Man muss nur die Augen aufmachen

Es sind beunruhigende Neuigkeiten: Die Insekten verschwinden. Genauer formuliert: Die Gesamtmasse der Fluginsekten hat seit 1990 um rund 75 Prozent abgenommen. Wissenschaftler von der Uni Nijmegen haben Daten ausgewertet, die seit 1989 von ehrenamtlichen Insektenkundlern in 63 Gebieten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und in Brandenburg gesammelt wurden. Das Umweltnetzwerk BioFrankfurt hatte kürzlich einen ähnlichen Befund im Hinblick auf Tagfalter veröffentlicht: Auf einer bestimmten Wiese bei Regensburg, die regelmäßig beobachtet wird, gab es 1840 noch 117 Arten von Tagschmetterlingen und Widderchen. 2013 waren es nur noch 71.

Das sind zwar nur Momentbefunde in eng umgrenzten Gebieten, und man muss fragen, ob diese Befunde auf die Gesamtsituation übertragbar sind. Doch selbst wenn sie dies nicht zu hundert Prozent sein sollten, beschreiben Sie doch eine Beobachtung, die jede/-r täglich machen kann: Die Insekten verschwinden. So neu ist diese Erkenntnis also gar nicht. Doch die Wahrnehmung ist das eine, der wissenschaftliche Befund das andere. Politisches Handeln kann natürlich nur auf der Basis von möglichst weitgehend gesicherter Erkenntnis erfolgen. Insofern ist zu hoffen, dass bald etwas geschieht.

HummelDenn Fluginsekten – dazu gehören neben den Faltern natürlich auch Bienen und Hummeln, etliche Fliegenarten bis hin zu Mücken – sorgen nicht nur für die Bestäubung von Pflanzen aller Art, sie (und ihre Larven) stehen auch am Anfang der Nahrungskette. Vögel, Fledermäuse und Fische ernähren sich von ihnen. Ihr Schwund wird also die Landwirtschaft treffen und mittelfristig die Tierwelt verändern.

Auf der Suche nach möglichen Gründen für den Insektenschwund untersuchten die Wissenschaftler den Einfluss von Klimafaktoren, der landwirtschaftlichen Nutzung und bestimmter Lebensraumfaktoren, fanden aber bisher noch keine eindeutige Erklärung für den Schwund. Vermutlich spiele die intensivierte Landwirtschaft samt dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie der ganzjährigen Bewirtschaftung eine Rolle, erklären die Forscher. Unter anderem stehen auch die sogenannten Neonicotinoide unter Verdacht, hochwirksame Insektizide, mit denen u.a. Saatgut gebeizt wird und die durch Auswaschung in Gewässer und ins Grundwasser geraten.

Balken 4Leserbriefe

Maike Gafert aus Stade meint:

„Zu ihrem Bericht über die drastisch sinkende Zahl der Insekten in  Deutschland, kann ich nur sagen, dass ich einfach nicht nachvollziehen  kann, warum angeblich niemand weiß, warum unsere Insekten sterben und  dazu groß angelegte Studien nötig sind. Man muss nur einmal die Augen  aufmachen!
Die meisten Insekten haben allein schon jede Möglichkeit verloren sich  oder ihren Nachwuchs (Eier/ Larven) zu ernähren oder einen geeigneten  Lebensraum zu finden, da ihnen, dank Monsanto & Co., die entsprechenden  Wildkräuter oder -blumen fehlen (Stichwort: Bienen!). Man braucht nur  einmal im Spätsommer, wenn normalerweise noch alles blühen müsste (z.B.  Mohn, Schafgarbe, Kornblume, Wegwarte…), nach heimischen Blüten  Ausschau halten und wird vielleicht noch im tiefsten  Mecklenburg-Vorpommern an Ackerrändern oder im „verwilderten Garten“  eines „Ökospinners“ fündig. Ansonsten ist alles nur noch einheitlich  grün (durch Monokulturen und modernen Verfahren in der Landwirtschaft) und exotisch (also nicht Nahrungs- oder Brutpflanze) bzw. zugebaut oder versiegelt. Auch durch den neusten „Gartentrend“ mit unkrautversiegelten Flächen aus Steinen oder Schotter kombiniert mit ein paar sauberen Blumentöpfen, verschärft sich dies, denn die sind ja sooo pflegeleicht, aber es verschwindet auch immer mehr Lebensraum für Insekten und die von ihnen anhängiger Tierwelt. Die in die Umwelt eingebrachten Gifte tun  dazu ihr übriges, denn die Tiere nehmen die Gifte über die Nahrung auf.
Einschlägige Berichte und Studien hierzu gibt es reichlich bei  Greenpeace, BUND und Utopia.de etc. (siehe auch Anhang). Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, dass dies sich sehr  bald schon auf unser eigenes Nahrungsangebot auswirken wird bzw. dies sogar schon tut. Glyphosat ist im Urin von mind. 70 Prozent der deutschen  Bevölkerung und sogar im „reinen Bier“ und damit auch in Insekten und  Tieren nachweisbar. Man braucht diese Studie zum Insektensterben nur,  damit noch möglichst viel Zeit vergeht, in der Monsanto und Bayer weiter kräftig Geld verdienen können und die Landwirte und uns vollständig von  ihren resistenten, genmanipulierten Hybridpflanzen abhängig gemacht  haben.
Es lebe die Wirtschaft – Mensch, Tiere und Umwelt sind nicht so wichtig, wie der Profit der Großkonzerne, ansonsten ist diese  „Ahnungslosigkeit“, wie bei vielen anderen offensichtlichen Problemen,  nicht zu erklären.“

Renate Scheer aus Darmstadt:

„Mit Bestürzung verfolgte ich am 19.10.17 einen Bericht über den Zustand der Insektenfauna. Wissenschaftler stellten fest, dass der Insektenbestand seit 1989 um 76% zurückgegangen ist. Was an dieser Untersuchung besonders besorgniserregend ist: Die Beobachtungen wurden nicht in Großstädten oder Industriegebieten gemacht, sondern in ausgewählten Schutzgebieten, die allerdings alle von landwirtschaftlichen Flächen umgeben sind.#Die Monokulturen sowie der in den vergangenen Jahren ständig steigende Einsatz von Pestiziden dürften wohl eindeutig die Hauptverursacher dieser Tragödie sein – auch wenn Joachim Rukwied, der Präsident des Bauernverbandes, sich sofort wie die Glucke über die Bauern stellt und erst einmal für weitere Forschungen plädiert. Bis die angelaufen sind, dürfte das letzte Drittel der Insekten ausgestorben sein.
Was der Verlust der Insekten für die Landwirtschaft (Bestäubung), aber auch für die Vogelwelt bedeuten, muss nicht weiter erläutert werden.
Pestizidverbote oder Einschränkungen im Bereich der Düngung (Gülleausbringung) sind für die Regierung kein Thema. Dies beweisen
– die Auseinandersetzungen um Neonicotinoide, ein Gift, das nicht nur Bienen hochgradig gefährdet, sondern auch Vögel: fünf mit Neonicotinoiden gebeizte Samenkörnern sind für Rebhühner bereits tödlich. Ende des Jahres wird die EU darüber entscheiden, ob es zu einem Totalverbot von Neonicotinoiden im Freiland kommt;
– die zurzeit laufende Debatte über Glyphosat. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat
wesentliche Teile seiner Bewertung über die Gesundheitsgefahren von Glyphosat aus dem Antrag der Herstellerfirma Monsanto übernommen! Andere Länder, wie z.B. Frankreich sprechen sich ausdrücklich für ein Verbot aus, das Frankreich auch im nationalen Alleingang vollziehen würde. Wirkt Glyphosat in Deutschland anders als in Frankreich?
Hält der Trend des Artensterbens an, werden vielleicht auch in Deutschland bald Menschen per Hand Obstbäume bestäuben, so wie in Nordchina, wo es keine Bienen mehr gibt, dank der Pestizideinsätze.
Am Ende des o.g. Berichtes folgte noch ein verschämter Hinweis auf die Verbraucher, die durch ihr Kaufverhalten die Art der Landwirtschaft beeinflussen. Wenn bei jedem Apfel und jeder Mohrrübe um Cents gefeilscht wird, sehen viele Bauern ihre einzige Chance darin, durch noch mehr Pestizide und Düngemittel das sprichwörtlich Letzte aus Böden (und Tieren) herauszuholen. Der Hinweis auf die Verantwortung der Verbraucher ist richtig – bedeutet aber nicht, dass die Politik einfach abtauchen darf.“

Dieter Murmann aus Dietzenbach:

„Wann werden wir wach? Was jeder, der schon einige Jahre Auto fährt, oder mit offenen Augen durch die Landschaft geht, längst gemerkt hat, wird nun durch Forschungsergebnisse bestätigt. Der Bestand an geflügelten Insekten ist in den letzen 27 Jahren dramatisch zurückgegangen. Was die Autofahrer evtl. freut, die Frontscheibe wird kaum noch durch Insekten verschmutzt, wird noch gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und unsere gesamte Umwelt haben. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, wir leben in einem Ökosystem wo solche, durch Menschen herbeigeführten gravierenden Veränderungen große Auswirkungen haben. Während der DAX von einem Rekordhoch zum nächsten jagt, hat sich die Zahl der Insekten um 76 Prozent verringert. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, aber weit gefehlt. Unser gesamtes Augenmerk gilt der Wirtschaft. Täglich werden wir in den Nachrichten über die Entwicklung der Märkte informiert und freuen uns, wenn wir stetiges Wachstum zu verzeichnen haben. Wachstum und Profit sind die heiligen Kühe unserer Zeit. Über die Schattenseiten des einseitig auf diese Werte ausgerichteten Handelns berichten die Nachrichten nur, wenn es zu Katastrophen bzw. Problemen kommt. Zum Beispiel die Finanzkrise, ausgelöst durch Profitgier, oder Umweltkatastrophen, ausgelöst durch falsche Klimapolitik, oder Flüchtlingsströme, ausgelöst durch den Klimawandel und einseitige Handelspolitik.
Es ist relativ sicher, dass unsere auf Monokultur und Großbetriebe ausgerichtete Landwirtschaftspolitik, ebenso wie die massenhaft eingesetzten Spritzmittel und Kunstdünger, die Hauptschuld an dem Insektensterben tragen. Doch notwendige Veränderungen werden nicht angegangen. Im Gegenteil. Unser Landwirtschaftsminister Schmidt will die auslaufende Genehmigung für das giftige Spritzmittel Glyphosat, mit Verweis auf die vom Hersteller (Monsanto) geschriebene Unbedenklichkeitserklärungen, verlängern. Der alte Indianerspruch über gerodete Wälder, vergiftete Flüsse usw. gilt nach wie vor. Wir können nur hoffen, dass es der Wissenschaft gelingt, schmackhaftes Geld zu entwickeln um die Aussage zu entkräften, dass man Geld nicht essen kann.“

89 Kommentare

  1. Albert Spahn sagt:

    49000 Tonnen Pflanzenschutzmittel wurden 2015 laut Bundesumweltamt auf Deutschlands landwirtschaftlichen Flächen versprüht.Nun ist es für die Sprecher div.Verbände ein Rätsel dass die Zahl der Insekten um 75% gesunken ist. Wo sind die Grenzen für Naivität und Gewissen ?Das derzeit viel diskutierte Glyphosat wird,obwohl in fast allen Nahrungsmitteln bis zur Muttermilch nachweisbar bestimmt zugelassen. Die Lobbyisten von Monsanto ,Bayer, BASF etc. sitzen in allen Gremien.

