In unverblümter Sprache und Deutlichkeit

In Frankfurt und Umgebung ist es nicht schwer, Fluglärmgegner zu sein. Das ist zwar nicht gleichbedeutend mit Flugverkehrsgegner, läuft unterm Strich aber auf dasselbe hínaus, denn wer gegen Fluglärm ist, will letztlich den Flugverkehr reduzieren. Gar nicht so einfach in Zeiten, in denen der Betreiber des größten deutschen Flughafens, die Fraport AG, nun auch Billigflieger auf den Rhein-Main-Airport holt. Genügt ihrem Vorstandsvorsitzenden Stefan Schulte die Auslastung des Flughafens nicht? Darf es ein wenig mehr sein, um letztlich auch den Bau des Terminals 3 zu rechtfertigen und die Prognosen zu erfüllen, mit deren Hilfe der Flughafenausbau vorangetrieben wurde.

Wenn man nicht direkt am Flughafen oder unter einer der Anflugschneisen wohnt, ist es nicht schwer, die Fluglärmgegner zu belächeln oder ihnen gar wie weiland die Oberbürgermeisterin Petra Roth zu raten: Dann zieht doch weg. Es soll sogar schon Versuche von offizieller Seite gegeben haben, den Fluglärm gänzlich in Abrede zu stellen. Was natürlich lächerlich ist.

Dieser Tage werde ich die Grillsaison eröffnen. Dann beginnt sie wieder, die schöne Zeit, wenn alle paar Minuten das Gespräch auf der Terrasse stockt. Bis der Flieger, der die Nordwestlandebahn ansteuert, die Offenbacher Innenstadt überquert hat, wo ich wohne, ruht die zwischenmenschliche Kommunikation. Während er über uns ist, kann man sich am Erdboden, je nach Flugzeugtyp, nicht mehr verstehen. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass wir in regelmäßigen Abständen Gelegenheit zur inneren Einkehr bekommen. Es ist, wie Michi Herl kürzlich in der FR kolumnistete, schlicht ein Irrsinn mit der Fliegerei.

fr-balkenLeserbriefe

Jürgen H. Winter aus Schöneck antwortet Michi Herl:

„Hallo Herr Herl, ich bin so was von bei Ihnen, aber man wird es Ihnen um die Ohren hauen. Fraport als erster. Immerhin würden jedes Jahr Millionen von Frankfurt in die Welt jetten, viel mehr, als unter dem Lärm leiden. Die eigentliche Frage ist doch: Warum tun Menschen das?
Es gibt den modernen Menschen nicht. „Sapiens“ – dass ich nicht lache. Die ganzen Erkenntnisse, die der Mensch auf wissenschaftlichen Gebiet gesammelt hat, werden nur benutzt, um möglichst viel Geld zu scheffeln oder Ruhm und Ehre oder Bedeutung und Wichtigkeit oder was auch immer. Das hat der Mensch vor 50 000 Jahren vermutlich auch getan, nur gibt es heute fast acht Milliarden Menschen. Das Prinzip ist aber immer noch dasselbe. Wir nennen es Fortschritt, Wachstum, Entwicklung, Evolution. Es ist einfach kein Hirn darin. Der „moderne“ Mensch ist ein Fake. Ja, ich höre den  Aufschrei, dabei lebt der Mensch in einer Welt, von der er keine Ahnung hat (aber haben könnte), auf einer Erde, die eine Scheibe ist, mit Gott, welchem auch immer, im Himmel, wo auch immer das sein mag.
Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie könnten alles sehen und hören, was an Fernseh-, Radio-, Funk- und was noch für Wellen um Sie herum toben, ja, bei Ihnen im Raum, die sind da, sie brauchen nur ihr Smartphone,   Tablet, TV-Kiste oder was auch immer anzuwerfen. Sie würden blind und taub. Merkt das jemand?
Muss man ja auch nicht. Es ist ja alles so toll! Ihr Homo Blödmann.“

