Zwei Atombomben und ein neues Zeitalter

Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten – so beginnt der Roman „Eine Geschichte aus zwei Städten“ von Charles Dickens aus dem Jahr 1859. Ein wahrlich genialer Einfall, diese Kontrastierung. Darf man dennoch Bedenken äußern? Sprachliche Wendungen wie „aller Zeiten“, wiewohl weithin gebräuchlich, sollte man mit Vorsicht einsetzen, denn „alle Zeiten“, das schließt das „unentdeckte Land“ (Shakespeare, „Hamlet“) mit ein – die Zukunft. Was Dickens damals schrieb, gilt heute, 160 Jahre später, von neuem. Uns geht’s gut, besser als allen Generationen vor uns. Uns geht’s schlecht, denn es gibt mehr Elend auf der Welt als in allen Generationen zuvor. Wir sind Milliarden, und viele von uns hungern. Trotzdem werden wir immer mehr. Der Planet hat Stress wegen uns, und wir agieren diesen Stress aus. Zum Beispiel in Gestalt von Flüchtlingswellen und Kriegen. Davon wird es künftig noch mehr geben, denn wir scheinen nicht in der Lage zu sein, unsere Konflikte mit zivilisierten Mitteln zu lösen. Wir, die Menschheit.

HiroshimaEs gab mal eine Zeit, es ist etwa 70 Jahre her, die ganz sicher nicht zu den besten gehörte. Ein Weltkrieg lag hinter uns, Deutschland lag in Trümmern. Damals geschah jedoch etwas historisch fast Einmaliges. Die Menschheit schien aus ihren Fehlern zu lernen. Wir gründeten die Vereinten Nationen, um so etwas wie diesen Weltkrieg künftig zu verhindern. Das war eine gute Idee, die auch vom Eindruck der ersten Atombombeneinsätze geprägt wurde.

Das Stadtzentrum von Hiroshima
nach der Explosion der Atombombe.
Foto: Wikicommons

Doch die Nachkriegsordnung hatte Schwächen, die alsbald deutlich sichtbar wurden, da sich die Siegermächte des Krieges im UN-Sicherheitsrat mit ihren Vetos gegenseitig zu blockieren begannen. Das führte zum Erstarken einer Haltung insbesondere in den USA, für die die UNO irgendwann nichts anderes mehr war als eine „Quasselbude am Hudson“ (Richard Perle, Vordenker der Neocons). Die USA gingen zunehmend eigene Wege und stimmten sich auch mit ihren Verbündeten nicht mehr ab („Koalition der Willigen“, George W. Bush). Dieser Unilateralismus gipfelt in der Position des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump und seiner Parole „America first“. Wir sind wieder im nationalistischen Denken angekommen. Fast zwingend folgt daraus Militarismus. Sogar ein Atomkrieg wird als führbar angesehen. Der russische Präsident Wladimir Putin hat damit gedroht, und Donald Trump scheint derselben Ansicht zu sein, wenn er den INF-Vertrag kündigt, eine mühsam mit der Sowjetunion ausgehandelte Vereinbarung zur Nichtstationierung von Mittelstreckenraketen in Europa, die eigentlich unbefristet galt. Sie ist seit dem 2. August 2019 Geschichte.

Beide Atommächte werden die historische Lücke dazu nutzen, um ihre nukleare Streitmacht zu modernisieren. Russland soll damit, so behauptet die Nato, schon vor Jahren begonnen haben; es besitzt Mittelstreckenwaffen der Reichweite von bis zu 5000 Kilometern, die der INF-Vertrag eigentlich verbietet: die Iskander-K und Iskander-M. Seit 2014 erhebt die Nato diese Vorwürfe. 2018 meldete sie, dass Russland diese Waffen nun stationiert habe. Russland erhebt seinerseits Vorwürfe gegen die USA, das INF-Abkommen gebrochen zu haben, weil sie im Rahmen ihres – vordergründig gegen den Iran gerichteten – Raketenabwehrsystems Startrampen auf Basen in Polen und Rumänen installiert hat (im Jahr 2016 war die Installation abgeschlossen), von denen  Marschflugkörper der verbotenen Reichweite gestartet werden können. Die Frage wird sich kaum sicher beantworten lassen, wer den Vertrag als erster gebrochen hat. Dazu könnten wohl nur die Geheimdienste stichhaltige Informationen liefern, doch seit den Lügen über Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen – die dazu dienten, den Irak-Krieg vom Zaun zu brechen, den die US-Neocons schon lange führen wollten – hat zumindest die CIA ein großes Glaubwürdigkeitsproblem.