  2. Ralf Rath sagt:

    In einer Welt, in der für den wohlbegründeten Anspruch auf würdige Arbeit nahezu kein Geld verfügbar ist, aber der äußerst verwerfliche Anspruch, buchstäblich über Leichen gehen zu dürfen, seit längerem massiv materielle Förderung erfährt, nimmt es nicht wunder, dass menschliche Arbeitskraft, die auch nichts anderes als eine Naturkraft ist, es längst nicht mehr zu leisten vermag, anderen Phänomenen in der Natur wie dem rapiden Rückgang lebender Insekten auf die Spur zu kommen. Um also Aufschluss darüber zu gewinnen, weshalb Insekten in großer Zahl verschwinden, müsste sich zuvörderst ein Wechsel des Rationalisierungsparadigmas menschlicher Arbeit vollziehen.

  3. Wenn die Insekten so abnehmen, ist das beunruhigend.
    Was sagen Wissenschaftler dazu? Man hat bisher kleine Erklärung, woran es liegt.
    Greenpeace, BUND, WWF und viele Journalisten wissen aber schon, woran es liegt.
    Wozu braucht man dann noch Wissenschaftler?

  4. deutscher Michel sagt:

    Vielleicht wäre es ein Ansatz, Monokulturen (ohne die eine steigende Weltbevölkerung möglicherweise nicht zu ernähren ist) nur für Lebensmittel zuzulassen, die auch tatsächlich gegessen und nicht verstromt oder als Treibstoff verwendet werden. Der generellen Verödung könnte so zumindest entgegengewirkt werden. Vermutlich auch zum Wohle der Insekten.

  5. @deutscher Michel
    Ich halte es nicht für eine gute Idee, dass jetzt jeder je nach politischer Couleur Therapien vorschlägt bevor die Diagnose klar ist.
    Wie kann man sich auf der einen Seite über „alternative Fakten“ und „Fake news“ beschweren und auf der anderen Seite ohne belastbare Belege Diagnosen stellen?
    Die entscheidende Frage ist doch, ob man sich und wer sich um die Lösung der offenen Fragen kümmert.

  6. deutscher Michel sagt:

    @ Henning Flessner:
    Ich gebe Ihnen prinzipiell recht. Fraglich wäre tatsächlich, welche Fachrichtungen sich mit dieser Thematik eingehend befassen.
    Gibt es denn Kartierungen zu dem Thema?

  7. Ralf Rath sagt:

    Um eine Diagnose stellen zu können, die Auskunft darüber gibt, weshalb insbesondere Fluginsekten in sehr großer Zahl verschwinden, ist geistige Arbeit unverzichtbar. Ansonsten erfüllt sich nicht die von Henning Flessner hier im Blog der Frankfurter Rundschau erhobene Forderung, vor der Diskussion von Therapien zunächst dem besagten Phänomen auf den Grund zu gehen. Zentral sind daher die Bedingungen, zu denen geistige Arbeit zu erbringen ist. Lassen jene gleich welche Arbeitsleistung von vornherein unmöglich werden, kann noch in der fernsten Zukunft das Rätsel einer in erheblichem Umfang entschwindenden Tierpopulation nicht gelöst werden. D. h.: Ohne eine entsprechende Arbeitsorganisation bleibt noch der fähigste individuelle Genius außerstande, die für das Überleben wichtige Frage zu beantworten. Insofern erstaunt über alle Maße hinweg, dass in der gesamten Debatte die von Natur aus gegebenen Voraussetzungen für intellektuelle Leistungsfähigkeit nicht Gegenstand der Auseinandersetzung sind.

  8. hans sagt:

    Es gibt z.B. immer noch kein Krebsregister. Die Jahrzehnte alte Forderung wird ignoriert zumindest bis die AKW alle stillgelegt sind. Wen wundert es da dass das feststellen das Insekten verschwinden auf Datenerhebungen von Leuten beruhen die ehrenamtlich tätig waren. Solange man so vorgeht kann man immer das Argument bringen das es keinen wissenschaftlichen Beweis gibt und man deshalb nichts tun sollte weil halt nicht sein kann was nicht sein darf. Das sollte man doch belegen können. Vorsicht Ironie

  9. @hans
    Man kann in der Naturwissenschaft prinzipiell nichts beweisen, aber gut begründen sollte man seine Annahmen schon.
    Auch sollte man keine Verschwörungstheorien verbreiten, die man nicht belegen kann.
    Das erste Krebsregister der Welt wurde 1926 in Hamburg eingerichtet. Das Saarland hat eins seit 1967. Die neuen Bundesländer führen das Krebsregister der DDR weiter.

  10. Marco Warstat sagt:

    Der starke Rückgang von Insekten, der sich sowohl auf die Zahl der Arten als auch auf die Individuenmenge (Biomasse) bezieht, ist in der Tat besorgniserregend. Dass dafür ein Bündel von Faktoren verantwortlich ist, ist unter Fachleuten unbestritten: Vernichtung von Hecken, Feldgehölzen und Rainen, Entwässerung von Feuchtgebieten, Ausbau von Fließgewässern, zu frühes und häufiges Mähen von Weg-, Straßen- und Gewässerrändern, noch dazu mit Rotationsmähwerken, die alles kurz und klein schlagen, Überdüngung der Landschaft, Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat und Neonicotinoiden, Umwandlung von Grünland (Wiesen und Weiden) in Ackerland, Dominanz von Mais in der Agrarlandschaft, Fragmentierung der Landschaft durch Verkehrstraßen, der tägliche Verbrauch von 70 Hektar Land für Straßen, Gewerbegebiete, Wohnhäuser etc., die riesige Zahl nächtlicher Lichtquellen, zunehmend naturfeindlich gestaltete Gärten (zum Beispiel mit Schotter) und manches andere wirken am Niedergang der Insekten (und anderer Arten!) mit.Einen herausragenden Anteil daran hat aber die immer intensiver gewordene Landwirtschaft.

    Wenn regelmäßig etwa 40 Prozent der Äcker unseres Landes mit dem Breitbandherbizid Glyphosat gespritzt werden, bedeutet das die nahezu komplette Vernichtung der Wildpflanzen auf dieser Fläche. Und da sehr viele Insekten nun mal auf Futterpflanzen angewiesen sind, wird ihnen damit die Lebensbasis entzogen. Wie dreist oder ignorant muss man eigentlich sein, um das zu verleugnen?

    Die seit etlichen Jahren geführte Diskussion um die Neonicotinoide erinnert stark an die früheren Auseinandersetzungen um das Dichlor-Diphenyl-Trichloräthan (DDT), dessen insektizide Eigenschaft 1939 entdeckt und das dann über 30 Jahre lang massiv gegen Insekten eingesetzt wurde. Seine verheerende Wirkung auf die Tierwelt (und den Menschen!) stellte sich sehr schnell heraus und wurde vor allem von der amerikanischen Biologin und Umweltpionierin Rachel Carson in die Öffentlichkeit transportiert. Von seiten korrupter oder ignoranter Wissenschaftler, Vertretern der chemischen Industrie und Landwirtschaftsfunktionären, die das DDT in der Öffentlichkeit dreist verharmlosten, wurde sie dafür immer wieder persönlich diffamiert. Auch damals las und hörte man regelmäßig, es müsse noch geforscht werden. Der Kampf gegen das DDT dauerte lange, aber er war letztlich erfolgreich: 1971 wurde der Stoff verboten, nachdem der öffentliche Druck zu stark geworden war. Heute muss er gegen Pestizide wie Glyphosat und Neonicotinoide fortgesetzt werden!

  11. @Marco Warstat
    Ich weiss nicht, woher Sie Ihre Kenntnisse beziehen. ich empfehle diesen Artikel:
    http://www.fr.de/wissen/insektensterben-pestizide-sind-nicht-die-einzige-ursache-a-1289250

  12. hans sagt:

    zu @ Henning Flessner
    Zwei Bemerkungen zu dem was sie geschrieben haben.
    Mit ihrer Aufzählung haben sie zugegeben das es kein Bundesweites Krebsregister gibt.
    Ist ihnen eigentlich aufgefallen das in den Bundesländern die sie aufgezählt haben kein AKW steht oder je gestanden hat?
    Nur so viel zum Thema Verschwörungstheorie. Wir sind aber wieder dabei das Thema zu verlassen.

  13. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Der von Ihnen verlinkte Artikel spricht ebenso wie Marco Warstat von einem Bündel von Ursachen und nennt z.T
    dieselben Beispiele wie dieser.

  14. hans sagt:

    zu @ Henning Flessner
    Ob man auch beim Abholzen des Regenwaldes eine Studie braucht wie das dem Selbigem bekommt oder ob dafür gesunder Menscherverstand reicht?

  15. @Brigitte Ernst
    Mir ging es natürlich nicht um die Gemeinsamkeiten, sondern um die Unterschiede. Der Wissenschaftler vermutet und rät von unüberlegten Entscheidungen ab («Ich halte es daher für unglücklich, wenn man einzelne Pflanzenschutzmittel so in den Fokus stellt und nicht umfassender an die Konsequenzen denkt.“).
    Herr Warstat kennt bereits die Wahrheit und wer ihm nicht zustimmt, kriegt eins mit der „Leugner-Keule“ verpasst („Wie dreist oder ignorant muss man eigentlich sein, um das zu verleugnen?“).

  16. @Brigitte Ernst
    Während Herr Warstat Glyphosat als Schuldigen ausgemacht hat, erwähnt der NABU im Zusammenhang mit den Insekten nur die Neonicotinoide und fordert deren Verbot.
    https://www.nabu.de/news/2017/10/23291.html

  17. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Wie wär’s damit, den Einsatz beider Insektizie zu verringern? Bevor die letzte Biene das Zeitliche gesegnet hat. Denn dass, wie gesagt, ein Bündel von Ursachen auszumachen ist und beide Gifte eine Rolle spielen, ist doch sehr wahrscheinlich.