Franz Blum aus Mainz kommentiert Herls Kolumne:

„Ein viele Leser verletzender Text! Wenn in der Kolumne in der eigentlich von mir sehr geschätzten FR Benutzer von Flugzeugen auf Säufer und Kinderschänder reduziert werden, dann fühle ich mich schon sehr betroffen. Ich war weder in Thailand noch auf Mallorca, bin aber in meinem Beruf auf der einen Seite bis Vancouver und der anderen bis Seoul unterwegs gewesen. Auch privat reise ich gerne. Auch mit dem Flugzeug, aber nicht nur. Bin mit dem Fahrrad entlang der Via Claudia Augusta über die Alpen gefahren, mit meinem Sohn auch den ganzen Weg von Mainz bis Santiago de Compostela oder auch mit dem Fahrrad durch Weißrussland. Ich hätte mehr Stil in der politischen Auseinandersetzung erwartet.“

Erich March aus Reichelsheim:

„Seit vielen Jahren bin ich Leser der FR. Es geschieht nicht oft, dass ich von einem Ihrer Beiträge restlos begeistert bin, aber die Kolumne von Michael Herl hat das geschafft. Er hat in unverblümter Sprache und Deutlichkeit diesen Wahnsinn, der sich „ziviler Luftverkehr“ nennt, entzaubert. Es ist kaum anzunehmen, dass diese Kolumne mehr bewirkt als der rastlose Kampf von Jean Ziegler, der nicht müde wird, den Hunger der Kinder in den armen Ländern anzuprangern.“

Kurt Fink aus Eppstein:

„Was Michael Herl da in seiner Kolumne abgelassen hat, ist nicht nur unterste Schublade, sondern widersteht auch jeglichem Faktencheck. Nicht die Passagiere sind eine Minderheit, die Luftverkehrsgegner sind es. Im vergangenen Jahr sind weltweit 3,6 Milliarden Menschen geflogen, von und nach Deutschland alleine über 220 Millionen. Die Freistellung des Kerosins von der Besteuerung ist gesetzlich festgelegt und Grundlage internationaler Verträge. Würde man Kerosin besteuern, müssten sofort alle deutschen Fluggesellschaften
Konkurs anmelden. Ausländische Carrier könnten Deutschland nicht mehr anfliegen. Mit allen negativen Konsequenzen, die das für unsere Menschen und die Volkswirtschaft hätte. Einfacher wäre es, den Stecker von Herrn Herls Computer zu ziehen. Das würde nicht nur CO2 sparen, sondern die Leser der FR vor geistigen Müll schützen.“

Auf diesen Leserbrief bekam ich weitere Reaktionen. So schreibt Horst Helfen aus Hamburg:

„Lieber Herr Fink aus Eppstein, vielleicht sollten Sie vor dem nächsten Leserbrief kurz den Schaum vom Mund wischen. „Die Freistellung des Kerosins von der Besteuerung ist gesetzlich festgelegt und Grundlage internationaler Verträge“. Haben Sie schon mal gehört, dass Gesetze und Verträge geändert werden können? Und die Aussagen „Würde man Kerosin besteuern, müssen sofort alle deutschen Fluggesellschaften Konkurs anmelden. Ausländische Carrier könnten Deutschland nicht mehr anfliegen“ sind ebenfalls fragwürdig. Der Effekt wäre, dass die Verursacher der CO2-Emissionen dafür zur Kasse gebeten würden und nicht die Steuerzahler dies auch noch finanzieren. Dass man dann vielleicht nicht mehr für 29 Euro quer durch Europa jetten könnte, mag zwar für die Schnäppchenjäger bedauerlich sein, wäre aber für das Klima sicher kein Verlust.“

Udo Schläfer aus Wiesbaden:

„Wenn ein Flugzeug startet, macht es Lärm und wenn es landet wieder. Also macht es zweimal Lärm. Befördert wird man aber bei einem Flug nur einmal. Ergo kommen auf einen Nutzen zwei Schäden.
Im Flugzeug sitzen im Schnitt 100 Passagiere, im Start- und Landebereich leben zehntausende Bewohner. Entsprechend müssen die Zahlen von Schaden und Nutzen noch multipliziert werden. Offensichtlich sind die Schadensfälle immens höher als die des Nutzens.
Aber wie kommen trotzdem einige Leserbriefschreiber bei ihren Klagen gegen die Kolumne von Michael Herl und ihrer Verteidigung der Fliegerei zu so gänzlich anderen Ergebnissen? Und sie berufen sich hierbei auf den „Faktencheck“ und seriös erscheinende, exakte Zahlen. Bei den „Flugzeug nutzenden Menschen“ werden die Transporte gezählt, ungeachtet dass der gleiche Mensch häufig mehrmals fliegt, während bei den Lärmopfern die Wiederholungen nicht mitgezählt werden. Wenn ein Bewohner täglich unter dem Lärm leidet, weil ein anderer täglich über ihm brummt, rechnen die Flugzeugbefürworter: Auf 364 Flugzeuge nutzende Menschen kommt pro Jahr nur ein Lärmopfer. Früher nannte man das Milchmädchenrechnung, heute alterna(t)ive Wahrheit.“

Hans Schinke aus Offenbach:

„In dem Leserbrief vom 08. April „Luftverkehrsgegner in der Minderheit“ verweist der Verfasser, Kurt Fink, auf die Millionen von Menschen, die jedes Jahr in Deutschland fliegen. 60,79 Mio. Passagiere waren es genau in 2016 nach Fraport eigenen Angaben in Frankfurt. Nach der Presseinformation des Hessischen Verkehrsministeriums vom 27. September 2016 zur Lärmobergrenze werden schon heute in der Rhein-Main-Region 300.000 Menschen allein innerhalb eines Tagesdauerschallpegels von 50 dB(A) stark durch Fluglärm belästigt. Multipliziert man diese Zahl mit 365 Tagen, Wochenenden und Urlaub kennt der Luftverkehr ja nicht, dann kommt man auf eine beeindruckende Fallzahl von 109, 5 Mio. Menschen, die im Jahre 2016 durch Fluglärm gestört, gesundheitlich geschädigt und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt wurden. Das gibt zu denken. Ich bin wahrlich kein Gegner des Luftverkehrs. Der Frankfurter Flughafen gehört für mich zur Region wie die Eintracht oder der Äbbelwoi. Wohin die größenwahnsinnigen Ausbaupläne des Fraportvorstands jedoch führen, das kann man derzeit unter anderem daran sehen, dass Fraport mit seinen Unternehmensgenen sowenig zu den Low-Cost-Carriern passt wie deren geizige Kunden zu dem geplanten Luxusterminal für 3,0 Mrd. Euro mit seinem Konsumtempel auf 9.800 Quadratmetern.“

4 Kommentare

  1. hans sagt:

    Ich habe vor ein paar Tagen anderer Stelle hier im Bloog schon geschrieben das Roland Koch in der Zeit als das Thema Flughafenausbau politisch zur Entscheidung anstand eine Wahl nach der anderen gewonnen hat. Ich kann mich noch erinnern das an den Wahlabenden in der Berichterstattung bei HR 3 die Ergebnisse der Kommenen die vom Flughafenausbau besonders betroffen waren einzel betrachtet wurden. Dort waren es meist eher gute Ergebnisse für RK. Daraus kann man doch nur schließen das dieses Thema eigentlich nur für eine kleine bei den Wahlen nicht erkennbare Minderheit eins ist? Ich hatte gar den Eindruck die Grünen taten sich am Ende schwer damit gegen den Ausbau zu sein weil sich damit keine Stimmen gewinnen liessen. Ich persönlich war dagegen und habe auch entsprechend gewählt. Muss aber sagen das es ein Fehler war, denn für mich ist es leiser geworden. Der steilere Anflugwinkel, die nicht mehr geflogenen Warteschleifen, das Nachtflugverbot und das sich die Flugbewegungen auf 2 Bahnen verteilen hilft denen die vor dem Ausbau Belastung hatten sehr.