trump putinEs spielt aber eigentlich keine Rolle, wer den Vertrag zuerst gebrochen hat, denn Fakt ist: Beide Parteien hatten kein Interesse daran, ihn aufrecht zu erhalten. Putin wie Trump wollten die nukleare Option wiederbeleben. Für Putin ist die russische Atomstreitmacht Ausweis dafür, dass Russland weiterhin eine Großmacht ist, egal was Obama einst über Russland gesagt hat. Das verleiht Russland Gewicht in der Welt. Trump hingegen hätte Großmachtgeprotze eigentlich nicht nötig, denn es ist offensichtlich, dass die USA derzeit der globale Hegemon sind. Allein die immensen Rüstungsausgaben sorgen dafür. Sie sind höher als die der acht im Ranking folgenden Staaten zusammen. Trump hat andere Pläne: Die Modernisierung der amerikanischen Atomstreitmacht ist ein Multimilliardengeschäft. Er gibt dem Atomwaffenkartell und dem militärisch-industriellen Komplex der USA, wonach sie verlangen.

Dahinter steht der Glaube, dass Kriege auch dann regional begrenzbar bleiben, wenn Atomwaffen eingesetzt werden. So wurde in den USA schon 2003 die Erforschung sogenannter „Mini-Nukes“ erlaubt; das sind Kernwaffen mit einer Sprengkraft von unter fünf Kilotonnen TNT-Äquivalent. (Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte 12,5 Kilotonnen Sprengkraft, die Nagasaki-Bombe 22 Kilotonnen; die Sprengkraft der stärksten jemals getesteten Bombe, der „Zar-Bombe“, soll bis zu 60 Megatonnen betragen haben.) Allerdings hat der US-Kongress die Entwicklung und Herstellung solcher Waffen zugleich untersagt. Die Annahme der regionalen Einhegbarkeit berücksichtigt nur das Gefechtsgeschehen, nicht seine Folgen. Radioaktiver Fallout und infolgedessen spätere Opfer spielen in diesen Szenarien keine Rolle. Kriege wie diese werden von den Atommächten – so wie auch die Stellvertreterkriege des Kalten Krieges – nur auf Territorien außerhalb des eigenen Staatsgebiets gedacht. Das klassische Schlachtfeld für einen solchen Krieg ist Europa. Hier haben Nato und Russland gemeinsame Grenzen.

2018 haben die Nato-Staaten zusammengenommen 963 Milliarden Dollar in ihr Militär gesteckt. Zum Vergleich: Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR hat für 2019 einen Finanzbedarf von 8,6 Milliarden Dollar gemeldet. Die Bundesrepublik Deutschland gab 2018 9,2 Milliarden Euro für „wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ aus, aber 38,9 Milliarden für „Verteidigung“. Die USA gaben 2017 30,5 Milliarden US-Dollar für Entwicklungshilfe aus (zum Vergleich: das entspricht etwa vier Prozent des Militär-Etats) und waren übrigens – kleiner Seitenhieb – noch nie in Gefahr, das 0,7-Prozent-Ziel zu erreichen, das die UNO 1970 verabschiedet hat: Der Anteil von Entwicklungshilfe am Staatshaushalt sollte 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen, einer Kenngröße für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. 2017 lagen die USA bei 0,17 Prozent. Trotzdem sind sie unter Donald Trump imstande, auf die Nato-Verbündeten enormen Druck zu entfalten, damit sie das vereinbarte Zwei-Prozent-Ziel erreichen: In dieser Größenordnung – zwei Prozent des BIP – sollen die jeweiligen nationalen Ausgaben für „Verteidigung“ liegen.

Diese Zahlen zeigen, wie weit wir vom Geist des Miteinanders, aus dem die UNO entstand, heute entfernt sind. Während wir einer globalen Bedrohung ins Auge sehen – dem Klimawandel -, rüsten wir militärisch auf. Jetzt auch wieder nuklear. Der Stresspegel steigt. Wir denken national, nicht global. Wir entwickeln die Welt nicht, wir rüsten auf. Dass einer wie Donald Trump US-Präsident werden konnte, ist unser Wille, denn er ist demokratisch gewählt – wenn auch begünstigt durch ein altertümliches Wahlsystem und durch russische Manipulationen. In Italien wird demnächst vermutlich der Nationalist Salvini an die Macht kommen. Es liegt dann in seiner Macht, den Euro zu ruinieren; und dies könnte das Ende der Europäischen Union einleiten. Auch andere Länder und Völker reagieren auf die Fragen der Zukunft mit Antworten aus der Vergangenheit. Die Briten beispielsweise.

