung. Beim Trinkwasser habe ich aber keine Wahl. Also sollte es so sauber wie möglich sein. Das ist doch eigentlich eine klare Sache, oder? Oder soll der Staat in den Verdacht geraten, für hohe Darmkrebsquoten verantwortlich zu sein?

    Ihr Zucchini-Argument ist geradezu zynisch. WEIL Nitrat im Gemüse ist, können wir gern so weitermachen mit der Güllerverklappung? Es ist schin merkwürdig zu lesen, was in manchen Köpfen vorgeht.

  5. hans sagt:

    Das Thema Gülle ist sicher ein Thema das man endlich angehen muss aber genau so sicher lösbar ohne das ganze Völker ihre Lebensgewohnheiten ändern müssen.
    https://www.agrarheute.com/tier/schwein/null-emissionen-stall-stallbaukonzept-fuer-zukunft-545943

  6. @Stefan Briem
    1. Natürlich ist die Gülle ein Problem, aber ein komplexes. Da helfen EU-Geldstrafen wenig.
    Aber darum ging es mir nicht in meinem Kommentar.
    2. Nitrat ist in den im Trinkwasser enthaltenden Mengen nicht gesundheitsschädlich und damit konnte auch keine Gesundheit gefährdet werden. Es handelt sich also um eine falsche Aussage. Die Analogie mit der Ausrottung der Fische im Aquarium ist vollkommen irreführend.
    Sie treiben es sogar noch weiter, indem Sie einen Zusammenhang zwischen Nitrat im Grundwasser und Darmkrebs andeuten.
    3. Wenn man keine Beschränkung («zum grossen / kleinen Teil, geringfügig, mehrheitlich, etc.) angibt, kann beim Leser wohl der Eindruck entstehen, dass eine vollständige Umsetzung von Nitrat zu Nitrit stattfindet. Es liegt also zu mindestens eine ungenaue Aussage vor.
    4. (Bio-)Gemüse enthält etwa 20mal soviel Nitrat wie nach der Vorordnung für Grundwasser zulässig ist. Auf unser Trinkwasser bezogen sogar 1000mal mehr. Doch sind hier keine Gesundheitsgefahren durch Bio-Gemüse bekannt. Mir gibt das zu denken, Ihnen wohl eher nicht.
    5. Was mich hauptsächlich bei der Einleitung gestört hat, ist der (unbewusste) «Denkstil».
    Für mich läuft er etwa so ab: hier wird von der industrialisierten (= böse, weil die Existenz der Menschheit bedrohend) Landwirtschaft ein Grenzwert überschritten. Ein Grenzwert ist eine Schädigungsgrenze. Es regt sich nur wieder kein Schw… darüber auf. Man muss die Leute wachrütteln. Wachrütteln kann man nur mit Angstmachen. Wovor hat der Mensch Angst: vor dem Tod und Krankheit. Also schreiben wir mal was über Gesundheitsgefahren. Das stimmt zwar so eigentlich nicht, aber um die Menschheit zu retten, darf man schon mal etwas übertreiben. («Der Zweck heiligt die Mittel.»). Das merkt ja doch keiner.
    6. Ihre Bemerkung («Wir wissen ja, von wem die Sprüche kommen.“) ist ebenfalls ein Charakteristikum für diesen Denkstil, der in „grünen“ Kreisen sehr verbreitet ist. Auf eine kritische Frage folgt erstmal die Gegenfrage: „Wer ist Ihr Arbeitgeber?“ und im nächsten Satz heißt es dann: „Kein Wunder, dass Sie so denken.“ Die ursprüngliche Frage gilt damit als beantwortet.
    7. Ich gehöre einem anderen Denkkollektiv an, in dem ein anderer Stil gepflegt wird. Wenn ich einen Satz, wie in der Einleitung lese, dann frage ich mich, woher der Schreiber das weiß, dass die Gesundheit gefährdet wurde. Es gibt irgendwelche Berichte dazu? Kann man so etwas überhaupt wissen? Kann man Gesundheitsgefährdung messen und wie macht man das? (bei anderer Gelegenheit: wie misst man vorzeitige Todesfälle?) Wieso soll Nitrat im Wasser gesundheitsgefährdend sein, aber nicht in den Kartoffeln und im Rosenkohl? Das werden Sie jetzt sicher wieder zynisch nennen und meinen, dass die Frage damit beantwortet ist.