  18. Um einen Eindruck vom Geschehen zu .bekommen ,muss man sich dahin begeben wo es stattfindet . In meinem direkten Umfeld gibt es zwei Rapsfelder .Auf einem wuchsen vorher Kartoffeln , die kurz vor der Ernte totgespritzt wurden (anders kann man das nicht nennen).Danach wurde Raps gesät , offensichtlich nachdem erneut gespritzt wurde .Erkennbar daran dass nun auch der größte Teil des Randstreifens dahinwelkt . Auf dieser Fläche wächst nur Raps , entsprechendes Saatgut macht es möglich,sonst nichts .Was soll da noch untersucht werden ? Von wem ? Ich habe schon lange den Eindruck gewonnen , dass es mit unvoreingenommenen wissenschaftlichen Studien nicht weit her ist , und wenn es sie gibt , werden sie einfach ignoriert . Die Argumentation , es fehle an Studien um den Verlust an Artenvielfalt zu erklären ist zumindest scheinheilig . Es ist ein wenig wie in der EU , wo nun Glyphosat „nur “ für fünf Jahre zugelassen werden soll.Das ist kein Kompromiss , das ist ein Verbrechen , wenn es durchkommt.

  19. hans sagt:

    Man kann das alles so von vorne herein kritisch sehen und fordern das etwas getan werden muss, ich sehe das sogar auch so, aber es gibt halt auch das Bundestagswahlergebnis. Die Union wird weiter den Landwirtschaftsminister stellen und das bedeutet das sich nichts ändern wird und das wollen wohl die Unionswähler auch so. Ich persönlich würde eh als wichtiger ansehen das Antibiotika aus dem Futter verbannt wird. Das kostet schon jedes Jahr tausende von Menschenleben in D., aber das wird aus oben genannten Gründen auch nicht passieren.

  20. @Brigitte Ernst
    Glyphosat ist kein Insektizid.

    In den USA ist der Insektizid-Einsatz im Maisanbau von 1998 bis 2011 um 75% zurückgegangen. Das können wir hier leider nicht machen, weil es von den „Umweltschützern“ verhindert wird. Der Mais ist so verändert, dass er ein Protein produziert, dass der Maiszünsler nicht verträgt.

  21. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Sie haben recht, es ist ein Herbizid mit insektiziden und karzinogenen Nebenwirkungen.

    Im Übrigen könnte der Kunde/die Kundin einen entscheidenden Einfluss auf den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung und von Herbiziden sowie Insektiziden in der Monokultur (sprich auf dem Maisfeld) ausüben, wenn sie einfach weniger Fleisch äßen.

    Was Ihre Einstellung zum Einsatz von genverändertem Saatgut auf den Feldern anbetrifft, verwirren Sie mich ein wenig, Herr Flessner. Wenn es darum geht, Glyphosat und Neonicotinoide zu verbieten, fordern Sie, dass man warten solle, bis die Wissenschaft Genaueres über deren schädliche Wirkung weiß. Wenn es aber um die Einführung einer Technologie geht, über deren Einfluss auf das gesamte Ökosystem noch keiner richtig Bescheid weiß, sind Sie dafür. Das bedeutet also: Einführung ohne endgültige wissenschaftliche Erkenntnisse: ja; Abschaffen ohne endgültige wissenschaftliche Erkenntnisse: nein.
    Das verstehe, wer will.

  22. Der NABU berichtet auch über einen drastischen Vogelschwund. Dieser setzte ca. um das Jahr 2000 ein.
    «Im betroffenen Zeitraum hat der Anteil an artenreichen Wiesen und Weiden oder Brachflächen drastisch ab-, dagegen der intensive Anbau von Mais und Raps stark zugenommen.“ (http://www.presseportal.de/pm/6347/3765144).
    Der massive Anbau von Mais und Raps ist eine Folge der Energiewende, da die beiden Pflanzen zur Energiegewinnung genutzt werden.
    Die ersten Biogasanlagen fallen 2020 aus der EEG-Förderung und lassen sich dann nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Neue Anlagen werden praktisch nicht mehr installiert. Bis 2040 sollten die letzten Anlagen verschwunden sein, wenn keine politischen Mittel ergriffen werden.
    Was können wir von einer Jamaika-Koalition erwarten? Die FDP wird sich kaum für die Biogasanlagen stark machen. Bei der CDU bin ich mir nicht sicher. Die Biogasanlagen sind zwar ein Kind der Grünen, das vor Jahren noch gepäppelt werden sollte, aber inzwischen möchte man von diesem nichts mehr wissen.
    Viele Biogasanlagen stehen in Bayern und die CSU wird sich sicher stark dafür machen, dass den Bauern ihre lukrative Einnahmequelle erhalten bleibt.
    Ein Einfluss auf die Stromproduktion hat dies natürlich auch. Biogasanlagen erzeugten 2016 so viel Strom wie 17‘000 Windturbinen. Die Biogasanlagen und die verschwindenden Nuklearkraftwerke erzeugten mehr Strom als Wind und Sonne zusammen.

  23. hans sagt:

    zu @ Henning Flessner
    Der Einsatz von Biogasanlagen gibt nur Sinn wenn man sie als Regelenergie einsetzt. Dazu brauchen sie größere Generatoren. Das Gas kann man speichern bis man es braucht. Ob das wirtschaftlich ist derzeit weiß ich nicht. Für die Energiewende aber sicher eine vielleicht wichtige Option. Was da derzeit gemacht worden ist, ist Geld verbrennen.

  24. @Brigitte Ernst
    Es gibt keinen Nachweis karzinogener Nebenwirkungen von Glyphosat, sonst würde es nicht als „wahrschenlich“ krebserregend eingestuft, wie wohl auch Kaffee.
    Wie kommen Sie auf die Idee, dass es keine Untersuchungen über den Einfluss von Bt-Mais auf das Ökosystem gibt? Nur weil man keinen Einfluss gefunden hat? In den USA werden seit 2000 10 Millionen Hektar mit Bt-Mais bepflanzt und alle befürchteten Katastrophen sind nicht eingetreten. Das ist kein Beweis, aber ein Beweis ist auch nicht möglich.
    Ich hätte ja kein Problem damit, auf den Maisanbau zu verzichten (ich mag keine Polenta). Nur bekommen die Bauern über 6 Mrd. Euro aus der EEG-Umlage, die wir ihnen für 20 Jahre garantiert haben und auf die werden die nicht so schnell verzichten wollen.
    Der Hauptschädling des Mais ist der Maiszünsler (ein Schmetterling), der eigentlich in Nordeuropa gar nicht heimisch war. Er wurde von Menschen eingeschleppt, genau wie der Kartoffelkäfer. Sie sind also hier nicht schützenswert.
    Worum es mir eigentlich geht, ist, dass die Sachen alle viel komplizierter sind, als uns die großen Vereinfacher weissmachen wollen, die immer gleich nach Aktionen (meistens Verboten) schreien, ohne sich Gedanken über die Folgen zu machen.

  25. Es ist letztendlich der gleiche Prozess wie immer,wer das Geld hat ,hat recht und gewinnt .Diese sogenannte Wissenschaft wird von der Chemie und Agrarindustrie finanziert und zwar um Geld zu verdienen . Dass dabei die Umwelt baden geht wird außer von einigen Ökospinnern entweder hingenommen oder gar nicht bemerkt .Der Wissenschaftsbetrieb , der auf Seiten der Ökospinner tätig ist , hat vergleichsweise weder Geld noch Macht . Die angepeilte Jamaikakoalition hat weder Interesse noch Bewegungsfreiheit irgend etwas Entscheidendes zu unternehmen . Die Grünen werden vermutlich umfallen , der FDP ist Klima und Umwelt sowieso egal , denen geht es nur ums Geld und CDU/CSU haben genug mit sich selbst zu tun,da bleibt für diese „Randthemen“ kein Platz .Mit anderen Worten wenn nicht in absehbarer Zeit eine Katastrophe eintritt ( so etwas wie ein schöner Sommer mit 8 Wochen 40 Grad und mehr) wird sich nicht viel ändern .Nur die Katastrophe wird kommen , unsere Kinder und Enkel werden sie ausbaden müssen .

  26. @Jürgen H. Winter
    Ihre Argumentation, dass die Welt nur von der Industrie regiert wird, ist schon reichlich schlicht.
    Im Biergarten hörte ich letzte Woche eine ähnliche Argumentation: „Es wird alles von der amerikanischen Industrie und den Banken gesteuert und an der Spitze stehen Juden.“
    Man muss bei Ihrer Argumentation verdammt aufpassen, nicht in das falsche Fahrwasser zu geraten.

  27. Das Insektensterben wurde zur „Unstatistik des Monats“ auserkoren: http://www.rwi-essen.de/unstatistik/72/

  28. Stefan Briem sagt:

    @ Henning Flessner

    Wunderbar, welch klare Beweise Sie dafür liefern, dass wissenschaftluiche Erkenntnisse der Politik keine hundertprozentig gültigen Leitlinien liefern können. Mehr als diese RWI-Sache braucht es wirklich nicht.

  29. Werner Engelmann sagt:

    @ Henning Flessner

    „Was sagen Wissenschaftler dazu? Man hat bisher kleine Erklärung, woran es liegt. Greenpeace, BUND, WWF und viele Journalisten wissen aber schon, woran es liegt. Wozu braucht man dann noch Wissenschaftler?“ (24. Oktober 2017 um 20:20)

    – Da hätte ich schon gerne eine Präzisierung dazu, von welchen „Wissenschaftlern“ Sie hier sprechen. Und gehen Sie davon aus, dass Greenpeace, BUND, WWF mit Wissenschaftlern, die dazu etwas sagen können, so gar nichts am Hut haben?

    „Es gibt keinen Nachweis karzinogener Nebenwirkungen von Glyphosat, sonst würde es nicht als „wahrscheinlich“ krebserregend eingestuft, wie wohl auch Kaffee.“ (29. Oktober 2017 um 14:11)

    – Da hätte ich nun aber wirklich gerne Belege! Und bitte mit Hinweisen, in wessen Auftrag die „Studien“ erfolgten, welche diese Zusammenhänge abstreiten.
    Auf der von ARTE neulich ausgestrahlten sehr ausführlichen Reportage über das „Monsanto-Tribunal“ klang das völlig anders. Da traten zahllose Berichterstatter und Zeugen aus den USA, Argentinien, Frankreich, Sri Lanka und anderen Ländern auf, mit Hinweisen auf zahllose Einzelfälle und noch erschreckenderen Erhebungen, nach denen die Zahl der Opfer in die Zigtausende gehen.