Es ist nicht weit her mit der Vernunft des Homo sapiens. Wo ist Hoffnung, dass die Dinge sich zum Besseren wenden könnten? Denn dass die Dinge zum Besten stehen wie im Zitat von Charles Dickens, das wird wohl niemand annehmen. Dass sie sich zum Besseren entwickeln, wäre schon viel. Zum Schlimmsten stehen sie allerdings ebenfalls nicht, hier ist noch Luft nach unten. Vielleicht sollten wir die Worte von Charles Dickens abwandeln: Es war vieles okay in dieser Zeit, doch wir waren dumm und blind und instinktgesteuert, obwohl wir hätten informiert sein können, denn es war die informierteste aller Zeiten, die bis dahin zu besichtigen war.

Balken 4Die „Methode Krieg“ muss ersetzt werden

Zu: „Hiroshimas Bürgermeister befürchtet Atomkrieg“, FR-Politik vom 7. August

Die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. August und 9. August 1945 waren die bislang einzigen Einsätze von Atomwaffen in einem Krieg. Die Atombombenexplosionen töteten insgesamt etwa 100 000 Menschen sofort – fast ausschließlich Zivilisten und von der japanischen Armee verschleppte Zwangsarbeiter. An Folgeschäden starben bis Ende 1945 weitere 130 000 Menschen. In den nächsten Jahren kamen etliche hinzu.
Das nackte Entsetzen über das Erlebte diktierte den Schöpfern der Charta der Vereinten Nationen das Gelübde in die Feder: Wir, die Völker der Vereinten Nationen, fest entschlossen, künftige Generationen vor der Geißel des Kriegs zu bewahren, wollen zu diesem Zwecke – friedlich – zusammenarbeiten!
Dann tanzte Josef Stalin mit seinem Traum von der Weltrevolution aus der Reihe der Gutwilligen und es begann der „Kalte Krieg“. Bald hatte auch Stalin die Atombombe. „Das ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend Böses muss gebären!“
Es begann das Wettrüsten, und alle schlechten Manieren, die zum Zweiten Weltkrieg geführt haben, flammten wieder auf. Der Atombombenvorrat hat sich inzwischen vervielfacht: Russland: 6500,  USA: 6185, Frankreich : 300,  China: 290,  Großbritannien: 200,  Pakistan: 155,  Indien : 135,  Israel: 85,  Nordkorea: 25.
Abschreckung führt zu gar nichts, denn der mit Abschreckung Bedrohte wird mit einer noch größeren – und teureren – Gegenabschreckung reagieren und damit im ungünstigsten Falle eine Eskalation bis zur Schwelle des Atomkrieges auslösen – oder sie überschreiten! Wir, die Menschheit, können einem Atomkrieg nur dadurch mit Sicherheit entgehen, dass wir unsere politischen Führer beauftragen, auf der Basis eines abzuschließenden internationalen Vertrages die „Methode Krieg“ durch eine in das internationale Recht einzuführende gewaltfreie Methode zur Lösung internationaler Konflikte ersetzen,deren Anwendung von einem politische Moderator oder Mediator oder „Konfliktlösungssteuerer“ geleitet wird. Es wird die Aufgabe der UNO sein, eine Kommission einzusetzen, die dieses Verfahren entwickelt.
Der Leserbriefschreiber ist bereit, seine präzisen Vorstellungen von dem, was zu geschehen hat, einzubringen in die Entscheidungsprozesse der Mächtigen, die für einen politischen Einfallsreichtum bezahlt werden, über den sie nicht verfügen. Die Bundeskanzlerin ist eingeladen, darauf zurückzugreifen – oder ihr Außenminister, der bedauerlicherweise viele Initiativen nicht zu ergreifen scheint, die ihm als nichtständigem Mitglied des Weltsicherheitsrates nicht versagt werden können.