  7. @hans
    Wir wohnen in einem Landkreis mit 60% Milchwirtschaft. Das Problem ist uns gut bekannt und wird in der Regionalpresse ausführlich und kompetent diskutiert. Dort wir mit der Gülle auch immer von den Gärresten der Biogasanlagen geschrieben. In den Biogasanlagen wird eben nicht hauptsächlich Gülle verarbeitet, sondern Mais und die Gärreste landen als Nitratträger auf den Feldern.
    Nach dem Nitrat (NO3) kommt demnächst der Ammoniak (NH3) in die Presse und der kommt zum Teil aus den Ställen.
    Nur damit die Bauern sich solche schönen neuen Ställe leisten können, müssen sie etwas verdienen. Im letzten Jahr waren die Milchpreise so niedrig, dass sie nicht mehr kostendeckend waren. Zum Glück sind die Kreditzinsen derzeit niedrig. Bevor die Bauern wieder investieren, müssen erstmal die Kredite abbezahlt werden und das ist bei den weiterhin niedrigen Milchpreisen schon schwierig genug.
    Ich kann es nicht nachprüfen, aber hiess, dass die Russland-Sanktionen auch ein Grund für die geringen Milchpreise sind, weil der Markt weggefallen ist.
    In unserer heutigen Welt hängt eben vieles mit vielem zusammen, so dass einfache Lösungen nicht funktionieren.

  8. Bronski sagt:

    @ Henning Flessner

    Ich kann Ihnen folgen, halte Ihren Ansatz aber für falsch. Man kümmert sich möglichst nicht erst dann um Probleme, wenn sie eingetreten sind. Ihre Denkart ist nicht meine. Zudem sehen Sie nicht die Probleme in ihrer Summe, sondern Sie sehen immer nur jedes Problem für sich. So machen es Chirurgen, die sich über einen Operationstisch beugen. Am OP-Tisch mag das in Ordnung sein, aber in Bezug auf Nitrat ist es das nicht. Durch menschliches Handeln, das ebenfalls immer nur Teilinteressen folgt, reichern sich schädliche Substanzen in der Biosphäre an, vom Plastikmüll in den Weltmeeren über das Methan aus der Rinderzucht, Östrogen im Trinkwasser und eben auch Nitrat aus der landwirtschaftlichen Düngung. Auch wenn Nitrat selbst nicht giftig ist, so ist doch erwiesen, dass die Abbauprodukte (aus der Reduktion) schädlich sind. Das habe ich mit meinem Aquarienbeispiel illustriert. Die Politik hat uns alle in Gefahr gebracht, indem sie nicht auf diese Zusammenhänge reagierte. Ich erhalte diese Aussage also aufrecht. Zugleich haben Sie Recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass Nitrat allgegenwärtig ist. Das macht es jedoch nicht besser. Auch wenn alles letztlich auf die alte Binsenweisheit hinausläuft, dass das Leben lebensgefährlich ist, muss der Politik auf die Finger geklopft werden, wenn sie erkennbar lediglich Partikularinteressen bedient und das Gemeinwohl aus dem Auge verliert.

  9. @Bronski
    Direkt über Ihrem Kommentar habe ich geschrieben:
    «In unserer heutigen Welt hängt eben vieles mit vielem zusammen,..“ und Sie antworten darauf:
    „sondern Sie sehen immer nur jedes Problem für sich.“ Auf eine Schlussfolgerung verzichte ich hier.
    Meiner eigentlichen Kritik sind Sie aber ausgewichen. Sie haben geschrieben: „…die Gesundheit zahlloser Menschen in Gefahr gebracht wurde.“
    Damit die Gesundheit zahlloser Menschen gefährdet wurde (Vergangenheit!), müssen diese Menschen doch zu mindestens Wasser getrunken haben, dass die Grenzwerte überschritten hat. Trinkwasser hat in Deutschland aber diese Grenzwerte nicht überschritten, sondern nur das Grundwasser. Also kann es diese Menschen gar nicht geben.
    Mit solchen Falschaussagen wird nur Panik gemacht und vom eigentlichen Problem (dem zu hohen Nitrateintrag durch die Landwirtschaft) abgelenkt. Die Gefahr bei solchen Übertreibungen ist, dass man irgendwann nicht mehr ernst genommen wird.
    Ich habe das Problem vor kurzem mit einem Schulfreund, der 28 Rindviecher hat, diskutiert. Natürlich haben wir für unsere Fläche zu viele Tiere. Aber die Bauern zum Abschaffen der Kühe zu bringen und sie in die Insolvenz jagen, kann auch nicht die Lösung sein. Wir leben in einer Kulturlandschaft. Man kann das Land nicht einfach sich selbst überlassen. Es muss bearbeitet werden. Mit der Forderung, dass man die Bauern mit Milliarden entschädigt, damit das Fleisch teurer wird, kann man in der Grillsaison auch keine Massen begeistern.
    Jetzt kommt meine Retourkutsche:
    Sie stellen in Ihrer Einleitung das Nitratproblem als ein Problem für sich dar. Dabei ist die Problemlage viel vielschichtiger und komplexer.
    Eine EU-Verordnung zu erlassen, ohne sich zu überlegen, ob sich die Werte überhaupt erreichen lassen und ohne sich zu überlegen, welchen Folgen sich ergeben, d.h. nur Einzelprobleme zu sehen und die Zusammenhänge zu vernachlässigen, ist der Denkstil der „grünen“ Lobby, aber nicht meiner.