  30. Werner Engelmann sagt:

    Ergänzung zu meinem Beitrag

    Nach Wikipedia wird als Ergebnis des Monsanto-Tribunals u.a. die Empfehlung genannt, dass
    „Ökozid als Straftat festgelegt werden soll (was laut Gutachten dazu führen würde, dass wahrscheinlich international viele Aktivitäten Monsantos diesen Tatbestand erfüllen könnten).“
    „Ökozid“ wird dabei wie folgt definiert:
    „die Ausrottung eines Volkes durch die ökologische Zerstörung seiner natürlichen Lebensgrundlagen, wie dies beispielsweise bei mehreren indigenen Völkern im brasilianischen Regenwald geschehen ist (vgl. Genozid).“

  31. @Stefan Briem
    Haben sie die Studie gelesen?
    Die Prozentzahlen hängen extrem von den Messungen in den beiden ersten Jahren der 27 Jahre ab. Bei derart streuenden Werten sollte man keine Prozentzahlen mit 3stelliger Genauigkeit angeben. Das hätte der Reviewer eigentlich bemängeln müssen.
    Die Studie ist sehr interessant, weil sie auch mit einigen Vorurteilen aufräumt. Ein strenger Winter hat keinen Einfluss. Eine Zunahme von Ackerland hat erstaunlicherweise sogar einen positiven Effekt auf die Insekten.
    Wissenschaft kann in den seltensten Fällen hundertprozentig gültige Leitlinien liefern. Es bleibt fast immer ein „Restrisiko“. Man muss am Ende immer eine Güterabwägung machen und dann eine Entscheidung treffen.

  32. @Werner Engelmann
    Mit den Wissenschaftlern, die nicht wissen, woran das Insektensterben liegt, meinte ich z. B. die Wissenschaftler, die die Studie gemacht haben. Ich empfehle die Lektüre.
    Wenn IARC der Ansicht wäre, dass die krebserzeugende Wirkung von Glyphosat nachgewiesen wäre, was soll dann das Wort «wahrscheinlich» bedeuten?
    Ich schätze den Sender ARTE sehr, aber das heisst nicht, dass alles gut und richtig ist, was dort gesendet wird. Ich erinnere nur an den Film «Gasland», der noch wiederholt wurde, als die Fälschungen bereits nachgewiesen waren.

  33. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Vor einiger Zeit entnahm meine Internistin den Informationen über Medikamente, die sie regelmäßig liest, dass eines der Mittel, die sie mir regelmäßig verschrieb, in den Verdacht geraten war, Krebs zu erzeugen. Was tat sie als verantwortungsbewusste Medizinerin? Sie wartete nicht, bis dieser Verdacht sich durch weitere wissenschftliche Untersuchungen erhärtet hatte bzw. ausgeräumt war, sondern sie verschrieb mir vorsichtshalber ein anderes Medikament.
    Ein solches vorsorgliches Verhalten erwarte ich nicht nur im Umgang mit meinem Körper, sondern auch mit meiner Umwelt.

  34. Stefan Briem sagt:

    Genau so ist es, Frau Ernst. Und dieses Verfahren, das etwas mit Umsicht, Vorsicht und Antizipieren von künftigen Problemen und Gefahren zu tun hat, lässt sich auf alle Lebensbereiche übertragen, auch auf Glyphosat oder beispielsweise die Atomkraft. Das bedeutet nicht blinden Aktionismus, wie Herr Flessner oben einmal geschrieben hat, sondern das ist verantwortungsvolle Politik. Ich brauche zum Beispiel keinen wissenschaftlichen Beweis für die Erkenntnis, dass Glyphosat riesige Flächen zu Wüsten macht, auf denen nichts anderes mehr wächst als die Pflanzen, die da wachsen sollen. Es liegt ganz einfach auf der Hand, dass das zu einem Schwund an Biomasse führt und führen muss. Dieser Zusammenhang ist nichts anderes als logisch. In Wüsten lebt nicht viel.

  35. @Brigitte Ernst
    Ihre Ärztin hat Ihnen ein anderes Medikament mit gleicher Wirkung verschrieben. Darf ich daraus schließen, dass Sie Glyphosat durch ein anderes Herbizid ersetzen wollen?

  36. @Stefan Briem, Brigitte Ernst
    Ich vermute also, dass sie keinen Alkohol trinken, Kaffee oder Tee nur warm trinken, keinen Schinken, Speck, Salami oder Frankfurter Würstchen essen. Sie essen nichts Gesalzenes. Sie grillen auch nicht und haben auch keinen Kamin. Sie setzen ihre Körperoberfläche keiner direkten Sonnenstrahlung aus.
    All dieses kann Krebs erzeugen. Wenn Sie so leben, chapeau!
    Die Menschen verhalten sich aber nicht so. Wir wissen, dass wir im Auto umkommen können und setzen uns trotzdem rein. Leider ist es ja nicht so, dass Dinge immer nur Nachteile haben. Dann wäre die Entscheidung immer einfach. Wir machen bewusst oder unbewusst eine Güterabwägung. Meistens ist sie leider unbewusst und irrational.
    Bevor man gleich alle Insektizide und Herbizide verbietet, sollte man sich doch überlegen, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich dadurch Schaden erleide und dies abwägen gegen die Nachteile, die ein Verbot nach sich zieht.
    Es stellt sich mir z. B. die Frage, ob man in Deutschland überhaupt noch Kartoffeln anbauen kann, wenn wir kein Insektizid mehr gegen die Kartoffelkäfer einsetzen dürfen. In den 30er Jahren wurden Schulkinder aus der Schule genommen und auf die Felder geschickt, zum Käfer absuchen (Der Kartoffelkäfer war das Lieblingstier meines Biologielehrers.) Ist das die Lösung oder machen wir es wie die Bio-Winzer und verseuchen den Boden mit Schwermetallen? Vielleicht ist das alles kein Problem und es gibt eine einfache Lösung, aber man sollte sich das doch mal vorher überlegen.
    @Stefan Briem
    Da Sie meine Frage nicht beantwortet haben, gehe ich davon aus, dass Sie die Studie nicht gelesen haben. Die Studie zeigt, dass Agrarland einen positiven Effekt auf die Insektenpopulation hat, während Wald einen negativen Effekt hat. Da Herbizide ja eher im Agrarland ausgebracht werden als im Wald, bin ich etwas verwirrt. Haben Sie eine gute Erklärung?
    Erstaunlich ist auch, dass von 1989 bis 1998 die Insekten um ca. 40% abgenommen haben und die Vögel leicht zugenommen haben. Die Abnahme der Vögel setzt erst 1998 ein. Das Vogelsterben beginnt also erst mit der Energiewende. Ich fordere aber nicht vorsichtshalber ein Ende der Energiewende, weil eine Korrelation kein ausreichendes Argument ist, obwohl ich mir schon eine passende Theorie ausdenken könnte.

  37. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Die gleiche Wirkung wird das Medikament nicht haben, sonst wäre es ja ebenfalls im Verdacht, krebserregend zu sein. Aber eine ähnliche.
    Entsprechend sollte man Herbizide entwickeln, deren Wirkung weniger gesundheitsschädlich und umweltschädigend ist, und sie so niedrig wie möglich dosieren. Die Chemiekonzerne verdienen genug Geld, da könnten sie wahrlich mehr in ihre Produktentwicklung investieren.

    Mit Ihren Vermutungen bezüglich meines Umgangs mit krebserregenden Stoffen und Sonneneinstrahlung liegen Sie fast richtig. Im Sommer weiche ich wenn möglich der Sonne aus, weil mir Hitze unangenehm ist (und meine Haut hat es mir gedankt). Heiße Getränke meide ich ebenfalls, weil sie mir in der Kehle wehtun. Auf Wurst, Speck und Schinken habe ich sehr selten Appetit, ich bevorzuge Käse. Salz dosiere ich ohnehin so niedrig wie möglich, weil ich zu hohem Blutdruck neige, und Grillen hasse ich, schon allein wegen des Gestanks. Ich muss mich da gar nicht bewusst zurückhalten, offenbar weiß mein Körper, was mir bekommt. Nur auf ein gelegentlich genossenes Glas Wein zu verzichten würde mir schwerfallen. Aber ein Laster braucht der Mensch ja schließlich. Aber das verschafft mir wenigstens Genuss, was ich von Glyphosat nicht behaupten kann. Und im Übrigen dürfen Sie auch nicht vergessen, dass diese Umweltgifte zusätzlich zu den von Ihnen genannten (Sonne, Schinken etc.) wirken, also in jedem Fall als weiterer Risikofaktor hinzukommen.

  38. «Entsprechend sollte man Herbizide entwickeln, deren Wirkung weniger gesundheitsschädlich und umweltschädigend ist, und sie so niedrig wie möglich dosieren. Die Chemiekonzerne verdienen genug Geld, da könnten sie wahrlich mehr in ihre Produktentwicklung investieren.“
    Ich sehe hier ein Bild von Forschung, wie man es in der Öffentlichkeit oft vorfindet. Man muss nur genug Geld in die Forschung stecken und schon werden Sachen erfunden, die man sich gewünscht hat. Leider ist es nicht so einfach. Viele Dinge werden aus Zufall erfunden. Man hatte eigentlich nach etwas anderem gesucht.

  39. Ralf Rath sagt:

    Damit sich die Debatte hier im Blog der Frankfurter Rundschau nicht vollends im Beliebigen verliert, erlaube ich mir, die bibliographischen Daten der Studie anzuführen, die von Eric Gordon Lamb, University of Saskatchewan, CANADA herausgegeben wird: Hallmann CA, Sorg M, Jongejans E, Siepel H, Hofland N, Schwan H, et al. (2017) More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLoS ONE12(10): e0185809. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185809. Nach der Lektüre der Studie mag jeder hier kommentierende Leser selbst entscheiden, ob sie die verlangte Wissenschaftlichkeit verfehlt oder nicht. Gleichsam aus dem hohlen Bauch heraus sich dazu zu äußern, verbietet sich demnach spätestens seit der Veröffentlichung im Internet am 18. Oktober. Zugleich sind dort alle Insititutionen genannt, welche die Forschung gefördert haben. Darunter befinden sich zahlreiche Naturschutzbehörden aus Deutschland. Eine Kritik impliziert somit, dem Staat zu unterstellen, lediglich interessegeleitet und nicht am Gemeinwohl orientiert zu sein; wobei das zu begründen wäre, falls es nicht an jedweder Ernstlichkeit mangeln soll.