Otfried Schrot, Ronnenberg

Man könnte den Worten Taten folgen lassen

Im letzten Absatz seines Beitrags heißt es:„ unser Ziel……eine Welt ohne Atomwaffen“. Von diesen, sagt er, haben die Atomwaffenstaaten fast 14.000 nukleare Sprengköpfe. Kein Wort davon, dass in Büchel/Eifel ca. 20 Atomsprengköpfe lagern. Wenn diese Tatsache überhaupt in derAußenpolitik Erwähnung findet, dann quasi entschuldigend, dass uns die Hände gebunden sind als NATO-Mitgliedsstaat, der in Art. 5 der Beistandsklausel im Extremfall die Verteidigung mit Atomwaffen vorsieht. Dabei ist die „Teilhabe“, also die verpflichtende Lagerung dieser Waffen in einem Mitgliedssstaat, welches selbst nicht zu den besitzenden gehört, keinesfalls bindend, wie das Beispiel von Kanada zeigt, das seit 1984 keine Atomwaffen mehr lagert, und Griechenland, seit 2000.
Die Gefahren, die vom Einsatz von Atomwaffen ausgehen, benennt der Außenminister mit dürren Worten:„Ein einziger nuklearer Sprengkopf würde genügen, ganze Städte auszulöschen“. Das ganze unfassbare Ausmaß der Folgen benennt IPPNW (internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs): ein regionaler Atomkrieg, in dem nur 100 Atomwaffen eingesetzt würden, bedeutete den Tod von Millionen ziviler Opfer, für die effektive humanitäre Hilfe unmöglich wäre; ein solcher Krieg hätte zudem katastrophale Auswirkungen auf das globale Klima mit unwägbaren Folgen.
Heiko Maas schreibt: „Aufrüstungsspiralen machen die Welt nicht sicherer“. Das hat längst Jeder in diesem Land begriffen und ist absolut nichts neues. Der Minister verschweigt jedoch, dass auch die in der Eifel lagernden Atomsprengköpfe vor einer weitreichenden Modernisierung stehen, d..h. sie werden noch treffsicherer, und ihr Zerstörungspotential lässt sich – je nach Bedarf (!)– steuern. Kein Wort auch darüber, dass diese Atomsprengköpfe bei einem Schlagabtausch NATO/Russland bevorzugte Ziuelscheibe würden, mit unabsehbaren Folgen.
Wenn es dem Außenminister wirklich um „Abrüstung und Rüstungskontrolle“ geht, könnte er realpolitisch und glaubwürdig vorgehen und sich dafür einsetzen, dass auch unser Land den UN-Vertrag über das Verbot von Atomwaffen unterzeichnet, wie bereits 122 Staaten, von denen bis jetzt 25 Staaten diesen Vertrag auch ratifiziert haben.

Jutta-Maria Roth, Königswinter

 

Damit der Erstschlag glatt von der Hand geht

Seit der mutwilligen und beabsichtigten Auflösung des INF Vertrages durch die US Regierung treten einem die Bilder der nuklear bombardierten japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki wieder vor das geistige Auge. Diesen Geruch des Todes werden die USA niemals ablegen können. Sie werden auch den entsetzlichen und langen Vietnamkrieg, den Afghanistankrieg, der IRAK Krieg und viele mehr niemals aus dem Gedächtnis der Menschheit tilgen können. Das Antlitz ist dreckig, es kann nie mehr gereinigt werden. Atomare Angriffe waren stets auch Bestandteil der WINTEX Übungen, die bis 1989 in Deutschland stattfanden. Das Szenario bestand darin, dass die Nato in einen Konflikt in Jugoslawien eingreifen „musste“, aus dem dann die gro0e Ost-West-Auseinandersetzung resultieren „musste“.

Alles zwangsläufig? Nein. Rainer Rupp beschreibt das eigentliche Ziel der Wintex Übungen so: Die politischen und militärischen Mechanismen zur Freigabe bzw. zum Einsatz von Atomwaffen einzuüben, damit im Ernstfall alle Prozeduren für einen nuklearen Erstschlag glatt von der Hand gingen. Weitere Ausführungen zu Wintex finden sich bei Rainer Rupp, in „Hauptverwaltung Aufklärung“, Band 1. Rainer Rupp nahm aus aktuellem Anlass nun zu den möglichen Folgen der Auflösung des INF Vertrages Stellung. Würde die US Regierung ihre nuklearen Mittelstreckenraketen im Baltikum stationieren, direkt an der russischen Grenze, welche Reaktionsmöglichkeiten müsste Russland ins Auge fassen? Er meint, die US Basis Ramstein, die Kommandozentrale der US in Kaiserslautern, wäre eine der strategischen Optionen einer Bombardierung.

Bleibt zum Schluss nachzutragen: Wer Trump immer noch huldigt, und schützt, macht sich mitschuldig am potentiellen Nuklearkrieg in Europa.