  2. Kurt Fink sagt:

    Lieber Herr Helfen aus Hamburg, Luftverkehr findet hauptsächlich zwischen Staaten statt, also außerhalb von deren Hoheitsgebiet. Um das zu regeln, wurde bereits 1943 das Chicagoer Abkommen ausgehandelt, das als Grundlage aller bilateralen Luftverkehrsabkommen dient. Diese zwischenstaatlichen Abkommen sind jeweils Teil der Luftverkehrsgesetzgebung der beteiligten Staaten. Darin wird auch die Steuerfreiheit von Kerosin festgelegt.
    Viel Spaß beim Ändern solcher Verträge. Die Gegenseite würde sich auf nichts einlassen und auch keine deutsche Kerosinsteuer beim Tanken in Hamburg oder Frankfurt zahlen. Die Lufthansa müsste das, mit dem von mir im vorhergehenden Leserbrief angeführten Ergebnis.
    Eine nicht erhobene Steuer ist auch keine Subvention, wenn alle Beteiligten gleich gestellt sind. Sonst würden Sie ja, Ihrem Argument zu folgen, mit dem, was auf Ihrem Lohnzettel unter „Auszahlung“ steht, von allen Steuerzahlern subventioniert. Im Übrigen werden anstatt einer nicht zu erhebenden Steuer Wegekosten für Überflüge usw. bezahlt. Das schafft dann wiederum ein „level playing field“, ganz ohne Subventionen. Der Luftverkehr ist in Deutschland nämlich die Gans, die goldene Eier legt. Was übrigens mit Zahlen belegbar ist.

  3. Hallo Herr Fink , die goldenen Eier kann man nicht essen , da gab es früher in Griechenland schon mal einen , dem wurde alles was er anfasste , zu Gold . Der arme Mann musste verhungern . Es geht hier doch schlicht darum , den Flugverkehr einzudämmen , er schadet dem Klima , da werden sie ja hoffentlich zustimmen . Der Nutzen ist ja wohl auch fragwürdig , denn warum wollen immer mehr Menschen irgendwo hin ? Wovor laufen die alle weg ? Meist doch wohl vor sich selbst . Dass das ganze wirtschaftlich ein Erfolg ist , ist unbestritten ,aber wie es aussieht kann das auch zur Bürde werden .

  4. Hartmut Bärz sagt:

    Selbstverständlich ist der Verzicht auf die Kerosinsteuer eine Subvention, denn anderen Verkehrsträgern wird die Energiesteuer nicht erlassen. Auch ist die Flugbenzinsteuer nicht gänzlich verboten. Laut EU-Energiesteuer-Richtlinie 2003/96 ist die nationale Kerosinsteuer für Inlandflüge zulässig. Zu diesem Ergebnis kommt schon 2005 ein Gutachten für das Umweltbundesamt. Wenn tatsächlich die Kerosinsteuer für innerdeutsche Kurz- und Kürzestflüge bewirken würde, dass sich solche Flüge nicht mehr lohnen, wäre das ein höchst willkommener Effekt. Man mag es kaum fassen, aber es gibt wirklich Linienflüge von Frankfurt nach Stuttgart, Düsseldorf, Nürnberg, Münster-Osnabrück etc. Wo soll es bei diesen Kurzstrecken eine Sinnhaftigkeit von Flügen geben? Auch wenn es die Luftverkehrsfreunde und -lobbyisten nicht wahrhaben wollen: Luftverkehr macht die Flughafenanrainer krank und Luftverkehr schädigt global das Klima ungemein. Hoffentlich führt die Diskussion über maßlose Auswüchse des Luftverkehrs endlich zu politischem Handeln.

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