  40. Man sollte nicht nur die Studie lesen, sondern auch die Kommentare.
    Da wird die Frage gestellt, ob die Autos und Windturbinen die Luft von Insekten «gereinigt» haben. Spielt die «Lichtverschmutzung» eine Rolle oder die Strahlung von Handys?
    Wie gross war die Population vor 1989? 75% beträgt die Abnahme übrigens nur, wenn man 1989 als den Basiswert setzt.
    Die Ersteller der Studie nehmen einen kontinuierlichen Abfall der Insektenpopulation an und nähern die sehr stark streuenden Messwerte daher durch eine Exponentialfunktion an. Ein Kommentator hat den Eindruck, dass man die Messwerte auch so interpretieren kann, dass von 1989 bis 2006 die Population fast konstant war, es von 2006 auf 2007 ein Massensterben gab und seitdem die Population wieder konstant ist.
    Fragen über Fragen und daraus jetzt bereits Schlüsse auf die Ursachen zu ziehen, ist in meinen Augen nicht mutig, sondern tollkühn.

  41. Eine weitere Vermutung eines Kommentators: es ist aus der Forschung bekannt, dass Luftverschmutzung zu einer Vermehrung von Insekten führt. So könnte der Rückgang der Insektenpopulation auch durch die Verbesserung der Luftqualität seit Mitte der 80er Jahre erklärbar sein.

  42. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Ich gehe davon aus, dass auf bestimmten Feldern weniger geforscht wird, wenn man glaubt, bereits eine gute Lösung für ein Problem gefunden zu haben. Das heißt z.B., dass der Irrweg der Nutzung von Atomkraft wahrscheinlich dazu geführt hat, dass man sich lange Zeit zu wenig Gedanken über alternative Möglichkeiten zur Energiegewinnung gemacht hat. Ähnlich könnte es sich auch bei der Schädlingsbekämpfung verhalten. Hier gibt es ja neben der genverändernden Technologie auch die marker assisted selection, bei der durch die Untersuchung pflanzlicher Zellkerne auf bestimmte Eigenschaften die Züchtung schädlingsresistener Pflanzen durch die gute alte Methode der Kreuzung erleichtert werden könnte. Die Frage ist, ob auf diesem Gebiet genügend geforscht wird, wenn man sich mit der bequemeren Methode des Gifteinsatzes zufriedengibt.

  43. @Brigitte Ernst
    Sie haben Recht, dass wer nicht sucht, natürlich nichts finden kann .
    Nur das biblische „Wer suchet, der findet“ gilt in der Forschung leider nicht immer.

  44. Brigitte Ernst sagt:

    Da muss ich Ihnen Recht geben, lieber Herr Flessner.

  45. Hallo Herr Flessner,vielen Dank dafür dass sie mich an den Biertisch gesetzt haben , ich trinke ganz gern ein Bier , auch wenn es nicht ganz so rein sein dürfte , wie die Werbung behauptet .Meine Argumentation basiert auf dem was ich selbst wahrnehmen , in meiner Umgebung , in meinem Garten usw . Ihr sicher sehr fundiertes Wissen scheint mir aber auch nicht immer zum Erfolg zu führen , wenn ich sehe , wie sehr die Firma Monsanto unter Beschuss geraten ist , und verschiedenen Staatliche Gremien gleich mit .Aber wenn sie so klug sind , erfinden sie doch mal eine Methode wie die Menschheit das CO2 wieder aus der Atmosphäre bekommt.

  46. @Jürgen H. Winter
    Trauen Sie nie Ihren persönlichen Eindrücken. Wir täuschen uns fast immer. Juristen wissen, dass es nichts unzuverlässigeres gibt als Zeugenaussagen (Filmtipp: Die 12 Geschworenen mit James Stewart).
    Wie kommen Sie darauf, dass ich schlauer bin als andere? Ich bin hier doch der einzige, der nicht weiss, warum die Insekten sterben.
    Ich bin hier der Dumme!

  47. deutscher Michel sagt:

    @ Brigitte Ernst:
    Man kann auch ebenso davon ausgehen, dass auf dem Feld der Kernenergie (in Deutschland(!)) fast nicht mehr geforscht wird, weil man glaubt, mit der „Energiewende“ eine gute Lösung trotz deren unverkennbarer Problem gefunden zu haben.

  48. Brigitte Ernst sagt:

    @ deutscher Michel

    Sie haben recht, auf dem Gebiet der Kernkraft besteht noch eine hoher Forschungsbedarf, nämlich um die Frage zu lösen, was man mit all dem Atommüll macht, der bereits angefallen ist.

  49. @Brigitte Ernst
    Auf dem Gebiet des Atommülls gibt es keinen nennenswerten Forschungsbedarf, höchstens praktische Erprobung der bekannten Verfahren.
    Interesssanterweise bekämpfen aber die Kernkraftgegner jegliches Verfahren zur Verringerung des Atommülls mit dem Argument, dass dadurch die Kernenergienutzung wieder akzeptabel erscheinen könnte.

  50. hans sagt:

    Das was man bei Kernenergie sicher erreicht hat nennt sich Wiederaufarbeitung. Das führt bisher zu einer Vervielfachung der Mülls

  51. @hans
    Falsch. Die Wiederaufarbeitung reduziert das Volumen des zu endlagernden Mülls (siehe Wikipedia).
    Das führt hier aber vom Thema weg, ausser es glaubt jemand, dass die KKW für das Insektensterben verantwortlich sind.

  52. @Henning Flessner es ist ja wohl keine Frage , dass auf allen Gebieten Forschungsbedarf besteht , auch ihre Einschätzung , dass man in der Beurteilung von Fakten , die vor einem liegen , falsch liegen kann ,ist sicher richtig . Das Problem heute ist doch nicht , dass es keine Forschung gibt , sondern dass diese Forschung in den meisten Fällen pro domo geschieht und alles was nicht hineinpasst unter den Teppich gekehrt wird , denn Forschung kostet Geld und Geld wird eingesetzt , um Ziele zu erreichen , die wiederum mehr Geld einbringen .In diesem speziellen Fall geht es um die Umwelt im allgemeinen, Fauna und Flora um uns herum .Glyphosat ist genau zu diesem Zweck erfunden worden , Fauna und Flora umzubringen , die Nebenwirkungen sind den Erfindern durchaus bekannt, werden aber nicht öffentlich gemacht , um den Ertrag nicht zu schmälern . Praktischerweise hat man dann das entsprechende Saatgut gleich dazu geliefert , denn etwas anderes wächst dort nicht mehr . Also doppeltes Geschäft .Ich glaube ,dass diese Fakten wohl unstrittig sind , und in diesem Fall glaube ich dem , was ich vor mir sehe , da brauche ich keine weiteren wissenschaftlichen Ergüsse , denn was immer da kommt ist , wie gesagt , in vielen Fällen nicht glaubhaft . Im übrigen gibt es eine uralte Geschichte über einen Mann , dessen Frau wohl etwas untreu war , der sie beobachtete , wie sie mit dem fremden Mann , aber dann ging das Licht aus und er arme Kerl sagte :Immer diese Ungewissheit .
    Ist doch erstaunlich , was an >Biertischen so geredet wird.

  53. hans sagt:

    Es ist sicher kein Zufall das es ehrenamtlich Tätige waren die die Datenbasis für die Studie geschaffen haben die das Insektensterben belegt. Deshalb klare Zustimmung Herr Winter zu ihrem Beitrag.

  54. @Jürgen H. Winter
    Woher beziehen Sie eigentlich Ihre Überzeugung? Waren / sind Sie in der Industrieforschung tätig?
    Wie Sie richtig schreiben, kostet Forschung Geld. Stellen Sie sich doch mal an die Straße mit einem Schild, dass Sie die nächsten 20 Jahre Insekten zählen wollen und bitten um finanzielle Unterstützung.
    Vermutlich wird niemand bereit sein, Sie zu unterstützen.
    Sie unterstellen Hundertausenden von Forschern in der Industrie Böswilligkeit.
    Ausserdem halten Sie die alle und das gesamte Management für doof. Nehmen wir mal an eine Firma verschweigt gravierende Nebenwirkungen ihres Produktes. Ein entlassener, enttäuschter Mitarbeiter bringt das in die Presse, unterstützt von der Konkurrenz, bei der er jetzt arbeitet. Die Firma zahlt Milliarden an Strafe und die Forscher und das Management gehen ins Gefängnis. Ich will nicht ausschließen, dass es Menschen gibt, die so blöd sind, solch ein Risiko einzugehen. Aber das ist nicht die Regel.
    Zu Glyphosat gibt es übrigens mehr als 1000 veröffentlichte Studien.

  55. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Die Ingenieure und das Management von VW waren so blöd, solch ein Risiko einzugehen. Aber dann hat es sich ja herausgestellt, dass die Strafen verkraftbar waren und dass ein solcher Betrug dem Absatz der eigenen Produkte gar nicht geschadet hat.

  56. @Brigitte Ernst
    Natürlich ist eine Haftstrafe verkraftbar. Verbrecher gehen dieses Risiko ja auch dauernd ein. Aber nur eine kleine Minderheit von uns sind Verbrecher und das in bei Forschern in der Industrie auch so.

  57. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Dann nennen Sie mir doch mal Naturwissenschaftler, Ingenieure oder Manager, die ins Gefängnis gewandert sind, weil sie schädliche Produkte auf den Markt gebracht haben. Ich erinnere mich noch an den Contergan-Skandal mit Tausenden von schwerst geschädigten Menschen. Und wer ist dafür ins Gefängnis gesteckt worden? Keiner, das Verfahren wurde eingestellt. Und von den Verantwortlichen im VW-Skandal sitzt auch noch keiner hinter Gittern, und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch keiner dort landen wird. Das Risiko, wirklich empfindlich bestraft zu werden, hält sich für die Verursacher solcher Manipulationen und Fahrlässigkeiten also in Grenzen.