Barbara Hug, Tobel (CH)

17 Kommentare

  1. Fritz Brehm sagt:

    Trump zurück in die Pfalz! Da könnte er dann auf Opas Spuren in Kallstadt in dritter Generation eine Frisör-Butike eröffnen. Natürlich die tollste Frisör-Butike aller Zeiten. Wär’ zu schön.

  2. Bernd Bremen sagt:

    Den Inhalt des Leserbiefs von Frau Roth kann ich selbstverständlich weitgehend teilen. Außenminister Maas gefällt sich derzeit in der Rolle des Mahners zur Abrüstung. Dabei gerät er aber zwangsläufig in die Zwickmühle, gleichzeitig die offiziellen Nato-Positionen vertreten zu müssen. Beides geht aber nicht, denn die Nato hat sich das Zwei-Prozent-Ziel verordnet; also Aufrüstung. Das gillt auch für die Atombewaffnung. Seit Jahren hat der militärisch-industrielle Komplex in den USA in Kooperation mit den militärfreundlichen Think Tanks die jetzt anstehende Aufrüstung mit neuen, atomaren Massenvernichtungswaffen jeglicher Kategorie vorbereitet. Mehr als 1000 Mrd. Dollar sollen für diese gewaltige Aufrüstung allein in den Staaten ausgegeben werden. Genau dagegen würde der UN-Atomwaffenverbotsvertrag einen Riegel bilden.
    Allerdings sind die von Frau Roth angegebenen Zahlen nicht korrekt, denn mit „55 Staaten, die diesen Vertrag ratifiziert haben“, würde er bereits völkerrechtliche Gültigkeit erlangt haben, was tatsächlich nicht der Fall ist. 0 Unterzeichnerstaaten stehen bisher 25 Staaten gegenüber, die ihn auch ratifiziert haben. 50 müssen es mindestens werden. Sorgen wir alle dafür, dass Deutschland bald dazu gehört!

  3. Jutta-Maria Roth sagt:

    Leserforum 15.8.2019 Gewaltige Aufrüstung (B. Bremen):
    Ich hatte mich bereits entschuldigt für den Fehler betr. Ratifizierung des Atomwaffenverbotsvertrages: es sind bisjetzt 25 Staaten. Allerdings irrt Herr Bremen jedoch, was die Zahl der bisherigen Unterzeichnerstaaten angeht. Ich beziehe mich hier auf Zahlen von IPPNW:20.9.2017 – 44 Länder unterzeichnen. 9.1.2019 – Kambodscha unterzeichnet als 70 Staat den Vertrag.

  4. Gerhard Kern sagt:

    Was haben Heiko Maas und Heidemarie Wiezcorek-Zeul gemeinsam? Beide wollen eine „Welt ohne Atomwaffen“. So weit, so sehr gut! Endlich sprechen sich zwei bekannte SPD-PolitikerInnen für das aus, was eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung schon seit Jahren fordert.
    Frau Wiezcorek-Zeul geht noch einen Schritt weiter als ihr Parteigenosse und Außenminister Heiko Maas: Sie möchte, dass sich Deutschland dem Atomwaffenverbotsvertrag anschließt, der vor zwei Jahren von 122 Ländern beschlossen, bisher von 70 Staaten unterzeichnet und von 25 Staaten ratifiziert wurde.
    Versäumt haben es jedoch beide PolitikerInnen, sich für den Abzug der in Büchel in der Eifel lagernden amerikanischen Atomraketen einzusetzen. Diese Raketen sollen im Ernstfall von deutschen Bundeswehrpiloten an ihr Ziel gebracht und dort abgeworfen werden. Jede einzelne Rakete hat eine vierfach höhere Sprengkraft als die Hiroshimabombe.
    Die Forderung nach Abzug dieser bei uns in Deutschland stationierten Massenvernichtungswaffen stand schon einmal im Regierungsprogramm der letzten CDU-FDP-Regierung. Seit 1998 (SPD-Grünen-Regierung) bis heute sucht man jedoch vergeblich danach in entsprechenden Koalitionsverträgen. Immerhin war Frau Wiezcorek-Zeul als Entwicklungsministerin Mitglied der damaligen Schröder-Fischer-Regierung. Es ist nicht überliefert, ob sie sich damals als Kabinettmitglied für die genannte Forderung eingesetzt hat.
    Fazit: Die zu begrüßenden Forderungen beider SPD-PolitikerInnen nach Abrüstung des nuklearen Waffenpotentials würde an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie sich auch und zu aller erst mit voller Kraft für den Abzug bzw. die Vernichtung der Atomraketen hier bei uns in Deutschland einsetzen würden.