  10. Bronski sagt:

    @ Henning Flessner

    „Sie sehen immer nur jedes Problem für sich …“

    Damit habe ich auf Ihren Kommentar vom 2.7., 14.47 Uhr geantwortet. Meine Antwort müsste entsprechend gekennzeichnet sein. Vielleicht haben Sie das übersehen.

    Ich habe jetzt verstanden, woran Sie sich so stören: an der Vergangenheitsform. Ich bitte Sie, meinen Text noch einmal genau zu lesen. Da steht:

    „Das wirft mal wieder die Frage auf, ob hier aus Rücksicht auf wirtschaftliche Partikularinteressen – Stichwort Massentierhaltung – die Gesundheit zahlloser Menschen in Gefahr gebracht wurde.“

    Ich habe also schlicht eine Frage aufgeworfen, keine Behauptung aufgestellt und damit auch keine Falschaussage gemacht. Das gilt zumindest für die sprachliche Oberfläche. Darüber hinaus wurden (!) die Entscheidungen, die zu dem aktuellen Problem führten, jedoch in der Vergangenheit getroffen, zu Zeiten, als die Weichen für die Massentierhaltung gestellt wurden (!). Also ist die Frage absolut berechtigt, ob die Gesundheit der Menschen in Gefahr gebracht wurde (!). Das ist keine Panikmache, sondern die Benennung eines realen Problems, das perspektivisch an Bedeutung gewinnen wird. Die Fehler der Vergangenheit summieren sich und werden in der Zukunft zu einem Problem werden (oder könnten es schon jetzt geworden sein), das sich dann möglicherweise kaum mehr wird lösen lassen.

    Ich bin kein Freund von Retourkutschen. Ich kommentiere Ihre Schlussbemerkung daher folgendermaßen: Es betrübt mich, so etwas lesen zu müssen. In diesem Blog wird seit 13 Jahren auch zu Umweltthemen diskutiert, und zwar immer aus der Überzeugung heraus, dass wir Bürger und Verbraucher und Menschen das große Ganze im Auge behalten müssen. Es stehen hier gerade die Zusammenhänge im Mittelpunkt. Sie werden anlässlich einzelner Facetten des Problems diskutiert. Das Problem selbst ist in diesem aktuellen Thread in der Tat nicht, dass es zu viel Nitrat in der Welt gibt, sondern das Problem ist, dass wir Menschen mit unserer Lebensweise dieses Zuviel an Nitrat fördern.

    Lieber Herr Flessner, Ihre Haltung des „Es ist noch immer gut gegangen“ ist genau das, was hier im Zentrum der Kritik steht.

  11. @Bronski
    „Damit habe ich auf Ihren Kommentar vom 2.7., 14.47 Uhr geantwortet. Meine Antwort müsste entsprechend gekennzeichnet sein. Vielleicht haben Sie das übersehen.“
    Auf meinen Bildschirm steht keine Kennzeichnung Ihres Kommentars.
    Ich sehe nur dies:
    Bronski sagt:
    2. Juli 2018 um 18:05

    @ Henning Flessner

    Ich verwende FireFox Quantum 60.0.2 (64 bit).

  12. Ich wollte wissen, wie das Grundwasser bei uns aussieht. Ich habe nur eine Karte des Nachbarlandkreises (Landkreis Oldenburg) gefunden. Erstaunlicherweise hat man an einigen Messstellen 1 mg/l und wenige Kilometer weiter 180 mg/l. Was mich aber besonders erstaunt hat, ist, dass es im Landkreis Oldenburg 56 Grundwassermessstellen gibt. 56 von bundesweit 700 nur in einem Landkreis? Woanders habe ich gelesen, dass Niedersachsen über 1100, Schleswig-Holstein 300 und Sachsen-Anhalt 500 Messstellen hat.
    Das Bundesumweltamt sagt, dass die 18% von 700 Messstellen nicht repräsentativ sein sollen, sondern nur das Problem zeigen sollen.
    Zur Massentierhaltung, das ja die alleinige Ursache sein soll, habe ich auch Interessantes gefunden:
    „2015 brachte die Landwirtschaft rund 208 Mio. Kubikmeter flüssigen Wirtschaftsdüngern (Gülle, Jauche und Biogas-Gärrest) auf den Feldern aus. Einzeln betrachtet ist bei Rinder- wie auch bei Schweinegülle eine Abnahme zu verzeichnen, wohingegen sich die Menge der ausgebrachten Gärreste aus Biogasanlagen von 2010 bis 2015 von 32 auf 64 Mio. m3 verdoppelt hat.“ (von http://www.agrarheute.com)
    Da es schwierig sein wird, den Menschen das Grillwürstchen abzugewöhnen, könnten wir doch beginnen, die Biogasanlagen abzuschalten. Damit wäre die unterzubringende Gülle schon mal um 30% (64 von 208) reduziert, falls ich das richtig verstanden habe.

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