  58. Der Reihe nach:
    Wider besseres Wissen versuche ich , darauf aufmerksam zu machen , dass der Mensch dabei ist , sich und seine Umwelt auf vielfältige Weise aus der Welt zu schaffen .
    Nein , ich bin nicht in der Industrieforschung tätig.
    Wenn es sie wirklich interessiert , meine Homepage Bildermacher Jürgen Winter wird ihnen zeigen , dass ich von der „Krone der Schöpfung“ nichts halte.Evolution ist der ganze Antrieb .
    Ihre Ansicht , hinsichtlich Betrug und Strafe im wirtschaftlich/wissenschaftlich Bereich – das glauben sie doch selbst nicht . Gerade der Monsanto Fall zeigt doch dass Machenschaften aller Art an der Tagesordnung sind und keinerlei Konsequenzen haben .
    Sehr empfehlenswert übrigens ein Artikel im „Freitag“ No. 44 vom 2.11. Dort wird darauf hingewiesen , dass die Gefahr besteht , falls Glyphosat verboten werden sollte , es durch Glufosinat (Basta)ersetzt werden könnte , das derzeit noch verboten ist ,aber erneut wg. Zulassung untersucht wird .Das Zeug soll noch deutlich giftiger sein als Glyphosat . In Schweden wurde es schon einmal untersucht und abgelehnt .Nun hat die EU die Prüfung an Deutschland vergeben , obgleich hier ein Konzern sitzt , der mit eben diesem Mittel viel Geld verdienen will . Was soll man da noch sagen ?
    Übrigens , das Beispiel mit mir an der Straße um Geld zu sammeln für die Forschung ist wohl ein bisschen schlicht um bei ihrer Diktion zu bleiben .

  59. @Jürgen H. Winter
    Ich habe einen kurzen Blick auf Ihre Webseite geworfen. Ich habe den Eindruck eines verfestigten Pessimismus. Ich gebe es auf, Sie davon zu überzeugen, dass auch in der Industrie anständige Menschen arbeiten.

  60. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    In den USA gehen die Gerichte in der Tat strenger mit solchen Delinquenten um, zumindest wenn sie einer ausländischen Firma angehören. Noch ist der VW-Manager aber nicht verurteilt. Und was mit den Schuldigen in Deutschland passieren wird, steht in den Sternen. Wir können ja ein Wette abschließen (für den Fall, dass das Verfahren, sollte es überhaupt dazu kommen, noch zu meinen Lebzeiten abgeschlossen wird).

  61. @ Henning Flessner Zu keinem Zeitpunkt habe ich behauptet , dass in der Industrie nur nicht anständige Menschen arbeiten . Es sind in erster Linie Konzerne ,die die Probleme erzeugen ,da sind natürlich auch Menschen , aber sicher nicht alle lassen sich zu <Bütteln des Kapitals machen . Der Begriff " verfestigter Pessimismus " trifft mich durchaus , er entstand im Laufe eines fast 8o jährigen Lebens durch kritische Beobachtung des Lebens um mich herum .
    Heute 5.11. steht im Feuilleton ein Artikel von Arno Widmann über ein Theaterstück "Generalversammlung" sehr lesenswert , aber mehr auf meiner Linie .
    So , und damit Schluss .

  62. Barbara Eilers sagt:

    Ich wüsste gerne mal, wo Sie arbeiten, Herr Flessner! Ihre Beiträge erwecken in mir den Eindruck, dass es Sie sehr stören würde, wenn wirklich Taten erfolgen gegen die zunehmende Agrarindustrialisierung. Der Auftrag der Politik ist es, Schaden abzuwenden vom Land und nicht spezifische Interessengruppen reich und reicher zu machen.
    Es muss endlich eine Umstuerung erfolgen – nicht nur aber auch besonders in der Landwirtschaft: weg von den Massenbetrieben in der Rinder- und Schweinemast – hin zu deutlich mehr Ökobetrieb. Auch in der traditionellen Landwirtschaft kann sich viel ändern hin zu pflanzen- und tierfreundlichen Maßnahmen. In dieser Richtung muss es weitergehen. Wie bereits ein Leser schrieb: wir sollten nicht warten, bis die letzte Biene tot ist. Forschungen sind übrigens immer interessengeleitet und davon anhängig, wer sie bezahlt. Und leider gibt es deutlich zu wenig Geld für unabhängige Forschung. Ist doch albern, dadurch Forscher zu Verbrechern stempeln zu wollen. Wes Brot ich ess des Lied ich sing! Kapitalistische Großkonzerne wie Monsanto haben ausschließlich Gewinnmaximierung zum Ziel – nicht langfristige Interessen wie die Erhaltung einer intakten Umwelt.

  63. @Barbara Eilers
    Ich bin ein Diplom-Physiker im Ruhestand. Ich habe als Kind in meinen Ferien auf einem Bauernhof (55 Hektar, 12 Kühe, ca. 50 Schweine) gearbeitet. Beruflich hatte ich nie etwas mit Landwirtschaft oder Chemie zu tun.
    „Forschungen sind übrigens immer interessengeleitet…“ Dann nennen Sie mir doch bitte mal, welche Industrie-Interessen die Forscher der Insektenstudie vertreten.
    Ich habe nichts gegen Änderungen in der Landwirtschaft. Die Vermaisung ganzer Landstriche halte ich z. B. für einen Irrweg. Ich wehre mich nur dagegen, dass manche Aktivisten Schlüsse aus der Forschung ziehen, die die Forschungsergebnisse gar nicht hergeben.
    Ich wüsste gern mal, ob Sie die Studie gelesen haben und wie Sie die Ergebnisse interpretieren.

  64. Barbara Eilers sagt:

    @H. Flessner
    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass auch ein Schulmeister in Ihnen steckt.
    Von welcher der mehreren Studien sprechen Sie?
    NEin, ich habe keine gelesen. Ich verlasse mich auf vertrauenswürdige Zeitungen und Institutionen. Ich bin weder Forscherin noch Wissenschaftlerin und darf trotzdem mitreden.
    Das Interesse von Forschungen und/ oder auch kritischen Beobachtungen wie die von Herrn Winter und anderen dem Erhalt von unseren Lebensgrundlagen verpflichteten Menschen sowie dem NABU dem BUND, Greenpeace etc. ist es, eine nicht nur -aber auch – uns Menschen lebenswerte Welt zu erhalten. das Interesse von Wirtschaftsunternehmen ist es, ihre Gewinne zu sichern. Um Arbeitsplätze und das Allgemeinwohl geht es dabei nicht unbedingt oder aber nachrangig.

  65. @Barbara Eilers
    Der Auslöser der Diskussion hier ist diese Studie: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185809
    Mein Punkt ist, dass ausser Ihnen anscheinend auch sonst kein Diskussionsteilnehmer die Studie gelesen hat (zu mindestens nimmt keiner Bezug darauf), aber alle haben bereits eine Meinung dazu.
    Natürlich darf in einer Demokratie jeder mitreden. Aber man muss sich auch Kritik gefallen lassen, wenn man die Fakten ignoriert, indem man die Studien nicht liest (Deshalb dürfen wir auch D. Trump kritisieren.).
    Wie kann meine eine Meinung haben, ohne die Fakten zu kennen? Sie vertrauen auf NABU, BUND und Greenpeace. Woher wissen Sie, ob wenigstens die die Studie gelesen haben?

  66. Ein schönes Beispiel was passiert, wenn man zwar guten Willens ist, aber die Folgen seines Handelns nicht berücksichtigt, war heute in unserer Regionalpresse zu lesen.
    Die Redakteure hatten junge Landwirte zu einem Wettbewerb herausgefordert. Beide Gruppen haben je einen Acker mit Kartoffeln bepflanzt. Heute wurde Bilanz gezogen. Die jungen Landwirte haben 50% mehr Kartoffeln geerntet. Auch in der Klimabilanz waren die Landwirte besser. Ihr CO2-Ausstoss pro kg Kartoffeln lag 30% niedriger. Der Grund war, dass die Redakteure auf die Anwendung von Insektiziden zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers verzichtet hatten.
    Interessant war auch der Bericht einer jungen Bäuerin. Sie schrieb, dass Sie heute viel weniger Insekten auf dem Hof haben. Wer mal früher auf einem Bauernhof war, weiss, dass sich die Insekten am liebsten auf dem Misthaufen aufhalten und sich dort ihre Nahrung suchen. Misthaufen geben aber auch Ammoniak ab (ein Treibhausgas). Deshalb müssen die Misthaufen heute abgedeckt werden.

  67. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Beispiele dafür, was passiert, wenn man zwar guten Willens ist, aber die Folgen seines Handelns nicht berücksichtigt, finden sich zuhauf. Eines ist die Nutzung von Kernkraft zur Energiegewinnung.

    Was die Ökobilanz von Kartroffeln anbelangt, wundert mich das von Ihnen genannte Ergebnis. Ich kenne eine Untersuchung, nach der Kartoffeln aus Ökoanbau 140g CO2-Äquivalente emittierten, solche aus konventionellem Anbau jedoch 200g. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zu dem von Ihnen genannten Wettbewerb? Vielleicht damit, dass anhand zweier Kartoffelfeldern, von denen eines von Laien bewirtschaftet wird und eines von Profis, keine repräsentative Aussage zu machen ist? Oder dass bei der Berechnung nicht ale relevanten Faktoren mitberechnet werden?

    Worauf wollen Sie mit Ihrer Aussage zur Dezimierung von Insekten hinaus? Dass sich alle von Mist ernähren? Da wird Ihnen ein(e) Biologe/in sicher präzisere Auskunft geben können.

  68. @Brigitte Ernst
    Die Diskrepanz wurde in der Zeitung erklärt durch den erheblichen niedrigeren Ertrag der Journalisten.
    Die Journalisten haben keine «Öko-Kartoffeln» angebaut, sondern auf alle Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet.
    Das ist nicht dasselbe. Im ökologischen Landbau sind 21 Bekämpfungsmittel gegen den Kartoffelkäfer erlaubt. Die Liste der Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau ist 119 Seiten lang.

  69. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Dann reicht es wahrscheilich, wenn man sich nach den Richtlinien der ökologischen Landwirtschaft richtet. Ich gehe davon aus, dass Glyphosat nicht auf dieser Liste zu finden ist.

  70. @Brigitte Ernst
    Man hat ein Insektensterben festgestellt.
    Schlussfolgerung: man muss ein Unkrautvernichtungsmittel verbieten.
    Im ökologischen Landbau dürfen aber weiterhin Insekten mit Insektiziden getötet werden. Es darf der Boden auch mit Kupfer verseucht werden, auch wenn das Kupfer im Boden noch Mikroorganismen zerstört, wenn das Unkrautvernichtungsmittel schon längst zersetzt ist.
    Die Insekten können sich damit trösten, dass sie immerhin «ökologisch korrekt» vergiftet wurden.
    Das ist alles so logisch, dass ich das dumpfe Gefühl habe, dass es eigentlich gar nicht um die Insekten geht. (Deshalb liest ja auch keiner die Studie.)
    Ceterum censeo Monsanto esse delendam!