  5. Susanne Roether sagt:

    Die Wohltaten der amerikanischen Militärpräsenz bestehen vor allem darin, dass im Falle einer militärischen Auseinandersetzung – beispielsweise mit Russland – Deutschland das vorgeschobene Gefechtsfeld wäre und völlig zerstört und atomar verseucht würde. (Auch konventionelle Waffen enthalten mittlerweile nukleares Material, wie man im Irakkrieg beobachten konnte.) Es ist höchste Zeit, dass die amerikanische Militärpräsenz beendet wird. Längst existiert ein Bundestagsbeschluss über den Abzug aller atomaren Waffen aus Deutschland, der aber aus Feigheit nicht umgesetzt wird. In Büchel lagern amerikanische Atomwaffen, über deren Einsatz im Konfliktfall amerikanische Offiziere in wenigen Minuten entscheiden müssen. Außerdem werden von Büchel aus völkerrechtswidrige Drohneneinsätze organisiert. Die Drohung Trumps, die amerikanischen Truppen samt ihrer Ausrüstung abzuziehen, sollte also als Angebot begrüßt und sofort umgesetzt werden.

  6. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Susanne Roether

    Sie haben ja so recht! Es wird Zeit dass die USA ihre Truppen abziehen. Die USA haben uns nicht mehr zu drohen oder irgendwas vorzuschreiben.
    Als Heranwachsende haben wir die Amerikaner damals (1950er ff.) befreiend und inspirierend erlebt. Wenn man so will als unsere Freunde betrachtet (ich lebte mehrere Jahre ganz in der Nähe eines Truppenübungsplatzes im Hunsrück). Das ist alles lange vorbei. Und gerade Trump sollten wir die kalte Schulter zeigen, auch wenn unsere Militärexperten das natürlich als naiv hinstellen würden, so etwas zu meinen.

    Sie nennen Bügel, Frau Roether. Ich denke vor allem an auch Ramstein. Was dort alles noch an Militärlogistik und Waffen lagern, das ist uns nur vage bewusst oder bekannt.
    „Die Wohltaten der amerikanischen Militärpräsenz“ sind jetzt brisante Gefahrenfelder, wie Sie’s beschreiben.
    Ich hoffe, dass wir unseren Illusionen „Our american friends“ nicht weiter erliegen und die notwendige Abnabelung schaffen.