  71. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Die Studie lesen deutsche Durchschnittsmenschen wahrscheinlich deshalb nicht, weil man 1. die englische Sprache sehr gut beherrschen und 2. naturwissenschaftlich vorgebildet sein muss, um sie zu verstehen. Sonst kann man sich kein Urteil über die Validität einer solchen Studie bilden. Morgen kann es ja eine Gegenstudie geben, Wissenschaftler sind sich ja auch nicht immer einig.
    Ich selbst habe die Studie gelesen, den Inhalt aber nach kurzer Zeit wieder vergessen. Sie, Herr Flessner, sind Naturwissenschaftler deshalb im Vorteil.
    Als Staatsbürgerin, die indirekt (als Wählerin) über den Einsatz von Giften mitentscheiden muss, verlasse ich mich dann eben auf das Urteil mir vertrauenswürdig erscheinender Organisationen wie Greenpeace, BUND, Campact etc. Sogar Minister(innen) sind oft keine Fachleute in dem Ressort, das sie vertreten, und müssen sich deshalb auf ihre Fachberater verlassen. So ist das nun mal in einer so komplexen Welt wie der unseren.

    „Das ist alles so logisch, dass ich das dumpfe Gefühl habe, dass es eigentlich gar nicht um die Insekten geht.“
    In der Tat, es geht auch um die Vögel, das gesamte Ökosystem und den Menschen.
    Wenn in diesem Zusammenhang Monsanto bekämpft wird, geschieht das ja nicht zum Selbstzweck, weil irgendjemandem die Nase des Monsanto-Chefs nicht passt, sondern hat inhaltliche Gründe. Ihr „ceterum censeo“ klingt mit zu sehr nach Verschwörungstheorie.

  72. Brigitte Ernst sagt:

    Nachtrag:
    Muss es im Übrigen nicht heißen „Monsantum esse delendum“ (weil Monsanto eher männlich ist)? Tja, wir alten Lateiner! 🙂

  73. Barbara Eilers sagt:

    Ich schließe mich Ihnen an in Bezug auf die Studie, die Herr Flessner wie eine Monstranz besserwisserisch vor sich her trägt, Frau Ernst! Natürlich muss Mensch sich gut überlegen, wem er /sie glaubt beim Lesen.
    Allmählich würde ich mir aber wünschen, dass sich andere Diskussionsteilnehmer einmischenund diese Dialoge mit Herrn Flessner ein Ende finden. ES sollte doch noch mehr Menschen geben, die sich in diesem Gebiet auskennen. Wie wäre es mit einem Ökolandwirt ?

  74. G. Krause sagt:

    @Frau Eilers.
    Ich bin zwar kein Ökolandwirt, aber mein Sohn ist Hobbylandwirt und sehr an ökologischer Landwirtschaft interessiert. Er hat andere Landwirte beobachtet die Gift einsetzen. Ein Beispiel: Damit die Kartoffelkräuter schneller abtrocknen werden sie vor der Ernte mit Glyphosat besprüht. Die Lufthansa braucht zur Bordspeise kleine Kartoffeln und wie macht ein schlauer Bauer kleine Kartoffeln? Ganz einfach,
    er besprüht die Kartoffeln noch in der Wachstumsphase, wenn die Kartoffeln noch klein sind einfach mit Glyphosat. Das merkt doch keiner, das Gift riecht nicht und man kann es auch nicht schmecken. Einfach wunderbar. Glaubt noch jemand, dass in solchen Kartoffeln
    kein Gift ist? Aber wir haben ja Grenzwerte auch in allen anderen Lebensmitteln ist Gift. Und die Allergien und Krebserkrankungen waren wohl schon immer da. Mein Sohn hat auch beobachtet, dass Maulwürfe nur noch auf Weiden zu finden sind wo nicht gedüngt wird. Der Mensch bringt sich selbst um und das alles wegen der Gier nach noch mehr Reichtum.
    Uns geht es gut, ich möchte noch ein bisschen leben, aber ohne Gift, deshalb muss Glyphosat verboten werden!

  75. @Brigitte Ernst
    Sie vertrauen Greenpeace, BUND, Campact. Ich mache es anders. Ich „google“ die Namen der Verfasser der Papiere.
    Dann stellt man manchmal erstaunliches fest. Da gibt es jemand Stellungnahmen zu kerntechnischen Fragen ab, der Germanistik studiert hat und sich mit der Familiengründung für ein alternatives Leben im Kraichgau mit Selbstversorger-Tendenzen entschieden hat. Sie trauen dieser Person vermutlich. Ich schaue dann zur Sicherheit lieber noch mal in ein Buch.
    Warum müssen Sie über den Einsatz von Unkrautvernichtern entscheiden?
    Ich habe nicht das Gefühl, dass ich über Bildungspolitik mitentscheiden muss. Ich äußere mich auch nicht dazu, denn davon verstehe ich im Gegensatz zu Ihnen rein gar nichts.

  76. @Barbara Eilers
    Auch wenn es Ihnen nicht passt, aber der Anlass hier war die Insektenstudie.
    Da Sie die Studie ja auch nicht gelesen haben, hier einige Resultate.
    1. Wenn im Untersuchungsgebiet Gebiet die Bäume zu nahmen, nahmen die Insekten ab.
    2. Wenn das Ackerland (vermutlich Glyphosat-behandelt) zunahm, nahmen auch die Insekten zu.
    3. Der Klimawandel hat keinen Einfluss.
    4. Den größten Einfluss hat „unbekannt“.
    5. 1988, 1993 und 1995, also in Zeiten von vielen Insekten, gab es „Jahrhunderthochwasser“. Ob das einen Einfluss hatte, wurde nicht untersucht.
    6. Gestern berichtete die FR über eine Studie, dass die „Lichtverschmutzung“ zum Insektensterben beiträgt. Dieser Einfluss wurde in der Studie nicht untersucht.
    Aber eigentlich interessiert Sie ja die Studie gar nicht und ich soll endlich Schluss machen.
    Das mache ich jetzt auch, da hier ja niemand mit mir über die Studie diskutieren will.

  77. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Als Wählerin bin ich doch automatisch an allen politischen Entscheidungen mitbeteiligt. Natürlich setzt jeder bei seiner Wahlentscheidung Prioritäten. Dass Sie als Kinderloser weniger Interesse an Bildungspolitik haben, ist verständlich. Mir als Mutter zweier Söhne und Großmutter (bisher) dreier Enkelkinder liegt die Zukunft unseres Planeten sehr wohl am Herzen, auch wenn ich selbst nur noch maximal 20 Jahre zu leben habe.

    Zu der Frage, wessen Urteil man vertraut:
    Warum sollte ein Germanist im Kraichgau sich nicht bei entsprechendem Interesse und intensiver Fortbildung zu einem Experten in Kernenergie ausbilden können? Ich selbst, Germanistin, Anglistin und Romanistin, würde mir durchaus zutrauen, mich bei entsprechendem Interesse und einiger Zeit der Konzentration auf diese Materie in dieses Fachgebiet einarbeiten zu können – vielleicht mithilfe desselben Buches, das Sie konsultieren, um sich über diese Themen kundig zu machen.

    Was ich an Ihrer Haltung noch nicht verstanden habe und wofür Sie mir bisher eine Antwort schuldig geblieben sind:
    Sie warnen davor, voreilig, ohne sichere wissenschaftliche Erkenntnisse eine einmal eingeführte Technik (Kernenergie, bestimmte Herbizide und Insektizde etc.) abzuschaffen. Dass viele dieser Techniken aber genauso voreilig ohne genaue Untersuchungen der Folgen eingeführt wurden, scheint für Sie kein Problem darzustellen. Dabei scheinen Sie nicht zu bedenken, dass es genau diese unkritische Fortschrittsgläubigkeit war, die unseren Planeten seit mindestens 150 Jahren allmählich zu einem für Mensch, Tier und Pflanze zunehmend unwirtlichen und ungesunden Ort macht. Dass bereits viele Tier- und Pflanzernarten aufgrund menschlichen Eingriffs ausgestorben sind, scheint Sie nicht zu tangieren.

  78. @Brigitte Ernst
    Wenn man durch eigenes Nachdenken dazu kommt, aus der Insektenstudie zu schliessen, dass man Unkrautvernichtungsmittel verbieten muss, ist das als eigenständige Denkleistung zu mindestens anzuerkennen.
    Nachplappern, was andere einem vorgesagt haben oder was man im Fernsehen gesehen hat, ist in meinen Augen nur peinlich.
    Man habe den Mut, selber zu denken!

  79. Barbara Eilers sagt:

    http://www.deutschlandfunkkultur.de/landwirtschaft-und-oekologie-ausgesummt-was-tun-gegen-das.970.de.html?dram:article_id=400394
    Wie wäre es denn mal damit?Eine Sendung im Deutschlanbdfunk Kultur vom 11.11.2017. Ausgesummt – was tung egen das Insektensterben?

  80. Barbara Eilers sagt:

    https://www.nabu.de/news/2017/10/23291.html

    Und hier eine verständliche Aufbereitung der Langzeitstudie des Entomologischen Vereins Krefeld.

    Forschung ist gut, sehr gut sogar – wenn sie nicht im direktenVermarktungsinteresse der produzierenden chemischen Industrie heraus getätigt wird. Wir müssen aber auch etwas tun, wenn die Indizien sehr gewichtig sind.

  81. Stefan Briem sagt:

    „Nachplappern, was andere einem vorgesagt haben oder was man im Fernsehen gesehen hat, ist in meinen Augen nur peinlich.“

    Ganz schön hochnäsig, Herr Flessner. Und typisch für Leute wie Sie, die sich über andere erheben. Es ist gar nicht möglich, sich über alle Probleme dieser Welt ein eigenes Bild zu machen. Auch nicht in der Insektensache. Selbstverständlich informiert man sich auf Wegen, auf denen einem IMMER andere was vorsagen. Man nennt es Medien. Das Reden über das, was man so erfahren hat, als Nachplappern zu diffamieren, ist ganz schön arrogant. Dabei ist doch wohl auch Ihnen klar, dass es immer nur einen vorläufigen Erkenntnisstand geben kann, oder? Es ist daher völlig sinnlos zu versuchen, Gewissheit in einer Frage herzustellen. Es gibt keine Gewissheit. Es gibt aber zum Beispiel Überzeugung.

    Wenn man als kritischer Mensch erfährt, dass das Bundesamt für Risikobewertung Studien von Glyphosat-Herstellern, also in der Sache Befangenen, mit herangezogen hat, um Glyphosat zu bewerten, sollte mal wohl hellhörig werden. Darunter sind auch Studien, die nicht öffentlich sind, weil sie Geschäftsgeheimnisse enhalten. Das BfR kam zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nicht erbgutschädigend, nicht fortpflanzungsschädigend, nicht fruchtschädigend und kein Nervengift ist. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC, eine Einrichtung der WHO) wertete dagegen nur öffentlich zugängliche Studien aus sowie Daten aus Regierungsberichten. Die IARC sieht „begrenzte Hinweise“ für eine krebserzeugende Wirkung beim Menschen. Bei Versuchstieren sieht sie „ausreichende Beweise“. Gemische, die auch Glyphosat enthalten, werden als „wahrscheinlich krebserregend“ beurteilt. (Quelle: n-tv.de, also nachgeplappert).

    Zu welchem Ergebnis kommen Sie auf dieser Grundlage, Herr Flessner? Dass Sie sich gern unbeschwert weiteres Glyphosat zuführen wollen? Oder dass es angesagt sein könnte, im Namen des Verbraucherschutzes vorsichtig mit dem Zeug zu werden? Wozu brauchen Sie erst Gewissheit, wenn sich schon die Experten nicht einig sind? Wenn ganz offensichtlich die nicht öffentlich zugänglichen Informationen das BfR bewegen, Glyphosat anders zu beurteilen als die IARC? Merken Sie denn nicht, was für einen Unsinn Sie da reden?

    http://www.n-tv.de/wissen/Glyphosat-die-Fakten-article17720996.html

  82. @Stefan Briem
    Ich will über das Insektensterben reden und nicht über Glyphosat. Wenn Sie mir zeigen können, wie die Studie einen Zusammenhang zwischen Insektensterben und Unkrautvernichtungsmittel herstellt, dann können wir im Rahmen der Studie gerne auch über Unkrautvernichtungsmittel reden.
    Mich störte doch nur, dass immer wenn negative Nachrichten aus der Umwelt kommen, reflexartig entweder „Klimawandel“, „Atomkraft“ oder „Glyphosat“ geschrieen wird, ohne sich überhaupt mit den Fakten vertraut zu machen und das nenne ich nun mal „nachplappern“.

  83. @Stefan Briem
    Danke für den informativen Link.
    „Bei der IARC fallen sie damit in dieselbe Kategorie wie rotes Fleisch, UV-Strahlung und Schichtarbeit.“
    Da man hier ja unbedingt wissen will, was ich von Glyphosat halte:
    Da ich gelegentlich rotes Fleisch esse, täglich nach draußen gehe [UV-Strahlung] und auch schon im Krankenhaus in Schichtdienst gearbeitet habe, halte ich das Glyphosatrisiko für akzeptabel.

  84. Stefan Briem sagt:

    @ Henning Flessner

    Sie können aber nicht verlangen, dass alle sich vollständig kundig machen, weil das ganz einfach nicht möglich ist. Auch für Sie ist das nicht möglich, auch wenn Sie so tun, als ob Sie im Besitz des Steins der Weisen sind. Mir ist es zum Beispiel deswegen nicht möglich, weil ich Familie habe und im Berufsleben stehe. Ich bin darauf angewiesen, dass ich aufbereitete Informationen über die Medien erhalte. Und Sie sollten nicht so tun, als wäre das bei Ihnen komplett anders. Wenn mir die Informationen, die ich so erhalte, einleuchten, dann trage ich sie in die Diskussionen. Das ist kein Nachplappern, sondern das ist Verarbeiten. Dabei wird mir ja möglicherweise widersprochen. Und dann sehen wir weiter. Also kommen Sie runter von Ihrem hohen Ross.

  85. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    „Da ich gelegentlich rotes Fleisch esse, täglich nach draußen gehe [UV-Strahlung] und auch schon im Krankenhaus in Schichtdienst gearbeitet habe, halte ich das Glyphosatrisiko für akzeptabel.“

    Bereits am 31. Oktober, 0:31, habe ich versucht, Ihnen die Problematik der gehäuften Risikofaktoren nahezubringen, offenbar ohne Erfolg, wie ich feststelle.
    Also, noch ein Versuch: Wir alle sind in unterschiedlichem Maße Krebsrisiken ausgesetzt. Dabei ist nicht nur der eine oder andere Faktor als isolierte Größe maßgebend, sondern die Menge der Risiken, die auf den Körper einwirken, zusammen.
    Wenn ich also Schichtarbeit leisten muss, mich über ein gesundes Maß hinaus der UV-Strahlung aussetze, regelmäßig Alkohol trinke und rotes Fleisch esse, mute ich meinem Körper vielleicht gerade so viel zu, wie er verkraften kann, ohne Krebs zu entwickeln. Wenn dann aber noch mehrere ebenfalls krebserregende Stoffe hinzukommen, etwa Abgase oder radioaktive Strahlung in der Luft und Herbizide oder Insektizide in meiner Nahrung, dann kann dies zu einer Belastung führen, die, gemeinsam mit den anderen Risiken, meinen Körper überfordert, was dann möglicherweise eine Krebserkrankung auslösen kann.
    Ich gehe davon aus, dass Ihnen klar geworden ist, dass Ihre Argumentationsweise nicht überzeugen kann.

    Zum Insektenschwund:
    Im Biologieunterricht habe ich gelernt, dass Insekten wie alle Lebewesen bestimmte Lebensbedingungen benötigen, um gedeihen zu können. Welche das sind, ist von Insekt zu Insekt verschieden entsprechend der Umgebung, in der sich seine Spezies entwickelt hat.
    Dieser Zusammenhang wurde mir vor einigen Jahren sehr deutlich vor Augen geführt, als ich mich im Sommer in Illinois aufhielt. In diesem Staat kann man, häufiger, als ich es von meiner Ungebung kenne, am frühen Abend regelmäßig Glühwürmchen beobachten. Ein besonderes Schauspiel erlebte ich, als mich meine Gastgeber in der Abenddämmerung in einen Park führten, wo man die ursprüngliche Prärievegetation dieses Landstrichs erhalten hatte. Tausende von Glühwürmchen erhoben sich etwa eine Stunde lang in stetiger Bewegung aus der Wiese in die Luft und verloschen ungefähr in drei Metern Höhe, so als hätte man ein riesiges, nur auf dieses Gebiet begrenztes Feuerwerk entfacht. Das sagt mir, dass diese Glühwürmchen genau in diesem ursprünglichen Biotop die besten Lebensbedingungen finden.
    Logisch ist dann für mich auch, dass sich dieses Tier, je weiter sich seine Umgebung von diesen günstigen Lebensbedingungen wegentwickelt, wahrscheinlich bis zu einer gewissen Grenze anpassen kann, in einer allzu fremden Umwelt dann aber nicht mehr, wobei sicher mehrere Faktoren eine Rolle spielen, wie es sich ja auch aus der oben genannten Studie ablesen lässt.
    Im Fall der Glühwürmchen liegt nahe, dass darauf geachtet werden müsste, möglichst viele Flächen der ursprünglichen lokalen Vegetation zu erhalten, anstatt die Umgebung vollständig zuzubetonieren oder mit Mais- oder Sojafeldern zu überziehen. Wichtig dabei wäre auch, wenigstens an den Ackerrändern Wildpflanzen stehen zu lassen, anstatt sie mit Herbiziden auszurotten.
    Wem würde ein solches Vorgehen schaden – außer der Firma Monsanto, dem heiligen Berg der chemischen Industrie?

  86. Barbara Eilers sagt:

    Genau, Herr Briem! Diese Art , andere zu bewerten, weil sie ihren Maßstäben nicht entsprechen, Herr Flessner, finde ich unerträglich. Und ich denke gar nicht daran, mich zu rechtfertigen, weil ich keine englischsprachigen langen Wissenschaftlichen Studien lese.
    Den NABU-Bericht mit gut verständlicher Darstellung halte ich für wirklich gut., ebenso die Diskussion in Deutschlandfunk Kultur. Vor allem wurde darauf hingewiesen, wie kleinteilig die Schutzgebiete und auch die immer noch wenigen Ökobetriebe sind. Sie können so nicht frei gehalten werden von eingetragenen Giften.Es geht auch überhaupt nicht nur um Glyphosat. Es geht um viele Zusammenhänge: die industriellen Agrargroßbetriebe, die verschwundenen Blühstreifen, den unverhältnismäßig großen Einsatz chemischer Keulen, die weitgehende Dezimierung von Knicks, zu häufige und zu frühe Mahd und vieles andere. Auch die Zupflasterung der Landschaft, die täglichen Hektar Landschaftsvernichtung. Alles das trägt u.a. Dazu bei, dass die Insekten und damit auch die Vögel verschwinden.

  87. @Stefan Briem
    Ich glaube nicht mal die Hälfte von dem, was die Medien bringen und zwar aus folgendem Grund:
    Am Anfang meiner beruflichen Karriere war ich an einem Projekt beteiligt. Ein Jahr nachdem ich das Projekt verlasse hatte, las ich im Flugzeug zufällig einen Artikel in einer renommierten Zeitschrift über das Projekt. Der Bericht war voller falscher Aussagen. Ich habe daraufhin meinen ersten Leserbrief geschrieben. Der Journalist hat mir einige Zeit danach geantwortet und mir bestätigt, dass fast alles falsch war, was er in dem Artikel stand. Er hatte aus den Informationen, die man ihm gegeben hatte, für ihn (und auch für mich) ganz offensichtliche Schlüsse gezogen.
    Eine befreundete Professorin hat kürzlich ähnliche Erfahrungen gemacht. Da fragt man sich doch unwillkürlich, wie es in den Bereichen aussieht, in denen man sich nicht auskennt. Um nicht falsch verstanden zu werden: es ist kein böser Wille oder schlechtes Arbeiten der Medien. Es ist für Journalisten bei wissenschaftlichen Themen nicht besser möglich.
    In Bereichen, in denen ich mich auskenne, rechne ich alles nach, was ich lese. Der Taschenrechner liegt immer bereit. Ich gehöre wahrscheinlich auch zu den wenigen Lesern der Studien, die dann in den Medien zitiert werden. Ich spare mir dafür politische Magazine und Talkshows im Fernsehen.
    Und dann gibt da noch den ganzen großen Bereich von dem ich keine Ahnung habe und da halte ich dann den Mund.

  88. Stefan Briem sagt:

    „Bei der IARC fallen sie damit in dieselbe Kategorie wie rotes Fleisch, UV-Strahlung und Schichtarbeit.“

    @ Henning Flessner

    ich möchte hiermit meiner übergroßen Freude Ausdruck verleihen, dass wir Sie im Club der Nachplapperer begrüßen dürfen.

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