  7. Eckart Seifert sagt:

    Hallo, USA, was ist mit euch los? „Groß“ wollt ihr sein? Als groß habe ich euch vor rund siebzig Jahren kennengelernt. Lasst mich erzählen:
    Geboren bin ich in Deutschland, als es am finstersten war. Ein Land im Hitlerwahnsinn. Die Soldaten sangen: „Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt. Und heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt.“ Und so war der Krieg dann auch ein Weltkrieg. Sein Ende war jedoch anders als gesungen. Gott sei Dank!
    Wie war das nun mit dem Kennenlernen der USA? Über das Dorf, in dem ich damals lebte, sahen wir die riesigen Bomberverbände fliegen. Wir Kinder konnten uns allerdings nicht vorstellen, was dort geschah, wo sie ihre Bomben abluden. Wir hofften nur, dass viele Bomber abgeschossen wurden. Denn die da oben waren unsere Feinde! Amerikaner! Und als einmal ein abgeschossener Bomber am Waldrand lag, pilgerten wir in Scharen und voller Neugier und Freude dorthin.
    Wir Dorfkinder hatten mit den Bombern nichts zu tun. Wir erlebten die Feinde, die Amerikaner, auf andere Weise. Wir mussten uns auf den Acker werfen; mussten uns hinter den starken Stämmen der Waldbäume verstecken; mussten uns an Hauswänden unter dem Schutz der Dächer entlangdrücken oder in Keller flüchten, wenn uns die Tiefflieger angriffen und beschossen.
    Doch irgendwann war das zu Ende, und die Feinde kamen in unsere Dörfer und Städte. Was würde jetzt nach dem Krieg mit seinen Bomben und Geschossen kommen?
    Es kamen freundliche Leute in unsere Schulklasse und luden uns zu einem Nachmittag ein. An diesem Nachmittag wurde gespielt, und jedes Kind bekam zwei Pfund weißes Mehl sowie etwas Süßes geschenkt. Ich kam mir vor wie der Ernährer der Familie. Ein Geschenk von Amerikanern, unseren Feinden. Gedanken darüber machte ich mir als neun-jähriger Junge nicht. Aber es ging in mich rein: in dieser Hungerzeit zwei Pfund weißes Mehl und Süßigkeiten von Amerikanern! Und dann ein Care-Paket und schließlich auch noch Quäkerspeisung. Aus unserer Klasse mit mehr als vierzig Kindern bekamen die drei klapprigsten jeden Tag ein Pausenessen. Ich war eines dieser drei Kinder.
    Wieder: Gedanken machte ich mir nicht. Aber der Bauch merkte es sich. Und langsam wuchs das Vertrauen in mir und überwand den Hitlerschen Nationalwahnsinn in mir. Was da zu überwinden war, mag eine kleine Erinnerung zeigen: Bei Freunden hörte ich die Übertragung eines Boxkampfes. Ein Deutscher boxte gegen einen Italiener. Es stand nicht gut um den Deutschen. Da dachte ich: „Wie kann der verlieren. Er ist doch ein Deutscher!“
    Diesen Wahn, der sicher nicht nur in meiner Seele klebte, habt ihr, USA, überwunden. Mit zwei Pfund Mehl und Süßigkeiten, mit Quäkerspeisung und Care-Paket, mit Jazz und freundlichen Begegnungen. So habt ihr nicht nur den Krieg, so habt ihr auch den Frieden gewonnen. Ihr, USA, seid den Versöhnungsweg gegangen, habt Hass und Spaltung überwunden. Wahre Größe!
    Und nun das! Ein Mann, der Hass sät; der Spaltung betreibt und – noch schlimmer – der dazu anregt, bei Menschen an Ratten zu denken; dieser Mann ist euer Präsident. Dieser Mann greift die Sprache des „Stürmers“ auf, eines der schlimmsten Hetzblätter im nationalsozialistischen Deutschland. Der Stürmer verglich Juden mit Ungeziefer, das ausgerottet werden müsse. Und „Ausrottung“ war ja das Programm des nationalsozialistischen Deutschlands.
    Gegen diesen nationalsozialistischen Wahnsinn haben damals die USA gekämpft. Dabei haben Hunderttausende junger US-Amerikaner ihr Leben verloren. Und jetzt belebt ein Präsident der USA die Denkart und Sprache des Stürmers von neuem, und Millionen jubeln ihm zu. Ob unter denen, die da jubeln, auch Menschen sind, deren Vater damals im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland ihr Leben verloren hat?
    Soll das „groß“ sein?

  8. Hallo Herr Seifert,
    sie schildern sehr schön, wie sehr die USA uns befreit haben, ja befreit, denn, man stelle sich vor, diese Nazi Gesellschaft hätte damals den Krieg gewonnen. Schon der Gedanke lässt einen frösteln. Was heute weltweit passiert ist eigentlich kaum erklärbar, der Lebensstil der Industriewelt bedroht massiv das Überleben auf diesem Planeten und was passiert ?Die Menschen wählen sich geistlose Fantasten, die populistisch, national, militaristisch und was noch alles sind, als hätten alle den Verstand verloren. Die Endzeitstimmung vor der Jahrhundertwende, jetzt wäre sie angebrachter. Erklären kann man das ganze rational wohl nicht, man kann so seine Vermutungen haben, aber das ist dann reine Spekulation. Es hat wohl etwas mit Zukunftsangst zu tun, das archaische Denken kriecht aus den Löchern, der starke Mann muss her und uns beschützen. Die Krisen überall, die Angst vor der Zukunft, das ist wohl ein Gebräu, dass der Menschheit auf den Magen schlägt. Als Kind erlebte ich 1945 in Sachsen, da herrschte auch so eine Stimmung,das ganze hat viel mit Gefühl zu tun.Aber, wie gesagt, Spekulation, mehr nicht.

  9. hans sagt:

    zu @ Eckart Seifert
    Schön, nicht zuletzt für sie, was sie da schreiben, aber das andere Amerika gab es auch schon 1945. Mein Vater war als Gefangener in den Rheinwiesenlagern. Was da ab ging ist wohl nicht steigerungsfähig. Die offizielle Geschichtsschreibung spricht eine andere Sprache. Das jahrelange schreiende Aufwachen bei Albträumen meines Vaters und auch was man im Internet an leider Wahrem darüber lesen kann spricht aber eine andere Sprache. Die USA hatten schon immer zwei Gesichter.

  10. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Das mit den zwei Gesichtern muss nicht bestritten werden. Schließlich sind die USA selber auf Eroberung, Gewalt, Genozid, Rassismus aufgebaut.
    Aber 1945 geht es um die besondere Bedeutung der USA für unser Weiterleben nach dem Nationalsozialismus. Wie auch immer die Motive waren. Die Amerikaner haben uns damals „gerettet“.
    Jetzt haben wir die zwei Seiten der Geschichte, insbesondere durch einen Präsidenten, den man einen Despoten nennen kann.

  11. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Ich möchte jetzt nicht über die Rheinwiesenlager berichtet. Wenn sie einen ruhigen Moment haben lesen sie einfach mal im Internet was es dazu gibt und glauben sie mir das was da steht ist weitgehend wahr. Vielleicht eine Zahl. Man nennt sie die verlorene Million. Das sind Menschen von denen man nicht zuordnen kann was in der Zeit um 45 aus ihnen geworden ist. Sehr viele davon sind in den Rheinwiesenlagern verhungert und verdurstet. Die Dankbarkeit der Menschen die das überlebt haben den USA gegenüber hält sich in Grenzen. Wie gesagt die USA hatten auch damals zwei Gesichter. Mehr werde ich aber dazu nicht schreiben.

  12. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Ich kann und will die Rheinwiesenlager-Geschichte nicht in Frage stellen. Ich kenne sie nicht.
    Historisch gesehen, ist aber auch die Bedeutung der USA für den Wiederaufbau Deutschlands auch nicht in Frage zu stellen.
    Ob gestern oder heute: Die zwei Gesichter sind und bleiben.

  13. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Für militärische Zwecke sind die USA schon immer bereit viel Geld in die Hand zu nehmen. Sie haben die BRD als Frontstaat zum Osten aufgebaut. Wenn die BRD nicht diese Position gehabt hätte wäre das wohl kaum passiert. Bis zur Wiedervereinigung war es ein klares Ziel das es den Menschen im Westen besser gehen soll als denen im Osten. Die Zurückführung von Sozialleistungen nach der Wiedervereinigung war hier ja schon öfter ein Thema. Das war der erste Grund für das was die USA hier getan hat. Als zweites hat man als Auffanglinie wenn es zu einem Angriff aus dem Osten gekommen wäre den Rhein vorgesehen. Es ist interessant Pläne zu sehen von Natotanklagern. An deren Lage kann man klar sehen das man bereit war die BRD zu opfern und als atomares Kampffeld zu benutzen. Das sind die zwei Gründe für den Marschallplan gewesen. Ich weiß immer noch nicht ob ich das bejubeln soll das man GB und Frankreich am Rhein verteidigen wollte.

  14. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Was militär-strategischen Überlegungen der USA nach Kriegsende betrifft, da haben Sie schon recht, einschließlich des Marshallplanes. Deutschland sollte wirtschaftlich erstarken.
    Aber was wäre wohl aus Deutschland geworden ohne diese „Rettung“? Es lohnt sich jedenfalls die Epochengeschichte der USA zu betrachten.

  15. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Da es nicht zum 3. Weltkrieg gekommen ist bei dem der Bevölkerung der BRD die Hauptopferrolle zugedacht war ist das was die USA gemacht haben schon positiv für das Land und die Bevölkerung gewesen. Das hatte aber nichts mit Sozial und Hilfsbereitschaft zu tun sondern war pure Machtpolitik.

  16. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Unterm Strich: Einverstanden!

  17. Ohne Historiker zu sein, nur meinem Empfinden nach, war der 1.Weltkrieg reine Fahrlässigkeit, der zweite eine daraus folgende Katastrophe. Ich halte es für nutzlos, den verschiedenen Parteien Gräueltaten vorzuwerfen, wir Deutschen haben da wohl keiner Nation irgendwelche Vorwürfe zu machen. Man kann jetzt über den Menschen schlechthin spekulieren, aber wozu der Mensch fähig ist, hat er immer wieder bewiesen. Man sehe sich die Politikriege weltweit an, mit Trump an der Spitze, wenn die Welt das alles überlebt hat sie viel Glück gehabt. Da braucht es keine Klimakrise, obgleich die Frage im Raum steht, inwieweit das Klimageschehen in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt. Mein Eindruck ist, dass die unsichere Grundstimmung, die auch von Klimaleugnern empfunden wird, eine große Rolle spielt. Helfen würde, wenn die Welt sich aufraffen würde, gemeinsam diese Krise zu meistern. Diese Gemeinsamkeit wird aber von den heutigen Rattenfängern verhindert. Was aber hat der Rattenfänger mit den Kindern in Hameln getan ?